Dialog

Beiträge zu «Jetzt sag doch was»



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A. Z.
System Engineer
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Dieser Artikel hat mir auch sehr gut gefallen.
Ich habe gerade kein exaktes Beispiel für einen guten Dialog aber nehme an es wäre wohl etwas von Terry Pratchett.

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Rudolf Weiler
Enthusiast und Feedbäcker
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Gute Idee, die Qualität der Dialoge in Neuerscheinungen anzuschauen. Resultat: niederschmetternd! Da lobe ich mir halt die Grossen der Literatur: Beckett, Borges, Jelinek, Joyce, Nabokov. Da stimmt fast alles!

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Lieber Herr Weiler, haben Sie vielen Dank! Was Sie zu den Neuerscheinungen schreiben, würde mich noch näher interessieren: Was finden Sie an den Dialogen der Gegenwartsliteratur so schwach? Und was machen die genannten Klassiker_innen besser? Es ist ja immer auch eine Gefahr, das Vergangene gegen das Gegenwärtige in Stellung zu bringen, weil in der Kunst die Antworten von gestern ja selten 1:1 auch für heute taugen.

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Hui, das endet gar abrupt. Gibt es eine Fortsetzung?

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... nur in dem Sinne, liebe Frau T., dass wir auch weiterhin literarische Neuerscheinungen vergleichend diskutieren werden – und es dabei immer wieder auch exemplarisch um Grundsatzfragen der Literatur gehen soll.

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B. M.
Der Verteidiger
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Ich habe Camenisch an einer Buchlesung erlebt und war beeindruckt. Er inszenierte die Lesung theaterhaft und sehr lebendig. Nur lesen kann ich mir bei Camenisch auch nicht vorstellen.

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Grossartiger Artikel! Über mehr Literaturkritik in der Republik würde ich mich sehr freuen. PS: Über Arno Camenischs Erfolg habe ich mich immer gewundert und kann ihn mir bis heute nicht erklären.

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Lieber Herr Gadient, haben Sie herzlichen Dank. Ihr Wunsch nach mehr Literaturkritik freut mich natürlich und ist ein Ansporn. Sie dürfen jedenfalls fest damit rechnen, dass es auch in Zukunft regelmässig – und tendenziell häufiger als in den ersten Monaten des Jahres – literarturkritische Beiträge geben wird. Was Arno Camenisch angeht: Ich bin sicher kein Spezialist für sein Werk, aber ich meine sagen zu können, dass er es jedenfalls geschafft hat, einen eigenen Stil mit hohem Wiedererkennungswert zu kreieren und über die Jahre so etwas wie eine fortlaufende Bündner Chronik mit Blick auf den Wandel des Alltags zu schreiben. Das ist eine Leistung, die ich überhaupt nicht schmälern oder wegreden möchte, auch wenn ich sein neues Buch aus den genannten Gründen für misslungen halte.

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Danke für diesen Artikel. Grosses Kino ist das. Wie kommst du auf Kino? Naja, das hat mir mal jemand gesagt, damals, als mir Zeitungen noch einzig für die Erstellung von Schuhen dienten.

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Danke für diesen töndertollen Text! 😍 Was für eine Perle. Setzt neue Massstäbe.

Wenn 99% der Literaturkritik „aus lebendigem Material tote Akten anlegt“, um die Sentenz von Herrn Seibt zu zitieren, dann ist das hier nicht nur das eine andere Prozent, sondern sogar noch die Umkehrung: aus teilweise mittelmässiger Literatur wird eine funkelnde Kritik destilliert, welche manche der Originaltexte an Lebendigkeit womöglich übertrifft.

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In der Berner Eisenwarenhandlung:
Kunde: „Hämmer Hämmer?“
Inhaber: „Hämmer hämmer!“

Und neu auch in diesem Laden: Hammer, der Text.

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Warum Berner Eisenwarenhandlung?
Wohl eher Zürcher Eisenwarenhandlung.

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Sieglinde Geisel
Gründerin von tell-review.de
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Ganz großes Kino! Endlich Literaturkritik, die den Namen verdient.
Übrigens habe ich in meinem Online-Literaturmagazin tell im Essay "Reden auf Papier" über genau diese Dinge nachgedacht: https://tell-review.de/satz-fuer-sa…uf-papier/
Man kann über Literatur so viel herausfinden, wenn man den Figuren aufs vom Autor imaginierte Maul schaut.

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M. R.
Ratsmitglied Project R Genossenschaft
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Ich denke, einer der wichtigsten Prinzipien lautet: Show, don't tell.

Natürlich hängt es auch von der jeweiligen Materie und vom jeweiligen Stil ab, also welche Geschichte erzählt werden will - und wie. Insbesondere welche Nähe und Distanz zu den Figuren eingenommen wird.

Die "Dynamik zwischen den Figuren" tritt umso stärker hervor, je mehr deren Geschichte, Entwicklung und Komplexität aufscheint. Und je weniger sie durch die Geschichte, Ästhetik und Story Devices des Romans in den Hintergrund gedrückt werden.

Ein Negativbeispiel begegnete mir kürzlich in der 3. Staffel der deutschen Netflix-Serie "Dark", in der die Figuren im Gegensatz zur 1. Staffel nurmehr wie leblose Marionetten des Plots und des Story Device wirkten.

Und ja, Komplexität impliziert Leere, Lücken und Ambiguität. So wie wir in der Realität ja auch nicht alles über die Welt, Andere aber auch uns Selbst wissen.

Dadurch gewinnen die Figuren an Selbstständigkeit, ja an Autonomie und wirken deshalb auch "lebendig".

Zu Daniel Grafs Frage: In besonderer Erinnerung, weil erst kürzlich gelesen, blieben mir die Dialoge von Simone de Beauvoirs Debütroman "Sie kam und blieb" (1943/53). Die Kabbelei dieser Ménage-à-trois hatte mich stellenweise richtiggehend (mit-leidend) genervt: Speziell Xavières ignorante Trotzigkeit, aber auch Françoises bemutternde Sorgsamkeit (auch in ihren inneren Dialogen) sowie Pierres arrogante Selbstverliebtheit.

Beinahe wie in einer (Bohème-)Soap Opera. Und gerade meine körperliche Reaktion bezeugt deren Lebendigkeit.

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Vielen Dank, lieber Michel. Du sprichst mit «show, don't tell» natürlich die immer noch fundamentalste Faustregel an. Auch wenn die noch direkter für das im engeren Sinne Narrative gilt. Fürs Dialogische in Erzähltexten könnte man die Formel vielleicht konkretisieren zu: Erstens: Lass die Figuren niemals überwiegend Info-Management betreiben. Alles, was an Background-Story über die Dialoge transportiert wird, muss beiläufig kommen, scheinbar als blosser Nebeneffekt der interpersonellen Dynamik. Nur wenn Figurenrede samt der darin aufleuchtenden Motivation und Wechselwirkung der Figuren aufeinander ganz in der jeweiligen Situation bleibt, behält die Szene ihre Intensität. Wenn der Figur gleich noch Auktoriales untergejubelt werden soll, fällt sie aus der Rolle. Zweitens: Keine Verdopplung in den Erzählerkommentaren. Adjektiv-Ergänzungen wie «sagte Johanna empört» sind eigentlich immer überflüssig. Wenn der Dialog selber die Empörung nicht transportiert, hilft auch das «telling» nicht.

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Anonym
sirius
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lieber herr graf. ihr toller beitrag versetzt mich zurück in die gymi-zeit, als uns ein grossartiger deutscher deutsch-lehrer ermächtigte, texte zu fühlen, auseinanderzunehmen, zu analysieren und schlussendlich zu lieben.
damals lasen wir u.a. thomas manns zauberberg, den ich immer und immer wieder lese. u.a. wegen seiner herrlichen dialoge....

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Liebe_r Anonymous, vielen Dank. Der «Zauberberg» ist ein sehr schöner Hinweis in diesem Zusammenhang, weil er die Bandbreite der literarischen Möglichkeiten deutlich macht. Die legendären, ausufernden Streitgespräche zwischen Settembrini und Naphta zum Beispiel funktionieren ja formal völlig anders als z.B. das Punchline-Stakkato bei Tom Kummer – eben weil die Charaktere und ihre Kontexte völlig verschieden sind. Das Grundprinzip in beiden Fällen lautet: Individuelle Charaktere entstehen immer nur durch individuelle Stimmen (und umgekehrt). Und im Ergebnis haben wir dann völlig verschiedene Schreibstile und Ästhetiken.

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Haben Sie herzlichen Dank für das schöne Feedback! Wenn es nicht zu neugierig ist, darf ich in die Runde fragen: Fallen Ihnen Dialoge aus Ihrer eigenen Lektüreerfahrung ein, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben sind? Oder gibt es bestimmte Autor_innen, deren Dialogstil Sie besonders schätzen? Fände ich spannend zu erfahren! (Natürlich gern auch über die deutschsprachige Literatur hinaus.)

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Wolfgang Herrndorf: 'Tschick'. Die Dialoge finde ich umwerfend in ihrem Wechsel von total banal zu fadegrad Welten erschliessend mit dem Nichtgesagten.

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Da stimme ich zu 100% zu, liebe Frau S.!

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Sieglinde Geisel
Gründerin von tell-review.de
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Ganz großartig: William Gaddis' "JR". Er hat sich bei seinen Romanen ja oft eine Art Spielanleitung (modern gesprochen: "challenge") gegeben, und hier war es die Idee, einen Roman nur in direkter Rede zu schreiben. Man muss die Figuren an ihrer Redeweise erkennen, was mich beim Lesen in geradezu rauschhafte Zustände versetzt hat, wenn das Original mit seinem direkt mitgeschriebenen vernacular bisweilen meine Englischkenntnisse sprengte (falls man Erkenntnisse sprengen kann...).

Und was ich auch toll finde: Daniel Quinns "Ishmael". Ein Gorilla erklärt seinem menschlichen Schülern, wie es soweit kommen konnte, dass wir unsere Welt zerstören. Ein Roman (eigentlich eine Trilogie) von 1992, der aus mir nicht erklärlichen Gründen vergessen gegangen ist.
Das Irre dabei: Das Buch kombiniert einen sokratischen Dialog (in der Rolle des Sokrates eben der Gorilla namens Ishmael, der gelernt hat, mit den Menschen telepathisch zu kommunizieren - mehr sei hier nicht verraten) mit einem Thesenroman. Das müsste eigentlich nach allen Regeln der Romankunst eine ungenießbare Mischung ergeben. Dass ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen konnte und der These von den leavers und den takers (habe es im englischen Original gelesen) bis in alle Schichtungen folgen wollte, hat mit den fetzigen, hintersinnigen, überraschenden und gorillamäßig authentischen Dialogen zu tun.

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Sabine Muth
Vielleserin
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Ishmael wird sofort auf meinen Kindle geladen!

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Liebe Sieglinde, ganz herzlichen Dank, für den Verweis auf Deinen schönen tell-Text ebenso wie für die sehr eindrückliche Empfehlung von «JR» und «Ishmael». Du wirst lachen: Sie gehören bei mir alle beide zu der Kategorie «immer noch nicht gelesen» – aber jetzt werde ich sie mir gleich bestellen. Sehr instruktiv finde ich übrigens Deinen Vergleich der literarischen Figurenrede mit dem Übersetzen. Beides sind ja Vorgänge der Transposition: kreativ, aber eben das Gegenteil von willkürlich.

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M. R.
Ratsmitglied Project R Genossenschaft
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Oh, herzlichen Dank, Sieglinde Geisel, für diesen friendly reminder! Ich hatte mir nämlich "Ishmael" mal vorgemerkt, ging dann aber doch in der unendlichen Merkliste unter. Dies wird gleich wiedergutgemacht.

Und natürlich! Die Platonischen Dialoge, die ja trotz aller Artifizialität – oder gerade wegen dieser – so kunstvoll und vielschichtig sind (so dass bekanntlich alle Philosophie danach nurmehr eine Fussnote Platons ist). Eine alte Liebe.

Eine Frage aus Neugierde: Würden Sie sagen, dass alle, die auch Theaterdialoge verfassten, auch die besseren Roman-Dialoge schrieben? Was wären Gegen-Beispiele?

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Danke, dass endlich jemand nicht nur klug sondern an Beispielen nachvollziehbar Stärken und Schwächen der literarischen Dialoge umschreibt. Immer wieder hat mich erstaunt, dass Banalität und nichtssagende Geschwätzigkeit so vieler Dialoge in Büchern kaum je ein Thema war in Literatur-Sendungen.

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M. F.
Learning & Development
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Danke für diesen tollen Beitrag.

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M. S.
Leserin
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Grossartig, vielen Dank. Jetzt will ich Tom Kummer lesen! Skandalös.

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So kann es gehen, liebe Frau S. ;-) Ich bin übrigens ziemlich sicher, dass Sie die Lektüre nicht bereuen werden.

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Danke für diese präzise literarische Analyse! Sie fassen in Worte, warum Dialoge mich als Leser zu berühren vermögen oder eben nicht.

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Wow, vielen Dank für diese grossartige Gegenüberstellung von Dialogen! Jetzt weiss ich, was ich als Nächstes lesen werde.

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Sie haben die Suspense-Technik aber auch drauf, liebe Frau Frischknecht-Tobler! Ich fände interessant zu erfahren, welches Buch Sie nun besonders reizt – falls Sie's verraten wollen.

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Ich habe Neeser schon gekauft, will mich aber zuerst Monika Helfer zuwenden, dieser Dialog hat mich stark angesprochen. Und das Thema an sich will ich weiter verfolgen - wann hat mich ein Buch wegen seiner Dialoge besonders berührt? Ehrlich gesagt weiss ich es nicht, denn genauso sind es ja Beschreibungen, die ein Buch lesbar und unvergesslich machen, oder? Ich glaube, das letzte Buch, bei dem ich beides fand war Arno Geigers „Unter der Drachenwand“.

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Toller, interessanter Beitrag. Danke.

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gehört auch zur Res publica : genau lesen und gut schreiben. Danke!

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seit 2018