Auf lange Sicht

Schweizer Firmen im Klimacheck

Die Finanzwelt muss beim Klimaschutz mithelfen. Doch das ist kniffliger, als man denkt. Wie wählt man die richtigen Aktien aus? Erster Teil einer Serie über klimafreundliche Investments.

Von Simon Schmid, 27.09.2021

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Ir Ysebahn sitze die einte ä so,
Dassi alles was chunnt scho zum Vorruss gseh cho
Und dr Rügge zue cheere dr Richtig vo wo,
Dr Zug chunnt.

Die andre die sitze im Bank wisawii,
Dassi lang no chöi gseh wo dr Zug scho isch gsii,
Und dr Rügge zue cheere dr Richtig wo hii,
Dr Zug fahrt.

Itz schtellet nech vor, jede bhouptet eifach,
So win ärs gseht sigs richtig und scho heisi Krach,
Si gäbe enander mit Schirme ufs Dach,
Dr Zug fahrt.

Und ou wenn dr Kondüktör itze no chunnt,
So geit dr däm Sachverhalt nid ufe Grund
Är seit nume was für ne Ortschaft itz chunnt,
Sisch Rorschach.

Mani Matter: «Ir Ysebahn».

Klimafreundliches Investieren ist im Prinzip einfach: Aktien von Firmen erwerben, die Rücksicht aufs Klima nehmen – Aktien von Firmen abstossen oder gar nicht erst kaufen, die den Klimaschutz nicht ernst nehmen.

Doch wer diese Idee umsetzen will, stösst auf zahlreiche Schwierigkeiten und muss Fragen beantworten, deren Antworten nicht auf der Hand liegen.

  • Zu den Messmethoden: Was ist das eigentlich, eine «klimafreundliche» Firma? Schnell wird klar, dass unterschiedliche Kennzahlen existieren, die zu unterschiedlichen Aussagen führen. Das kann verwirrend sein.

  • Zur Auswahl von Wertpapieren: Die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen – so viel ist klar. Aber wie soll man die einzelnen Titel gewichten, sodass es am Ende auch finanziell gut ausgeht?

  • Zu bestimmten Finanzprodukten: Viele Finanzhäuser bieten inzwischen «Paris-kompatible» Produkte an, das heisst Produkte, die mit den Beschlüssen der Uno-Klimakonferenz in Paris 2015 vereinbar sind. Kann man diesen Labels vertrauen? Gar nicht so einfach zu sagen – denn die Transparenz lässt zu wünschen übrig.

In einer losen Serie wird sich «Auf lange Sicht» im Herbst diesen Problemen widmen. Zum Auftakt eine Datenauswertung, die zeigt, wie anspruchsvoll nur schon die erste Etappe ist: eine Metrik zu erstellen, anhand der man Firmen gemäss ihrer Klima­freundlichkeit einstufen kann.

Abfahrt

Ähnlich wie in Mani Matters Lied von der «Ysebahn» gibt es bei solchen Metriken zwei Philosophien: Man kann entweder in die Vergangenheit blicken – auf die Firmen­landschaft, wie sie sich bis jetzt präsentiert hat. Oder man richtet den Blick in die Zukunft – auf das, was noch kommen wird.

Wir starten in diesem Briefing mit der ersten Philosophie, dem Blick zurück. Sie fusst auf folgender Frage: Für wie viel Treibhaus­gas ist eine bestimmte Firma verantwortlich – mit ihrem Geschäft, so, wie sie es bis jetzt betreibt?

Einen ersten Eindruck davon, worum es geht, liefert die folgende Statistik. Sie führt aus einer Auswahl von über hundert Firmen, deren Aktien an der Schweizer Börse gelistet sind, die fünf grössten Treibhausgas­emittenten auf.

Grosse Firma, grosser Ausstoss

Treibhausgasemissionen von Schweizer Firmen

Nestlé S.A.Holcim AGRoche Holding AGCompagnie Financière Richemont SAABB Ltd0 50 100 Mio. t CO₂

Emissionen inkl. Scope 1, 2 und 3, in CO2-Äquivalenten. Quelle: Globalance, MSCI ESG

An der Spitze der Rangliste stehen einige der grössten Schweizer Firmen: Nestlé (Nahrungsmittel), Roche (Pharma), Richemont (Luxusartikel) und ABB (Industrie). Daneben taucht Holcim auf, ein etwas kleinerer Konzern. Er steht wegen seiner Tätigkeit hier: Holcim stellt Zement her, ein Vorgang, bei dem sehr viel Kohlendioxid freigesetzt wird.

Soll man als klimabewusste Investorin diese Firmen konsequent meiden?

Nicht zwingend. Denn es könnte sein, dass manche dieser Firmen gemessen an ihrer Grösse gar nicht so schlecht fürs Klima sind, wie es den Anschein hat.

Zwischenhalt: Kohlenstoffintensität

Wir rechnen unsere Rangliste deshalb um: so, dass ersichtlich wird, welche Firma pro erzielten Dollar an Umsatz am meisten Treibhausgas emittiert.

Diese Angabe ist aussagekräftiger als die Gesamtmenge der Emissionen und wird oft verwendet, um die CO2-Lastigkeit eines Investments auszudrücken. Sie wird auch als Carbon Intensity bezeichnet (Kohlenstoffintensität).

Klimaschädliches Business

Treibhausgasemissionen gemessen am Umsatz

Holcim AGAutoneum Holding AGVetropack Holding SAEmmi AGOrior AG0 3000 6000 t CO₂ pro Mio. $

Emissionen inkl. Scope 1, 2 und 3, in CO2-Äquivalenten. Quelle: Globalance, MSCI ESG

Nun steht Holcim an der Spitze – mit deutlichem Vorsprung. Dahinter sind einige Firmen weit aus den Top 5 gefallen (Roche beispielsweise steht nur noch auf Rang 80 von 102). Dafür tauchen neue Namen auf: Autoneum (ein Zulieferer für die Autoindustrie), Vetropack (Verpackungen), Emmi (Nahrungsmittel), Orior (Nahrungsmittel). Diese Firmen sind vergleichsweise klein. Doch ihre Tätigkeit ist ziemlich CO2-intensiv. Für klimabewusste Anlegerinnen könnte es daher Sinn ergeben, diese Aktien zu meiden.

Doch bereits auf dieser Stufe – und wir sind noch längst nicht in Rorschach angelangt, sondern stehen erst am Anfang der Zugfahrt – tauchen Fragen auf. Zum Beispiel die folgende: Wie misst man eigentlich die Grösse einer Firma?

Zwischenhalt: Umsatz vs. Kapital

In der oberen Grafik wurde dies anhand des Umsatzes gemacht – also anhand der Einnahmen, die eine Firma innerhalb des vergangenen Jahres erzielt hat. Damit nimmt man gewissermassen die Konsumenten­optik ein: Man ermittelt, wie viel Treibhausgas bei jedem Dollar anfällt, der ausgegeben wird, wenn irgendjemand auf der Welt die Produkte dieser Firma kauft.

Genauso legitim ist allerdings eine andere Optik: die des Investors. Hier misst man die Firmengrösse anhand des Kapitals, das eine Firma beansprucht. Man erfährt auf diese Weise, wie viel Treibhausgas auf jeden Dollar entfällt, den Aktionärinnen (oder sonstige Geldgeber) in die Firma gesteckt haben.

Nicht ganz identisch

Treibhausgasemissionen gemessen am Firmenkapital

Autoneum Holding AGHolcim AGSwiss Steel Holding AGBell Food Group AGImplenia AG0 2000 4000 t CO₂ pro Mio. $

Emissionen inkl. Scope 1, 2 und 3, in CO2-Äquivalenten. Quelle: Globalance, MSCI ESG

Schon wieder fällt die Rangliste anders aus. An der Spitze steht nun Autoneum, der Zuliefer­betrieb für die Auto­industrie. Und erneut tauchen neue Firmen auf, die in Sektoren tätig sind, bei denen viel Kohlendioxid, viel Methan oder Lachgas ausgestossen wird: Swiss Steel (Stahl), Bell (Fleisch), Implenia (Bau).

Welche Metrik ist besser: die nach Umsatz oder nach Kapital? Dazu gibt es keine eindeutige Antwort. Eingebürgert hat sich allerdings, die Carbon Intensity eines Investments ins Verhältnis zum Umsatz zu stellen.

Ich will es genau wissen: Welche Metrik hat welche Vorteile?

Naheliegend aus Sicht eines Investors wäre eigentlich, die Kohlenstoff­intensität anhand seiner Beteiligung an einer Firma zu berechnen (in Tonnen CO2-Äquivalenten pro Million Dollar). Ein Problem dabei ist, dass sich der Wert einer Firma und damit auch der Wert einer Beteiligung schnell ändern kann. Halbiert sich beispielsweise der Börsenkurs, so verdoppelt sich die Kohlenstoff­intensität, auch wenn die Firma gar nichts an ihren Produktions­prozessen verändert hat.

Weil der Umsatz einer Firma weniger volatil ist und einen direkteren Bezug zur wirtschaftlichen Aktivität hat, wird daher öfter auf diese Grösse abgestützt. Doch auch hier nimmt man gewisse Nachteile in Kauf. Firmen mit höherer Preissetzungs­macht können ihre Produkte teurer verkaufen als Konkurrenten und weisen so bei ansonsten identischen Eigenschaften eine bessere Klimabilanz auf.

Je nach Vergleichsgrösse schneiden auch gewisse Branchen besser oder schlechter ab. Bei der umsatzbasierten Metrik kommt etwa der Finanzsektor schlecht weg, weil Banken ihr Geschäft nicht mit dem Verkauf von hergestellten Dingen betreiben, sondern mit dem Anlegen von anvertrauten Geldern. Sie haben deshalb einen kleinen Umsatz und entsprechend eine hohe Kohlenstoff­intensität.

Umgekehrt ist es im Handel: Firmen, die hauptsächlich Dinge einkaufen und weiterverkaufen, arbeiten mit kleiner Marge und weisen einen vergleichsweise grossen Umsatz aus. Das kommt ihnen bei der umsatzbasierten Metrik zugute.

Nun haben wir etwa die Hälfte der Reise hinter uns. Und müssen eine nicht ganz unwesentliche Entscheidung treffen: Woher beziehen wir die Daten?

Zwischenhalt: Scope 1, 2 und 3

Anders als gewöhnliche Finanzdaten (Gewinn, Börsenkurs et cetera) sind Daten zur Klimabilanz von Firmen nämlich nicht breit verfügbar – es gibt nur eine Handvoll spezialisierter Anbieter, und diese verlangen meist viel Geld dafür. Erschwerend kommt hinzu: die Angaben unterscheiden sich je nach Quelle.

Ein Grund dafür sind die sogenannten Scope-3-Emissionen. Das sind die Emissionen, die nicht in der Firma selbst anfallen (etwa beim Heizen der Gebäude, bei der Fahrzeug­flotte oder bei den Fertigungs­prozessen), sondern in der gesamten Lieferkette davor und beim Gebrauch der Produkte danach.

Was das konkret bedeutet, zeigt die folgende Grafik. Es ist dieselbe wie oben, neu sind die Emissionen jeder Firma aber unterteilt in zwei Kategorien:

  • Scope 1 und 2: die Emissionen im eigentlichen Produktionsprozess

  • Scope 3: die Emissionen über die gesamte Lieferkette sowie beim weiteren Gebrauch der Produkte, die eine Firma herstellt

Wo die Emissionen anfallen

Treibhausgasemissionen gemessen am Umsatz

Scope 1 und 2
Scope 3
Holcim AGAutoneum Holding AGVetropack Holding SAEmmi AGOrior AG0 3000 6000 t CO₂ pro Mio. $

Emissionen in CO2-Äquivalenten. Quelle: Globalance, MSCI ESG

Man erkennt, dass etwa die Klimabilanz von Holcim stark von Emissionen des Typs Scope 1 und 2 geprägt ist. Das liegt daran, dass Zementwerke grosse Mengen fossiler Brennstoffe benötigen, um die Öfen zu heizen. Zudem wird wegen eines chemischen Prozesses bei der Zement­herstellung viel CO2 frei. Scope 3 ist demgegenüber weniger gross: Ist der Zement einmal hergestellt, muss er zur Baustelle gelangen, gemischt und gegossen werden. Auch dabei entsteht CO2, aber nicht ganz so viel wie bei der Zement­herstellung selbst.

Ganz anders ist die Aufteilung bei Autoneum. Hier verläuft die Produktion von Karosserie­bauteilen, Isoliermaterialien und Radhaus­verkleidungen relativ klimaschonend. Doch beim Gebrauch des Endprodukts – den Autos, in denen die Teile von Autoneum verbaut sind – entstehen viele Emissionen. Deshalb ist die Scope-3-Komponente hier um ein Vielfaches grösser.

Will man eine umfassende Klimabilanz zu einer Firma aufstellen, so ist es eigentlich zwingend, Scope-3-Emissionen mitzuberücksichtigen.

Zwischenhalt: Datenquellen

Doch das Problem ist: Bei Scope 3 ist man – noch viel stärker als bei Scope 1 und 2 – auf Schätzungen angewiesen. Denn während die meisten grösseren Firmen inzwischen freiwillig (es gibt seitens der Börsen dazu noch keine Melde­pflichten) gewisse Daten zu ihren Scope-1- und Scope-2-Emissionen veröffentlichen, ist dies bei den Scope-3-Emissionen nicht der Fall. Hier muss man Modelle entwickeln und je nach Sektor, in dem eine Firma tätig ist, Annahmen darüber treffen, wie viel Treibhaus­gas entlang der vorgelagerten Lieferkette und beim späteren Gebrauch ihrer Produkte ausgestossen wird.

Ich will es genau wissen: Daten und Standards

Für Firmen, die an der Börse gelistet sind, gibt es zahlreiche Vorschriften. Sie betreffen zum Beispiel die Rechenlegung: Es wird gefordert, dass die Firmen ihren Jahres­abschluss nach bestimmten Regeln berechnen und publizieren.

Im Klimabereich sind diese Standards noch nicht obligatorisch. Es existieren bloss Empfehlungen, die Daten freiwillig zu publizieren. Die wichtigste Setzerin von Standards in diesem Bereich ist die Task Force on Climate-related Financial Disclosures (TCFD), ein Gremium aus Experten, Regulatoren und Finanzindustrie, das indirekt bei der Bank für Internationalen Zahlungs­ausgleich angesiedelt ist.

Wichtig in diesem Zusammenhang ist auch das Carbon Disclosure Project (CDP). Diese Nichtregierungs­organisation betreibt das weltgrösste Publikations­system für Emissionsdaten und hilft Unternehmen dabei, Emissionsziele zu setzen. Das CDP ist eine wichtige Datenquelle für verschiedene Anbieter von Klimametriken.

Das führt naturgemäss zu Unterschieden, je nachdem, wer die Schätzungen vornimmt. Wie gross die Abweichungen dabei sein können, davon vermittelt die folgende Grafik einen Eindruck. Sie zeigt fünf ausgewählte Firmen. Nebst den Emissionsdaten, die wir bis jetzt gezeigt haben – sie wurden von der Bank Globalance zur Verfügung gestellt und beruhen zu einem Grossteil auf Daten des Finanz­dienstleisters MSCI –, sind zu diesen Firmen zusätzlich die Daten von Inrate aufgeführt, einem Schweizer Anbieter von Umweltratings.

Methoden beeinflussen das Ergebnis

Treibhausgasemissionen gemessen am Umsatz

Scope 1 und 2
Scope 3
Holcim AGGlobalanceInrate0 3000 6000 t CO₂ pro Mio. $Autoneum Holding AGGlobalanceInrate0 3000 6000 t CO₂ pro Mio. $Emmi AGGlobalanceInrate0 3000 6000 t CO₂ pro Mio. $Clariant AGGlobalanceInrate0 3000 6000 t CO₂ pro Mio. $BKW AGGlobalanceInrate0 3000 6000 t CO₂ pro Mio. $

Emissionen in CO2-Äquivalenten. Quelle: Globalance, MSCI ESG, Inrate

Während Inrate etwa bei Holcim und Autoneum auf kleinere Werte als Globalance beziehungsweise MSCI kommt, schätzt Inrate die Kohlenstoff­intensität bei Clariant (Chemie) und BKW (Stromproduktion) etwas höher ein. Bei Emmi (Milchprodukte) kommen beide Institute auf ähnliche Emissionswerte.

Letzteres ist der Regelfall. Für eine typische Firma weichen die Schätzungen der zwei Institute um ungefähr 40 Prozent voneinander ab. Im Vergleich zur gesamten Spannweite ist dies relativ wenig: Die klimaschädlichste Firma stösst gemessen am Umsatz rund 40-mal mehr Treibhausgase aus als die klima­schonendsten Firmen. Nur bei jeder zwanzigsten Firma weichen die Schätzungen der zwei Institute um den Faktor 4 oder mehr voneinander ab.

Trotzdem zeigt der Vergleich: Man kann Klimametriken nicht wie andere Finanzdaten punktgenau ausweisen. Dafür ist die Emissions-Buchhaltung in der Firmenwelt noch zu wenig etabliert. Was wir sehen, sind Annäherungen.

Endstation

Als traditionelle (sprich, nicht klimabewusste) Investorin könnte man daraus den Schluss ziehen: Das ist doch alles unzuverlässiger Daten-Hokuspokus!

Und tatsächlich wäre dies nicht einmal ganz falsch. Klimametriken wie die Kohlenstoff­intensität werden erst seit ein paar Jahren berechnet. Die Methoden sind noch nicht einheitlich, die Datenqualität noch nicht ideal. Wir werden ein solches Fazit in dieser Serie leider noch öfter ziehen müssen.

Und doch ist damit der Anfang gemacht: Wir haben eine erste Lösung für unser erstes Problem. Wie man die Sache mit den Metriken anders anpacken könnte, darüber sprechen wir im nächsten Briefing. Wir werden in Rorschach dann erneut in den Zug einsteigen – diesmal in Fahrtrichtung Zukunft.

Die Daten

Die Emissionsdaten stammen einerseits vom Indexanbieter MSCI. Dieser bietet eine ganze Reihe von klimabezogenen Finanzmetriken zu Firmen auf der ganzen Welt an. Die auf nachhaltige Anlagen spezialisierte Globalance Bank hat uns eine Auswahl daraus zur Verfügung gestellt. Darin enthalten sind die Angaben zu gut hundert Schweizer Firmen, die im Swiss Performance Index (SPI) vertreten sind.

Für die Berechnung der Kohlenstoff­intensität wird dabei einerseits auf die Publikationen der Firmen selbst abgestützt; das betrifft vor allem Scope 1 und 2. Weil nur ein geringer Teil der Firmen auch Scope-3-Zahlen ausweist, spielen Schätzungen in diesem Bereich eine grössere Rolle. Dabei wird die Tätigkeit einer Firma typischerweise in Subsektoren aufgeteilt. Für jeden Subsektor werden anschliessend globale oder regionale Durchschnitts­werte zu den Scope-3-Intensitäten eingesetzt. So wird die Intensität der gesamten Firma geschätzt.

Ein solches Vorgehen ist nötig, weil es praktisch unmöglich ist, bei jeder Firma einzeln nachzuforschen, was sich in den Lieferanten­ketten und bei der weiteren Verwendung der Produkte abspielt – und beispielsweise herauszufinden, an welche Automarken ein Komponenten­hersteller liefert und wie viel Kohlendioxid die diversen Modelle dieser Automarken jeweils pro Kilometer ausstossen.

Ähnlich funktioniert es bei den Daten, die uns Inrate gegeben hat, ein Schweizer Anbieter von Nachhaltigkeits­ratings von Unternehmen, Ländern und Immobilien, der weltweit über 3000 Firmen abdeckt). Auch hier gelangen teils Daten zum Einsatz, welche die Firmen selbst publizieren. Wo diese nicht vorhanden oder nicht glaubwürdig sind, wird die Klimawirkung der Firma mit Modell­rechnungen und Schätzungen ermittelt.

Basis der Schätzungen ist eine sogenannte Input-Output-Matrix, welche die Kohlenstoff­intensität verschiedener Wirtschafts­sektoren auf der ganzen Welt umfasst. Diese wird auf die Aktivität einer Firma (Scope 1 und 2) sowie auf die Klimawirkung der Lieferanten­ketten, Produktnutzung und -entsorgung (Scope 3) angewandt. Bei Energie­unternehmen, wie zum Beispiel der BKW, wird dazu noch individuell recherchiert, welche Energieträger dort zum Einsatz kommen.

Klima­metriken zu erstellen, ist für manche Sektoren recht schwierig, etwa für den Finanz­sektor. Um die Scope-3-Emissionen zu bestimmen, braucht es hier detaillierte Informationen über die Kredite, die eine Bank vergibt, und über die Investitionen, die ihre Kunden tätigen. Diese Informationen liegen nicht konsistent vor. Deshalb haben wir den Finanz­sektor in diesem Briefing ausgeklammert.

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