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Danke für diese aufschlussreiche Analyse. Sie liefert gut greifbare Argumente, weshalb jegliche Versuche, die AHV zu schwächen, vor allem auch aus Gründen der sozialen Gerechtigkeit abgewehrt werden müssen. Interessant wäre noch zu wissen, inwieweit die ebenfalls einkommensabhängige Höhe der Lebenserwartung die Ungleichheit bezüglich (real bezogener) Rentenguthaben wieder verstärkt. Thomas Piketty hat das für Frankreich aufgezeigt.

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Das ist ein wichtiger Hinweis, danke. Auch in der Schweiz ist die Lebenserwartung abhängig vom Einkommen, was die Ungleichheit verstärkt. Ich kenne aber keine Untersuchung dazu in der Schweiz, wo dies berechnet wurde.

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Diese sehr gute Analyse ergänzt die intensive Debatte am Wochenende zu Binswanger Kommentar zum französischen Rentenstreik hervorragend. Fazit hier wie dort: Die AHV ausbauen führt preiswert und solidarisch nachhaltig aus der Rentenkrise.

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Ich frage mich, warum die Ergänzungsleistungen bei der Beurteilung der Altersvorsorge aussen vor bleiben. Sie gleichen ja das Fehlen von genügendem Altersguthaben ein wichtiges Stück weit aus. Für meine verstorbenen Eltern und meine Schwester, die sich - so lang es ging - für ihre Pflege einsetzte, DIE soziale Errungenschaft.

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Ja, aber die EL spielt halt eine etwas andere Rolle, als die im 3 Säulenprinzip begründete Vorsorge. Sie wird ja auch nur zu besonderen Zwecken und zur absoluten Grundsicherung (z.B Finanzierung von Pflege, institutioneller Unterbringung, Hilfsmittel) ausgerichtet. Trotzdem- eine nähere Betrachtung der EL und deren Zunahme der Kosten wäre natürlich auch spannend.

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Lieber Herr Feller. Die Ergänzungsleistungen sind für die Ungleichheit wichtig, da bin ich mit Ihnen einig. Diese Leistungen sind - wie die Sozialhilfe - für die Einkommensungleichheit und Verringerung der Armut zentral. Für die Vermögensungleicheit - auf die sich dieser Beitrag bezieht - werden solche bedarfsabhänigen Leistungen üblicherweise nicht berücksichtigt. Im Unterschied zur AHV gibt es kein individuelles Konto mit den Guthaben, nach einem Wegzug aus der Schweiz entfallen die Anspüche und die Auszahlung unterliegt vielen Bedingungen.
Wie am Schluss des Beitrags anbemerkt, gibt es keine richtige objektive Vermögensdefinition. Es gibt durchaus Gründe, auch die Ergänzungleistungen einzubeziehen.

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Dass die EL für die Vermögensdefinition nicht mit einbezogen werden, ist ein Fehler: Es ist Volksvermögen, aus einkommensabhängigen Steuergeldern finanziert und hift der ärmsten Bevölkerungsschicht ohne finanzielle Vorleistung im selbst gewählten Pflegeheim ordentlich betreut zu werden, oder in einer eigenen Wohnung bleiben zu können: Die allerbeste soziale Einrichtung, auf die wir stolz sein können! Dazu müssen wir in erster Linie Sorge tragen.
Maximale Forderung von Kürzungen im sozialen Bereich (SVP) versus maximale Ausbauwünsche der AHV (SP) ergibt die Schnittmenge null(lösung).
Tragen wir Sorge zum Prinzip der EL, denn daran wird schon kräftig gesägt, da die Kosten unaufhaltsam steigen. Die (von Versicherern?) in den Raum gestellte Pflegekostenversicherung nützt den Anbietern, aber sicher nicht dem finanziell untersten Fünftel der Bevölkerung. Wer zahlt dann, wenn keine Versicherung tragbar war? Die Kinder, oder wieder Pflege zuhause, wenn sie auch nicht zahlen können?
PS Für den 2jährigen Pflegeheimaufenthalt meines Vaters hat der Staat rund 100'000 Fr. beigetragen. Prämie für eine solche Versicherung?

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Die Pensionskassengelder und Sparkonten werden über Jahrzehnte akkumuliert, um sie dann endlich auch wieder zu verzerren. Die Akkumulation von Kapital macht aber nur solange Sinn, wie auch entsprechender Investitionsbedarf besteht. Ist die Anhäufung grösser als der Bedarf, führt dies zur Inflation unter anderem bei Aktien und Immobilien. Von dieser Inflation profitieren einmal mehr diejenigen, die am meisten eingezahlt haben. Das heisst, der Effekt der Ungleichheit beim Sparkapital wird zusätzlich verstärkt.
Ist dieser Effekt in den Berechnungen mit berücksichtigt?

Nebenbei sei noch erinnert, dass die übermässige Anhäufung von Kapital und Investitionen mit den entsprechenden Renditeerwartungen zum Wachstumszwang unserer Wirtschaft beiträgt und damit letztlich zum Ruin unseres Klimas. Neben der besseren sozialen Verträglichkeit gäbe also noch weitere gewichtige Gründe, das Umlageverfahren der AHV zu bevorzugen.

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Die Aktien und Immobilien bei dem Haushaltsvermögen werden mit dem Marktwert bewertet, die Inflation der Vermögenswerte ist dort berücksichtigt. Bei der Pensionskasse ist dieser Effekt nicht so klar. Eine Renditeerwartung ist ein wichtiger Bestandteil der 2. Säule. Hohe Renditen werden zu einem grossen Teil für die Umverteilung von den aktiven Generation auf die Rentenbezüger verwendet.

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A. L.
· editiert

Interessanter Beitrag - nur bedingt aussagekräftig.
Denn er lässt ein paar relevante Effekte aussen vor.

Grundsätzlich:
Wer immer Eigentümer seiner eigenen Firma ist, der ist in der Lage, sein Gehalt selbst zu steuern. Mit durchschlagendem Ergebnis auf Säule 1 und 2. Dh in der Realität sind die Altersguthaben der angestellten Firmenbesitzer eher (deutlich) höher als hier angezeigt.

Rendite:
Für die Einzahlung in Säule 2 und 3 ist ausschliesslich die Renditeerwartung verantwortlich.
Da diese bekanntermassen unterirdisch ist, steigen die (freiwilligen) Einzahlungen in die Säule 2 und 3 erst zum Ende der Arbeitszeit an - erst dann ist der Steuereffekt + die erwartete Restrendite höher.

Umlageverfahren:
Dies macht nur in Ländern Sinn, die sich ähnlich wie Indien entwickeln. In Europa mit seiner massiv alternden Bevölkerung wird es unweigerlich zum Kollaps der Sozialsysteme führen. Schliesslich muss die Umlage von jemandem finanziert werden. Wenn die Anzahl der Beitragszahler sinkt, die der Empfänger steigt... Nun, kann sich jeder selbst vorstellen, wie das enden wird.

Säule 2:
Diese krankt unter mehreren Punkten:

  1. der Umwandlungssatz - aktuell ist es nichts anderes als ne AHV 2.0. Der Umwandlungssatz ist viel zu hoch, die Jungen bezahlen die Rente für die Alten.
    Dabei sollte diese Säule komplett "privat" (sprich ausschliesslich entsprechend der Eigenleistung) finanziert werden.

  2. Kosten - das gewählte Konstrukt ist ein Geschenk für die Finanzindustrie. Die Kosten - im Verhältnis zum Ertrag - dürften bei keinem anderen Finanzprodukt auch nur ansatzweise so hoch sein. Ist ja auch logisch:

  • es fehlt ein Wettbewerb, sprich die AN können ihre Pensionskasse nicht frei wählen

  • es herrscht komplette Intransparenz in dem Sektor hinsichtlich des TER
    -> für viele Finanzdienstleister ist die PK DIE Cashcow schlechthin. Entsprechend wird in Bern lobbyiert.

  1. Überobligatorium. Warum soll ich mehr als notwendig einzahlen, wenn die erwirtschafteten Überschüsse eh ins Obligatorium fliessen? Dh mein Überobligatorium miserabel verzinst ist?

Lösungen?

  1. AHV sollte komplett von Umlageverfahren auf "privat" umstellen. Effektiv wird dabei für jeden Bürger (ab Geburt) ein eigenes Konto angelegt, in das monatlich für alle (!) der gleiche Betrag eingezahlt wird (Solidarprinzip). Finanziert wird das ganze aus den monatlichen Einzahlungen in die Säule 1. (Rest siehe Punkt 2)

  2. Die 2. Säule wird komplett aus der freien Wirtschaft herausgelöst. In der gesamten Schweiz würden sich ähnlich der AHV auf kantonaler Ebene Pensionskassenvereinigungen bilden, die die Gelder verwalten würden (siehe zB Kanada). Ein Teil (bis zu 50%) würde in Eigenregie geführt, ein Teil im Wettbewerb ausgeschrieben (bis zu 100% - bei keinem Einzelanbieter mehr als 20% zwecks Vergleichbarkeit).
    => Auf die Art hätten die Finanzinstitute echten Anreiz, die Gelder kosteneffizient anzulegen. Von der Risikostreuung und dem damit höheren Durchschnittsertrag pro Person mal abgesehen.
    => Nachhaltiges Anlegen zum Wohle der Allgemeinheit wäre deutlich einfacher - schliesslich wären die Pensionskassen ihren "Anlegern" (den Arbeitnehmern in der Schweiz) verpflichtet. Und nicht den Aktionären des für die Verwaltung zuständigen Finanzinstitutes.

Man muss sich nur mal anschauen, was die grossen amerikanischen Stiftungsfonds (der Elitehochschulen) erwirtschaften. Durch ihren sehr langfristigen Horizont sieht die Geldanlage komplett anders aus als bei unsren Pensionskassen/fonds. Dabei sind die Horizonte durchaus vergleichbar.

Säule 3:
Schwieriges Thema... Lass ich daher aussen vor.

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Ich bin kein Experte - aber ein Punkt müsste meines Erachtens diskutiert werden: Das Umlagesystem (d.h. die AHV) hat zwar Probleme bei raschen Veränderungen der Altersstruktur wie wir das jetzt gerade haben. Aber eine Kapitalakkumulation wie bei der 2. Säule scheint auch keine gute Alternative zu sein - denn wo soll all das Geld bei einer alternden und damit weniger konsumfreudigen Bevölkerung angelegt werden? Die sich aus der Bevölkerungsentwicklung ergebenden Negativzinsen sind jedenfalls ein Hinweis in diese Richtung (vgl. ein früherer Beitrag dazu in der Republik). Vielleicht ist eine Lösung mit einer Kombination doch noch die beste Lösung. Zur 2. Säule: würde es für eine Verbesserung des Wettbewerbs nicht reichen, wenn die Versicherten ihre Pensionskasse selber wählen könnten statt dass der Patron diese vorgibt? Was meinen Sie dazu, Herr L.?

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Ich fange mal mit dem 2. Teil an.

Die Grundidee, das eine Firma eine Entscheidung fällt, ist an sich richtig. Sie folgt der Annahme, dass die Konditionen umso besser werden, je grösser das Vermögen ist.

Das könnte sogar funktionieren, wenn die Firmen ein aktives Interesse hätten, sich um die Pensionsgelder ihrer Angestellten zu kümmern. Haben sie nur nicht, weil es Arbeit bedeutet. Und Arbeit ist gleichbedeutend mit Kosten.

Was es bedeutet, wenn jeder AN selbst wählen könnte, sehen wir an den Angeboten der Säule 3 bzw grundsätzlich in der für Privatkunden ziemlich beschränkten und sehr teuren Angebotspalette von Fonds. Vermutlich würde es die Situation etwas bessern, aber nicht mal ansatzweise so sehr, wie es ein professioneller Anleger mit einem Milliardenvermögen könnte.
Gehen sie mal auf die Seite "swissquote" und suchen sie mal nach den (langfristig) erfolgreichsten Fonds. Dann schauen sie sich deren Kosten mal an. Und die Mindesteinlagen. Bei den Fonds mit der niedrigsten Schwelle sprechen wir von 500.000 CHF. Standard ist eher 1 Mio (teilweise bis 5 Mio.)

Womit wir auch gleich bei der Eingangsfrage wären:
Von den wirklich attraktiven Anlagekategorien sind Ottonormalbürger per Gesetz ausgeschlossen. Dies gilt (kein Scherz) auch für Pensionskassen - Stichwort "Sicherheit".

In dem Fall kann man der Pensionskassenindustrie ihr Verhalten noch nicht mal vorhalten. Wenn in der Theorie über Nacht das komplette Geld abgezogen werden könnte, dann sind hoch attraktive, aber eben auch sehr langfristige weil illiquide alternative Anlagen (zB Holzwirtschaft! Oder Venture Capital sprich Finanzierung von start up Unternehmen - wäre für die Schweiz ne "win-win"-Situation, da hier ein riesiges Kapitalproblem existiert) kein Thema. Ebenso könnte zB die alternative Energiewirtschaft gefördert werdet werden. Und zwar dort, wo sie Sinn macht. Und ausreichend Rendite abwirft.

Wenn aber auf der "Anleger"seite der Wettbewerb ausgeschalten wird, dann entfällt dieses Problem. AHV und Pensionskassen können ihre Gelder dementsprechend so anlegen, wie es dem Lebensmodell ihrer Versicherten entsprechen würde. Weil die Gelder "auf ewig" bei ihnen bleiben würden.

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Daumen runter ist ja einfach zu drücken - mich würde jetzt aber interessieren, warum? welcher Teil ist unlogisch und/oder falsch?

Der erste Teil kann es schwerlich sein. Denn er beschreibt die Realität - ist es also der Lösungsansatz? Und wenn ja, warum?

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J. B.
· editiert

Mir gefällt der rein Geld motivierte Ansatz nicht. Dieser setzt zudem voraus, dass auch die nächsten Jahrzehnte die Wachstumswirtschaft munter weiter funktioniert. Ausserdem geht Ihr Ansatz soweit, dass man so tut, als könnte man Werte (mittels Geld) ewig aufbewahren.
Aber niemand kann 40 Jahre lang "Kartoffeln" sammeln, um diese dann 30 Jahre lang zu verzerren.
Beleuchten wir die Sache von der entgegengesetzten Seite, von dem, was täglich passiert, können wir doch feststellen, dass immer die gegenwärtige arbeitende Bevölkerung für alle gegenwärtigen Menschen aufkommen muss. Zumindest gilt dies für alle Leistungen für die tägliche Versorgung. Es kann also niemand sich vorsorglich versorgen, auch wenn heute oft so getan wird.
Ausgenommen davon sind Investitionen, seien das in Wohnraum, Energieversorgung und weitere Infrastruktur. Das heisst, Sparguthaben sollten bewusst in Projekte investiert werden, die wir auch wollen und für die Gesellschaft ein Vorteil sind. Zum Beispiel ermöglicht eine PV-Anlage, dass wir nicht Öl aus dem Ausland kaufen müssen, um unser EAuto zu betanken. Noch offensichtlicher ist eigener Wohnraum, den wir aber gerade nicht den Pensionskassen überlassen sollten, die uns dann im Alter weiter mit Renditeerwartungen belasten.
Eine ausgewogene Situation wäre daher für mich, wenn nur für gezielte Investitionen angespart wird und der Rest umverteilt wird; über die AHV und/oder gerne auch über ein Grundeinkommen für alle.
Ein Pensionssystem erzeugt also keine Waren für später (ausser den Investitionen), sondern es sagt nur aus, wer die Summe der gegenwärtigen Erzeugnisse in der Gegenwart bekommen darf oder bekommen soll.
Wenn man die Sache so betrachten würde, wäre auch die Frage des AHV-Alters ganz anders zu bewerten. Wenn mit Hilfe von Robotern, KI und erneuerbarer Energie die Versorgung viel effektiver bereit gestellt werden kann, reichen die zukünftig Jungen vollkommen aus für eine genügende Versorgung. Wahrscheinlich wäre es sogar möglich, nicht nur das AHV-Alter zu belassen, sondern die 20-Stunden-Woche einzuführen.
Nimmt man dazu noch die Dimension des Klimawandels in die Betrachtung auf, kommt man nur mit dieser Herangehensweise zu sinnvollen Lösungen.
Diese Darstellung ist nicht so gemeint, dass ich meine, hier die fertige Lösung zu präsentieren, aber auf dieser Ebene möchte ich Lösungen suchen und nicht beim "Geld" in all seinen Ausprägungen.

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