Der, der du niemals sein wirst

Der lange Blick

ADHS-Kolumne, Folge 12 – Träumerei ist nicht harmlos. Sie verpassen die Gegenwart – oder Sie verpassen ihr eins.

Von Constantin Seibt, 06.08.2020

Vorgelesen von Danny Exnar
0:00 / 21:07

Da steht es, dein Kindchen, und sieht dich an.

Und du blickst runter und siehst: wie der ganze Körper ein Warten ist. Und den langen Blick in den meergrauen Augen.

Und dann gibst du ihm den Keks. Den Teddy. Und ein Glas Sirup.

Und das Kindchen wird den Keks verweigern, den Sirup zur Hälfte trinken und mit der anderen Hälfte den Teddy duschen. Und du weisst, das ist nur der Anfang. Denn für Kinder sind ihre Eltern ein Buffet. Sie nehmen sich etwas heraus. Und lassen anderes liegen.

Doch so läuft es mit dem Lernen: ob im Kinder­zimmer oder in der Universitäts­bibliothek – es geht immer um Diebstahl und Verrat.

Kultur definiert sich geradezu als eine Kette von Diebstählen – was nicht von einer späteren Generation gestohlen wird, gehört nicht dazu. Und das, was du nicht verändert, verdaut, verlassen, kurz: verraten hast, gehört nicht wirklich dir.

Kein Wunder, sind kluge Konservative Melancholiker. Sie wissen mit Giuseppe Tomasi di Lampedusa, dass alles anders werden muss, damit alles so bleibt.

Nicht einmal die Vergangenheit bleibt, was sie war. Tradition hat mehr mit Empfindung und Erfindung zu tun, als ihren Verteidigern lieb ist. Sie ist Inspiration, nicht Wieder­holung. Oscar Wilde hatte recht, als er schrieb: «Die einzige Pflicht, die wir gegenüber der Geschichte haben, ist, sie umzuschreiben.»

Kein Wunder, lautete eines der Versprechen bei der Gründung der Republik: «Wir verteidigen aufs Energischste die Tradition, die wir soeben erfunden haben.»

Ihre Pflicht: Ein Plan

Der Grund, warum man Sehnsucht ernst nehmen sollte, ist, dass sie das eigene Leben auf Kurs hält. Sie verschafft einem einen langen Blick. Es ist die Zeit, in der du die Zeit hast, einen Plan zu entwickeln.

In den sieben Jahren, die ich brauchte, um in den Journalismus zu kommen, sah ich mir die Zeitungen und Magazine hungrig an. Das Wesentliche, das ich sah, war, mit wie viel Umsicht ihre Maschinerie gebaut war. Und mit wie viel Blindheit. Der grösste weisse Fleck war, dass die meisten Journalisten glaubten, ihr Geschäft bestehe darin, schriftlich Informationen zu vermitteln.

Ich glaubte das nicht. Ich war überzeugt, dass die Schrift keineswegs nur das Träger­system für Informationen war. Sondern, dass Leserinnen vor allem Leserinnen waren – sie lasen nicht Informationen. Sondern sie lasen einfach.

Was hiess: Sie waren neugierige Leute. Und damit verführbar. Nicht nur für Informationen, sondern für alles Mögliche: angeblich Relevantes wie angeblich Irrelevantes. Solange es geschrieben und nicht getippt war.

Im Prinzip war mein Plan für den Fall, dass ich je einen Job bekommen sollte, sehr einfach: die Techniken der Literatur in die Zeitung zu importieren. Der Vorteil war, dass man dabei kein erstklassiger Schrift­steller sein musste, um erstklassige Wirkung zu erzielen. Das deshalb: Wer ein Buch aufschlägt, erwartet Grosses – bei weniger ist man enttäuscht. Man tritt als Autorin immer gegen die eigene Bibliothek an. Wer dagegen eine Zeitung aufschlägt, erwartet nichts. Das Publikum begräbt hier mit Lesen und Kaffee oft nur etwas tote Zeit. Schreibt man nur einen Hauch exzentrischer oder aufrichtiger, kann man es leicht bezaubern, verblüffen, überrumpeln.

Mit dieser simplen Idee verdiente ich mein Leben. Anfangs wurde ich vor allem für Kolumnen und Zucker­zeug angeheuert – schlicht deshalb, weil nur wenige Leute der Branche ohne das eiserne Rückgrat der Relevanz schreiben konnten. Ich lieferte das Konversationskonfekt.

Später schrieb ich dann Relevantes, Politik und Wirtschaft. Ich schwitzte zwar jedes Mal Blut, ob ich – ohne Ausbildung – die Fakten richtig begriffen hatte. (Und ich schwitze bis heute.) Aber meine Kompetenz war, dass ich, wenn ich endlich etwas verstanden hatte, über Komplexes so schreiben konnte, dass es wie Konversations­konfekt klang.

Die Chance, meinen Beruf zu verändern, ergab sich im Herbst 2001, als in der «Wochenzeitung», der WOZ, aus völlig verschiedenen Gründen auf einen Schlag sämtliche Dinosaurier das Inland verliessen. Als hätte der Komet eingeschlagen. Der Einzige, der übrig blieb, war der rangniedrigste Redaktor: ich – der Spezialist für Komik und Kolumnen.

Kein Wunder, sagten einige: «Das ist das Ende der WOZ.» Während ich das Gefühl hatte: «Jetzt können wir anfangen.» Denn in den sieben Jahren, die ich in den Rand­spalten herum­gelungert war, hatte ich rumgeträumt, wie zum Teufel man die Zeitung machen sollte.

Die Neunziger­jahre waren eine lähmende Zeit für die Linke gewesen. Nach dem Bankrott der Sowjet­union hatten sie wenig zu sagen: Der Planet war für zehn Jahre von McKinsey übernommen worden. Die Politik privatisierte, was ging. Manager wurden zu hoch bezahlten Stars und diktierten in den Sitzungs­pausen Memoranden, dass auch der Staat wie eine Firma geführt werden müsse. Die Jugend interessierte sich für Lebens­lauf und Karriere, an der Börse wurden Internet-Start-ups zu Milliardenkonzernen.

Meine These war, dass die Linke Anlass zu hervor­ragender Laune hatte. Denn zehn Jahre Welt­erfolg hatten die Liberalen verwüstet. Das mörderische Tempo der globalen Wirtschaft hatte sie überrollt. Ihre Politik bestand vor allem daraus, möglichst viel Verantwortung abzugeben: weniger Staat, mehr Privat­wirtschaft. Es war eine Kapitulation vor der Komplexität.

Das hiess, dass die Linke nun die Chance hatte, das reiche Erbe der Liberalen zu übernehmen: Eine linke Zeitung im 21. Jahr­hundert musste von Freiheit reden, von Verantwortung, Augen­mass, Kosten­wahrheit, funktionierenden Institutionen und solider bürgerlicher Arbeit.

Statt den Neoliberalismus zu verurteilen, musste man nur nachrechnen: Er rentierte nicht – jedenfalls nicht für die breite Mittel­klasse. Statt Manager­gehälter als unmoralisch anzuprangern, konnte man trocken argumentieren, dass die Anreize falsch gesetzt waren: Der kurzfristige Erfolg der Chef­etage verhinderte den langfristigen Erfolg der Firma. Statt Sozial­leistungen mit Gerechtigkeit zu begründen, konnte man argumentieren, dass ein Mangel an Sicherheit Innovation verhinderte.

Dazu war nach zehn Jahren der Niederlagen endlich Zeit für Demut. Und für Freundlichkeit. Nach den – zumindest kulturell – durchschlagenden Erfolgen von 1968 hatten sich im linken Milieu miserable Manieren breitgemacht: Gelobt wurde niemand. Denn wer das Richtige tat, tat nur seine historische Pflicht. Dagegen wurde jeder Fehler und jeder Sitten­verstoss ausführlich besprochen. Und lang erinnert. Kurz: Die politische Linke folgte dem alten Gebot des Protestantismus: Du kannst alles tun, sogar viel Sex haben, unter der Bedingung, dass du dabei keinen Spass hast.

Es war Zeit, das zu ändern: Wenn man schon auf der Verlierer­seite im Schlamm lag, dann wenigstens höflich, freundlich, grossherzig. Und im Zweifel fröhlich: Es war Zeit, mit dem Jammern aufzuhören. Und die paar seltenen Erfolge zu feiern.

Damals, im Herbst 2001, hatte ich mit diesem Plan gleich doppelt Glück. Zunächst kam, weil kein Profi auf das sinkende Schiff wollte, die perfekte Mannschaft dafür an Bord: Ein Student, der dreimal Kants «Kritik der reinen Vernunft» gelesen hatte, übernahm das Bundes­haus, ein kiffender Ex-Kampf­pilot die Wirtschaft, der nerven­stärkste Abschluss­redaktor die Politik und die Frau, die für die «Annabelle» über Astro­zwillinge geschrieben hatte, übernahm die lebensnahen Stoffe.

Was den politischen Journalismus betraf, waren wir alle Anfänger – und deshalb weit besser vorbereitet als die Konkurrenz. Denn im Herbst 2001 flog das bisher Gültige auseinander: Flugzeuge krachten ins World Trade Center, die New-Economy-Blase platzte, in Zug erschoss ein Irrer 14 Parlamentarier, der Gotthard­tunnel brannte, die Swissair machte Bankrott. Das 21. Jahr­hundert begann. Unser Job war herauszufinden, was es brachte.

Das war fast einfacher ohne die Brille der Erfahrung. Nie habe ich Leute an meinen Neben­tischen so schnell lernen gesehen. Nie habe ich selbst schneller gelernt. Nie zuvor und danach war ich so glücklich, jeden Morgen das Büro zu betreten.

Der Mann, der 1968 vor dem Fenster stand

Ein Schnitt zu dem Herrn aus der letzten Folge:

Christoph Blocher war 1968 Mitglied eines Clubs mit miserabler Laune: des Studenten­rings. Die bürgerlichen Studentinnen waren in der Revolte nur verspottete Zuschauer, wenn auch in der ersten Reihe.

Aber Blocher tat, was er tun konnte: Er schaute genau hin. Und, wie sich später zeigen würde, er entschloss sich, ebenfalls Rebellion zu machen, falls er eine Gelegenheit fand.

Er fand sie. Und so kopierte die SVP der Neunziger­jahre fast deckungs­gleich die Rezepte der Links­radikalen der Siebzigerjahre:

  1. Schocks: Die 68er entsetzten das Bürgertum mit Tabu­brüchen wie Nackt­demonstrationen, Gewalt, dadaistischen Parolen – die SVP schockte mit rüpelhaften Plakaten, brutalem Spott und dadaistischen Forderungen: etwa mit völker­rechts­widrigen Ausschaffungs­initiativen oder dem Minarettverbot.

  2. Doppelohrfeigen: Bei Empörung entschuldigte man sich nie, sondern gab den fassungs­losen Bürgerlichen gleich die zweite Ohrfeige hinterher. Etwa, indem man sie wegen Zensur anklagte. Oder jede Rüpelei zum Beweis dafür erklärte, dass die Lage so schockierend sei, dass aufrechten Leuten nichts anderes übrig blieb.

  3. Kampfbegriffe: Traditionelle Politik arbeitet mit der Formulierung von Gesetzen, Fundamental­opposition an der Formulierung von Formulierungen. Die linke Minderheit 1968 eroberte die politische Luft­herrschaft vor allem durch Begriffe wie: «Repression», «Konsum­terror», «Imperialismus», «Wald­sterben» etc. Die SVP produzierte fabrik­mässig Kampf­begriffe wie: «Weichsinnige», «Schein­invalide», «Kosovo-Albaner», «Classe politique», «Linke und Nette», «die in Bern», «Kuschel-»(Justiz/Pädagogik/Politik) oder – last, but not least – «Schmarotzer».

  4. Kampf gegen oben: Der Gegner war 1968 wie in den Neunzigern der gleiche: das Establishment. Eine Macht­elite, deren Mitglieder auf ebenso klare wie unklare Art zusammen­arbeiteten, um die ehrlichen Leute auszupressen. Und danach deren Schweiss und Blut oder Champagner zu trinken.

  5. Stolze Opfer: Verblüffender­weise konnte man als Anhänger der Bewegung je nach Lage in Sekunden­schnelle die Rolle wechseln: zwischen freiem Menschen und ewigem Opfer. Man war Agent einer unausweichlichen Revolution und Objekt der kapitalistischen Repression. Und zwanzig Jahre später: senkrechter Schweizer Bürger und ein gerupftes Huhn.

  6. Kaderpartei: In seiner besten Zeit gelang Blocher mit der SVP etwas, was sich die Orthodoxen unter den Links­radikalen nur erträumten: eine lupenreine leninistische Kader­partei. Und das mit breiter Basis im Volk. Für mehrere Jahre sprachen fast alle in der SVP gleich. Die Entscheidungen fielen im Führungs­zirkel des Polit­büros, die Formulierungen wurden mitgeliefert. Die Mitglieder selbst konnten sich vor allem durch Fleiss für die Sache auszeichnen.

  7. Linientreue: Wie in der radikalen Linken wurden regelmässig Verräter aus der Partei gespuckt. Nach Blochers Abwahl als Bundesrat sogar ganze Sektionen.

  8. Echte Demokratie: Wie zuvor die radikale Linke entwickelte auch die SVP eine Instanz, die höher stand als Parlament, Regierung und Justiz. Bei den Linken handelte die Partei im Namen des «Proletariats», bei der SVP hatte man nur vor einem Respekt: dem «Volk». (Das verblüffender­weise immer dasselbe wollte wie die SVP, selbst wenn es anders abstimmte.)

Als ich noch Kind war, belehrte mich mein Vater öfter mit einem Satz des Entertainers Sammy Davis Jr.: «Du kannst immer improvisieren, wenn du perfekt vorbereitet bist.»

Damals ärgerte ich mich. Denn ich hatte keine Ahnung, was er meinte. (Und ich behielt das Zitat wahrscheinlich genau deshalb im Kopf. Man merkt sich aus seiner Kindheit am längsten die Dinge, die man nicht versteht.)

Heute glaube ich, er meinte Folgendes: Du sollst die Zeit des Wartens nicht vergeuden. Und einen Plan für die Zeiten mit günstigerem Wind machen. Denn sobald der Wind dreht, hast du keinen Kopf mehr, über den Kurs nachzudenken.

Was Herrn Blocher angeht, hat er seine Jugend nicht verschwendet: Er bestahl und verriet 1968. Und war perfekt vorbereitet, als sich eine Chance bot. Und bekam seine Rebellion.

So wie der Rest der Schweiz leider auch.

Der Preis, den Sie (und andere) zahlen

Zugegeben: Es ist keine reine Freude, jemanden in der Nähe zu haben, der vor dem Fenster steht und darüber nachdenkt, wie man den Laden völlig neu bauen könnte, falls du ihm eine Gelegenheit gibst.

Alles kostet einen Preis. Verträumtheit und Sehnsucht gelten als leichte Ware – ihr Stoff ist durchsichtige Seide mit ein paar funkelnden Steinen drin. Kein Wunder, kommen sie, wie jeder Mode­profi weiss, entsprechend teuer zu stehen.

Ich glaube, die Kosten für Sie und andere sind etwa die:

1. Sie brauchen die Instinkte eines Raubtiers
Falls Sie sich mit Ihren Tag­träumen nicht aus der Realität verabschieden wollen, müssen Sie zumindest einige Ihrer Träume in die Realität umsetzen. Das heisst: a) Sie müssen kämpfen lernen, b) das richtige Timing hinkriegen – wenn sich eine Chance ergibt, müssen Sie rennen, c) Sie leben nur selten im Frieden mit dem Gegebenen. Sondern bestenfalls in einem Waffenstillstand.

2. Sie leben ein Fussballerinnenleben
Ihre Coups müssen von Zeit zu Zeit gelingen – sonst ist Ihre Träumerei wertlos. Und Sie als Träumerin auch. Damit leben Sie (und leider auch Ihre Angehörigen) ein Fussballer­leben: von Match zu Match. Im Grunde sind Sie nur so gut wie das letzte Spiel.

3. Sie leben selten in der Gegenwart
Eines der Dinge, die ich gelegentlich höre, ist: «Du bist nie da. Ich vermisse dich.» Oder: «Deine Tochter, deine Mutter, dein Sohn vermisst dich.» Worauf ich sage: «Ich war das ganze Wochen­ende zu Hause. Und gestern auch!» Worauf die Antwort kommt: «Anwesend ja, aber nicht präsent.» Der grosse Nachteil beim Herum­träumen ist, dass man dabei nur selten in der Gegenwart vorbeikommt: In den Zeiten des Wartens lebt man in der möglichen Zukunft – in den Zeiten des Kämpfens ist man zwar ganz da, aber in Action und an der Front.

4. Sie haben eine Tendenz zum Kreuzzug
Um ein letztes Mal Herrn Blocher ins Spiel zu bringen: Etwas, was man in vielen Interviews mit ihm las, war, wie er vor wichtigen Entscheidungen zweifelt, nicht schläft, seine Reden in mehreren Fassungen schreibt, Angst­träume hat, auf dem Weg zum Podium vor Angst halb stirbt … Dort allerdings wird auf andere geschossen.
In der Tat ist es so: Wer lange mit seinem Engel ringt, geht danach umso entschlossener auf Kreuz­zug. Je härter ich an einem Text arbeite, desto härter ist oft das Urteil darin. Selbst­zweifel sind eine altbewährte Art, sich spirituell zu bewaffnen. Man hat sehr gelitten, also ist es nur gerecht, wenn andere es danach auch etwas tun.

5. Eines Tages geht Ihnen der Sprit aus
Ja, von Zeit zu Zeit gelingt es Ihnen, die Wirklichkeit zu verändern. Aber irgendwann geht Ihnen der vorgeträumte Stoff aus, und Sie stehen geistig nackt in der Wirklichkeit, die sich weiter verändert. So wie Herr Blocher heute.
Mehr als Coups sind nicht möglich. Es ist weise, Ihre Entschlossenheit mit einem Schuss Humor zu versetzen – oder, falls Sie nur wenig haben, mit Melancholie. Denn auch Erfolg schützt nicht vor dem Scheitern – er ist in fast allen Fällen das Scheitern, einfach vor dem Abschminken. Dann folgt eben wieder eine Zeit des Wartens. Aber es ist klug, schon vor jedem Kampf daran zu denken, wie Sie sich in Würde verabschieden.

Also: Betrügen Sie sich nicht mit dem Gedanken, dass Ihre Verträumtheit etwas Bambi­mässiges ist, nur weil Sie im Spiegel Bambi­augen sehen. Träumerei ist nicht harmlos. Sie verpassen die Gegenwart – oder Sie verpassen ihr eins.

Und glauben Sie keine Sekunde, dass das Leiden Sie dabei veredelt. Es macht Sie nur gefährlicher – für sich und andere. Falls es sich nicht vermeiden lässt: Walzen sie es so wenig aus wie möglich.

Denn nur praktische, fest im sofort Machbaren verankerte Leute können sich Unglück leisten. Sie leider nicht. Und deshalb haben Sie auch die Pflicht, glücklich zu sein.

Das beim Warten: Im Buch «Die Psychologie der Katzen» las ich einmal, dass die Katze beim Lauern am meisten Spass hat – mehr als beim Fangen oder Fressen. Das ergibt Sinn, weil die Katze weit mehr Zeit vor Mause­löchern verbringt als mit Mäusen.

Und beim Kampf: Sollte Ihnen etwas halbwegs gelingen, freuen Sie sich. Ohne schlechtes Gewissen. Und so lang wie möglich. Und haben Sie dabei keine Furcht: Ihr Glück wird sich auch ohne eigene Anstrengung wieder drehen.

PS: Obige Beschreibungen des Zeitungs­journalismus, der WOZ, von 1968 und der SVP sind nicht falsch, aber sicher nicht gerecht. Doch um Gerechtigkeit geht es nicht, wenn Sie einen Plan machen. Es geht darum, einen Plan zu machen.

PPS: Am Ende der letzten Folge wurden Ihnen für die nächste Folge die Schilderung der Nacht meines Lebens sowie ein paar Tipps von Platon versprochen. Am Ende dieser Folge auch.

Illustration: Alex Solman