Dialog

Beiträge zu «Warum ich als Frau gelesen werde»



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Könnten wir nicht eigentlich alle als non-binär wahrgenommen werden? Sondern einfach als Menschen?
Ich mag diese Einteilung in Mann und Frau nicht. Mochte ich noch nie. Als ich Kind war hiess es immer "Mädchen machen das nicht" und jetzt später: "Frauen sollen so und so sein".
Ich habe eine chronologische Krankheit, die nur Frauen bekommen können. Ich sehe aus wie eine Frau mit extrem vielen Rundungen, als Mann könnte ich daher nie durchgehen. Ich bin eine Frau. Das ist meine Biologie. (Und ja ich weiss es gibt auch in der Biologie nicht nur binär.)
Gender sollte es aber schlicht nicht geben. Denn was soll diese Rollenvorstellung, dass nur die Person eine Frau ist, eine 'richtige' Frau, welche sich schminkt, welche lange Haare hat, manicürte Finger und gerne High Heels trägt. Wieso soll ich keine 'richtige' Frau sein, wenn ich mich nicht schminken möchte und gar keine High Heels tragen kann, abgesehen davon, dass ich sie einfach scheisse finde, weil ich mit Schuhen gerne lange laufen und rennen können möchte? Ist das nicht der Sinn von Schuhe, dass sie einem tragen und nicht ein Bein stellen? Wieso soll ich pink toll finden?
Ich fand das schon mein ganzes Leben scheisse. Ich bin eine Frau, biologisch. Aber wie ich Aussehe, was ich in meinem Leben tue, was ich trage, das will ich bestimmen ohne negativ beurteilt zu werden. Ich bleibe trotzdem eine Frau. Eine 'richtige'. Ob meine Fingernägel jetzt manicürt sind oder nicht.

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Hallo Unbekannte, Vielfalt macht unsere Welt aus. Wir haben oft das Gefühl, dass uns die Gesellschaft vorgibt, wie wir aussehen sollen, wie wir uns zu kleiden haben oder dass wir uns die Finger maniküren sollen. Aber am Ende entscheidest du selbst, wie du durch die Welt laufen willst, und ich finde es super, wenn jemand genau das macht, was er fühlt und sich nicht an irgendwelche "Regeln" hält. Ausser an seine eigenen. Schön, wenn du das tust!

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es freut mich immer, wenn die gängigen konstrukte in frage gestellt werden!

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Sehr interessant. Herzlichen Dank für den Beitrag.

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Was für ein grossartiger und spannender Text, danke dafür! Und (fast) noch spannender - zumindest von einem soziologischen Standpunkt aus gesehen - sind die Kommentare und die Diskussion darüber.
Herr W. fühlt sich bedroht; Herr A. beleidigt; Frau L. ist verwirrt und ich geniesse es im Moment gerade un-glaub-lich!, dass wir uns hier fragen dürfen, was denn genau "typisch Mann" oder "typisch Frau" ist.
Ich war die ersten elf Jahre meines Lebens ein Junge - wollte stark und unabhängig sein, ich war wild, schlau und hyperaktiv. Aber haben mir vielleicht nur die weiblichen Vorbilder gefehlt? Wollte ich Bub sein, weil ich das Mädchensein einfach uncool fand?
Nun bin ich noch immer unabhängig. Und stark. Und es ist ganz witzig, Frau zu sein.
Was meint ihr, wenn ich nicht so sehr nach Frau aussehen würde, hielte man mich dann für einen Mann? Was macht denn einen Mann aus?
Die Frage von "Anonymous, kim" trifft es perfekt: "Wie fühlt es sich denn an, eine Frau zu sein?" Anders als 'Mann sein'? Und die Antwort ist eben relevant: Keine Ahnung, ich bin einfach ich.
Ich persönlich könnte mir übrigens auch ganz gut vorstellen, in einem Männerkörper zu leben. Mein Charakter ändert sich doch deswegen nicht. Oder glaubt ihr, das wäre so? Und würde ich dann anders behandelt werden? Im Job? An Events?
Und würde ich dann auf Frauen stehen? (Ich denke nicht.)

Liebe Leser, die diesen Artikel von Sascha Rijkeboer als "Modeerscheinung" abtun: Ich wünschte mir, dass ihr es zulasst, dass Menschen sich fragen dürfen, warum sie sich nicht einem Geschlecht zugeordnet fühlen. Ich bin mir sogar sicher, dass viele mehr Menschen als wir es ahnen, ähnlich fühlen.
Texte wie dieser sind nötig und wichtig. Es wurde endlich Zeit dafür.

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vielen dank claudia! ich fühle mich verstanden, auch ich denke, ich könnte in einem männerkörper leben (natürlich nur eine vermutung). wahrscheinlich wäre ich dann nicht genau derselbe, das läge aber vermutlich eher an der umwelt (wie werde ich behandelt, erzogen etc.), aber vieles wäre ähnlich.
ich messe geschlechtern einfach keine so grosse rolle bei und bin fester überzeugung, dass uns andere faktoren mehr prägen.
ein gutes restjahr!

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(unsichtbar)
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Anonym
· editiert

Sascha hat keine Identitätskrise. Wie kommen Sie auf diese lustige Lesart?

Vom Vorwurf der Homophobie sind Sie aus meiner Sicht übrigens
komplett befreit. Wer in seiner Jugend in Winnetou verliebt gewesen ist, kann nicht homophob sein.

À propos Winnetou: Ich meine mich zu erinnern, dass eine seiner prägensten Charaktereigenschaften das Schweigen ist. Nur so als Assoziation.

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Grüezi Herr Biland. Ich verstehe ihre Sichtweise, und doch teile ich sie nicht. Muss ich akzeptieren, wer ich bin, nur weil mich die Gesellschaft in eine Schublade steckt? Oder weil ich mich selber in die Schublade gesteckt habe und mich jetzt aber wieder rausholen möchte?
Unter persönlicher Entwicklung oder Reife verstehe ich nicht nur, zu mir selbst gefunden zu haben, sondern auch, mich regelmässig zu hinterfragen, ob das, was ich fühle und lebe, noch für mich stimmt und meinen Gefühlen entspricht. Denn im Unterschied zu Tieren können wir Menschen genau das: zurückschauen, reflektieren und für die Zukunft bewusst Veränderungen planen.
Mich persönlich faszinieren Geschichten wie diese sehr. Ich fühle mich persönlich betroffen. Warum das so ist? Ich weiss es nicht! Aber mich interessiert auch folgende Frage: Wenn Sie und andere dieses Thema so irrelevant finden, warum investieren Sie dann so viel Zeit damit, andere davon überzeugen zu müssen, dass sie falsch liegen? Wenn mich ein Artikel nicht interessiert, lese ich ihn nicht und möchte mich auch nicht damit befassen.
Was ist es genau, das Sie an diesem Thema anscheinend doch nicht loslässt?
Mit herzlichen Grüssen in den zweiten Weihnachtstag.

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L. W.
· editiert

Was soll non-binär bedeuten? Es gibt genau zwei Geschlechter, eines besitzt einen Uterus, dass andere einen Samenleiter. Leider begehen viele den Fehler, die Sexualität, welche frei wählbar ist, mit dem Geschlecht, welches seit dem Mutterbauch bestimmt ist, zu vermischen.

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Elia Blülle
Redaktor Republik
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· editiert

Guten Tag Herr W.,

Das stimmt so nicht mehr. Die Vorstellung von zwei Geschlechtern gilt in der gängigen biologischen Lehre mittlerweile als überholt. Dazu empfehle ich Ihnen den Artikel «Sex redefined» von Claire Ainsworth, der ziemlich hohe Wellen geworfen hat. Hier auch auf Deutsch.

Zudem: Biologisches Geschlecht ≠ Geschlechtsidentität. (Im Englischen viel besser gelöst: sex ≠ gender). Wer sich als non-binäre bezeichnet, betont die Geschlechtsidentität (Gender) und nicht das "biologische Geschlecht". Das sind grosse Unterschiede.

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Nur weil ein paar selbsternannte Spezialisten, die Natur umzudeuten versuchen, kann keiner die Relevanz von X und Y Chromosom negieren! Auch wenn das der Wunsch dieser Kabale wäre! Ein Mensch erkennt das Geschlecht des anderen schon alleine durch die Pheromone die sein Gegenüber aussendet. Naturgesetze sind nunmal Naturgesetze und keine Meinungen.

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Danke für diesen sehr persönlichen Einblick in das Denken einer non-binären Person. Der Text regt an, über Geschlechternormen und -rollen, über die eigene Haltung zu geschlechtlicher Vielfalt und über die eigene Sozialisierung zum Mädchen oder zum Jungen nachzudenken. Obwohl ich davon ausgehe, dass wir viele sind, unsere Identität durch verschiedene Differenzen wie z.B. Bildung, Milieu, Alter, Nation, Migrationserfahrung, Sprache etc. unterschiedlich geprägt ist, ist Geschlecht eine so omnipräsente Kategorie, von der wir alle betroffen sind, nicht nur "die anderen", dass sie uns in ihrer Binarität gar nicht mehr auffällt oder man sie als selbstverständlich ansieht. Besonders wenn "man" zu dominanten Mehrheitsgesellschaft gehört, möchte ich noch anfügen, nachdem ich die verschiedenen Reaktionen in den Kommentaren angeschaut habe..

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Mit wem oder was oder gegen was hat den so ein(e) Sascha zum Beispiel Sex? Oder gibt es das in der genderbefreiten Welt gar nicht mehr? Ich schätze die «Republik» sehr, doch finde ich, da springt man auf einen Mode-Zug auf, den ich bestenfalls als «Wohlstandsproblem» bezeichnen kann… Für mich schlicht lächerlich.

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Elia Blülle
Redaktor Republik
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· editiert

Herr H.,

Ich finde Ihre Frage deplatziert. Sexuelle Präferenzen sind eine private Angelegenheit und haben vorderhand überhaupt nichts mit dem Geschlecht zu tun.

Und zudem: Wenn Sie Saschas sehr persönlichen Schilderungen als «Wohlstandsproblem» und «lächerlich» bezeichnen, ohne zu argumentieren, wieso Sie zu diesem Schluss kommen, empfinde ich Ihren Beitrag in dieser Form als beleidigend.

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(unsichtbar)
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E. L.
· editiert

Guten Morgen Frau Kempf,
herzlichen Dank für Ihre Gedanken, denen ich sehr gut folgen kann. Sie haben recht, die Fähigkeit zum Perspektivwechsel hilft natürlich, den ersten Eindruck revidieren zu können und ist enorm wichtig um nicht in den eigenen Ansichten zu erstarren und nichts anderes mehr gelten zu lassen. Und ich bin absolut einverstanden, dass die Fähigkeit, etwas rasch in bestimmte Kategorien zu stecken, garantiert den Menschen vom Aussterben bewahrt hat (Fragen wie: Ist es gefährlich, essbar, kann ich Sex haben damit.... ;-) ) und auch in der modernen Welt seinen Sinn hat ( auch wenn die Fragen evtl. leicht anders gestellt werden...)
Wenn ich jetzt aber noch einen Perspektivwechsel mache und vom Menschen (oder in Ihrem Beispiel vom Wildschwein aus) zu denken versuche so ist er, oder es in seinem Wesen und seiner Komplexität nicht einsortierbar ohne es auf eine oder zwei Eigenschaften zu reduzieren, die aber alle etwas mit mir selbst und meinen Erfahrungen zu tun haben. Und selbst wenn ich ein offener Mensch bin und im Austausch mit anderen den Perspektivwechsel schaffe, werde ich das Wesen meines Gegenübers niemals auch nur annähernd erfassen.
Dem Wildschwein ist es vermutlich egal. Dem Menschen, der sich in keiner existierenden Kategorie wohl fühlt, vermutlich nicht.
Deshalb finde ich es so bereichernd, von Sascha direkt in Saschas Welt mitgenommen zu werden und Sascha möglicht urteilsfrei zuzuhören, auch wenn mein Reptilienhirn von Sascha verwirrt sein mag.

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H. A.
· editiert
(unsichtbar)
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Ich habe diesen Beitrag gelöscht. Wir erwarten ein Minimum an Anstand in unserem Dialog - dazu gehört es, anderen keine psychischen Defizite zu unterstellen.

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H. A.
· editiert

Goodbye

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Anonym
· editiert
(unsichtbar)
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J. G.
· editiert

Dass ‚Sascha braucht Saschas Velo’ ein linguistischer Unsinn sein soll zeigt auf wie befangen wir grundsätzlich gegenüber, bis vor kurzer Zeit Tabuthemen, entgegentreten. Ich hätte offenere Beiträge erwartet. Das Thema ist aber auch recht komplex.

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Ich muss ehrlich gestehen, dass ich bis zum Ende des Artikels nicht wirklich verstanden habe, worum es eigentlich GENAU geht. Geschlecht und Identität sind meinem Verständnis nach zwei Dinge - die zwar überlappen, dennoch fehlt mir das Verstehen dafür, warum genau DIESE EINE Überlappung wichtiger ist als die sehr vielen anderen Aspekte von Identität. Mit Aspekten wie die deutsche Sprache oder textile Modeerscheinungen kann ich mir das nicht erklären. Geht es um die missverständlichen Ausrutscher dabei, wie man behandelt wird, solange das Missverständnis nicht aufgeklärt ist? Geht es um den Umgang mit Menschen, die einen anders behandeln, als man sich das wünscht? Was hat das aber mit Identität zu tun?

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(unsichtbar)
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Der Drang einzuordnen ist tatsächlich sehr stark und hat bestimmt auch seinen Sinn. Persönlich habe ich jedoch die Erfahrung gemacht, dass es sehr lohnend sein kann, zu üben nur zu beobachten, wahr zu nehmen was sich mir zeigt (im Wissen, dass ich kaum je in der Lage sein werde ohne Filter zu sehen) und darauf zu verzichten, es zu bewerten, zu beurteilen und zu ordnen.
Lohnend deshalb, weil die Welt beginnt, viel farbiger, vielfältiger und interessanter zu werden, in den seltenen Momenten, in denen es gelingt. So lange ich bewerten und ordnen muss, bin ich immer gefangen in meiner sehr beschränkten Vorstellungswelt.

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Da finde ich mich sehr gut wieder. Man ordnet auch ein, ob einen jemand interessiert oder nicht und man sich weiter mit - voila - ihm beschäftigt oder nicht. Und dann geht's weiter mit anderen Einordnungen. Manchmal ordnet man Menschen noch neu ein, nachdem man sie schon Jahrzehnte kennt.

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Komplizierte Angelegenheit, eher schrullig wie bereichernd. Sich selber zum Objekt machen....leidend....wahr scheinlich reicht mir dieser eine Sascha Artikel.

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Elia Blülle
Redaktor Republik
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Sascha macht sich nicht zum Objekt. Ich glaube, Sie haben hier etwas grundlegend falsch verstanden.

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Nur eine kleine Anmerkung: Wenn sich Sascha schon nicht wohl fühlt dabei, mit gendergebundenen Pronomen angesprochen zu werden, sollte Sascha sich eventuell einen Moment überlegen, wie Saschas Adressaten anzusprechen sind. Leser*innen ist nämlich auch binär. Lesende wäre viellecht eine bessere Alternative gewesen?

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Nö. Das Gender-Sternchen soll explizit einen Hinweis auf Identitäten ausserhalb des Binärschemas geben. Das ist alles weder schön noch logisch, aber immerhin Konvention. "Lesende" ist schlechter, weil es die Bedeutung (unabhängig vom Gegendere) verändert.

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Ah, ich habe nicht gewusst, dass das mit dem Sternchen auch gilt, wenn es innerhalb eines gegenderten Ausdruck steht – danke für die Aufklärung!

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@Anonymous

"Verständigung hat einen persönlichen, unberechenbaren Faktor – die Idee, man könne eine schwierige Sachlage per Sprachregelung ein für alle Mal lösen, ist eine Illusion. Alle Versuche, der Sprache ihre immanente Mehrdeutigkeit auszutreiben und sie mit der Vorgabe einer geschlechtergerechten Differenzierung zu verordneter Einsinnigkeit zu zwingen, führen zur Verarmung."

Dies die Haltung der Berliner Akademie der Künste, Sektion Literatur, zum Thema. Dass das Gendersternchen Konvention sein soll, ist mir neu. Die Republik schafft es ja gerade seit immer, das Problem elegant zu umschiffen. Ich hoffe sehr, das Gendersternchen hält nicht Einzug. Es ist eine Verluderung der Sprache.

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Ausser Diener im grossbürgerlichen und aristokratischen Milieu wird niemand in der 3. Person Singular angesprochen und die zweite Person singular und plural sowie die Höflichkeitsform in der dritten Person plural sind genderneutral, weshalb der Wunsch, nicht mit einem "Pronomen" angesprochen zu werden, linguistischer Unisnn ist. Wenn jemand über Sascha in der dritten Person spricht, dann kann es Sascha ja gleich sein, was für ein Pronomen der Sprechende braucht. "Sascha braucht Saschas Velo" verletzt jedenfalls pragmatische constraints und verwirrt den Hörer, weil dieser automatisch implikatiert, dass von zwei verschiedenen Saschas die Rede ist. Sascha kann Menschen, die über (nicht mit) Sascha (?) reden, jedenfalls nicht vorschreiben, wie sie Sascha (?) gendermässig klassifizieren wollen. Die kognitiven Vorgänge, die unser Sprechen bestimmen, lassen sich nicht einfach politisch (oder urban-modisch) korrekt steuern, und, nachdem wir sogar Gott als männlich oder weiblich klassifizieren, wird sich Sascha einer gendermässigen Klassifizierung nicht entziehen können. Rat an Sascha: Mach Persisch zu Deiner Muttersprache, dort gibt es für belebte Objekte nur ein Personalpronomen 3.Pers. sg., das natürlich geschlechtsneutral ist. Es heisst "u" (او). Wer weiss, vielleicht, wenn man an den linguistischen Relativismus glaubt, spielt in Persien der Unterschied Mann und Frau kulturell eine geringere oder gar keine Rolle und alle Ayatollahs sind metrosexuell :-). Fazit: auch wenn man noch so modisch gendered oder eben anti-gendered entbindet das nicht davon, minimale intellektuelle Anstrengungen beim Abfassen eines Textes zu machen.

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P. T.
· editiert
(unsichtbar)
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M. E.
· editiert

Nicht nur die Sprache, sondern auch der Sprachgebrauch verändert sich.
Inzwischen ist es üblich, dass man Mitarbeitende, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Mitarbeiter*innen etc. verwendet. Vor einigen Jahren war das in diesem Ausmass noch undenkbar. Auch wenn sich nach wie vor kein Standard durchgesetzt hat.
In einigen Jahren werden verschiedene Formen für non-binäre Menschen hör- und lesbar sein, hoffentlich so, wie Sascha es sich wünscht. Ich hoffe auf jeden Fall, dass Saschas Wunsch in Erfüllung geht und werde gerne dazu beitragen, indem ich auf eine inklusive Sprache achte.

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Ein bisschen tüpflischeissen tu ich auch ab und zu. Manchmal finde ich die Diskussionen auch ein wenig übertrieben, gerade wenn verlangt wird, Text immer geschlechtsneutral mit *innen-Suffix zu schreiben (perfekte Lösung der Republik, übrigens). Eins der Probleme jedoch, dass die Gerechtigkeit (explizit nicht Gleichheit, siehe equity vs. equality) zwischen den Geschlechtern verhindert, ist unsere Sprache. Klar ist es sprachlich nicht korrekt oder zumindest verwirrend, wenn man von Sasha spricht, wie Sasha es möchte. Dann müssen wir aber unsere Sprache dementsprechend ändern. Gerade in der Linguistik Gewandte sollten sich dem Rahmen bewusst sein, der die Sprache für unser Denken schafft.

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Ich finde es manchmal auch umständlich und mag deshalb die Lösung der Republik. So wird der Text nicht künstlich länger, aber die Sprache ist trotzdem inklusiv.

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H. A.
· editiert

Goodbye

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H. A.
· editiert

Goodbye

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M. R.
· editiert

Als Frauen noch stolz darauf waren, dass sie einen tüchtigen Mann hatten und daher nicht selbst arbeiten gehen mussten.

Ich dachte dieser Vulgär- bzw. Macho-Marxismus wär schon längst ausgestorben. Sie vergessen wohl Marx‘ universalistischen Grundsatz des Kommunismus:

Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen!

Glauben Sie, dass alle Frauen seit je das Bedürfnis hatten ins Haus gesperrt zu werden und ihre Fähigkeiten sich nur auf den Bereich von Heim und Herd beschränkten?

Ich zumindest bin froh, dass diese Zeiten - leider nicht überall! - vergangen sind, wo diese Situation soziale Norm (und Gesetz) war und für viele einen unterdrückenden Zwang darstellte.

Und wie Sie wissen, teilen die Identitätspolitiken von grossen Teilen des Feminismus Marx’ egalitaristischen Univeralismus - so wie auch jene des Abolitionismus, Civil Rights Movement, Anti-Kolonialismus, LGBTQI und andere in ihrem Kampf um Anerkennung (vgl. Honneth). Andere Identitätspolitiken, die auf eine Restauration von supremacy zielen, sind hingegen partikularistisch-chauvinistisch.

Der universalistische Kampf um Anerkennung schliesst ja den Kampf für eine postkapitalistische Gesellschaft ja nicht aus. Es gibt neben dem Entweder-Oder-Denken auch das Sowohl-als-auch-Denken.

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Timo Posselt
Solidarische
·
· editiert

Bei Martin Walser sind es «Alterswerke», bei Knausgård eine «monumentale Selbstentblössung» und bei Simon Strauss ein «Manifest wider den Zeitgeist»: Bekenntnisliteratur von heterosexuellen Männern füllt Buchhandlungen, Bestsellerlisten und Literaturgeschichten. Dieser Text von Sascha Rijkeboer ist ein Aufatmen: Selten war der urbane Offstream der Schweizer Lebenswirklichkeit so zu fassen wie hier und noch nie in der Republik. Ich habe diesen Text begeistert gelesen, ihn sofort geteilt und weitererzählt. Dieser Blick soll gelesen werden, von möglichst vielen. Denn, wie auch hier zu lesen ist, löst er etwas aus.

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Anonym
kim
·
· editiert

vielen dank für diesen interessanten artikel. was mich aber schon wirklich lange umtreibt, ist, dass ich (sex und gender weiblich) mich überhaupt nicht damit identifiziere, dass ich frau bin. ich meine logisch erkenne und weiss ich, dass ich eine frau bin - aber fühlen? was bedeutet das? wie fühlt es sich an eine frau zu sein? keine ahnung. es ist mir schnurz- ich bin eben ich....

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Bei manchen Kommentaren fühle ich mich an Waldorf & Statler aus der Muppet Show erinnert. Etwas mehr Lockerheit, meine Herren! Ich lese hier zunächst mal einen sehr persönlichen Text und lasse mich berühren davon. Neugierig macht mich das Gelesene allemal. Auch als oller Hetero;-)

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Vielen Dank Sascha, dass Du uns einen (ersten) berührenden Einblick in dein Leben und deine Gedanken ermöglichst. Erst recht, weil ich leider deinen Auftritt in der Loge in Luzern verpasst habe. Daher freue ich mich umso mehr, dass Du nun für die "Republik" schreibst.

Ich selbst hatte früher das "Problem", dass ich - zumindest in diesem Kulturkreis, aber nicht nur! - offenbar androgyn wirkte und oft als das "andere" Geschlecht gelesen worden bin. Gleichzeitig konnte ich nichts mit den überkommenen stereotypen Männlichkeitsnormen anfangen. Dies hat - neben dem Aufwachsen in zwei Kulturen - natürlich auch bei mir zu einer Irritation geführt, sowie zu einer tiefen Reflexion zu meiner und der Identität an sich.

Die Folge war, dass ich die binären Kategorien und Identitäten als arbiträr erkannte, ja gar für obsolet halte. Was aber in einer Sprache und Kultur, die grundlegend durch Binarismen und Dualismen strukturiert ist, schwierig ist auszudrücken und zu leben (aber nicht unmöglich!). Dementsprechend war ich non-binär, ohne zu wissen, dass es diese (Nicht-)Kategorie gab.

Es war dann die Philosophie - gerade der Existenzialismus! -, die mir dann die idealen Mittel in die Hand gab, mich mit mir und der Welt auseinanderzusetzen und die essenzialisierten Strukturen zu dekonstruieren und zu verflüssigen. Was ich als Befreiung empfand - hin zu einer substanziellen Individualität.

Und schon bei Aristoteles - gerade der, der mit seinen Kategorien dem Essenzialismus Vorschub gab - schreibt über das Individuum, dass dieses kein Gegenstand der Wissenschaft und des Wissens sein kann, da es nicht durch Begriffe und Definitionen dingfest gemacht werden kann. Denn diese können nur über Allgemeines ("Mensch", "Mann", "Frau") sprechen und nicht über Besonderes ("Sokrates", "Sascha", "Michel"). Letztere transzendieren nämlich durch ihr kontinuierliches Werden alle starren Kategorien. Der/die/das Andere ist daher - mit Levinas gesprochen - ein Unendliches.

Deshalb heisst es auch: "Individuum est ineffabile", das Individuum ist unfassbar und unausprechlich. Und letzten Endes bedeutet non-binär und fluid zu sein, einfach ein Individuum auf diesem Kontinuum zu sein.

P.S. Ich überlegte lange, ob ich ebenfalls so schonungslos offen sein will, aber Sichtbarkeit ist wichtig. Daher, danke nochmals, Sascha! - Michel

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So toll der Text, danke Sascha🖤

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E. L.
· editiert

Mir hat Saschas Artikel gefallen und ich bin froh, die Gedanken zum Thema von Sascha direkt lesen zu dürfen.
Man kann immer die Relevanz der Themen anderer Menschen infrage stellen, wie es auch hier wieder von einigen Herren getan wird. Meiner Ansicht nach schadet es aber niemandem, sich auf solche Themen zumindest eine Artikellänge lang einzulassen ohne gleich sofort zu bewerten und zu urteilen. Und danach kann man sich ja wieder dem zuwenden, was einen selbst als relevanter erscheint.
Die Übung im vorurteilsfreien Denken würde evtl. dann auch dort helfen.

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Anonym
· editiert
(unsichtbar)
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Ja, Herr Biland, das habe ich jetzt sogar als Handwerkerin verstanden, dass sie dieser Meinung sind. Danke trotzdem, dass Sie es noch einmal ganz klar und deutlich machen. ;-)

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Danke, E. L.. Uns war es tatsächlich wichtig, dass man von einem non-binären Menschen lesen kann. Und nicht über einen.

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Ich folge einigen solchen Menschen auf Twitter und finde es enorm bereichernd (und informativ).

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62 x "Ich" in einem Beitrag. Wow. Und es sollen noch mehr folgen. Repuplik behüte uns vor solchem egozentrischen Geschreibsel.
Wer andere einfach als Menschen wahrnimmt, und das tut glaubs der durchschnittliche Repuplik-Leser, dem ist es doch egal, ob sein Gegenüber weiblich, männlich, beides oder keins ist.
In einem Land, wo fast 20% der ständigen Wohnbevölkerung von der Demokratie ausgeschlossen sind, bringt die Repuplik eine Mehrteilige Serie über einen Egozentriker, der das Gefühl hat, mit einem Thema auftrumpfen zu können, bei dem alle aus politischer Korrektheit hinhören müssen.
Die Repuplik hat ein Problem mit Relevanz, ist sie doch zu einem grossen Teil eine Filterblase für akademische Gutmenschen und Hippsters.

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Timo Posselt
Solidarische
·
· editiert

Der Text von Sascha Rijkeboer scheint wie ein Spiegel zu sein: Sag mir, was du liest und du zeigst mir, wer du bist.

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Das stimmt, die Reaktionen sind tatsächlich selbst-entlarvend.

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Anonym
· editiert
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Für alle, die angeblich Menschen nur als Menschen begreifen, aber dennoch nicht mit negativ konnotierten Ausdrücken wie "Egozentriker", "akademische Gutmenschen" und "Hipsters" geizen, als auch für die, die whataboutistisch jeden "Nebenwiderspruch" gegenüber dem "Hauptwiderspruch" unterdrücken oder unsichtbar machen wollen (in welchem Jahrhundert leben wir eigentlich?): Lest nochmals die letzten Zeilen:

Für Sichtbar­keit, für Einblick, für Verständnis, für Toleranz und bestenfalls Akzeptanz. Für eine lebbare Realität als nicht-binäre Person. Für mich und alle anderen. Ich danke Ihnen, liebe Leser*innen, fürs Gelesen­haben meines Textes und für das – bestenfalls – offenere Lesen meiner Person.

Ich weiss echt nicht, wie man(n) bei solch schonungsloser Offenheit und solch einem Appell um Anerkennung mit Verachtung und Verkennung reagieren kann. Offenbar ist die weihnächtliche Stimmung noch nicht bei allen angekommen (Verschwisterung - anyone?).

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Nun, das sind Eure Selbst-Interpretationen, denn ich beurteilte nicht Euch, wie Ihr seid - Ihr könnt sein, was Ihr wollt -, sondern, was Ihr sagt, also Eure zwischenmenschlichen Reaktionen und öffentlichen Aussagen gegenüber einem realen fühlenden Menschen.

Aber wie sagt schon der "Volksmund":

Selbsterkenntnis ist der erste Weg zur Besserung. (Deutsches Sprichwort)

Denn:

Wer an den Spiegel tritt, um sich zu ändern, der hat sich schon geändert. (Seneca)

Vielleicht auch dahingehend:

Das Höchste, wozu der Mensch gelangen kann, ist das Bewußtsein eigener Gesinnungen und Gedanken, das Erkennen seiner selbst, welches ihm die Einleitung gibt, auch fremde Gemütsarten innig zu erkennen. (Goethe)

War nun zwar weniger Literaturwissenschaft, als vielmehr "Volksweisheit". Eine Netzweisheit wäre the 1st rule of netiquette:

Remember the human.

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Es ist natürlich sehr irritierend, wenn auf solch "schonungslose Offenheit" Seitens einer eher verletzlichen, völlig unbedrohlichen Minderheit mit Verachtung, genereller Ablehnung, ja fast schon Hass reagiert wird.

Aber beachten Sie: Auch diese Kommentatoren habe sicher ihr Päckchen zu tragen. Solche Reaktionen haben manchmal Erklärungen, die man mitfühlend zur Kenntnis nehmen kann.

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Ja, ich bin ein ganz schlechter und zurückgebliebener Mensch, weil ich jemanden als Egozentriker bezeiche, der 62 x "Ich" in einem Beitrag verwendet und sein geschildertes Problem in Relation zu viel grösseren Probleme setze.

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Lieber Herr F. und Herr Biland
ich möchte Ihnen gerne sehr deutlich widersprechen. Dieses Thema ist sehr relevant und nicht einfach eine "Mode". Erstens bringt die zwanghafte Zuschreibung zum einen oder anderen Geschlecht für viele Menschen grosses Leid - beispielsweise ist die Selbstmordrate unter Jugendlichen, die sich im binären System von Mann-Frau-heterosexuell nicht einordnen können, massiv höher als bei der Durchschnittsbevölkerung. Nur weil man bis vor Kurzem in der Öffentlichkeit nicht viel darüber gehört hat, heisst das nicht, dass dieses Leid nicht schon immer vorhanden war. Insofern: höchste Zeit, dass darüber gesprochen wird, und zwar so viel wie möglich.
Zweitens können die stereotypen Rollenbilder von Mann und Frau auch für Menschen, denen die Einteilung als solche keine Schwierigkeiten macht, höchst ärgerlich oder sogar gefährlich sein. Gefährlich, weil das Problem der Gewalt an Frauen, insbesondere in der Beziehung, massgeblich mit traditionellen Rollenbildern verknüpft ist (Stichwort "toxic masculinity"). Ärgerlich, weil wir alle ständig mit Erwartungen konfrontiert sind, die wir in vielen Fällen als falsch, wenn nicht gar beleidigend empfinden.
Ich bin in den 70er- und 80er Jahren aufgewachsen, mit den damaligen Filmen und Fernsehserien. Die Frauen dort waren dümmlich (man schaue sich z.B. die James-Bond-Filme von damals an), sie waren unfähig, sie haben bei Kämpfen geschrien und zugeschaut, statt mitzukämpfen, etc. etc. Ich fand und finde das immer noch eine Unverschämtheit. So lange irgendwo die Idee herumspukt, dass ich, weil ich einen Körper mit weiblichen Attributen habe, dümmlich, unfähig und passiv zu sein habe (plus hübsch, dekorativ, freundlich, unterwürfig....), so lange ist es hochrelevant, über Geschlechterrollen, -merkmale und -erwartungen zu diskutieren.

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