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Beiträge zu «Im Wolfspelz»



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Der Wolf ist zurück und wird behandelt wie eh und je.... ein Störenfried und Eindringling, ein männlich ausgelegtes Objekt existentieller Phobien.... ich frag mich, wie wir mit diesem desatrösen Wolfsbild auf den Hund gekommen sind... ich vermisse in allen aktuellen soziologischen, politischen und polemischen Debatten lerntheoretische Ansätze über Wölfe und Herdenschutzhunde... denn damit gewinnen alle: der Wolf muss sich nicht mehr „im Schafspelz verstecken“ und Bauer sowie Jäger* können statt ihren „hegemonialen Naturbestrebungen“ für sich artgerechten Tier- und Pflanzenerhalt deklarieren... es ist eines der wichtigsten Naturprinzipien überhaupt: ob Tier oder Mensch - wir alle unterliegen der Motivation zu überleben und dadurch zu lernen.... und das birgt Chancen! Danke für diesen Artikel und Gruss aus Graubünden

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Ein hervorragender Artikel zum Thema. Danke.
Ich lebe in der Stadt und fühle mich den Oberländern nahe. In Thun aufgewachsen, in Bern lebend. Ich kenne beide Sichtweisen, habe enge Freunde aus beiden Lagern.
Die Abstimmungsvorlage ist ein guter Kompromiss. Lange wurde darum gerungen.
Der Wolf wird nicht aussterben. Er ist zu anpassungsfähig und er geniesst auch mit dem neuen Gesetz hohen Schutz.
Er wird sich, trotz einzelnen kontrollierten und auch weiterhin unkontrollierten Abschüssen, weiter verbreiten.

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C. H.
advocat diabolis
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Wo der Wolf Probleme verursach, gibt es durchaus auch erprobte bioloische Mittel zur Schadenabwehr. Ich habe ein Rezept in einem alten Vieharztneibuch aus dem Jahr 1627 gefunden

Wenn der Wolf das Viech befällt: Man nehme die Studen und die Würzen von einem älben oder blauen Isenhütlin (Eisenhut), verribe dies zwischen zwei platten Steinen mit Obacht dass man sich nicht selbst vergift. Striche dasselbe auf das Fleisch des toten Thiers. So der Wolf wieder darauf frisst wird er alsbald verrecken. Das ist wohl probiert*

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D. H.
Unternehmer
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Ich liebe solche Sätze:
"In der Surselva verbreiten sich in den Wochen vor der Abstimmung über das neue Jagdgesetz die Wölfe. Sie bilden Rudel, reissen Schafe und wagen sich an die Dörfer. "

Nach der Abstimmung bilden die Wölfe dann in der Surselva keine Rudel mehr, reissen keine Schafe mehr und wagen sich auch nicht mehr an die Dörfer.

Fazit: lasst die Wölfe einfach mit euren Abstimmungen in Ruhe.

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Mit Interesse und Hoffnung las ich den Beitrag «Im Wolfspelz». Mit Sorge und manchmal auch mit einem Grauen verfolge ich die öffentliche Berichterstattung und die NEIN-Kampagne zur JSG-Abstimmung. Ausgehend von der Standesinitiative des Kantons Wallis «Wolf fertig lustig», die die Jagdbarmachung des Wolfs beabsichtigte, was ein Austritt des Bundes aus der Bernerkonvention benötigt hätte oder aber die Rückstufung des Wolfs als streng geschützte Art aus dem Anhang II dieser Konvention in Anhang III, sowie der Motion Engler, die einen Umgang mit dem Wolf im Rahmen der Konvention verlangte, entschied sich das Parlament klar für die Motion Engler. Dies ist aus Natur- und Artenschutzsicht extrem wichtig, denn damit kommt das Verbandsbeschwerderecht zum Zug und jeder Abschuss muss gemäss dem revidierten JSG verfügt und kann angefochten werden. Es stimmt nicht, wie es im Artikel heisst, dass Kantone Wölfe einfach so zum Abschuss freigeben können. Ich bitte dies zwingend im Artikel zu korrigieren: Der Bund muss angehört werden und hat ein Beschwerderecht. Und alle Schutzorganisationen, die das Verbandsbeschwerderecht haben, müssen über jeden verfügten Abschuss informiert werden und können innert einer Frist Beschwerde dagegen erheben. Dann wird der Entscheid gerichtlich gefällt.
Mit dem revidierten JSG und der dazugehörigen Verordnung wird ein weltweit erstmaliger Ansatz gewählt, um ein Zusammenleben aufzubauen mit der einerseits faszinierenden und andererseits in unserer von ruralen Nutzungsinteressen dicht durchzogenen Kulturlandschaft Konflikte verursachenden Wildtierart Wolf. Wir haben in der Schweiz keine riesigen Truppenübungsplätze wie in Deutschland oder Schutzgebiete wie in Frankreich oder Nordamerika wo es keine überlagernden Nutzungsinteressen gibt, die zu Konflikten führen. In der Schweiz erfolgt auch dank einem ausgeklügelten Subventionssystem bis fast in den äussersten Winkel eine landwirtschaftliche Nutzung. Konflikte zwischen Landwirtschaft und Wolf sind deshalb unumgänglich - ein Zusammenleben allerdings möglich, wenn wir einen der Art angepassten Umgang finden. Das revidierte JSG und die JSV legen die Grundlagen dafür: Der verfolgte Weg greift auf mehreren Ebenen. Als Grundlage dient ein praxisnahes und etabliertes System von unterstützten Herdenschutzmassnahmen. Diese werden durch die Revision gestärkt. So werden Regelungen für den Herdenschutz, die bis anhin nur in Richtlinien vorlagen, auf Verordnungsstufe gehoben. Weiter werden nur noch Risse entschädigt aus Herden, die nach definierten Kriterien geschützt waren. Für mich als Steuerzahlerin und Naturschützerin eine wichtige Erneuerung … Zum Herdenschutz kombiniert, werden gezielte Abschüsse von Wölfen unter Berücksichtigung ihrer beeindruckenden Lernfähigkeit vorgesehen (zur Lernfähigkeit siehe Literatur vom weltweit wohl renommiertesten Wolfsforscher D. Mech http://davemech.org/). Die Abschüsse sollen eine «erzieherische» Massnahme sein, im Sinne von Vergrämung, in Situationen, in denen einzelne Wölfe aus gesellschaftlicher Sicht ein untragbares Verhalten zeigen. Dies wird, wie Erfahrungen aus dem Ausland zeigen, zu scheuen Wölfen führen, die den Herdenschutz respektieren. Damit kann dieser überhaupt langfristig wirksam bleiben. Gemäss der revidierten Verordnung sind die Elterntiere eines Rudels geschützt. Damit wird die Rudelstruktur und so stabile Verhältnisse sowie die Weiterentwicklung des Wolfsbestands in der Schweiz erhalten. Es dürften maximal die Hälfte der Jungtiere aus einem Rudel geschossen werden. Gemäss Art. 7 rev. JSG ist ganz klar, dass der Bestand einer geschützten, regulierbaren Art (Steinbock, Wolf) nicht gefährdet werden darf durch die Regulation und es werden im selben Artikel klare Kriterien festgelegt, die erfüllt sein müssen. Interessant ist zudem, dass diese regulativen Eingriffe zeitlich fix sind (1.9.-31.1.). Neben Herdenschutz und Vergrämung kommt eine wichtige weitere tragende Säule im System «Zusammenleben mit einem intelligenten Prädator» dazu: «Art. 7 Abs. 3 rev. JSG Der Bund gewährt den Kantonen auf der Grundlage von Programmvereinbarungen globale Finanzhilfen an die Kosten für die Aufsicht und die Durchführung von Massnahmen zum Umgang mit Arten nach Abs. 1.» Sprich Kantone, in denen Wolfsrudel leben, sollen Wildhüter beschäftigen, die Aufklärungsarbeit leisten und sich dafür engagieren, dass ein Zusammenleben sowohl im Tourismus, in der Landwirtschaft sowie dem Leben in solchen Gebieten generell möglichst konfliktfrei gelehrt werden kann. Warum steht dazu sowie zu den Details betreffend Herdenschutz nichts im Artikel?
Wie in einigen Beiträgen auch erwähnt, bringt das rev. JSG und die JSV (ganz wichtig und leider oft unerwähnt!) weitere Anpassungen, die kaum Erwähnung finden. Um nur ein Beispiel zu nennen, dem die Republik doch gerne auch einen ausführlichen Artikel widmen könnte und das ich als leidenschaftliche Naturschützerin und extrem wichtig finde: Mit dem neu geschaffenen Art. 11a werden die überregionalen Wildtierkorridore auf nationaler Ebene geschützt und es werden finanzielle Mittel bereit gestellt, um diese zu sanieren. Damit wird ein wichtiger Beitrag zur grossräumigen Vernetzung der Arten geleistet. Isolation von Vorkommen ist die grösste Herausforderung in der Artenförderung. In der Strategie Biodiversität des Bundes in Ziel 2 wird klar festgelegt, dass die Schweiz eine funktionsfähige ökologische Infrastruktur aufbauen muss (https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/h…uktur.html). Das rev. JSG legt die rechtlichen Grundlagen dafür, denn die meisten Kantone haben ihre Möglichkeiten bis jetzt nicht ausgeschöpft und die Vernetzungskorridore nicht entsprechend u.a. raumplanerisch gesichert.
Es gibt weitere Themen im rev. JSG, die es sich lohnt im Rahmen einer Meinungsbildung genau unter die Lupe zu nehmen (z.B. keine Bestandsreglulationen mehr bei allen anderen geschützten Arten, die eben nicht als regulierbar gelten. Heute können alle geschützten Arten reguliert werden, wenn bestimmte Kriterien erfüllt sind.). Es ist ein komplexes Gesetz, das eng verknüpft ist mit weiteren Regelwerken (z.B. Verbandsbeschwerderecht), was die Komplexität erhöht. Ich wünsche mir, dass viele reflektierte Leser*innen ihre Informationen zur Meinungsbildung breit einholen und sich nicht scheuen, sich in die Materie zu vertiefen. Und natürlich wünsche ich mir von der Republik (und weiteren verantwortungsvollen Medien), dass den Fakten den nötigen Platz eingeräumt wird und detailgenau berichtet wird, um Halbwahrheiten keinen Raum zu lassen.

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Christof Moser
Chefredaktion
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Vielen Dank für Ihre differenzierten Ausführungen, Frau J. In der Tat wird in diesem emotionalen Abstimmungskampf viel propagandistisches Halbwissen herumgereicht. Wir werden an der einen oder anderen Stelle die weiteren Aspekte des Gesetzes thematisieren.

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Vielen Dank für die prompte Reaktion! Ja propagandistisches Halbwissen beschreibt aus meiner Sicht dem Abstimmungskampf treffend. Ich bin froh, dass sich die Republik der Vielfalt an Themen annimmt und versucht Aspekte zu beleuchten und mit mehr Licht Grundlagen zu legen für eine echte Meinungsbildung.
Wenn Forderung nach Abschussverbote für Schneehuhn, Birkhuhn, Feldhase, Waldschnepfe und weitere Arten gestellt werden, dann frage ich mich schon, ob die, die solche Forderungen stellen genau wissen, wie ein solches Verbot kaum über das vorliegenden JSG geregelt werden kann. Die jagdliche Nutzung ist nämlich per Verfassung ein Regal der Kantone. Der Bund hat eine umfassende Gesetzgebungskompetenz beim Artenschutz. Wenn eine Art gesamtschweizerisch unter Druck gerät und deren Bestand stark abnimmt, hat der Bund die Pflicht und die Möglichkeit, Massnahmen zu erlassen. Wenn eine Art regional unter Druck gerät und deren Bestand stark abnimmt, haben die Kantone die Pflicht und die Möglichkeit nach Art. 5 Abs. 4 JSG diese Art kantonsrechtlich zu schützen. Der Bund hat aber kein Recht, die Art gesamtschweizerisch zu schützen, wenn in anderen Kantonen die Bestände gut sind und genutzt werden wollen, weil ja die jagdliche Nutzung per Verfassung ein Recht der Kantone ist. Genau dieser Fall liegt bei Feld- und Schneehase, bei Schnee- und Birkhuhn sowie auch bei der Waldschnepfe vor. Betreffend Waldschnepfe kommt dazu, dass das BAFU umfassende Untersuchungen machte und eigentlich klar ist, dass die in der Schweiz brütenden Waldschnepfen rückläufig sind, weil u.a. das Waldklima nicht stimmt. Die Jagd scheint keinen Einfluss zu haben auf den Schweizer Bestand. Beim BAFU wird man dazu Details bekommen, wenn man nachfragt. Mir wurde dazu mitgeteilt, dass internationale Schnepfenexperten klar die Haltung vertreten, dass eine Jagd oder ein Jagdverzicht in der Schweiz keinen Einfluss auf ein mögliches Aussterben oder Überleben der Waldschnepfe hat.
Ich hoffe, dass alle Organisationen, die sich für Jagdverbote einsetzen ihr Maximum an Engagement auf kantonaler Ebene ausgeschöpft haben, denn das würde glaubwürdig bestätigen, dass es ihnen wirklich ein zentrales Anliegen ist.

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Anonym
Verlegerin
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· editiert

"Boner ist stark beschäftigt in diesen Tagen. Er beantwortet E-Mails auch noch abends um halb elf und schreibt, er «werde geflutet von Anrufen». «Wir sind schon etwas am Hadern, weil uns die Wölfe voraus sind.»"

Vorschlag: Herdenschutz-Beratungspensum GR aufstocken. Das ist heute viel zu tief.: 50%-Stelle, 1 Person.

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Eva Baier
Ratsmitglied Project R Genossenschaft
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Für alle, die sich vertieft mit der ganzen Thematik der Wölfe im Alpenraum und ihren vielfältigen Auswirkungen auseinandersetzen möchten, es gibt dazu eine umfassende Studie aus Österreich aus dem Jahr 2019:

https://boku.ac.at/fileadmin/data/H…ung_23.pdf

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Entschuldigen Sie die etwas verkürzte Verwendung von Begriffen wie " verschiedentlich" und "Jagdverordnung". Mir ging es um eine möglichst gerafffte Fokussierung auf das folgende Inhaltliche und keineswegs um die Marginalisierung von der sich gegen das revidierte JSG einsetzenden Organisationen oder dem Zweck der JSV.
Es scheint mir wichtig, zuerst einmal zu unterscheiden, ob wir von Einzelabschüsse geschützter Arten (nach Art.12 Abs. 2 JSG) oder Bestandesregulierungen (nach Art. 13 Abs. 4 JSG) reden. Ich beziehe mich auf letzteres.
Das bisherige JSG sah vor, dass sämtliche geschützte Arten reguliert werden können. Das revidierten JSG beschränkt diese Regulierbarkeit auf zwei geschützte Arten (Steinbock und Wolf), sowie weitere, vom Bundesrat via JSV bezeichnete Arten (aktuell Höckerschwan).
Gleichzeitig wird aber im folgenden Abs. 2 JSG auch die Anforderung gestellt, dass solche Regulierungen den Bestand nicht gefährden dürfen und erforderlich sein müssen. In der revidierten JSV wird zusätzlich definiert, welche Angaben die Kantone dem Bafu anlässlich der Anhörung machen müssen. Dies
Rahmenbedingungen nach JSG sind klar und die Erfordernisse nach JSV sind wildbiologisch basiert. So wird verunmöglicht , dass Kantone eine eigenmächtige Ausrottung bestimmter Arten aufgrund politischem Druck vornehmen könnten. In der Kombination sehe ich das duchaus als griffiges Instrument. Sollte nämlich das Bafu in einer Anhörung negativ Stellung nehmen, dann ist das für die Beurteilung der Rechtmässigkeit einer Bestandesregulierung durchaus entscheidend. Die Kantone erhalten also die Kompetenz zur Regulierung geschützter Arten unter weit klareren Voraussetzungen, als das bisher der Fall war.

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Das Parlament hat 5 Jahre lang über das revidierte Gesetz geschwatzt. Dabei ist dieser Kompromiss herausgekommen. Keine Glanzleistung. Es fand eine Mehrheit. Warum wollen wir Stimmberechtigten, dass das Parlament nochmals 5 Jahre verplempert und das Gesetz nochmals aufrollt? Es gibt wichtigere und dringendere Aufgaben: die Altersvorsorge, das Gesundheitswesen, eine gute Landwirtschaft. Sagen wir JA zu diesem Gesetz und schauen wir nach vorne.

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Artenschutz und Biodiverstätskrise sind leider etwas abstrakte Themen, deren fundamentale Bedeutung vielen nicht präsent ist. Sie sind aber sicher zu wichtig, um ein missratenes Gesetz einfach deshalb anzunehmen, weil so lange darüber geredet wurde. Dafür steht zu viel auf dem Spiel.

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Liebe Republik
Mit diesem Artikel habt ihr einen (artgeschützten) Bock (im Wolfspelz) geschossen. Ich finde die Ausführungen des Artikels sehr spannend und lesenswert, allerdings nach bin ich nach der Lektüre der Kommentare dazu der Meinung, dass es fast manipulativ und der Republik unwürdig ist, einen Artikel zu der Abstimmung so stark auf den Wolf zu framen. Das könnt ihr besser, und normalerweise seid ihr als Wachwölfe der Demokratie diejenigen, die auf solche Manipulationen hinweisen.

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Urs Fankhauser
Blökender Wolf
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Ich habe ebenfalls gegen diesen Artikel geschrieben, finde es aber auch als klarer Gegner des Gesetzes zumutbar, dass das Republik-Publikum bisweilen mit einem Artikel konfrontiert wird, der absehbar nicht die Mehrheitsmeinung der Leserschaft abbildet. Diesen Vorgang gleich "manipulativ" zu nennen, finde ich nicht angemessen. Die Diskussion auf dieser Seite zeigt ja, dass Leserinnen der Republik damit umgehen können und nicht gleich umfallen. Ich würde mir auch von der Redaktion - hier vertreten durch Christoph Moser - etwas mehr Gelassenheit wünschen.
Diese Debatte hat sicher den meisten Leser
innen zusätzliche Informationen und Einsichten beschert. Fazit: die Demokratie lebt, Freude herrscht!

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Ich stimme Ihnen zu, ein Artikel muss überhaupt nicht die Meinung der Community widerspiegeln. Es ist auch legitim, spezifisch nur über die Wolf-Thematik zu schreiben, allerdings geht es bei der Abstimmung nicht nur darum und trotzdem wird der Artikel im Newsletter als Abstimmungshilfe beworben. Ehrlich wäre es gewesen, die allgemeine Artenschutz-Thematik ebenfalls zu behandeln oder ansonsten den Anspruch als Abstimmungshilfe bleiben zu lassen.

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Genau! Republikleser*innen können selber denken und tun das auch. Ich fand den Artikel und die Diskussion sehr bereichernd.
Bei Umgang mit Kritik von Seiten der Redaktion gibts auch in meinen Augen noch Verbesserungspotential, vor allem, wenn diese durchaus sachlich und wohlwollend formuliert ist.

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Christof Moser
Chefredaktion
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Worauf sollte sich der Beitrag denn sonst beziehen? Elche? Tiger? Mehr im Bundesbüchlein.

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Wie D. W. schon geschrieben hat sind andere Tierarten betroffen und der gesamte Artenschutz wird durch diese Regelung sabotiert.

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Beispielsweise auf Luchs, Biber und Graureiher. Auf den Artikel 7. a, auf präventive Abschüsse (nicht nur beim Wolf) von "verhaltensauffälligen" Tieren, auf all die Chancen, die verpasst wurden, wo bedrohte Arten immer noch gejagt werden können, oder darauf, dass die Baujagd immer noch erlaubt ist, über die unzulässige Kompetenzverschiebung vom Bund zu den Kantonen ... es hätte schon was zum Schreiben gegeben, auch ohne Elche. (Bei den Tigern gibt's was zu schreiben: Da erwarten wir ja auch von Drittweltländern, dass sie ihren Beitrag zum Artenschutz leisten und die Tiere nicht einfach abschiessen.)

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Anonym
Verlegerin
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Lesetipp:
https://www.matthes-seitz-berlin.de…oelfe.html

Das git as guats Bödeli.

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Es gibt mehrere ausgezeichnete Beiträge über den Wolf, einer von Andreas Moser im SRF:
https://www.srf.ch/play/tv/netz-nat…tartTime=1

Eine andere Dokumentation über den Yellowstone-Park und wie der Wolf alles veränderte:
https://www.youtube.com/watch?v=dMGJ9oThHbc (leider ist die Dokumentation in voller Länge gerade nicht auffindbar)
Wann endlich begreifen wir, dass es nur miteinander geht und nicht gegeneinander.

Ausserdem sollte man eine Aussage einer Schafzüchterin, die weint, wenn der Wolf eines ihrer Schafe reisst, aber jedes Jahr ihre Lämmer zur Schlachtbank führt, nicht einfach ohne Gegenfrage so stehen lassen. Gibt es einen Unterschied, ob der Mensch oder der Wolf ein Tier tötet, oder geht es nicht eher wieder mal um das liebe Geld, das den Unterschied macht?

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Im Yellowstone-Park wurde der Wolf vor ca 40 Jahren mehr oder weniger augerottet.Die Hirsche haben überhand genommen, die Vegetation hat gelitten. Vor einigen Jahren wurden wieder Wölfe augewildert. Es haben sich Rudel gebildet, die Hischpopulation ist zurück gegangen, die Vegetagtion erholt sich wieder.

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Offenbar habe ich einige, teils recht angespannte, Wölfe geweckt. Ans Rotkäppchen habe ich eigentlich nicht gedacht, aber die Geschichte hätte noch Aktualisierungspotential, indem zum Beispiel am Schluss der Geschichte der Schutzhund dem Wolf an die Gurgel ginge und nicht die bösen Jäger diesen erlegen müssten....
Ernsthaft: Meine Wahrnehmung ist die, dass die meisten Bergbauern all diese "neuen" Vierbeiner nicht wünschen weil sie Unruhe und Umtriebe verursachen. Das Gleiche gilt für Wanderer, nicht nur die altbackenen, sondern auch die jungen Familien mit Kindern, die es vermehrt in die Berge zieht. Aktuell gilt es gegen 100 Herdenschutzgebiete zu beachten, Tendenz zunehmend. Wo bleiben da die Freude und die Erholung?
Und: Steuergelder zu verteilen ist immer etwas arbiträr. Ich meine, dass Walliser, Bündner und Innerschweizer wohl auch gelegentlich zähneknirschend darüber nachdenken, warum beispielsweise so viel Geld für den urbanen Verkehr verbraucht wird, der weit weg von ihnen liegt.

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T. S.
· editiert

Dieser Bericht über Einzelschicksale lässt mich nicht unberührt. Lassen Sie mich jedoch – ganz distanziert – Folgendes erwähnen. Weltweit gibt es heute 2‘200‘000‘000 Schafe und Ziegen gegenüber geschätzt 300‘000 Wölfen (Faktor >700). In der Schweiz sind es ca. 350‘000 Schafe und 80 Wölfe (Faktor ca. 4‘000). Wieviele Schafe ist ein Wolf dann wert? Die Frage ist obsolet. Es geht doch darum, ob wir bereit sind die wenigen verbliebenen Wildtiere zu schützen. Wie sollen wir Drittweltländern vorschreiben, sie sollen ihre Lebensräume und Arten (Regenwald, Savanne, Korallenriffe, usw.) schützen, wenn wir in der wohlhabenden Schweiz wegen eines absolut unbedeutenden Wirtschaftszweigs den Artenschutz lockern? Den das ist es und nichts Anderes: eine Lockerung des Artenschutzes. Die heutige Praxis, wonach ein Wolf nach 25 Rissen in einem Monat geschossen werden kann, scheint mir vernünftig und ausreichend. Jetzt muss das noch gut umgesetzt werden. Und das neue Jagdgesetz abgelehnt werden.

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Bei dieser Abstimmung geht es bei Weitem nicht nur um die Regulierung des Wolfes, sondern um eine deutliche Lockerung des Schutzes bisher geschützter Tierarten und um die Verhinderung des Schutzes von bisher jagdbaren Arten, welche diesen nötig hätten. Überraschend einseitiger Bericht der Republik - schade.

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Nicht jeder Artikel kann und muss ausgewogen sein. Auch nicht bei der Republik. Ich bin ihrer Meinung, finde den Artikel jedoch gut, da er das Thema Wolf thematisiert und erst zweitrangig die Vorlage. Es kamen auch beide Seiten zu Wort. Nun auch noch andere Tierarten und Feinheiten in den Artikel einzubinden würde zu fest vom Thema ablenken.
Ausserdem habe ich bei der Republik immer die Hoffnung und den Anspruch, dass solche Themen auch in weiteren Artikeln ausführlich behandelt werden. Bisher wurde ich kaum je enttäuscht.

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"Die Wolf ist kein Eindringling bei uns, aber wir sind Eindringlinge in seinem Revier."
Alles auf ein Thema zu reduzieren und dieses "beidseitig" zu beleuchten ist leider eine unter Männern weit verbreitete, nicht zielführende Lösungsstrategie, weil doch alles mit allem zusammenhängt: Schafzucht mit dem Preis der Wolle und dem Siedlungsdruck, dem Wolf, Gämsen, Biodiversität und schliesslich mit Klimaschutz. Andreas Moser vom Naturnetz srf kann ein Lied davon singen.
Tatsache ist, dass Schafzucht "nur" dank Subventionen überlebt. Und dass Wild auf Wölfe reagiert, die Herde "gesünder" wird und sich weniger im Wald aufhält. Die Weisstanne kriegt so auch bei uns wieder eine Chance. Bergwiesen und Lichtungen werden besser gedüngt, Blumen-, Insekten- und Vogelvielfalt nimmt zu. Wolfsfamilien sind stationär, sozial und verteidigen ihr Revier, am Schluss richten "nur" durchziehende Wölfe "Schaden" an.
PS. 2020 müssen 5500 Jäger 5560 Stück Wild schiessen, um den Bestand zu halten.
PPS. Die Moderhinke konnte sich in der Schweiz bei unbeaufsichtigten Schafen ausbreiten und auch die Gämspopulation anstecken.

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„...und ihnen bestenfalls die Abstimmungsentscheidung erleichtern.“ steht so in der Einleitung zum Bericht. Aber ja, ich mag die Republik auch und warte jetzt auf einen weiteren Bericht zu dieser Vorlage.

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Herdenschutz ist keine triviale Angelegenheit und wird wohl wieder aktuell. Vielleicht müsste man vergessenes Wissen wiederbeleben und nicht gleich zur Waffe greifen.

https://www.herdenschutzzentrum.ch/index.html
https://youtu.be/fco3u3Jrqc8
https://youtu.be/cj30f6HYXtY

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R. H.
Steuernzahlender Bürger und Bergfreund
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Was mir noch fehlt: eine Reportage darüber, ob die Schafhaltung in den Alpen in der heutigen Form eigentlich noch Sinn macht, sei es als Fleischlieferantin, sei es gegen das Verganden der Alpweiden, etc. Und wieviele Subventionen da fliessen. Anekdotisch habe ich schon gehört, dass sogar das Entsorgen der Schafwolle noch subventioniert werden muss. Da hätte ich gerne einmal eine gut fundierte Recherche dazu, vielen Dank.

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S. H.
· editiert

Eine weitere Reportage könnte den Dschungel von Fleischproduktion, Fleischimporten, Futtermitteln und den entsprechend fliessenden Subventionen durchforsten.
Denn ursprünglich waren Kuh, Schaf und Geiss jene Wundermaschinen, die das für den Menschen ungeniessbar Gras in Milch, Butter und Käse verwandelten. Vielleicht sollte Viehwirtschaft nur noch über 800 m.ü.M möglich sein, darunter dürfte nur noch Ackerbau für Tomate, Kiwi, Melone & Co. stattfinden. Damit CO2-intensive Transporte entfallen.

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Urs Fankhauser
Blökender Wolf
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· editiert

Der Kanton Graubünden eignet sich gut, um Verständnis für Wolfsabschüsse zu wecken. Würde diese Reportage im Wallis angesiedelt, wären die Schlussfolgerungen wohl andere.
Trotzdem meine ich, dass die Haltung von Schafen weiterhin unterstützt werden sollte. Sie liefern als einziges Haustier in der Schweiz Fleisch, welches weitgehend nachhaltig produziert wird. Es müssen deshalb Lösungen gefunden werden, wie das weiterhin möglich bleibt. Zu dieser Diskussion gehört aber auch die Tatsache, dass die Verluste von Schafen durch nicht behandelte Krankheiten, durch Abstürze und andere Naturereignisse ein Mehrfaches der Verluste durch Wolfsrisse betragen.
Ein Jagdgesetz, welches den Wolf flächendeckend zum Abschuss freigibt, ist sicher keine vertretbare Lösung. Und schon gar nicht, wenn im Windschatten der Ikone Wolf gleich noch eine ganze Reihe anderer Wildtiere für "vogelfrei" erklärt werden.
Um aber die mit grosser Emotionalität und Betroffenheit geführte Debatte zu verstehen, müsste man wohl auch noch etwas tiefer schürfen. Es kann ja nicht sein, dass aufgebrachte Schafhalter und ein paar schiesswütige Jäger (ich sage dies absichtlich so, weil ich nicht die gesamte Jägerschaft für diskussionsunfähig halte) ein ganzes Land vor sich hertreiben können. Hier kommt die Symbolkraft des Wolfs ins Spiel, die als Chiffre für eine gänzlich andere Auseinandersetzung instrumentalisiert wird.
In dieser Auseinandersetzung verunmöglichen "romantisierende Städter" der "hart arbeitenden Landbevölkerung" ihre Existenz.
Hier geht es um einen Kampf zwischen zwei unterschiedlichen Konzeptionen der Landwirtschaft. Um das wachsende Bedürfnis nach nachhaltig produzierten Lebensmitteln, das sich mit einer Landwirtschaftspolitik konfrontiert sieht, die nach wie vor auf Chemie, intensive Tierhaltung und eine "ausgeräumte" Landschaft setzt. Zur Perpetuierung dieses Systems machte die Bauernlobby kürzlich gar einen Deal mit Economiesuisse. Im Vordergrund kämpft man mit blauen Bauernhemden und Sennenhunden für "bäuerliche Werte". Hintenherum schmiedet man Allianzen mit der Speerspitze der Globalisierung. Absurd und verlogen.
Wie der Sennenhund dient in der Diskussion ums Jagdgesetz auch der Wolf als Symbol für die Verteidigung einer romantisierten "bäuerlichen Welt", die mit ihrem Bedeutungsverlust nicht klarkommt. Die "Landbevölkerung" wird in eine Schlacht gegen "Bundesbern" und "die Städter" geführt. Dabei wird gerne verdrängt, dass man die Hand beisst, die einen füttert.
Dass die SVP dies alles orchestriert und unterstützt, versteht sich von selbst. Sie lebt ja elektoral primär von dieser Blut-und-Boden-Nostalgie. FdP und CVP sind umgefallen, weil sie sich weitere Wähler*innen-Verluste auf dem Land nicht leisten können, denn in den Städten geht es für alle drei sowieso nur noch nach unten.
Es ist ein gefährliches Spiel, welches da gespielt wird. Man kann den Bogen auch überspannen. Denn gerade in den Städten gibt es bisher eine hohe Bereitschaft für die Milliardentransfers aufs Land. Aus Gründen der Nachhaltigkeit, der Raumplanung, der Gerechtigkeit und aus Respekt vor gewachsenen Strukturen und Traditionen.
Für diese Partnerschaft braucht es aber ein konstruktives Gegenüber. Wir erleben aktuell das Gegenteil. Eine Landbevölkerung, die gegen die Städte aufgestachelt wird. Eine Landwirtschaft, die sich um die Vergiftung von Böden und Grundwasser foutiert. Ein Naturverständnis aus dem 19. Jh., wo nur ein toter Wolf ein guter Wolf ist. Eine solche Politik führt in die Sackgasse.
So geht es nicht weiter.

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Diese einseitige Sicht auf die Bauern und die Landbevölkerung bringt uns genauso wenig weiter, wie die Romantisierung welche vom Bauernverband betrieben wird. Ich schätze diesen Wolfspeltz-Artikel, weil er nicht vorspielt, dass es eine „richtige“ Meinung gibt, sondern bei einem komplexen Thema eine Vielzahl von Standpunkten besteht und wir nicht so faul sein sollen immer klare Antworten für alles zur Hand haben zu wollen. Für mich ist es absolut entscheidend, die Landwirtschaftenden nicht in eine Opferrolle zu drängen und sie pauschal an den Pranger zu stellen. Sie sind Teil unseres kranken Wirtschaftssystem, genauso schuld wie der Rest unserer profitmaximierenden Welt. Denn die Aussage „wachsende Bedürfnis nach nachhaltig produzierten Lebensmitteln,..“ steht einem real teilweise ausgeschöpften Biomarkt gegenüber.

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Starke Worte, so eine Differenzierung fehlt mir in diesem Artikel, der den Anspruch hat, bei der Absstimmung als Entscheidungshilfe zu dienen.

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Wow! Klare Worte, denen ich aus vollem Herzen zustimmen kann.

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Hervorragend zusammengefasst - besten Dank!

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D. G.
Skeptiker
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Zum neuen Jagdgesetz stelle ich mir auch folgende Frage:
Wolf und Luchs reissen bekanntlich auch Wild. Das ist Natur, ganz klar. Menschliche Jäger wollen auch Wild reissen, wenn auch mit einem Gewehr, aus sicherer Entfernung. Wenn es genug Wild gäbe, würden dann die Wölfe weniger domestizierte Herdentiere reissen? Oder kann man diese Überlegung nicht auf die Alpen anwenden (weniger Wild vielleicht)?
Wenn ja, dann stellt sich eben auch die Frage, ob man die Wild-Jagd stärker regulieren müsste. Und dass das der "Jagd-Lobby" nicht in den Kram passt, ist ja klar.
Vielleicht findet sich hier ja jemand, der zu dem Thema mehr weiss. Fände ich spannend.

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Eva Baier
Ratsmitglied Project R Genossenschaft
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Der Wolf ernährt sich hauptsächlich von diversen Schalenwildarten (Reh,
Rotwild, Gams, Wildschwein). Die Nahrungszusammensetzung hängt dabei wesentlich von
der Verfügbarkeit der Beute ab (ungeschütze Nutztiere zählen daher auch gerne dazu).
Je nach Region haben wir so hohe Wildbestände, dass sich die Wälder durch das Abfressen der jungen Bäume nicht verjüngen können - insbesondere bei Schutzwäldern ein Problem.
Bsp-Artikel dazu: https://www.beobachter.ch/umwelt/sc…gegen-wild

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Urs Fankhauser
Blökender Wolf
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· editiert

Trotz der Jagd gibt es für Wölfe genügend Wild. Beispiel Reh: wildernde Hunde reissen fast gleichviel Rehe wie Luchs und Wolf zusammen (je ca. 400-500 pro Jahr). Im selben Zeitraum "erlegen" Motorfahrzeuge ca. 8000 Rehe (hat deswegen schon jemand den Abschuss von Autos verlangt?), ca. 40'000 fallen der Jagd zum Opfer. Fazit: Ohne Jagd würde die Rehpopulation vermutlich zu gross, Wölfe kämen da nicht hinterher.
Das Problem ist nicht Wildmangel, sondern die Tatsache, dass Haustiere eine viel leichtere Beute darstellen.

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Wolf und Luchs ernähren sich weitest gehend von Wildtieren. Neu im Gesetz steht, dass geschützte Arten gegebenenfalls auch „reguliert“ (sprich: abgeschossen) werden können, damit für die Jäger/-innen genügend übrig bleibt. Ein weiterer Grund, um ein kräftiges Nein einzulegen.

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D. G.
Skeptiker
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Warum geht der Artikel nicht etwas näher auf die Problematik des neuen Jagdgesetzes ein? In drei Wochen stimmt die Schweiz ab und dabei geht es nicht nur um den Wolf. Den Artikel finde ich spannend und vielseitig geschrieben, aber die Verknüpfung mit dem neuen Jagdgesetz und das so kurz vor der Abstimmung finde ich problematisch. Der letzte Paragraph, quasi der Schluss des Artikels, baut dann auch noch Druck auf: "Es muss jetzt etwas getan werden."

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Für "Unterländer" sind die Alpen in erster Linie Erholungsgebiet. Beim Wandern kann man dort seine Batterien aufladen. Mit Herdenschutzhunden wird das zunehmend schwieriger. Wer einem solchen Wächter in den Bergen schon gegenübergestanden ist weiss, dass man dann am besten umkehrt. Stressfreies Wandern wird schwieriger. Man meidet immer mehr Gebiete, muss vorausplanen. Kinder und Hunden gegenüber ängstliche Leute verlieren die Freude am Bergwandern. - Wollen das die naturverbundenen Wildtierschützer wirklich?
Und noch etwas: Steht es uns -etwas salopp gesagt- in der Retorte lebenden "Unterländern" wirklich zu, den Bergbewohnern Vorschriften zu machen? Sie sind der Natur ausgesetzt, müssen sich mit ihr arrangieren und haben genug damit zu tun. Nicht jeder Schafbesitzer will wählen können zwischen gerissenen Schafen und einem zu beaufsichtigenden Herdenschutzhund. Er will beides nicht! Es gibt in den Alpen auch Schulkinder, die einsame Wege gehen müssen. Die dortige Bevölkerung muss diese Unruhe und potentiellen Gefahren nicht zusätzlich auf sich nehmen. - Auch aus staatspolitischen Gründen gehört der Wolf in die Schranken gewiesen.

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Eines von vielen Problemen in unserer Gesellschaft sind so lächerliche „wir-gegen-die“-Schubladen wie „Unterländer“, noch dazu bezeichnen Sie diese als „in der Retorte lebend“. Wir leben gemeinsam im selben Staat und erfüllen den gleichen Gesellschaftsvertrag. Zu diesem gehört auch, dass Landwirtschaftsbetriebe von Subventionen profitieren dürfen, damit sie unter Anderem ihre Rolle als Lebensmittelproduzenten und vielleicht auch Hüter der Naherholungsgebiete erfüllen. Im Gegenzug kommt ein grosser Teil des Steuersubstrats, aus dem selbige Subventionen bezahlt werden, aus den Wirtschaftszentren, wo er erwirtschaftet wird.
Das verquere Weltbild, wo „die Städter“, „Unterländer“, und „Bundesbern“ den armen Bauern nur das Leben schwer machen wollen, ist nicht nur realitätsfremd sondern auch kontraproduktiv. Die dadurch entstehende Abwehrhaltung der Bauernlobby bei sämtlichen politischen Diskussionen führt nur dazu, dass der meines Erachtens noch grosse Goodwill gegenüber der Landwirtschaft schwindet.
Vielleicht überarbeiten wir mal das ganze Subventionssystem von Grund auf. So dass zb. die Grösse des Subventionstopfs abhängig davon gemacht wird, ob die Landwirtschaft ihre Umweltziele erreicht oder nicht. Vielleicht bewegt so etwas ein Umdenken in der Branche.

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Urs Fankhauser
Blökender Wolf
·
· editiert

Die staatspolitisch brisantere Frage sehe ich wenn schon in der grotesken Übervertretung alpiner Borniertheit durch garantierte Ständeratsmandate von Zwergkantonen und Nationalratsmandate aus ebendiesen, welche de facto auch nach dem Majorzprinzip vergeben werden.
Auf Ihre Rotkäppchengeschichte mit dem durch den Wolf bedrohten Schulkindern näher einzugehen, verbietet mir meine in krassen Fällen aussetzende Impulskontrolle. In diesem Sinne: frohes Wandern!

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Simon Reber
Software Entwickler, Familienvater
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Nein Herr L., für die Unterländer sind die Alpen in erster Linie ein Kostenpunkt. Die Problematik wird durch falsch sozialisierte, bzw. aus völlig anderen Kulturen importierte Herdenschutzhunde verursacht. Weil die Oberländer sich Jahrzehnte lang strikte geweigert haben, sich auf die Rückkehr des Wolfes vorzubereiten, und zwar liebend gerne Subventionen einstreichen aber dafür keinen Aufwand betreiben wollen, gibt es bei uns keine Kultur von Herdenschutzhunden. Wissen und Tiere werden einfach importiert statt, selbst erarbeitet.
Wenn wir den Wolf nicht wieder ausrotten, und jedes neu zugewanderte Tier umgehend abschiessen, werden die Tierhalter ihren paradiesischen Zustand, wo sie die Schafe und Ziegen im Frühling auf die Alp führen und im Herbst wieder abholen, ohne sich darum kümmern zu müssen, nie mehr erreichen.
Wenn sie also so wie oben argumentieren, dann streben sie offensichtlich die Ausrottung des Wolfs an.
Vielleicht sollten die, in ihrer Blase lebenden Oberländer, einmal überlegen, ob sie den Unterländern ihren blinden Hass auf den Wolf wirklich aufzwingen sollten, oder ob sie sich tatsächlich mal mit den echten Problemen der Alpbewirtschaftung auseinandersetzen wollen, selbst wenn es Arbeit kostet. Denn auch wenn es für die Oberländer nicht so aussieht, auch die Unterländer gehen für ihr Auskommen arbeiten und bringen ihr verdientes Geld in zweifacher Art ins Oberland. Einmal als Steuerzahler und einmal als Tourist. Bei beiden Arten, werden sie öfters mal recht unzimperlich abgezockt, daher auch mein etwas bissiger Kommentar hier.

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Der Umgang mit Herdenschutzhunden ist denkbar einfach: stehen bleiben, bis er sich beruhigt hat, dann ruhig weitergehen. Und ich denke schon, dass die „Unterländer“ da was zu sagen haben, sie finanzieren ja die ganze Schafhaltung samt Herdenschutz! Und finden es vielleicht auch nicht so lässig, dass jährlich über 4000 Schafe wegen Unfällen und Krankheiten sterben, während die Zahl der Wolfsrisse in den letzten zehn Jahren bei einer Verachtfachung der Wolfszahl lediglich von 383 auf 400 gestiegen ist. (Oder um es noch anders zu sagen: Von den sieben Geisslein wäre für den Wolf gar keines übrig geblieben, weil die alle schon der Alphaltung zum Opfer gefallen wären!)
Zudem ist die Wolfsregulierung eh nur ein kleiner Teil des Gesetzes - die könnten wir ja schon lange haben, wenn der Bundesrat die Botschaft nicht so überladen hätte. Und die Räte dann im Maximal-Hin-und-Her samt Einigungskonferenz dann noch völlig über das Ziel hinausgeschossen wären. Nein, bei dieser Revision geht es um den Artenschutz! Und zu dem, Herr L., dürfen die „Unterländer“ ganz sicher auch etwas sagen. Am besten mit einem Nein zu diesem Abschussgesetz.

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D. G.
Skeptiker
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Herr L., sagen Sie mir bitte, wenn ich Ihren Kommentar falsch deute. Für mich hört es sich etwa so an: Der Wolf in den Bergen passt uns nicht. Wir wollen keinen Mehraufwand und die absolute Sicherheit. Der Wolf gehört also geschossen und diesbezüglich soll sich niemand vom Unterland einmischen.

Denken Sie, dass wir die Probleme mit unserer Umwelt am besten beseitigen, in dem wir die Umwelt selbst "beseitigen"?

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Rolf Müller
Action Anthropologist
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· editiert

Danke für diesen journalistisch hervorragend gemachten Artikel, der ohne zu werten, oder zu moralisieren, die verschiedenen Perspektiven, Interessen und Probleme im Umgang mit Wildtieren in der Schweiz und insbesondere im Berggebiet aufzeigt!
Eine wesentliche Verbindung wurde hier aber nicht untersucht: Die globalen Dimensionen.
Gerade gestern -im Zusammenhang mit einem vor Japan's Küste havarierten Schiff, dass Tiere aus Neuseeland zum Schlachten nach China transportierte- richteten sich die Scheinwerfer der Weltöffentlichkeit auf abscheuliche Tiertransporte, bei denen jeglicher Anstand und jegliches Mitgefühl gegenüber Nutztieren komplett abhanden gekommen sind und bei denen es nur noch um "Noch mehr und noch preisgünstiger (=billiger)" geht!
Wenn ich diese weltweite Realität der grausamen Massentierhaltung und der grausamen Tiertransporte mit den Diskussionen rund um das vorgeschlagene "Neue Jagdgesetz" vergleiche, dann bekomme ich das Gefühl, in einer anderen Welt zu leben, die sich (unter einer Art riesigen Käseglocke) mit Luxusproblemen beschäftigt, von denen Andere nur träumen können...
Aber auch Luxusprobleme sind schliesslich Probleme und sollten bewältigt werden!
Da es wirklich Luxusprobleme sind, können wir das sehr ruhig und sachlich tun, auch wenn es dem einen und der anderen Bergbäuerin "ans Lebendige" geht und er/sie auch ohne Herdenschutz-Bemühungen bereits von früh bis spät am krampfen war.
Das Bauern ist auch für mich die schönste Arbeit, die es gibt!
(Darum bin ich auch bereit, ein "Löhnlein unter dem Existenzminimum" in Kauf zu nehmen.)
In und mit der Natur zu leben und zu arbeiten ist eine Sinn stiftende-, Körper, Geist und Seele fordernde- und fördernde-, im urtümlichsten Sinne menschliche Quelle der Sinnlichkeit, der Kraft und der Inspiration!
Wer das heute noch bauern darf, kann sich als PRIVIEGIERT sehen, als "modern indigen". sozusagen.
Aber eine Burnout-Erkrankung ist gar nicht schön!
Viele Bauern geraten in eine Burnout-Spirale, krampfen so gut es geht weiter, vereinsamen, verzweifeln und immer mehr nehmen sich das Leben.
Denn "psychische Krankheiten" sind insbesondere auf dem Land noch mit dem Stigma des Versagens belastet.
Wer sich aber wegen einer -eigentlich logischen und folgerichtigen- "Ermüdungs- und Übermüdungsdepression" schämt, wird zu seinem schlimmsten Feind und gibt sich zu allem Unglück auch noch selber die Schuld für das erlittene Scheitern, obwohl doch das ganze (globalisierte) Ausbeutungs- und Unterdrückungssystem zu solchen Selbstmorden führt, weil es von ALLEM "immer mehr und immer preisgünstiger (= billiger)" haben will, sei das bei den Lebensmitteln, bei den Kleidern, bei Grundgütern, Luxusgütern, Maschinen, Dienstleistungen, usw.
Währenddem also in Brasilien Urwälder abgeholzt werden, damit man dort Rinder züchten und Soja anbauen kann, die dann via Freihandelsabkommen billig -und klimaschädlich- in die Schweiz importiert werden können, für den Konsum, oder zum Mästen von tierischen "Fleischbergen" und bei diesen Abholzungen und dem Abbrennen Millionen von Wildtieren getötet, gefangengenommen und gegessen werden und seit Urzeiten dort im Enklang mit dem Urwald dort lebende Indigene ihre Lebensgrundlagen verlieren (entwurzelt und "psychisch krank und alkoholsüchtig" in Slums wuchernder Metropolen landen, will man also in der Schweiz mehr Wildtiere ansiedeln in einer durch und durch von Landwirtschaft, Siedlungen, Verkehrswegen und Tourismus genutzten und klutivierten Landschaft...
Okay, warum nicht? Gegen Naturschutz habe ich sicher nichts! Ich bin ja ein Naturfreund!
Und doch ist das alles irgendwie seltsam, wenn nicht sogar sureal und absurd...

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Simon Reber
Software Entwickler, Familienvater
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Ich staune immer wieder, wie wenig die Leute, gerade auch Fachleute, über Herdenschutzhunde wissen. Es herrscht die Meinung vor, dass man eine Schafherde mit zwei zugekauften Hunden der richtigen Rasse schützen könne. Dem ist absolut nicht so. Jeder grosse, kräftige Hund eignet sich grundsätzlich als Herdenschutzhund, es kommt auf die Sozialisierung und Ausbildung an.
Als Welpen werden die Hunde daran gewöhnt, ihr Territorium mit Schafen zu teilen. Es wäre durchaus auch möglich, sie daran zu gewöhnen, dass unbekannte Menschen keine Gefahr darstellen, nur ist das natürlich aufwändig, da dann eben fremde Menschen in einer gewissen Anzahl zu den Welpen kommen müssten, was wohl nur mit einem gut laufenden Hofladen zu realisieren wäre.
Dann müssen die Hunde in ein funktionierendes Herdenschutzrudel integriert werden, wo sie, von den erfahrenen Hunden, Schritt für Schritt an ihre Aufgaben herangeführt werden. Ein solches Rudel, mit rollender Erneuerung muss mindestens 6 oder mehr Tiere umfassen. Ist die zu schützende Herde grösser, muss auch die Anzahl der Hunde grösser werden, da sie ein 'rund um die Uhr' Bewachungssystem aufziehen müssen, wo jeder Hund seine Ruhezeit hat, damit er funktionieren kann.
Kommt dann tatsächlich mal, ein Wolf, werden die erfahrenen Hunde sich dem Angreifer Stellen, während die Azubis den Flankenschutz übernehmen und mindestens ein weiteres erfahrenes Tier den Wolf ablenkt und verwirrt, damit die primären Schutzhunde ihren Angriff möglichst gefahrlos starten können.
So ein Rudel kann man nicht im Winter als Familienhunde halten und im Sommer wieder als Herdenschutzhunde verwenden, für den Hund ist das eine Lebensaufgabe.
Wären die Schafe für die Bauern ihre wirklich existenzsichernde Grundlage, würden sie für den Schutz diesen Aufwand betreiben, wie es die osteuropäischen Schäfer seit Jahrhunderten tun. Aber hier sind Schafe ein Hobby, das mit erheblichen Subventionen versüsst wird. Die vielen kleinst Populationen, die als Rasenmäherersatz die Weide ums Haus kleinhalten, können unmöglich effektiv vor Raubtieren geschützt werden.
Hier bräuchte es eine radikale Abkehr der gängigen Praxis, welche wohl, gegen die mächtige Bauernlobby nicht durchzusetzen ist. Aber die alten Männer, welche sich zum Zeitvertrieb ein paar Schafe halten werden in ein paar Jahren ausgestorben sein. Dann ist der Weg wohl frei, bessere Lösungen zu finden. Zum Beispiel könnte ja die Aufzucht und Ausbildung von Herdenschutzhunden, die genau in unsere Kultur passen, subventioniert werden, und eine professionelle Betreuung der Schafe für Unterstützung vorausgesetzt werden.
Wir müssen nur dafür sorgen, dass der Wolf bis dahin nicht von uneinsichtigen Jägern und Bauern ausgerottet wird.
Darum Nein zum neuen Jagdgesetz.

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merci viu mau Herr Reber für Ihre Ausführungen zu den Herdenschutzhunden. Leider bin ich Hunde-Neuling und kann da nicht mitdiskutieren, aber genau die Fragen sind in meinem Hinterkopf aufgeploppt, als ich heute Morgen den Artikel las...
... mal schnell, weils nun doch nicht mehr ohne geht, zwei Hunde zukaufen?
Ohne jede Erfahrung mit Hunden oder der Absicht, eine Schutzhund-Ausbildung zu machen??
Und da will man / frau dann behaupten, Schutzhunde bringens halt doch nicht?
WOW, das ist ja fast so absurd wie 2 Chihuahuas in eine Herde zu stellen.
Puuuuhh...

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das kann man nach voll ziehen, Herr Reber, auch wenn man weder Jäger noch Schafhirte ist. Eine gute Recherche und auch gute Kommentare, mit vielen klärenden Gesichtspunkten.

Ich hätte nein gestimmt, weil die Arten Vielfalt unserer Natur wichtig ist und auch Wölfe ein Recht zu existieren haben. Dass sie sich derart rasch vermehren, reslsisiert man als Laie nicht so schnell. Wenn nun jedermann den Wolf töten kann hat man keine Kontrolle mehr.
Vielleicht wären bald alle Rudel ausgerottet.
Mir scheint da müssten Förster und Jagdhüter engagiert sein, um ein vernünftiges Mass zu finden, die Population der Wölfe in Kontrolle zu halten.
Dann werden von selber weniger Schafe gerissen.

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Das wirkliche Problem sind schlussendlich ja weder die Wölfe noch die Bauern. Am Schluss geht es um tierische Produkte die der Kunde in riesigen Mengen und möglichst billig haben möchte.
Das genau gleiche Problem gilt ja auch für viele Tiere die in den Städten leben.
Wenn weniger Abfall herumliegt und niemand diese Wildtiere (beabsichtigt oder unbeabsichtigt) füttert, reguliert sich der Bestand selbstständig und die Tiere werden sich auch natürlich verhalten.

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Simon Reber
Software Entwickler, Familienvater
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Ein etwas seltsamer und realitätsferner Kommentar. Das grösste Problem ist nicht die Massenhaltung von Schafen und Ziegen, sondern genau das Gegenteil. Die vielen Halter, welche vielleicht ein halbes Dutzend Tiere ihr Eigen nennen, können sich weder fachlich noch finanziell adäquat um ihre gesömmerten Tiere auf der Alp kümmern. Alle Beteiligten wollen die Kosten unter allen Umständen tief halten, weil sonst von den eingestrichenen Subventionen nichts übrig bleibt. Deshalb gibt es keinerlei Kultur mehr zu der Schaf- und Ziegenhaltung. Die Tiere sind im besten Fall ein Hobby, im schlechtesten Fall einfach Subventions-Eintreiber. Fleischerzeugnisse aus schweizer Produktion sind im Handel, so gut wie nicht erhältlich, es sind fast ausschliesslich Produkte aus Australien oder Neuseeland verfügbar, die Wolle wird grossteils subventioniert entsorgt.
Isolationsmaterial aus schweizer Wolle? Gibt es nicht, weil, die Qualität der Wolle durch unsachgemässe Behandlung von Tier und Erzeugnis so schlecht ist, das man das Zeug nur mit Erdöl zusammen verbrennen kann.
Nein, das Problem ist nicht der Konsument, das Problem sind falsch aufgegleiste Subventionen, welche von der inkompetenten Bauernlobby durch das Parlament gedrückt werden, und die SVP, welche aus Wahlkalkül den Bauern jeden Wunsch erfüllt

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Richtig lesen sollten sie einen Kommentar schon, anstatt diesen als realitätsfern zu bezeichnen. Das steht kein Wort von Massentierhaltung von Schafen in der Schweiz.
Und wenn Sie die Probleme bei 'Schafherden' von max. 6 Tieren verorten und einen Anteil von 40% als nicht vorhanden bezeichnen, dann müssen sie vielleicht ihre eigene Realität nochmals prüfen.

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Urs Fankhauser
Blökender Wolf
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Mit einer Aussage bin ich nicht einverstanden. Man kann die alpine Schafhaltung nicht mit der Massentierhaltung von Rindern, Schweinen oder Hühnern in einen Topf werfen. Bei Schafen geht es auch nicht um "riesige Mengen" von billigem Fleisch. Schafhaltung ist an sich eine sinnvolle ökologische Nischenproduktion - das macht die Diskussion etwas komplizierter.

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Wieso soll das die Diskussion verkomplizieren?
Was denken Sie womit dieses Produkte in Konkurrenz steht?
Wenn der Kunde bereit wäre die Kosten für den Herdenschutz zu bezahlen, dann müsste man nicht darüber diskutieren.

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Der Wolf lässt sich hervorragend publizistisch bewirtschaften, wenn die Rede vom revidierten Jagdgesetz ist. Verständlich. Das Tier lässt keinen kalt, ebenso wenig wie die gerissenen Schafe. Und genau diese Problematik hätte durch die Motion des Bündner CVP-Ständerats Stefan Engler (143151) 2014 mit einer moderaten Anpassung des Jagdgesetzes «zum Zwecke der Bestandsregulierung bei Wolfspopulationen» entschärft werden können. So hätte die Bergbevölkerung besser mit dem Wolf umgehen können. Die Umweltorganisationen stellten sich dahinter, auch das Parlament – vorerst. Doch einige Parlamentarier nahmen Fährte auf, witterten die Chance und obsiegten. Und nun stimmen wir über ein JSG ab, das mit dem «S» - Schutz – nicht mehr viel am Hut hat. Es geht bei der Abstimmung am 27. 09. bei weitem nicht nur um den Wolf. Die Gesetzgeberin belässt nämlich auch nach der Revision des Jagdgesetzes stark gefährdete Arten auf der Abschussliste. Deshalb steigen auch alle Umweltschutzorganisationen auf die Barrikaden. Jährlich werden je rund 400 Birkhähne und etwa 100 Steinböcke auf der Jagd nach Trophäen erlegt. 400 Schneehühner fallen der Sportjagd zum Opfer und 1600 Feldhasen der traditionellen Niederjagd mit Hunden. Stolze Zahlen für eine Jagd ohne ökologische Begründung. Alle zwar auf der Roten Liste, aber halt ohne lärmende Lobby im Parlament. Ebenso wie Luchs, Biber, Fischotter oder Graureiher, auch sie geschützte Arten notabene. Ein Verdacht auf eventuellen Schaden genügt zum Abschuss. Ihr Einfluss aufs Ökosystem, einfach ausgeklammert. Breit abgestützten Komitees von Jägerinnen und Förstern, die sich klar gegen die Revision stellen, unterstreichen dies. Doch zurück zum Wolf: Könnte es sein, dass der Wolf, der die Rindernachgeburt, frass, derselbe war, der die Skischule besuchte. Obwohl eigentlich keine Nachgeburt einfach so «herumliegen sollte. Der Wolf lernt schnell, dass die einfachsten Leckerbissen in Menschennähe zu finden sind und verliert die Scheu. Es gibt noch zu lernen. Mehr dazu in dieser Sendung von «Netz Natur» https://is.gd/SKFefn. «Mettler glaubt nicht, dass sich im Fall einer Annahme der Vorlage einzelne Kantone radikalisieren und Wölfe ohne Begründung auf Vorrat abschiessen würden.» Sein Wort in Gottes Ohr! Wie ist es möglich, dass der Kanton Wallis im Alpgebiet südlich der Rohne klamm und heimlich vom Luchs «gesäubert» wurde… Die Bundesverfassung nimmt in den Artikeln 78 und 79 ganz klar den Bund beim Schutz der wildlebenden Tier - und Pflanzenarten in die Pflicht nimmt. Belassen wir es dabei. Nein, diese Revision ist ein Pfusch. Zurück auf Feld eins, zurück zur Motion Engler!

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Den Artikel habe ich gerne gelesen, aber im Hinblick auf die Abstimmung erachte ich den Fokus auf nur den Wolf ebenfalls als sehr problematisch. Zudem wird halt schon auch klar, dass viele mit den Herdenschutzmassnahmen hadern. Hier bestünde m.E. definitiv noch einiges Potential. Abschüsse von Wölfen sollten in Einzelfällen erlaubt werden, das denke ich auch. Ich bezweifle aber die Kompetenzen jener, die heute darüber entscheiden und noch viel mehr derer, die, wenn in Kompetenz der Kantone, in Zukunft (bei Annahme des rev. Jagdgesetzes) darüber entscheiden würden. Denn dafür gibts wohl in der CH in der Tat nur eine Handvoll Leute mit ausgewiesener Kompetenz. Mit einigen davon hat die Republik für diesen Artikel gesprochen.
Und um zum Ausgang zurück zu kehren: Die Situation Wolf mit der Situation Biber, Auerhahn, Graureiher, ........... in der CH, zu vergleichen oder in einen Topf zu werfen, das ist schlicht sehr, sehr ungut. Differenzierung und ausgewiesenes Fachwissen, das wäre hilfreich. Aus diesen Gründen ist mein Nein ein absolut sicheres.

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Eigentlich sind wir Unterländer an den Wölfen schuld. Denn wir zahlen üppig Subventionen für Schafe welche es dort oben nicht braucht. Zumindest im Wallis sind die Schafe den ganzen Sommer über unbegleitet. Da geht es im Herbst um die Anzahl Stück fuer die Subventionen. Sonst interessieren die Niemanden. Die maximalen Belegungszahlen werden in einem Buero festgelegt und vielleicht kontrolliert. In einem trockenen Sommer erscheinen Alpen grenzwertig belegt. Dabei fressen sie den Steinböcken das Gras weg und koennen sie mit einer bakteriellen temporaeren Blindheit anstecken, an welcher sie selbst nicht erblinden.

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Schade, dass jetzt auch die „Republik“ suggeriert, es gehe nur um den Wolf bei diesem revidierten Jagdgesetz. Dass der Wolf pragmatischer reguliert werden soll, ist bei vielen unbestritten. Dass aber mit dem neuen Jagdgesetz einerseits der ganze Artenschutz aufs Spiel gesetzt wird und andererseits viele Schutzmassnahmen noch immer keine Aufnahme gefunden haben, geht gar nicht. Hier wird das Kind Artenschutz mit dem Bade Wolfsregulierung ausgeschüttet. Und das inmitten eines vom Menschen verursachten globalen Massenartensterbens und einer nie dagewesenen Biodiversitätskrise. Deshalb sind sich auch sämtliche Natur- und Tierschutzorganisationen der Schweiz, inklusive Zoo Schweiz, einig: Es braucht eine Nein am 27. September, um den Weg für eine zeitgemässe Lösung freizumachen.

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Richtig! Es wird quasi via Hintertür möglich, Biber, Luchs, Fischotter, Graureiher oder Höckerschwan abzuschiessen, während gefährdete Tierarten wie Feldhase, Birkhahn, Schneehuhn und Waldschnepfe noch immer nicht unter Schutz gestellt werden.
Ich sehe wirklich ein, dass beim Wolf die Not bei den Bauern gross ist, aber dieses Gesetz geht gar nicht.

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Als würden der Schwan, der Bieber usw. nun gleich ausgerottet. Sie geniessen auch mit dem neuen Gesetz hohen Schutz.
Sonst, wieso spricht niemand von der Katzenplage in unseren städtischen Wohnquartieren? Eidechsen sind hier selten geworden. Sind halt süss, die Katzen... und der Wolf so schön und sozial... Auch er ist weiterhin gut geschützt.

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Entschuldigen Sie meine Naivität, ich habe mich bislang noch zu wenig mit den Abstimmungen auseinandergesetzt. Aber aus welchen Gründen sollten Kantone entscheiden, solche Tiere abschiessen zu lassen? Das erschliesst sich mir nicht. Kantone hätten keinen Grund, verantwortungslos mit dem Gesetz umzugehen.

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seit 2018