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Die Kultur des Polit-Hooliganismus ist in der Schweiz gut verankert. aBR Blocher und seine Komparsinnen brauchten keinen Trump, um ihn zu starten.

Ein klein wenig Hoffnung macht die Tatsache, dass Blocher nun soweit ist, dass es ihm wichtiger ist, 2 Millionen Ruhegehaltgelder abzuholen, als seine Partei auf zukunftsträchtige Themen und Parolen einzuschwören. Er ist alt und verbraucht und es gibt keine Nachfolge, die seine Rolle übernehmen könnte.

Die einzigen Schlager, mit welchen die SVP noch in die Politdiskussion mitzuprägen versuchen, sind Dumpfbacken wie NR Glarner, NR Büchel und NR Wobmann, die aus den untersten Schubladen der Verunglimpfungen ihre Äusserungen holen.

Sie sind die Speerspitze des Polit-Hooliganismus der gegenwärtigen Polit-Schweiz. Bis jetzt nur eine Randerscheinung, gilt es jetzt und in Zukunft, ihre Bedeutung und ihren Einfluss nicht wachsen zu lassen.

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Meine Hoffnung, dass wir nicht so rasch amerikanische Zustände haben werden, beruht zuvorderst auf der Tatsache, dass wir funktionierende, intakte Sozialsysteme haben. Damit der Einfluss des "Polit-Hooliganismus" nicht zunimmt, müssen wir vorallem darauf achten, dass diese Systeme erhalten und ausgebaut werden. Dies gilt heute umsomehr, als Covid viele an den Rand ihrer wirtschaftlichen Existenz gebracht hat.

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"Diese Systeme ausbauen" kann nichts anderes heissen als Bürgerdienst (Care, Vereine, Militär), Grundeinkommen nicht nur für AHV-Rentner und Kinder und Klimagerechtigkeit.

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Blochers Erfolg entstand meines Erachtens entlang der Entwicklungslinie von (General) Wille, Fröntler und Schwarzenbach. Er brauchte keinen Trump, als hier genügend faschistisches Gedankengut vorhanden war: 'WIR gegen die Anderen', 'Blut und Boden'. Als Populist ausgezeichnet hatte ihn die kalkulierte Unverfrorenheit, mit der er auch die Ems-Chemie erwarb.

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Suchtleser
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So viel wahre Worte! Ich bin ganz ihrer Meinung.

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interessierter Leser
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Der Hinweis von Herrn Binswanger auf die Trumpfreundlichen Gratwanderungen von Teilen der NZZ-Redaktion ist sehr wichtig (von der Weltwoche nicht zu reden). Es ist offenbar immer noch so, dass rechts aussen alle okay sind, die die Steuern möglichst massiv senken und die Börsenkurse beflügeln, selbst wenn die Demokratie dabei zugrunde geht. Wie war schon wieder die Haltung gewisser „Wirtschaftsführer“ anlässlich von Hitlers Machtergreifung?

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Hitler brachte die Wirtschaft zum Laufen, da musste man investieren und da hat auch die Schweiz profitiert. Heute wird weiterhin ohne Rücksicht in Fossil Fuels und in die Ausbeutung der Dritten Welt investiert.
PS. Wenn Corona vielleicht einmal vorbei ist, können wir im Kunsthaus die 'Sammlung E. G. Bührle' bestaunen.

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In seinem sehr aufschlussreichen Kommentar sagt Dniel Binswanger voraus, dass sich die Trump-Anhänger in der Schweiz blad mit ihren Wahlbedtrugsfantasien melden werden. Das ist schon gestern geschehen. Im Tages-Anzeiger veruteilen zwar Roger Köppel und Claudio Zanetti den Sturm aufs Capitol erklären aber beide, dass man ja wisse, dass bei der Präsidentenwahl Unregelmässigkeiten vorgekommen seien. Warum gibt man einem Roger Köppel in den Medien immer wieder die Gelegenheit, seine abstrusen Ideen zu präsentieren?

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Ich danke Daniel Binswanger für seine klaren Worte! Besonders dankbar bin ich ihm für den Mut, das Wort Faschismus in den Mund (oder in die Tasten) zu nehmen. Wer das tut, wird ja meist sofort zurechtgewiesen und man wirft ihm/ihr vor, die Untaten der Nationalsozialisten zu verharmlosen. Ich befürchte im Gegenteil, dass diese Haltung die Keimlinge des Faschismus, wo immer sie ans Tageslicht drängen, verharmlost und damit deren Wachstum begünstigt. Ich erinnere mich an ein Radio-Interview mit Erich Fromm vor Jahrzehnten, in dem er warnte, es gebe keine Nation und kein Volk, das gegen den Faschismus gefeit sei, auch nicht das jüdische! Ich möchte beifügen: auch nicht die Schweiz! Man denke nur an gewisse SVP-Plakate! Auf TeleZüri hat Roger Köppel nach dem Sturm aufs Capitol permanent versucht, die Aufmerksamkeit von diesem Ereignis weg auf die Enttäuschten und zu kurz Gekommenen in Amerika hinzulenken, die das eigentliche Problem darstellen würden, nicht Donald Trump. Und dreist behauptete er, dieser habe im Gegenteil seine Anhänger heimgeschickt. Und obwohl die Moderatorin ihn berichtigte und sogar das Video einspielen liess, das bewies, dass Trump diese Aussage erst in einem zweiten Video, lange nach den Ereignissen im Capitol, machte, kam Köppel darauf zurück und beharrte auf seiner Falschaussage. Ja, so beginnt Faschismus. So setzt sich Faschismus fort, so setzt er sich fest, in den Gehirnen der Menschen und schliesslich in der alltäglichen Realität. Mit Verdrehungen, Relativierungen, mit Ablenken und Abwiegeln, mit Lügen, Lügen und Wiederholen der Lügen.
E. R.

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Von Köppel habe ich ja nichts anderes erwartet, aber auch die FDP macht inzwischen mit: Christian Wasserfallen vergleicht die Klimastreikenden die im Bundeshaus ein Transparent von der Zuschauertribüne lassen mit dem Angriff aufs Capitol...

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Nichts Neues, Elmar Ledergerber SP nannte damals die Stadiongegner (Oeko-) Terroristen.

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Seit Köppels (Goebbels?) Göring-Verherrlichung wissen wir, wes Geistes Kind er ist. Ein Fauxpas Blochers, in Stürmer-Postillen und angehängte Karrieren zu investieren. Und ein trauriges Zeichen der Zeit, dass ein hasszerfressenes Milchbubi mit der Logik eines einfarbigen Rubrik-Würfels für eine Geistesgrösse der Nation gehalten wird.

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Köppel wie auch Wasserfallen machen das schon lange; manchmal möchte man fast sagen, sie haben die Grundlage geliefert dazu. Und genau das war nicht Blochers Fauxpas, sondern Strategie. Wir haben ebenfalls sehr lange einfach nur zugeschaut.

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Liebe Frau R., herzlichen Dank für Ihre Bemerkungen. Ich kann Ihnen nur beipflichten: Auch in der Schweizer Öffentlichkeit fehlt es nicht an pathologischen Lügnern mit klarer politischer Agenda. Herzlich, DB

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Nach dem Kommentar von Gujer in der NZZ vom 13. Dezember bin ich nun tausendmal froh, dass ich das Abonnement der NZZ schon vor mehr als einem Jahr gekündigt habe. Keinen Franken fliesst von mir mehr zur NZZ. Da geb‘ ich lieber der Republik einen oben drauf.

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Die NZZ meldet sich nach meiner Kündigung erfahrungsgemäss - oder gefühlt mindestens - einmal im Jahr mit einem Angebot für ein Probeabo. Meine Absage begründe ich jeweils damit, dass ich mir "eine so sexistische Lektüre nicht mehr zumuten möchte".

Und nun das Spannende: Diesen Herbst wollte ich schon ausholen und wurde unterbrochen von der netten Person mit: "ja, ich weiss, die NZZ ist etwas sehr rechts geworden unter EG, und seine Leitartikel ...".

PS: Wir unterhielten uns ein Weilchen. Ich bat darum, den Sexismus-Vorwurf zu notieren. Die Person meinte, das Gespräch werde eh aufgezeichnet. WTF? Nein, nur die Passagen der NZZ-Person, meine Aussagen würden nicht aufgezeichnet. Dann bat ich die Person natürlich, meine Kritik zu wiederholen ...

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Danke Herr Binswanger für dieses Big Picture.
Aus Ihren Zeilen entnehme ich, dass den Medien in Zukunft eine noch zentralere Rolle zukommt als bis heute.
Die Frage stellt sich immer, wer die Deutungshoheit zum Zeitgeschehen hat. Ist es die 4. Gewalt?
Den sozialen Medien kommt hier noch eine wichtigere Rolle zu. Sie haben eine weit destruktivere Funktion für die Demokratie als uns lieb sein kann.
Hoffen wir, dass die dritte Dekade im neuen Jahrtausend nicht die der virtuellen alternativen Realitäten wird.
Wer wird zukünftig das Wahrheitsmonopol in Anspruch nehmen? Wie können wir uns dagegen schützen? Wie können wir kritisch bleiben, gegen aussen und gleichzeitig im Innen. In unserem eigenen vermeintlich vertrauenswürdigen Kreis?
Wenn wir hier nicht eine offene transparente demokratische Diskurskultur führen, wird jegliches systemische Vertrauen in Frage gestellt. Dann bleibt nur noch das personale übrig. Vertrauen in diese Figuren des Faschismus und Totalitarismus.
Wie erreichen wir eine neue starke Vetrauenskultur in einer gelebten, offenen Demokratie? Welche Mechanismen stärken sie? Was ist hier die Rolle der Medien und der drei Gewalten?
Gerne würde ich hier mehr dazu in der Republik lesen.
Danke für Ihre Denkanstösse.

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Gut, dass es die Republik gibt und ich nicht mehr die NZZ lesen muss.

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Niemand muss die NZZ lesen (ich schaffte es aus rein intellektuellen Gründen nie :-) und Print-Vorgängerin der Republik war die "Leser-Zeitung", wo zum Beispiel auch über Subventionen für Blochers Ems-Chemie berichtet wurde.

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Danke für die Analyse und besonders auch für den Seiten-Blick in die Schweiz. Die Rolle der Medien in der Schweiz ist eines. Wenn ich mich durch die Kommentare zu Facebook-Posts von vielen Mitgliedern des NR, in der Tendenze von der rechten Seite, durchlese, wird es mir manchmal fast übel. Was dort an Verunglimpfungen und Beschimpfung von Andersdenkenden geschrieben wird.
Die Posts der PolitikerInnen sind ja oft noch smart bis zu honigsüss formuliert. Und doch betätigen sie sich immer wieder als Brandstifter. Die Reaktionen ihrer FollowerInnen darauf übertreten dann oft Grenzen.
Können sich die Legislativ-PolitikerInnen hier einfach auf die Redefreiheit berufen? Wann ist es in ihrer Verantwortung, gehässige Reaktionen auf ihre Posts zu lesen und gegebenenfalls auch zu löschen.

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Einmal mehr ein grossartiger Kommentar von Binswanger.
An einem Satz bin ich etwas länger hängen geblieben: "Mit flächendeckenden Propaganda­lügen leben die Vereinigten Staaten schon viel zu lange."
Wie wahr! Aber gilt das nicht auch für die Schweiz? Ich bin ein Kind des kalten Kriegs und habe die damalige Kernthese der ideologischen Hegemonie des Bürgerblocks nicht vergessen: Dass es eine akute Bedrohung durch die Sowjetunion gebe - militärisch und durch "ideologische Unterwanderung". Jegliche Opposition, die den Rahmen der Konkordanz sprengte, wurde als "moskaugesteuert" diffamiert. Dieses Denken wirkte bis weit in die SP hinein.
War das nicht auch eine Propagandalüge? Und der liebste Mythos der Schweiz, die Neutralität ? Zwar mussten bezüglich der behaupteten Neutralität im zweiten Weltkrieg nach Jahrzehnten der Kritik gewisse Abstriche gemacht werden. Aber dass die Neutralitätslüge nach wie vor robust verankert ist, zeigte sich jüngst bei Kryptoskandal: ohne personelle und politische Konsequenzen entsorgt.
Fake News und "fake beliefs" sind also weder ein Alleinstellungsmerkmal der Trump-Administration noch unseres Jahrzehnts. Diese Feststellung ist weder eine Kritik am Kommentar noch eine Relativierung der epochalen Widerlichkeit Trumps. Aber wir sollten ab und zu auch einen Blick in den Rückspiegel tun.

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em. Professor UZH
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Es ist erstaunlich und erschreckend wie die autoritären Tendenzen von Trump im erwähnten NZZ-Beitrag trivialisiert und sein Lügengebäude mit den angeblichen Fake-News der Demokraten gleichgesetzt wurde. So heisst es im Artikel: "Die Demokraten und ihre Hilfstruppen in den Medien und Verlagen gingen ihrerseits daran, ein komplexes Gebäude von alternativen Fakten zu errichten. …. Indem der Präsident die Wahl verlor und keine der Phantasmagorien der Resistance-Bewegung Wirklichkeit wurde, sind alle blamiert, die sie verbreiteten. Auch die Zeitungen, Fernsehsender und Verlage, die so einträglich von diesem Trump-Business lebten, haben ihre Glaubwürdigkeit verloren." Nach dem von Trump angestachelten Sturm auf das Capitol betrifft der Verlust der Glaubwürdigkeit nun aber jene Kreise, die seine demokratiefeindliche Einstellung kleinredeten und die staatsgefährdenden Impulse seiner Anhänger als Phantasmagorien abtaten.

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Action Anthropologist
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Die Analyse von Binswanger ist wieder mal messerscharf und genial.
Mir kommen in dem Zusammenhang auch noch einige Gedanken in den Sinn:
Die "Trumpisten" sind so grottenschlecht, dass es beinahe wieder gut ist!
Es ist kinderleicht, sich von diesen verwegen-dümmlich und demomstratriv freiheitlich ohne Maske in die Kameras grinsenden "Rechts-Punks" zu distanzieren und sich ihnen in allen Dingen überlegen zu fühlen, mit Ausnahme eben dieser verwegenen Dümmlichkeit, die an die stockbesoffene Unvernunft an einem Karneval erinnert.
Diese Trump-Hooligans haben also in die "Heiligen Hallen der Demokratie" gepinkelt. Einer hat seine robusten Kampfstiefel auf dem Bürotisch von Nancy Pelosi abgesetzt.
Andere haben Akten herausgerissen und auf den Parkettböden verteilt. Einer (ein Möbelschreiner, wie sich herausstellte) hat ein Redner-Stehpult mitlaufen lassen.
Alle diese Randalierer haben sich bei ihren Aktionen so gut zu erkennen gegeben, dass die "Verschwörungstheorien", welche von FOX-News und Co. postwendend verbreitet wurden, wonach an der Erstürmung des Capitols vor allem als Rechtsextreme verkleidete AntiFa-Terroristen beteiligt gewesen seien, auf sehr sehr schwachen Beinen stehen...
Die Trump'sche Piraterie hat wieder mal zwei völlig gegensätzliche Effekte:
Sie trennt sozusagen das schmierige (und korrupt geschmierte) Öl vom (nachhaltigen) Wasser.
Wer den Trump'schen Lügengebilden und der neoliberalen Tea Party-Ideologie bis heute gefolgt ist, bleibt jetzt im selbst gesponnenen Lügen-Netz der Riesenspinne Trump gefangen.
Auch die Riesen-Spinne Trump selber kann nicht mehr aus ihrem Lügen-Netz raus!
Wenn Trump nämlich jetzt zugeben würde, dass er die Wahl regulär verloren hat, dann würde er ja gleichzeitig zugeben, dass er seine fanatisierten Anhänger alle die Jahre an der Nase herumgeführt hat!
DAS würden die ihm wohl nie verzeihen! Trump würde vom gleichen Mob, den er jetzt anführt, als Verräter gerupft, geteert, gefedert, wie Mich Mc Conell.
Und nachher würden sie den falschen Messias am nächsten Baum aufhängen.
Wir hingegen können alle froh sein, NICHT zu diesem Horror-Gespinst aus Lügen und Intrigen zu gehören, in dem offenbar ca. die Hälfte der (republikanisch wählenden) USA gefangen sind!
Damit komme ich zur anderen, ERFREULICHEN Seite des Trumpismus und seinen Wirkungen auf die USA und auf die Welt:
Er spaltet zwar die Gesellschaft(en), aber er EINT auch die andere, "bessere Hälfte" der "Gutmenschen"!
Die Demokratische Partei war lange zerstritten. Zwischen dem "Establishment" und dem "Linken Flügel" kommt es immer wieder zu Spannungen und zuweilen gehässig-agressiven Auseinandersetzungen. Insbesondere die AfroamerikanerInnen waren enttäuscht, dass sich auch unter dem ersten schwarzen Präsidenten für sie nicht viel geändert hatte und wendeten sich ab von der (für sie unnützen) Beschäftigung mit Politik.
Doch der Trumpismus und damit ein monströses, neo-rassistisches-, neo-chauvinistisches-, neo-militaristisches Mafia-Willkür-Regime von "Alten, Weissen Männern", das zudem noch alle ökologischen Bemühungen und zäh errungene Menschenrechte in den Boden stampfte, weckte sie alle und holte sie zurück in die Politik und in das zivilgesellschaftliche Engagement!
Die Demokratische Partei raufte sich zusammen und einigte sich auf aussichtsreiche Kandidaten der moderaten Mitte: Joe Biden und Kamala Harris!
Die feministische "Me Too!"-Bewegung! Die "Black Lives Matter!"-Bewegung! Die Bewegung gegen das freie Waffen tragen! Die "Frydays for Future"-Bewegung!
Und schliesslich die ungeheure Mobilisierung von WählerInnen an den Präsidentschaftswahlen!
Insbesondere die AfroamerikanerInnen trotzten der systematischen Benachteiligung in republikanisch regierten Ländern, indem sie tagelang in Schlangen standen, die sich vor von den Republikanern absichtlich ausgedünnten Wahlurnen gebldet hatten!
Mit bewundernswerter Beharrlichkeit und Hartnäckigkeit schafften sie es insbesondere, den ehemals finsteren Konföderierten-Südstaat Giorgia zu "drehen" und jetzt auch noch zwei Senats-Sitze für die Demokratische Partei zu erobern!
DIESER Sturm auf eine der letzten Bastionen der "Sklavenhalter-Gesellschaft" war die eigentliche Revolution!
Sie ist aber im medialen Getöse über den Trump'schen Saubanner-Zug im Capitol kaum beachtet untergegangen...
Das Kalkül von Trump's Umsturz-Bluff ist leicht zu durchschauen:
Er weiss, dass er das Weisse Haus verlassen muss, droht aber vorsorglich mit seinem Einfluss auf den radikalisierten Mob, für den Fall, dass man ihn mit weiteren Strafklagen belästigen sollte.
Ich hoffe, die Regierung Biden wird schlau genug sein und uns erst mal mit der Plage Trump in Ruhe lassen! Stattdessen sollte er sich rasch und konstruktiv an die Arbeit machen, den "Green New Deal" vorantreiben und die Corona-Pandemie mit wirksamen Massnahmen in den Griff zu kriegen versuchen. Das Rassismus-Problem bei Polizei und Justiz angehen. ExponentInnen des "Linken Flügels" in die Regierungsarbeit aufnehmen und einbinden. Die verlässliche Zusammenarbeit mit Europa wieder aufnehmen.
Sich vom Putin'schen Mafia-Staat in Russland klar und deutlich distanzieren.
Mit China Wege aus dem Handelskrieg herauszufinden versuchen. Usw.
Und wenn das alles zu laufen beginnt, wird es ein Leichtes sein, auch noch den "Braunen Sumpf" um Trump herum auszutrocknen und diese zwielichtigen Ganoven mit Strafklagen einzudecken und dingfest zu machen!
(Hashtag: Manwirddochwohlnochträumendürfen)

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Lucia Herrmann
Community @ Republik
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Lieber Herr Müller, darf ich Sie bitten das von Ihnen verlinkte Video kurz einzuordnen (Vgl. Republik-Etikette: «Wenn Sie zum Beispiel externe Links posten, dann erklären Sie, worum es sich dabei handelt.»)
Merci! und noch einen schönen Abend

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Es zusätzlich zu beachten, dass die aggressive us-amerikansische Aussenpolitik seit mehr als 150 Jahren auf "alternativen Fakten" beruht, genau so wie Kommunistenhatz Ende der 50er- und anfangs der 60er-Jahre oder die verlogene Drogenpolitik.

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"Lassen Sie uns das Wort ergreifen!

Wir, unabhängige Bürger mit unterschiedlichem Hintergrund, wollen weder eine libertizide und autoritäre Regierungsführung noch eine angstauslösende und gespaltene Gesellschaft.

Wo ist unsere Freiheit geblieben?

Unsere Regierungen haben katastrophale Maßnahmen für unsere Freiheiten und unsere Demokratie ergriffen:"

.. und so weiter. 12'000 Menschen haben diesem Unfug zugestimmt, laut der Webseite unter dem Titel "tous" punkt "ch". Echt? Die Schweiz? "autoritär"? Wegen Corona-Massnahmen? Mein Lachen bleibt mir im Hals stecken, denn - die meinen das ernst.

Der Sumpf, aus dem krakeelnde und pöbelnde freie Bürger Parlamente stürmen, den gibt's auch in der Schweiz. Und - am Ende braucht es ja nur eine(n) Verrückte(n), der sich durch die Stimmung bestätigt genug sieht und zur Tat schreitet.

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Ja genau: "Der Sumpf, aus dem krakeelnde und pöbelnde freie Bürger ...am Ende braucht es ja nur eine(n) Verrückte(n) ... "
Und die Alternative dazu sind Sie ? - mit solchen 'krakeeligen' Sprüchen ?
Verstehen Sie das / Ihr / unser Problem ?

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Gerne, lassen Sie uns diskutieren - weder werde ich Sie anpöbeln, anschreien oder angreifen.

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Yvo Wüest / Education Minds GmbH
Trainer Didaktische Reduktion
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Danke für diese treffende Analyse. Was mir jedoch bei diesem Text und vielen europäischen Editorials der letzten Tage auffällt, ist die Fokussierung auf Trump:

"Der Sturm aufs Kapitol wirkte trotz mehrerer Toter und eines noch viel weiter gehenden Gewaltpotenzials weniger wie eine organisierte Insurrektion als wie das surreale Finale der grossen Donald-Reality-Show."

Interessanter als die Figur Trump wäre eine Diskussion über den gesellschaftlichen Rahmen in den USA, in denen die aktuellen Aufstände vermutlich eher ein Symptom für tieferliegende soziale Verwerfungen ist.

Dazu gehört die wachsende Verelendung der Bevölkerung, erkennbar beispielsweise an der durch Covid noch stärker als ohnehin bereits sinkenden Lebenserwartung; einem maroden und unfairen Bildungssystem; sowie einer enormen Staatsverschuldung, die vor allem die Bundesstaaten und Städte trifft.

Wenn Biden und die demokratische Mehrheit diesen politisch orchestrierten Rahmenbedingungen in den nächsten zwei Jahren nicht begegnet, scheint die nächste Kollision der "Titanic", der sogenannten Führungsmacht der freien Welt, unausweichlich.

In diese Richtung zielt beispielsweise die Analyse des Kulturwissenschaftlers Peter Turchin auf seinem Blog: https://bit.ly/3bnhnHy

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Erstaunlich, dass hier nicht jene beteiligt waren, die von den genannten Punkten am stärksten betroffen sind. Das ist kein Unterschichtsprotest, sondern die Mittelschicht, denen die Felle davon schwimmen.

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Yvo Wüest / Education Minds GmbH
Trainer Didaktische Reduktion
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Ich teile Ihre Einschätzung, dass viele Trump-Anhänger*innen der Mittelschicht zugehören. Sie sprechen die dort vermutlich verbreitete "Angst" oder genauer "Angst vor Statusverlust an.

Dabei handelt es sich nach meinem Verständnis um ein diffuses Phänomen. In der Soziologie und den Politikwissenschaften wurde nach meinem Infostand bisher wenig systematisches Wissen generiert, um dies in einer Theorie zu fassen (Angst als Ursache und Folge gesellschaftlicher Spannungen: Befunde, Kritik und Forschungsbedarf (mit Judith Eckert). 40. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Soziologie, digitale Durchführung, 09/2020).

Doch in Bezug auf die USA sehe ich es so: Der Wandel des Arbeitsmarktes, der schon vor Trump auf Hochtouren lief, förderte Prekarisierungs- und affektive Konflikttendenzen. Die sich ihrerseits auf die Teilhabechancen in der US-Gesellschaft auswirkten.

Wenn die neue Administration dem nicht energisch entgegenwirkt, werden die Republikaner in vier Jahren genügend Verängstigte finden, die einem ähnlich gestrickten "Heilsbringer" folgen. Und sich sozialen und wirtschaftlichen Reformen, die ihnen, aber besonders dem vulnerablen Teil der Gesellschaft Verbesserungen bringen würden, entgegen stellen.

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Nein, das ist nicht erstaunlich. Ich bin mit der Grundkritik von Herrn Wüest einverstanden. Die soziale Lage, die Trumps Wahl ermöglichte, hat sich nicht verbessert. Dass sich nicht primär Leute aus der Unterschicht an der Erstürmung des Capitols beteiligt haben, liegt auf der Hand. Leute aus der Unterschicht können sich die lange Reise nach Washington gar nicht leisten. Es sind in der Regel ohnehin kaum je die Verelendeten und komplett desillusionierten Menschen, die solche Aktionen tragen.

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Die europäische Sicht ist tatsächlich eingeschränkt, denn Trump ist keine Folge "der Verelendung", sondern wie vieles in den USA eine unmittelbare Folge der 'Original Sin'.
Es ist kein Zufall, dass mitten im tiefen Süden der schwarze Pastor, der heute in Martin Luther Kings Kirche predigt, und ein junger, jüdischer Unternehmer in den Kongress gewählt wurden und nur einen Tag später ein hauptsächlich weisser und männlicher Mob, der Militär gegen Black Lives Matter fordert und in Charlottesville ungestraft "Jews will not replace us" rief, das Kapitol stürmt.
PS. Der Sturm aufs Kapitol war tatsächlich das 'Treason-Finale' der 'Trump Presidential Reality Show'. Vorlage war Wilmington NC 1898, wo die 'White Supremacy' tatsächlich mit einem Coup d'Etat eine Wahl annullierte. Trump auditiert damit für weitere Vorstellungen bei Putin, als Gegenleistung erwartet er dringend benötigte Kredite.

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Yvo Wüest / Education Minds GmbH
Trainer Didaktische Reduktion
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· editiert

Danke für Ihren Beitrag. Wie verstehen Sie „Original sin“ im Kontext der von mir geschilderten gesellschaftlichen Verwerfungen und möglicherweise wachsenden Abstiegsängsten in etablierteren Bevölkerungsgruppen in den USA? Bezüglich überraschendem - und knappem - Wahlergebnis sehe ich diesen Wahlsieg der demokratischen Mittekandidaten als einen Verdienst von Stacy Abrams und der engagierten Graswurzelbewegung.

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Michel Rebosura
Ratsmitglied Project R Genossenschaft
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· editiert

Vielen Dank, Daniel Binswanger, für die Einordnung! Eine Bemerkung möchte ich noch hinsichtlich der «Flintstone- und Wikingerkostüme» machen, die auch bei Seibts «fantastischen Kostümen» angebracht wäre. Nämlich, dass man die ohnehin sich viral verbreitenden Bilder des mit Fellen bekleideten Extremisten im Capitol gar nicht, so wenig wie möglich oder wenn, dann nur mit entsprechender Kontextualisierung weiterverbreiten soll. Selbst wenn es mit der Absicht geschieht, ihn lächerlich zu machen. Es reicht auch nicht sie als blosse Kostüme zu verharmlosen. Denn die Symbolik ist klar und nicht unschuldig, im Gegenteil, sie ist bewusst gewählt und hoch politisch:

  • Das eine Tattoo zeigt Mjölnir, Thor’s Hammer, der in der Völkischen Bewegung benutzt, d. h. missbraucht und appropriiert wurde, bis er ab 1910 allmählich vom Hakenkreuz abgelöst und heute von Rechtsextremen wiederentdeckt worden ist. In den USA gilt er laut der Anti-Defamation League als hate symbol. Seine anderen Tattoos zeigen noch Yggdrasil , den Weltenbaum, und Valknut, den Wotansknoten, die ebenfalls völkisch vereinnahmt worden sind. Dazu ist zu sagen, dass es auch unpolitische oder inklusive neo-pagane Gruppen gibt, welche diese Symbole im religiösen Sinn benutzen.

  • Der «wilde» Stil verweist auf den Maskulinistischen Autor Jack Donovan, der Bücher schrieb wie «The Way of Men» und «Becoming a Barbarian». (Man kann im Look auch die 68er Ikone aus «Easy Rider» sehen).

  • Dieser war auch Anführer der Wolves of Vinland, einer Nordisch Neo-paganen Gruppe, die als Neo-völkische Hate-group gilt. Und er trat in Medien von Breitbart, Yiannopoulos, Richard B. Spencer auf.

  • Er ist eine wichtige Figur der misogynen und antifeministischen Manosphere, wo auch ethologische Termini wie «Alpha» und «Beta Male» benutzt werden.

  • Donovan hat zudem die Vision, dass die (Amerikanische) Zivilisation kollabieren wird. Der Kollaps sieht er als Gelegenheit, aus Amerika «a place for men again» zu machen. Was nicht zuletzt zum Kern von «MAGA» gehört. Donovan ist somit Teil der militaristischen rechten Survivalist/Prepper-Szene.

  • Das «Q» bezieht sich natürlich auf den (Super-)Verschwörungsmythos «QAnon».

Es sind also diese Symbole, die mit den Bildern dieser Person weiterverbreitet werden. Damit wird nicht nur die Person zur Ikone, sondern auch die Symbole zu mächtigen. Wenn die Bilder von ihm und damit seiner Insignien verbreitet werden müssen, dann sollte es mit Verantwortung geschehen.

Wie an anderer Stelle gesagt: Auch Hitler (und Mussolini) und seine Schergen mit ihren esoterisch-synkretistischen Symbolen hielt man zu Beginn für Witzfiguren in komischen Kostümen.

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Faschismus beginnt mit starken Symbolen und symbolisch starken Handlungen... Faschismus beginnt nicht mit einer Lüge, denn lügen tun und müssen ab einer gewissen Verantwortung und Machtposition alle Menschen; «I did not have Sex with that women...» und Jürgen Trittins Fake zur Legitimierung von Bomben auf Belgrad? Das waren Lügen, hatte aber nichts mit Faschismus zu tun. Ja, das wird in diesem Beitrag von Binswanger erwähnt, dass die USA schon immer und nach wie vor auch unter Biden Propaganda-Lügen verbreitet haben und verbreiten werden. Der Titel und der Beitrag von Binswanger ist insgesamt aber für mich trotzdem nicht stimmig, bzw. ist er für mich oberflächlich. «Surreal» sollen sie gewesen sein, die Bilder, welche alle Institutionen und Menschen, die innerhalb der Medienlogik der Aufmerksamkeit leben, letztlich mit Handkuss nutzten und weiter verbreiteten? Für mich ging das Theater im und ums Capitol perfekt auf, surreal war da rein gar nichts und die rechte Szene hat es einmal mehr geschafft, absolut «geniales Medienmaterial» zu produzieren und unter die Weltbevölkerung zu bringen und das mit vergleichweise wenig toten Menschen... Mich macht diese Geschichte insofern traurig, als ich einmal mehr einer Aussage von vor ein paar Jahren von einem sozialliberalen Freund zustimmen muss: «Es ist schon bitter, dass heutzutage progressive Ideen und progressive gesellschaftliche Vehikel wie Kryptowährungen vor allem in rechtslibertären Kreisen entwickelt werden, die dann auch Faschos früher nutzen als andere. Es is traurig dass diese Vehikel vor allem diesen unheimlichen Kreisen zu Auftrieb verhelfen, während die Mitte und die Linke ausser Verbarikadierungen nichts Progressives leisten und vor allem der geordneten Nachkriegszeit bis und mit den Clinton-Jahren nachtrauern.» Mit «Verbarikadierung» meinte er übrigens das Blocken und Deplattformisieren. Für mich waren die Bilder vom 6. Januar 21 alles andere als surreal. Für Binswanger sind diese Bilder surreal, weil er im Vergleich zu Rebosura die heutige Kultur und Gesellschaft viel weniger gut «lesen» kann? Es ist nicht mein Problem, wenn Binswanger zwar das Hakenkreuz kennt, aber einerseits möglicherweise wegen mangelndem Interesse an Mode und Styles heutiger junger Menschen nicht erkennt, was für Symbole heute den Faschismus zeigen und andererseits möglicherweise wegen Sympathien gegenüber den pazifistischen libertinen Hippies von damals nicht erkennt oder nicht erkennen will, dass jetzt, ähnlich wie damals in den Neunzigerjahren bei den Silicon Valley Entrepreuneurs eine symbolische Vereinigung zwischen linksprogressivem und wirtschaftsliberalem Ductus, der zu unglaublichem Erfolg geführt hat, dass auch bei dieser neofaschistischen Bewegung solch eine Fusion nicht nur auf der Ebene der Ästhetik, sondern auch auf der Ebene des Einsatzes von progressiven Vehikeln, welche die Gesellschaft antreiben, statt gefunden hat, die progressiven Vehikel, die da wären «Herstellung von geilem Medienmaterial» und «Nutzung von Alternativen zu den Fiat-Währungen». Wetten, der Büffelhorn-Protestler bestellt seine Pizza nur bei einem Kurier, der BTCs akzeptiert? Die rechtsbürgerlichen Pro-Vietnam-Krieg-Medien haben damals bei den Protesten Ende Sechzigerjahre auch von surrealen Bildern, von Horden wilder Idioten mit Bart gesprochen als diese Washington belagerten. Diese Medien haben damals auch nicht erkannt, dass die progressiven Ideen gewisser nerdiger Hippies die Gesellschaft komplett umkrempeln werden. Faschismus beginnt mit starken Symbolen und symbolisch starken Handlungen, und wenn ausgrenzende, menschenfeindliche Ideologien zudem progressive Kulturtechniken einverleiben, und wenn menschenfreundliche Gesinnungsträger*innen nur noch durch Ausgrenzung die Ordnung stabilisieren können, dann gute Nacht! PS: Ich vermute jetzt mal, die Höhenflüge von Kryptowährungen sind für jene, welche die moderne Welt- und Gesellschaftsordnung gut lesen können, für die aber die Postmoderne nur ein Gedankenhype an den Unis war, ebenfalls einfach nur surreal?

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Faschismus beginnt nicht mit der Lüge, sondern mit Ausgrenzung und dazu dienen zuvorderst Symbole, Stile, Rituale.

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Danke für die interessanten Ausführungen. Ich habe bis jetzt nicht viel weiter als eine Verehrung des Heldenkult gedacht. Das Wikingerkostüm fand ich jedoch lustig: Die amerikanischen Ureinwohner haben ja den Wikinger den Hintern versohlt als sie nach Amerika kamen

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Peter Hirzel
Begeisteter Mitverleger/Leser
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Danke Herr Binswanger für Ihren Beitrag. Ja der Faschismus kommt auf leisen Sohlen und wenn man ihn bemerkt braucht es schon viel Rückgrat, sich ihm entgegen zu stellen. Schaut auf die Wörter die jemand verwendet. Werden sie in einem Klima des gegenseitigen Respekt ausgesprochen? Da muss auch ich an mir arbeiten.....

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Vielleserin
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Die Schweiz ist auf dem besten Weg dazu, solchen Parallelgesellschaften den Weg zu ebnen.
Ein gutes Beispiel ist der seit kurzem im Internet und auf diversen Hompages von Verschwörungstheoretikern erfolgte Aufruf "wir machen auf" (Geschäftsinhaber, welche aufgrund der Pandemiemassnahmen geschlossen haben müssen werden aufgefordert, ab 11.1.21 ihre Geschäfte trotz Verbot zu öffnen). Siehe https://wirmachenauf.ch/
Ich kann die Verzweiflung aller verstehen, denen durch den Staat ein Berufsverbot auferlegt wurde und derselbe Staat es bis heute nicht geschafft hat, die Verantwortung für die daraus entstehenden Konsequenzen zu tragen. Im Privatrecht ist es doch so, dass jeder, der einem anderen Schaden zufügt, für den Schaden haften muss. Mir konnte bis anhin niemand plausibel erklären, warum die Schadenshaftung nicht auch für staatlich verursachten Schaden gelten soll (in einem der reichsten Länder der Welt).
Wenn sich nun immer mehr Menschen vom Staat nicht verstanden, nicht ernst genommen, benachteiligt und alleingelassen fühlen, ist das ein gefundenes Fressen für Verschwörungsmythiker. Ich kann mir gut vorstellen, dass viele Betroffene (sei es aus der Gastronomie, der Kultur usw.usf) in ihrer Verzweiflung und ihren berechtigten Existenzängsten sich schlussendlich entschlossen haben, an Demonstrationen gegen die Corona-Massnahmen teilzunehmen. Dort gibt es dann eine Durchmischung von durch staatliche verordnete Massnahmen Notleidende, Verschwörungsverbreiter bis hin zu Rechtsextremen. Und wie immer in Krisensituationen wissen das die Verschwörungstheoretiker geschickt zu nutzen. Sie geben den Notleidenden das Gefühl "wir verstehen dich" und "jetzt haben wir ja den Beweis dafür, dass unser System korrupt, nicht tauglich, Lügen verbreitend ist" usw.
Ich sehe, wenn der Bundesrat und die Kantonsregierungen nicht sofort einen Kurswechsel vollziehen, nicht sofort handeln (real und nicht mit Worten), nicht sofort für die Bevölkerung verständlich und angemessen kommuniziert, und nicht aufhört, statt zu Handeln dem Volk ständig neue Ausreden zu präsentieren, eine grosse Gefahr für unsere Demokratie.
Und um jetzt nicht einen Shitstorm linker Politiker zu provozieren: Ich sehe und begrüsse eure Bemühungen, den Bundesrat und die Kantonsregierungen zu bewegen, endlich adäquat Verantwortung zu übernehmen.

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Und so langsam sind wir entrüstet, nachdem wir einen Abend lang fast belustigt zusahen, wie psychotische Waldschrate im Kapitol herumtrollten. Als Kulmination wird nun sogar the real Donald's Twitter-Account gesperrt. Dass es so weit kommt, hätte niemand gedacht, obwohl the real Donald damit seit über 4 Jahren täglich lügt, rufmordet, Schindluder treibt und Amt und Land besudelt. Aber bitte halblang: Es waren Weisse, die stürmten. Herrenmenschen. Durch diverse Substanzen und imaginären Wahlbetrug zermürbt, nicht mehr ganz der Vorherrschaft fähig. Zu kurz Gekommene, denen man zuhören muss, ihre Sorgen und Ängste verstehen, wie zum Beispiel, siehe ein T-Shirt: Dass in Auschwitz zu wenige umgekommen sind. Trump besetzt immer noch das ovale Machtzentrum und streichelt wahrscheinlich spielerisch über die Atomknöpfe, übt für die ultimative Foto-Op. Er mag ein Idiot sein, aber die Dummen sind nach wie vor die anderen. Wir. Reines Glück, dass der Kapitol-Angriff noch etwas schlechter organisiert war als die Ordnungskräfte. Ein Schrat rief: "Das nächste Mal bringen wir Waffen mit!" Und wenn wir alle schön weiterschlafen, wird es genauso kommen.

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Wie Daniel Binswanger zu Recht sagt, ist die Relativierung von lügnerischen Aussagen und antidemokratischen Verhaltensweisen eine ganz perfide Art, Unwahrheiten und Ungerechtigkeiten zu verharmlosen und so faschistischem Gedankengut den Anstrich von Normalität zu geben.
Im sehr lesenswerten Artikel von Rebecca Solnit in „Blätter zur deutschen und internationalen Politik“ unter dem Titel „Warum wir Nazis nicht entgegenkommen sollten“ heisst es „….die Wahrheit ist kein Kompromiss irgendwo in der Mitte zwischen Wahrheit und Lüge, zwischen Fakt und Illusion, zwischen Wissenschaft und Propaganda.“ Ähnliches, so wird in diesem Artikel weiter ausgeführt, gilt auch für ethisches Verhalten, wenn es um Rassismus und Menschenrechte geht.

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Suchtleser
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Wer gestern die ARENA auf srf1 gesehen hat wurde Zeuge wie schwer sich "gewisse Leute" damit tun die trumpsche Geisterbahnfahrt der letzten vier Jahre zu verurteilen.

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Auf den Punkt. Danke. Ich fände es sehr interessant, wenn Sie die Analysen von Sarah Kendzior und Masha Gessen in einen nächsten Beitrag mit einfliessen lassen könnten. Beide Autorinnen haben schon sehr früh erschreckend genau vorausgesagt, was geschehen wird. Es gibt ein „Playbook“ zu dem, was wir an Entwicklung sehen. Mich fasziniert daran, dass das, was „chaotisch“, wirr, lachhaft, clownesk und vollkommen beliebig erscheint, faktisch eine systematisch orchestrierte Inszenierung mit relativ klar berechenbarer Wirkung darstellt. Eine Wirkung, die leider auch erreicht wird. V.a. dann, wenn die 4. Gewalt ihre Unabhängigkeit aufgibt. Danke also an die REPUBLIK, dass sie mutig neue Wege geht, um diese Unabhängigkeit zu sichern.

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Danke für den interessanten Beitrag.
Noch zwei Bemerkungen zum Thema.
Es ist schon erstaunlich, wie dieser Sturm aufs Kapitol so einfach passieren konnte. Es war ein Ereignis mit Ansage, aber das Kapitol schien nur minimal gesichert. Ich habe einen treffenden Kommentar gelesen, der sinngemäss etwa hiess: Wären das nicht vor allem weisse Männer gewesen, wäre es dass Erstaunlichste gewesen, wenn jemand von ihnen überhaupt lebend ins Kapitol herein gekommen wäre.
Zweitens die Sprache. Es ist Trump und Leuten mit ähnlichen Einstellungen gelungen, die in den Medien verwendete Sprache zu verändern. Erst jetzt nach der Abwahl Trumps und dem Sturm auf das Kapitol werden Lügen wieder Lügen genannt. Propaganda und Faschismus versuchen ihre Ideen durch eine neue Sprache zu verharmlosen und zu verbreiten. Gute und unabhängige Medien müssten da dagegen halten.

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Es ist etwas zu einfach, die Menschen, die ins Kapitol eingedrungen sind, summarisch als MAGA-Mob zu bezeichnen (MAGA übrigens M ake A merica G reat A gain). Zuviele Anspielungen in den Bekleidungen und Sprüchen auf die Unterhaltungskultur der Superhelden sind da. Die Hinweise von Herr Rebosura zu den Kostümen und Insignien sind interessant, aber ich denke nicht, dass die so bewusst gewählt sind. Weiter werden die verqueren Übergangsformen des Cosplay so nicht berücksichtigt.
Siehe auch den Artikel im Atlantic: https://www.theatlantic.com/culture…ob/617596/

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Michel Rebosura
Ratsmitglied Project R Genossenschaft
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· editiert

Ich muss Ihnen da leider widersprechen: «Anspielungen in den Bekleidungen und Sprüchen auf die Unterhaltungskultur der Superhelden» schliessen nicht aus, «dass die so bewusst gewählt sind». Im Gegenteil, sie werden aus bestimmten Bedeutungsgebungen übernommen und die Zahl der Übernahmen – links wie rechts und hüben wie drüben – ist Legion:

Es ist gerade kein Zufall, dass genau diese Kostüme gewählt werden und nicht andere. Sie tragen eine symbolische Bedeutung und dienen der Selbst-Identifikation und Selbst-Heroisierung (wie bereits die MAGA-Caps). Eine symbolische Bedeutung, die einfach nachzuahmen ist und viral gehen kann.

So heisst es auch im von Ihnen zitierten Atlantic-Artikel:

The Trump mob’s most obvious touchstones—Christopher Nolan’s flinty Batman films, the loyalty-switching drama of Marvel’s Civil War, and the dense plotting of Game of Thrones—are acclaimed for interrogating the vigilante impulse. Inevitably, though, they end up making the things they critique also look quite cool. The director François Truffaut once argued that there’s no such thing as a true anti-war film: No matter how ethically complex a script, no matter how well a director emphasizes the hell of violence, bloody conflict is so theatrical that it glorifies itself in every case. When would-be fascists worship the Death Star and take cues from The Matrix, they show action cinema’s disturbing capaciousness.

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Helden können ganz leicht das neoliberale/faschistische Recht des Stärkeren verkörpern. Haben auch selten mit sozialen Realitäten zu kämpfen.. Darum passt die Figur des Helden gut in die rechte Propaganda und taucht da auch immer wieder auf.

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Pardon, Herr Rebosura; ich glaube, Sie haben da eben Herrn Thommen etwas zu wenig fein zugehört: Wenn jemand das 'Naheliegendste' wählt, bedeutet das noch nicht, dass jemand dies "bewusst" tut. - Da gibt es eine feine aber grundlegende Differenz ! - Dass im Hintergrund allenfalls "bewusste" Muster gestrickt werden, 'steht auf einem anderen Blatt geschrieben'.

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Theologe
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Ich vermute, dazu hätten die Betreffenden selbst auch etwas zu sagen. Sie haben die entsprechenden Zeichen ja gewählt und sind damit an die Öffentlichkeit um zu provozieren. Also wollen sie etwas aussagen.

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Muttersprache NL
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Danke für die wertvolle Kolumne und ebenfalls für die wertvollen Kommentare, die ich heute schon lesen durfte.
Vielleicht überflüssig, möchte ich doch noch ein paar Gedanken äussern:
" Der Faschismus nimmt seinen Anfang beim Niedergang des öffentlichen Diskurses."

  • Wo ist der Anfang des Niedergangs?

  • Es beginnt meines Erachtens mit Desorientierung.

  • Die Desorientierung fängt oft schon im Elternhaus an. Ganz sicher nicht nur oder hauptsächlich bei den weniger Reichen! Bei der Ober- oder Mittelschicht ist die Desorientierung lediglich schwerer erkennbar, weil sie schon "normal" geworden ist.
    Sie ist "normal" weil die Zielsetzung der Erziehung oft auf Ansehen, Macht und guter Lohn beruht. Eine Winner-Mentalität. Die soziale Komponente kommt zu kurz oder fehlt gar ganz.

  • Was auch zur neuen "Normalität" gehört, sind die Fantasy Bücher die in grosser Zahl verkauft und gelesen werden. Sie fördern Gewaltfantasien und Allmachstwünsche in hohem Masse.

  • Dazu die Presse, die durch geschickt-durchtriebenen Einsatz von Euphemismen und Pejorativa ein Klima schafft, wo "Die Herrschaft der alternativen Fakten" gedeiht. (DB zitiert ein Beispiel aus der NZZ)

  • Ja, "Der Kern der politischen Gewalt ist die Lüge!"

  • Wie sollen desorientierte Menschen genug Unterscheidungsvermögen entwickeln?

  • Das Vermögen zu unterscheiden, Werte zu erkennen, sich gemeinschaftsbewusst zu verhalten, sollte schon von ganz früh an gepflegt werden.

  • Verharmlosung ist eine gefährliche Sache.

  • Wir alle sollten wach und wachsam sein so gut es uns möglich ist. Und keine menschen-verachtenden Lügen der Verantwortungsträger unbemerkt an uns abgleiten lassen mit der Begründung, dass diese sowieso dumm sind."

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Interessant könnte noch die Untersuchung werden, wieso die Polizei so wenig präsent war.

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Inside Job? Wie bei 9/11 ;-))
Im Ernst: Warum sollen die Computerabfrageprobleme der Hessischen Polizei nicht auch in den USA existieren?
Noch nicht angesprochen wurde der Schaden für die "US-Intelligence", denn es wurden mehrere Laptops und i-Phones entwendet. Damit existieren Zugänge auch zu sensiblen Information.

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Hans von Arx
pensioniert
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Eindrücklicher Text, vielen Dank!
Ich gebe ihn meinen Söhnen zum Einrahmen und immer daran denken.

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Der Film "Social Dilemma" auf Netflix gibt mir in diesem Zusammenhang sehr zu denken. Es ist die Rede davon, dass die Algorithmen der Social Media die Gesellschaft verändern: Sie sorgen für das Entstehen dieser "Blasen", in denen User mit ihnen "passenden" Informationen gefüttert werden, um sie am Bildschirm zu halten. Sie sehen immer die gleichen Inhalte. Die Sperrung des Twitter-Accounts ist starkes Zeichen. Aber solange Social Media so funktionieren, wie sie gebaut sind - wird sich die Situation weiter verschärfen? Wird Trump (und andere) sich einfach eine neue Plattform suchen, und alle Follower folgen ihm, und das Problem bleibt bestehen? Er findet sicher einen treuen Anhänger, der ihm programmiert, was er braucht. Es erinnert etwas an den Zauberlehrling: "Die ich rief, die Geister, Werd ich nun nicht los." Wo kann Veränderung beginnen? Nur ganz "oben"?

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Danke für den ausgezeichneten Beitrag!

Der Kern liegt im Begriff "alternative Facts" - was man auch Tor zur allgemeinen Verunsicherung nennen könnte. Neu war Conways Begriff, nicht aber die Praxis. Denn: in der Nachrichtenlandschaft gibt es die Faktualisierung von nicht vorhandenen Fakten schon lange, eine Studentin, die ein Praktikum bei der Bild Zeitung machte, hat mir mal geschildert, wie das geht. Und das lässt sich historisch zurückverfolgen, vermutlich bis zu den von Ort zu Ort getragenen Bilderbogen. Das Gerücht und die Nachricht sind immer nah beieinander und es braucht beständiges Überprüfen wacher Bürger:innen, um sich von der Wahr_schein_lichkeit auch zu überzeigen. Diese Wachheit ist anstrengend: lieber vertraut man einem Nachrichtenmedium. Und ebenso gerne möchten viele Leser:innen und Zuschauer:innen auch noch Unterhaltung reingemischt haben und schon wird die Nachricht mit zusätzlichen Komponenten umrankt. Im kompetitiven Markt der Medien schleichen sich dann auch "alternative Ethiken" ein um das Desaster, siehe etwa Fox "News", so richtig auf den Weg zu bringen.

Alternative Denkweisen sitzen auch tief in der Kunst der Rhetorik der Debattenkultur, die intrinsischer Teil politischer Darstellung und Überzeugungsstrategie ist - und ohne alternative Denkweisen kämen weder Politik noch Wissenschaft aus. Die Frage ist dann, wie hier die Alternativen sprachlich verpackt werden und wie Daten (um mal vom so schwierig gewordenen Begriff der Fakten wegzukommen) kontextualisiert werden. In einem politisch schlechten aber rhetorisch glitschig angelegten Debattenbeitrag werden Daten ungenügend kontextualisiert und öffnen dann gleich den Weg zu alternativen Fakten. Ein schönes/arges Beispiel war Ted Cruz' Senatsrede am 6.1.: eine Umfrage (von wem?) hatte festgestellt, dass 36% der Wähler glaubten, es hätte Wahlbetrug gegeben (wie groß war das Sample der Umfrage? wo wurde sie durchgeführt?) - das kam (in meiner Erinnerung, die jetzt eben auch schon wieder nicht mehr präzise ist) nicht vor, aber Cruz rankte sein Argument immer wieder zu diesen "fast die Hälfte" der Wähler zurück. 36% sind weit von der Hälfte, und dass selbst 0,6% der Wähler den Unterschied zwischen Gewinn und Verlust ausmachen, wurde in Georgia selbigen Tages bewiesen.

News und Politik verankern sich in den Bürger:innen über Wort (und Bild) - und es war kaum erstaunlich, dass es der Chaplain im Capitol war, ein Geistlicher, der am so mühsam erlangten Ende der eigentlich zeremoniellen Bestätigung von Bidens Wahl auf die Macht der Zunge, des Wortes verwies, die derartigen Aufruhr hervorbringen könne. Eine so uralte Weisheit.

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Tja... wie ich nicht müde werde zu sagen: Kein Verständniss haben für die Faschos! Dann macht man halt mal das Weihnachtsfest kaputt indem man dem rasistischen Onkel die Meinung geigt, das muss es uns wert sein. Und das gleiche gilt für all die "naziversteher" der "gemässigten Mitte" die mit Sätzen angetanzt kommen wie "ich mag ja gar keine Form von politischem Extremismus, egal woher". Antifaschismus ist kein Extremismus, es ist die einzig mögliche Gedankenhaltung für echte Demokraten!

Und noch eine Anmerkung zu den "unvorbereiteten Polizisten": Die waren nicht nur unvorbereitet, die Bullen waren Komplizen in dem Theater (vergleiche nur die Reakzion auf BLM und das, was nun angerichtet wurde). Die USA müssen daher nicht nur den maga's sondern auch der eigenen Polizei Herr werden.

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Absolut einverstanden, F. Z.. Übrigens natürlich leider auch wieder mal mit Ihnen, Herr Binswanger; nur alternative Fakten sollten immer und immer und immer, bei jeder Erwähnung, zurückübersetzt werden in das, was sie sind: Lügen, Fiktionen; im Zusammenhang mit Politik aber einfach schlicht Lügen.
Und: So schräg das nun tönen mag: dafür müssen wir die Polizei - tönt wirklich irgendwas zwischen abgedroschen und kitschig und völlig seltsam: aber: dafür müssen wir die Polizei wieder herein holen in die Mitte der Gesellschaft. Müssen auch die Menschen in den Uniformen sehen wieder (die 80-er Jahre haben das ja heavy gekippt).

Dann werden wir, und auch die Polizei selber, wieder fähig, auch da die rechtsextrem Orientierten zu erkennen und auszuschliessen.

Was allerhöchste Zeit ist. — Menschen, die an die Gesetze und die Verfassung eines Landes und die Grundrechte aller Menschen dieses Landes nicht glauben (ja, da gibts auch politisch ohnehin noch einiges zu tun für), sich auch nicht an diese Rechte halten, auch nicht im Job selber - in den USA ist das bittere Realität - solche Menschen, Rechtsextreme, gehören da nämlich auch schlicht nicht rein. — Sie befolgen die zentralsten Regeln ihres Jobs, ihres Amtes nicht; sie missbrauchen und pervertieren sie.

In den USA die letzten vier Jahre mit voller Unterstützung - ach, ist ja eh klar durch wen, sonst wäre das Eindringen ins Capitol ja auch lang vor den Türen schon gescheitert. Die Bilder zeigen das klar.

In Deutschland gab es sehr lange sehr viele blind eyes aus Gesellschaft und Politik, was hoffentlich jetzt tatsächlich angegangen wird.

Und bei uns ist das seit Ewigkeiten noch nicht mal je wirklich angeschaut, geschweige denn untersucht worden.

Aber jedenfalls bei uns gibt es die anderen Uniformierten tatsächlich auch noch; jene, die ihren Job ernst nehmen, und genau das, was ihre Aufgabe ist, auch tun. — Hinschauen und Fakten recherchieren. Diese auch genau so festhalten und weiterleiten. Ohne sie alle hätten wir auch hier bei uns kein funktionierendes Recht mehr.

Das ist nicht nur in echtem Journalismus der Kern, sondern effektiv auch der Kern der Alltagsarbeit der Polizei; und dass dies funktioniert, ist ein weiteres wichtiges Element funktionierender Rechtsstaaten und funktionierender Demokratie. Und da hab ich selber die letzten Jahrzehnte mehrfach sehr Ermutigendes erlebt; was mir Respekt abgefordert hatte.

Einmal vor Jahrzehnten, zeitlich noch nah an den 80-er Jahre Reithallen-Zusammenstössen, und im vor-Handy-Zeitalter, wo ich an einem grauen, menschenleeren Sonntagmorgen auf dem Heimweg auf der Kornhausbrücke einen Springwilligen am Geländer-Schaukeln fand; und nach 15-20 Minuten Hand-auf-Arm und Zuhören und Zureden langsam nicht mehr weiter wusste; und wohl auch nicht mehr lange durchgedrungen wäre. (Wie gesagt: Telefonapparate standen damals an kurzen Kabeln noch Zuhaus in der Wohnung rum, und im Weg.)

In dem Moment fuhr ein Streifenwagen vorbei; für einmal kam dabei wohl sowas wie ein Flehen in meinen Blick; jedenfalls fuhren die beiden Polizisten, damals zwei Männer in U-Schlaufe zu uns zurück; kletterten über die Abschrankung; und was danach kam, machte mir deutlich, wie einseitig mein Blick auf die damals Schmier Genannten war. Was folgte, war etwas vom Feinsten und Vorsichtigsten und gleichzeitig Professionellsten, was ich an Kommunikation je als dann nur noch Nebenstehende mitbekommen hatte. Jedenfalls ging der Schaukelfreudige danach freiwillig und von selbst mit. - Und ich konnte zum Telefon nach Hause zurück. Voilà. (Und es ist nicht das einzige solche Erlebnis geblieben). Und ja: es war ein einfaches Streifenauto gewesen; keine Spezial-was-auch-immer-Cops.

Was natürlich nicht heisst, dass Probleme wie racial profiling dabei nicht angegangen werden müssen; ganz im Gegenteil. Aber auch das ist sehr viel möglicher, wenn die Polizei fest integrierter Teil der Gesellschaft ist, oder wieder wird. Dann ist auch Selbsthinterfragung und das Annehmen und Nachbearbeiten von Kritik sehr viel leichter wieder möglich.

So, und nun bin ich gespannt auf die Antworten, die dieser Post absetzen wird ... Der ist sowas von schräg in der Landschaft (vielleicht auch in der Landschaft meiner eigenen Posts; kann ich selber schlecht abschätzen; versuche allerdings immer bei aller Überzeugung trotzdem auch offen zu sein; allerdings nur soweit Offenheit auch angebracht ist; auch da gibts Grenzen für) ... Also, dieser Post ist so schräg in der Landschaft, dass ich darauf, auf die Reaktionen für einmal echt gespannt bin. - Und ob es überhaupt welche gibt.

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Ich kann Ihre Ansicht, was die Polizei angeht, leider nicht teilen... so wie ich das sehe ist die auch bei uns aufs heftigste mit den rechtsnationalen verbandelt und ist eher als Gegner eines echten demokratischen Systems zu sehen.
Meine persönliche Erfahrung mit den Beamten: Bestenfalls nutzlos schlimstenfalls störend, es sei denn, sie bringen den armen kleinen Kater nach Hause, der überfahren wurde. Das war nett, wenn auch traurig.
Aber von US Verhältnissen sind wir zum Glück noch weit entfernt. Zumindest sind die bei uns nicht eine aktive Bedrohung für die Gesellschaft...

Das Problem ist doch, das die Polizei per Design und seit ihren ersten iterrationen im England der industriellen Revolution schon ein Mittel zur Kontrolle der arbeitenden Bevölkerung zum Vorteil der wohlhabenden ist. Eine Polizei, die tatsächlich dem Dienst an der Gesammtbevölkerung verpflichtet ist, müsste ganz anders aufgebaut werden. Das ist aber ein Thema für sich...

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Gefällt mir ausserordentlich, was Sie schreiben und denken und fühlen, Frau Rothen.
Danke für die harte Sanftheit.

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Lieber Herr Z., vielen Dank für diese Bemerkungen. Es stellt sich ohne Zweifel die Frage, ob es innerhalb der Polizei Komplizen gab, nicht nur aufgrund der Selfies, die durch die Medien gingen, sondern auch deshalb, weil Stellen bei der Capitol Police Patronage-Jobs sind, also von Parlamentariern vergeben werden können. Allerdings scheinen hier viele Fragen noch ungeklärt zu sein. Eine Explikation für das Versagen scheint auch darin zu liegen, dass die lokalen Polizeikräfte keine föderalen Truppen in Anspruch nehmen wollten aufgrund deren Verhaltens während BLM. Allgemein scheint cultural bias (weisse, konservative Protestierende sind harmlos) eine grosse Rolle gespielt zu haben. Das ist natürlich an sich extrem gravierend, wäre aber etwas anderes als aktive, geplante Komplizenschaft. Eine relativ gute Übersicht über den Stand der Erkenntnisse lieferte dieser Artikel:
https://www.nytimes.com/2021/01/10/…e=Homepage

Aber ich muss Ihnen absolut Recht geben: Da ist eine der ganz zentralen Fragen. Und sie ist weit davon entfernt, geklärt zu sein. Herzlich, DB

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Informatikingenieur, Autor, Erklärvideos
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Demokratie kann nur funktionieren, wenn die Menschen ihre Diskussionen in einem Rahmen führen, in welchem Fakten anerkannt werden, ansonsten droht ein „postfaktisches“ Zeitalter, welches in den Faschismus führen kann.

Die für eine gesunde Demokratie notwendigen Informationen müssen professionell und unabhängig recherchiert werden. Das nennt sich qualitativ guter Journalismus. Die Republik trägt wesentlich dazu bei. Herzlichen Dank!

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Lieber Herr M., ganz herzlichen Dank für dieses schöne Kompliment. Das ist tatsächlich, wie wir unsere Rolle verstehen. Es ist schön, wenn sie auch so wahrgenommen wird. Herzlich, DB

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Theologe
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Jetzt kommen wieder die Analysen, Abhandlungen und hehren Deklarationen. Und wieder wird über andere Menschen gesprochen, sie werden psychologisch und sozial seziert und dann fein säuberlich in Schubladen und Fächer eingeordnet.
Ich sah auf den Bildern vom Dreikönigstag keine bösen Menschen, sondern Freaks, die wohl je individuell ihre guten Gründe haben, wütend zu sein. Hinter der kollektiven Aktion steht perfide Propaganda und Manipulation, keine Frage.
Trennendes können wir nur beenden durch Kontakt und Beziehung, am besten auf Augenhöhe.
Marshall Rosenberg hat mit seiner NonViolent Communication den Weg gut skizziert. Schnappen wir uns also DANACH so einen wütenden Wikinger, hoffentlich etwas abgekühlt, hinsetzen, Getränk her und beginnen:

  1. Was ich gesehen habe ohne jede Interpretation: hey, du bist ins Capitol eingedrungen und hast dies und das gemacht.

  2. Meine Gefühle dazu: da hatte ich Angst, dass ... das hat mich verletzt, etc.

  3. Werte: Mir ist wichtig, dass Probleme, wenn immer möglich, auf friedlichem Weg gelöst werden, ...

  4. Handlungsperspektive: Was kannst du in Zukunft anders machen? Ruf mich bitte nächstes Mal an, wenn du Hilfe brauchst...

  • oder ähnlich.
    Es braucht Mutige, die Direktkontakt suchen, sich berühren lassen und konkret fassbar sind.
    Alles Analysieren, Urteilen und Trennen ist letztlich eine Fortsetzung von DIVIDE ET IMPERA.

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Herr P., es wäre schön, wenn wir als Gesellschaft und Individuen die Zeit und die Kraft hätten das auch zu tun.
Rosenbergs 'Gewaltfreie Kommunikation' GFK ist da sicher hilfreich. Sie hat jedoch nicht die Aufgabe andere zu bekehren, sondern gegenseitiges Verständnis zu schaffen um gemeinsam Probleme zu lösen.
Nur schon die Annahme, dass eines dieser Gespräche im Sinne Rosenbergs verläuft scheint mir gewagt. Insbesondere bei der vorherrschenden divergierenden Realität scheint es hier auch mit dutzenden Sitzungen nicht getan. Solange von der Seitenlinie agitiert wird, ist das kaum zu schaffen.
Hand aufs Herz Herr P. In wie vielen Fällen ist es Ihnen gelungen mit jemandem der solch stark verankerte eigene Werte (woher sie auch immer kamen) vertritt ein richtiges tiefsinniges Gespräch zu führen?
Ihr Vorschlag, bzw der Mut für eine solch Haltung, auf den anderen zuzugehen verdient mein 'Daumen hoch'.
Meine Befürchtung ist jedoch, dass die Energie für die mitlaufende Masse verpufft. Sie sollte gezielt den Agitatoren und falsche Fakten Verbreitenden gewidmet werden. Das scheint mit effizienter.
Die GFK ist jedoch da wohl das falsche Instrument. Denn sie wissen was sie tun und warum sie es tun um ihre Ziele zu erreichen. Die lachen sich wohl tot und bezeichnen sie als dümmlichen Gutmenschen der nicht Ernst zu nehmen ist.

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Theologe
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Danke für den Einwand. Ich würde unterscheiden zwischen Strippenziehern, Fussvolk und Kadern, die irgendwo Einfluss haben, aber auch mitschwimnen. Von den Strippenziehern haben wir wohl keinen vor der Kamera gesehen. Sie spielen ihre Macht vermutlich mit grossen Summen aus und treten nicht ins Rampenlicht. Sie tun nichts Verbotenes und haben durch ihre Position so etwas wie Immunität.
Als nachhaltigste Lösung sehe ich da nur Einfrieren der Vermögen, Verstaatlichen und Verteilen unter den Armen. Tyrannenmord wäre auch ein Thema, aber schwierig.
Zu den zahllosen Menschen im Fussvolk hilft meines Ermessens tatsächlich nur ein gewaltfreier Zugang mit dem Ziel, ihre Geschichten zu verstehen und ihnen zu zeigen, dass Begegnungen mit Andersdenkenden nicht in Schuldzuweisungen und Bekehrungen enden müssen.
Alles andere führt doch nur dazu, dass ein schlummernder Hass auf die nächste Generation überspringt und dort von neuem entfacht werden kann.
Und das ist kein Sonntagsspaziergang, sondern knallharte Arbeit, viel Frustration und allfällige Erfolge nur schrittchenweise, da mache ich mir keine Illusionen.
Aber was wären die anderen Optionen? Knast und Umerziehung? Entmündigung?

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Dafür, dass Sie 'Analysen, Abhandlungen und hehre Deklarationen' in gewählten Worten kritisieren, sind Sie ganz schön analysierend. Aber vielleicht sollten Sie Ihre Lösungsvorschläge jenem Polizisten vorlegen, dem mit einem Feuerlöscher tödliche Schädelverletzungen zugeführt wurden. Die Randalierer waren (Zitat):
"... Freaks, die wohl ... ihre guten Gründe haben, wütend zu sein."

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Theologe
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Na ja. Ich kann Sie ja hier nicht herzlich umarmen.
Was wäre Ihr Ansatz?

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Danke für die Analyse und besonders auch für den Seiten-Blick in die Schweiz. Die Rolle der Medien in der Schweiz ist eines. Wenn ich mich durch die Kommentare zu Facebook-Posts von vielen Mitgliedern des NR, in der Tendenze von der rechten Seite, durchlese, wird es mir manchmal fast übel. Was dort an Verunglimpfungen und Beschimpfung von Andersdenkenden geschrieben wird.
Die Posts der PolitikerInnen sind ja oft noch smart bis zu honigsüss formuliert. Und doch betätigen sie sich immer wieder als Brandstifter. Die Reaktionen ihrer FollowerInnen darauf übertreten dann oft Grenzen.
Können sich die Legislativ-PolitikerInnen hier einfach auf die Redefreiheit berufen? Wann ist es in ihrer Verantwortung, gehässige Reaktionen auf ihre Posts zu lesen und gegebenenfalls auch zu löschen.

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Ist es nicht gefährlich, "alternative Fakten" ohne Anführungszeichen in den Sprachgebrauch aufzunehmen, da es diese Art von meta-Propagandalüge legitimiert?

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Der Spuk ist nicht vorbei. Es gilt zu warnen, dass Trump und seine Gang weiterhin ein feindliches Zentrum aufbauen werden, dass weiterhin quengelnde Lümmel den Weg zu Despoten in der Welt suchen und finden, da sie ja jetzt ein Vorbild habe.

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Im Hintergrund wirken Trumps Söhne (Kontakt zu extrem rechten Gruppierungen samt Bannon, Kontakt zu republikanischen Trump immer noch gewogenen Seilschaften, Geschäftsbeziehungen) und sein Schwiegersohn Jared Kushner, der viele Fäden im Nahen Osten in der Hand hält. Der Politiker, der wegen Korruption in Israel vor Gericht steht und dem auch droht, seine Führungsrolle zu verlieren, ist Netanyahu. Die Gefahr, dass die schwer bedrängten politischen Dealer Trump und Netanyahu gerade jetzt einen Krieg gegen Iran entfachen könnten, ist nicht von der Hand zu weisen. Nicht umsonst haben Iran und Irak aktuell eine Verhaftung von Trump ausgeschrieben. Solange Biden nicht vereidigt ist, bleibt die Lage sehr ambivalent.

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MAGA war mal ein Waschmittel für Farbiges. Jetzt wäscht es nur noch Weisses rein.

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Ganz vielen Dank für den Beitrag, Herr Binswanger! Das ist die beste und treffendste Analyse, die ich bisher zur von Trump angestifteten Insurrektion gelesen habe.

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Die beiden Fragen im zweiten Absatz des Artikels ....„Und wer ist so naiv zu glauben, dass dieser Sturm auf den Kongress eine rein amerikanische Angelegenheit darstellt? Dass er nicht das Potenzial hat, einen Epochen­wechsel einzuläuten für alle westlichen Demokratien?“ ... sind für mich essenziell. Wir dürfen nicht glauben, der Atlantik schütze uns vor solchen Ereignissen. Als in Wuhan das Virus erkannt wurde, war es bereits bei uns.
Danke an Daniel das R-Team für die tolle, engagierte Arbeit.

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….Nein, wir müssen uns nicht davor fürchten, dass schon morgen wildgewordene rechtspopulistische Horden das Bundeshaus stürmen werden. Nein, wir sind nicht dabei, ein Eins-zu-eins-Remake des historischen Faschismus zu erleben. Aber der Faschismus nimmt seinen Anfang beim Niedergang des öffentlichen Diskurses. Hier besteht zur Entwarnung nicht der geringste Anlass….
Allerbesten Dank, Herr Binswanger.

Man ist schockiert, aufgeweckt, doch auch irgendwie erleichtert, dass der Spuk endlich vorbei ist, dass sich ein unterschwelliger Druck endlich löste.
Wie die Aufmerksamkeit der ganzen Welt seit längerem auf einen „völlig kranken Kindskopf" fokussiert wurde erschreckt im Nachhinein. Damit unterstütze man regelrecht eine Tendenz, Donald Trump vom quengelndem Lümmel zum beinahe Despoten zu machen.
Mich hat die amerikanische Politik ohnehin nie besonders fasziniert. Besonders nicht das Zwei Parteien System. Eher ist diese Affinität zu Amerika oft ein europäisches vor allem auch ein Schweizer Syndrom. Gute Handelsbeziehungen zu den USA sind wichtig, dennoch liess sich die EU nicht erpressen, als Donald Trump Strafzölle erhob.
Oft wünschte ich mir in den letzten Jahren mehr Solidarität zum Europäischen Gedanken, sei es zur Erinnerung an ein Kulturerbe oder der Gedanke an gemeinsame Ziele zur wirtschaftlichen Sicherheit.
Warum es immer noch so viel „echte alte Texaner“ gibt verstehe ich ohnehin nicht. Seit langem ist man damit in den Staaten blockiert. Bereits die Gewaltbereitschaft der Cops verunsichert oft.
Zum Glück liegen unsere hohen Berge sicher zwischen dem Grundprinzip „Freiheit“ der Schweizer und eher einer Yankee Mentalität der USA, zumindest immer noch in den Süd Staaten der USA. Dieses Amerikanische Problem sollte offen thematisiert werden. Blickt man auf die Lebensbedingungen in Südamerika, wird das höchste Zeit, Hier hat die Kirche zum Teil mit Reformen begonnen. Warum nicht gemeinsam daran weiter machen und keine Zeit verlieren.
Bald werden die Schlagzeilen“ der letzten Zeit fast komisch anmuten und verschwunden sein.

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"Zum Glück liegen unsere hohen Berge sicher..."
Ein Remake des Réduit? Zu welchem Preis?

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Vielen Dank Herr Binswanger für Ihre guten Analysen die ich sehr mag: Freue mich jedes Wochenende drauf, Sie lesen zu können! Weiter so!
Mit freundlichen Grüßen

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In diese Argumentation reiht sich trefflich ein neu erschienener Essay von Timothy Snyder zu lesen in der NYTIMES .
Ich würde mir wünschen, dass dieser Essay übersetzt und den deutschsprachigen Lesern zugänglich gemacht wird. Interessant ist die scharfe Analyse der Ära bzw dem Phänomen Trump innerhalb der Strukturen der amerikanischen Politik. Außerdem und vor allem die definitorische Kraft via Auslegeordnung und Erklärung des Wesens des Faschismus. Etwas ungewohnt ist dabei wie Snyder ohne Umschweife Parallelen zieht zum historischen Faschismus in Europa. Eine Bezugnahme die man hierzulande eher scheut da das schiere Gewicht der Geschichte ein Zitat fast als Blasphemie erscheinen lässt.
A bit of a long read but worth the time

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Lieber Herr T., da kann ich Ihnen nur zustimmen. Snyders Analyse ist wirklich exzellent, der mit Abstand wichtigste Text, der bis anhin zu dem Thema erschienen ist. Besonders frappiert hat mich folgender Satz: Post-truth ist pre-fascism.
Herzlich, DB

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Guten Morgen Herr Binswanger
Exakt! Als Profi haben Sie den Kernsatz natürlich sofort herausgeschält. Top. Im übrigen, nehmen Sie es als Kompliment, hatte ich beim lesen ihres Artikels den Eindruck, dass Sie den Snyder schon präsent hatten. Es braucht Intermediäre, Übersetzer sozusagen, die die lokale Informationsblase mit Inputs aus der größeren Welt versorgen und den Kontext zur Heimkultur herstellen.

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Ja wirklich. Würde mir nur wünschen dass bei uns auch ein paar Denker unsere politische Wirklichkeit mit ähnlicher Brillanz wie Snyder analysieren und publizieren würden. Material gäbe es weiss Gott genug.

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Muttersprache NL
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Danke S. T. für den Hinweis.
Der Titel des Essay's: "The American Abyss."
Ein äusserst wichtiger Text, der zeigt das Wahrheit Vorbedingung ist für das Gelingen
nicht nur der Demokratie in Amerika, sondern für alles menschliche Zusammenleben.
( Brillante Denker erlebe ich auch in der Republik....)

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Der 6. Januar 2021 könnte die Welt nicht weniger nachhaltig verändern als der 11. September 2001.

Vielleicht wäre es gut, das zu präzisieren. So wie ich das verstehe kamen nach 9/11 die amerikanischen Geheimdienste unter Beschuss, da sie die Anschläge nicht vereitelt hatten. Ihre Ausrede war dann, dass sie nicht genügend Macht hätten, also wurde diese unter Anderem durch Massenüberwachung ausgebaut. Für das aktuelle Debakel werden grosse Technologiekonzerne mitverantwortlich gemacht, also ist der nächste Schritt dann wohl, deren Macht weiter auszubauen, unter Anderem durch Content-Filter. Alle diese Massnahmen sind aber wohl kontraproduktive Symptombekämpfung. Oder um welche Veränderungen geht es hier?

Was ist die Attacke durch Fanatiker aus entlegenen Kontinenten – selbst wenn sie Tausende Tote kostet – gegen einen Angriff auf die amerikanische Demokratie, der orchestriert wird aus dem Oval Office? Was sagt es aus über eine Gesellschaft, dass so etwas überhaupt in den Bereich des Möglichen fällt?

Ich gehe davon aus, das korreliert stark hiermit:
https://www.statista.com/statistics…-congress/

Die Demokratie wird wohl ein wenig weniger gut praktiziert als behauptet, also haben es Alternativen beim Marketing etwas einfacher.

Und wer ist so naiv zu glauben, dass dieser Sturm auf den Kongress eine rein amerikanische Angelegenheit darstellt? Dass er nicht das Potenzial hat, einen Epochenwechsel einzuläuten für alle westlichen Demokratien?

Eine Richtungsänderung?

Wir sind fassungslos.

Weil die Realität mit einem kultivierten Weltbild zusammenstösst, welches offenbar zum Teil auf Lügen aufgebaut war?

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Danke für die einfachen sachlichen Hinweise !

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Yvo Wüest / Education Minds GmbH
Trainer Didaktische Reduktion
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Eine detaillierte und lesenswerte Zusammenstellung liefert heute der Guardian. Die Zeitung schreibt, dass gewisse Demonstrationsteilnehmer mit ihren Freunden im Privat-Jet zur Trump-Demo angereist sind:
Insurrection Day: when white supremacist terror came to the US Capitol
https://www.theguardian.com/us-news…SApp_Other

In eine ähnliche Richtung zielt der Beitrag von Michael Moore: Bei Min. 37:28 spricht er über "White privilege" und die Aufnahmen aus der Lobby des Hotel Willard Intercontinental in Washington. Laut Moore eine der teuersten Adressen in der Stadt. Wo sich Trump-Demonstranten "smoking cigars and having a Great laugh", von den Strapazen der Erstürmung des Capitols -bei der sie nicht mal verhaftet oder wenigstens angehalten wurden- erholten: https://bit.ly/3sbZwZP

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Lieber Herr Wüest, herzlichen Dank für den Hinweis auf diese beiden interessanten Quellen. Was solche Berichte stellen, ist die Frage nach der Komplizenschaft zwischen republikanischen Parteieliten und dem Militia-Mob. Oder wie es Hannah Arendt sagte: Faschismus ist der Pakt von Mob und Elite. Herzlich, DB

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Faschismus? Sofort ist dieser Begriff da und wird abgenickt, wie wenn alle das gleiche darunter verstünden. Ich bitte den Autor des Textes zu erläutern, was seine Definition davon ist. Danke.

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Guten Tag Herr Leemann, ich entnehme Ihrem Beitrag, dass Sie davon ausgehen, dass der Begriff 'Faschismus' viele verschiedene Deutungen hat. Sicher hätte Trump auch seine eigene Deutung, so man ihn fragen würde. Deshalb genügt es mir, zu Lesen, was Wikipedia dazu sagt und wieder einmal die Geschichte von Mussolini und Hitler zu rekapitulieren. Ich habe nicht den Eindruck, dass Herr Binswanger eine abwegige Theorie von Faschismus in seinem hervorragenden Artikel postuliert.

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Da liegen Sie richtig: Jede Definition hat vielfache Deutungen.
Im Falle des "Faschismus" bestehen seit Jahrzehnten vertiefte Auseinandersetzungen, da genügen Wikipediaeinträge nun wirklich nicht, Herr S.
Aber sogar in dieser findet sich der Satz: "In politischen Auseinandersetzungen wird der Begriff auch als Schimpfwort gebraucht und oft nach unscharfen Kriterien auf rechte und rechtsextreme Gruppierungen angewandt."
Unscharfe Kriterien. Schimpfwort.

Was nun die Meinung Trumps mit einer Definition des F. zu tun haben sollte, entzieht sich meinem Verständnis. Wollen Sie vielleicht andeuten, dass alles ungefähr gleichwertig ist? Die Meinung von Herrn X ist genauso bedenkenswert wie die von Frau Y? Dass also, bleiben wir im Falle von der Definition von F., die Auseinandersetzungen von bspw. der Frankfurter Schule, von Arendt und anderen Philosophen gleichwertig sind mit dem Faschismusverständnis von Herrn Müller?

Mich stört folgendes ziemlich: Heutzutags sind alle möglichen Leute "Faschisten", "Rassisten" und sonst noch "...isten".
Dazu brauchen sie oft bloss die Meinung des/der Schreibers/Schreiberins nicht zu teilen. Meistens zehren solche Ankläger von einem tief ahistorischen Weltbild, und versuchen ihr persönliches Malaise mit einem starken Wort (das übrigens mit dem Gebrauch à discrétion komplett verwässert wird) zu vergesellschaften.

Schauen wir nur den Titel des Beitrages an: "Faschismus beginnt mit der Lüge".
"Der"? Heisst dies: "Eine"? Oder mit der "originären" Lüge? Welche wäre die?
Ist also Lügen als Beginn von Faschismus als Defnition brauchbar?
Was alles beginnt oder setzt sich fort mit Lügen und ist dennoch kein Faschismus?
Lügt ein F. - jedoch ein Demokrat oder Antifa-Mensch nicht? Etc etc etc.

Kurz, der Artikel ist ok. Mehr nicht. Man muss allerdings über vieles hinweglesen, damit er erträglich wird.

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Michel Rebosura
Ratsmitglied Project R Genossenschaft
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Bei der Beantwortung der Frage, ob Trump ein Faschist bzw. der Trumpismus ein Faschismus ist, wird es wohl ein Vor und Nach dem 6. Januar 2021 geben. So fragt Paul Krugman einen Tag später in der NYT rhetorisch:

So, is it finally OK to use the F-word?

Seine Kürzestformel lautet:

One shouldn’t use the term «fascist» lightly. It isn’t a catchall for «people you disagree with.» … Donald Trump, however, is indeed a fascist — an authoritarian willing to use violence to achieve his racial nationalist goals. So are many of his supporters. If you had any doubts about that, Wednesday’s attack on Congress should have ended them.

Doch seit seinem Antritt wurde die Frage immer wieder gestellt – und zwar in der Tendenz zwar warnend, aber doch eher zögerlich mit einer eindeutigen Zuschreibung.

  • Der «Fascist Meter» in der WaPo (21.10.16)

  • Dasselbe nochmals inkl. «Leistungssteigerung» in der WaPo (21.8.2020)

  • 8 Faschismus-Experten in der Vox (23.10.20)

  • a critical self-assessment of our analyses im Guardian (16.11.20).

Nach dem 6. Januar 2021 sieht es jedoch eindeutiger aus:

  • Ein Bericht eines Journalisten, der vor Ort beim Capitol war in The Independent (7.1.21)

  • fascism is imperialism at home in Foreign Policy (9.1.21)

  • Trump is a classic authoritarian personality with a fascist rhetorical style in The Nation (9.1.21)

  • Post-truth is pre-fascism des bereits erwähnten Artikels von Timothy Snyder («On Tyranny») in der NYT (9.1.21)

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Yvo Wüest / Education Minds GmbH
Trainer Didaktische Reduktion
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Danke für die Zusammenstellung dieser Beiträge und die schlüssige Aufteilung in ein Vorher und Nachher. Ich meine bei den Debatten in den USA gerade zu beobachten, wie der Wind dreht. Kommentatoren wie Dale Maharidge ziehen Parallelen zu den 30-Jahren und schreiben denkwürdige Sätze wie: "But long before there was an internet and television, fascist ideas thoroughly infiltrated American culture."

Sein Beitrag lautet darum auch: Trump will soon leave office. But the ingredients of homegrown fascism remain.

https://www.theguardian.com/comment…ty-poverty

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Frage: Wie würden wir Trump beschreiben? Narzisstisch, erfolgssüchtig, extrovertiert, nach Macht strebend, ruhelos, Wahrheit verdrehend etc....? Sind das nicht genau treffende Charaktereigenschaften unserer (pauschal) Gesellschaft? Was uns an Trump so stört verkörpern wir aus meiner Sicht als Gesellschaft. Leider erkennt man eigene Fehler meist erst bei anderen und zeigt darauf...

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Ich persönlich würde es nicht wagen, Herrn Trumps Persönlichkeit zu analysieren.

Okay: Jede*r darf mal bei sich selbst anfangen.

Zitiert aus "The Dark Factor of Personality: Determine your D-Score":
https://qst.darkfactor.org

Ethisch, moralisch und sozial fragwürdiges Verhalten sind allgegenwärtig.
...
Dark Factor ist die allgemeine Tendenz, seinen Nutzen auf Kosten anderer zu maximieren und die Kosten für andere nicht zu bemerken, in Kauf zu nehmen oder böswillig hervorzurufen — einhergehend mit Überzeugungen, die als Rechtfertigung dienen. Individuen mit einer hohen Ausprägung auf D werden ihre eigenen Interessen rücksichtslos verfolgen, auch wenn dies andere schadet (oder sogar um des Schadens anderer willen), und Überzeugungen haben, die entsprechende Verhaltensweisen rechtfertigen.

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Demokratie ist überall dort gefährdet, wo persönliche Machtbedürfnisse, Gewinnstreben und sog.alternative Facts zur Richtschnur des Reden und Handelns werden. Nur meine Weltsicht (worauf auch immer ich meine Überzeugung begründe) ist die richtige. Wer die Welt anders sieht, ist im Unrecht oder wird nicht ernstgenommen. Deshalb sollte es das Wort "Fake News" eigentlich nicht geben, sondern durch Vermutung, Annahme oder Glauben ersetzt werden. Das könnte wieder miteinander diskutiert werden.

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Muttersprache NL
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Die Frage ist immer wieder, warum haben grosse Lügner - und wenn sie noch so widerlich und lächerlich scheinen - so viele Folger.
Timothy Snyder schreibt dazu:

"It takes a tremendous amount of hard work to educate citizens to resist the powerful pull of believing what they already believe, or what others around them believe, or what would make sense of their own previous choices."

"Aristotle worried that, in a democracy, a wealthy and talented demagogue could all too easily master the minds of the populace"

"Post-truth wears away the rule of law and invites myth."

"Arendt thought big lies work only in lonely minds; their coherence substitutes for experience and companionship."

Sind wir in der Schweiz noch bei den mittleren Lügen? Die grosse Lüge scheint nicht mehr so weit weg wie auch schon und lonely minds gibt es genug.

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Ich war etwas erstaunt über die zitierte Verharmlosung von Trump in der NZZ von 13. November und habe versucht den Artikel in der Ausgabe von 13. November zu finden und nachzulesen. Ich konnte das aber nicht. Um welchen Artikel handelt es sich?

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Lucia Herrmann
Community @ Republik
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Guten Abend, der Artikel ist im Text oben verlinkt. Hier noch einmal, herzlich

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Software-Entwickler
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Ich mag nicht alle Kommentare von Daniel Binswanger, dieser hier trifft es aber wieder einmal sehr gut auf den Punkt!

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