«Unser Ziel ist, auf den aktuellen Stand des Irrtums zu kommen.»

Abo #2

Constantin Seibt

Reporter

Falls Sie mich kennen wollen, genügt folgendes: Als Kind fand man mich nie, weil ich in in irgendeiner Ecke verkrochen Abenteuerromane las. Das bin ich bis heute: Ein schüchterner Mensch mit einem abenteuerlichen Herzen. Der Rest meines Lebens verlief ebenso langweilig, weil ich es nie merkte. Mein wichtigster Entschluss fiel mit 14. Ich wollte nicht nur Beobachter sein, sondern auch dabei. Also fing ich an, alle möglichen Stile zu kopieren und fälschte mich schockierend unbegabt durch die Weltliteratur. Mit 21 schrieb ich mit einem Freund einen Krimi: "Das Unglück". Es war eine ungeheure Erleichterung, keine Kunst mehr zu schreiben. Sondern einen Mann mit einer Kanone die Tür eintreten zu lassen. Dadurch entdeckten mich die Zeitungen. Dass jemand für Geschriebenes Geld zahlte, war eine erst eine Überraschung. Dann eine Versuchung. Ich widerstand nicht. Und für Dutzende Zeitungen zunächst Short-Stories, dann Hunderte von Kolumnen, später Reportagen und am Ende über Politik und Wirtschaft. Ich tat das für Dutzende Publikationen. Aber meine wichtigsten Arbeitgeber waren die Studentenzeitung ZS, die Wochenzeitung WoZ und zum Schluss der "Tages-Anzeiger". Dann kam das Netz und veränderte die Zeitungen und die Unternehmensstrategie ihrer Verlage. Eines Tages wurde mir klar, dass es nicht genügte, in der Krise nur Beobachter zu sein. Sondern dass es darum ging, etwas zu tun. Die Planungen für die "Republik" dauerten vier Jahre – es war ein langer Weg. Heute startet sie. Und das kleine Entwicklerteam von sechs Leuten wurde zu einem kleinen Konzern 32 Leuten. Wir haben nun die Verantwortung, die Hoffnung von über 15500 Leserinnen und Lesern nicht zu enttäuschen. Die Ecke aus der Kindheit ist damit Geschichte. Die "Republik" ist ein echtes Abenteuer, was man daran erkennt, dass es nicht nur angenehm ist.

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