Debatte

Kann ein Handelskrieg verhindert werden?

Debattieren Sie mit Autor Mark Dittli.

12.06.2018

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Die US-Regierung unter Präsident Donald Trump hat auf einer Reihe von importierten Gütern Handelszölle erhoben. Auch befreundete Nationen wie Kanada, Mexiko, die EU-Staaten oder die Schweiz werden davon nicht ausgenommen. Diverse Handelspartner der USA, von China bis zur EU, haben bereits Vergeltungsmassnahmen beschlossen. Der G7-Gipfel in Kanada, der eine Plattform für klärende Gespräche hätte bieten können, endete im Fiasko.

Was nun? Kommt es zu einem globalen Handelskrieg? Und wie sollten andere Staaten, inklusive die Schweiz, auf Trumps Provokationen reagieren? Könnte es sogar sein, dass Trump das Richtige tut?

Republik-Redaktor Mark Dittli liefert in seinem Übersichtsstück die Antworten auf die wichtigsten Fragen. Zwei Gastkommentatoren, Marco Salvi von Avenir Suisse und Manfred Elsig vom World Trade Institute an der Universität Bern, geben in ihren Beiträgen die Empfehlung ab, wie der Rest der Welt mit Washington umgehen sollte: nach dem Prinzip der anderen Wange oder nach dem alttestamentarischen «Auge um Auge».

Diskutieren Sie heute ab 8 Uhr mit Autor Mark Dittli zum Thema Welthandel und Protektionismus.

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Der Handelskrieg ist doch schon längstens voll in Gang! Komischerweise schreiben hiesige Blätter erst jetzt darüber, da sich Trump erdreistet hat, auch seine Vasallen, pardon, seine "Partner" mit Zöllen zu belegen. Jetzt, wo wir auch betroffen sind, jaulen wir auf.

Aus meiner Sicht scheint klar zu sein, wie man dem begegnen muss: Mit Rückgrat und mit klugen Schachzügen. Wir sind doch nicht das Mündel der Amis!

  1. Vermehrt den Blick nach Russland und Asien richten, bei aller Kritik an deren Politik! (Bei Amerika war uns das ja auch immer egal, von Guantanamo bis Drohnenmorde)

  2. Sich über die Drohungen von Trump hinwegsetzen und Handeln, mit wem wir wollen.

  3. Sich die USA weiter selber isolieren lassen. In wenigen Jahren schreit kein Hahn mehr nach denen, denn die Zukunft liegt in Asien. Wer das noch nicht begreift, liest nicht genug (der Renminbi wird wohl bald den PETRODOLLAR ablösen.)

Sanktionen und Embargos sind Kriegshandlungen, die vor allem die Bevölkerung treffen. Bisher hat noch KEIN EINZIGER Diktator deswegen klein bei gegeben.
freier Handel ist der beste Garant für friedliche Beziehungen. Wenn die Amis nicht wollen, ihr Problem. Von denen sollten wir uns nichts befehlen lassen.

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Wenn sich zeigt, dass der Gegner rücksichtslos und manchmal auch irrational handelt, dann nützt gutes Zureden nichts. Jeder Kompromiss wird nur ein Zwischenstopp sein. Folglich braucht es Abwehr. Dabei sind Aktionen nach dem Grundsatz Auge um Auge nur schon deshalb eine schlechte Taktik, weil diese völlig phantasielos ist. Kaum einmal haben Gegner identische Schwächen.
Die USA müssen dieses Jahr rund USD 2'500 Billionen (unsere Billionen, also Millionen Millionen) neu aufnehmen. Sie brauchen diese neuen Darlehen zum grössten Teil zur Umschuldung. Wenn diese und die geplante Neuverschuldung nur minimal ins Stocken geraten, nützt das niemandem (wie die Zölle), schadet aber den USA mehr als den anderen. Was die USA unter gar keinen Umständen brauchen können, sind Zweifel an ihrer Zahlungsfähigkeit.
Die Schweiz kann alleine gar nichts ausrichten. Sie braucht die anderen. Die Schweiz war in den 1950er Jahren in einer ähnlichen Lage, als die USA die Importe von Schweizer Uhren mit massiven Zöllen belegten, weil diese Uhren angeblich die Sicherheit der USA beschädigten - nicht weil sie schlecht waren, sondern weil sie zu gut waren. Als die Schweiz dann dem GATT beitrat, dem Sie zuvor wegen ihrer Neutralität nicht hatte beitreten wollen, gaben die USA den Unsinn auf. Aber da war der Schaden schon geschehen.
Ergebnis: zum globalen Handelskrieg kommt es nur, wenn alle einzeln und nach dem St.-Florians-Prinzip handeln.

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Damit ecke ich an (aktuelle Beitrag über die Richtigkeit zu Gegenzöllen):

«Die Antwort auf diese Frage ist simpel: ja.»

Das Problem damit: Im weiteren Text folgen keine Fakten, keine Beleuchtung von unterschiedlichen Positionen oder Recherche der Vorgeschichte. Kein Wort darüber, dass die EU höhere Zölle auf Personenwagen erhebt als die USA. Kein Versuch einer Bilanzierung der jeweiligen Argumente.

Dieser Beitrag spiegelt also in erster Linie die Meinung des Autors wieder. Er ist aber nicht als Kolumne oder Kommentar gekennzeichnet.

Liebes Republik-Team: So rennt Ihr in eine Sackgasse. Wenn Ihr als «unabhängiges Magazin» wahrgenommen werden wollt, das sich «auf die Einordnung von Informationen konzentrieren will» - dann müsst Ihr Meinungen und neutrale Rechercheartikel klarer trennen und kenntlich machen. Ansonsten wird riskiert, dass die durchaus vorhandenen Achtungserfolge (wie der Bünder Bauskandal) beschädigt werden.

Liebe Grüsse,

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Sehr geehrter Herr Kummer

So wie ich die Artikel-Gruppe verstand, gibt Herr Dittli einen unabhängigen und sachlichen Überblick (historischer Hintergrund, Zahlen, etc.), worauf die beiden weiteren Artikel aus zwei Perspektiven zwei Aspekte bzw. approaches beschreiben. D.h. sie stellen zwei Positionen dar und sind diesbzgl. parteiisch. Die Filiation wird denn auch transparent gemacht: Avenir Suisse für die ("christliche") Zollliberalisierung und das The World Trade Institute für Retorsion (nach dem "alttestamentarischen" Talion). Dies reicht mir, um zu sehen, dass es parteiische Meinungen sind.

Ich finde es durchaus legitim, dass man Expert_innen, die nolens volens parteiisch sind, zu befragen. Und zugute zu halten ist der Republik, dass sie zwei diametrale Positionen heranzieht. Denn nur durch eine Rundumsicht der verschiedenen Meinungen ist eine eigene Meinungsbildung möglich, und nicht durch eine scheinbare einzige objektive unabhängige Wahrheit - die zu besitzen behaupten in menschlichen Belangen (politischen, ökonomischen, kulturellen etc.), zuallermeist vermessen ist.

Als kleiner Verbesserungsvorschlag wäre ein direkter Link zu den Organisationen hilfreich (statt dem ebenfalls einfachen Rechtsklick und "Google-Suche nach").

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Grüezi Herr R.,

Ich stimme ihrem Kommentar vollkommen zu - unterschiedliche Perspektiven sollen möglich sein.

Mir fehlt aber eine klare Einordnung/Strukturierung und Kennzeichnung der einzelnen Artikel (Kommentar / Gastkommentar / Fachartikel / Pro-und-Kontra) gut sichtbar, direkt bei Artikel-Beginn).

Heute Vormittag war der «Pro-Gegenzölle» Beitrag prominent im «Hauptfeed» platziert - wirkte wie ein Leitartikel.

Mittlerweile wurde das korrigiert (?) - direkt gelistet ist nur noch die Übersichtsseite von «Der eskalierende Handelskonflikt» wo der genannte Beitrag als einer von zwei Sichtweisen gleichwertig aufgeführt wird. So wie es seien soll.

Das Problem der fehlenden Kennzeichnung und der fehlenden Trennung von Meinung und Inhalt habe ich aber in verschiedenen Artikeln. Grundsätzlich werden alle Artikel mehr oder weniger gleichwertig chronologisch im Übersichts-Feed aufgelistet. Es gibt keine Rubriken, keine Kategorie-Angabe, nichts was mir hilft die Artikel einzuordnen. Es ist alles sehr unübersichtlich.

Im Artikel selbst gibt es ebenfalls keine klare Abgrenzung zwischen dem Inhalt und Kontextinformationen (Ergänzungen oder Meinungen des Autors, verwandte Artikel, Artikel-Serie, verwandte Themen, etc.) - es gibt zwar durchaus Kontextinformationen, aber diese sind gut zwischen den anderen Absätzen versteckt und vom Inhalt kaum zu unterscheiden. Leider :-(

Ich hoffe das Republik-Team bleibt dran, und schaltet Schritt für Schritt weitere Verbesserungen auf.

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Wegen der WTO dürfe man inländische Anbieter nicht vorziehen, ökologische und soziale Argumente könnten protektionistisch interpretiert werden... Was vermag nun die WTO bewirken, gegen eine offensichtlich protektionistische USA? Klage eingereicht - gut - und jetzt? Können wir nicht damit rechnen, dass die WTO die Importzölle verurteilt? Wie lange brauchen die für ihr Urteil?
Gut, Trump mag einfach aus der WTO austreten, wenn‘s ihm nicht passt. Das wäre ein starkes Zeichen gegen den Freihandel - aber womöglich auch das Ende einer international starken USA.
Interessante Perspektive, wenn der Rest der Welt weiter frei handelt, und die USA isoliert. Die USA ist nur ein Land auf dem absteigenden Ast - wichtig scheint mir, den Handelskrieg auf die USA zu begrenzen und nun nicht protektionistisch Jeden gegen Jeden auszugrenzen.

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Danke für Ihren Beitrag, Herr Lüthi. Grundsätzlich würde die Sache so ablaufen: Angenommen, das WTO-Schiedgericht weist das «national security»-Argument der Trump-Regierung ab. Den betroffenen Handelspartnern wäre es dann gemäss den WTO-Regeln erlaubt, Zölle gegen die USA im gleichen Umfang zu erheben, wie ihre eigene Wirtschaft durch die US-Zölle Schaden erleidet. Gemäss Berechnungen des Peterson Institute for International Economics sind Kanada und die EU die Haupt-Leidtragenden der US-Zölle auf Stahl und Aluminium. Kanada gehen demnach Einnahmen von 3,2 Milliarden Dollar verloren, bei der EU sind es 2,6 Milliarden. Interessanterweise liefert China nur Stahl und Aluminium im Wert von 689 Millionen Dollar in die USA. Der formelle WTO-Prozess kann aber mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Falls es Sie interessiert – hier finden Sie einen lesenswerte Übersicht über die Thematik (Englisch):
https://piie.com/blogs/trade-invest…-typically

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Als mehr technisch denn ökonomisch bewandert frage ich mich (auch wenn diese Frage vielleicht etwas einfach erscheint und allenfalls nicht den Kern der heutigen drei Beiträge betrifft): Was geschieht mit den Zöllen? Wer erhält diese? In wessen Tasche resp. auf welchem Konto landen diese? Wozu wird dieses - m.E. zusätzlich eingenommene - Geld verwendet?

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Die Zolleinnahmen erhält der erhebende Staat, in diesem Fall die USA oder als Spezialfall die EU, da sie eine Zollunion bildet. Diese Einnahmen fliessen normalerweise in das ordentliche Budget und können somit für jegliche Ausgaben wieder verwendet werden.
Zolleinnahmen sind insofern indirekte Steuern, welche hauptsächlich die Konsumenten des eigenen Landes belasten.

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Danke, Herr Bader. Diese Präzisierung ist wichtig: Zölle sind eine Form von Steuer, die über höhere Preise primär von den Konsumenten im Land (im konkreten Fall also in den USA) getragen werden.

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Anonym
Hans Noetig
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Trump interessiert sich nicht für die Amerikaner. Er interessiert sich nur für sein Geld. Die Länder müssten eigentlich mit einer anderen Massnahme auf die Zölle antworten: Sanktionen und Zölle spezifisch auf die Trump Organisation zugeschnitten.

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(durch User zurückgezogen)

Handelsbilanzdefizite können für ein Land problematisch sein wenn sie sich über einen längeren Zeitraum erstrecken, wie bei den Südeuropäischen Staaten. Sie implizieren eine zunehmende Verschuldung eines Staates. Der Hintergrund der „Verstimmung“ Trumps bezüglich deutscher Exportware ist wohl dem Umstand geschuldet, dass Deutschland seit einer Dekade permanent hohe Handelsbilanzüberschüsse aufweist - die höchsten im weltweiten Vergleich. Dabei ist das Problem, dass nicht alle Länder permanent Aussenhandelsüberschüsse haben können, ohne dass Exporte auf einen anderen Planeten hinzu kämen. Zwischen Ländern mit eigenen Währungen gleichen sich solche Asymetrien über die Anpassung der Wechselkurse aus. Nicht so bei Deutschland, das im Euro ist. Die Kritik der Anerikaner an Deutschland ist auch schon alt, fand aber in Handelsgremien statt. Warum hat sich Trump dieser Sache angenommen? Sie passt in seine Story!

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Danke Herr Hug für Ihren Beitrag. Die Handelstheorie ist ein riesiges Gebiet, und wir könnten hier Bücher füllen. Daher nur einige Betrachtungen zu Ihren Zeilen:

  • Es stimmt, Leistungsbilanzdefizite über einen längeren Zeitraum können problematisch sein, weil sich das betreffende Land zunehmend im Ausland verschuldet. Nur ist das genau im Fall der USA kein Problem, weil sie das exorbitante Privileg haben, sich in ihrer eigenen Währung zu verschulden (und sich diese über die Jahrzehnte tendenziell laufend abwertet). Es ist also falsch, das Leistungsbilanzdefizit der USA als «Schwäche» auszulegen. Vielmehr spiegelt es chronisch ungenügende Inland-Ersparnisse, die mit Kapitalzufuhr aus dem Ausland kompensiert werden.

  • Das andere Thema, nämlich die Handels-Ungleichgewichte innerhalb der Eurozone, sehen Sie genau richtig. Hätte Deutschland noch eine eigene Währung, hätte diese in den letzten Jahren deutlich aufgewertet und die horrend hohen deutschen Leistungsbilanzüberschüsse längst korrigiert. Für Deutschlands Wirtschaft ist der Euro ein grosser Vorteil.

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M. R.
· editiert

Man vergleiche übrigens Trumps Politik mit den Business-Prinzipien seines "Art of the Deal" (aussen vor lassend inwiefern andere es anders machen):

  1. Think big

  2. Protect the downside and the upside will take care of itself

  3. Maximize your options

  4. Know your market

  5. Use your leverage

  6. Enhance your location

  7. Get the word out

  8. Fight back

  9. Deliver the goods

  10. Contain the costs

  11. Have fun

Unschwer kann man Parallelen zum aktuellen Handelsstreit aber auch anderen "deals" wie der Nordkorea-Frage feststellen:

  1. Hegemonie in der multipolarer werdenden Welt wieder herstellen ("MAGA"), dabei v.a. nach Innen als "starker Mann" wirken, und einen deal mit den grösstmöglichen Vorteilen oder gar die totale Liberalisierung des Welthandels anstreben.

  2. Die Opportunitätskosten eines kleineren deals oder selbst eines worst case schätzt er als niedriger ein, als wenn er keinen neuen deal ausgehandelt hätte - auch wenn die tausenden Arbeitnehmer_innen, denen der Jobverlust droht, dies anders einschätzen würden.

  3. Durch sein - scheinbar? - erratisches und willkürliches Gebaren hält er alle Optionen offen und kann auch plötzlich zurückrudern, wobei er dies dann als taktisches Geschick auslegen kann.

  4. "I like to think that I have that instinct. That's why I don't hire a lot of number-crunchers, and I don't trust fancy marketing surveys. I do my own surveys and draw my own conclusions." - no comment.

  5. Mit der (Militär-) und Marktmacht der USA im Rücken besitzt er natürlich den grösstmöglichen Hebel für alle möglichen Verhandlungen, doch selbst wenn die Position in spezifischen Fällen schwächer sein sollte: "My leverage came from confirming an impression they were already predisposed to believe."

  6. Vorzugsweise über Twitter oder media outlets wie Fox News. "I play to people's fantasies," he writes. "People may not always think big themselves, but they can still get very excited by those who do. That's why a little hyperbole never hurts. People want to believe that something is the biggest and the greatest and the most spectacular."

  7. Er scheint ja zuweilen gar empfindlich, und irritiert, wenn er viele vor den Kopf stosst. Doch womöglich ist alles Kalkül: "The risk is that you'll make a bad situation worse, and I certainly don't recommend this approach to everyone," he writes. "But my experience is that if you're fighting for something you believe in — even if it means alienating some people along the way — things usually work out for the best in the end."

  8. Selbst wenn nicht alles, was er sich davon versprochen hat, heraus schauen sollte, so kann er auch die kleinste Verbesserung oder Konzession als grossen Gewinn interpretieren.

  9. Als Präsident werden die Kosten sowieso andere tragen müssen, die man dann auch gut - mit Immigrationspolitik - überspielen und kleinreden kann.

  10. "Money was never a big motivation for me, except as a way to keep score," he writes. "The real excitement is playing the game." - Tja "Boys just wanna have fun"! Aber taugt dies auch für seriöse und nachhaltige Politik?

Glauben und glauben lassen also: Willkommen in der simulativen Post-Demokratie des post-faktischen Zeitalters! (Doch war dies je wirklich anders?)

Vgl.: http://www.businessinsider.com/dona…eal-2015-6

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Eine interessante Aufstellung, danke. In einem Punkt habe ich aber grösste Zweifel, ob das Trump tatsächlich gelingt: Die Wiederherstellung der Hegemonie. Die Hegemonialstellung der USA nach dem Zweiten Weltkrieg - die pax americana - baute genau auf dem Nordatlantischen Bündnis, auf der Anbindung Kanadas und Mexikos, auf der Allianz mit Japan, Australien und Südkorea, auf der Dominanz in IMF und Weltbank. Nun stösst Trump seine Alliierten am laufenden Band vor den Kopf. Mit dem Austritt aus der TPP hat er halb Asien vor den Kopf gestossen und Peking ein riesiges strategisches Geschenk gemacht. Ich vertrete die Meinung, der grösste geostrategische Gewinner der Trump-Präsidentschaft sind nicht die USA, sondern China.

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Stimme gänzlich mit Ihrer Einschätzung überein. Die Frage ist, ob Trump nur unbewusst also nicht-intendiert ohnehin strukturell bedingte Prozesse beschleunigt. Oder dabei - es gibt ja der Auguren genug - sehenden Auges aber mit wehenden Fahnen ins "Verderben" stürzt.

Oder ist er wie Laios, der Vater des Ödipus, wenn er die Ananke (das Zwangsläufige oder neu die Sachzwänge) abzuwenden sucht und dabei den eigenen Untergang hervorruft und findet? Oder glaubt er tatsächlich - wie aus seinen Zitaten und Tweets nachzulesen ist - an die eigene und US-amerikanische Grösse und überschätzt sich schlicht masslos - so dass ihn aufgrund dieser Hybris alsbald seine Nemesis (sei es China oder Mueller) heimsuchen wird?

Und grundsätzlich: Ist eine andere mehr oder weniger friedliche Welt als die multipolare Welt - und der damit einhergehende Multilateralismus -möglich, ja überhaupt wünschbar?

An dieser Stelle möchte ich mich noch bei Ihnen bzw. bei Euch für die drei Artikel bedanken, welche insgesamt nicht nur ein schwieriges Thema auf nicht verzerrende Art runterbrechen, sondern auch verschiedene Aspekte und Perspektiven aufzeigen.

LG M.

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Die USA führt sich wie der Pöbler auf dem Pausenhof auf. Kurzfristig werden die anderen Schüler kuschen. Langfristig sehe ich die USA sich selbst von der Welt isolieren. Im Moment ist das noch gewollt. Läuft der Zirkus aber ohne sie weiter, werden sie fix wieder Weltpolizei spielen wollen.

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guter artikel. besten dank!

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M. R.
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Was von Herr Krugman - in der von Herr Salvi erwähnten Kolumne - richtigerweise angemerkt wird, ist, dass es weder in der ökonomischen Integration durch weltweite Liberalisierung der Märkte noch im aktuellen Handelsstreit um abstrakte Ideale ging, sondern immer um Realpolitik.

Dabei betreibt Trump mithilfe der protektionistischen Aussenhandelspolitik vor allem Innenpolitik, um seine Position und Popularität zu stärken, aber gleichzeitig auch - quasi by the way und scheinbar paradox - eine noch intensivere (Neo-)Liberalisierung des Welthandels. Denn Trumps vordergründig in Aussicht gestellte Alternative zum unilateralen Protektionismus ist ja, dass global alle Zollschranken aufgegeben werden.

Und (nicht) zufällig ist dies auch das (Fern-)Ziel von Avenir Suisse. Nur deshalb gibt sie denn auch - trotz inadäquater Parabel und wohlklingendem Begriff der "unilateralen Zollliberalisierung" - die kontraintuitive Empfehlung ab, dem Bully auf dem Platz doch freiwillig das Milchgeld zu geben, da dies sowieso die natürliche Ordnung sei - und nicht die willkürliche Schulordnung. Ja, man wirke dabei auch noch besonders "cool".

Avenir Suisse möchte also, dass die Schweiz, die EU oder alle anderen ausser den USA jeweils unilateral ihre Zölle liberalisieren, sprich abbauen, auch wenn die USA selbst protektionistisch bleibt, da sie letztendlich (scheinbar) dasselbe Ziel wie Trump verfolgt, nämlich einen vollständig liberalisierten Welthandel. Zu diesem dann werden die USA, ihre vordergründige Isolation verlassend, natürlich gerne wieder "hinzustossen" - und zwar aufgrund ihrer (Militär- und) Marktmacht und nicht aus Neid auf die florierenden Nachbarn.

Ich votiere also eher für Herr Elsigs Position, denn die Massnahmen der EU wirken auf mich soweit verhältnismässig und in ihrer Selektivität auch taktisch klug - und gerade nicht "flächendeckend" und uncool (oder unchristlich), wie Herr Salvi zu insinuieren scheint.

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M. R.
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Zu Herrn Salvis Beitrag: Selbst wenn Parabeln per se Komplexität reduzieren, sollten sie strukturell dennoch adäquat sein, sprich homolog. Der zornige Mann zieht ja nicht erst hinzu, zieht dann Mauern hoch und lebt fortan in dieser Festung autark seine Robinsonade. Sondern er lebt schon lange dort, vernetzte sich, ging Versprechen (Verträge, Rechte und Pflichten) ein, und unterhält profitable Tauschbeziehungen, die ihm grossen Wohlstand und Macht einbrachten.

Nun sind aber seine Hausmitbewohner unzufrieden geworden, wobei er die Schuld bei "den anderen" sieht, von denen er sich unfair behandelt fühlt. Er stellt daraufhin vor seiner Burg Trolle auf zuvor freien Brücken hin, die Brückenzoll verlangen, während er gleichzeitig von den anderen fordert, ihm besseren Zugang zu gewähren (was dann eher an ein Free-rider-Szenario erinnert). Entweder das oder alle sollten ihre Mauern schleifen und Schranken abreissen. So dass derjenige gewinnt, der im Mêlée auf dem eingeebneten freien Feld stärker ist.

Die Ausgangslage ist also nicht Autarkie, sondern Interdependenz. Er ist nicht derjenige der um Zugang bittet, sondern mit Macht seine Vorteile vermehren will. Und da er um seine (Markt- und Militär)Macht weiss, ist es für ihn natürlich von Vorteil, wenn er nach dem Prinzip divide et impera multilaterale Ordnungen durchbricht ("disrupt" wie es heute so schön heisst) und auf bilaterale Verhandlungen setzt. Und siehe da, nur grössere Staaten und deren Märkte wie die EU oder China können unmittelbar etwas entgegensetzen, während die kleineren und v.a. abhängigeren einlenken (wie Südkorea) oder auf die supranationale Institution der multilateralen Ordnung, also die WTO, setzen müssen (wie etwa die Schweiz).

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Sehr schön zusammengefasst, Herr R. Dem kann ich wenig anfügen.

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M. R.
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Für jene, die von den biblischen Gleichnissen irritiert sind: Fürchtet euch nicht! Liest man die Texte, sieht man, dass auch ökonomische Prinzipien dahinterstehen.

  • AT: Tit-for-tat (bis zur eskalierenden Spirale eines Handelskriegs)

  • NT: Unilaterale Zollliberalisierung

Es geht aber nicht bloss darum, wie auf kurzfristige Aktionen reagiert werden soll, sondern auch, welches langfristige Verhältnis man eingehen will, also u.a.:

  • Soll der Welthandel multilateral geordnet werden oder unilateral dirigiert - selbst wenn realiter die Verhandlungsposition immer asymmetrisch ist?

  • Sollen die Beziehungen möglichst symmetrisch sein oder asymmetrisch sein?

  • Sollen die Beziehungen möglichst horizontal sein oder hierarchisch sein?

  • Soll die Staatsmacht (vollständiger oder gemässigter Protektionismus) oder die reine Marktmacht vorherrschen - auch wenn man beide realiter nie trennen kann?

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Ich bin einigermassen irritiert. Wie ist das nun, sind dauerhafte Exportüberschüsse einzelner Länder für andere, welche permanent (mit Schuldenmachen) mehr importieren als exportieren, nun ein währschaftes Problem im Handel innerhalb Europas oder auch zwischen den Ozeanen (Richtung Amerika und Asien) oder, wie Mark Dittli festhält, doch nicht. Hat das Zerbröseln der EU (oder auch der Trumpsche Aufstieg) nicht auch damit zu tun? Die Republick hat mir doch an einem anderen Tag so einiges über Heiner Flassbecks Verzweiflungen über Deutschland und die EU-Kommission ins Ohr gesetzt, muss ich das nun definitiv ad acta legen? Und wie es es mit Varoufakis und seinem Wallstreet-Minotaurus zwischen 1970 und 2008? Ich bekäme da gerne, falls möglich, von der Republik noch etwas Verständnis(nach)hilfe. Zur Republik gehört m.E., dass sie analysiert und synthetisiert, und dort, wo keine oder noch keine Synthese möglich ist, das von Zeit zu Zeit auch offen ausspricht.

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Wir leben in einer Zeit, in der globale Pakte und Verträge innert kürzester Zeit obsolet werden. Gerade für die Schweiz ist es deshalb essenziell, dass die EU nicht einfach die andere Wange hinhält. Ansonsten werden die USA und Trump noch viel eher das Gefühl haben, sie können beliebig Staaten drangsalieren und schikanieren.
Die EU geht da sehr überlegt vor, sie hat das Ganze ja bereits unter Bush erfolgreich exerziert. Dabei muss sie jetzt aber noch einen Schritt weiter gehen. Nicht in Bezug auf Handelsschranken, sondern ganz grundsätzlich die Abkehr der amerikanischen Hegemonie vorantreiben. Auf die internationalen Gremien UNO, WTO, IWF, Weltbank nimmt die USA mittlerweile fast nur noch negativ Einfluss, was Europa und den Rest der Welt lähmt. Bei multilateralen Abkommen kann man die USA ohnehin nicht mehr konstruktiv einbinden.
Es wird einiges an Unsicherheit auf die Welt zukommen und Europa muss viel mehr Verantwortung übernehmen. Es wirkt aber auch die Möglichkeit, international endlich eine nachhaltigere Politik voranzutreiben. Dies darf man durchaus auch als positive Chance sehen, dies es zu nutzen gilt. Ob dies tatsächlich gelingt, wage aber auch ich zu bezweifeln.

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Spannend, wie die Schweiz zu akzeptieren scheint, dass man gegenüber den USA einfach den Schwanz einzieht. Sonst wird doch so gerne über schweizerische Unabhängigkeit von fremden Richtern etc. getrompetet. Jetzt geht es aber fadengerade an den CH-Geldbeutel und das ist bekanntlich etwas gaaanz anderes...
Die heutige - inhaltlich natürlich durchaus sinnvolle - Diskussion hat deshalb für mich ein schlechtes Gerüchlein: wir ziehen 5 Tage pro Woche mit weichem Rücken und wehem Geldbeutel den Schwanz ein. Und beten am Wochenende für den Erfolg der EU.

Es ist mir dabei bewusst, dass den meisten Diskussionsteilnehmern hier diese Diskrepanz wohl schon längst klar ist. Nur in der breiten CH-Öffentlichkeit ist das halt nicht der Fall.

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Eigenartig, dass hier mit dem Christentum argumentiert wird. In der Wirtschaft geht es um Interessen und Anreize. Merkantilistisch verhält sich übrigens auch Deutschland gegenbüber seinen Partnern im Süden Europas.
Ich plädiere für Gelassenheit. Trump ist wie schlechtes Wetter, es geht vorbei.

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Danke, Frau Reinhard. Der biblische Vergleich bezieht sich einzig und allein auf die Frage, wie man auf Trumps Provokation reagieren soll: Zurückschlagen, oder gelassen hinnehmen? Ansonsten ist natürlich völlig klar, dass es hier um Interessen geht. Nichts weiter. Und Sie haben recht: Deutschland verhält sich in vielen Dingen merkantilistisch.

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Folgt nun auch noch eine Sichtweise nach dem Koran und eine nach dem Evangelium des fliegenden Spaghettimonsters?

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Vielleicht ist es noch etwas früh am Morgen, werter Herr Simonet - aber es bleibt mir schleierhaft, was Sie uns damit sagen möchten.

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Die Parabel ist holprig: Im angeführten Beispiel hat China einseitige Massnahmen beschlossen, weil sie sich dadurch grössere Marktanteile in der Fertigung von Smartphones erhofften - und ihr Ziel erreichten. Sie haben also nicht „die andere Wange hingehalten“, sondern haben selbst einen Erfolg realisiert. Offen - und auch fraglich - bleibt, ob Europa und die Schweiz als hoch tertiarisierte Volkswirtschaften mit einer ähnlichen Massnahme erfolgreich wären.

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Danke Herr Erne. China hatte nie das "Ziel", grössere Marktanteile in der Fertigung von Smartphones zu erreichen. Was China in den 80er- und vor allem in den 90er-Jahren erreicht hat, ist, sich als Werkbank der Welt zu etablieren. Das ist die Strategie, die in den 40 Jahren zuvor in Asien auch Japan, Südkorea und Taiwan angewandt haben. Was stimmt: China hat sich lange sehr protektionistisch verhalten und ist es auch heute noch.

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