«Challenge Accepted»-Newsletter

Wie wir die Welt dekarbonisieren

24.01.2024

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Liebe alle

Wie enttäuscht wären Sie, wenn es «Challenge Accepted» nicht mehr gäbe? Wir freuen uns, wenn Sie sich 5 Minuten Zeit nehmen und uns mitteilen, was wir gut machen und was wir besser machen sollten. Zur Umfrage.


«Ich hätte die perfekte Ausbildung zum Ökoterroristen. Ich weiss, wie Infra­struktur funktioniert, wie man Roboter baut, wie man Chaos anrichtet.» Tatsächlich war das mal der Plan von Saul Griffith, sollte die Welt 2020 ihre globalen Klimaziele verpassen.

Seine Frau hat es ihm schliesslich verboten.

Wirkung entfaltet Griffith nun anders. Er ist seit Jahren ein wichtiger Vordenker für erneuerbare Energien, hat mehrere Firmen und NGOs gegründet, US-Präsident Joe Biden beraten.

Elia Blülle hat sich mit ihm über das grosse Ganze unterhalten: Wie dekarbonisieren wir die Welt? Und woran scheitert das gerade noch?

Griffiths Botschaft: Es braucht strengere Gesetze, mehr Innovation und mehr staatliche Investitionen. Aber auch: Jede Einzelne muss bei ein paar wenigen Entscheiden das Richtige tun.

Denn: «Die Nachfrage­seite müssen wir genauso schnell dekarbonisieren wie die Angebots­seite, sonst geht die Rechnung nicht auf.»

Interview jetzt lesen

Der direkteste Weg zu weniger Emissionen führt – wie Griffith das schön ausführt – darüber, ganz einfach weniger in die Luft zu pusten. Es gibt aber auch die Möglichkeit, bereits ausgestossenes CO2 wieder aus der Luft heraus­zufiltern. Direct air capture nennt sich das Verfahren, eine der in dieser Technologie führenden Firmen stammt aus der Schweiz. Sowohl das neue Schweizer Klima­gesetz wie auch die Szenarien des Weltklimarats gehen davon aus, dass das Ziel netto null nur mithilfe von solchen Negativ­emissionen zu erreichen ist.

Noch ist die Technologie mit vielen Frage­zeichen behaftet. Derzeit reichen die Kapazitäten gerade mal aus, um pro Jahr wenige Sekunden der weltweiten Emissionen rückgängig zu machen. Und Kritiker argumentieren, dass die Technologie von der Fossil­industrie als Feigen­blatt benutzt werde und der dringend notwendigen Emissions­reduktion im Wege stehe.

Cornelia Eisenach bietet einen Überblick, wo die Technologie heute steht und was man sich von ihr versprechen kann.

Highlights

Tausende Leserinnen sind in den vergangenen Wochen zu «Challenge Accepted» dazu­gestossen. Willkommen!

Darum an dieser Stelle ein paar Highlights unserer Bericht­erstattung – für alle, die sie verpasst haben oder sie ein zweites Mal lesen möchten.

Drei Fragen an …

Celia Hug ist Grafikdesign-Studentin. Mit ihrem Buch «Suche Fern. Finde Nah» lädt sie dazu ein, darüber nachzudenken, warum wir eigentlich so gerne in die Ferne reisen.

1. Was bereitet Ihnen zurzeit am meisten Sorge?
Wie gut wir Menschen darin sind, wegzuschauen, sobald sich etwas hinter dem eigenen Horizont abspielt. Immer häufiger kommt ein beschämtes Gefühl in mir hoch, Teil der zerstörerischen «Spezies Mensch» zu sein. Und ich (fremd)schäme mich noch viel mehr, dies so offen zugeben zu müssen.

2. Was stimmt Sie zurzeit optimistisch?
Dass es trotz allem viele Menschen gibt, die sich für eine gerechtere Zukunft einsetzen und unglaublich innovativ denken und wirken. Die gab es schon immer. Und wenn ich mir vor Augen führe, wie viele dieser Menschen noch nicht zueinander gefunden haben, um ihr gemeinsames Potenzial zu nutzen, gibt mir das Kraft. Ich gebe aber auch ehrlich zu: Zurzeit finde ich es sehr anspruchsvoll, optimistisch zu sein.

3. Wer inspiriert Sie?
Da gibt es ganz viele Menschen. Spontan denke ich an Nora Wilhelm als Mensch und soziale Innovatorin, die wirkungs­volle Arbeit leistet für eine klima­gerechtere Zukunft. Oder Bisan Owda, Filme­macherin und Journalistin aus Gaza, die trotz den grauen­vollen Umständen im Gaza­streifen nicht aufhört, der Welt die Tatsachen ihrer Heimat vor Augen zu führen. Oder Zanele Muholi – südafrikanische, nonbinäre Fotograf:in. Muholis Arbeit gibt Einblick in die brutale Realität queerer Menschen im afrikanischen Raum.

Celia Hug empfiehlt

Rick Rubin: «Kreativ. Die Kunst zu sein». O. W. Barth, München 2023. 416 Seiten, ca. 34 Franken.

Rick Rubin beschreibt in seinem Buch künstlerische Prozesse und gibt neue Denk­anstösse zum «Kreativsein», die längst nicht nur für Menschen aus der Kreativ­branche gültig sind. Denn wir brauchen mehr Menschen, die mit ihrem kreativen Kopf unsere Welt von morgen mitgestalten, und das kann jeder Einzelne von uns sein.


Aus der Community

Im letzten Newsletter haben wir Sie gefragt, welche Schlag­zeilen Sie im Jahr 2024 gerne lesen würden. Was wir aus Ihren Antworten heraus­lesen: Sie denken gross. Ein paar Ihrer Wunsch­schlagzeilen:

  • «Die Demokratien sind stabiler geworden» (Lena Stahl)

  • «Die Schweiz schafft es, die Pariser Klimaziele einzuhalten» (Olivia Vogt)

  • «Bauernverband vollzieht radikale Wende zu mehr Biodiversität» (Markus Widmer)

  • «Endlich schenken sich Kontrahenten gegenseitig Gehör» (Susanne Ramseier)

  • «Postkapitalismus ist Realität und funktioniert» (Luzia Kathriner)

Und dann war da noch diese Wunsch­schlagzeile von Charlotte Bhattarai:

«Die Republik erreicht die Zahl von 1 Mio. Abonnent*innen»

Zumindest in diesem Jahr etwas ambitioniert. Aber wenn Sie mithelfen möchten, dass die Tendenz in diese Richtung zeigt, sind Sie uns als Abonnent sehr willkommen.


Liebe Grüsse, und bis bald!
David Bauer, Elia Blülle, Sabrina Weiss

PS: Das WEF hat seinen jährlichen «Global Risks Report» veröffentlicht, mit Einschätzungen von Expertinnen, was die Welt kurz- und mittel­fristig vor die grössten Heraus­forderungen stellt. Mit Blick auf die Welt in 10 Jahren haben die Top-3-Risiken alle mit der Klima­erwärmung zu tun – wie bereits im Vorjahr. Aus der Liste der grössten aktuellen Risiken wurde die Klimakrise hingegen weitgehend verdrängt.

PPS: Danke allen, die bei unserer Online-Veranstaltung mit Rebecca Solnit dabei waren und fleissig Fragen gestellt haben. Eine Zusammen­fassung des Gesprächs erscheint demnächst auf Republik.ch.

PPPS: Hier nochmals der Link zur Umfrage, wo Sie uns sagen können, was Ihnen an «Challenge Accepted» gefällt und was Sie vermissen.


Die Klimakrise ist hier. Die Lage ist ernst. Challenge accepted.
Ein frischer Blick auf die grossen Heraus­forderungen und auf Menschen, die sie anpacken. Und jede Menge Gelegenheiten, sich auszutauschen, voneinander zu lernen und sich gegenseitig zu inspirieren.

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