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T. B.
Verleger
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Die „Reduktion“ um 14% seit 1990 möchte ich hinterfragen. Ich erkläre mir die vor allem mit dem Niedergang der Industrie. Vor allem Alusuisse und andere Metallverarbeiter brauchten Unmengen an Energie, welche wir heute einfach in der Form von grauer Energie importieren. Allgemein: Wird in diesen Zahlen die graue Energie irgendwie berücksichtigt? Hat jemand Zahlen die dies belegen oder widerlegen?

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Teil IV

Sie schreiben: «Eine solche Aktion würde den Ruf der Schweiz als verantwortungs­bewusste Wirtschafts­nation festigen.»

Wo kann ich das nachlesen?

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Elia Blülle
Journalist @Republik
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Im Sozialarchiv sollten sie entsprechende Dokumente finden.

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OK, dankeschön.

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Top Artikel! Merci!

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T. F.
Meeresbiologe, Fotograf
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Nun wissen wir also, oder wir konnten das Wissen auffrischen, was alles schief gelaufen ist. Soweit danke für diese Zusammenfassung. Und jetzt? Was nützt uns dieser Rückblick, wenn wir die Kurve doch noch kriegen wollen?

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Danke für diesen Text! Ich hatte mich im Verlauf des letzten Jahres auch mit dieser Thematik befasst. Als K. der 90er hat man immer wieder Déjavus in den letzten Jahren. Politisch, Gesellschaftlich, Kulturell. Auch den besagten Rundschaubeitrag hatte ich gesehen, beim Interview mit Br Citto kamen mir fast die Tränen. Ich glaube den wenigsten ist heute (noch) bewusst, wie die Landesregierung damals kommunizierte und was alles verpasst wurde seither.
Das Thema Klimawandel und die Lobby der Erdölindustrie ist dabei aber auch nur ein Teilaspekt. Der Zeitgeist der 90er war doch Wachstum, Wachstum, Wachstum. Wir alle, als Konsumenten und Bürger wurden in allen Bereichen des Lebens dazu erzogen, immer alles und jederzeit zu wollen und zu bekommen. Über Konsequenzen und Verantwortung nicht nachzudenken. "Geiz ist geil"
Als Weltbevölkerung sind wir deshalb in den letzten Jahrzehnten an einen Punkt gelangt, an dem sich viele an diesen masslosen Überfluss gewöhnt haben, die meisten anderen unaufhörlich danach streben. Eine Abkehr davon ist kaum mehr möglich, oder dann eben nur in einer sehr langen, ausgedehnten Kurve, damit ja niemand zu sehr die Fliehkraft zu spüren bekommt. Ob aber mit einer so geringen Korrektur der Abgrund umfahren werden kann ist mehr als fraglich.
Doch der Systemwechsel wird nicht kommen. Denn die wenigen, welche wirklich vom System profitieren sind immer noch laut genug, um denen, welche meinen sie würden profitieren einzutrichtern, dass jegliche Veränderung nur schlecht sein kann.
Die nächsten Abstimmungen werden dies wohl leider noch mehr zementieren und fatalerweise dann diejenigen, welche einen Systemwechsel fordern, per Gesetz auch noch zu potentiellen Gefährden klassieren.

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Elia Blülle
Journalist @Republik
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Nun gut: Wachstum ist per se nichts Schlechtes. Wachstum ermöglicht Fortschritt und Innovation. Die Welt hat sich in vielen belangen in den vergangenen 100 Jahren stark verbessert. Die entscheidende Frage ist: Wie können wir Wachstum in geordnete Bahnen lenken? Wie ist Wachstum möglich, ohne dass er auf endlichen Ressourcen und der Ausbeutung unserer Umwelt beruht? Wie ist Wachstum möglich, damit alle Marktteilnehmer*innen profitieren? Die Antworten auf diese Fragen liegen in der Theorie seit Jahrzehnten vor. Jetzt geht es nur noch darum, sie umzusetzen. Und das ist eine politische Frage.

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Nein, ich denke eher, dass Wachstum generell in Frage gestellt werden muss. Klar gibt es Innovation und teilweise Verbesserungen. Aber es gibt auch viel Verschlechterung. Ein grosser Teil des Wachstums (in Form von neuen Produkten, mehr Produktion etc) ist nicht auf Notwendigkeit, sondern nur auf Gier zurückzuführen. Die einzelnen Akteure generieren für sich gesehen Wachstum und Gewinn, global betrachtet werden einfach immer mehr unnötige Dinge produziert. Das BIP ist weltweit weit mehr gewachsen als die Bevölkerung, das sagt ja schon viel.
Die wichtigen Innovationen wären auch mit viel weniger Wachstum möglich, man vergleiche nur mal die Forschungsgelder mit den Boni und Salären der Manager. Wie gesagt, ein grosser Teil des Wachstums basiert auf Gier.
Problematisch in diesem Zusammenhang ist halt auch, dass unsere Vorsorge-Systeme auf einem gewissen Wachstum basieren. Wir stellen uns da wohl selber ein Bein.

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Wie kann denn ein Wachstum irgendwelcher Art stetig und unbegrenzt auf unserem begrenzten Planeten möglich sein?

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Es ist tragisch zu sehen, wie weit wir heute sein könnten, wenn unser politisches System die frühe Gelegenheit genutzt hätte.
Schmerzlich finde ich ebenso, dass es die Behörden verpasst haben, der Bevölkerung die Wirkung einer Lenkungsabgabe auseinanderzusetzen. Das ist nicht einfach, denn der Mensch fürchtet Kosten mehr, als dass er Kompensationszahlungen (hier Rückverteilung der CO2-Abgabe) ästimiert.
Das neue CO2-Gesetz erinnert mich in seiner Komplexität an den Subventionsdschungel in der Landwirtschaft. Wie viel einfacher wäre es gewesen, eine wirklich schmerzhafte Abgabe auf allen fossilen Energien zu erheben und diese vollumfänglich an Bevölkerung und Wirtschaft zurückzuverteilen! (Die Mieter*innen hätte man dabei schützen müssen.) Aber CVP und FDP finden Lenkungsabgaben nur so lange gut, wie sie niemandem wehtun.

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Elia Blülle
Journalist @Republik
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Das Problem einer Lenkungsabgabe ist tatsächlich, dass man sie skalieren muss. Hätte man in den 1990er-Jahren tief gestartet und sie über die Jahre aufgebaut, hätte sie niemandem geschadet und ihr Potenzial entfaltet. Jetzt aber eine richtig harte Lenkungsabgabe einzuführen, würde tatsächlich ganze Wirtschaftszweige flachlegen, die keine Chance hätten sich anzupassen. Für mich viel wichtiger wäre es, jetzt Planungssicherheit zu schaffen. Sprich klar anzusagen, dass ab Jahr-Y gewisse Formen von fossiler Energie verboten sind.

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B. J.
· editiert

Guter Rückblick. Ja, manchmal könnte man verzweifeln, aber verloren hat erst, wer selber aufgibt. Und wo die grossen Schritte alle ausgebremst werden, braucht es vielleicht unendlich viele kleine?

Beispiel: in unserer Gemeinde haben wir es durchsetzen können, dass, wer keinen Strom wählt, automatisch einen umweltfreundlichen Strom verrechnet bekommt.

Gutes Beispiel. Davon gibts viele. 'Wenn wir nicht alles bekommen, wollen wir gar nichts', scheint mir keine besonders gute Strategie, wenn es um Probleme geht, die nicht in einem Aufwasch zu lösen sind.

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Genau das versuchte ich innerhalb der Energie/Umweltkommission meiner Gemeinde einzuführen, ohne Erfolg. Sie nennt sich "Energiestadt" und hat ein tolles Energieleitbild, das sie nicht einhält. Es gibt viel gut gemeinte kleine Verbesserungen, aber auch Stillstand und riesige Verschlimmerungen, die meistens mit Bauen und Autos zu tun haben. Deshalb sind Gesetze und Kostenmechanismen so wichtig, denn freiwillig geschieht auch lokal viel zu wenig, egal welche Farbe die Politik oder das Energielabel hat.

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B. J.
· editiert

Natürlich. Das eine gegen das andere auszuspielen, macht wenig Sinn. Nur muss man, wenn die grossen Wege verperrt sind, halt kleinere Umwege suchen. Mehr wollte ich nicht sagen.
Auf lokaler Ebene finde ich übrigens gerade im Hinblick auf die zwei grossen Problemcluster Bauen und Verkehr die Raumplanung wesentlich, deren Einbindung in die kantonale und eidgenössische Richtplanung, Heimatschutz, Zonenordnung, Baureglement und deren konkrete Umsetzung. Hier sind die Einflussmöglichkeiten im Hinblick auf Umwelt und Energieverbrauch mMn grösser als in reinen Umwelt/Energiekommissionen, denen ja gelegentlich mehr oder weniger Alibifunktion zukommt, wie Sie es auch beschreiben.

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B. C.
Leserin
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Danke für diesen erhellenden Rückblick. Gut recherchiert. Unterlegt mit Beweisen des jahrzehntelangen Zerredens und Verzögerns von griffigen Massnahmen! Letztendlich verantwortlich dafür sind viele.

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Elia Blülle
Journalist @Republik
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Merci!

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M. H.
acc@eml.cc
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Es ist zum Verzweifeln. Mittlerweile denke ich des Öfteren nur noch, wer nicht hören will, muss fühlen.

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Timon Zielonka
Sales @ zukunft.com
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Ja, nur wenn wir erst handeln, wenn wir es wirklich fühlen, wir es sehr teuer werden. Theoretisch hätte der Mensch einen Frontalkortex und könnte ihn benutzen. Aber wie Daniel Kahneman herausgefunden hat, treffen wir vielfach unsere Entscheidungen "zu schnell". Da auch ich dies mache, möchte ich mir ein Tool erstellen, dass mir hilft, die richtigen Entscheidungen zu treffen.

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Tatsächlich kann man argumentieren, dass wir den Klimawandel längst spüren. Wir sind über globalen Handel mit der ganzen Welt vernetzt und beispielsweise spüren wir Ernteausfälle auf dem ganzen Globus. Die Flüchtlingskrise lässt sich teilweise auch auf Klimawandel zurückführen. Es reden zwar viele von Überpopulation und Krieg, aber das sind nur Symptome von einem schrumpfenden Lebensraum und Ressourcenmangel. Alle diese Probleme werden prekärer werden, aber da wir immer wieder (Teil-)Lösungen für diese Probleme finden, sehen wir den ganzen Kontext nicht, dass unser Lebenserhaltungssystem auf diesem Planeten langsam den Geist aufgibt.

Unser Handlungsspielraum wird kleiner, aber diese Entwicklung ist so langsam und unstet, dass sie nur schwer greifbar ist. Kahnemans intuitiver, schneller Denker ist absolut machtlos, weil seine Mustererkennung so einen langsamen Trend nicht erkennen kann. Selbst der langsame Denker hat Mühe die Komplexität des Problems zu erkennen und so glaube ich haben wir kaum Chancen eine richtige Risikoanalyse zu machen.

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Es sind nicht nur die Politiker und die Erdoel-Lobby die zu diesem Versagen beigetragen haben, sondern wir alle, die auf keine Bequemlichkeit mehr zu verzichten bereit sind und unser Konsumverhalten (z.B. frische Erdbeeren im Januar) als höheres Recht ansehen als, das Recht der Umwelt auf Unversehrtheit.
Ich bin zu einer Zeit aufgewachsen, als die Küche dank dem Holzherd der einzige beheizte Raum im Haus war. Der Gasherd war ausser Betrieb weil die Gaszuleitung ins Haus plombiert war. Koks für die Zentralheizung gab‘s auch erst wieder ab 1948. Der Strom kostete damals in der Stadt Zürich 45 Rappen pro kWh. Viele nach dem Krieg gebauten Wohnsiedlungen der Stadt hatten weder Bäder noch Duschen. Zum Duschen gingen die Bewohner einmal pro Woche ins Hallenbad.
Heute glauben z.B. die Mieter jederzeit das Recht auf beliebig viel warmes Wasser zu haben. Dies mussten wir als Eigentümer von 4 Mehrfamilienhäusern erfahren als wir 1979 Warmwasserkollektoren auf den Flachdächern installierten. Die Anlage war so ausgelegt, dass ausserhalb der Heizperiode jeden Morgen früh 6‘000 Liter Warmwasser von über 60 Grad bereit standen, also ca. 100 Liter pro Person. Wir mussten das Experiment nach zwei Jahren abbrechen wegen dauernden, heftigen Reklamationen der Mieter, die abends kein warmes Wasser zum Duschen oder Baden mehr vorfanden. Seither läuft die Oelheizung den ganzen Sommer durch, nur um das noch fehlende Warmwasser aufzuheizen.
Inzwischen haben wir viel investiert in die Verbesserung der Isolierung der Gebäude, z.B.
Dreifachverglasung der Fenster. Auf den Oelverbrauch haben sich diese Massnahmen aber nicht so stark, wie berechnet ausgewirkt, da das Lüftungsverhalten der Bewohner uns einen Strich durch die Rechnung macht.
Fazit: Wenn sich das Verhalten der/des Einzelnen nicht ändern lässt, sind auch die diktierten Massnahmen durch die Obrigkeit wenig erfolgversprechend.

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Bei Ihrem Beispiel würde ich einen technischen Trick empfehlen: Reaktivieren Sie die solare Installation und montieren Sie bei jeder Dusche oder jeder Wohnung einen kleinen elektrischen Durchlauferhitzer (1- oder 2-phasig genügt). Solche mit automatischer Regelung, welche einfach die Differenz zur benötigten Temperatur beisteuern. Das funktioniert sehr gut und die Zusatz-Kosten werden automatisch richtig verrechnet. Ist allerdings in der Schweiz unüblich.

Ein anderer Trick: moderne Duschköpfe. Im Zusammenhang mit den erwähnten Durchlauferhitzern, allerdings bei Kaltwasseranschluss, habe ich damit experimentiert. Die 6 kW eines 2-phasigen Modells reichen mit einem herkömmlichen Duschkopf und 8° Wasser im Winter nicht für eine komfortable Dusche. Moderne Sparmodelle benötigen jedoch nur wenige Liter pro Minute und erzeugen trotzdem einen scheinbar starken Strahl.

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Ihr Vorschlag hat den Haken, dass dann diejenigen bezahlen, die abends kein warmes Wasser mehr vorfinden und nicht die, welche den Tag durch zu viel verbraucht haben.
Zudem: Wissen sie wie schnell ein Bewohner einen ihm nicht genehmen Duschkopf (z.B. Sparmodell) durch ein ihm genehmes Modell auswechseln kann, ohne dass die Verwaltung etwas davon erfährt? Um wirklich eine verursachergerechte Abrechnung
zu machen, müssten Warmwasser-Zähler in jede Wohnung eingebaut werden. Dies kann jedoch nur bei Neubauten effizient eingeplant und durchgeführt werden. Bei Altbauten mit verschiedenen Steigsträngen (2 pro Wohnung) ist dies ein sehr teures Unterfangen.

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Timon Zielonka
Sales @ zukunft.com
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Um das Verhalten des Einzelnen zu ändern, hat der Mensch "Geld" erfunden und in den letzten paar tausend Jahren hat sich dies als recht effektiv herausgestellt. Warum nicht einfach auf dieser bewerte Mittel zurückgreifen und (wie im Artikel und 1990 bereits angedeutet):

  1. Für alle Klimagasemissionen an der Quelle Zertifikate verlangen

  2. Die Anzahl der Zertifikate angemessen reduzieren, also z.B. 10% pro Jahr

  3. Solange noch nicht alle Länder mitmachen, beim Im- und Export ebenfalls Zertifikate verlangen für die grauen Emission bzw. zurückerstatten

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Ja, auch die Schweiz ist nicht das beste Beispiel für eine gelungene Reduktion der CO2-Emissionen. Alle anderen Länder leider auch nicht. Aber immerhin versuchen es die europäischen Länder am glaubwürdigsten. Und Europa wiederum macht nur einen relativ kleinen Teil der weltweiten Emissionen aus.
Das Klimaziel von Paris kann nicht erreicht werden, das ist gelaufen. Es war von Anfang an chancenlos. Wir sollten nun langsam anfangen, uns darauf vorzubereiten, dass es in 30 Jahren rund 2 bis 3 Grad wärmer sein wird. Bitte Lawinenverbauungen, Aufforstungen, Schutz von Wasserreservoiren etc. an die Hand nehmen.
Zu warten, bis alle Länder ernsthaft mitmachen, ist reine Zeitverschwendung. Und das wäre die Voraussetzung.

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A. S.
· editiert

Eine Bemerkung zur Aussage, dass Europa nur einen kleinen Teil der Emissionen ausmacht. Der pro Kopf CO2 Ausstoss einer Person in der Schweiz beträgt 4.7T/Jahr. Das beinhaltet aber nicht die CO2-Emissionen, die eine im Ausland produzieren (Importierte Waren) und auch nicht die CO2-Äquivalenz von Flugreisen (Faktor 2.5-3 zum CO2-Ausstoss).

Eine Bewohnerin der Schweiz verursacht also einen weltweiten Spitzenplatz in der CO2 -Produktion. (Mind. 14,5T/Jahr)

Reduktionen wurden grösstenteils durch Auslagerung von Industriebereichen und ein wenig Haussanierung erreicht.

Wir lügen uns in die eigene Tasche, wenn wir behaupten den Pelz waschen zu können, ohne ihn nass zu machen.

Quellen:
Flugverkehr CO2-Äquivalenz: https://zenodo.org/record/4767530#.YLDSNy223r0
CO2/Kopf 2018: https://op.europa.eu/en/publication…anguage-en
Handel CO2: https://ourworldindata.org/consumption-based-co2

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R. B.
Leser
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Danke für die Quellenangaben!!! Ich hätte hier noch eine:
https://de.statista.com/themen/5533…r-schweiz/

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ja, ich weiss. Wir sind die schlimmsten Heuchler. Nirgendwo ist der Fahrzeugpark so überdimensioniert wie in der Schweiz. Aber rühmen uns gerne der fossilfreien Stromerzeugung. Aber importieren Strom von irgendwoher, wo die CO2-Emissionen formal anfallen. Nee, nicht mal in diesem Land können wir die Menschen auf ein Ziel einstellen - wie soll das weltweit möglich sein?

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D. W.
· editiert

Ja schon vor über hundert Jahren wurde das Ganze hypothetisiert: "The furnaces of the world are now burning about 2,000,000,000 tons of coal a year. When this is burned, uniting with oxygen, it adds about 7,000,000,000 tons of carbon dioxide to the atmosphere yearly. This tends to make the air a more effective blanket for the earth and to raise its temperature. The effect may be considerable in a few centuries."
Was damals und seither gelaufen ist, hat die Republik auch in einem anderen tollen Artikel dargelegt.
Was man zu der Zeit vielleicht noch als wilde Theorie abtun konnte, hat sich verstärkt. Die Mengen sind nicht zurückgegangen, nein sogar immens gestiegen.

Gestern habe ich zwei Beiträge eines Mitverlegers gelesen, die mich genau an dieses Thema erinnert haben: "Am beunruhigendsten wohl aber ist der Fatalismus und die Resignation, die sich in weiten Kreisen breit macht, so im Sinne: der Zug ist abgefahren, da können wir sowieso nichts mehr machen." ; respektive "fällt es mir angesichts der Entwicklung in verschiedensten Bereichen unserer Umwelt, Gesellschaft und Politik effektiv nicht immer leicht, mich einer resignierenden Einstellung zu entziehen."
Heute war das Thema dann nun selbst dran. Gleichzeitig sehe ich auf meinem FB-Feed, dass wieder mehrere Personen meines Bekanntenkreises Beiträge teilen wie "China baut 300 Flughäfen im nächsten Jahr, und wir wollen in der Schweiz das Klima retten?"; oder "12 Rappen mehr? Der Mittelstand wird geschröpft!"; oder "Hört auf die Grünen zu wählen, sonst müsst ihr bald mit dem Esel zur Arbeit!" (haha xD so lustig, schmeiss mich weg.).

Es ist denn auch so: Als angeblich (und in anderen Bereichen tatsächlich) weisser, priviligerter junger Mann in der Schweiz habe ich 0 (in Worten: Null) Einfluss darauf. Selbst alte, weisse, gebildete, privilegierte Männer, die sich der Öffentlichkeit stellen und dafür kämpfen, kriegen es nicht gebacken. Der Artikel zeigt mir: Länger, als ich in der Schweiz auf der Welt bin, wird nun hier darüber gestürmt.
Schlimmer:
Unsere kollektive Handlungsfähigkeit wurde als politisches Kalkül zur Geisel genommen.

So kriege ich fast einen Schreikrampf à la Greta, wenn ich sehe, worauf unsere Zukunft hinsteuert, und dass diejenigen, die dies mit mir ausbaden dürfen, genau auf diese im Artikel erwähnte Propaganda hereinfallen und sich selbst sabotieren.
Was, wenn nicht rasende Wut oder völlige Resignation, ist denn noch ein rationaler Ausweg?

Langsam verstehe ich die, die eine CS oder Londons Brücken blockieren.

Nachtrag: Wer dank eigener Blase nicht glaubt, dass es diese oben genannten Menschen gibt, darf sich gerne den öffentlichen Beitrag dieses Artikels der Republik auf Facebook anschauen. Kaum veröffentlicht, schon durch Kulturkrieger überlaufen.

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ich bin auch so einer, der sagt, dass es gelaufen ist. Schon vor 20 Jahren allerdings. Es ist nicht möglich, die Weltgemeinschaft auf ein Ziel hinzusteuern, weil es immer unterschiedliche Interessen und Trittbrettfahrer gibt. Keine sozialwissenschaftliche Theorie sagt das Gegenteil.
Gut, dann lassen wir so also trittbrettfahren, könnten wir uns souverän denken. Das Problem ist aber, dass jene, die trittbrettfahren (konkret wenig Massnahmen zur Reduktion von CO2 unternehmen) in der globalen Ökonomie sogar einen komparativen Vorteil haben. Bei denen bleiben die Energiekosten tiefer. Folge davon: Produktion wird verlagert in Länder, wo wir noch weniger Einfluss auf die industriellen Prozesse haben.
Unsere Bemühungen sind also kontraproduktiv.
Was war eigentlich Ihr Punkt? - dass es Menschen wie mich gibt? - ich habe auch Kinder, als Erwachsener muss man Verantwortung übernehmen und aussprechen, was wir nicht gerne hören. Unsere Politiker, die uns vorgeben wollen, dass wir es schaffen können, wenn wir uns nur fest bemühen, sind das nicht. Die wollen bloss geliebt werden.

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D. W.
· editiert

Mein Argument war eher, dass eben nicht wirklich entsprechend der Grösse des Problems agiert wird. Bald kommt der Punkt, wo die Leugnung der erlebten Veränderungen nicht mehr möglich ist, respektive nur noch von Aluhut-Randgruppen zelebriert werden wird. Zwischen Radikalisierung "Brennt das System jetzt nieder!" und Fatalismus "Es ist eh zu spät!" gibt es bald keine sinnvollen Positionen mehr. Entweder sind wir bereit, noch etwas zu tun, oder nicht.
Und selbst dann ist die Aussicht auf Veränderung klein, trotz angeblicher "Mitbestimmungsmöglichkeit" durch die Bürger. Das System kann keine Lösung finden, wenn das Problem geleugnet oder weggeredet wird. Oder eben wegen kurzfristig gesteuerten Prioritäten (Politik) keine langfristigen Ziele verfolgt werden. Dann wird es teurer, wenn die Klimaflüchtlinge einmal da sind. Die fahren dann noch viel mehr Trittbrett als jetzt.

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R. B.
Leser
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Eine lesenswerte Aufarbeitung der schweizer Klimapolitik der letzten 33 Jahre - durch die links-grüne Brille gesehen. Leider spiegelt der Artikel mehr Gutmenschentum als Fakten wieder. Er enthält für meinen Geschmack zu viel Wertungen und zu wenig Informationen. Kritiker als "Leugner" zu bezeichnen, erinnert mich zu sehr an religiöse Dogmatik, als das ich dies als ernstgemeinte geschichtliche Aufarbeitung akzeptieren kann. Das Thema ist wichtig, aber liebe Republik, bitte etwas ausgewogener. Ich habe die Republik nicht abonniert um grüne Wahlpropaganda zu lesen.

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Manchmal ist Ausgewogenheit/Neutralität nicht wünschenswert, manchmal hat eine Seite recht und eine nicht.
Hier sind ein paar hypothetische, ausgewogene Berichterstattungen, die aufzeigen was ich meine:
Nazis und Juden uneinig über weiteren Betrieb vom KZ Dachau.
Flat-earthers und Wissenschaftler streiten über Form der Erde.
Klima"skeptiker" und Wissenschaftler haben geteilte Positionen über den menschengemachten Klimawandel.

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R. B.
Leser
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Sorry, diesen Vergleichen kann ich nicht folgen. NIEMAND, hat die Wahrheit gepachtet. Ihre Stellungnahme bestärkt mich in meinen Überzeugungen.

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S. D.
· editiert

Ich befürchte, Herr B., Sie sind derjenige, der die Sache durch die ideologische Brille betrachtet.

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Elia Blülle
Journalist @Republik
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Sehr geehrter Herr B.,

Wo fehlen die Fakten? Ausserdem: Dass die Erdölwirtschaft – wider besseres Wissen – die anthropogenen Klimaerwärmung geleugnet hat, ist keine Meinung, sondern eine längst aufgearbeitete historisch Tatsache. Hier zum Nachlesen.

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R. B.
Leser
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Oh sorry, I didn't realize that the New York Times is a peer reviewed journal of historical science. My fault;(
Tatsächlich finde es etwas unverschämt einen Zeitungsartikel als Beweis historischer Tatsachen zu bringen. Auf dem Level brauchen wir uns nicht zu unterhalten.

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Timon Zielonka
Sales @ zukunft.com
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Können Sie ein konkretes Beispiel geben, welche Fakten nicht angemessen berücksichtigt wurden?

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R. B.
Leser
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Hier noch eine Zusammenstellung der Weltbank:
https://datacommons.org/place/count…rson&hl=de

... und falls es wirklich jemand interessiert, wie gut wir in der Schweiz sind:
https://www.worldenergy.org/publica…index-2020

Aber diese Fakten würden ja nicht in die ideologische Jammerstimmung passen.

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R. B.
Leser
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Mir geht es auch nicht darum, ob die Veränderungen des Weltklimas menschengemacht sind oder nicht. Mir geht es um die Angemessenheit und Wirksamkeit der vorgeschlagenen Massnahmen. Die eingeforderte Vorbildwirkung der Schweiz für die Welt ist m.E. einfach Unsinn. Mit keinem Vorbild kann man die Länder mit einem pro Kopf - Einkommen unter 1% des Schweizer Durchschnitt davon überzeugen, auf die Verbrennung fossiler Energieträger zu verzichten. Eine Verteuerung in der Schweiz führt über makrökonomische Gesetzmässigkeiten zu Preissenkungen auf dem Weltmarkt. Die Fördermengen ändern sich davon nicht und auch die Menge an verbrannten fossilen Energieträgern ändert sich nicht. Verteuerungsmassnahmen in der Schweiz sind daher für das Weltklima nutzlos. Es wird oft auf die Lenkungswirkung der Zuschläge verwiesen und darauf, dass die vereinnahmten Gelder dann für andere Zwecke, wie z.B. die Förderung erneuerbarer Energien eingesetzt werden. Was die hier oft gemeinte Solarenergie angeht, führt dies jedoch ausschliesslich zum Export des Schweizer CO2-Ausstosses nach China, wo ca. 70% Panels der Welt mit ca. 70% Strom aus Kohle hergestellt werden. Daher funktioniert das mit der Lenkungswirkung auch nicht so einfach.

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Sogar die FDP befürwortet die Annahme des aktuellen CO2-Gesetzes. Das Thema ist nicht nur links-grün, sondern berührt alle, die rechnen können, Nachkommen haben, oder Freunde in bedrohten Erdteilen.

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R. B.
Leser
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Ich kann rechnen (wenn 2 Hochschulabschlüsse als Nachweis reichen), habe 3 Kinder und Freunde in Afrika. Ob irgendeine politische Partei den Mainstream aus welchen Gründen auch immer nun folgt, sagt nichts über die Angemessenheit und Wirksamkeit von Markteingriffen aus. Wenn ich "links-grün" schreibe, meine ich auch nicht "sozial" oder "umweltschützend", sondern ich meine Salonkommunismus und Wohlstandsgrün der aktuellen politischen Akteure. Diese müssen nicht von den Gründen, den Grün-Liberalen oder aus der SP kommen - die finden man überall.

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Ist aber auch allerhöchste Zeit, dass auch die FDP... es sind nur Teile der FDP.

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Spannender Beitrag, herzlichen Dank.
Die Beurteilung des Strassenverkehrs möchte ich aber ein bisschen nuancieren. Es gilt ja eine Kompensationspflicht für einen Teil des CO2, das beim Verbrennen von Benzin und Diesel ausgestossen wird. 2019 waren es 8%. Die CO2-Statistiken müssen also entsprechend angepasst werden: der CO2-Ausstoss des Verkehrs lag 2019 (2020 Daten liegen noch nicht vor) zwar 3,4% höher als 1990 (er nimmt erst seit 2009 langsam ab), aber wenn man davon die 8% abzieht (1,16 Millionen Tonnen CO2), ergibt das ein Minus von 4.6%. Immer noch wenig verglichen mit den -34% bei den Gebäuden, aber immerhin eine Verbesserung. Dies bedeutet aber auch, dass die 1,16 MtCO2 bei anderen Sektoren wieder eingerechnet werden müssen. Die Stiftung Klik, die die Kompensation für die Treibstoffimporteure organisiert, tut dies in allen möglichen Bereichen, so dass es schwierig ist, die Massnahmen den Sektoren des CO2-Inventars zuzurechnen. Ich schätze aber, dass mindestens die Hälfte der Kompensationsmenge bei Industrieunternehmen erreicht wird. Addiert man also 0,6 MtCO2 auf die Emissionen dieses Sektors in 2019 hinzu, dann ergibt das verglichen mit 1990 nur noch eine Emissionsminderung von 20%, und nicht mehr die 28%, die immer gezeigt werden. Also auch weit weniger als der Gebäudebereich. Bis 2008 hat dieser Sektor seine Emissionen gar nicht gesenkt. Es ist m.E. also Zeit, dass geprüft wird, ob die Sonderbehandlung der Grossemittenten - Emissionshandelssystem oder Befreiung von der CO2-Abgabe im Gegenzug für Minderungsverpflichtungen – sicherstellen, dass die Industrie ihren gerechten und effizienten Anteil an der gesamten Emissionsminderung beiträgt.
Prof. P. T., Präsident ProClim

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R. B.
Leser
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Vielen Dank für die Fakten zum Artikel. Sie führen absolute Zahlen der Schweiz an. Wie sieht das im Vergleich zwischen 1990 und 2019 pro Kopf der Schweizer Bevölkerung aus?

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Zwischen 1990 und 2019 hat der CO2-Ausstoss in der Schweiz pro Kopf um 35% abgenommen, also im Durchschnitt um 1,5% pro Jahr. Wenn es so weitergeht, sind wir 2050 auf 2,7 Tonnen pro Kopf, oder 27 Millionen Tonnen bei einer erwarteten Bevölkerung von 10 Millionen Menschen. Das lässt sich nicht mit dem Netto-Null Ziel vereinbaren; niemand erwartet, dass wir in 2050 27 Mt CO2 aus der Atmosphäre saugen und vergraben können.

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Elia Blülle
Journalist @Republik
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Danke für die wichtige Ergänzung, Herr T.

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Samuel Hauser
Webdesigner
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Wieso schreibt ihr im Lead «im Kampf gegen die Klima­erwärmung»? Wieso 1 Kampf? Wieso 1 Kampf gegen etwas, das wir selber verursacht haben.

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Weil der Begriff "Kampf" suggeriert, dass wir tatsächlich etwas gegen den Klimawandel tun können. So meinen wir, besser schlafen zu können. Aber wir regen uns auf, wenn andere nicht mitziehen - es ist also schlecht für unsere Nerven.
Entspannender wäre, wenn wir zur Einsicht gelangen würden, dass es nun mit uns geschieht und wir es einfach beobachten.
Was nicht bedeutet, dass wir uns nicht Mühe geben sollen, CO2-Emissionen zu reduzieren. Aber der Anspruch, das Weltklima zu retten, ist eine totale Überforderung, Selbstüberschätzung - das führt zu Schulterschmerzen, Alkoholmissbrauch und depressiver Verstimmung.

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Timon Zielonka
Sales @ zukunft.com
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· editiert

Wenn wir in den entscheidenen Situationen rational handeln würden, wäre gar kein Kampf nötig. Damit die Schweiz klimaneutral wird, muss nur ca. 4% des BIP richtig investiert werden. Der Alltag wird sich dadurch leicht verändern, aber nicht wirklich schlechter werden. Ähnlich wie die Kocher, die in Entwicklungsländern den Menschen gegeben werden, damit weniger Holz für das Kochen gebraucht wird. Die verursachen weniger Klimagasemissionen, aber das Essen ist deswegen nocht dchlechter. Wir müssen nur präzise Wissen, was gut ist und was nicht. Dies dürfte auch dazu führen, dass die Zinsen wieder leicht positiv sind, was viele wohl eher begrüssen würden. Es ist mir völlig unverständlich, warum wir nicht einmal versuchen zu Wissen, was wirklich sinnvoll ist und was nicht. Ich habe dafür mal ein "einfaches" Spiel vorgeschlagen, aber bis heute wollte niemand mitmachen.

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M. R.
Ratsmitglied Project R Genossenschaft
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· editiert

Lieber Elia, herzlichen Dank für dieses Schlaglicht in die jüngere Vergangenheit, die genau meine Kindheit und Jugend umfasst. Ich erinnere mich noch, als wir 1993/4 in der 3./4. Primar an einem Zeichenwettbewerb für eine Briefmarke teilnahmen. Ich musste 10 oder 11 Jahre alt gewesen sein und mein Entwurf hatte das Coverbild von «Sophies Welt» von Jostein Gaarder als Vorbild, mit dem offenen Fenster, aus dem man auf den Planeten blickt. Nur, dass der Planet mit allerlei Sachen verschmutzt war und eine zerstörte «Umwelt» zeigte. Ich weiss noch, wie sehr ich mir Mühe gegeben habe – natürlich gewann ich den Preis nicht.

Zwei Jahre später im Gymnasium politisierte mich Frankreichs Kernwaffentest auf dem Mururoa-Atoll. Mit einer Handvoll Gleichgesinnter skandierte ich mit einem Plakat «F*** Chirac!». Ich erlebte den Aufstieg der SVP, die «Roaring Nineties» und den «Third Way» von Rot-Grün (aber es gab auch die Kriege: Im Golf, im Balkan, in Sri Lanka). «It's the economy stupid!» – Da die institutionelle Politik vor dem globalisierten Kapitalismus und neoliberalen Marktgläubigkeit zu kapitulieren schien, engagierte ich mich in der altermondialistischen und globalisierungskritischen Bewegung und diversen NGO's, in der Hoffnung, dass die Zivilgesellschaft und mit dieser letztlich auch die Politik bewegt werden könnte.

Doch Wirtschaftshörigkeit, neoliberale Ideologie und kurzfristiges Denken, welche in rücksichtsloser Freiheit und sog. «Eigen-Verantwortung» mündet und im Autofahrer und Vielflieger ihr Sinnbild findet, sind nach wie vor vorherrschend. Desillusion? Resignation? Ohnmacht? Ressentiment? Zynismus? Nein. Manchmal vielleicht. In meinen dunklen Stunden. In Nachtgedanken. Aber vor allem: Weiterfragen. Weiterdenken. Und weitermachen.

Was tun? Ich engagiere mich heute auch parteipolitisch, sowohl in der SP als auch bei den Grünen, da globale soziale Gerechtigkeit und ökologische Nachhaltigkeit zu meinen Grundwerten gehören. Von eminenter Wichtigkeit ist aber das, was Jo Lang sagt: Dass die «Kraft der neuen sozialen Bewegungen in politisches Kapital» umgesetzt wird, aber auch umgekehrt. Nur so können wir einen alternativen, gerechteren und nachhaltigeren Pfad einschlagen.

Mit dem «Pessimismus des Verstandes und Optimismus des Willens» (Gramsci).

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J. W.
Muttersprache NL
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„Weiterfragen. Weiterdenken. Weitermachen.“
Und Weiterfühlen.

„Pessimismus des Verstandes und Optimismus des Willens“
Darf ich da noch Offenheit des Herzens zufügen?

Wieder mal vielen Dank Herr R.

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Anonym 2
· editiert

Dein Kommentar spricht mir aus der Seele. Dabei ist für mich die grosse Frage: Wie viel Energie lohnt es sich auf welche Art und Weise hinein zu stecken?
Bisher hat mir die Philosophie Zizeks - auch wenn zunächst einmal schmerzhaft die Augen geöffnet werden mussten - Kraft gegeben. Dazu hier ein (auch inhaltlich) gutes Überblicksvideo: https://youtu.be/TtIckkHsUQ4
Es scheint für mich ausserdem, dass sich marxistische Analysen - ich denke da z.B. an Lenins Gedanken über Marktmonopole und Imperialismus ("Imperialism, the Highest Stage of Capitalism", 1917) oder an Luxemburgs Kritik der reformistischen Sozialdemokratie ("Sozialreform oder Revolution?, 1899) - weiterhin im Grossen und Ganzen bewahrheiten und es vielleicht radikalere Alternativen zu SP und Grüne braucht. Strike for Future, Frauenstreik Kollektiv, Juso, der Funke oder die Partei der Arbeit sind ein paar Beispiele, die Möglichkeiten bieten. Weiter sehr empfehlenswert das Werk "A People's Guide to Capitalism" von Hadas Thier (Name im Kommentar nachträglich korrogiert; 2020).

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Marktwirtschaftliche Instrumente, wie die CO2 Abgabe. gehen davon aus, dass die Umwelt eine Variable ausserhalb der Wirtschaft sei. Ihre Kosten müssten nur in Form einer Steuer den Verursachern in Rechnung gestellt werden, und alles würde gut. Es muss jedoch nicht verwundern, dass diese, wirtschaftstheoretisch gut abgestützte, etwas gar naive Empfehlung auf politischen Widerstand stösst, so lange die konkreten Umsetzprobleme nicht sorgfältiger geprüft werden. Der Aufstand der Gelbwesten in Frankreich kann durchaus in diesem Sinne verstanden werden. Schliesslich enthält das Konzept der nachhaltigen Entwicklung nicht eine, sondern drei Dimensionen. Effiziente Umweltpolitik verlangt nach Interdisziplinarität, die in der Schweiz auf Glanzpapier gepriesen, aber nicht genügend umgesetzt wird.

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J. M.
Dadpreneur facilitating paradigm shifts
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Unsere Kinder und Enkel werden es ausbaden müssen. Die Veränderungsunfähigkeit der Schweiz verursacht bei mir immer grösseres Stirnrunzeln.

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J. M.
Dadpreneur facilitating paradigm shifts
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· editiert

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H. R.
Realist
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Aktuell ist Mobility Pricing angesagt. Damit soll der Verkehr zeitlich umgeleitet werden, um Staus zu minimieren und in den übervollen öffentlichen Verkehrsmitteln Platz zu schaffen. Auch damit wird der Verkehr für alle, die wirklich darauf angewiesen sind, erheblich teurer. Da wird gerade an Mammut-Programmen gebastelt, die Milliarden verschlingen werden. Hat noch nie jemand darüber nachgedacht, wie man die Reisenden mit günstigeren Angeboten umerziehen könnte. Mit einem Generalabo Light, das nur ausserhalb der Stosszeiten Gültigkeit hat, wäre dies vielleicht möglich. Ein GA Light müsste dazu allerdings massiv vergünstigt werden. Ich denke da an einen Betrag unter tausend Franken pro Jahr. Viele Personen, vor allem die Gruppe der Pensionäre, wären dann in den Stosszeiten kaum mehr im ÖV anzutreffen und auch alle mit flexiblen Arbeitszeiten würden sich wohl umgewöhnen. Die öffentlichen Verkehrsmittel würden dann zwischen 10 und 16 h und ab 20 h nicht mehr halb leer ihre Runden drehen. Vielleicht würden viele auf ihre Autos verzichten, weil man mit den ÖV's plötzlich günstiger ans Ziel kommt. Man träfe viele Fliegen auf einen Streich und dies mit einem ganz einfachen Mittel, ein sehr günstiges GA. Ein positiver Effekt könnte eintreten lange bevor die geplanten Mammut-Projekte ihren Probelauf aufnehmen und auch für das Klima gäbe es positive Effekte.

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Interessanter Gedanke Herr R. Ganz übel ist natürlich die verdammte Pendlerei. Das hätte man so in den 60er Jahren bekämpfen sollen. Da wohnen wo man arbeitet sollte die Devise sein.

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H. R.
Realist
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Das Problem der "Pendlerei" könnte sich deutlich reduzieren, wenn die Lehren aus der Pandemie genutzt werden (home office). Hoffen darf man!

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Anonym 1
Geschäftsführerin, 2 Töchter
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· editiert

Wohnen wo man arbeitet: wenns so einfach wäre. A) wegen fehlendem Wohnraum in den Ballungszentren, und B) weil heutzutage Mami auch arbeitet und teils so gut qualifiziert ist, dass es nicht überall einen geeigneten Job gibt...

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Deprimierend :( aber danke für die Aufarbeitung!

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Elia Blülle
Journalist @Republik
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Merci Ihnen.

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F. S.
· editiert

Danke für diesen Beitrag!
Gerade in der Schweiz haben es die StimmbürgerInnen massgeblich in der Hand: wer CVP/die Mitte, FDP oder SVP wählt, muss sich nicht wundern, wenn es so herauskommt, wie es herausgekommen ist. Und warum wählt man so? Insbesondere wegen notorischer Staatsskepsis und aus beinahe panischer Angst vor individueller Beschneidung, wobei der Gerechtigkeitssinn (Verursacherprinzip, kommende Generationen etc.) weitgehend auf der Strecke bleibt.

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