Im Gespräch

«Wahr ist in unserer Demokratie nicht, was die Wissenschaft sagt, sondern, was die Mehrheit sagt»

Die Schweiz ist es sich gewohnt, verschont zu bleiben – und versagt gerade in der Bewältigung der zweiten Pandemiewelle. Was ist los? Folge 8 des Podcasts mit Kabarettistin Patti Basler und Republik-Autor Daniel Binswanger.

Von Roger de Weck, 16.12.2020

Sterben Tausende alte Menschen, ist es «okay» – meinen Bundesrat Ueli Maurer und erstaunlich viele Schweizerinnen. Zwar leben wir im Land der Vorsicht und der Versicherungen, trotzdem nimmt die Schweiz immer mehr Corona-Ansteckungen in Kauf. Sie ist reich und geizt mit den Hilfsgeldern. Warum versagen so viele Deutschschweizer Kantone? Wieso werden Frauen nun erst recht benachteiligt? Weshalb hasst die Schweiz Wahrheiten so sehr?

Roger de Weck im Gespräch mit Kabarettistin Patti Basler und Republik-Feuilletonchef Daniel Binswanger über unser befremdliches Land, dessen unsympathische Seiten in der Krise besonders hervorzustechen scheinen.

Was Sie im Podcast erwartet:

  • «Die wären ohnehin bald gestorben», heisst es über die Toten (00:52)

  • Das Verdrängen des Todes – die Fakten gelten als Panikmache (04:53)

  • Schweizer Vorsichtskultur: Nirgends sind die Menschen so umfassend versichert, das Gesundheits­system ist das zweitteuerste der Welt – aber in Corona-Zeiten gelten Vorsichtsmassnahmen als zu kostspielig (07:15)

  • Wirtschaft über alles? Am schädlichsten für die Wirtschaft ist die unkontrollierte Verbreitung des Virus (11:30)

  • Die Eidgenossenschaft versagt in der Pandemie-Bewältigung – trotzdem «sind wir besser als die anderen» (12:17)

  • Wir sind uns gewohnt, verschont zu werden und davonzukommen (14:35)

  • Wenn die FDP es fertigbringt, sich gegen strengere Massnahmen zu stellen und gleichzeitig den Verbleib des WEF in der Schweiz zu fordern (16:30)

  • Das Ergebnis der Wahlen 2019 rechtfertigte es nicht, dass vier Bürgerliche im Bundesrat sitzen – nun diktieren sie die Corona-Politik (18:57)

  • Das irreführende Allerweltswort «Eigenverantwortung»: Wir tragen immer auch Fremdverantwortung (19:51)

  • Das eidgenössische Trauerspiel: Die Kantone wollten die Macht zurück – und viele waren dann überfordert (25:00)

  • Die Schweiz erträgt die Wahrheit besonders schlecht – sie gilt als polemisch, und die politische Kultur der Verdrängung gehört zu unserem Geschäftsmodell (31:02)

  • Das gestörte Verhältnis der Schweiz zur grösseren Bevölkerungshälfte: zu den in dieser Pandemie ganz besonders beanspruchten Frauen (37:43)

  • Bürgerliche Gegner der Konzern­verantwortungs­initiative sagten: «Wir wollen die KMU schützen.» In der Pandemie ist dann aber der Schutz der KMU zu kostspielig (41:19)

  • Die Wirtschaftspolitik richtet sich nach den Wirtschaftsverbänden und nicht nach der gesamtwirtschaftlichen Rationalität (43:28)

  • Was wird sich nach der Pandemie in der Schweiz geändert haben? Werden wir die Tausenden Toten einfach «wegstecken»? (46:43)

Zur Person

Tibor Nad

Patti Basler ist Slam-Poetin, Kabarettistin und Autorin. Sie wurde für ihr Werk mehrfach ausgezeichnet, 2019 erhielt sie den «Salzburger Stier», den wichtigsten Kleinkunstpreis im deutschsprachigen Raum. Sie führte Anfang des Jahres auch durch einen Informationsabend der Republik.

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