Debatte

Selbstoptimierung per Pille: Ein ethisches Problem?

Diskutieren Sie mit unseren beiden Experten: Arzt Simon John und Apotheker Lorenz Schmid.

20.12.2018

Unabhängiger Journalismus kostet. Die Republik ist werbefrei und wird finanziert von ihren Leserinnen. Trotzdem können Sie diesen Beitrag lesen.

Wenn Sie weiterhin unabhängigen Journalismus wie diesen lesen wollen, handeln Sie jetzt: Kommen Sie an Bord!

Sie und ein letzter Mitbewerber schaffen es in die Endrunde einer Bewerbung. Sie sind nervös, verhaspeln sich. Ihr Konkurrent: gefasst, charmant, präzise. Doch Ihr Rivale hat nachgeholfen. Er hat vor dem Gespräch Betablocker geschluckt.

Diese Medikamente lassen Angst, Nervosität und Lampenfieber verschwinden.

Simon John ist Arzt. In seinem Text erzählt er die Geschichte der Betablocker – und wie diese zur Wunderdroge für angstgeplagte Musiker, Anwältinnen und Börsenhändler wurden. Man schätzt, dass heute mindestens ein Drittel aller Profimusiker gelegentlich Betablocker nehmen.

Und zumindest oberflächlich, schreibt Simon John, hätten diese Medikamente kaum Schattenseiten: «Sie töten keine Nervenzellen, würgen keine Herzen ab. Machen nicht süchtig und spülen keine Geldscheine in die Koffer von Kartellen.»

Darüber möchten wir gerne mit Ihnen diskutieren.

Wann hätten Sie zuletzt Betablocker brauchen können in Ihrem Alltag? Nimmt die Zahl dieser Gelegenheiten zu? Würden Sie Betablocker nehmen beim nächsten Bewerbungsgespräch? Wenn nein, warum nicht? Fänden Sie es fair, wenn es Ihre Konkurrentin täte und den Job bekäme? Wie weit darf Selbstoptimierung per Pille gehen?

Heute von 16 Uhr bis 19 Uhr werden sich unsere beiden Experten in die Debatte einschalten: Simon John ist Arzt und Autor des Textes. Lorenz Schmid ist Apotheker und Zürcher Kantonsrat.

122122

Ihr Interesse an dieser Republik-Debatte freut uns sehr. Wollen Sie daran teilnehmen? Werden Sie jetzt Verleger und Abonnentin.

neu laden

Da wäre wohl eine etwas tiefgründigere Berichterstattung, allenfalls als Serie, themengerechter. So ist das ein etwas oberflächlicher Artikel unter Niveau der Republik.

7
/
4

Was mich schon sehr wundert ist, dass ein Arzt nicht darauf hinweist, dass, wenn Noradrenalin geblockt wird, auch Dopamin und Melantonin mit blockiert wird, zumindest aber gestört. Das wiederum kann zu Depressionen führen. Nur so als Beispiel: Viele ältere Männer bekommen den Wirkstoff verordnet bei gewissen Prostataleiden. Was sie allerdings unter Umständen nicht wissen, ist die Ursache ihrer "Altersdepression". Vielleicht.
Mit freundlichen Grüßen
Herold Binsack
Deutschland

10
/
5

Tatsächlich widerspricht die aktuelle Evidenz Ihrer Behauptung. Bei einer punktuellen Einnahme wie im Artikel beschrieben scheint mir die Entwicklung einer Depression zusätzlich unwahrscheinlich.

Vielleicht verwechseln Sie Betablocker mit Alphablocker wie Tamsulosin (Pradif usw.) oder Finasterid (Proscar usw.), die u. a. bei Prostataproblemen eingesetzt werden. Gerade letzteres nimmt deutlich Einfluss auf den Hormonaushalt mit möglichen affektiven Auswirkungen.

1
/
1
Anonym
· editiert

Das habe ich mir zuerst auch gedacht: Wissen die beiden Experten tatsächlich nicht, dass Betablocker mittel- und langfristig zu Depressionen führen? Gedacht, gegoogelt und gestaunt. Metaanalysen bestätigen diesen Verdacht nämlich schon seit längerem nicht mehr. https://www.aerztezeitung.de/medizi…ocker.html

6
/
1

Oh, ein Artikel über Betablocker, den muss ich doch lesen. Doch nun lässt er mich eher ratlos zurück, und der leise Verdacht wärmt meine Adern, dass die beiden Autoren - Pardon Experten - gar nicht über Betablocker schreiben. Nach einer Aorten-Dissektion vor drei Jahren - ein Einriss der Aorta, den ich dank unzähliger Schutzengel und einer Notoperation überlebt habe - werfe ich seither brav morgens und abends diese Betablocker ein, halten sie doch meinen Blutdruck in jenem Bereich, der mir mein zweites geschenktes Leben noch etwas absichern soll. Dass das Zeugs nun auch noch leistungssteigernd sein soll, habe ich leider noch nie bemerkt. Denn die Blockers blocken und wirken bei mir, wie mit stark angezogener Handbremse zu fahren. Und nach dem Einwurf der Tablettchen schiebt sich eine halbe Stunde später ein halbstündiges Schläfchen. Sicher kann man auch das als "Selbstoptimierung" bezeichnen. Und weniger Angst, weniger Nervosität? Ach hört mir doch damit auf.

8
/
22

Herr Vollenweider, Sie sind ziemlich sicher mit kardioselektiven Betablockern eingestellt. Die wirken nur am Herzen.

0
/
0

Kommt imner auf die Dosierung an. Sie sind wahrscheinlich, mit ihrer Krankheit, auf Schlaghammer eingestellt. Und im Text ist klar beschrieben, dass es nicht gegen die Nervosität hilft, sondern ihre Symptome abschwächt. Auf wen oder was Sie jetzt wütend sind versteht man nicht ganz.

1
/
0

Wütend bin ich doch nicht, das lassen die Betablocker gar nicht zu. Fand den Artikel nur seltsam. Aber der Schlaghammer gefällt mir. So fühlt es sich an.

1
/
0

Für mich ein Anzeichen dafür, dass wir uns gesellschaftlich und/oder sozial von unseren natürlichen Wurzeln entfernt haben. Nervosität oder eine "konservative Selbsteinschätzung" hatten einen natürlichen Sinn - sonst hätten wir dies nicht. Heute geht es um andere Anforderungen und wir brauchen keine Angst zu haben, dass uns das Publikum nach einer schlechten Rede verprügelt.
Allerdings glaube ich persönlich nicht daran, dass eine medikamentöse Übertünchung natürlicher Reaktionen einfach keine gewichtigeren Nebenwirkungen haben soll - nicht nur medizinischer Art. Vielleicht sind auch diese einfach nur noch genügend diskret verborgen.

5
/
0

Gut möglich, und diese Debatte möchte ich natürlich aufwerfen. Von medizinischer Seite habe ich tatsächlich kaum Gegenargumente gefunden.

Die psychologische Abhängigkeit habe ich ja beschrieben und wäre auch mein grösstes Bedenken. Auf eine Art bin ich stolz, es bisher ohne Betablocker durchs Leben geschafft zu haben, auch wenn manchmal mit Schweissflecken unter den Achseln.

0
/
0

Ob die 'Selbstoptimierung' mit diversen Substanzen per se gefährlich, verwerflich oder nur bedenklich ist kann ich nicht beurteilen. Tatsache ist, dass diese Art der Vorbereitung auf wichtige Ereignisse im Leben schon seit Jahrtausenden praktiziert wird. Folgen davon sind z.B. Fehlbesetzungen wichtiger Schlüsselpositionen, was durchaus drastische Fokgen haben kann. Es ist kaum denkbar, dass Hitler dem Druck als allmächtiger Führer so lange gewachsen gewesen wäre, hätte er nicht diverse Drogen konsumiert.
Was viel bedenklicher ist, ist der Grund warum die Substanzen zu Hilfe genommen werden.
Der wachsende Druck auf unsere Kinder in der Schule glänzen, aus der Menge herausragen zu müssen ist auf jeden Fall ungut. Die Therapierung von 'Zappelphilippen' mit Ritalin löst aus meiner Sicht kein Problem wirklich. Aber es zeigt den Heranwachsenden, dass mit dem Schlucken einer Tablette am Morgen der Tag wesentlich einfacher zu überstehen ist. Ob diese Lektion uns weiterbringt wage ich mal zu bezweifeln, vor allem darum, weil wir anderererseits ja erwarten, dass der Nachwuchsja gerade anders, besser als die Anderen sein soll.
Es ist wohl eine Tatsache, dass herausragende Persönlichkeiten der Geschichte auffallend oft unbequeme Kinder und Jugendliche waren. Wir täten wohl gut daran die zuküftigen Einsteins und Hannibals nicht mit Drogen ruhigzustellen. Ich weiss aus eigener Erfahrung wie mühsam die Begleitung von hyperaktiven Jugendlichen ist, habe ich doch selber zwei davon 'grossgezogen', und zwar ohne Medikamenteinsatz.
Besser wäre es doch, allen Menschen ihren Platz in der Gesellschaft wertungsfrei aufzuzeigen. Jeder hat seine mehr oder weniger verborgenen Fähigkeiten, welche nur selten mit einer Prüfung aufgedeckt werden können. Aber genau dort liegt das eigentliche Problem. Wir versuchen als Gesellschaft jede Verantwortung abzuschieben und mit ein paar Kreuzen in einem Multiple Choice Test einen Menschen in eine Schublade zu stecken um am Ende belegen zu können, dass unsere Entscheidung nicht falsch war. Leztlich teilen wir damit die Leute in nützliche und weniger nützlichiche Kategorien ein, ohne uns darüber Gedanken zu machen was mit denen passieren soll die nicht in dieses Raster passen.

27
/
9

Was mir zu denken gibt an dieser Diskussion, ist die Tatsache, dass niemand die Gefahr der Überdosierung benennt. Man kann sich mit Betablockern relativ einfach ganz abmelden,..

36
/
20

True dat. Das können Sie auch mit dem Fingerhut aus Nachbars Garten.

2
/
0
H. A.
· editiert

Goodbye

33
/
8

Das ist nicht Medizin sondern Naturheilkunde

1
/
1
H. A.
· editiert

Goodbye

1
/
2
E. N.
· editiert

Danke für den tollen Artikel. Ich kann nur sagen, dass ich sehr froh bin andere Mittel gefunden zu haben die mir im Vergleich zu früher mehr Selbstvertrauen gebracht haben für gerade solche Unsicherheiten. Beim Lesen wurde mir dann klar, dass ich total frei von solchen "Zwängen" bin. Ich brauche "Nichts" von aussen für mein Wohlbefinden. Dabei sind für mich Psychotherapie und Meditation Schlagwörter bei diesem Thema. Und es braucht übrigens auch keine jahrelange Therapie für nennenswerte Ergebnisse.

Das würde dann aber auch nicht bedeuten, dass ich frei bin von Unsicherheiten. Im Gegenteil. Ich bin mir sie viel besser bewusst und kann sie aber gut akzeptieren und mit ihnen umgehen. Zumindest häufig.

Nebenbei erwähnt: Wenn man vor 200 Personen einen Vortrag halten muss, ist es ganz normal nervös zu sein. Es ist auch ganz normal, dass man mehr Mut braucht in der Gruppe zu sprechen als unter vier Augen. Was wäre das den für eine Gesellschaft in der alle arschcool wären? Eine kalte James-Bond-Society, die auf nichts reagiert, die nicht berührbar ist.

Ah sorry vergessen.... sind wir ja schon :).
#Fassadengesellschaft

Frage an euch: Wo bleibt der Mensch?

18
/
4

Dieser Zwang, etwas zu brauchen, wäre auch meine persönliche Befürchtung zur Einnahme von Betablockern.
Wobei, anders betrachtet: Ich weiss, dass ich auch ohne könnte und bisher konnte. Mit den Tabletten wäre es einfach weniger aufreibend ...

0
/
0
E. N.
· editiert

Bei der Dynamik eines solchen Zwangs wird es sich ähnlich wie bei Personen mit Substanzsucht verhalten. Zu Beginn scheinen immer in etwa folgende Faktoren gegebenen:

  • ich könnte auch ohne

  • ich kann jederzeit damit aufhören (möchte aber gerade nicht)

  • es hilft mir stärker das Leben zu bewältigen, als es mir schadet

  • ich habe es im Griff

Zumindest scheinen viele Erklärungen von Personen mit Substanzsüchten etwa diese Grundlogik zu bedienen. Der Zwang wird schleichend kommen. Aber jeder Beginn die "Probleme" damit zu lösen werden einen Schritt in Richtung des Zwangs sein.

Was mir allerdings wichtiger scheint und vorauf mein Kommentar eigentlich abzielt ist, dass so wie ich sie verstehe, sie es selber vorziehen würden (bzw. es anderen Personen empfehlen), sich in gewissen Momenten des Lebens eher zu betäuben, als sich unverfälscht den Gegebenheiten zu stellen. Meiner Meinung stellt dies eben einen (vielleicht auch kleinen Beitrag) an die "Verarmung der Menschlichkeit" dar. Insbesondere aus einer gesamtgesellschaftlichen Perspektive.

So wie ich sie nun aber verstehe, werden sie sagen, dieser kleiner Beitrag an die gesellschaftliche Verarmung von Menschlichkeit, würden sie in Kauf nehmen, wenn sie einen Vorteil für sich sehen (bzw. einen Vorteil einzelner Akteure sehen). Oder finden sie meine Interpretation ihrer Kommentare gänzlich unpassend?

Dabei wäre mir eben dieses konkrete Thema ein Anliegen für eine Diskussion.

0
/
0

.... übrigens. Wer den Beta Blocker intus hat, und dann nach einer bestandenen Prüfung, oder einem geglückten Vorstellungsgespräch, jubelt, springt, jauchzt. Aufgepasst! Das Herz, der Kreislauf ist "reduziert", der Blutdruck gesenkt. Zu hohen Freudensprüngen ist nicht zu raten ....

14
/
1

Zugestanden, auch ich habe schon in meiner Familie Beta Blocker verschrieben (ich bin Apotheker). Mit viel Erfolg. Jedoch nur im Notfall. Und es war mir wichtig, nur die Erstphase der Situation zu "überbrücken". Denn Herausforderungen zu meistern ohne "Doping" ist beglückender. Der Adrenalin-Kick gehört zum Leben wie die Endorphine beim Sport oder Oxycontin beim Stillen (als Kuschel- und Liebeshormon). Was uns in der Lebenserinnerung bleibt - und das sage ich als 53 jähriger - sind die intensivsten Erlebnisse, im Hoch wie im Tief. Auf diese möchte ich in meinem Leben nicht verzichten, ansonsten ich - zumindest gefühlsmässig - schneller altere. Das will ich nicht ....

20
/
3

Ist concor ein kardioselektiver Betblocker?

2
/
0
H. A.
· editiert

Goodbye

18
/
11

Gehört es nicht zum Menschsein, dass wir mit technologischen Entwicklungen unser Leben einfacher und angenehmer machen?

Und gehören zu diesen Entwicklungen nicht auch Medikamente?

Was unterscheidet den Betablocker von der Kniebandage oder den Stützstrümpfen, die Sie tragen, damit Sie beim Galeristen-Meeting oder in der Chorprobe besser stehen können?

4
/
5
H. A.
· editiert

Goodbye

6
/
6

Kein Thema ist «zu wichtig», um es journalistisch zu behandeln. Umgekehrt gibt es kein Thema, dem gedient ist, wenn es ausschliesslich journalistisch behandelt wird.

14
/
1
(unsichtbar)
6
/
4
H. A.
· editiert

Goodbye

10
/
13

Nicht kardioselektive Betablocker sind zweifellos ein probates Mittel bei sozialer Phobie. Leider wird aber mit der rein medikamentösen Behandlung das zugrunde liegende Problem nie angegangen. Obwohl es mit Verhaltenstherapie sehr gut behandelbar wäre. Zudem fördern solche Lifestyle Drogen eine perfektioniertes Subjekt das wir uns vorgaukeln zu sein und das nur solche Menschen Wertschätzung erhalten. Nicht jeder hält unter Betablocker beilliante Reden. Wir verbauen uns damit hinzuschauen woher denn diese Angst kommt und was genau passiert. Ein höchst spannender Prozess den man wegschluckt.

23
/
1

Ich gebe ihnen grundsätzlich recht. Nur musste ich etwas lachen, weil sie schrieben, dass mit Verhaltenstherapie das zugrunde liegende Problem angegangen wird. Verhaltenstherapie mag zwar an der Oberfläche gute Resultate liefern um grundlegende Probleme zu lösen ist sie aber ganz klar nicht ausgerichtet.

2
/
0

Ich gebe auch Ihnen recht. In der Verhaltenstherapie wird uns nur der Zusammenhang zwischen den Gedanken, den Körpersymptomen und dem Verhalten bewusst gemacht. Auch wenn in einer klassischen V-Therapie je nach Therapeut und Setting manchmal auch ziemlich tief in die Psyche eingedrungen wird, um mehr Klarheit an die Oberfläche zu bringen. Grundlegende Probleme lösen kann man aber damit nicht, das stimmt ganz klar. Aber vielleicht kommt man etwas besser an das Grundlegende ran, wenn man den oberflächlichen Knopf mal gelöst hat...als eines von vielen Mitteln zu mehr Einsicht.

1
/
0
(unsichtbar)
2
/
3

Mich würde von Simon und Lorenz interessieren, wo die Unterschiede zwischen Betablockern und Ritalin sind. Ritalin wird ja teilweise für die Lernphase eingesetzt, als Konzentrationshilfe. Wer also superoptimieren will, schmeisst zum Lernen Ritalin und dann für die Prüfung einen Betablocker?

8
/
7

Das mit dem Ritalin ist wohl so eine Sache. Gemäss Prof. Dr. Boris Quednow der UZH, der im Bereich von Neuroenhancern forscht, ist man zwar motivierter zu lernen und kann länger durchhalten. Scheinbar aber gehen diese Vorteile auf Kosten von einem verschlechterten Gedächtnis. Also scheinbar gibt es klare Hinweise auf ein Nullsummenspiel. Oder in anderen Worten: "There ain't no such thing as a free lunch"

Die scheinbar beste Droge, die es gibt, im Zusammenhang mit Leistungsfähigkeit ist gemäss seiner Aussage (bzw. die seiner Forschung) ausgeschlafen zu sein. Guter und genügender Schlaf. So unglaublich trivial. Nicht so fancy aber eben halt sehr bewährt...

14
/
0

Das wäre so möglich, ja!
Die zwei Substanzen sind völlig unterschiedlich. Ritalin erhöht die Konzentration von Dopamin im synaptischen Spalt, also zwischen den Nervenzellen und stimuliert dadurch (ähnlich wie Kokain).
Betablocker hemmen die Wirkung von Adrenalin und Noradrenalin im Körper und - je nach Substanz - auch im Gehin, wodurch die beschriebene Wirkung zustande kommt.

3
/
0

Also abends Ritalin, morgens zum Examen Betablocker. Wie hab ich das bloss all die Jahre ohne das Zeug geschafft?

Merci.

5
/
1

Hilft beloc-zok auch?

5
/
3
Simon John
· editiert

Nein, tatsächlich nicht. Der Betablocker Beloc Zok (Metoprolol) ist kardioselektiv und wirkt dadurch fast ausschliesslich am Herzen.

1
/
1

Danke, sehr guter Artikel!

0
/
0

Aus welchem Grund ist das denn verschreibungspflichtig?

5
/
3

Beta Blocker werden zur Senkung des Blutdrucks, auch bei Herzinsuffizienz eingesetzt. Diese Indikationen beruhen auf einer Diagnose, die durch eine Fachperson gestellt werden muss. Korrekte Diagnose, korrekte Indikation verlangt die Verschreibungspflicht. Flacher Gebrauch bei falscher Person könnte schädlich sein .... zu tiefer Blutdruck, deshalb Sturz. Oder Blutzuckersteigerung, da Beta Blocker die Insulinsensibilität reduzieren ...

6
/
1

Für Asthmatiker können Betablocker sehr gefährlich sein, bei Augentopfen mit Timolol sind Todesfälle publiziert worden und darum braucht es zu Recht ein Rezept für Betablocker.

1
/
0

Es hat in höherer Dosierung eine entsprechend stärkere Wirkung, d.h. bis zu einer zu starken Verlangsamung des Pulses, Endpunkt möglicher Tod.

1
/
0

Alkohol hat bei hoher Dosierung auch eine stärkere Wirkung. Wenn ich rauche gefährde ich sogar andere. Vor allem wenn ich Kinder habe und in der Wohnung rauche. Da würden diese Pillen wohl sehr viel weniger Schaden anrichten.

1
/
1

OK. Noch eine Frage: Dürfen Ärzte frei darüber bestimmen, für welche Anwendung sie ein Medikament verschreiben? Inderal zur Verbesserung des Prüfungsergebnisses -- darf die Ärztin das?

1
/
0

Inderal - jedes Mal.
Wann das letzte Mal? Gestern.
Ja, es gehen nicht alle Operationen rund und dann ist es angehnem nicht noch aufgeregt zu weden. 10 - 40 mg genügen.

Eine Kollegin nimmt vor Prüfungen ½ Glas Rotwein.

7
/
15

Der Rotwein ist beliebt bei Menschen, die unter Druck stehen. Musiker, Chirurginnen ...
Wobei ich ausgerechnet da behaupten würde: Lieber Betablocker, damit bleibt man zurechnungsfähig und wird nicht Berufsalkoholiker.

0
/
0

Als Musikerin mit Musikhochschulabschlüssen habe ich immer wieder mal mir KollegInnen darüber diskutiert. Ich hab es nie genommen. Mein Weg war dann die Alternative über Therapie und verschiedenen Formen der Bewusstseinsbildung. Dies hat mich auf meinen ureigenen Weg gebracht und mich extrem weitergebracht, was für mich gut war. Ich war vielleicht zu ehrgeizig, das zu nehmen und wollte mir beweisen, dass es ohne geht. Darüberhinaus habe ich schnell gecheckt, dass es mit persönlichen Defiziten( Angst vor Versagen etc) zu tun hatte und das machte mich einfach neugierig herauszufinden, was dahinter steckt. Es hat sich mehr als gelohnt und war aber ein langer Weg zu mir selbst. Wer so bleiben möchte wie er grad ist, soll sie Pille nehmen. Manche, ich zum Beispiel nehmen auch einen Rotwein am Abend zur Entspannung. Wer besser operiert damit, gut so. Wenn ich unter dem Messer liege, bin ich froh, wenn ein Arzt alles unternimmt, damit die OP erfolgreich ist. Mir ist es in dem Moment egal, ob mit oder ohne Pille. Was ich allerdings höchstproblematisch finde, ist der gesellschaftliche Druck. Dieser stete Erfolgsdruck, die Unmöglichkeit, an einem Examen mitteilen zu können, dass ich jetzt gerade nervös ist und vielleicht ein paar wenige Minuten Zeit für diesen Zustand brauche . Meine Erfahrung ist, wenn ich es mitteilen kann, geht es mehr oder weniger weg. Die Unmöglichkeit, dazu stehen zu können, weil man danach stigmatisiert ist. Ich finde, das ist fatal. Was sind wir für eine Leistungsgesellschaft, die verhindert, dass wir überhaupt darüber reden. Hinter dem Lampenfieber steckt meist unerkanntes Potenzial, so meine Erfahrung mit mir und Menschen, mit denen ich arbeite. Deshalb empfehle ich Arbeit an sich selbst, mit oder ohne Pille, die Energie hinter dem Lampenfieber knacken und zu leben beginnen, damit neue Energien und Potenziale Leben bekommen statt unterdrückt zu werden.

37
/
6

Die Frage stellt sich vergleichbar bei Kindern und Jugendlichen: Dürfen sie unangepasst, zappelig, aggressiv sein oder brauchen sie dann Ritalin, um in der Schule noch akzeptiert zu werden? Oder ist diese Frage doch nicht vergleichbar mit den Thema Betablocker?

1
/
0

Volle Zustimmung, Frau Schatzmann!
Auch ich mag Menschen, die zu Betablocker greifen nicht verurteilen, denke aber auch, dass wir darüber nachdenken sollten, ob es tatsächlich wünschenswert ist, eine Gesellschaft zu haben, in der Schwäche und Ängste keinen Platz haben.
Persönlich neige ich dazu, Leistungsgrenzen, die nicht durch Übung und Erfahrung erweitert werden können, zu akzeptieren. Das bedeutet manchmal Abstriche an persönlichen Zielen aber ein Gewinn an Lebensqualität.
Ich stelle mir vor, eine Stelle, die ich nicht bekomme, weil ich im Bewerbungsgespräch Nervosität zeige, würde mich vermutlich nicht glücklich machen. Oder wenn ich nur mit Betablockern auf die Bühne kann, ist die Bühne vielleicht einfach nicht der Ort, für den ich mich eigne, auch wenn ich es mir noch so wünsche.
Und wir sollten wirklich sehr darauf aufpassen, dass wir nicht eine (Arbeits-)Welt bauen, in der nur noch selbstoptimierte Menschen gefragt sind.

41
/
1

Wenn Sie weiterhin unabhängigen Journalismus wie diesen lesen wollen, handeln Sie jetzt: Kommen Sie an Bord!


seit 2018