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Ich entschuldige mich im Voraus, falls ich manchmal über das Ziel hinausschiessen sollte, aber sollten wir nicht auch mal diese "liebe..." Anreden hier überdenken? Wir haben hier weder eine persönliche Beziehung noch befinden wir uns in einem "Streichelzoo", oder? Und vor lauter Vorschusslorbeeren und lieben Leuten könnte man/frau leicht übersehen, dass nicht immer alle so lieb sind, wie es auf den ersten Blick scheint. Bevor man jemanden persönlich kennt, finde ich eine gesunde Distanz angebracht.
Edit: mit Downvotes ohne Rückmeldung kann ich ganz allgemein nichts anfangen und wer glaubt, das habe nichts mit dem Thema hier zu tun, irrt sich.

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Mathematiker in IT, Bildung und Beratung
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Grüezi Frau K.

Ich verwende meist obige Anrede, denn ich finde, dass ich mit einer Antwort in Beziehung trete.
Manchmal ist mir das zu wenig wertschätzend. Dann ist das altmodische ‚Werte Frau K.‘ mir noch ganz lieb. Wie wirkt auf Sie dieses ‚Werte …‘ ?

Zu persönlicher Beziehung: Ich finde schon, dass sich auch im Austausch hier eine persönliche Beziehung entwickeln kann, wenn man sich schon wiederholt gekreuzt hat - seien es die Klingen, lieber aber beim dialogischen Driften.

Beste Grüsse, K.A.

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Guten Tag Herr A., danke, dass Sie nachfragen, so kann ein Dialog entstehen. Das ist mir lieber als diese anonymen Downvotes.
Neutrale Begrüssungen aller Art finde ich auch in Ordnung. "Werte" finde ich persönlich zwar etwas veraltet und steif, aber das ist Ansichtssache und überlasse ich Ihnen. Dass im Austausch so etwas wie eine persönliche Beziehung entstehen kann, kann sein. Aber auch da sollte es mMn Grenzen geben. Das hier sollte nicht zum Ersatz werden für echte Beziehungen.
Das andere ist die Anrede seitens Republik-Mitarbeiter:innen. Gerade und vor allem bei Themen, in denen es um Machtverhältnisse geht, sollte die Distanz gewahrt bleiben. Nur weil jemand ein Republik-Abo hat, ist diese Person nicht vertraut. Gewisse Diskussionen sind von Anfang an nicht auf Augenhöhe und diesem Umstand sollte man/frau sich noch mehr bewusst werden als bisher. Auch die Republik-Crew hat hier eine gewisse Macht und es sollte klarer werden, auf welcher Seite sie steht, wenn sie für mich glaubwürdig wirken soll.

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ehem. Fachrichter im Nebenamt
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Die von Frau M. L. aufgeworfenen Fragen, u.a. nach der Teilnahme der Republikmitarbeiterinnen am Leserforum "Dialog" mit deren Befangenheit ist wichtig. Jeder Journalist weiss, dass eine gemachte Aussage nur die Hälfte des Message ist, die andere Hälfte ist der Absender, dessen Hintergrund, Absichten und Ziele. Mit "Anonym" missachtet die Republik diese journalistische Grundsätze.
Ein absolutes NoGo ist die anonyme Teilnahme von Republik-Mitarbeiter
innen. Auch wenn irgendein republikinternes "Reglement" dies vorsieht, heisst das noch lange nicht, dass dies auch richtig und gut ist.
Das Leserforum "Dialog" gehört ausschliesslich den Lesern!

Aber auch die anderen, von Frau M. L. aufgeworfenen Fragen sind sehr wichtig und dürfen von der Republik nicht übergangen und totgeschwiegen werden.

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Das Leserforum "Dialog" gehört ausschliesslich den Lesern!

Sie missverstehen damit auf eklatante Weise den Ausdruck "Dia-log", womit nämlich der Dialog der Redaktion mit den Leser:innen gemeint ist. Und nochmals: Die Frage der anonymen Teilnahme am Dialog wurde schon lange und grundsätzlich beantwortet. Das notorische Aufwerfen der Frage erscheint nur noch als Trotz.

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(von der Moderation verborgen)
ehem. Fachrichter im Nebenamt
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Schade, dass sie sich hinter "Anonym" verstecken.
Sie schreiben, dass sie den Dialog mit der Redaktion schätzen; ich auch.

ABER: es sind eben NICHT die Autoren und Redakteure der Republik, die die jeweiligen Artikel selber geschrieben haben, die am "Dialog" teilbehmen. Es sind unbeteiligte Republik-Hintergrundleute die glauben, ihre (teilweise herabsetzenden und verletzenden) Bemerkung zu Leserbeiträgen abgeben zu müssen. Es sind irgendwelche andere Republik-Hintergrundleute oder gar sich "Moderator/*innen" nennende, die sich einmischen. Oftmals, weil ihnen der Leserbeitrag persönlich nicht genehm ist, und/oder sie den Leserbeitragschreibenden blosstellen wollen.

Ein absolutes NoGo ist, wenn sich Republik-Leute anonym (!), getarnt als Forums-Leserbeitrag, mit ihren persönlichen Ansichten einmischen. Ebenso haben sich interne Republik-Leute strikt einer Kommentierung mit Zustimmungs- oder Ablehnungs-Häck'chen zu enthalten.
Ein miserabler (!), unerträglicher Journalismus, der in einer eigentlich seriöser Zeitschrift kein Platz haben darf!

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Und auch wenn Sie gewisse Sachen als No Go bezeichnen und postulieren, wem das Forum vorbehalten ist, heisst das noch lange nicht, dass dies unumstössliche Tatsachen sind. Die Art und Weise, mit der manche Leser:innen ihre Meinung als “So ist es, und basta!” darstellen, ist dem Dialog sicherlich auch nicht förderlich. Persönlich schätze ich die Teilnahme des Republik-Teams im Dialog sehr.

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ehem. Fachrichter im Nebenamt
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Anonyme (!) Teilnahme des Republik-Team's ?

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Frau und Mutter
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Trotz der Gefahr, als unempathisch und arrogant daherzukommen, wage ich es, hier eine kontroverse Sichtweise einzunehmen. Ich verstehe, dass es schwierig ist, sich als junge, unerfahrene Frau, und v.a. Journalistin gegen Machtmissbrauch einer vorgesetzten, allgemein respektierten Person zu wehren. Im Dialog wird hier gefühlt mehrheitlich die Republik verantwortlich gemacht dafür, dass sie keine Strukturen geschaffen hat, die es Betroffenen erlaubt, Übergriffe zu melden. Ich finde diese Verurteilung zu vorschnell und unfair. In meinen Augen, (als eine Frau, die keine Beisshemmung hat gegenüber Autoritätspersonen), wäre es wichtig, dass eine betroffene Frau dem belästigenden Mann klar die Grenzen zeigt. Ein blosses "Chills mal" oder ein Ignorieren einer übergriffigen Nachricht, sehe ich nicht als adäquate Reaktion an. Wenn eine direkte, klare Ansprache keine Wirkung zeigt, sollte in einem weiteren Schritt die Chefetage darüber informiert werden. Offenbar wurde das nicht gemacht, aus Scham und aus Unsicherheit. Wie gesagt, ich kann es nachvollziehen, sehe aber Handlungsbedarf, beginnend in der Erziehung. Mädchen sollten laut und rebellisch sein dürfen. Man sollte mit ihnen darüber sprechen, welches Verhalten von Männern unangemessen ist und sie sich dagegen wehren müssen, egal wie hoch angesehen der Mann ist. Natürlich gilt es umgekehrt auch in der Erziehung von Buben, dafür zu sorgen, dass sie die Bedürfnisse ihrer weiblichen Mitmenschen sensibler wahrzunehmen lernen, im Wissen, dass Mädchen nicht immer klar nein sagen, wenn es ihnen zu weit geht. Ob die Chefetage der Republik Fehler gemacht hat, wird sie selber am besten wissen, ich vertraue darauf, dass sie diese Situation mit der nötigen Sorgfalt behandelt.

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Die Republik und die Leserschaft war in der Vergangenheit immer die, die solche Kommentare als Täter und Opfer Umkehr kritisierte. Jetzt wo die Republik der „Täter“ ist, scheint man mit dieser Argumentation weniger ein Problem zu haben.

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Ihre Bemerkung zeigt auf, welche Probleme entstehen, wenn Menschen -- in diesem Fall sind es Frauen -- ihre Grenzen nicht definieren und nicht deutlich und unmissverständlich verteidigen. Die Redaktion der Republik ist nun bereits "Täterin" in Ihrer Wahrnehmung. Aus meiner Sicht ist jede Organisation für ein gutes Arbeitsklima verantwortlich und offensichtlich hat "die Republik" in diesem Bereich versagt.
Aus Ihrer Sicht sind aber sowohl der Journalist als auch die Frauen für die Vorkommnisse und damit auch für das Tolerieren und Aufrechterhalten des Verhaltens des Journalisten nicht verantwortlich, sondern die Redaktion: Unter dieser Voraussetzung müsste aber ein sehr autoritäres Klima entstehen, oder nicht? Private Treffen müssten per se verboten werden, usw. Organisationen müssten Mitarbeitende Verträge unterschreiben lassen, dass die Mitarbeitenden auf eigene Verantwortung handeln in ihrer Freizeit, Drogenkonsum, usw. Und all das würde immer noch nicht verhindern, dass sleazeballs zu ihren Exploits kommen.
Für mich ist aber die Polarität "Opfer - Täter" -- gerade in dieser Geschichte und vor allem in diesen Kommentaren -- lückenhaft: Ab welchem Punkt ist es opportun, Scham und Angst zu überwinden? Wer muss nun Mut beweisen? Die Republik? Die einzelnen Frauen, die im stimmberechtigten Alter noch entschuldigt sind und ernsthaft in Betracht ziehen, dass "Koksen dazu gehört" und "normal" ist, wenn der redaktionsinterne sleazeball das mal so entwirft.
Als "Verlegerin" will ich auch von Frauen einen integren Journalismus und habe doch ziemliche Zweifel, ob verängstigte und schambesetzte Frauen das schaffen.
Ich frage mich auch, wem der Skandal dient. Aber diese Frage ist wohl eine rhetorische.

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Multifunktional
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Ich stimme Ihnen zu. Mit ähnlichen Beiträgen wie Ihrem stand ich hier in der Republik schon des öftern alleine da.

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Heuchelei ist der Untergang der Republik
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zum Glück. Weil es Victim Blaming ist und nicht die Frauen sich ändern müssen, sondern die Männer.

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Alter, weitgereister Weisser
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Können wir jetzt wieder zur Tagesordnung übergehen?
Das hier beschriebene Problem ereignet sich täglich in Betrieben / Machtstrukturen auf der ganzen Welt.

Gibt es eine juristische Beurteilung dieser Person? Offensichtlich nicht, also gilt in dubio pro reo.
Also alles nur Gerüchte von Mitarbeitern. Nicht dass die unwahr wären, aber bewiesen ist nichts.
Wenn sich die Spitze der Machtstruktur bei der Republik dafür entschieden hat, die Person einzustellen, ist das ihre Befugnis, auch wenn sie Kenntnis von den vorgebrachten Vorwürfen hat oder hatte.
Wenn die, von den erwähnten Übergriffen betroffenen Mitarbeiter sich gegenüber der Machtstruktur mittels z.B. einer Gruppenkündigung (Machtdemonstration) nicht wehren wollten oder konnten, dann kann jede den Arbeitsvertrag künden und eine andere Stelle suchen. Das ist ihr Recht genauso wie der Arbeitgeber das Recht hat irgend jemanden einzustellen. Die Arbeitnehmer können keinen Rechtsanspruch erheben, bei einer Firma angestellt zu sein (ausser die Firma gehöre ihnen). Auf Englisch: Can't stand the heat? Get out of the kitchen.
Das sind die traurigen Tatsachen, welche damit zu tun haben, dass es die EU immer noch nicht geschafft hat den Einheitsmenschen ohne Kanten und Ecken zu spezifizieren und zu produzieren.
Auch nützen alle Geschäfts Prozesse wenig: Es braucht jemand an der Spitze der Machtstruktur, der die Verantwortung übernimmt und den Kurs vorgibt. Das ist dann die Kultur der Firma. Die ganzen geistreichen Zuschriften hier können das nicht ändern; da geh ich mit Herrn Stadelmann einig.
Noch nebenbei: Unsere Legislative ist ja mit allerlei beschäftigt: Vieleicht könnten die mal einige Gesetze erlassen, welche die Grundlagen für die Bestrafung bei Stalking und Mobbing ins Gesetz schreiben; damit wäre ein Anfang gemacht und eine Handhabe für das Verfolgen von Machtübergriffen (sexueller oder anderer Natur ) erlauben.

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Herzensmensch
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Was bin ich froh und dankbar und sehne es mit meinem ganzen Wesen herbei, dass die alten weissen Babyboomer bald, bald aus dem Arbeitsleben verschwinden werden. Danke Rentenregelung ❤️

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(von der Moderation verborgen)

Lieber Herr E., leider können wir noch nicht wieder zur Tagesordnung übergehen, auch wenn wir unser Bestes geben, unser normales Tagesgeschäft daneben aufrecht zu erhalten. Aber wir haben eine Verantwortung, mit diesem Fall richtig umzugehen, und zwar nicht auf einer strafrechtlichen Ebene, sondern als Arbeitgeberin, die Pflichten ihren Angestellten gegenüber hat. Um aufzuklären, was genau geschehen ist, wird bald eine externe Untersuchung anlaufen. Und nein, nur weil noch nicht alles abschliessend geklärt ist, heisst das nicht, dass es sich nur um Gerüchte handelt. Mit freundlichen Grüssen, Bettina Hamilton-Irvine

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Fausta Borsani
Geschäftsführerin
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Dass eine Journalistin sich gegen die Einstellung des mutmasslichen Täters gewehrt hat und nicht genug E. genommen wurde, zeigt eine fundamentale Wahrheit: unsere Gesellschaft glaubt den Frauen grundsätzlich mal zuerst nicht.

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Brigitte Graf
Ärztin&DJ
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Danke für diesen Punkt, der selbt bei vermeintlich aufgeklärten, wachen Verleger:innen gilt. Genau weil Frauen bzw FLINTA Personen bis heute durch alle politischen und sozialen Schichten grundsätzlich nicht geglaubt wird, kommt eine riesige Dunkelziffer von sexuellen Übergriffen, sexualisierter Gewalt, Misogynie und Sexismus gar nie zur Anklage. Die Scham, dass einem sowas passiert, kombiniert mit der Angst, nicht glaubwürdig zu sein, ist devastating. Leider sind die meisten Männer nicht fähig, sich in so eine Situation einzufühlen, weil sie schlicht zu weit entfernt ist von ihrer eigenen Lebensrealität. Im aktuellen Fall schreiben diverse Medien, dass das Verhalten des betreffenden Journalisten seit je her ein offenes, von den Spatzen vom Dach gepfiffenes Geheimnis war. Das sagt im Grunde bereits genug. Die Journalistin, die darauf hingewiesen hat, wurde übergangen. Wir erinnern uns: Der Rammstein Sänger wurde freigesprochen. Freigesprochen! Obwohl die ganze Welt weiss, was da läuft. Sexualisierte Gewalt scheint sich hartnäckig als eine Art Kavaliersdelikt zu halten, ungeachtet all der Traumatisierungen und posttraumatischen Belastungsstörungen, die sich durch die Welt der Frauen ziehen. Zeig mir eine einzige, die nichts davon erlebt hat...

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Wenn die hier geäusserte Annahme stimmt, dass alle Frauen Opfer sind (nenne mir eine, die das nicht erlebt hat) und die meisten Männer Täter, dann sollte es für Aktivistinnen nicht so schwierig sein, genügend Fälle so zu dokumentieren und belegen, dass die Pauschalvorwürfe etwas greifbarer werden.

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Multifunktional
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Aufgrund der uns vorliegenden Informationen wurde die Befürchtung der Journalistin bei der Einstellung sehr wohl E. genommen. Ansonsten wäre das Thema ja nicht sogar im Einstellungsgespräch und auch intern thematisiert worden. Da die Befürchtung aber auf Gerüchten basierte, verstehe ich auch die damalige GL/Chefredaktion, dass sie eine An- oder Nicht-Anstellung nicht auf unbelegten Gerüchten basieren konnten.
Meiner Meinung nach ist der grosse Fehler nach der Einstellung passiert: Entscheide dürfen nicht auf Gerüchten basieren. Aber die Gerüchte dürfen auch nicht einfach vergessen gehen. Nach der Einstellung hätte der Verdacht nicht aus den Köpfen verschwinden dürfen, sondern es hätte eine besondere Wachsamkeit in Team und GL bedarft, welche beim kleinsten Anzeichen sofort hätte aktiv werden und Massnahmen ergreifen müssen. Dass es keine Anzeichen gab, kann ich nicht glauben. Die Protegierung junger Autorinnen ist auffällig. Nur schon mir als aussenstehender Leserin ist schon vor längerer Zeit beim Lesen weniger Kommentare des mutmasslichen Täters zu Artikeln seiner jungen Kolleginnen aufgefallen, dass da ein etwas zu persönlicher Tonfall herrscht. Ein Kommentar eines über 40jährigen der so aussieht: "Herzemoji + Name der Autorin" lässt bei mir alle Alarmglocken läuten. Warum nicht in der Redaktion?

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· editiert

Edit: Der folgende Beitrag enthält persönliche Schlussfolgerungen und eine persönliche Meinung, keine neuen bestätigten Fakten.

Für mich hatte die Republik ein einziges Versprechen, das mich angesprochen hat. Nämlich, Journalismus besser zu machen und damit die Arbeitskultur zu verbessern und ungesunde Abhängigkeitsverhältnisse bzw. Machtmissbrauch zu reduzieren, um letztlich auch eine bessere Qualität des Produktes zu erreichen. Und ihr habt es verkackt. Da habt ihr euch einen berühmt-berüchtigten Star geholt um ein bisschen schneller mehr Reichweite zu haben auf Kosten von eurer Integrität. Für die Firmenkultur wie Gift, das konstant ein bisschen was zerstört, für die Reputation eine tickende Zeitbombe, die jetzt hochgegangen ist. Und doch tut ihr so (wie auch die WOZ), als hättet ihr es nicht kommen sehen. Das ist echt eine Schande und ihr reiht euch damit in die Tamedias und wie sie alle heissen ein!

Die Glaubwürdigkeit von Geschäftsleitung und Chefredaktion leidet massiv, wenn Daniel Binswanger behauptet, sie hätte nichts gewusst. Bei einem solchen Superstar, bei dem seine Übergriffigkeit in der ganze Branche ein offenes Geheimnis ist, ist das sehr unglaubwürdig. Ich hoffe, dass ihr dies richtig stellt und euch nicht – wie jedes normale Unternehmen – versucht rauszuschlängeln. Wir brauchen Ehrlichkeit und Transparenz in dieser Branche, keine PR Stunts!

Auch der Irrtum bezüglich "See Only" ist lächerlich. Anstatt das Label unhinterfragt zu interpretieren wäre es möglich und einfach gewesen, bei der Fachstelle nachzufragen. Hier ein Dilemma zu inszenieren wirkt billig und stinkt.

Kultur verändert sich nicht durch Worte, sondern durch Taten. Und offensichtlich stimmen die Taten der Republik Geschäftsleitung und Chefredaktion nicht überein mit den Worten des Magazins. Dieser Fall beweist das sehr deutlich und schmerzhaft. Und das einzige, was die Republik Geschäftsleitung und Chefredaktion nun dazu sagt, ist «Herrgott, wenn wir das gewusst hätten!»

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Daniel Binswanger
Co-Chefredaktor
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Lieber J. S.,
Ich kann gut verstehen, dass diese Debatte emotional ist, aber es bringt niemandem etwas, wenn nun haltlose Unterstellungen gemacht werden.

  • Wir haben keinen "berühmt-berüchtigten Star" geholt. Der Star-Status von Journalistinnen ist eine sehr relative Angelegenheit. Die Republik ist eine Gruppe von Leuten, die für ein ganz und gar nicht astronomisches Gehalt, unter Bedingungen, die weder glamourös noch luxuriös sind, sehr, sehr viel arbeitet und versucht, guten, politisch relevanten Journalismus zu machen. Bleiben wir bei den Realitäten.
    Es gibt viele exzellente, sehr respektierte, preisgekrönte Journalistinnen auf unserer Redaktion. Der Beschuldigte hat da kein Alleinstellungsmerkmal. Die professionellen Leistungen des Beschuldigten wurden in der Tat geschätzt, wie diejenigen von vielen seiner Kolleginnen. "Berühmt" sind Journalisten ausserhalb der Medienszene in der Regel nicht. Da herrscht innerhalb der Medienszene gelegentlich eine leichte narzisstische Selbstüberschätzung. Berüchtigt war der Betroffene schon gar nicht - auch wenn wir jetzt zur Kenntnis nehmen müssen, dass schon lange Gerüchte über ihn zirkulieren.

  • Die Rede vom "offenen Geheimnis" habe ich bereits zurückgewiesen. Dass mir die NZZ Formulierungen in den Mund legt, die ich im Gegenteil explizit als falsch bezeichnet habe, kann ich leider nicht ändern (es gibt momentan sehr viel Wichtigeres als juristische Scharmützel mit den Kollegen von der Falkenstrasse, von denen ein solches Gebaren leider ja schon lange nicht mehr erstaunt). "Offenes Geheimnis" insinuiert, dass ALLE irgendwie etwas wussten. Diese Unterstellung ist haltlos und bösartig. Wie kommen Sie dazu, die gesamte Crew der Republik auf diese Weise zu beleidigen?

  • Wie kommen Sie zur Unterstellung, wir hätten die "See only"-Klausel nicht hinterfragt? Wir haben unsere Fragen in der Tat nicht an die Fachstelle gerichtet, die - auch dies haben wir bereits mehrfach ausgeführt - in die Gespräche via Mittelsperson mit den die Vorwürfe erhebenden Frauen gar nicht involviert war - auf deren Wunsch. Und die uns deshalb auch keine Auskünfte dazu hätte geben können, wie diese Klausel im Sinne der betroffenen Frauen angewandt werden soll und wie wir die Voraussetzungen schaffen können, damit uns konkretisiertere Vorwürfe mitgeteilt werden, wir den Beschuldigten damit konfrontieren können und eine unabhängige Untersuchung eingeleitet werden kann. Wir haben uns sehr intensiv darum bemüht, mit diesen Fragen und diesem Prozess schnell voranzukommen, auch wenn er mehr Zeit in Anspruch nahm, als wir uns das gewünscht hätten. Nächste Woche kann die von externen Expertinnen geführte Untersuchung nun beginnen.

  • Wie kommen Sie zur Unterstellung unsere Worte würden mit unseren Taten nicht übereinstimmen? Wir haben gehandelt, sobald wir uns rechtlich dazu in der Lage sahen. Und wir werden weiterhin alles uns mögliche tun, um diese Krise zu bewältigen. Unsere Ansage ist ganz und gar nicht: Uns trifft keine Schuld, wir haben nichts gewusst. Unsere Ansage ist: Wir hätten es wissen müssen, offensichtlich haben wir da versagt. Und das muss sich ändern.

Wir verstehen die Empörung, die dieser Skandal ausgelöst hat. Auch das Team der Republik ist erschüttert. Aber das wilde Hantieren mit haltlosen Unterstellungen wird rein gar nichts zu einer Bewältigung des Geschehenen und zur nötigen Veränderung der Betriebskultur bei der Republik beitragen. Herzlich, DB

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Was mich an den bisherigen Beiträgen der Republik zum Fall stört: der Fokus liegt rein auf der unternehmerischen und redaktionellen Ebene (d.h. welches Gremium hat wann was gewusst und wie gehandelt (oder eben nicht)). Was hingegen fehlt, ist die Reflektion der eigenen Blindheit: da wird einer warnende Stimme eine Entschuldigung abgewrungen, da ignoriert mann das Handeln einen Kollegen vor dem Frauen einander offenbar warnen, da sieht mann darüber weg dass ein Kollege sich regelmässig an den jungen weiblichen Nachwuchs ranmacht: sollte man sich und seine Wahrnehmung da nicht auch selber hinterfragen und sich nicht nur hinter Floskeln wie Betriebskultur verstecken?

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Michel Huissoud
VRP Republik AG
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Aargauer Zeitung von heute:
"Anders als zuvor Tamedia (Fall Canonica) und Ringier (Fall Dorer), die ihre MeToo-Fälle monatelang untersuchen liessen, bevor sie spärlich über die Resultate informierten, legt die Republik ein Rekordtempo bei der Aufarbeitung der Vorwürfe hin. Die Zusammenfassungen der Expertenberichte samt Würdigung des Verwaltungsrates hat sie nun öffentlich gemacht. Mit dem Projekt «Zusammenarbeit» soll der Kulturwandel weiter vorangetrieben werden".

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Vielleserin
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Guten Abend Herr Huissoud, mich interessiert, ob das Folgende auch zum Kulturwandel gehört:
Kürzlich wurde auf Anfrage einer Verlegerin mitgeteilt, dass auch Mitarbeitende der Republik im Dialog voten, ja sogar anonyme Beiträge verfassen. Ich würde Mitarbeitende der Republik als befangen betrachten, da sie jede Kritik an einem Beitrag eines Kollegen voraussichtlich downvoten, und erst recht Kritik an der Betriebskultur usw. Es gilt ganz allgemein, dass Befangene in den Ausstand treten. Anders zu beurteilen ist es m.E., wenn Redaktion, GL oder Moderatorinnen namentlich Stellung beziehen. Wie sehen Sie das als VRP der Republik?

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Please, die Anonymitäts-Frage wurde wieder und wieder zur Genüge beantwortet. Warum immer wieder trotzig daran rummäkeln?

Und in diesem Falle: Einerseits möchte man Redaktionsmitglieder – oder sogar Mitglieder des Vorstandes –, die am Dialog teilnehmen, andererseits aber dürfen sie nicht richtig am Dialog teilnehmen, also nicht voten usw. Das macht keinen Sinn. Befangen sind wir alle in gewisser Weise.

Ich würde anonymen Downvotes einfach nicht die Relevanz geben, die manche ihnen offenbar geben. Deshalb fiel noch niemandem einen Zacken aus der Krone bzw. Krone richte, weitergehen.

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“… da sie jede Kritik an einem Beitrag eines Kollegen voraussichtlich downvoten, und erst recht Kritik an der Betriebskultur usw.“ Woraus schließen Sie dies?

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Ich möchte mich zu diesem Thema eigentlich gar nicht äussern. Solche Vorgänge sollen gründlich abgeklärt und danach entsprechende Konsequenzen gezogen werden. Punkt. Ich möchte nicht mutmassen, mich nicht empören, nicht relativieren.

Was mich aber etwas nachdenklich stimmt: Heute sind in der Republik zwei Artikel erschienen: Dieser hier in eigener Sache und ein zweiter über Bodenbesitz. Dieser hier hat aktuell 129 Kommentare (mit meinem 130), der andere, meiner Meinung nach eigentlich viel wichtigere und brisantere Artikel hat aktuell bloss 23 Kommentare.

Diese offenbar über fünf mal grössere Aufmerksamkeit steht in einem Widerspruch zur gesellschaftlichen Relevanz. Damit möchte ich keineswegs sagen, dass sexuelle Belästigung irrelevant sei. Ich sehe jedoch nicht ein, wieso sich dazu fünf mal mehr Personen äussern als über die Grundbesitzverhältnisse in unserem Land.

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Herzensmensch
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An die Herren R. und C.:

Dass Sie erklären, dass sexuelle Übergriffe auf Frauen nicht so wichtig sind wie andere Dinge, wobei Sie gleichzeitig vorgeben, welches denn nun die anderen Dinge sprich die gesellschaftlich relevanten Themen sind, zeugt von Ihrer Sicht aus der men's world, in welcher Sie aufgewachsen sind. Sie beide bewirken genau das, was Sie nicht beabsichtigt haben, nämlich sexuelle Gewalt als nicht so wichtig abzutun. Es ist grundsätzlich ziemlich anmassend, zu bestimmen, was nicht nur für einen selbst gesellschaftlich relevant ist und was nicht, sondern dies in grundsätzlicher Art zu tun und dies auch für andere Menschen bestimmen zu wollen.

Eine Hypothese:
Nur weil sexuelle Gewalt Sie mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit niemals betreffen wird und es entsprechend wenig Bedeutung für Sie hat, gilt das nicht automatisch auch für andere Menschen. Sie, Ihre Erfahrungen, Ihr Empfinden etc. ist nicht die Norm.

Für mich als Frau hat es grössere Bedeutung, ob ich in dem Has, in dem ich lebe, vor sexueller Gewalt geschützt bin, als ob ich mir dieses Haus finanziell leisten kann.

Bitte reflektieren Sie Ihre privilegierte Situation, aber nicht, weil irgendwo eine Person in diesem WWW irgendwas gesagt hat, sondern um Ihrer selbst Willen und um in Ihren Beziehungen zu den Frauen in Ihrem Umfeld empathischer begegnen zu können. Ich bin überzeugt, Sie werden einen Unterschied merken.

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Nun, ich sage nirgends, dass sexuelle Übergriffe nicht so wichtig sind. Da haben Sie mich offenbar falsch verstanden. Ich glaube ich habe mich dahingehend klar ausgedrückt, dass ich solches Verhalten weder billige noch relativieren möchte.

Wenn man nun aber die Anzahl Kommentare als Gradmesser für die Relevanz nimmt (was man natürlich auch in Frage stellen kann, wie Herr Kienholz zu Recht anmerkt), dann wäre es angemessen wenn beide Artikel eine ähnliche Anzahl an Reaktionen auslösen würden – und damit nach dieser Leseart gleich relevant wären.

Ich beobachte einfach mit einer gewissen Sorge, wie emotionale "Empörungsthemen" in der Politik (und der medialen Öffentlichkeit) eine immer grössere Rolle spielen während gleichzeitig die Sachthemen in den Hintergrund rücken. Das hat nichts mit men's world zu tun – aber sehr wohl damit, dass diese emotional aufgeladenen Themen im heutigen politischen Diskurs meiner Meinung nach einen zu hohen Stellenwert haben. Dass sie deswegen nicht wichtig sind, sage ich nicht und meine ich auch nicht.

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Und da lernen wir wieder einmal: vielleicht sollten wir Frauen, die von sexueller Belästigung berichten, einfach glauben. Sie kennen den Ruf, der Männern vorauseilt, in der Regel besser. Wieso schaffen wir das nicht? Warum war es euch so wichtig, diese Person einzustellen? Gibt es doch so viele wunderbare Journalist:innen. Diesen Teil der Geschichte finde ich gerade wirklich zum kotzen. Ich bin ausnahmslos enttäsucht. Ihr hattet wirklich gedacht, eure Untersuchung würde die Belästigung aufdecken? Weil die Welt den Frauen ja gezeigt hat, dass sie sorglos über solche Übergriffe sprechen können? Da habt ihr euch doch selbst zum Narren gehalten.

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Sorry, aber die Auffassung, dass jede Anschuldigung von jeder Frau apriori die Wahrheit ist, ist absurd.

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Temporär-Abonnent
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Mittlerweile sind es SECHS Frauen. Wieviele Frauen brauchen Sie, bis Sie es endlich glauben? Es ist bemühend, dass man überhaupt noch eine Untersuchung machen will. Kündigen und fertig.

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Während die Untersuchung läuft, könnte man schon mal:

  • Regeln durchsetzen auch für das Starpersonal, und zwar im Kleinen: Zu spät kommen, nicht liefern etc

  • Hart und konsequent sanktionieren

  • „Haha“ nicht akzeptieren, schon hier hört der Spass auf

  • Wenn es weh tut und Widerstand entsteht, ist das Problem gefunden….es beginnt nicht bei „Mann und Frau“ sondern beim Ignorieren der gemeinsamen Regeln, beim Respekt, bei den Privilegien des Individuums, beim Weglachen der „Ordnung“.

Aber das traue ich der Republik leider nicht zu, weil man es dann halt schon lieber „nett“ und „tolerant“ haben will miteinander und die Bedürfnisse des Individuums wichtiger genommen werden als das Kollektiv. Und das, ist in meinen Augen der Nährboden für das, was passiert ist.

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Was sind das bloss für Typen?!
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Sie möchte ich nicht als Chef haben, werter Anonym 29....
Zudem unterstellen Sie 'der Republik' da sehr viel, ohne auch nur die geringste Ahnung davon zu haben, was die Ursachen für dieses Vorkommnis sind.

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Ich kann sehr gut verstehen, dass man «Anonym 29» nicht als Chef:in haben möchte. Klingt super unangenehm. Jedenfalls wenn man zu jenen gehört, für die Regeln grosszügiger ausgelegt werden. Bei der Deadline und bei der Pflicht, an Sitzungen teilzunehmen, bei dem, was man sich gegenüber Vorgesetzten erlauben darf.
Nur ist es dann kein grosser Schritt mehr dahin, sich auch gegenüber der Praktikantin, der Kollegin Regelbrüche zu erlauben.
So ungern ich das mir das eingestehe: «Anonym 29» trifft da durchaus einen wunden Punkt.

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Die Republik hat a) den kranken Mitarbeiter jahrelang machen lassen b) die betroffenen Frauen auch c) Kolleginnen und Kollegen haben weggeschaut d) das Management nichts unternommen e) als es nicht mehr ging, hat das Management den Fall eskaliert f) einen Riesenwirbel losgetreten g) den Betroffenen geopfert h) einen monatelangen Shit Storm in der Presse verursacht i) einen (der wenigen verbliebenen) genialen Schreiber verjagt, unter dem Strich sich selber "ins Knie geschossen".
Kolossales Management Versagen.
Als langjähriger unermüdlicher Werber für neue Abonnenten fühl ich mich total verar....

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"den Betroffenen geopfert" wer soll das sein?

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Der fristlos Entlassene.

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Guten Morgen. Danke für die Stellungnahme. Ein paar Fragen drängen sich mir nach der Lektüre auf:

  • Ich habe die Sache mit der See-Only-Klausel leider noch immer nicht verstanden. Können Sie bitte diesen Punkt nochmal erklären? Was war die Absicht der Anwältin im Namen der Betroffenen mit dieser Klausel? Dass Sie alles wissen, aber bitte auf keine Fall handeln? Oder was wäre denn das weitere Vorgehen gewesen, wenn die Betroffenen nicht an die Öffentlichkeit gegangen wären? Da aus Sicht von uns Verlegerinnen in dieser Frage aktuell Aussage gegen Aussage steht, wäre es äusserst hilfreich, wenn Sie Ihre Version der Geschichte plausibel erklären können.

  • Warum kommt diese Stellungnahme heute und nicht schon vor einer Woche? Es steht ja nichts neues drin? Da ich diesen Newsletter, in dem Sie offenbar schon einmal informiert hatten, leider nicht gefunden habe, ist diese Stellungnahme das erste, was ich von Ihnen zum Thema lese und die zeitliche Verzögerung ist aus meiner Sicht nicht nachvollziehbar. Zumal Sie ja seit Monaten von den Anschuldigungen wussten. Auch wenn Sie mit niemandem sprechen durften, hätten Sie eine Kommunikation vorbereiten können. Wobei sich mir wirklich nicht erschließt, warum Sie für diesen Text so lange brauchten.

  • Wissen Sie schon, wer die externen Untersuchungen leiten wird? Warum hat die WOZ das schon vor Tagen bekannt gegeben und Sie noch nicht?

  • Sie deuten in der Stellungnahme mögliche Verfehlungen einer ehemaligen Leitung an. Was sagt diese ehemalige Leitung? Haben Sie diese mit den Vorwürfen konfrontiert? Wollten sich diese hier nicht äussern?

  • Sie schreiben, Sie versuchen Einsicht in das Material, das den Journalisten bei SRF vorliegt, zu erhalten. Aber warum eigentlich? Wenn es ohnehin eine externe Untersuchung gibt? Vielleicht ist es den Betroffenen wichtig, dass so wenige Personen wie möglich die Details zu sehen bekommen.

Leider beantwortet diese Stellungnahme bei mir keine offenen Fragen. Ich liebe die Republik, bin Verlegerin der ersten Stunde und zutiefst beunruhigt ob dem Vertrauensverlust der aktuellen Leitung gegenüber, den ich bei mir und in meinem Umfeld gerade beobachte.

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Lieber Anonym 4, danke für Ihren Kommentar und Ihre Fragen, die ich so gut wie möglich zu beantworten versuche:

  • Die "See only"-Klausel wurde von der Anwältin auf Wunsch der betroffenen Frauen eingebracht, weil den Frauen ihre Anonymität extrem wichtig war. Unsere Geschäftsleiterinnen durften somit nicht aus den Vorwürfen zitieren oder diese verwenden, um den Beschuldigten zu konfrontieren, weil die betroffenen Frauen fürchteten, dass sie durch die Vorwürfe erkennbar werden könnten. Die zentrale Frage, die Sie stellen - wie man mit diesem Dilemma umgehen soll, dass man dem Wunsch der Betroffenen entsprechen will, aber gleichzeitig auch handeln muss - ist genau die Frage, die sich auch uns stellte. Unsere Geschäftsleiterinnen haben in mehreren mehrstündigen Gesprächen und Telefonaten mit der Anwältin versucht, eine Lösung für dieses Dilemma zu finden. Nun wird ihnen teilweise vorgeworfen, sie hätten nicht gehandelt, aber das stimmt einfach nicht. Sie haben den Schutz der Betroffenen und deren Wünsche sehr hoch gewichtet und gleichzeitig versucht, Lösungen zu finden.

  • Warum kommt diese Stellungnahme erst jetzt? Wir haben am Donnerstagmorgen im Newsletter Stellung genommen, noch vor die SRF-Recherche publiziert wurde. Allerdings war unser Informationsstand damals immer noch recht gering, vieles haben wir selber erst aus der SRF-Recherche erfahren. Seither waren wir im Dialog präsent, auch am Wochenende, und haben Fragen beantwortet und Stellung genommen. Wir hätten sehr gern bereits früher ausführlicher im Magazin Stellung genommen, aber wir waren in den letzten Tagen fast Tag und Nacht damit beschäftigt, dieser Krise auf ganz vielen verschiedenen Ebenen zu begegnen: Wir sind im engen Austausch mit der Anwältin der Betroffenen und unseren eigenen Anwälten, versuchen, unser Team zusammenzuhalten und zu stützen und informieren, wo und so gut es geht, versuchen gleichzeitig, weitere Informationen zu sammeln, sprechen mit ganz vielen Personen intern und extern, gleisen die Untersuchung auf, beantworten Medienanfragen, tauschen uns mit unserem Genossenschaftsrat aus, bereiten interne und externe Kommunikationen vor, und versuchen weiterhin, unser publizistisches Programm aufrecht zu erhalten. Gleichzeitig haben wir diese Stellungnahme vorbereitet, und wollten das bei diesem heiklen, anspruchsvollen Thema nicht überstürzt und unsorgfältig machen.

  • Wir sind in den letzten Zügen in Bezug auf die externe Untersuchung. Unsere Geschäftsleitung hat mehrere Optionen evaluiert, mit Teams und Einzelpersonen gesprochen, die solche durchführen können, sich intern mit der Personalkommission darüber ausgetauscht, etc. Wir sollten hierzu sehr bald mehr sagen können.

  • Zur Verantwortung einer früheren Leitung: Wir haben mit diversen Personen schon gesprochen, aber wollen und können hier der Untersuchung nicht vorgreifen. Klar ist: Es sind Fehler geschehen, und dieser Verantwortung muss sich die frühere wie auch die aktuelle Führungscrew stellen.

  • Einsicht in das Material von SRF wollen wir vor allem deshalb erhalten, weil das SRF-Team monatelang recherchiert und sehr viel Material gesammelt hat. Die Untersuchung wird sich nun nicht Monate Zeit nehmen können, um diese ganze Arbeit nochmals zu machen - zumal wir auch nicht wissen, ob die betroffenen Frauen, die SRF sehr detailliert Auskunft gegeben haben, auch bereit sein werden, dies im Rahmen der Untersuchung zu tun.

Ich hoffe, ich konnte Ihre Fragen so weit beantworten. Gerne stehen wir weiterhin zur Verfügung. Herzlich, Bettina Hamilton-Irvine

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Diese ganze „investigative Recherche“ riecht nach Eifersucht von seinesgleichen auf den Erfolg eines hervorragenden Schreibers, der seine primären Triebe wiederholt und unentschuldbar nicht im Griff hatte. Warum nur haben die betroffenen jungen Frauen ihm jeweils nicht einfach eine rechte Ohrfeige verabreicht nach seinen peinlichen Ausrutschern? Meiner Meinung nach wäre eine solche Zurechtweisung sehr hilfreich gewesen und hätte allen Beteiligten viel Aufregung erspart. Zu einer Anzeige hat es ja dann auch nicht gereicht. Aber dass man ein solches Talent dadurch fertigmachen kann, wird in Kauf genommen. Eine unrühmliche Geschichte, gerade auch für die Republik, die vorauseilend nur die aufgeregte Leserschaft beruhigen wollte.

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Weil der Mann talentiert ist, sollen die Frauen sich also nicht wehren?

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Temporär-Abonnent
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· editiert

Die Schlussfolgerungen von "Anonym 41" lehne ich auch ab. Gleichwohl frage ich mich auch, ob eine innerbetriebliche "öffentliche Ohrfeige" für unangemessenes Verhalten nicht gerechtfertigt gewesen wäre. Ich würde mir starke Frauen wünschen, welche die Kraft haben, sich gegen grenzüberschreitendes Verhalten unmittelbar, kräftig und demonstrativ zur Wehr zu setzen. Fordern kann man das nicht! Es ist ein Zeichen der Ohnmacht der Frauen, dass sie dazu nicht in der Lage sind. DAS macht mich als Mann traurig.

Interessanterweise ist eine Ohrfeige strafrechtlich bloss eine Tätlichkeit, welche - im Gegensatz zur üblen Nachrede und Beschimpfung (Artikel 173 und 177 StGB) - zu keinem Eintrag im Strafregister führt. Wenn belästigte Frauen den Belästiger melden, riskieren sie eine Anzeige wegen übler Nachrede. Das ist die wahre rechtliche Gefahr. Die rechtlichen Folgen einer Ohrfeige sind dazu geradezu harmlos.

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Sorry, aber wenn ich das lese, muss ich als Erstes an die Schauprozesse der Kommunisten denken. Der Beschuldigte hatte keine Chance zu einer Stellungnahme?! Ich, eine mittelalte Frau, finde das überhaupt nicht in Ordnung. Da jubelt man(n) hoch und dann wird vernichtet. Wo leben wir eigentlich?!

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Nina Scheu
Mitglied VR-Republik
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· editiert

@Anonym 30 (und einige andere, die hier ähnliche Fragen stellen): Die Kündigung wurde aus arbeitsrechtlichen Gründen ausgesprochen. Unter diesen Umständen wurde seitens der beschuldigten Person auf das Angebot der Republik, sich zu einem persönlichen Gespräch zu treffen, verzichtet. Weil die Antwort von Michel Huissoud zu dieser Frage weiter unten übersehen werden könnte, hier als Kopie: https://www.republik.ch/dialog?t=ar…f58343d143
edit: Jetzt ist Michel Huissouds Name korrekt geschrieben.

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Software Ingenieur, Mami, Näherin
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· editiert

Wir wissen ja nicht, wie viel Meldungen es gab und was dort drin stand... Von daher pure Spekulation.

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Die Redaktion schreibt dazu:

Da eine sofortige Trennung aufgrund des ausgewerteten Materials für uns als Arbeit­geberin alternativlos war, hat keine Konfrontation des Beschuldigten mehr stattgefunden.

Davon abgesehen durften wir bislang ausschliesslich die Sicht der anonymen Kläger:innen lesen. Von der Sicht des (anhand der in den ersten SRF-Beiträgen enthaltenen Informationen einfach identifizierbaren) Beschuldigten hab ich – bis aufs Abstreiten des schwerwiegendsten öffentlich bekannten Vorwurfes – bislang nichts zu Gesicht bekommen.

"Schauprozess" mag eine übertriebene Zuspitzung sein – aber ein äusserst mulmiges Gefühl bleibt auf jeden Fall auch bei mir.

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Das Abo habe ich einen Monat vor bekanntwerden der Vorwürfe gekündigt, aus vielfältigen Gründen aber hauptsächlich wegen der ideologischen Ausrichtung die den Wahrheitsgehalt immer mehr Artikel verwässerte.

Bei der Kündigung dann die weinerliche Bitte der Republik: Bleiben sie doch wenigstens aus ideologischen Gründen.

Was jetzt an erbärmlicher Selbstgeiselung stattfindet ist nur noch peinlich. Get your shit together, wischt vor der eigenen Haustür, nehmt den Zeigefinger runter und führt den Journalismus weiter, für den ich euch geliebt habe: Sachlich, übersichtlich, mehrheitlich Neutral und das Verständnis fördernd.

Besonderen dank an das Klimalabor und auch Constantin Seibt der mit seinen Beträgen stets für ein Highlight sorgte.

I'm out.

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Ihr Kommentar hat nichts mit dem Beitrag zu tun. Im Übrigen schätze ich es, wenn die Republik sich dafür interessiert, warum die Leute das Abo kündigen und den Dialog sucht.

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Wie kommen sie darauf, dass mein Kommentar nichts mit dem Beitrag zu tun hat?

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Meeresbiologe, Fotograf
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Ach, schon so viele gute Ideen, Ideale und Preisgekrönte sind an ihrem Menschsein gescheitert. Manchmal war das weltgeschichtlich bedeutend. In diesem Fall nicht. Auch wenn es schmerzt.

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Bitte führen Sie kurz aus, was Sie damit meinen, damit ich Sie nicht falsch verstehe.

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· editiert

Den Faden vom Kommentator aufgreifend. Strafrechtlich relevant war's wahrscheinlich nicht. Unten dran ist eine ungestufte Grauzone.
In einer Arbeitssituation kann mann ungeahnt falsch liegen.

  • aus einer sehr kollegial/passend erscheinenden Situation heraus eine Einladung zum Sex

  • eine bewusste Berührung

  • eine zufaellige Berührung

  • eine anzügliche Bemerkung

  • ein schlechter Witz

  • eine Zurechtweisung

  • eine besserwisserische Bemerkung

  • ein vermeintliches Kompliment

Ich selbst sage hoechstens ein generisches Du machst das gut so. Wenn sie's nicht gut oder auch falsch machen sage ich ohne direkte Anfrage nichts. Auch nicht wenn's einen Tag Mehrarbeit bedeutet. Der Lerneffekt ist eher etwas Persoenliches.

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Verlegerin
·

Ich kann die Empörungswelle, die sich derzeit über die Republik bricht, nur bedingt nachvollziehen.

Es klingt derzeit so, als hätte der Beschuldigte schamlos jeden Tag auf der Redaktion Frauen belästigt und alle hätten zugeschaut - und nichts getan. Das wäre absurd.

Der springende Punkt ist doch: Haben die Betroffenen sich intern jemandem anvertraut - wurden aber ignoriert? Haben die Frauen sich untereinander gewarnt und ausgetauscht, aber niemandem von der GL etwas gesagt? Und das eben nicht, weil sie kein Vertrauen in die GL hatten?

Denn: Wie sollen denn diese Belästigungen mit der Betriebskultur zusammenhängen? Das wäre der Fall, wenn innerhalb der Republik Stammtischgehabe vorherrschte und sexistische Sprüche gang und gäbe wären und das wage ich zu bezweifeln. Wie soll man auf etwas reagieren, wovon man gar keine Ahnung hat, dass es existiert?

Dass allerdings ein Hinweis bei der Einstellung der Person auftaucht und er trotzdem eingestellt wird; ja, das ist nicht optimal. Aber diese Selbstgeisselung befremdet mich ein bisschen. Der (mutmassliche) Täter ist immer noch er - und nicht die Redaktion.

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Wie soll man auf etwas reagieren, wovon man gar keine Ahnung hat, dass es existiert?

  1. Ist es ja gemäss Republik nicht so, dass die Republik gar keine Ahnung hatte.

  2. Indem für ein Betriebsklima gesorgt wird, wo die Arbeitsnehmer sich dem Arbeitsgeber anvertrauen können?

Solche Kommentare zeigen meiner Ansicht nach, dass nichts daraus gelernt wurde.

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Verlegerin
·

Ich revidiere gerne meine Meinung, liege vielleicht auch falsch.

Zu 1. Eben nicht. Nur die, die ihn damals einstellten, wussten davon. Nachdem das "abgeklärt" wurde - und er fatalerweise trotzdem eingestellt wurde - was hätte denn die aktuelle Führung (wenn sie von diesen Vorwürfen von ihren Vorgängern überhaupt unterrichtet wurden) machen sollen? Zu allen jungen Frauen im Team gehen und sagen: "Übrigens, der XY ist bisschen grüslig, sagst, wenn was ist." Oder ihn alle paar Monate mal konfrontieren? "Du, XY, Finger weg von unseren Mitarbeiterinnen, gell."

Zu 2. Ja.

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Was die Republik jetzt braucht, ist Entschlossenheit und Mut, sich so schnell wie möglich von dem sogenannten Starjournalisten zu trennen, öffentlich zu distanzieren und auch publizistisch Konsequenzen zu ziehen. Sprich: dessen Beiträge aus dem Magazin und dem Dialog zu entfernen.

DAS wäre ein echtes Zeichen, das wehtut, aber den bestehenden und zukünftigen Mitarbeiter*innen und der Öffentlichkeit unmissverständlich signalisiert: dieses Verhalten wird hier nicht toleriert und hat reale Konsequenzen. Wer das Leben anderer aktiv zerstört, dem wird hier kein Raum gegeben.

Aufarbeitung der Vergangenheit, Sensibilisierung und Schulung des Teams, HR-Prozesse, Kulturwandel etc. sind hier nur die Basics. Jetzt heisst es, Verantwortung so zu übernehmen, wie das kein anderes Medium machen würde.

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Momentan wurde von einer blowjobfantasie und einer Aussage ‚du bist sexy ich möchte mit dir eine reportage machen, berichtet. Das scheint mir etwas wenig, um ein journalistisches werk zu canceln.

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Berichtet wird von einigem mehr. Aber es wirkt irgendwie speziell, in den Kommentarspalten eines eher linken Mediums von „canceln“ lesen zu müssen.

Ob man die Artikel aus dem Archiv entfernt, wäre zu debattieren. Vielleicht reicht ja auch ein Hinweis auf die Übergriffigkeit des Autors.

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ohne Rolle
·

Heisst das, der jetzt ehemalige Mitarbeiter wird auch weiterhin nicht konfrontiert?

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Was sind das bloss für Typen?!
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Berechtigte Frage. Da sehe ich zwei Aspekte:
Wollen sich die Opfer es antun, diesem Menschen Aug in Aug nochmals zu begegnen?
Falls es strafrechtliche Konsequenzen nach sich zieht, wird das nicht ohnehin von Amtes wegen passieren?

Allerdings hätte es ja auch sein können, dass die betroffenen Frauen eine solche Konfrontation wünschten - was jetzt, nach erfolgter fristloser Entlassung aber nicht mehr ermöglicht werden kann. ...

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ohne Rolle
·

Das bzw. mir ist nach dem Beitrag auch unklar, ob der betreffenden überhaupt mit den Meldungen konfrontiert wurde...

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„Die Republik muss ein Ort sein, an dem alle Arbeit­nehmenden sicher sind und sich entfalten können – ohne dass es zu unkollegialem Verhalten, Macht­missbrauch oder Diskriminierungen kommt. Und schon gar nicht zu sexueller Belästigung….Wir haben versagt.“

Die oben zitierten Deklamationen geben mir zu denken. Wie wohl sollte ein solches Versprechen einzulösen sein, wenn man vergisst, gleichzeitig an die Eigenverantwortung aller zu appellieren? Welche Allmachtsphantasien bedient hier die Crew der R? Es ist von Anfang an eine Schwäche der R gewesen, (auch in anderen Bereichen) übertrieben hohe Ideale kundzutun und wenig selbstkritisch die eigenen Grenzen zu sehen und einzugestehen. Nicht umsonst liest man des öftern in anderen Blättern von der R, „die angeblich die Welt retten will“. Wenn dann so etwas passiert wie im aktuellen Fall, fällt ein diesbezügliches Scheitern auf die R zurück und wird ihr genüsslich vorgehalten. Es wäre klüger und angemessener und von der Crew einer R zu erwarten, dass sie es nicht mit der Proklamation von Idealzuständen übertreibt, deren hehre Ziele ohnehin nie zu erreichen sind (sonst wären es eben keine Ideale).

Ohne irgendwelche Rechtferigung für das Verhalten des Journalisten betreiben zu wollen, will es mir einfach nicht einleuchten, warum alle genannten sechs Frauen (und andere mehr) unfähig gewesen sein sollen, sich der Übergriffe zu erwehren, Nein zu sagen zu unflätigen Sprüchen oder Textnachrichten und/oder allenfalls den Arbeitgeber (WOZ,R) darüber zu informieren. Es ist primär der Eigenverantwortung unterworfen, selbst wenn man jung ist, Grenzen zu setzen, zumindest den Versuch zu unternehmen, übergriffiges Verhalten abzuwehren. Aber bloss Schweigen oder noch schlimmer - wie in der Recherche von SRF berichtet - sich gegenseitig unter Kolleg*innen auszutauschen, dass der Typ bekanntermassen sexistisch daher komme, ohne eine Konfrontation mit ihm zu suchen, ist nur schwer nachzuvollziehen. (Es ist an dieser Stelle anzumerken, dass damit keine Mitschuld an den Taten des Journalisten insinuiert werden soll!) Der etwas ältere, bewunderte Journalist ist/war ja nicht einem Arbeitgeber (Rektor*in einer Schule, Chef*in eines Unternehmens) gleichzusetzen, wo allenfalls die Angst, entlassen zu werden, einen hemmen mag, vorzusprechen (so wie mir das sehr wohl bekannt ist von Schulen, von Unternehmen).

Kurzum: Ohne die Eigenverantwortung des Täters übersehen zu wollen, sei die Frage erlaubt: Vielleicht wäre es - bei der rechtzeitigen Wahrnehmung von Eigenverantwortung der Betroffenen - auch dem Journalisten vergönnt gewesen, sich unter weniger dramatischen Umständen zu besinnen und sein Verhalten zu ändern, umso mehr, als damit vielleicht auch weniger Frauen darunter zu leiden gehabt hätten. (Man mag diese Bemerkung als zu nachsichtig mit dem Täter empfinden, aber ich frage mich, ist Strafe sinnvoller?) N.B. Leider gehört wohl auch dieser letzte Gedanke zur Sphäre unerreichbarer Ideale. Und wie es scheint, rufen dann alle nach der strengen Hand der Autorität - sei es die R, der Staat oder…?

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Heuchelei ist der Untergang der Republik
·
· editiert

Boa du Grüsel.
"keine Mitschuld" ... "rechtzeitiger Wahrnehmung von Eigenverantwortung der Betroffenen"

Die Verantwortung, dass ein 'Starjournalist' zumindest am Arbeitsplatz nicht wilden kann, trägt einzig und alleine die Chefredaktion, das HR und die Geschäftsleitung.

Überdies hat ja mindestens eine Mitarbeiterin gewarnt. Vermutlich auch weitere. Zumindest bei der damalige Leitung. Was für Massnahmen wurden danach eingesetzt, damit der 'Starjournalist' nicht auch hier wildern konnte? Das bleibt die Mitteilung schuldig.

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Vielen Dank für die Abklärungen und die detaillierte Publikation der Ergebnisse.
Mich hat bei dieser Geschichte vor allem die Frage bewegt, warum sich die von Übergriffen betroffenen Personen nicht direkt an die Redaktionsleitung oder Geschäftsleitung gewandt respektive auch direkt den Beschuldigten konfrontiert haben. Dies erklärt sich mir nun deutlicher aufgrund der (beschämenden) Art und Weise, wie „die Republik“ mit der Hinweisgeberin am Anfang umgegangen ist. Dies und die mir ebenso nicht nachvollziehbare Auslegung der ominösen „See only“-Klausel waren meines Erachtens die Kardinalfehler.

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Ja, der damalige Umgang mit der Hinweisgeberin war ein fataler Fehler. Ich kann aber, wohl anders als Sie, schon verstehen, wie dieser Fehler zustande kam. Es war für die GL in jener Situation nämlich nicht einfach, ihrer Verantwortung gerecht zu werden. Sie ist aufgrund ihrer Fürsorgepflicht dafür verantwortlich, alle ihre Mitarbeitenden gegen verschiedene Arten von Schädigungen zu schützen. Neben dem Schutz vor sexuellen und anderen Übergriffen durch einzelne Kollegen und Kolleginnen beinhaltet das auch den Schutz vor Mobbing durch Gruppen von Kollegen und Kolleginnen. Und in der Hinsicht war das Verhalten der Hinweisgeberin höchst problematisch. Es war die Pflicht der GL, sie sehr klar darauf hinzuweisen, dass es nicht akzeptabel ist, solche schwerwiegenden, (nach damaligem Stand lediglich) auf Hörensagen basierenden Anschuldigungen gegen einen (nicht anwesenden) Kollegen bei einem Mittagessen mit Kollegen und Kolleginnen vorzubringen. Gleichzeitig musste die GL die von der Hinweisgeberin kolportierten Anschuldigungen als potentiell kritischen und wichtigen Hinweis E. nehmen, und hätte sich demzufolge auch hüten müssen, der Hinweisgeberin den Eindruck zu vermitteln, dass sie wegen ihrem Hinweis kritisiert oder "bestraft" wird. Unter Anderem kann eine "Bestrafung" die Hinweisgeberin und andere Mitarbeiter und Mitarbeiterin in Zukunft davon abhalten und entmutigen, solche Bedenken überhaupt noch zu äussern. Die Hinweisgeberin für ihr diffamierendes "Tratschen" beim Zmittag zu rügen und gleichzeitig ihre potentiell wichtigen Hinweise E. zu nehmen und sie für die Weitergabe dieser Informationen wertzuschätzen, ist nun wirklich keine sehr leichte Aufgabe, und die GL hat dabei versagt.

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Liebe Republik

Seit der Berichterstattung zu den Vorfällen lässt mich die Geschichte nicht mehr los. Es tut weh, von einem Projekt, an das mensch so sehr glaubte, derart enttäuscht zu werden. Ohne Klarheit in meinem Kopf versuche ich ein paar Gedanken und Fragen zu sortieren:

  1. Erstmals Danke, dass Ihr eine transparente Aufarbeitung versucht und in Euren Beiträgen klar Stellung bezieht.

  2. Eine Frage zu den Aufträgen: Aufträge 2 und 3 überprüfen den Anstellungsprozess res-pektive die Reaktion seit der Meldung. Auftrag 1 ist ein Meldetool, mit welchem Vorfälle von Belästigung und anderem unakzeptablem Verhalten seit der Gründung der Republik gesammelt werden. Zudem soll im Rahmen des Auftrags 1 abgeklärt werden, ob diese Vorfälle innerhalb der Republik kommuniziert worden sind oder nicht (und wieso).

Gleichzeitig schreibt ihr "Untersucht werden soll auch der Umgang mit Vorwürfen über das ganze Anstellungsverhältnis hinweg, vom Zeitpunkt der Einstellung des Betroffenen bis hin zur aktuellen Freistellung, sowie allfällige Vorkommnisse, die mit der jetzt im Fokus stehenden Person nicht in Verbindung stehen. Ganz allgemein soll die Betriebs­kultur der Republik untersucht und der Frage nachgegangen werden, wer zu welchem Zeitpunkt über allfälliges Fehlverhalten informiert war."

Wie findet diese Untersuchung statt? Für mich ist nicht klar, welcher der drei Aufträge diese Fragen abdeckt.

  1. "Aufgrund einer ersten Auswertung der eingegangenen Meldungen haben wir entschieden, uns per sofort von dem beschuldigten Mitarbeiter zu trennen. Da eine sofortige Trennung aufgrund des ausgewerteten Materials für uns als Arbeitgeberin alternativlos war, hat keine Konfrontation des Beschuldigten mehr stattgefunden."

Bedeutet "keine Konfrontation des Beschuldigten", dass seit der Freistellung keine Gespräche stattfanden (und er sich somit nie zu den Vorwürfen äussern konnte) oder dass die Kündigung ohne Gesprächsmöglichkeit gesprochen wurde? Das klarzustellen würde allenfalls die Diskussion hier etwas entschärfen.

Wenn die Kündigung "alternativlos" ist, müssen die eingegangenen Meldungen ein sehr klares Bild zeichnen. Und das macht mich unglaublich wütend. Wie konnte das passieren, wieso kam das nicht viel früher ans Licht, wenn das Bild im Nachhinein so klar ist? Die heutige Meldung lässt mich mit dieser Wut im Stich, was ich schade finde.

  1. Wieso mich dieser Fall nicht loslässt, ist eben auch, dass er für mich persönlich schwierige Fragen aufwirft. Miriam Suter hat in ihrer Stellungnahme auf Insta folgendes geschrieben (Kürzungen weil sonst ellenlang): "Als ich in den Journalismus einstieg, waren alle meine Vorbilder männer. [] Damit einher ging auf ein patriarchal geprägtes Männerbild, das ich als normal emfpand. [] Ich lernte auch, dass ein gewisses Verhalten normalisiert wird. [] Und weil ich als frau sozialisiert wurde, kickte ab und zu auch der pick-me-effekt: wenn ich dem als frau und als journalistin gefalle, dann ist das ein gutes zeichen. [] heute fällt es mir schwer, mein damaliges ich nachzuvollziehen, aber wie ein freund treffend sagte: 'aber wusstest du, dass er ein grüsel ist – oder dachtest du, dass er ein manischer bad boy ist, der das süsse leben lebt?' ich denke, letzteres ist der fall."
    Mit dieser Stellungnahme fühle ich mich selbst ertappt. Genauso bei der Lektüre des Artikels von Mia Nägeli mit dem Titel "Weil er so fickt, wie sie alle gerne ficken würden" im Magazin Saiten (Leseempfehlung!). Der Fall zeigt mir auf, dass ich noch viel Arbeit vor mir habe, zu verarbeiten, welche Auswirkungen es für mich hat, dass ich Hank Moody aus Californication - der "manische bad boy, der das süsse leben lebt" schlecht hin - angehimmelt habe (oder nach wie vor anhimmle?). Gab es überhaupt je "manische bad boys, die das süsse Leben leben", die keine Grüsel sind? Und wenn nicht, was bedeutet dies für mich, für uns als Gesellschaft, für Arbeitgeber*innen (im Journalismus) und wie kommen wir weiter?

Bemerkung: Könnt ihr den Text von Mia Nägeli bei den Links auch aufnehmen?

  1. Mich beklemmt das Schweigen zu diesem Fall. Weil ich erstens mit diesen Fragen alleine gelassen werde. Die zwei oben zitierten Stellungnahmen sind von Frauen, viel mehr brauchbares habe ich bisher nicht gelesen. Männer, was sagt ihr? Zweitens wünschte ich mir Beiträge von Männern (und Frauen), die den Beschuldigten kannten, zusammenarbeiteten etc. und die klare Stellung beziehen und reflektieren, was geschah, wieso dies geschah und was sie verbessern wollen.

Ich vermute, dass ein Teil des Schweigens davon kommt, weil der Name nicht öffentlich ist. So muss niemand, der mit dieser Person zusammengearbeitet hat, Stellung beziehen, respektive würde Stellung beziehen das Risiko mit sich bringen, dass die Anonymität nicht mehr gewahrt wird. Deshalb eine weitere Frage: Wieso veröffentlicht ihr den Namen nicht?

Zum Schluss: Ich wünsche mir sehr, meine Hoffnung, dass die Republik Veränderungen – welche über diesen Einzelfall hinausgehen – anstosst und anpackt, wird nicht enttäuscht.

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Nina Scheu
Mitglied VR-Republik
·

Danke für diese Gedanken und die Hinweise auf die Texte von Miriam Suter und Mia Nägeli, die - im positiven Sinne gelesen - aufzeigen, dass sich doch einiges geändert hat. Auch wenn es noch viel zu ändern gibt. Ich hoffe (und glaube!), dass heute doch meistens ein anderer Umgangston gepflegt wird. Denn eben: vor 30 Jahren wurde das von Suter und Nägeli beschriebene Verhalten meist unkommentiert als normal empfunden. Das ist heute nicht mehr so.
Ich sehe in diesem Debattenbeitrag neben vielen reflektierenden Gedanken nur eine evtl. noch unbeantwortete Frage (im Abschnitt nach den Punkten 1 und 2): Diese Untersuchung gehört zu "Auftrag 2". Dazu werden von den unabhängigen Expert*innen zahlreiche Interviews und Gespräche geführt, die am Ende auch dabei helfen werden, in Zukunft aufmerksamer zu sein.
Oder habe ich noch eine Frage überlesen?

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Ich meine ja: Wieso nennt die Republik den Namen des Beschuldigten nicht?

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"Verleger"
·

Mich hat aufhorchen lassen, dass sich die sechs Frauen durch eine "just see"-Klausel Schutz erhoffen. Für die einfachste Konstellation (ein Täter und eine belästigte Person) macht so eine Klausel ja natürlich überhaupt keinen Sinn. Der Täter weiss ja wen er belästigt hat und weiss so im Falle, dass sich aus dem Fehlverhalten Konsequenzen ergeben, auch wer "geredet" haben muss.

Nehmen wir jetzt einmal an, dass im konkreten Fall der Täter in seiner Laufbahn insgesamt 6 Frauen belästigt hat, was ja schon ganz klar nicht mehr der "Einzelfall" oder das "unglückliche Missverständnis" ist mit dem sich Täter dann meist herausreden wollen. Da böte ja eine "just see" Klausel den sechs Frauen praktisch keinen Schutz.

Ein Schutz würde sich erst ergeben, wenn eine deutlich höhere Anzahl von Frauen (sagen wir mal 50-100) von diesem Täter belästigt wurde.
Das scheint dann ja zu bedeuten, dass die Belästigungen durch diesen Täter relativ "flächendeckend" passiert sein müssen. So gross sind die Redaktionen der WOZ und der Republik ja nicht, dass die sechs Frauen sich sonst Hoffnung machen könnten in der "Masse" der belästigten Frauen unerkannt zu bleiben.

Noch eine andere Anmerkung. Wenn solche Fälle dann einmal etwas intensiver aufgerollt werden, stellt sich am Ende meist heraus, dass, wenn vielleicht auch nicht in allen Details und mit juristisch belastbaren Beweisen, eigentlich ALLE im Umfeld wussten das da was läuft. Es geht hier ja nicht um minderjährige Waisen in einem entlegen Heim sondern um gut ausgebildete bestens verknüpfte Erwachsene, die von Berufs wegen eigentlich ein Gespür für solche Sachen haben sollten.
Die Frage, die sich zu viele der Leute, die Bescheid wissen, dann eben stellen ist nicht "was kann ich tuen damit das aufhört". Statt dessen fragen sie sich, "wie kann ich diese Situation für mich bzw. meine Organisation nutzen." Dazu würden dann auch Gedanken zählen wie "Dieser Person würde wegen dem schwelenden Skandal beim jetzigen Arbeitgeber ein Jobwechsel bestimmt sehr gelegen kommen. Vielleicht ist das jetzt genau die Gelegenheit für eine neue Rekrutierung."

Das Buch "noch wach?" von Stuckrad-Barre, hat ein für mich recht plausibles Bild dieser Dynamiken und Anreize für Opfer, Täter und Mitwisser aufgezeigt.

Konkreter ganz pragmatischer Vorschlag:
Für mich als "Verleger" gehört der Schutz der Angestellten vor solchen Belästigungen zu den Aufgaben der Leitung der Republik. Und jetzt bitte kein "aber wir wussten ja nicht was da passiert", denn so was zu wissen ist auch Teil dieses Jobs.

Vorausgesetzt die Anschuldigungen bleiben weiterhin glaubwürdig, sollte die Leitung der Republik den Teil Ihres Lohnes, den sie für eben diese Aufgabe bekommen hat zurückgeben. Das Geld wird dann einer Opferhilfe-Organisation gespendet.

Teil der Übung wäre auch zu beziffern welchen Anteil der Schutz der Mitarbeitenden vor Übergriffen im gesamten Aufgabenportfolio der Leitung hat.

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(von der Moderation verborgen)
Jonas Studach
Community-Support
·

Beitrag verborgen wegen potenziell justiziablem Inhalt. Ich möchte Sie bitten, hier im Dialog auf Mutmassungen und Namensnennungen zu verzichten. Besten Dank für Ihr Verständnis.

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Jeder weiss wie diese Person heisst. (Zum Glück!)

Die Republik wird sicher in zukünftigen Recherchen keine Namen nennen - bis zweifelsfrei feststeht dass die Sachverhalte vor einem Gericht verhandelt wurden und bestätigt sind. Natürlich nicht. Ein Gschmäggle.

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Sabine Muth
Vielleserin
·

Ich bleibe vor allem dran hängen, dass eine Mitarbeiterin vor Einstellung des Betreffenden gewarnt hat und ihre Warnung nicht E. genommen wurde. Es ist immer das Gleiche. Die Mitarbeiterin war mutig genug diese Einwände vorzubringen, um ihr berufliches Umfeld für alle Angestellten zu schützen.
Die Situation kenne ich nur allzu gut und das Gefühl der Ohnmacht ebenso. Übrigens wurde der Angestellte erst entfernt, als sich ein Mann beschwert hat, der Zeuge eines Fehltritts wurde.

Das allein ist furchtbar entmutigend.

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4
· editiert

Es hätte ja noch die Variante gegeben, dass man solche Typen zwar einstellt, aber ihn erstens darauf anspricht, ihm klar macht, dass dies zur Kündigung führen würde und zweitens Strukturen da sind, die verhindern, das so etwas passiert.

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Seit einigen Jahren können wir bei Bewerbern mitreden und für mich (m) wäre das unter keinen Umständen eine Option. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass sich das HR darauf einlassen würde.

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Offen bleibt für mich die Frage nach der Fürsorgepflicht. Irgendjemand in der Republik hat die Funktion der Arbeitgeberin und die hat ihren Angestellten gegenüber eine Fürsorgepflicht. Wenn der Verdacht geäussert, eine Klage beim Gleichstellungsbüro deponiert wird, dass Mann oder Frau übergriffig war, dann muss der Arbeitgeber sich damit auseinandersetzen, wie (potentielle) Opfer zu schützen sind. Bis jetzt läuft es ja meist so, dass lediglich die Frage in den Vordergrund rückt: ist das nur ein Gerücht, gibt es Beweise? und der Schritt zur Fürsorgepflicht wird nicht vollzogen. Was habt Ihr seit Ende Juli unternommen, um möglicherweise anwesende, mitarbeitende Opfer zu schützen?

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3

Diese externe Untersuchung kostet Geld. Wir Verleger werden es bezahlen. Gibt es eine Abstimmung darüber?

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Demokrat
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· editiert

Man entschuldigt sich nicht, man bittet um Entschuldigung. Ob die Bitte angenommen wird, bleibt offen...

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/
8
Thea Mauchle
Aktivistin Behindertengleichstellung
·

Dass auch die Republik nicht gefeit ist von solchen "Vorfällen", wundert mich überhaupt nicht. Diese "Vorfälle" ereignen sich leider überall, oft gerade dort, wo sie nicht erwartet werden (und ganz sicher dort, wo sie niemals für möglich gehalten werden und die Leute ihre Hände ins Feuer legen für die Verdächtigten).
Einige Kommentare hier nehmen die Haltung ein, die Republik müsse jetzt bloss alles genau untersuchen und transparent sein und Massnahmen ergreifen, dann könne man wieder zur Tagesordnung übergehen. Den Betroffenen (es sind hier Frauen, es könnten aber auch andere Personen sein) wird zumeist Mitgefühl entgegengebracht, andere finden, sie müssten halt "lernen", entsprechend zu reagieren, bevor es passiere o.ä.
Das heute publizierte Vorhaben, eine "Meldeplattform" einzurichten", finde ich richtig. Es wäre aber eine Überlegung wert, ob diese Plattform nicht grad definitiv und permanent weitergeführt werden soll, selbst wenn die zurzeit im Raum stehenden Vorfälle abgeklärt wurden.
Grundsätzlich ist es ein gesellschaftliches Problem, das wirklich ALLE betrifft.

  1. Wir sind alle aufgerufen, aufmerksam zu sein bezüglich Grenzüberschreitung, Übergriffen, sexueller Belästigung bishin zu Gewalt und systematischer Ausbeutung.

  2. Irritationen und seltsame Vorkomnisse sollten wir äussern können, am besten eben auf einer anonymen Meldeplattform, vielleicht im Betrieb oder extern (wie z.B. www.zuerichschauthin.ch)

  3. Die meisten Vorfälle finden in Machtverhältnissen (egal, ob explizit oder nicht, also z.B. älterer Kollege zu jüngerer Kollegin) von oben nach unten statt und die Täterschaft ist eindeutig grösstenteils männlich (da gibt es zahlreiche Studien dazu). Es müssten also nicht die Frauen lernen, sich zur Wehr zu setzen oder frühzeitig auszuweichen, sondern jeglichem Macho-Gebahren muss ein Riegel geschoben werden.
    Wie geht das? Sehr schwierig! Aber ich hoffe, dass immer mehr Nicht-Machos, die den Feminismus auch für sich selbst als "Befreiungsbewegung" betrachten können, einem Kollegen Einhalt gebieten werden, wenn dieser frauenverachtende und sexualisierte Gewalt verherrlichende Sprüche klopft oder von dementsprechenden "Abenteuern" erzählt. Ich wünschte mir, dass die Frau, die von einem Macho-Kollegen (ev. Vorgesetztem oder eben "Star" = Platzhirsch) belästigt/bedrängt wird, auf Grenzverletzungen aufmerksam machen kann, ohne dass ihr übers Maul gefahren oder ihr die Schuld daran zugewiesen wird.
    Natürlich wäre das eine superideale Firmenkultur, aber die muss zuerst geschaffen und dann regelmässig gepflegt werden.
    Die Republik kann sicher etwas lernen aus diesem Fall, aber sie muss nachhaltig dran bleiben, um zukünftige Fälle zu verhindern. Obwohl - verhindern ist zuviel verlangt in einer Gesellschaft, in der noch immer die patriarchalen Strukturen vorherrschen und es noch derart viele Machos gibt, die behaupten, sie wüssten gar nicht, was denn überhaupt eine "sexuelle Belästigung" sei. (Übrigens zähle ich auch Frauen zum Machotum, die ähnliches von sich geben). Und eine Gesellschaft, in der TeleZüri News am 4.9.23 einen Beitrag über jugendliche Männer zeigt, die am Schlierenfest "auf Brautschau" sind und mit allerplumpsten Maschen junge Frauen anmachen (haha...).
    Gewiss schade, dass auch die Republik sich damit herumschlagen muss, aber wer war denn so blauäugig und meinte, das könne hier nicht passieren?
    Ich wünsche nicht nur der Republik, sondern uns allen, dass wir eine bessere Kultur des sozialen Umgangs untereinander finden werden, jenseits des Patriarchats allerdings.

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Wir leben alle in einer patriarchal geprägten Gesellschaft, wir wurden alle in dieser Gesellschaft sozialisiert. Sexismus mit all seinen widerlichen Auswüchsen ist ein strukturelles Phänomen. Die Vorstellung, man könne diese Prägung als Individuum, das in dieser Gesellschaft aufgewachsen ist, einfach abschütteln und sei dann dagegen gefeit, im solchen Situationen falsch zu reagieren - das ist ein Trugschluss. Und dass Projekte wie die Republik von sich selbst so viel erwarten in dieser Hinsicht, man will ja eben nicht sein wie die anderen, man will mit Menschen arbeiten, die anders sind - das führt leider dazu, dass man sich (individuell und kollektiv) in Sicherheit wiegt. Davon ausgeht, dass man genug tut, weil man mehr tut als andere, bewusster damit umgeht, reflektierter ist. Und dann passiert es doch.

Wir sind noch nicht so weit. Sexuelle Übergriffe passieren überall, weil unsere Gesellschaft ist, wie sie ist. Wenn wir diesbezüglich etwas erreichen wollen, müssen wir das als Tatsache anerkennen. Und uns kompromisslos auf die Seite der Betroffenen stellen. Ihnen glauben. Den Tätern sehr viel entschlossener begegnen. Dass der betreffende Mitarbeiter eingestellt wurde, obwohl die Republik von diesen Vorwürfen Kenntnis hatte - wow. Das enttäuscht mich. Denn damit habt ihr euch doch gesagt: den Frauen, die das behaupten, glauben wir weniger als ihm. Und genau darum geht es.

Jetzt gilt es, das sauber aufzuarbeiten und entsprechend Konsequenzen zu ziehen. Ich empfinde eure Stellungnahme als gut gemeint, aber das Selbstmitleid muss weg. Es ist kein Zufall, dass es bei euch passiert ist. Es war ein Fehler, davon auszugehen, es könne bei euch nicht passieren.

So. Aufstehen, Krone richten, weiter gehts.

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Natürlich hatte diese Information auch mich erschüttert. Shit, dass sowas just der Republik (und der WOZ) widerfahren muss, dachte ich mir, widerlich. Leid tun mir die sechs jungen Frauen, die ja am Anfang ihres Berufslebens stehen.
Ich las auf SRF News davon, und suchte den damaligen frühmorgendlichen Newsletter der Republik nochmals hervor, den ich zugegebenermassen nur dann bis zu Ende lese, wenn ich nicht sofort auf einen Artikel klicke.

Was ich da las, genügte mir für den Moment. Dass die Redaktion hingegen mit Anfragen, ja mit Vorwürfen von Seiten der Verleger w/d überhäuft wurde, wie es im heutigen Artikel steht, befremdet mich sehr.
Aber auch das gibt es halt überall: Leute die vorschnell den Stab brechen, genauso wie es zur Leidenschaft G. ist, sich sofort zu empören. Genauso überall kann halt auch deliktisches Verhalten auftreten, überall in der Arbeitswelt und in unserer Leistungsgesellschaft, insbesondere wo eine Art Starkultur entstehen kann. Da sind die Medien nicht gefeit davor, auch wenn ethisch korrektes Verhalten da quasi im Rampenlicht steht.
Ich hatte aber von Beginn weg keinen Zweifel, dass das betriebsintern sehr genau aufgearbeitet werden wird bei der Republik (wie auch bei der WOZ). Und dass das auch seine Zeit braucht. Das zeigt nun dieser Artikel, besten Dank.

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Als junge, woke Frau schockiert mich das Vorgehen der Republik zutiefst. Auf Grund anonymer Anschuldigungen entlässt ihr einen Mitarbeiter fristlos. Ohne Anhörung. Die saubere Überprüfung der Anschuldigungen durch Konfrontation des Beschuldigten war ja gar nicht Teil der Untersuchung der Republik.

Ich dachte, ihr steht für Rechtstaatlichkeit und Fairness. Falsch gedacht. Und ihr habt eure Sorgfaltspflicht gegenüber dem Angeklagten krass missbraucht.

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Ich wünsche mir eine ungeschönte Gegendarstellung oder Erklärung vom Journalisten. Veröffentlicht in der Republik.
Offensichtlich bereiten ihm seine Triebe und sein Verhalten ja ziemlichen Ärger.
Was nicht schön, aber nun mal menschlich ist.

So wäre zumindest die Chance gegeben, jenseits eines übermoralisierten "Das tut man nicht, wir sind alle sehr betroffen" darüber zu reden. Ink einer Lernkurve für uns alle.
Ich freue mich wieder vom Journalisten  von dem ihr euch getrennt habt zu lesen.

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Hat man mit dem Beschuldigten gesprochen ob ein Geständnis oder Entschuldigung möglich wäre? Im Sinne von „restoriatv Justice“ würde das vielen helfen, u.a. denjenigen, welche die Folgen der Handlungen erlebten und auch der gesamten Diskussion hier.
Ich kann nur wärmstens dieses Buch empfehlen, welches für mich im Bezug auf die Problematik ein Augen Öffner war:
To Raise A Boy - Emma Brown
https://edition.cnn.com/2021/03/25/…index.html

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„Der Verwaltungsrat erneuert sein volles Vertrauen in die Geschäftsführung.“

Ich denke der Verwaltungsrat macht es sich etwas zu einfach.

Der Bericht zeigt recht deutlich, dass die Geschäftsleitung sich ihrer Verantwortung nicht bewusst war. Sie hat sowohl den möglichen wirtschaftlichen Schaden falsch eingeschätzt, den Schutz der eigen Mitarbeiter falsch eingeschätzt und viel zu spät den Verwaltungsrat einbezogen.

Aus meiner Sicht liegt hier eine Selbstüberschätzung der Geschäftsführung vor.

Es genügt bei weiten nicht neue Regeln einzuführen.

Seit längerem habe ich auch den Eindruck, dass man sich in der Redaktion viel zu stark auf Personen und deren Meinungen einschiesst und nicht auf Fakten.

Ich wünschte mir etwas mehr Selbstreflektion sowohl des Verwaltungsrat als auch der Geschäftsleitung.

Betrachten sie dies als anonymen Hinweis,
den ich im persönlichen Gespräch gerne detailliert und fundiert begründe.

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Michel Huissoud
VRP Republik AG
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Lieber Herr Löpfe, meine Kollegin Karin Landolt hat zum Thema Selbstreflexion Ihnen hier, siehe link, schon eine Antwort gegeben.

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Erneut melden sich leser (s.u.), die fragen zur berechtigung anonymer beiträge, im speziellen auch die crew betreffend, aufwerfen. Lucia H. hat nochmals dazu stellung genommen und ältere klarstellungen verlinkt. Die crew muss, auch ein wenig verärgert, diesen fragen jedesmal aufs neue nachgehen. Könnte man nicht zu beginn jedes dialogs die paar grundsätze zur regelung der teilnahme wiederholen, damit es nicht mehr nötig sein wird, darauf antworten zu müssen?

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ehem. Fachrichter im Nebenamt
·

Dass die berechtigte Fragen betreffend anonymen Leserbeiträgen immer wieder aufgeworfen werden (müssen), zeigt doch, dass da ein grosses Problem besteht.

Die Republik wäre gut beraten, sich dazu nochmals ernsthaft (und vorurteilslos) grundsätzliche Gedanken zu machen, anstatt dieses Problem einfach unwirsch vom Tisch zu wischen: "das haben wir einfach mal so beschlossen und damit basta".

Die zunehmend verrohende gehässige Gesprächskultur im Forum "Dialog" basiert meines Erachtens auf der anonymen Teilnahmemöglichkeit sowie auf oftmals schlechter, einseitiger und vorurteilsbehafteter Moderation.

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"Verleger"
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· editiert

Die offizielle Meldung der Republik war ja relativ knapp, aber zusammen mit der Präzisierungen durch den VRP Michel Huissoud scheint klar, dass das Verhalten des Journalisten, von dem man sich nun getrennt hat, (ob straf- oder zivielrechtlich relevant oder nicht) schlichtweg unhaltbar war.

Wenn man ein bisschen in den auch hier im Forum verlinkten Artikeln liesst, wird zudem klar, dass dieser Journalist seine Sex, Drugs & Rock'n'Roll Eskapaden inklusive Übergriffigkeits-Tendenzen recht öffentlich zelebriert hat.

Ich kann nur sagen: Gut das er jetzt nicht mehr bei der Republik ist! Er ist nun ein Problem um das sich hoffentlich die Zivil- und Strafgerichte sowie zukünftigen Arbeitgeber und Kollegen kümmern werden.

Als Republik, müssen wir uns nun mit folgendem Problem befassen:
Offensichtlich konnte ein Verhalten, dass a) wenn man den Betroffenen einmal zuhört, eine sofortige Trennung unumgänglich macht und b) in Medienkreisen anscheinend weitgehend bekannt war, trotzdem unter den Nasen der Redaktion, der Kollegen und Kolleginnen und des Verwaltungsrats stattfinden. Und das über Jahre hinweg.

In diesem Zusammenhang scheint es mir sehr wichtig, dass die Republikleitung recht bald über den jetzigen "das ist ja alles so schrecklich und tut uns so leid aber wir haben wirklich nichts gewusst" Affekt hinauswächst und offen darüber spricht was gelaufen ist. Einige der Beiträge der "Ich habe mich getäuscht" Reihe, die es vor einigen Monaten hier gab, könnten da sehr gut als Vorlage dienen. Mir scheint hier gibt es die Chance sowohl organisatorisch zu wachsen als auch erstklassigen Journalismus zu produzieren.

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Die Frage, die für mich zum aktuellen Zeitpunkt und nach der Lektüre dieser Stellungnahme noch offen bleibt ist: Was wurde in der Zeit zwischen dem (anonymisiwrten) Hinweis an die Redaktion und dem Öffentlichmachen des Falls durch das SRF bei der Republik (intern) unternommen?

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(durch User zurückgezogen)
(von der Moderation verborgen)

OK, merci für Ihre Aktualisierung: Trotzdem frage ich mich: Wieso hat niemand der beteiligten Personen (etwa diejenige, welche die Hinweisgeberin abkanzelte) namentlich den Mut hinzustehen (oder in die Tasten zu hauen) und zu sagen (oder zu schreiben): "Sorry, da war eine 'Bromance' im Spiel, welche einfach fatal war. Ich wollte nicht wahrhaben, dass die jetzt gefeuerte Person sich unakzeptabel verhalten hat. Ich möchte die betroffenen Personen um Verzeihung bitten". Es geht mir nicht um Denunziantentum oder um Schadenfreude, sondern um Vertrauen gegenüber der Republik und ihren Protagonisten. Die Ausführung mögen zwar juristisch korrekt sein (ich habe keine diesbezügliche Ahnung). Aber besonders empathisch kommen sie zumindest bei mir nicht an.

Alle machen Fehler. Da fällt Euch hoffentlich doch kein Stein aus der Krone, wenn Ihr namentlich hinsteht und sagt: "Sorry, das habe ich so nicht gewollt." Oder irre ich mich da?

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BA Geschichte und Philosophie
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Es tut mir sehr leid, dass die betroffenen Frauen noch dafür kämpfen mussten, dass etwas geschieht, obwohl ihr bereits bei seiner Einstellung über Vorfälle informiert worden wart. Ich finde es ein grundlegendes Problem, dass Einstellungsverhältnisse, wenn schon nur der leiseste Verdacht auf übergriffiges Verhalten besteht, nicht pausiert werden, damit der Sache auf den Grund gegangen werden kann. Es ist ein grundlegendes Problem unserer Gesellschaft, dass Frauen nicht geglaubt wird - aber für Männer, die angeschuldigt werden „gilt die Unschuldsvermutung“. Man hätte halt nicht genug Beweise, sorry. Wie genau sollen solche Dinge nachgewiesen werden? Muss ich als Frau in meinem Arbeitsalltag eine Bodycam auf mir tragen? Mich, wenn ich vergewaltigt werde, gegen den extrem starken Drang zu duschen wehren, damit die Polizei es leichter hat DNA-Spuren zu finden? Soll ich nach einem sexuellen Übergriff zurück zum Täter gehen, ihn zur Rede stellen mit dem Recordinggerät und hoffen, das er seinen sexuellen Übergriff bemerkt hat und zugibt? Dabei ist es statistisch gesehen so wahrscheinlich, dass es stimmt, wenn eine Frau jemanden des sexuellen Übergriffs beschuldigt. Es muss nicht gleich eine „Schuldvermutung“ herrschen. Aber, damit Verantwortung übernommen werden kann, muss bei sexuellen Vorwürfen IMMER direkt hingeschaut werden. Egal, wie renommiert oder gut ein Journi allenfalls ist. Ehrlichgesagt - gerade dann.

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Angesichts der Stellungnahme und der sehr verschiedenen Kommentaren zu den Vorwürfen der sexuellen Belästigung im Team der «Republik» nehme ich bei mir verschiedene Gefühle wahr.
Da ist einmal die Wut, dass unsere Gesellschaft immer noch und immer wieder diese patriarchal-toxische Männlichkeit zulässt und ihr Raum gibt und es immer wieder Männer gibt, die ihre Macht auszuspielen versuchen und mit ihrem Verhalten Frauen traumatisieren.
Da ist auch Frustration, dass die internen Strukturen der «Republik», aber auch die zwischenmenschlichen Beziehungen im Kollegialsystem nicht in der Lage waren, diese Übergriffe zu vermeiden oder zumindest rechtzeitig zu erkennen und konsequent anzugehen. Es kann ja wirklich nicht sein, dass die Geschäftsleitung erst durch die Recherchen anderer Medien auf das Problem aufmerksam gemacht wird.
Ich spüre aber auch Mitgefühl, mit den von den Übergriffen betroffenen Frauen, mit der jetzigen Geschäftsleitung und dem ganzen Team, die sich alle auf unterschiedliche Weise mit der sehr schwierigen Situation auseinandersetzen müssen.
Ich habe Vertrauen in die Geschäftsleitung, dass die ganze Angelegenheit in all ihren Dimensionen rasch, transparent und fair aufgearbeitet wird. Neben einer transparenten Kommunikation erwarte ich aber auch, dass konsequent auf allen Ebenen die Lehren aus den Geschehnissen gezogen werden.
Ich stehe nach wie vor voll hinter der «Republik».

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Mich würde interessieren, wie hoch das Durchschnittsalter der Republik-Mitarbeiter (nur Männer) ist und wie hoch jenes der Mitarbeiterinnen.

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