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Rudolf Weiler
Enthusiast und Feedbäcker
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Nach einem nicht okayen Einstieg bringt die Autorin dann doch das Wichtigste zur heutigen BEUYS-Rezeption zusammen und zeigt deren Höhen und Tiefen auf. BEUYS war und bleibt Alternative zum gängigen Kunst-betrieb. Er wollte ja nicht nur dem Osterhasen seine Kunst erklären, sondern verstand sein Werk auch als Heilslehre mit fast evangelikalen Unter- oder Obertönen. Ganz schön: das Bild der Familie Beuys!
BEUYS--supergrün, hat auf die Lebenswichtigkeit der unberührten Natur hingewiesen, hat sich selbst durch Kunst therapiert und gezeigt, dass das auch für andere funktionieren kann: Kunst ist therapeutisch, das wurde in Innsbruck auch wissenschaftlich untersucht und bestätigt. "Eigentlich bedeutet Kunst in meiner Betätigung wie ich sie betreibe, die eigentliche Naturwissenschaft wie ich sie betreiben wollte" (Beuys in einem Gespräch mit Helmut Rywelski, in: Meyer 1989, S.99) ... »Ich würde sagen: was ich praktiziere, ist ohne weiteres auf die Medizin zu übertragen.« (Beuys 1997, S. 93) Beuys meint hierzu: "Kunst IST ja Therapie. Aber bei dieser Therapie sollte man sich sozusagen ein Bewusstsein erschaffen, das heisst, man sollte nicht darauf verzichten, in Zusammenhängen zu DENKEN. Denn die Therapie, die sozusagen nur Aggressionen ableiten will, oder die sozusagen die Menschen beschäftigen will – das greift ja alles gar nicht tief genug in den Gesamterkenntnis-prozess hinein« (Beuys 1997, S. 69)
PS Tolle Idee den Film BEUYS als Stream anzubieten, vielen Dank!

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Beuys hat seine Vita grossenteils gefälscht wie der Historiker Hans Riegel mittels unzähliger Akten nachweist. Seine Rettung durch Tataren mittels Fett und Filz auf der Krim ist ein vom Künstler erfundener Mythos. Zu der Zeit waren die Tataren längst von Stalin nach Sibirien verbannt worden.
Auch KunsthistorikerInnen sollten faktenbasiert argumentieren.

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Lieber Herr M., genau, es handelt sich dabei um einen Mythos. Hans Riegel ist und bleibt auch einer der führenden Historiker, der seine Dekonstruktion voranbrachte – leider kann frau nicht alle Beuys-Exegeten erwähnen, das würde das Text-Fässchen zum Überlaufen bringen. Danke deshalb, dass Sie ihn an dieser Stelle ergänzen!

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Dass ein Künstler sich eines Mythos bedient finde ich eigentlich weiter nicht tragisch. Die Kunst(welt) ist doch voll davon. Vielleicht wäre eher zu betrachten, was die Kunstbeflissenen in der Gesellschaft damit anstellen.

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Anregender Artikel zu einer einflussreichen und ambivalenten Kunst- Figur. Mythos Beuys: Eine Gelegenheit, über den Unterschied nachzudenken zwischen Identifikation und Inspiration, Gefolgschaft und Nachfolge.

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Michel Rebosura
Ratsmitglied Project R Genossenschaft
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Es sind, versprochen, leider einige.

Auch wenn diese Geschichte wohl nie zu Ende erzählt sein wird – selbst nach 100 Jahren nicht – so könnte man im Jahre des Herrn 2021, es vielleicht doch mal wagen, das nächste «Kapitel der (Kunst-)Geschichte» aufzuschlagen und den «Kanon rund um die Herren» zu erweitern. Dazu hätte sich beispielsweise das Künstlerkollektiv ruangrupa angeboten, welche die künstlerische Leitung der documenta 15 in Kassel 2022 übernahm. Es liesse sich zwischen beuys – oder für manche BEUYS – und ruangrupa sogar ein Bogen schlagen.

Aber das ist halt erst nächstes Jahr. Und hier geht es um «das einsame Genie», auf das unsere postheroische Gesellschaft nostalgisch blickt. Solche Jubiläen, sei es mit klein, sei es mit GROSS geschriebenem Namen (als ginge es um INRI), sind ja, neben dem Personenkult für fanatics, mehr art washing zum Zweck der Aufwertung, PR für den Tourismusverband.

Und weil das Bach-Fest 2020, nun, den Bach runterging und wir die Matthäus-Passion – und Osterhasen – mittlerweile satt haben, schauen wir Erlösungsbedürftigen umso lieber auf einen weiteren Märtyrer und Erlöser. Statt auf die Gemeinschaft, das Soziale der Plastik, auf das mit fetten Lobpreisungen einbalsamierte, zu Plastik gewordene Monument.

Deshalb freue ich mich jetzt schon, auf das Einlösen des Versprechens – anders als geschrieben, anders als gedacht? – dass in der Republik bislang ignorierte «Kapitel der (Kunst-)Geschichte» aufgeschlagen und erzählt werden. Herzlichen Dank jedenfalls für diese Rekapitulation.

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Wir werden das zumindest und auf jeden Fall versuchen, einzulösen... jaaa, vielen Dank!

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Danke für den Artikel über einen sehr umstrittenen dennoch wichtigen Künstler des letzten Jahrhunderts. Als Student besuchte ich im letzten Semester die Vorlesung von Prof. Ursprung in welcher er ausschliesslich über Beuys berichtete. Dieser Artikel wirft nun wieder einen anderen Blickwinkel auf einzelne Themen, welche mein Interesse steigern und wichtig sind in der Meinungsbildung. Meiner Meinung nach kommen viele neue Fragen auf, welche vor noch nicht allzu langer Zeit kaum zur Debatte standen. Ich hüte mich davor eine endgültige Meinunung über einen Künstler und dessen Werke zu bilden, schätze aber die Diskussionen welche er ankurbelt umso mehr!

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IP - Suisse - Bäuerin
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Nun ja, ich habe meine liebe Mühe mit dem Mann. Für Interessierte möchte ich aber darauf hinweisen, dass die Zeitschrift art ihre ganze April - Ausgabe Beuys widmet.

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Geht mir auch so. Ich halte Beuys für einen anregenden Gesellschaftskritiker und mitreissenden Sozialapostel. Für einen Lebenskünstler ebenso. Das macht aber seine Werke noch nicht zu Kunst. Sorry.

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Darum gehen viele Menschen nicht gerne ins Museum. Sie glauben, man müsse eine Dekonstruktion einer Monumentalskulptur zur Versöhnung des Volkes mit seiner Vergangenheit in einer Kochplatte und einem Stück alter Wurst erkennen können, um mit Kunst etwas anfangen zu können.
Ja, ja, ist halt super-intellektuelles Feuilleton, aber mal ehrlich ...

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(durch User zurückgezogen)