Taufe des Namen und Logo in Bern

Zur Aufbau-Crew gehören:

Constantin Seibt51

Konzeption und Redaktion

Constantin Seibt war ein Kind, das Abenteurromane las. Und den Plan fasste, eines Tages dasselbe zu machen: Nicht Abenteuer zu erleben. Aber Abenteuerromane zu schreiben. Mit 22 kam er seinem Ziel am nächsten: Er schrieb mit einem Kollegen einen Krimi. Die Folge waren Aufträge von Zeitungen. Seibt blieb im Journalismus, erst bei der Zürcher Studierendenzeitung «ZS», später bei der Wochenzeitung «WoZ» und schliesslich beim «Tages-Anzeiger». Sein Spezialgebiet wurde die Grauzone zwischen Politik und Wirtschaft: von der Finanzkrise bis zur Eurokrise. Für seine Reportagenserie zum Swissair-Prozess erhielt er 2008 den Zürcher Journalistenpreis. Seibt ist einer der wenigen Reporter, die nicht nur eine Praxis, sondern auch eine Theorie haben: 2015 erschien sein Buch «Deadline» über das Handwerk des Schreibens. Die Bilanz ist also, dass Seibt sein Ziel um 180 Grad verfehlt hat: Der Beruf als Reporter verwandelte zwar sein Berufsleben in eine Kette von kleinen Abenteuern. Doch der Abenteuerroman blieb ungeschrieben. Project R soll dafür sorgen, dass es dabei bleibt.

constantin.seibt@project-r.construction

Christof Moser38

Konzeption und Redaktion

Christof Moser wollte Journalist werden, noch bevor er bis Z buchstabieren konnte – und nachdem sich herausgestellt hatte, dass Regenwaldforscher wegen Arachnophobie keine gute Berufswahl gewesen wäre. Also lancierte er mit 12 seine erste Schülerzeitung, die sich bis zum Ende der Schulzeit in ein Magazin («Nachtisch») weiterentwickelte und dann noch weiter – bis zum mittelgrossen Konkurs. Die Publikation fiel auf einen Betrüger herein. Und Moser zahlte bis 25 Druckereirechnungen ab. Nach einer kaufmännischen Ausbildung stieg Moser als Volontär beim «Brückenbauer» (dem heutigen «Migros-Magazin») in den Journalismus ein. Im Jahr 2000 gehörte er beim Wirtschaftsportal «Moneycab» zu den ersten Onlinejournalisten der Schweiz, danach folgten Stationen als Politik-Reporter bei «Facts», «Weltwoche» und «SonntagsBlick» und eine abgebrochene TV-Stage bei «10vor10». Zuletzt arbeitete er als Bundeshaus-Journalist und Medienkritiker bei der «Schweiz am Sonntag» und als freier Autor für «Literarischer Monat», «Surprise», «Zeit Schweiz» und «Schweizer Illustrierte». Daneben baute er «Infosperber» mit auf und unterrichtet Journalismus-Studentinnen und -Studenten in Politik- und Wirtschaftsjournalismus, Storytelling und Medienethik. Bei Project R kann Moser ein bisher verborgenes Talent ausleben: das Zeichnen von Plänen. Denn davon braucht ein Medienprojekt Unmengen.

christof.moser@project-r.construction

Brigitte Meyer47

Bildchefin

Die zukünftige Bildchefin der Republik tat, was kein Mensch vor ihr tat: Sie renovierte 2009 die NZZ. Die letzte nennenswerte Veränderung der «Neuen Zürcher Zeitung» lag damals über 60 Jahre zurück: 1946 hatte man die Frakturschrift abgeschafft. Was viele schon damals nach nur 166 Jahren als überhastet empfanden. Meyer verbrachte ihre Kindheit in Schaffhausen: Dort war nur der Rhein gross. Und alles andere niedlich. Sie verliess die Stadt Richtung Zürich mit einer «Aversion gegen alles Pittoreske». Eigentlich war ihr Plan, an der Uni zu studieren, um Journalistin zu werden. Doch dann bestand sie die Prüfung zur Kunstgewerbeschule. Und landete dann doch im Journalismus, nur anders: als Layouterin beim Magazin «Facts». Danach stieg sie schnell auf, weil sie «kein Problem hatte, Verantwortung zu übernehmen». Das erste Magazin, dass sie komplett neu gestaltete, war das Frauenmagazin «Meyer’s». Als dieses drei Jahre später in Konkurs ging, pendelte sie als Art-Direktorin von 2002 bis 2006 zwischen «Weltwoche» und «Magazin» hin und her. (Sie war dort, wo Roger Köppel nicht war.) Ihre Philosophie bei Bild wie Layout war: Kein Chichi, kein Bullshit, keine Schnörkel. Und vor allem: keine durchgezogene Bildsprache. Sondern das präzise Bild von Fall zu Fall, je nach Text. Und das nicht als Illustration, sondern als Statement. Im Zweifel hält sich Meyer an die Klassik – oder die Idee, die die Klassik in die Luft sprengt: «Ich mag Grenzen und das Ausbrechen aus Grenzen.» Beim Relaunch der NZZ reduzierte sie mit einer Hamburger Agentur das Layout auf das Skelett, entfernte alle Schlacken und baute es wieder auf: ohne Schnörkel, ohne Überflüssiges, nur mit einem winzigen Hauch Exzentrischem. Sie blieb als Bildchefin bis 2017. Bei der NZZ hatte Meyer ein Team von 15 Leuten und 237 Jahre Tradition im Rücken. Bei der Republik startet sie nun mit leichtem Gepäck: mit 0 Leuten und 0 Jahren Tradition.

brigitte.meyer@project-r.construction

Adrienne Fichter33

Redaktorin

Adrienne Fichter kennt Start-ups aus Erfahrung: 2009 war sie bei der Gründung von Politnetz an Bord – und ging drei Jahre durch die faszinierende Hölle von Schlaflosigkeit, Pizzaschachteln und Testen von Ideen. Politnetz.ch war der erste Versuch in der Schweiz, eine digitale Plattform für die demokratische Debatte zu bauen. Und kein schlechter Ort für Fichter, denn ihre Themen waren exakt diese: Politik und Netz. Fichter ist studierte Politologin und Social-Media-Expertin. Von 2014 bis 2017 leitete sie die Social-Media-Abteilung der NZZ: verantwortlich für Konzepte, Debatten, Trolls und Essays zum Thema. Diesen Januar kündigte sie, um als Autorin und Herausgeberin an einem Buch zu arbeiten: «Smartphone-Demokratie» zur Politik im 21. Jahrhundert: zu Fake-News, Bots, Filterblasen, Empörungswellen und den neuesten Strategien der Spin-Doktoren. Es erscheint Mitte September im Verlag NZZ Libro – und diesen Herbst wird Fichter zwecks Vorstellung kreuz und quer durchs Land reisen. Eine Debatte mit ihr lohnt sich. Nicht nur wegen ihrer Kompetenz. Sondern auch, weil Fichters Mutter aus Russland einwanderte. Und ihre Tochter trotz einer Kindheit in Luzern zwei Schweizer Nationaltugenden nie begriffen hat: den Geiz. Und die Zurückhaltung bei der Äusserung der eigenen Ideen.

adrienne.fichter@project-r.construction

Anja Conzett29

Reporterin

Anja Conzett wuchs in Schiers auf, mit Mehl, Bibel und einem vollgestopften Estrich. Sie war die Tochter eines Bäckers und Missionars und als solche von den Bauernkindern geächtet, obwohl sie sie an Wildheit oft übertraf. Sie hielt sich an endlose Stapel von «Spiegel»- und «Geo»-Heften im Estrich. Mit 16 enttäuschte sie ihre Eltern, weil sie ein weltliches Leben plante: Sie wollte Journalismus machen. In Zürich langweilte sie sich fürchterlich im Germanistik-Studium; sie überlegte, was tun. Ein halbes Jahr Indien langweilte sie auch – das taten alle. Sie entschloss sich, einen richtigen Job zu machen: Sie ging zurück nach Graubünden, ins Prättigau, und unterschrieb einen Arbeitsvertrag im Schlachthaus. Sie war die erste Praktikantin, die je dort arbeitete. Die Männer steckten ihr Kuhaugen und Hoden in den Overall. Das als Zeichen der Akzeptanz – sie taten dasselbe auch untereinander. In der Pause wurde über Politik debattiert: Die SVP-Anhänger galten unter den Schlachtern als der linke Flügel. Conzett lernte in diesem halben Jahr mehr als je sonst wo: zurückgeben. Und zuhören. Obwohl sie das Studium wieder aufnahm, blieb das Schlachthaus die beste Universität, die sie je besuchte: Sie gewann ein Ohr für den Slang. Seither kommt sie überall durch, und Milieureportagen sind das, was sie am liebsten macht. Sie schrieb für «Hochparterre», «Südostschweiz» und die «Schweizer Illustrierte» über Dealer, Prostituierte, Fernfahrer, Flüchtlinge und Bauarbeiter. Zu Letzteren erschien 2016 im Rotpunkt-Verlag der Reportageband «Lohndumping – eine Spurensuche auf dem Bau». Sie hat vor, ein furchtloses Leben zu führen.

anja.conzett@project-r.construction

Clara Vuillemin25

Head of IT

Clara Vuillemin studierte Maschinenbau und Elektrotechnik in Lausanne und Moskau. Daneben arbeitete sie in zahlreichen Jobs: auf dem Bauernhof, bei NGOs in New York, Perm (im Ural) und Kasachstan, war Reporterin bei der «Moskauer Deutschen Zeitung», App-Programmiererin in Winterthur, IT-Verantwortliche im Rotpunktverlag Zürich, Politikerin bei den Jungen Grünen, und gab – ihr bisheriger Lieblingsjob – in Lausanne Physik für Ingenieursstudenten: Mechanik, Elektrotechnik, Quantentheorie. Sie spricht schnell, denkt noch schneller. Einer ihrer Lieblingssätze ist: «Let’s get this shit done!» Wenn Vuillemin etwas nicht versteht, hat nicht sie ein Problem, sondern der, der Unverständliches gesagt hat. Ihr Job bei Project R ist der Aufbau einer IT-Architektur: Open Source, brauchbar auch für andere Medien und Entwickler, anpassbar an Entwicklung und Ideen der Redaktion: «Ich will, dass es schön ist. Ich will, dass es schnell ist. Ich will, dass es sicher ist.»

clara.vuillemin@project-r.construction

Thomas Preusse26

Software-Entwicklung

Thomas Preusse schaffte es, als Programmierer in Rekordzeit zwei Journalistenpreise zu gewinnen – obwohl er «lieber 100 Zeilen Code schreibt als einen einzigen Satz». 2016 gewann er (mit Markus Häfliger) den Zürcher Journalistenpreis für die Aufdeckung der Kasachstan-Affäre, welche die Berner Nationalrätin Christa Markwalder in Bedrängnis brachte. Preusse hatte die Suchmaschine gebaut, mit der ein Datenleck der kasachischen Regierung durchforstet werden konnte. Im Jahr zuvor hatte er mit einem NZZ-Team den deutschen Reporterpreis für die beste Web-Reportage erhalten: eine Rekonstruktion des Flugs MH370, der spurlos über dem Indischen Ozean verschwand. Seine Laufbahn begann Preusse als Webentwickler bei einer Werbeagentur in Kanada, zuletzt arbeitete er bei der Web-Agentur «Interactive Things» in Zürich. Preusses Hauptjob bei Project R ist der Aufbau des sogenannten Frontends: ein Interface, das für die Leser und Redaktion so vollkommen unauffällig funktionieren soll wie in einem englischen Schloss der Butler.

thomas.preusse@project-r.construction

Patrick Recher29

Software-Entwicklung

Patrick Recher, der Mann für die Datenbanken, machte seine Informatiker-Lehre bei der Swisscom, wo jeder Lehrling ein Generalabonnement in die Hand gedrückt bekam und die Möglichkeit, sich irgendwo im Unternehmen zu bewerben. Was ihn faszinierte, waren Netzwerke: Er hatte schon mit 12 die Nachbarhäuser verkabelt. Was ihn weniger faszinierte, war das Informatikstudium danach: lauter veraltete Software. («Für Informatiker gehört es zum guten Ton, dass du das Studium abbrichst.») Er wurde trotzdem zwei Mal Schweizer Vizemeister in Informatik. Und erhielt eine Goldmedaille (leider keinen Barren) von der Nationalbank für seine Lehrabschlussarbeit zur Finanzkrise. Seinen grössten Coup landete er mit seiner Maturarbeit: Für das erste iPhone entwickelte er eine App, die ein beliebiges Landschaftsfoto mit Orts-, Fluss- und Bergnamen beschriftete. Recher schlug damit die Entwickler aus der ETH, die mit einem ähnlichen Vorhaben gescheitert waren. Und hatte noch vor dem Abschluss einen Job als App-Entwickler. Bei Project R ist seine Verantwortung, die Programme für alles Verborgene zu entwickeln: Artikelverwaltung, Userverwaltung, Zahlungsabwicklung – «immer mit einem innovativen Twist»

patrick.recher@project-r.construction

Lukas Bünger34

Software-Entwickler

Das Buch, das Lukas Bünger noch unbedingt lesen will, ist die Abrechnung mit Oberembrach: Dort lebte er als Sohn der Pfarrerin zwischen den Söhnen von Bauern und Piloten. Und er wünscht sich als Autor die Auferstehung von Robert Musil. Musil ist kein Zufall – beinahe hätte Bünger sein Leben als Germanist verbracht –, aber er floh schnell, als er merkte, dass man in fünf Jahren Studium dort «bestenfalls ein brutaler Fachidiot» werden konnte. Er erholte seinen Kopf ein Jahr lang an der ETH mit Mathematik – und begann mit dem Job, den er sich selber beigebracht hatte: Programmierer. Nach verschiedenen Agenturen heuerte er beim Start-up Watson an: als Entwickler bei dessen Front-End. Ein gutes Interface, so Bünger, «braucht eine heikle Balance: Es macht die Sache einfach. Aber es verkauft die Leute nicht für blöd. Denn das sind sie nicht.» Obwohl Bünger «Journalisten mit Abstand für die narzisstischste Berufsgruppe» hält, gibt er der Republik eine Chance. Das, weil ihn reizt, etwas von null auf zu entwickeln. «Die Schweiz hat High-Level-Robotik. Und hervorragende Ingenieure. Aber die Professionalisierung der Web-Entwicklung fängt erst an.»

lukas.buenger@project-r.construction

Daniel Pfänder42

Software-Entwickler

Daniel Pfänder wuchs im Taubertal auf. Dieses liegt in Bayern. Noch heute spricht er den sanften Dialekt seiner Herkunft. Und ihn umgibt ein Hauch von Ruhe und Provinz. Dem es nichts anhaben konnte, dass er zehn Jahre im internationalsten und elitärsten Konzern des Planeten arbeitete: Google. So ruhig Pfänder wirkt, sein Leben bestand aus drei energischen Fluchten. Als Sohn des Dorfschullehrers ging Pfänder aufs Gymnasium. Aber mit 15 hatte er die Schnauze voll «von dem Schweinesystem: den sadistischen Lehrern». Er beschloss, als Einsiedler zu leben. Doch seine Eltern holten ihn mit einem Kompromiss «zurück in die Zivilisation»: statt auszusteigen, Rudolf-Steiner-Schule. Nach dem Abitur war er erst ratlos, weil ihn zu viele Dinge interessierten. Dann studierte er Biologie. Doch eines Tages, im Labor, als er Bakterien mit radioaktivem Mittel markierte, fragte er sich, ob er das ein Leben lang tun wollte: an einer Fussnote der Forschung mitarbeiten. Das war 1995, die Zeit der ersten Webbrowser. Pfänder verliess das Labor und stieg ins Netz um: Es schien ihm das Tor zur Welt. Er bastelte Websites, begann eine Lehre als Mediengestalter bei einer Druckerei, studierte Multimedia und jede Nacht die Jobseite von Google. Eines Nachts erschien das Inserat: Webmaster gesucht. Pfänder schrieb und bestieg vor der ersten Bewerbungsrunde in Zürich das erste Flugzeug seines Lebens. Er hatte Flugangst, kein Wunder, wirkte er nach der Landung souverän: das Schlimmste lag hinter ihm. Nach fünf Monaten Testreihen (einer davon war das Warten) bekam er den Job. Damals arbeiteten bei Google Zürich noch 150 Leute, zehn Jahre später waren es 3000. Und Pfänder fragte sich, ob er nicht schon wieder eine Fussnote war: obwohl er vielleicht die meistgesehenen Fussnoten des Planeten programmiert hatte – die auf den Videos von Youtube. Er fragte sich, ob er nicht – zusammen mit hochintelligenten Technikern – in einer Blase lebte. Er kündigte. Mit der Begründung, dass er «seine Wäsche wieder selbst waschen» wolle. Und heuerte bei der Republik an, wo er das muss.

daniel.pfaender@project-r.construction

Susanne Sugimoto54

Geschäftsführung

Susanne Sugimoto kennt KMUs, Politik, Gewerkschaften und Grosskonzerne von innen. Sie machte eine Lehre als Drogistin (nur einen Steinwurf vom Rothaus entfernt). Danach holte sie die Matura nach und machte ein Studium der Geografie und Wirtschaftsinformatik. (Das erste Kind kam am letzten Tag des ersten Semesters, das zweite am ersten Tag des letzten.) Kurz darauf sass sie im Zürcher Gemeinderat und wurde Zentralsekretärin beim Schweizerischen Kaufmännischen Verband, wo sie unter anderem nach dem Grounding der Swissair das Bodenpersonal vertrat. Dann wechselte sie aus Neugier auf die Seite, mit der sie zuvor zehn Jahre über Löhne verhandelt hatte: zu den Konzernen. Sie wurde Leiterin der Medienstelle bei Coop. Und fünf Jahre später Leiterin des Kommunikationsteams für Zentraleuropa beim Zementmulti Holcim. Heute führt sie eine selbstständige Beraterfirma. Als Geschäftsführerin bei Project R ist ihr Job der Überblick über Budget, Personal, Tagesgeschäft. Kurz: Die Aufgabe der meisten Teammitglieder von Project R ist der Aufbau von Komplexität. Ihre die Reduktion von Komplexität.

susanne.sugimoto@project-r.construction

Laurent Burst38

Strategie

Laurent Burst begann seine Geschäftstätigkeit mit 13 bei seinem Eintritt ins Gymnasium, mit Produktion, Druck und Inserateakquise bei einer Schülerzeitung, programmierte mit 14 in den Ferien professionelle Datenbanken, besass mit 15 das erste Natel der Schule, arbeitete mit 16 als Reporter für die «Zuger Presse», war mit 17 Kommunikationschef der Firma Brainstore, mit 21 Verwaltungsrat, mit 23 übernahm er die Geschäftsleitung. Mit 28 wechselte er – nach 10 Jahren Managementerfahrung – zur Verpackungsfirma Stewo, erst als Produktemanager, dann als Mitglied der Geschäftsleitung (das jüngste aller Zeiten, das erste mit Teilzeitpensum), bekam mit 30 zu Weihnachten das Buch «Annie Leibowitz at Work» geschenkt, verbrachte eine schlaflose Nacht, kündigte in der Silvesternacht und begann mit dem Beruf seines Vaters: Fotograf. Er fotografierte für Publikationen wie «GQ» oder das «Wall Street Journal», reiste im Jahr drei Mal um den Erdball, vermisste das Teamwork – und baut seit 2014 ein Startup auf: «Herr Rizzi», eine Importfirma für exotische Getränke aus der ganzen Welt. Bei Project R ist er für die Konstruktion von Businessplan und Rechtsform zuständig – und für die höflichste Art, die härtesten Fragen zu stellen. (Fragen sind die Spezialität von Burst, dessen Chef einst bei einem Mittagessen eine Ladung Zahnstocher in sein Hemd steckte und verkündete: Bei jeder Frage von Burst werde er einen Zahnstocher herausnehmen, und nach dem letzten Zahnstocher sei für den Rest des Tages Ruhe.) Bei Project R haben wir leider keine Zahnstocher: Burst hat vor, das Projekt im Verwaltungsrat derart hart mit Fragen zu löchern, dass es auch noch in 20 Jahren ausbaufähig bleibt.

laurent.burst@project-r.construction

Nadja Schnetzler45

Prozesse und Zusammenarbeit

Nadja Schnetzler begann bei einer Schülerzeitung, aus der noch vor der Matura ein Business wurde: die Vermittlung von Inseraten für Schülerzeitungen. Später, in der Ringier-Journalistenschule, machte sie Praktika bei so unterschiedlichen Medien wie «Bild» und «taz». Doch entscheidender war ein Tag im Frühling 1997: Als Schnetzler mit ihrem späteren Mann entschied, während der Herbstferien in einem Ladenlokal in Biel ein neuartiges Geschäft aufzumachen: einen Ideenhandel namens Brainstore. Die ersten Produkte waren noch unschlagbar günstig – für 9 Franken 90 erhielten Passanten gleich drei Ideen. (Eine typische Frage war etwa, wie man den pensionierten Ehemann dazu bringt, wieder ausser Haus zu gehen.) Zur Verblüffung aller entwickelte sich daraus eine international tätige Firma: Auf dem Höhepunkt beschäftigte Brainstore 80 Mitarbeiter und 3000 Freelancer – und entwickelte Ideen für Unternehmen, NGOs, Privatleute und Regierungen auf sämtlichen Kontinenten, mit Ausnahme der Antarktis. (Mehr zu Theorie und Praxis der industriellen Ideenproduktion finden Sie in Schnetzlers Buch «Die Ideenmaschine».) 2012 machte sich Nadja Schnetzler als Kollaborations-Coach mit «Word and Deed» selbstständig. Bei Project R ist ihr Mandat die Entwicklung und Zusammenarbeit: Wie macht man etwas besser? Wie einfacher? Und wie kann man etwas neu denken?

nadja.schnetzler@project-r.construction

Richard Höchner30

Netzwerk-Organisation

Das Interessante am Journalismus ist, dass man mit jedem einen Grund zum Reden hat: von der Bundesrätin bis zum Bauarbeiter. Und das Interessante an einer Redaktion ist, dass die verschiedensten Leute vorbeikommen. Leute mit Ideen, mit Interessen, mit Fragen, mit Informationen – kurz: Verrückte aller Art. Richard Höchner ist unser Mann, der diese Vielfalt zusammenbringen wird. Seine Eltern lernten sich in einem kaputten Zug in Italien kennen. Das Resultat dieser Zugpanne, Richard Höchner, wuchs danach in zwei Familien auf: Die schweizerische war ruhig und seriös, die italienische laut, politisch und so herzlich wie chaotisch. Höchner besuchte die Schule in Rheineck SG: einer kleinen Grenzstadt, die nicht nur aussah, als käme sie aus dem Mittelalter. Sondern sich auch so anfühlte. Er floh: erst nach Neuseeland zu einem Auslandjahr, dann – noch im Gymnasium – als Trendscout zur Bieler Firma Brainstore. Höchner machte schnell Karriere: zum Organisator von 3000 freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern rund um den Planeten. 2010 wechselte er zu Warm Decent Human Beings (WDHB) – einer Firma, die Informationsreisen für andere Firmen organisiert: Höchner führte Ingenieure, Financiers und Manager in Dinge wie digitales Business, Detailhandel oder Marketing ein – an Orten wie Doha, Bangalore oder Bogotá. Sieben Jahre flog er pro Jahr dreimal um den Planeten. (Und veranstaltete als Hobby in Zürich Partys.) Als Resultat, sagt er, haben unter seinen Freunden kaum zwei Leute denselben Pass. Bei Project R wird Höchner zum ersten Mal sesshaft. Er ist zuständig für das, was er schon immer tat: das Zusammenbringen von Leuten und Ideen. Also für die Vernetzung von Experten und Lesern aller Art. Und sonstigen Verrückten.

richard.hoechner@project-r.construction