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Wenn das so weitergeht werden wir noch die Klimawende an globale Ölkonzerne delegieren.

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Janik Vonrotz
Denkt mit.
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Im öffentlichen medialen Diskurs wird über die problematische Abhängigkeit von BigTech und deren Verantwortungslosigkeit gegenüber lokalen Gesetzgebung gesprochen. Im Bundestag in Deutschland und im Europaparlament ist die digitale Selbstbestimmung ein fester Agendapunkt. Das Thema Datenschutz hat mit dem DSGVO endlich Fuss gefasst.

Ich verstehe nicht wie das Ausschreibungsteam so blind und abseits dieser Diskussionen handeln konnte. Die Ausschreibungskriterien lesen sich als ob sie die „Hyperscaler“ selbst geschrieben haben.

Offensichtlich herrscht Überforderung. Wenn man als Auschreibungsteam lediglich dazu fähig ist die neuste Gartner-Hype-Cycle-Studie zu lesen und die Schlagworte als Muss-Kriterien abzubilden, fehlt offensichtlich jegliche Kompetenz eine Ausschreibung dieser Grösse umzusetzen.

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Die Vermutung liegt nahe, dass die "Hyperscaler" tatsächlich einen Einfluss auf die Ausschreibung hatten. Deren Lobbyisten überwiegen bestimmt die Lobbyisten von kleineren Unternehmen - falls es die überhaupt gibt.

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Weltenbürger (du/er)
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«Shared Responsibility» heiss keine Responsibility. Datenschutz mit sekundärer Priorität heisst Datenschutz ohne Priorität. So simpel, so heikel.

Vielen Dank Adrienne für das «definitive» Stück zum Thema.

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Stimme Ihnen zu. Vielleicht sollten wir stattdessen von „organisierter Unverantwortung“ sprechen.

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In der Psychologie gibt es dafür den Begriff Verantwortungsdiffusion. Je mehr Akteure hingucken sollen, desto weniger wird tatsächlich hingeguckt und noch weniger reagiert.

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"Blockchain" als Anforderung erregt einen Verdacht: Hier hat sich jemand mit wenig Sachverständnis von einem Verkäufer und seinen Hype-Wörtern übertölpeln lassen.

Denn:

  1. Blockchain ist nur ein sehr gehyptes Konzept welches auf der Suche von Anwendungen ist. Der Hype wird zur Zeit für diverse Blödsinnigkeiten und Betrügereien gebraucht.

  2. Blockchain hat mal gar nichts mit einer Cloud Infrastruktur zu tun.

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Leseratte
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Danke für diesen guten Artikel Frau Fichter. Interessant wie die Schweizer Politiker vor den abstrusesten Dingen Angst haben (z.B. EU etc. ...), andererseits aber komplett blauäugiges Verhalten bei solch bedenklichen Dingen, wie die Wolke, an den Tag legen.

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Adrienne Fichter
Redakteurin @ Republik
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Danke für Ihren Kommentar! Ich denke die BundesparlamentarierInnen haben sich zu spät eingeschaltet, das Verfahren wurde auch sehr unpolitisch geführt, mit ExponentInnen aus der Wirtschaft mehrheitlich. Die Bundesverwaltung hat zwar alles sauber dokumentiert und kommuniziert. Doch die publizierte Cloud Strategie von Dezember 2020 fand keinen Widerhall, weder gross in den Medien und schon gar nicht in der Bundespolitik. Es wäre wohl besser gewesen man hätte nicht nur eine interne Ämterkonsultation durchgeführt, sondern auch die Anliegen bezüglich Cloud Act und klassifizierten Daten in einer Public Cloud bei den verschiedenen Parteien abgeholt.

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Das gibt's doch nicht! Dieser Case beunruhigt mich mehr als die F-35 Beschaffung, welche noch durch das Parlament muss. Auch hier offensichtlich überfordert. Aktuell kann ich keinen Politikbereich erkennen, der vom Bundesrat kompetent geführt wird. Hier müssen alle Rollen neu besetzt werden. Leider geht das noch zwei Jahre.

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Auch wenn dieser Artikel als Recherche bezeichnet ist, so hätte ich mir gerade bezüglich "Daten in der Cloud" eine tiefergehende Erläuterung/Kontext erhofft, welche für den Diskurs hilfreich wäre: bei der Beschaffung ging es den Anforderungen zufolge nicht nur um eine reine Datenspeicherungslösung (was halt mit "Daten in die Cloud" suggeriert wird), sondern man wählt hier einen Cloud-Provider für "Everything as a Service (XaaS)" (insbesondere auch Dinge deren konkreten Nutzen noch nicht vorhanden sind - Blockchain?!). Auch der Begriff "Sicherheit" scheint von den verschiedenen Akteuren unterschiedlich oder in verschiedenen Kontexten interpretiert zu werden.

Dass man halt nicht nur die Daten, sondern auch gleich Dienste über die Cloud beziehel will, ist vermutlich dem Geschäftsmodell mit der Datenspeicherung der Hyperscaler geschuldet, bei welchem Kosten sowohl für die Datenvorhaltung als auch für den Abruf anfallen (siehe z.B. die Amazon S3 Kostenstruktur), AUSSER man ruft die Daten von anderen Diensten des gleichen Cloud-Providers ab (innerhalb der gleichen Region). Also: du kannst gratis Daten hochladen, diese werden dann fast gratis dort gelagert, aber wenn du die Daten runterladen willst, musst du zahlen. Ausser du machst das was du mit deinen Daten machen willst auch direkt in der Cloud beim gleichen Anbieter im selben Speicherstandort.
Neue dystopische Ausrede der Ämter um Daten nicht zur Verfügung zu stellen: wir haben kein Budget um diese herunterzuladen ;-)

Was mich hier auch noch interessieren würde: dies alles basiert auf vertraglich zugesicherte Verfügbarkeiten, deren Rechtsrahmen durch Staaten gewährleistet wird. Insbesondere bei ausländischen Firmen habe ich seit der Maskenblockadegeschichte durch Deutschland (und/oder Frankreich?) hier einige Mühe wenn sich die Schweiz freiwillig in weitere Abhängigkeit begibt. Dies geschieht bis zu einem gewissen Grad auch bei Beschaffung von Hardware, dabei kommt es jedoch selten zu einem Ausfall aller Rechner gleichzeitig (ausser man lässt sich auf ablaufende Lizenz für Hardware, oder an Hardware-gebundene Software-Lizenzen ein).
Und beim zugesicherten Datenschutz und Integrität der Daten sieht es dann natürlich nochmals einiges löchriger aus.
Und zuletzt wäre es auch noch spannend zu sehen, in welchem Umfang hier der Bund seine Verantwortung zu CO2-Reduktion wieder einmal externalisiert (bezüglich Stromverbrauch in Rechenzentren eine vom Bund geförderte Studie: https://www.bfe.admin.ch/bfe/de/hom…83072.html).

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Adrienne Fichter
Redakteurin @ Republik
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Merci für Ihren Kommentar! Ja in der Tat wollte ich noch ein Glossar einfügen...und hab die ganze Cloud-Typologie eher nur "gestreift". Daher wurde aus dem Text mehr eine investigative Recherche und weniger ein Erklärstück (was auch dem Umfang des Texts geschuldet ist), Ich hab bezüglich den Hyperscalern als eierlegende Wollmilchsau einfach festgehalten, dass diese eben alle möglichen Dienste anbieten (nicht nur Datenspeicherung sondern eben auch -verarbeitung). Auch Dienstleistungen die vielleicht eben gar nicht wirklich benötigt werden.

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"Das Dilemma ist offensichtlich: Nur die grössten Big-Tech-Unternehmen können die Kapazitäten und den hohen Standard an IT-Sicherheit garantieren, die ein anspruchs­voller Grosskunde wie die Schweizer Bundes­verwaltung braucht."

Das tönt nach Cloud-Mythos.

Genau was die grössten Big-Tech-Unternehmen uns glauben lassen wollen.

Das Dilemma ist für mich nicht offensichtlich. Es ist eher so dass die genannten Cloud Unternehmen die IT-Sicherheit eben nicht garantieren können. Denn IT Sicherheit heisst auch dass US/Chinesische Geheimdienste keinen offenen Zugang haben.

Und was sind denn die Bedürfnisse der Schweizer Bundesverwaltung? Blockchain wohl kaum. Verteilung auf drei Kontinente ist sicher nicht Kern der Sache. Unabhängigkeit von US/chinesischen Machtinstrumenten vielleicht schon. Da sollte man sich auch nicht von 'billigen' Angeboten blenden lassen.

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Ralph Moser
Software-Ingenieur
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Wenn man diesen Beitrag und die Serie zu der Flugzeugbeschaffung liest, muss man tragischerweise zum Schluss kommen, dass unser Bundesrat und die dazugehörigen Ämter hoffnungslos überfordert sind, vielleicht sogar korrupt. Ein Debakel folgt dem Anderen. Kann man diesen Leuten noch trauen? Ich für meinen Teil habe den Bundesrat auch während der Pandemie immer verteidigt, aber diese Inkompetenz geht zu weit. Diese Leute sind im letzten Jahrhundert stehen geblieben. Man kauft Flieger für Milliarden und verscherbelt das höchste Gut unserer Zeit, die Daten und deren Zugriff, zum Nulltarif. Die Kriege finden bereits heute im Internet statt, da nützen Tarnkappen-Bomber herzlich wenig.
Was hätte man doch mit 6 Milliarden für eine IT-Infrastruktur und Know-how aufbauen können. An Wissen in diesem Bereich fehlt es in unserem Land wahrlich nicht. Ein Trauerspiel!

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Zeno Davatz
Inhaber
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Der Bundesrat versteht leider nicht sehr viel von Netzwerken und rennt einfach den Schlagwörtern der grossen IT-Beratungsfirmen hinterher. Wenn Botschaften, Generalkonsulate und Kooperationsbüros sowie Missionen bei internationalen Organisationen vernetzt sein müssen, kann das ohne weiteres auch über eine Schweizer Cloud laufen. Wenn ein Land das Internet abschaltet, dann muss die Botschaft in diesem Weg via Satellitentelefon oder einer anderen Kommunikationsform einen Weg finden. Die IPs der grossen Datenzentren im Ausland werden immer zuerst geblockt.

Ich hoffe der Artikel weckt den Schweizer Ehrgeiz die besten Datenzentren der Welt in der Schweiz zu bauen.

Die meisten Datenzentren wie AWS, Azure, Alibaba und Google Cloud beruhen ohnehin praktisch ausschliesslich auf OpenSource Software.

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Sehr überraschend, was wir aus dem Artikel erfahren. Allein das Argument "fragt doch die Bürger" ist mir aus zwei Gründen suspekt:

  • Eine emotionale Antwort auf eine technische und juristische Fragestellung ist wenig hilfreich. Zumal im Artikel ja genug rechtliche (und damit politische) Gründe genannt wurden, die Vergabe und den Entscheid anders zu gestalten

  • Ich kenne diese Diskussionen aus eigener Erfahrung. Wenn es nicht regulatorische Gründe für eine Datenhaltung in der Schweiz gibt, tritt der Lokalpatriotismus als Motivation meistens in den Hintergrund, wenn der Kostenvergleich zeigt, dass eine Nutzung von Ressourcen ausserhalb der Schweiz günstiger (und rechtlich problemlos) ist

Eine differenzierte Ausschreibung, die auf eine Multicloud-Strategie hinarbeitet, in der auch lokale Anbieter eine reelle Chance haben, wäre sicher wünschenswert. Das Argument "nur die Grossen sind innovativ" ist im KMU-Land Schweiz mit einer sehr lebendigen und aktiven Startup-Szene schon unerwartet ;)

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Simon Reber
Software Entwickler, Familienvater
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Mit dem Entscheid, Daten in belanglose und wichtige Kategorien zu unterteilen, ist das 'rechtlich problemlos' bereits Makulatur. Es ist zu 100% sicher, dass eher früher als später wichtige Daten in der unsicheren Cloud landen. Sei es, weil der betreffende Mitarbeiter die Wichtigkeit der Daten falsch eingeschätzt hat, oder weil er nicht mehr weiss, dass es zwei Arten von Clouds gibt. Sind die Daten erst mal dort, und sei es auch nur für 5 Min, dann sind sie unwiederbringlich kompromittiert, weil niemand mehr sagen kann, ob sie kopiert, wurden oder nicht.
Von daher bevorzuge ich hier die emotionale Antwort vor der Technischen.

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Wir haben ja Kategorien von Daten, die wir als schützenswert erachten:

  • Daten über Menschen sind in Personendaten und besonders schützenswerte Personendaten (und öffentliche Daten) unterteilt

  • Wir haben Infrastrukturen als kritisch eingeteilt und einen höheren Schutz für die mit ihnen verbundenen Daten normiert

  • Die Anforderungen an den Datenschutz im Finanzmarkt sind erhöht

  • Oft vergessen: Auch Geschäftsgeheimnisse sind schützenswert

So viel Spielraum besteht also nicht, wenn man sagt, dass "unproblematisch" nur die Daten sind, die in keine dieser Kategorien fallen. Aus meiner eigenen Erfahrung weiss ich, dass die öffentliche Hand diese Regeln sehr ernst nimmt und eher defensiv als offensiv agiert, auch wenn der Artikel einen anderen Eindruck erwecken könnte, wenn man die Erkenntnisse verallgemeinert.

Im Ergebnis sind wir dann vermutlich sehr eng zusammen, denn auch emotional betrachtet ist es vermutlich für die wenigsten Bürger eine Herzensangelegenheit, dass die öffentliche Webseite des Bundes mit Schweizer Bits betrieben wird - während ich mich weniger wohl fühlen würde, wenn meine persönliche Steuerabrechung bei einem Anbieter in einem Land mit einem ungenügenden Datenschutz befindet.

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Rolf Wilhelm
IT Nerd
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Sich massgeblich von Gartner (einem US Konzern) beraten zu lassen macht irgendwie den Block zum Gärtner. Es wundert mich, dass die keine Argumente gefunden haben, die Chinesen auszuschliessen - vielleicht wäre das aber auch nur zu offensichtlich gewesen.

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Dipl. El. Ing HTL/ETS
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Die Verlagerung auf ausländische Cloudanbietern ist mindestens bei der offiziellen Webseite und Gesetzessammlung des Bundes admin.ch schon erfolgt. Mit dem Tool wpscan erhält man die Informationen HTTPserver: Cloudfront (AWS) und Country: United States US. Es wurden also schon vollendete Tatsachen geschaffen.
Eine Recherche mit dem MS Befehl nslookup ergibt das gleiche Ergebnis.

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AWS Cloudfront ist ein Content Delivery Network. Die Daten werden abhängig vom (Netz-)Standpunkt des Benutzers ausgeliefert. Wo der "eigentliche" Server steht, ergibt sich daraus nicht. Die Nutzung eines CDNs macht für eine Webseite wie admin.ch aus Performance- und Sicherheitsaspekten sehr viel Sinn - und gerade beim CDN macht auch wieder ein globaler Anbieter Sinn, der in der Lage ist, weltweit Daten auszuliefern.

Das zeigt vor allem, dass eine Schwarz/Weiss-Betrachtung schwierig ist - "Swissness um jeden Preis" ist genau so wenig zielführend wie "Big Player um jeden Preis"..

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Dipl. El. Ing HTL/ETS
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Besten Dank für die Erläuterung. Das der Server von AWS auch in der Schweiz stehen kann, ist mir klar. Gerade jetzt baut Amazon in Winterthur ein neues Datacenter. Was ich damit sagen wollte, war dass der Bund schon heute Clouddienste vom Ausland bezieht.

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Die Nutzung eines CDNs macht für eine Webseite wie admin.ch aus Performance- und Sicherheitsaspekten sehr viel Sinn - und gerade beim CDN macht auch wieder ein globaler Anbieter Sinn, der in der Lage ist, weltweit Daten auszuliefern.

Ich kenne die Nutzungsstatistiken von admin.ch und anderen Bundesdiensten nicht. Allerdings scheint es mir nur logisch, dass der Löwenanteil der Zugriffe (>90%?) aus der Schweiz erfolgt. Die Schweiz ist (netz-)geographisch klein genug, dass es dafür keine CDNs braucht - schon gar keine globalen.

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Daten, die sowieso öffentlich verfügbar sind halte ich für unkritisch. Die könnten sich die jeweiligen Nachrichtendienste ja ganz einfach als regulärer Besucher der Webseite herunterladen.

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Dies scheint wie eine Realsatire zum Thema, dass es bei einem Ausschreibungsverfahren oft nur noch darum geht einen Entscheid zu rationalisieren und legitimieren, den jemand im Herzen schon lange gefällt hat. Oder zu der Binsenwahrheih unter B2B Sales-Leuten, dass man selten ein RFP gewinnt, an dessen Pflichtenheft man nicht direkt oder indirekt selber mitgeschrieben hat.

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Cloud Mythos: Eine Bundes-Cloud muss mit den amerikanischen und chinesischen Cloud Anbieter mithalten können.

Nein, muss sie nicht. Denn die Anforderungen sind ganz anders.

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Mathematiker in IT, Bildung und Beratung
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Grüezi Anonym

… Anforderungen sind ganz anders.
Welche meinen Sie? Oder sind nicht eben gerade die Anforderungen die Crux?
Best Grüsse, K.A.

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Ich denke an folgende:

  • Kontrolle: Ein Argument für Hyperscaler ist die Gewissheit, dass die Plattform beständig ist. Das ist wichtig. Wäre aber mit einer eigenen Lösung besser garantiert. Was, wenn der gewählte Hyperscaler plötzlich doch was ändert? Ich weiss nicht ob sich da viel machen lässt.

  • Grössenordnung: Ich schätze mal ganz grob dass eine Bundes-Cloud Infrastruktur mehrere Grössenordnungen kleiner ist als eine Hyperscaler Infrastruktur. Trotzdem wäre sie gross genug sodass z.B. Fluktuationen der Auslastung relativ klein sein sollten.

  • Standort: Hauptsächlich müsste diese Cloud aus der Schweiz gut erreichbar sein. Verteilen auf 3 Kontinente ist bestimmt ein eher seltenes Bedürfnis.

  • Das ganze "Datamining" fürs Werbegeschäft braucht die Bundes Cloud nicht.

  • Blockchain als generelle Anforderung tönt "birnenweich". Wenn schon, sollte das eine Applikation die auf der Cloud Infrastruktur läuft. Das tönt sehr nach einer Anforderung die zuerst noch einen Nutzen finden muss.

Ich vermute, die hauptsächlichen Verwendungszwecke einer Bundes Cloud wären Datenspeicherung und Hosting von VMs oder Containern. Sowas haben inländische Anbieter durchaus im Griff. Mit 110 Millionen lässt sich das auch vernünftig skalieren.

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Trump hat dazumal Huawei den Saft abgedreht, als Google plötzlich das Betriebssystem Android nicht mehr an Huawei liefern durfte.

Was, wenn die Regierung des jeweiligen Dienstleisters aus politischen Motiven (Sanktionen, Ausübung von Druck) entscheidet, dass dieser Dienstleister keine Kunden in der Schweiz mehr bedienen darf? Dann sind die dort gespeicherten Daten plötzlich offline. Da muss diese Regierung noch nichteinmal den Anbeiter zwingen, da werden werden per BGP (Border Gateway Protocol) der beteiligten Netzdienstleister eine Auslieferung an die Schweiz global einfach abgedreht. Ähnlich machen das andere Regimes ja schon länger umgekehrt mit ungeliebten Services wie Twitter, Google und Facebook.

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Mathematiker in IT, Bildung und Beratung
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· editiert

Ich mag den Artikel, auch wenn er wenig alternative Ideen zum Thema bietet und unter dem Lack der berechtigten Kritik durch die vierte Macht eine deftige Portion von Absurdität, Irrsinn und Depression enthält.

Das Hauptproblem ist wohl ein ganz einfaches:
Den Techgiganten und den beiden rivalisierenden Grossmächten (*) gehen Ansichten und Wünsche des Rests der Welt sowas am A… vorbei. Die für den Rest der Welt bestimmte Auswahl besteht vermutlich aus

  • mit erhobenem Haupt abseitsstehen,

  • etwas selbst versuchen mit hohem ‚Seifenkisten‘-Risiko oder

  • demütig das nehmen, was uns angeboten wird.

Das ist natürlich nicht gerade attraktiv für vollmundige Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Vermutlich ist eine gute Mischung das Gesündeste. Ich persönlich mag Seifenkisten (lieber nicht zum Fliegen) und wenn dann mal wieder ein Rad abfällt, so können wir doch mindestens unsere unterbelichtete ‚Scheiterns-Kompetenz‘ etwas erweitern. Damit kann man sogar ‚der besten Armee‘ von Ueli, der Milliarde zum Nachbau des menschlichen Hirns durch die EPFL und sogar dem Panzer68 etwas Gutes abgewinnen.

(*) Vielleicht interessanter Nebengedanke: Warum nicht zu ‚China gegen USA‘ eine ‚Europa zusammen mit Indien‘ ?

(edit: Typo)

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Leserin
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Daten sind auch Rohstoffe. Als reiches Datenentwicklungsland füttern wir die Datenhungrigen der Welt. Was haben wir aus der Geschichte von rohstoffreichen Entwicklungsländern gelernt?

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Ich stimme zu, muss aber betonen, dass man sich Daten nicht wie Öl vorstellen darf. Das führt zu verzehrrten Wahrnehmung wie Geschäftsmodelle im Umgang mit Daten funktionieren.

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Ich bin nur gespannt, wann sich Ausfälle der weltweiten Datenzentrierung im Alltag bemerkbar machen. Amazon hatte letztens schon mehrfach einige Stunden Ausfall zu beklagen. Eigentlich war das dem Internet zugrundeliegende Konzept eines mit verteilten Systemen und redundanten Übertragungswegen, was in den Zeiten der für die Systembetreiber so komfortablen Clouds vollends über Bord geworfen wird. Hochspezialisierte und -bezahlte Fachleute, die dann doch alles an Konzerne oder andere "Spezialisten" abtreten (Pensionskassen entwickeln sich ähnlich). Wenn die derzeitigen Lieferkettenprobleme nicht ein Warnzeichen für überzogene, internationale Konzentration sind, was dann? (Oder ist es nur eine künstliche Verknappung als Test für die nächste Stufe des Turbokapitalismus? Abhängigkeiten schaffen und dann erpressen?)

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Liebe Frau Fiechter, als politisch interessierter Informatiker freue ich mich immer sehr auf Ihre Beiträge, auch wenn sie für meinen Geschmack leider zu selten erscheinen ;-)

Zum Thema: digitale Souveränität ist für mich der grosse politische Knackpunkt in der heutigen IT. Oder konkreter: auf wieviel Souveränität sind wir bereit zu verzichten nur weil es billiger ist? Und wer entscheidet das?

In der Privatwirtschaft muss ich es als Angestellter akzeptieren, wenn mein Arbeitgeber meine Daten in der Cloud lagert. Oder dann halt kündigen. Soweit so gut (wenn auch nicht wirklich toll für mich). Aber im öffentlichen Bereich gelten andere Regeln: Als Bürgerin, Steuerzahler kann ich nicht künden. Noch heikler ist es in der Schule: Ich kann nicht nur nicht künden, sondern bin sogar noch minderjährig.

Trotzdem hat es zB Microsoft geschafft, mit Educa einen Rahmenvertrag abzuschliessen, der - mit welch abenteuerlichen Argumenten auch immer - den Schulen erlaubt, ihre IT auf Basis von Office365 'Datenschutzkonform' einzuführen - obwohl klar ist, dass der amerikanische Staat Zugriff auf die Daten hat, solange Microsoft-Angestellte Zugriff haben - selbst wenn die Server in der Schweiz stehen. Und ich als Vater von eingeschulten Kindern kann nur noch zuschauen. Unglaublich!

Zur digitalen Souveränität gehört auch, dass man genügend Know How im Land hat. Auch da ist der Bund aus meiner Sicht in der Verantwortung, seinen Beitrag zu leisten. Schweizer Anbieter von Anfang auszuschliessen finde ich schon extrem kurzsichtig.

Bei der Cloud sprechen wir von Services und stellen dann fest, dass wir uns in einen riesigen goldenen Käfig begeben haben, der zwar komfortabel ist, aber wenn ich z.B. von AWS zu Azure wechseln will, werde ich einen substantiellen Teil meiner 'low code' Konfiguration anpassen müssen. Weil mir das zu mühsam ist, bezahle ich dann halt die nachträglich erhöhten Abogebühren.

Das führt mich zum letzten Punkt: Wir haben schon ohne Cloud ein ähnliches, aus meiner Sicht grundlegenderes Problem. ein bisschen off topic): Digitale Souveränität beinhaltet unter anderem, dass die Daten, die ich hergestellt habe, auch wirklich mir gehören. Das ist schon bei einer .docx Datei nicht gegeben. Microsoft hat es zwar mit politischen Tricks geschafft, dass .docx-Format als technischen Standard festlegen zu lassen - nur ist die Spezifikation davon ein Wälzer mit 6000 Seiten und enthält Spezifikationen wie 'do word wrapping like Word 6.0' und damit wertlos.

.docx kann also nur von Microsoft-Programmen gelesen und geschrieben werden - um auch in Zukunft Zugriff auf MEINE Daten zu bekommen, werde ich auch in der Zukunft bei Microsoft ein Programm kaufen müssen. Es gibt zwar andere, die das auch - so halb - können (zB Libreoffice), aber da der .docx 'Standard' so umfangreich und 'unimplentierbar' ist, gibt es beim Datenaustausch zwischen Word und Libreoffice so viel (eigentlich kleine) Probleme, so dass im täglichen Gebrauch ein Mischbetrieb nicht machbar ist, ohne die User massiv zu verärgern. Diese gegenseitige Abhängigkeit ist der Hauptgrund, dass es für einen einzelnen so schwierig ist, von der 'Droge' Microsoft wegzukommen. Und jetzt machen wir frischfröhlich denselben Mist mit der Cloud.

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Hat jetzt zwar nicht direkt etwas mit der Cloud Sache zu tun. Aber ich warte schon lange auf ein kleines feines schlankes Produkt, das von Normalusern einfach zu bedienen ist und für den Normaluser auch alles wichtige kann.
Alle paar Jahre neue Geräte anschaffen, obwohl die alten noch einwandfrei funktionieren, nur weil Microsoft und Apple ihre Produkte immer mehr überladen mit Dingen, die ein durchschnittlicher Anwender gar nie braucht, macht mich echt sauer. Es ist eine weitere nicht notwendige Verschleuderung von Ressourcen.

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Kopfüber
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Betreibt genossenschaftlich gehostete Nextcloud-Server im eigenen Keller für euch und eure freunde und Familien. Bildet Daten-Banden! Dezentrale-lokale Clouds, die mit opensource-software laufen. Fällt jemandem was besseres ein? Es ist mühsam, aber machbar. Die Knacknuss ist, wie N. I. schon sagte, die Trägheit, die die bereits eingegangenen Abhängigkeiten auslösen. Man klebt an den proprietären softwares und an den datenhungrigen sozialen Netzen, weil man alle Daten in deren standard vorliegen hat bzw. alle Freunde dort sind. Es braucht tools für eine einfachere und gelungene Migration ins Land der Datensouveränität.

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Im Bereich der Office Pakete: LibreOffice. Ich benutze es schon seit sehr vielen Jahren als vollwertigen Ersatz für Microsoft Office, und ich weiss nicht nur von vielen Privaten, sondern auch von recht grossen KMUs, die es mit Erfolg und grossen Kostenvorteilen einsetzen.
Der Umstieg war seinerzeit schmerzloser als jeweils der Wechsel zu neuen Microsoft Office Versionen, die die alten Hakeligkeiten hinter umgestalteten fancy Oberflächen versteckten.

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Adrienne Fichter
Redakteurin @ Republik
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Lieber Herr I. Vielen Dank für Ihre Nachricht und Ihre interessanten Ausführungen. In der Tat zeigt sich die (Un-)Souverenität bereits bei technischen Standards, die von den Grosskonzernen festgelegt werden. Über die Rahmenverträge von educa.ch mit Big Tech hab ich übrigens auch schon berichtet: https://www.republik.ch/2021/06/28/…hulleitung

Ich kann mir Ihre Ohnmacht (schulischer digitaler Alltag) diesbezüglich sehr gut vorstellen.

Und ja: mein Tag hat leider nur 24h Stunden. Es gibt zu viele relevante und brennende netzpolitische Themen, am liebsten würde ich natürlich alle davon abdecken:) Falls Sie ab und zu "nerdigere Kost" von mir lesen möchten: Mit meinem Kollegen Patrick betreibe ich noch einen techjournalistischen Blog, ein kleines Nebenprojekt von uns: www.dnip.ch

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Danke für den Link auf www.dnip.ch
Ich bin schon froh, nicht alleine eine kritische Haltung im Umgang mit IT zu pflegen. Die meisten im meinem Umfeld rümpfen darüber die Nase, da sie kurz von ihren Smartphones aufsehen müssen ; )

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Wen wundert's?
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N. I., Ihr Kommentar ist so treffend! Danke!

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Elefant im Raum: Hier geht es auch um geopolitische Interessen. Kritische Infrastruktur anderer Staaten zu betreiben ist ein sehr effektives Mittel jene unter Kontrolle zu haben.

Wir sollten uns nicht noch mehr in diese Abhängigkeit stürzen nur um ein paar Franken zu sparen.

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Simon Reber
Software Entwickler, Familienvater
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Wieder einmal bin ich fassungslos, ob der Kleingeistigkeit der Schweiz.

  • Die Evaluation, ob es ein Bedürfnis für die Swiss-Cloud gibt, wird gestartet, nachdem einer der potenziell grössten Kunden, die Bundesverwaltung, aus dem Rennen genommen wurde.

  • Der Entscheid, die Daten in ein sicheres und ein unsicheres System zu verteilen ist an Dummheit kaum zu überbieten. Es ist doch absolut klar, dass es dort zu Pannen kommen wird und sensible Daten in der unsicheren Cloud landen werden.

  • Die Naivität der Beteiligten kennt offenbar keine Grenzen. Völlig egal was in den Verträgen drinsteht, wenn die US-Regierung oder die KP in China diese Daten haben will, dann werden sie sie kriegen.

  • Wozu um alles in der Welt braucht die Bundesverwaltung Datenanalyse, Bilderkennung, Internet of Things und Blockchain. Diese Marketinggag-Tools führen dann dazu, dass ich freitags eine automatisch generierte Mail erhalte, ich hätte eine wunderbar entspannende Woche hinter mir, obwohl ich unter Höchstdruck ein dringendes technisches Problem lösen musste und fast einen ganzen Tag Überstunden anhäufte, aber halt wenige Sitzungen hatte... Wenn die Bundesverwaltung Datenanalysen benötigt, dann kann sie ja das Bundesamt für Statistik damit beauftragen. Dort sollten die entsprechenden Kompetenzen und Tools ja hoffentlich vorhanden sein.

  • Das Betreiben einer eigenen Lösung sichert Kompetenzen und Know-how, Investitionen und Arbeitsplätze in der Schweiz, auch wenn es teurer als bei Amazon oder Microsoft ist. Und wenn sich die Plattform etabliert und wir eine vertrauenerweckende gesetzliche Grundlage schaffen, haben wir die Chance einen Nischenmarkt mit guten Ertragsmöglichkeiten zu besetzen.

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Danke, Adrienne Fichter, für diesen wichtigen und gut recherchierten Artikel. Er gibt dem unglaublichen (und ungläubigen) Staunen, das der seinerzeitigen Meldung des Magazins «Inside IT» folgte, einen fundierten Fakten-Hintergrund.
Im Ersten Abschnitt "Die Verwaltung will in die Cloud" ist die Rede von "fehlendem Bewusstsein" der Akteure bei einer "Frage von höchster politischer und öffentlicher Brisanz". Dieser Artikel trägt hoffentlich zur Bewusstseinsbildung bei.

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Zu Gaia-X:

Gaia-X hätte die EU unabhängiger von US Cloud Anbietern machen sollen.

Aber:
Eine US Firma aus der Überwachungsecke namens "Palantir" war zu Beginn Teil des Projekts. Palantir wurde von Peter Thiel gegründet. Thiel zeigt sich nahe zu Trump und stellte kürzlich den korrupten ehem. österreichischen Bundeskanzler Sebastian Kurz ein. Da sollten schon die Alarmglocken läuten.
Dann wurden Google, Microsoft, Amazon ins Boot geholt weil man ja ohne die sowieso nichts machen könne.
Wir wollen uns von Big-Tech unabhängig machen und lassen Big-Tech an vorderster Front bestimmen wie das passieren soll. Somit war das Projekt von Beginn gescheitert.

Big-Tech hat eine starke Lobby. Eine verzerrte Wahrnehmung der Politik ist dabei zu erwarten. Das ist nicht zu unterschätzen.

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Es ist eigentlich unverständlich. Alleine schon die Möglichkeit, dass eine fremde Regierung Einsicht in sensiblen Daten hat müsste ein Killerkriterium sein. Es handelt sich schliesslich nicht um Landschaftskarten.

Ohne sich jetzt in Verschwörungstheorien ergehen zu wollen, aber im Zusammenhang mit dem höchst fragwürdigen und undurchsichtigen Entscheid zu den F-35-Fliegern frage ich mich, inwieweit geopolitische Überlegungen bei der Ausschreibung eine Rolle gespielt hatten.

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Wen wundert's?
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· editiert

«Zugleich ist uns bewusst, schränken wir hiermit den Markt auf weltweit präsente Public-Cloud-Anbieter ein… was aber auch durchaus gewünscht ist. Nur die Grössten-der-grossen haben genügend Innovations­potenzial um dauerhaft überleben zu können (…)»

Innovation kann Mensch auch mit Abhängigkeit von China und USA gleichsetzen.
Danke für den interessanten Artikel. So bootet Politik und Staat CH Firmen aus. Irgendwo, weiss leider nicht mehr wo, habe ich auch über Threema Sachen gelesen, die mir nicht gefallen. Datenschutztechnisch.
Google, von meiner Seite, nein Danke. Ich will "meine Daten" nicht bei Alibaba, Amazon, Google, Microsoft und Konsorten wissen. Alles Konzerne, welche die gesamte Welt im Zangengriff haben.
In Sachen Digitalisierung ist noch viel zu lernen. Unsere Regierung will wahrscheinlich gar nicht, dass Schweizer Unternehmen gut und innovativ sind. Potenzial an klugen Köpfen in der IT besteht, aber wird nicht genutzt. Viele Wettbewerbe werden vermauschelt, auch in kleineren Ligen.

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... nur hilft das auch nicht weiter eigene Datenspeicher in den Schweizer Alpen zu bauen , wenn nachher US-Amerikanische & Chinesische Computer und Software zur Verarbeitung herhalten müssen .... geschweige von den benötigten Netzwerken.
Auch der Aspekt dauerhaft Überleben ist in der IT ein Widerspruch in sich selbst ..... IT verlangt eine andauernde Aufmerksamkeit und Weiterentwicklung. Nach 5 Jahren ist da kein Stein auf dem andern. Flexibilität und nicht Reduit ist gefragt

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Wen wundert's?
·
· editiert

Naja wenn Sie meinen ich hätte von eigenen Datenspeichern in den Schweizer Alpen geschrieben, haben Sie wohl zuviel in meinen Text hineininterpretiert ;-).
IT benötigt, genau wie Sie schreiben, dauernde Flexibilität. Andere Branchen auch, wie diese, auf der Sie schreiben ...

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Und da soll man Politikern noch vertrauen?

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Wenn an jemand Kritik angebracht ist, dann an das Ausschreibungsteam. Die Politiker warn in diesem Fall die kritischen Stimmen.

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Weltenbürger (du/er)
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Nachdem das ganze von der Öffentlichkeit wahrgenommen wurde.

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Die Parallelen zur Kampfjetbeschaffung sind nicht zu übersehen.

Für welche Beobachtungen haben wir eigentlich noch Bundesrat und Verwaltung, wenn sowieso alles von den robotic overlords aus Amerika erledigt wird?

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... ja bis jetzt hat jede grössere Beschaffung des Bundes zu einem Desaster geführt .... ob VBS oder BAG oder die anderen 49 Bundesämter, Inkompetenz, Rechthaberei und Ignoranz regiert die Schweiz!

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Software-Architekt
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Ich habe die Dokumente nicht alle absolut im Detail studiert, aber mir als Fachmann stossen vor allem zwei Dinge sauer auf:

Erstens: Man spricht über Cloud und argumentiert mit Innovation. Die Vorstellung ist offenbar, dass eine innovative Datenverarbeitung nur möglich ist, indem man die Daten einer innovativen Firma zur Verarbeitung gibt. Die Alternative, innovative Software zu kaufen und selber zu betreiben, wird als "zu teuer" und "zu wenig flexibel" etikettiert, ohne den hausgemachten Gründen für diese Probleme auf den Grund zu gehen.

Anekdote dazu: Wir entwickelten eine Software für ein Bundesamt. Unser Kunde wünschte sich neben der produktiven Installation noch eine zusätzliche Umgebung für die Durchführung von Schulungen, und bestellte dazu beim Informatik-Service-Center des Departements eine Offerte. Kostenpunkt für 1 Server + 1 DB Server: eine halbe Million Franken - pro Jahr! Das Bundesamt hat uns dann beauftragt, die Software umzuschreiben, damit der Applikationsserver der Produktion für bestimmte Benutzer mit einer anderen Datenbank spricht, und so für die Schulung ein Server eingespart werden kann.

Oder die Inbetriebnahme (fachsprachlich: "Integration") neuer Versionen. Laut verbindlicher Weisung des Departements darf neue Software nur an "Integrationswochenden" installiert werden, von denen es etwa 3 im Jahr gibt. Die Idee war wohl, die Wochendarbeit zu bündeln. Eine Integration in den Abendstunden, wie sie von normalen Rechenzentren praktiziert wird, war nicht möglich. Auch nicht, wenn die Integration innert einer halben Stunde erledigt werden könnte. In der Praxis hiess dass, das wenn ein kritischer Fehler es durch die Tests schaffte die Korrektur erst 3 Monate später in Betrieb genommen werden konnte.

Dass unseren Kunden die hohen Kosten und die starren Konzepte seines Informatik-Service-Centers frustriert haben kann ich absolut verstehen. Daraus den Schluss zu ziehen, kostengünstiger und flexibler Betrieb sei nur im Ausland möglich mag der Weg des geringsten Widerstands sein (besonders wenn wie im vorliegenden Fall der Leiter des ISC sehr gut vernetzt ist), aber ist wirklich nicht die beste Lösung.

Denn wer Innovation nur mietet, statt sie zu kaufen, begibt sich in eine Abhängigkeit, besonders wenn der Mietpreis jederzeit ändern kann, aber eine Migration auf eine andere Cloud-Plattform (wegen nicht standardisierter Schnittstellen) grössere Anpassungen der Software erfordert, die weder kurzfristig noch billig erfolgen können. Der klassische Vendor-Lock-In lässt grüssen - und dass ausgerechnet das Informatikstrategieorgan des Bundes diesbezüglich nicht sensibilisiert ist finde ich beängstigend.

Und auch die Datenschutzthematik spricht doch Bände. Wenn die USA ihre Gesetze extraterritorial anwenden, und die EU den USA dafür den Safe Harbor Status entzogen hat, sollte auch der Bundesverwaltung dämmern, dass es hier ein Problem geben könnte - und vielleicht sogar ein Problem, dass man nicht an die Departemente delegieren, sondern im Rahmen der übergeordneten Informatikstrategie angehen sollte.

Als zweites stört mich die Art der Auschreibung. Zweck des öffentlichen Beschaffungsrechts ist es, das wirtschaftlich günstigste Angebot zu finden. Wie soll das gehen, wenn man alle denkbaren Bedürfnisse aller Bundesämter in einer Ausscheibung bündelt, und dann die billigste eierlegende Wollmilchsau auswählt, statt im konkreten Projekt, wo normales eierlegen völlig reicht, das billigste eierlegende Tier zu wählen?

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Fachführung Sourcing & Mentorin
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Es zeigt so deutlich, dass die Beschaffungsstellen kaum noch Entscheidungskraft haben, wenn sie mit vorgefertigten Konzepten nur noch die Administration der öffentlichen Ausschreibung übernehmen. Es erscheint mir immer öfter so, als führe die Beschaffungsstelle nur noch aus was vorher entschieden wurde, ohne vorab entsprechend einbezogen oder vielleicht sogar angehört zu werden. Sie hätte einen enormen Hebel gehabt. Nicht nur, wenn es um die saubere Abbildung der Kriterien geht, sondern gerade auch bei den langfristig strategischen Überlegungen.

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Von wegen Stärkung des Standortes Schweiz.
«Zugleich ist uns bewusst, schränken wir hiermit den Markt auf weltweit präsente Public-Cloud-Anbieter ein… was aber auch durchaus gewünscht ist. Nur die Grössten-der-grossen haben genügend Innovations­potenzial um dauerhaft überleben zu können (…)»
Das ist eine Kapitulation im Vorfeld.
Da fehlt nicht mehr viel zu sagen: "Nur die grössten Länder werden dauerhaft überleben, weil sie genügend mächtig sind." Stellt sich nur die Frage ob wir uns der USA oder den Chinesen anschliessen und befehlen lassen.
Es zeigt einmal mehr auf, dass die (Gross-)Wirtschaft die Politik diktiert, die nur noch reagiert anstatt agiert.
Ein echtes Trauerspiel!

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Nachdem der Trick mit den Chiffriermaschinen nicht mehr klappt, können die USA und nun auch die Chinesen das Neuste in der Cloud einsehen.

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Besten Dank für diesen Artikel Frau Fichter und den "Restart" der öffentlichen Diskussion dazu!

Ist es möglich, die Ausschreibungsunterlagen ebenfalls zu verlinken/veröffentlichen?
Verstehe ich das richtig, dass eine Art Volumen von diversen Leistungen ausgeschrieben wurde, welches dann entweder abgerufen wird oder nicht?

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Adrienne Fichter
Redakteurin @ Republik
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Guten Tag Herr C., vielen Dank!! Sie sind im Text verlinkt, ich kopiere es schnell hier hinein: https://cdn.republik.space/s3/repub…_V1.00.pdf

Ja, das haben Sie richtig verstanden. Der Leistungskatalog wurde sehr breit gefasst, obwohl offenbar gar nicht so genau klar ist wofür die einzelnen Departemente in Zukunft diese Leistungen brauchen (könnten).

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Theologin/Pfarreiseelsorgerin
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Ich kann nichts dagegen machen: Sowohl bei der
Artikelreihe zum F-35, als auch jetzt bei dem Beitrag zur Wolke höre ich automatisch 51st State von New Model Army im inneren Ohr.

Edit: und beides sind grossartige Beiträge!

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Besten Dank für die weitere super Tech-Recherche. Habe noch nicht verstanden wieso eine Cloud so kompliziert ist, gerade eben da wir ja einige Rechenzentren und Supercomputers an den Universitäten und anderswo haben. Europa kann oder will aber anscheinend nicht.

Der kleine Aufreger am Rande:

Ausserdem haben amerikanische Behörden direkten Zugriff auf die Daten von Schweizer Firmen wie Threema, ohne zwischen­geschaltete Institutionen wie den Dienst Überwachung Post- und Fernmelde­verkehr (ÜPF).

Ja? Haben?

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Adrienne Fichter
Redakteurin @ Republik
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"Hätten" natürlich...und danke fürs Kompliment!

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Due Diskussion ist etwas müssig wenn der grosse Teil der Gesellschaft unter Cloud (Compute) Rechenleistung und Storage (Speicherung) versteht. Der grosse Vorteil der Cloudlösungen sind Lowcode, Ai, Analytics Services welche von kleinen Anbietern nicht abgeboten werden. Siehe auch https://www.republik.ch/dialog?t=ar…ca30a88249

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Simon Reber
Software Entwickler, Familienvater
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Das wage ich stark zu bezweifeln. Diese Services dienen wohl vor allem den Datenkraken, die damit Werbung verkaufen.
Der konkrete Kundennutzen ist kaum vorhanden, bzw. der Aufwand diese Services an die konkreten Bedürfnisse anzupassen ist extrem hoch.
Wesentlich für eine Cloud ist Verfügbarkeit, Performanz, Redundanz und Backup-Strategie. Der Rest ist Marketinggesülze und technische Spielerei.

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Wir werden es sehen, ich bin auch leidenschaftlicher Software-Entwickler, bin aber überzeugt, dass dieser Bereich früher oder später den Löwenanteil an Applikationen stellen wird. Sieh auch den Gartner Report zu Low-Code Technologien.

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Verlegerin
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... Und wo sind die Frauen? Alles Bubenteams?

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Adrienne Fichter
Redakteurin @ Republik
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Ja die Geschlechterverhältnisse bei den ProtagonistInnen sind meist furchtbar in meinen Texten...bei diesem besonders. Sowohl auf Beschaffungs- wie auch KritikerInnen-Seite: nur Männer. Vereinzelt Frauen wie eben unter den BundesparlamentarierInnen. Isabelle Moret habe ich in diesem Zusammenhang erwähnt, auch weil sie eine relevante Frage gestellt im Zusammenhang mit der Swiss Cloud.

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Simon Reber
Software Entwickler, Familienvater
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Ja, die IT ist extrem männerdominiert. Obwohl seit vielen Jahren versucht wird, den Frauen und Mädchen den Beruf einer IT-Spezialistin schmackhaft zu machen, entscheidet sich die grosse Mehrheit immer noch für Büro, Coiffeuse oder Pflege.
Dabei ist das Bild des einsam im Kämmerlein herumhäckenden Programmier-Nerds, längst verschwunden. Diese vergnüglichen Stunden muss ich mir zwischen der Kommunikation mit Kollegen, Kunden und Geschäftspartnern zusammen schnorren 😉

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Kopfüber
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Schlimm diese Selbstgängelung der Verwaltung. Ich arbeitete und arbeite selbst an verschiedenen Stellen der öffentlichen Verwaltung und musste immer wieder feststellen, dass man sich als öffentliche Institution dem privaten Markt als nachranging verortet. Es mangelt an entscheidenden Stellen massiv an einem Selbstverständnis einer "Hüterin von Gemeingut". Anders ist es nicht zu begreifen, warum eine öffentliche Verwaltung nicht mal für sich selber eine sichere, selbstverwaltete und -gestaltete IT-Umgebung aufbauen will - geschweige denn für die Bürger*innen, denen sie zu dienen hat!

Entschuldigung, aber auch Cloudservices und -speicher sind nun wirklich keine Raketenwissenschaft, die man nicht selber wuppen kann. Ich bin kein bisschen ITler, aber bei mir zu Hause im Wohnzimmerregal schnurrt ein kleiner Nextcloud-Server, auf dem meine Fotos, Daten, Kalender, Adressbücher und was man sonst so gedanklos an Google, Apple und Dropbox auslagert liegen. Nicht in einem Rechenzentrum in sonstwo. Bei mir zu Hause. Läuft mit grünem Strom. War kein ding. Gibts zu kaufen.

Und das soll eine schweizer Verwaltung mit Heerscharen von Informatiker*innen nicht hinbekommen und sich sowas in gross und selbstgestaltet in ein Reduit stellen können? Mag sein, dass ich das jetzt etwas unterkomplex darstelle, aber das kann doch wohl nicht sein. Da mangelt es wie meistens am politischen Willen, an einer klaren Vision von Gemeingut und einer mutigen und realistischen Strategie, wie man da hinkommt. Stattdessen nur bräsiges 90er-Jahre-Geplapper vom Primat des Marktes, Outsourcing und "schlankem Staat". Wer wills noch hören, wer wills noch glauben.

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Schlanker Staat? Jetzt habe ich mich grad verschluckt. Hust hust...Die Heerscharen von Angestellten des öffentliches Sektors zeigen etwas anderes.
Vieleicht wäre Qualität sinnvoller als Quantität. Dem Volk wird auch immer weniger "gedient". Geht wie überall Richtung "Immer teurer für immer weniger Service"

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Kopfüber
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Sie haben schon recht in dem Sinne, als das es ein bisschen komplizierter ist. Meiner Wahrnehmung als Mitarbeiter an verschiedenen Stellen herrscht in der öffentlichen Verwaltung ein eigenwilliges Spannungsverhältnis zwischen vorauseilendem Gehorsam gegenüber bürgerlichem Geschrei nach "schlankem Staat" und einem gleichzeitig in vielen Nischen tatsächlich vorkommenden Bequemlichkeits-Pöstchen-Ausbau mit zweifelhafter Relevanz fürs Gemeinwohl.

Was ich in meinem Beitrag oben sagen wollte, ist, dass das politische Klima auf jeden Fall so ist, dass sie sich keine Freunde machen, wenn Sie in dem konkreten Fall hinstehen und sagen: der Bund / die öffentliche Verwaltung investiert jetzt im Sinne der Datensouveränität in eine eigene Infrastruktur und stellt dazu auch konkret Leute an und baut Kompetenzen auf anstatt diese bei privaten zu mieten.

Und das ist traurig, denn das wäre in the long run das wirtschaftlichste und beste fürs Gemeinwohl - für die Annahme gibt es, sagen wir es so, ziemlich eindeutige Indizien.

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Super Titel!

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Wenn nie angefangen wird in Schweizer Cloud-Anbieter zu investieren, muss man sich nicht wundern, dass die im Vergleich hinterherhinken.

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Software-Architekt
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Rückfrage zum Artikel: Sie schreiben:

Diese Cloud-Strategie verabschiedete der Bundes­rat im Dezember 2020. Zentraler Punkt: Der Bund will «Cloud first». Lokale IT-Leistungen sollen nur noch selten genutzt werden, wenn es spezifische Gründe dafür gibt – der Rest soll in die Wolke gehen.

Wo im verlinkten Dokument steht das? (Meine Volltextsuche findet das Stichwort "Cloud First" nirgends in diesem Dokument?)

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Jetzt werden die Verträge ausgearbeitet, wie einer Medienmitteilung der Bundeskanzlei vom 1. März 2022 zu entnehmen ist:
«Public Clouds Bund»: Verträge mit den Anbietern werden ausgearbeitet

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Wen wundert's?
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Eine Alternative, meiner Meinung eine Gute. Diesen Dienst ziehe ich WeTransfer schon lange vor ;-):
https://www.netzwoche.ch/news/2021-…-google-co

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Wen wundert's?
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Auch ich ging in die Luft, denn vorher hatte man als Swisscom-Abo-Kunde unlimitierten Platz auf myCloud. Ich habe diesen Dienst der iCloud vorgezogen, weil die Clouddienste nur den Profit im Fokus haben. Der Kleine zahlt und zahlt. Professionelle Programme werden nur noch in Cloudabos angeboten. Als Programmangewiesener nervte mich dies vor Jahren schon mächtig.
Ab März 2022 hat man bei Swisscom nur noch 10 GB myCloudplatz kostenlos. Das heisst für mich persönlich, alles runterschaufeln und intern (ausgemusterter Computer) speichern sowie auf externen Volumen sichern. Ziemlicher Zeitaufwand, denn die Daten müssen Tranchenweise gedownloaded werden.
Klar ist, dass mein Boykott nichts bringt, aber ich boykottiere, als Kleiner, Vieles in dieser Form. Grosse profitierten immer von den Abhängigkeiten der Kleinen.
Ich zahle genug für mein Abo, weitere Zusatzkosten bin ich nicht bereit zu zahlen ;-))).

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