Der idyllische Schein trügt: Am Tobasee auf Nordsumatra ist die Welt alles andere als in Ordnung.

Es brodelt am Vulkansee

Einst war der grösste Kratersee der Welt kristallklar. Dann entdeckten Fisch­züchter das Gewässer. Nun kämpft ein indonesisches Dorf gegen einen riesigen Fischerei­betrieb, aufgezogen von einem Schweizer. Eine Geschichte über grosse und kleine Fische, über das Innere des globalen Welthandels.

Von Benedict Wermter (Text) und Nick Lobeck (Bilder), 11.06.2019

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Früher hätten sie das Wasser getrunken. Ihre Kleider darin gewaschen. Ihre Tiere damit getränkt, ihre Felder bestellt, erzählt Arimo Manurung. Der junge Mann vom Volk der Batak sitzt im einzigen Restaurant in Sirungkungon. Die Holzbude ist auch ein Laden, es hängen Chips, Shampoo und Kaffee in Einmal­packungen von der Decke.

Um Arimo herum kommen und gehen die Männer des Dorfes. (Anmerkung: In Indonesien ist es üblich, dass sich die Menschen nur bei ihrem ersten Namen rufen.) Sie alle reichen ihm die Hand, ihre Mienen verziehen sich kurz zu einem gütigen, dankbaren Lächeln. Doch sie bleiben meist stumm. Früher haben sie für Regal Springs gearbeitet.

«Regal Springs spielt eine wichtige Rolle innerhalb lokaler Gemeinschaften, in denen wir arbeiten.» – «Wir unterstützen Schulen und Kranken­häuser.» Sätze wie diese stehen auf der Firmenwebsite.

Arimo verdreht kurz die Augen. Dann wischt er wirsch durch die Luft: «Nothing.» Gar nichts machen die. Alles gelogen.

Am Tobasee auf der indonesischen Insel Sumatra betreibt Regal Springs eine der grössten Fisch­farmen der Welt. Das Unter­nehmen hält gleich fünf Nachhaltigkeits­zertifikate, ein Image so glasklar wie einst das Wasser des Vulkansees.

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Gegen die Firma Regal Springs erheben Angehörige des am Tobasee ansässigen Volks der Batak schwere Vorwürfe: Die Rede ist von Gewässer­verschmutzung, Ausbeutung und Korruption. Vor etwa 150 Jahren wurden die einst kannibalischen Batak missioniert – von einem Deutschen. Vielleicht auch deswegen werden ihnen heute deutsche Tugenden nachgesagt: Sie seien präzise, direkt, schlagfertig. Dazu passt, dass einige der rund 8 Millionen Batak den See verliessen und in Jakarta Anwälte wurden. In Sirungkungon aber leben die Menschen wie früher als streng­gläubige Bauern und Fischer am See.

Ein Kirchturm aus roten Back­steinen ragt empor, darum herum Hütten mit Blech­dächern, in denen die rund 300 Ortsansässigen leben. Das Dorf liegt in einer Bucht. Die einzige Strasse ist eine in das schroffe Vulkan­gestein gehauene, enge Beton­fahrbahn. Wer kein Motorrad fährt, verlässt den Ort mit dem Boot. Wie vor hundert Jahren.

Die Kirche ist noch im Dorf – und doch brodelt es in Sirungkungon.
Arimo und andere Dorfbewohner werfen dem Fischzucht­unternehmen Regal Springs Umwelt­vergehen vor.

Das gute Unternehmen

An fünf Standorten am Tobasee betreibt die Firma Regal Springs unter dem Namen PT Aquafarm Nusantara (PTAN) Zucht­anlagen für Bunt­barsche, in der Fisch­industrie als «Tilapia» bezeichnet. Ein Süsswasser-Speisefisch, so begehrt, dass heute mehr dieser Tiere in den Zucht­anlagen leben als in freier Wildbahn. Regal Springs gilt als grösster Tilapia-Produzent der Welt. Bei den Batak heisst die Firma einfach Aquafarm – oder keramba Swiss, Schweizer Fischgehege.

Seit 2016 gehört die Firma zur Golden-Springs-Gruppe aus Singapur. Dahinter stand bis Anfang dieses Jahres der mittler­weile verstorbene Schweizer Peter Zuellig. Dieser wiederum gehört zur in Asien umtriebigen Familie Zuellig, die hinter dem Konzern «Zuellig Group» steht.

Ursprünglich ist Regal Springs das Werk eines anderen Schweizers: Rudolf Lamprecht baute die Firma Ende der 1980er-Jahre am Tobasee auf. Er gilt heute als Pionier der Tilapia-Zucht und führte das Unternehmen bis ins Jahr 2016, gemeinsam mit seiner Tochter, seinem Schwager, seiner Familie. Dann ging es an die «langjährigen Freunde» über, die Zuelligs.

In 400 Netz­gehegen an fünf Stand­orten betreibt die indonesische Regal-Springs-Tochter Aquafarm Fischzucht im Tobasee.
Die Bewohnerinnen machen sich Sorgen um die Wasserqualität, sie glauben, dass die Fischfarmen den See verunreinigen.

Die Bilder auf der Website von Regal Springs sind schön. Man möchte am liebsten gleich ins glasklare Nass steigen und mit den Bunt­barschen im Süsswasser planschen. Regal Springs schreibt, die Tilapia seien nicht nur sauber produziert, das Unter­nehmen kümmere sich auch um die Qualität der Seen, in denen es Anlagen betreibe – ob in Mexiko, Honduras oder hier in Indonesien. Die Firma verfolge eine zero-waste policy, Gewinne aus der Zucht würden in die örtlichen Gemeinschaften zurück­fliessen, aus denen der Fisch stammt. In Schul­projekte oder Krankenversicherungen.

Dafür gabs die fünf Nachhaltigkeits­siegel, darunter das bekannte ASC-Label für verantwortungs­volle Fischzucht. Das ist insofern bemerkens­wert, als die Tilapia-Produktion in der Branche verrufen ist. Sie gilt als dreckiges Geschäft, vergleichbar vielleicht mit der Zucht von Hühnern in Geflügel­fabriken. Etwa ein Viertel der Fische stirbt bei der Aufzucht, das räumte Regal-Springs-Gründer Rudolf Lamprecht einmal gegenüber dem Schweizer Fernsehen ein. Das Unter­nehmen bezieht das Futter vom US-Agrar­riesen Cargill. Täglich soll Aquafarm ungefähr 200 Tonnen phosphat­haltiges Fischfutter, sogenannte Pellets, ins Wasser kippen, wie aus dem Fernseh­beitrag hervorgeht. Das belastet den See.

Passt eine solche Zucht mit den hohen Ansprüchen der Firma zusammen?

Der Tiger, die Videos und viele Vorwürfe

Eigentlich könnte Arimo, 28 Jahre, gut in einem Hip-Hop-Video mit leicht bekleideten Damen mitspielen – mit aufgesetzter Mütze, verdunkelter Hornbrille, Bomber­jacke und Umhänge­tasche. Doch von Beruf ist er Anwalt. Das Whatsapp-Profil­bild zeigte ihn zu Beginn unserer Recherche in schwarzer Robe vor einem explodierenden Feuerball. Sein Name bedeutet auf Batak: Tiger.

Einige Kinder seien nach dem Baden im See krank geworden, sagen die Dorfbewohner.
Dass Aquafarm für seine Zucht fünf Nachhaltigkeits­zertifikate erhalten hat, kann Anwalt Arimo nicht nachvollziehen.

Arimo spricht für viele Männer und Frauen des Dorfes. Fast alle Bewohnerinnen haben hier früher für die 80 Netzgehege von Regal Springs gearbeitet. Als Fahrer, Buch­halterin, Futter­träger, Fisch­farmer. «Heute sind es nur noch 10», sagt Arimo. Der Rest der Belegschaft komme von weiter weg. Und im Dorf seien heute die meisten wieder Bauern oder fischten selber.

Einer der Gründe, warum die Bewohner kündigten: Sie machen sich Sorgen um ihren See und damit um ihre Gesundheit. «Jeden Tag produziert Aquafarm tote Fische», sagt Arimo. Mitarbeiter würden die Kadaver in leere Futter­säcke stopfen, diese mit Steinen beschweren und auf den Grund sinken lassen. «Oder die schmeissen die Säcke einfach so ins Wasser.» Vor ihrem Dorf sei der See besonders tief, der Standort ist deswegen bei Aquafarm beliebt. Tieferes Wasser gleich bessere Qualität. Aber tiefes Wasser heisse auch, dass man hier den Abfall gut entsorgen könne, sagen die Leute im Dorf.

Manche Männer erzählen, sie hätten die Umwelt­verschmutzung mit ihren Handys dokumentiert. Die Videos liegen der Republik vor. Auf den Filmen sind Dorf­bewohner zu sehen, die weisse Säcke am Ufer bergen. Im Hinter­grund hört man Menschen würgen. In der Dorf­kneipe heisst es, die Säcke gehörten Aquafarm.

Eines der Videos zeigt ein Fracht­schiff auf dem Weg zur Fischfarm, auf dem einige angeschimmelte Säcke des Pellet-Herstellers Cargill lagern. In einer Nahaufnahme sieht man Maden über die Beutel kriechen. Der Mann, der die Bilder aufgenommen hat, war früher Transporteur solcher Futter­säcke für Regal Springs. Er sagt, sie hätten den Inhalt der Beutel samt der Maden verfüttert.

«Wir haben die Videos auch Aquafarm gezeigt», sagt Arimo. «Wenn jemand kündigt, bietet die Firma eine Abfindung an – verlangt aber im Gegenzug Verschwiegenheit.» Dafür etwa, dass sie solche Videos nicht in sozialen Netzwerken teilten, behaupten Arimo und die ehemaligen Mitarbeiter. In einem Fall, der uns vorliegt, bezahlte Aquafarm eine Abfindung von 16 Millionen Rupiah – rund 1120 Franken. Fast ein Jahres­gehalt am Tobasee.

Die Firma Regal Springs habe ihren Leuten immer weniger bezahlt, sagt Arimo. Ein ehemaliger Lastwagen­fahrer holt seine letzte Abrechnung hervor, zuletzt zahlte ihm Aquafarm keine 2 Millionen Rupiah pro Monat, nicht einmal 150 Franken. Das entspricht ungefähr dem Mindest­lohn der Region. Der Chauffeur sei kein Einzelfall, sagen sie. Einfache Fisch­farmer würden genauso wenig bekommen wie er. Am besten seien die Taucher bezahlt, die die Netz­gehege unter Wasser instand halten.

Ein solcher Taucher bei Aquafarm war Larry Holmes. Er erzählt, er habe gekündigt, weil er unter Wasser keine zwei Meter mehr sehen konnte. Früher sei das Wasser klarer gewesen, heute würden er und die Bewohner von Blutegeln befallen. Zwei Touristen habe er nach einem Bad im See mit brennendem Ausschlag ins Kranken­haus gefahren. Und einige Kinder seien krank geworden.

Die Fischzuchten

Immer wieder kippt der See stellenweise. Dann stirbt manchmal die gesamte Population der Zucht­becken, wie zuletzt im August 2018. Ist das Fischfutter einer der Gründe dafür? Lösen sich die auf dem Wasser treibenden Pellets auf und geben das darin enthaltene Phosphat frei? Kommt hinzu, dass Millionen Fische in den See scheissen. Achte Klasse Biologie­unterricht: Mikro­bakterien zersetzen den Abfall der Fischzucht und verbrauchen Sauerstoff, das Gewässer wird sauerstoff­arm, der See kippt. Die Folge: ein Fisch­sterben in grossem Umfang.

Aquafarm weist die Vorwürfe von sich: Eine gute Wasserqualität sei die Grundlage ihres Geschäftsmodells.

Um fair zu sein: Das Massen­sterben fand nicht bei Regal Springs statt, sondern in den Netz­gehegen kleinerer Betriebe. Denn Regal Springs ist nicht die einzige Firma, die Fischzucht im Tobasee betreibt. Der asiatische Tierfutter­hersteller und Golden-Springs-Konkurrent JAPFA züchtet hier ebenfalls und schmückt sich genauso mit Nachhaltigkeitskonzepten.

Hinzu kommen kleinere Fisch­farmen, meist keramba von Bauern: vier Plastik­fässer und ein zwei Quadrat­meter grosses Netz. Aber auch die werden immer grösser und professioneller, der eine oder andere Bürger­meister soll in das Geschäft eingestiegen sein.

Insgesamt sollen es schon über 10’000 keramba sein, zählt man die Tausende kleinen, privat betriebenen Netz­gehege hinzu, für die keine Fangquoten, also keine Ober­grenzen bei der Zucht gelten. Doch die grösste aller Zuchten ist mit ihren insgesamt über 400 Netz­gehegen an fünf Stand­orten Aquafarm von Regal Springs.

Streit im Dorf

Ob Aquafarm ihre Gewinne in die Batak-Community zurückinvestiere? Es sei möglich, dass die Firma irgend­jemandem Geld für ein Schul­projekt oder eine Kirche gegeben habe, sagen Arimo und die Dorf­bewohner. Aber ob einfluss­reiche Empfänger das als Spende für sich verstünden, um dann gut über Regal Springs zu sprechen? Sie wüssten es nicht. Regal Springs schreibt auf seiner Website auch, dass Mitarbeiter gegen Krankheit abgesichert seien. Allerdings: In Indonesien ist das für alle Arbeitgeber Pflicht.

Arimo spielt eines seiner Videos vor. Es stammt vom März 2018 und zeigt ihn vor einer Kette aus Polizisten, die einen grünen Schuppen am Ufer des Sees in der Nähe des Dorfes schützen, in dem die Pellets lagern. Hinter Arimo stehen Dutzende Protestierende.

«Das Gebäude steht auf dem Boden meiner Familie», erklärt Arimo. «Wir haben Aquafarm nach den Vorfällen keine Erlaubnis mehr erteilt, den Schuppen als Lager zu nutzen.» Doch die Firma zieht nicht ab. Also kehrte Arimo aus dem fernen Jakarta zurück, um Aquafarm zu verklagen. Er organisierte eine Demonstration, 200 Menschen in sechs Booten seien angerückt, sagt er, sie hätten gesungen und friedlich protestiert.

Doch dann hätten ihn die Polizisten in Gewahrsam genommen. Auf den Videos ist er nicht mehr zu sehen, dafür skandieren die Demonstranten jetzt, sie wollten den Tiger zurück. «Ich hatte die Demo angemeldet», sagt Arimo. Die Polizei habe nicht seine Demonstration, sondern das Lager von Aquafarm geschützt.

Mit den wenigen Dorf­bewohnern, die noch für Regal Springs arbeiten, sind Arimo und die anderen zerstritten. «In der Kirche geben wir uns nicht mehr die Hand. Dabei sind wir doch eigentlich eine einzige grosse Familie.» Die Bewohner von Sirungkungon haben den indonesischen Präsidenten Joko Widodo gebeten, sie zu unterstützen und Aquafarm vom See zu vertreiben. Sie fühlen sich im Stich gelassen. Dabei hat das Fischerei­ministerium die Fisch­farmen im Tobasee bereits kritisiert. Indonesiens Fischerei­ministerin Susi Pudjiastuti gilt als unzimperlich: 2017 hat sie chinesische Boote kurzerhand mit Dynamit in die Luft sprengen lassen – weil sie illegal in indonesischen Gewässern fischten.

Und die Fischfarmen? Aus Jakarta würden die Batak aus Sirungkungon bis jetzt nur Worte hören, sagt Arimo, es folgten keine Taten. Dafür haben die Menschen am Tobasee ein Sprichwort: «NATO. No Action Talk Only.»

Regal Springs sieht alles anders

Zunächst übergibt uns ein Sprecher der Firma eine Präsentation mit «key facts»: Regal Springs halte alle Standards ein, und die Wasser­qualität sei die wichtigste Zutat bei der Produktion der berühmten Fische. Dabei habe das Unter­nehmen kaum Impact auf den See; man belege gerade einmal 0,008 Prozent der Wasser­oberfläche, und der Phosphat­eintrag läge bei 0,79 Prozent – die Phosphate im Tobasee kommen laut Regal Springs hauptsächlich von woanders: von privaten Haushalten, der Tierzucht, dem Tourismus und der Rodung rund um den See.

Dann haben wir Regal Springs mit den Vorwürfen der Dorf­bewohner konfrontiert. Wie Fisch­kadaver im See landen, kann sich die Fischfarm nicht erklären. Der Sprecher des Unter­nehmens schreibt: «Regal Springs verfolgt keine kommerziellen oder die Umwelt und die Gemeinschaft betreffenden Interessen, Fische im See zu entsorgen.»

Vielmehr würden die Bauern am See die toten Fische als Dünger nutzen; zudem würden 250 Familien die Abfälle zu gesalzener Fischlake verarbeiten, die ihnen als Nahrungs­quelle dient. Regal Springs spende die toten Fische im Rahmen eines Plans, die Gemeinschaft am See zu unterstützen.

Wieso bezahlt die Firma austretende Mitarbeiterinnen für deren Schweigen? Ihre Mitarbeiter, schreibt uns der Unternehmens­sprecher, seien dazu angehalten, keine vertraulichen Informationen zu veröffentlichen – auch nicht nach einer Entlassung. Dies seien geläufige Geschäfts­praktiken, nicht nur in der Aquakulturbranche.

Auch den Vorwurf der schlechten Bezahlung kontert Regal Springs. Die knappen Löhne in den uns vorliegenden Abrechnungen müssen Ausnahmen sein. In diesem Jahr zahle Regal Springs an seine 780 Beschäftigten am Tobasee mehr als das Doppelte des ortsüblichen Mindest­lohns – man wolle zudem bald eine Gewinn­beteiligung für individuelle Performanz einführen. Insgesamt arbeiten 3600 Mitarbeiter in Nordsumatra für Regal Springs; fast 20’000 Jobs sollen von dem Unter­nehmen in Indonesien abhängen, schreibt der Firmensprecher.

Und schliesslich: Zur Demonstration von Arimo und den anderen kann Regal Springs nichts sagen.

Augenschein auf dem See

Es ist Regenzeit am Tobasee. Manchmal gleichen die Strassen einem braunen Fluss, manchmal bieten sie ein Bild der Zerstörung, wenn Bäume quer über der Fahrbahn liegen. Dahinter stehen einzelne Hütten mit geschwungenen Dächern in Schiffs­form, umringt von Palmen und sattem Schilf. Hühner laufen über die Strasse und kehren plötzlich um, als hätten sie etwas vergessen. Wasser­büffel liegen in Zeitlupe wiederkäuend in den Strassengräben.

Eine in das Vulkan­gestein gehauene, enge Beton­fahrbahn führt steil nach unten ins Dorf Sirungkungon.

Vom Parkplatz eines edlen Hotels auf einem Berg, das dem Gouverneur der Provinz gehören soll, hat man einen schönen Blick über das Paradies Tobasee. Aus ihm wächst moosig bedecktes Vulkan­gestein steil nach oben, dazwischen immer wieder Wasser­fälle, ein beeindruckendes, muskulös wirkendes Biotop. Der Tobasee ist ein Kratersee der Superlative: 90 Kilometer lang, fast 30 Kilometer breit. Der grösste Kratersee der Welt ist dreimal so gross wie der Bodensee.

Am Hafen Ajibata bei Parapat, in einer perl­weissen Villa mit riesigen Solar­schüsseln inmitten eines Meers von Bretter­buden, befindet sich der hiesige Firmensitz von Regal Springs. Zwei Flosse haben angedockt, aus deren Bauch über ein Förder­band in Endlos­schleife Fische in den Tank zweier oranger Lastwagen purzeln. Seit drei Tagen sollen die Tiere nicht mehr gefüttert worden sein, damit sie innen sauber seien, sagt ein Foto­journalist, der ebenfalls über Regal Springs recherchiert hat.

Die orangen Laster werden später mehrere Stunden über die aufgerissenen Strassen bis in die Nähe der Provinz­hauptstadt Medan fahren. Immer wieder wackelt der Tank gefährlich, Wasser schwappt über. Vier Sauerstoff­pumpen halten die Tilapia am Leben. In Medan wird kaltes Wasser in den Tank gepumpt, die Tiere verlieren das Bewusst­sein, dann werden sie geschlachtet, filetiert und in die Welt versandt.

Die Vertriebswege von Regal Springs führen überwiegend in die USA, aber auch Europäerinnen verspeisen Tilapia. Am Tobasee produziert Regal Springs jährlich zwischen 25’000 und 30’000 Tonnen dieser Fische – das teilte uns das Unter­nehmen mit. Zu Umsatz und Vertriebs­wegen erhalten wir keine Auskunft.

Direkt neben dem Sitz von Regal Springs verkaufen die Bewohner in Ajibata von Fliegen umschwärmte Tilapia am Strassen­rand. Vor ein paar Tagen ist es stürmisch gewesen, die Maschen der Netz­gehege hätten sich gelöst, Tausende Fische seien entkommen, sagen die Bewohner. Sie haben die Buntbarsche eingefangen und bieten sie hier feil.

Wir wollen uns die Netzgehege aus der Nähe anschauen. Und fahren im Speedboot mit gelbem Verdeck am Zucht­standort vor Sirungkungon vorbei, dem Dorf von Arimo. Auf der Wasser­oberfläche erstrecken sich kreisrunde Netzgehege, je etwa zwanzig Meter im Durch­messer. Aus der Nähe sieht man nur den schwarzen Rand des Beckens, zu jedem Gehege gehört eine schwimmende Holzhütte, in der tonnen­weise Fisch­futter lagert. Einige Arbeiter streuen die Pellets eimerweise in die Becken. Dann zappelt es an der Oberfläche, weil Tausende Bunt­barsche Hunger haben. Die gesamte Anlage ist von Fang­netzen umgeben, wohl auch deshalb, damit keiner der örtlichen Fischer aus den Netz­gehegen schöpft. Nachts sieht man die hell erleuchteten Gehege vom Ufer aus.

Tatsächlich treibt auch heute, Mitte November 2018, ein weisser Sack in Ufernähe. Er enthält tote Fische.

Auf der Insel

Direkt gegenüber von Arimos Dorf, vor der Insel Samosir, betreibt Regal Springs eine weitere Zucht­anlage, ebenfalls rund 80 Gehege gross. Und auch hier regt sich Widerstand. Ratnauli Gultom und ihr deutscher Mann Thomas Heinle haben am Ufer eine Ecolodge aufgebaut. Zwei Angestellte kleben gerade Etiketten auf den hausgemachten Mango­wein, auf dem Wohnzimmer­tisch des Holzhauses ohne Wände trocknen Kakao­bohnen. Es ist ruhig hier, nur nachts wird es laut, wenn ein paar wilde Hunde aufheulen, weil sie nicht lernen wollen: Der Zaun rund um die Schweine- und Gänse­gehege steht unter Strom.

Auf der Insel Samosir führt Ratnauli Gultom mit ihrem Mann eine Ecolodge.
Direkt vor ihrem Grundstück betreibt Aquafarm ebenfalls eine Zuchtanlage.

Ratna – so nennen Ratnauli Gultom alle hier – grüsst mit einem sportlichen Handschlag. Ihr Arbeits­hemd ist abgenutzt, die Haare sind mit einem Sarong­tuch eingebunden, wie es Batak-Bäuerinnen in dieser Region seit Jahr­hunderten machen. Ihre Miene ist in einem Moment beängstigend ernst, im nächsten bricht Ratna in schallendes Gelächter aus.

In ihrer Sitzecke mit weitem Blick über den Tobasee sagt Ratna: «Ein paar Kilometer weiter haben sie ein neues Loch ausgegraben.» Für die toten Fische aus den vergangenen stürmischen Tagen. Auch neben ihrer Farm gibt es eine mit Stachel­draht umzäunte Brache, darin quadrat­meter­grosse, schmutzig-gelblich schimmernde Pfützen. Darunter verfaulten Tonnen von toten Tilapia, sagt Ratna. Fotos, die ihr Mann Thomas geschossen hat, sollen die Mitarbeiter der Fischfarm dabei zeigen, wie sie die Bunt­barsche dort vergraben. Regal Springs würde die Phosphat­werte mit Chemikalien manipulieren, behauptet Thomas Heinle sogar. Er ist bei unserem ersten Besuch nicht auf der Ecofarm. «Ich mag nicht mehr», sagt er am Telefon. Er wird erst Mitte Januar 2019 wieder­kommen – wenn die Geschichte eine neue Wendung erlebt.

Gleich hinter der Brache hat Regal Springs eine Kompost­anlage für diesen Standort aufbauen lassen. An einem heissen Mittag steht das Tor zur Anlage offen, darin nebeneinander etwa eineinhalb Meter hohe Beton­becken, randvoll mit Fisch­kadavern. Fünf Mitarbeiter in Gummi­stiefeln kippen Holzspäne über die toten Bunt­barsche. Fisch­gestank vermischt sich mit dem beissenden Geruch eines verbrennenden Plastik­haufens in der Ecke. Die Augen tränen. Ein aufgeschreckter Mitarbeiter reicht uns sein Smart­phone. Google Translate sagt: Zutritt verboten.

Die Sicht des Gründers

Kurz vor Weihnachten 2018 treffen wir Rudolf Lamprecht in einem Café in Chur zum Gespräch. Der Gründer und über Jahre Geschäfts­führer von Regal Springs ist zwei Meter gross, weiss gescheitelte Haare, roter Pulli, und wechselt ständig zwischen Englisch und Deutsch. Er ist zwar raus aus dem Unter­nehmen, steht aber gerne Rede und Antwort: «Sie können mich alles fragen.»

Sein Credo: «Fish farming depends on clean water.» Je sauberer das Wasser, desto besser der Fisch – und desto besser das Geschäft. Mit durch Abfall oder Phosphat verunreinigtem Wasser schade man sich nur selbst. Die Kritik an seinem früheren Betrieb kann der Unter­nehmer nicht verstehen. Im Gegenteil: «Indonesien ist ein armes Land, die Leute dort brauchen Jobs, müssen ihre Ressourcen nachhaltig bewirtschaften.» Solche Jobs habe er zwanzig Jahre lang geschaffen, damit die Batak nicht in den Slums von Jakarta endeten.

Nicht nur Aquafarm, auch andere Unternehmen und Private betreiben Fischzuchtanlagen.

Wir haben Rudolf Lamprecht auch mit den Vorwürfen von Ratnauli Gultom und ihrem Mann Thomas Heinle konfrontiert: dass Aquafarm-Mitarbeiter tote Fische vergraben haben. Lamprecht verneint, Regal-Springs-Mitarbeiter hätten niemals Fische irgendwo vergraben. Denn alle würden sich um die toten Fische als Tierfutter und Dünger streiten. Lamprecht kennt diesen «Halunken» aus Deutschland mit seiner indonesischen Frau, wie er sagt. Die würden alle Leute zu sich holen, die Regal Springs habe schassen müssen, weil sie Fische geklaut hätten oder nicht zur Arbeit gekommen seien. Und jetzt würden alle gemeinsam Regal Springs anschwärzen.

Hat Regal Springs die Wasser­werte manipuliert, um das ASC-Siegel zu bekommen, wie das Thomas Heinle behauptet? Gegenfrage von Lamprecht: «Wenn wir Aber­tausende Tonnen Chemikalien in den See kippen würden, denken Sie nicht, dass das irgend­welche Leute gesehen hätten?» Dahinter müsste eine Riesen­logistik stehen, mit Aber­tausenden Tonnen Chemie. Und Millionen­kosten. Der Vorwurf sei absurd.

Eine kämpferische Stiftung

Aus Jakarta kommen dann doch nicht nur Worte. Irgendwo in den endlosen, schmalen Gassen, die vom ewigen Stau der Venen der Hauptstadt abgehen, nahe einer Moschee, steht ein Einfamilien­haus. Es gehört Maruap Siahaan, einem sehr wohl­habenden Fabrikanten aus dem Volk der Batak. Er hat es der Stiftung Freunde des Tobasees (Yayasan Pencinta Danau Toba, YPDT) überlassen, die dort ihr Büro betreibt. Maruap Siahaan ist der Vorsitzende dieser Stiftung, alle nennen ihn förmlich Mister Chairman.

Am Kopf eines riesigen Konferenz­tischs im Wohn­zimmer hat der Chairman Platz genommen, rechts neben ihm sein General­sekretär, links Maruap Siahaans rechte Hand, ein pensionierter Tourismus­experte der australischen Entwicklungshilfe­behörde Australian Aid. Dieser Mann mit dem abgeknickten Lederhut hat zwar einen australischen Pass. Er ist aber in Indonesien geboren, als Sohn eines nieder­ländischen Teeherstellers, und hat auch die meiste Zeit seines Lebens hier gelebt. Er ist der Mann, der mit der Republik Kontakt aufgenommen hat.

Und so sitzen heute an einem frühen November­tag fein rasierte, ältere Batak und der Australier um den Konferenz­tisch, Herren in straffen Batik­hemden, Siegel­ringe an den Fingern. In der Mitte steht eine Pizza in der Grösse eines Wagen­rades. Nerven­nahrung. Die Männer sind ehemalige Minister und Anwälte, die für YPDT nach eigenen Angaben ehren­amtlich gegen die Fisch­farmen am See streiten.

Der federführende Anwalt Robert Siahaan erklärt den Prozess gegen Aquafarm. Das Unter­nehmen von Regal Springs hält zwei Lizenzen: eine aus dem Jahr 2000 und eine Erweiterung aus dem Jahr 2009, jeweils vergeben vom indonesischen Finanz­ministerium, so steht es in einem Urteil, das wir einsehen konnten. Daneben brauche Regal Springs die Erlaubnis von lokalen Behörden, also Bürger­meistern. Die wiederum kontrollieren müssten, ob die Fischfarm ihre Auflagen erfüllt und das Wasser nicht verschmutzt. Fürsorgepflicht.

Laut Umweltministerium sei das Wasser des Tobasees als Trinkwasser deklariert. Fisch­zuchten verboten. Und somit wider­sprächen sich die Beschlüsse verschiedener Ministerien, erklärt Robert Siahaan. Über die Jahre ist offenbar ein strukturelles Chaos entstanden.

YPDT gab selbst Messungen zur Wasser­qualität mit Blick auf die erhöhten Phosphat­werte in Auftrag, scheiterte aber bisher mehrmals vor Gericht mit Klagen gegen die Aquafarm von Regal Springs. Die Gerichte erklärten sich für nicht zuständig. Was vielleicht auch daran liegen mag, dass Regal Springs für den Prozess den berühmten Anwalt Hotman Paris Hutapea engagierte, auch er ein Batak. Hotman Paris ist berüchtigt für Frauen­geschichten, seinen Fuhrpark von mehreren Lamborghini und dafür, Urteile jenseits des Gerichts­saals zu erwirken. Die «New York Times» zitierte ihn mit den Worten: «Wenn ich sagen würde, ich sei ein sauberer Anwalt, wäre ich ein Lügner.» In Indonesien werden solche patenten, durchaus sympathischen Geschäfts­männer mit goldenen Ringen an jedem Finger mehr gefeiert als gemieden.

Die Anwälte von YPDT wollen jetzt den Gouverneur der Provinz und die Bürger­meister rund um den See verklagen, sie hätten ihre Sorgfalts­pflicht verletzt. Ein Erfolg, so glauben sie, sollte ihnen danach das Recht geben, vor einem der anderen Gerichte gegen Regal Springs zu klagen.

Eigentlich, sagt Mister Chairman Maruap Siahaan, gehe es ihm aber gar nicht darum, Prozesse zu gewinnen. Es gehe ihm um die Kampagne an sich, um awareness. Die anderen Batak aufzuklären, zu sensibilisieren. «Wir haben unser Verhältnis zum Wasser, zum Tobasee, zur Natur verloren. Und damit geben wir unsere Identität als Batak auf.»

Tourismusprojekt mit Schweizer Geld

Das klingt pathetisch. Doch es gibt noch andere Beweg­gründe für den Kampf um den Tobasee, hinter denen die YPDT ebenfalls steht und die das Bestreben der Stiftung in einem ganz anderen Licht erscheinen lassen: Der indonesische Präsident verkündete im Oktober 2017, die Regierung wolle die Insel Bali touristisch entlasten, vor allem der Tobasee solle als neue Kernregion für den Tourismus aufgebaut werden. Für diesen tourism masterplan hat sich die Regierung die Weltbank als Partnerin ins Boot geholt. Ganze 730 Millionen US-Dollar umfasst das Projekt, 180 Millionen davon entleiht die Weltbank. Von dem Geld sollen Flughäfen ausgebaut, Strassen gepflastert und Hotel­anlagen finanziert werden.

Die Weltbank hat bereits losgelegt: Sie hat Hoteliers vom Tobasee und die YPDT (die Stiftung wurde früher schon von USAID unterstützt) zu Meetings eingeladen, um eine Roadmap für die Tourismus­pläne auszuarbeiten, also einen Plan. Das Geld dafür stammt auch aus der Schweiz. Mit 4 Millionen Franken unterstützt das Schweizer Aussen­departement über den Multi-Donor Trust Fund die Roadmap. Und so stehen in diesem Konflikt letztlich auch Schweizer Steuer­zahlerinnen auf der einen Seite – und Schweizer Unternehmer auf der anderen.

Jetzt kommt Aquafarm auch von anderer Seite unter Druck: Die Regierung plant ein grosses Tourismusprojekt am Tobasee.

Ein niederländisches Forscherteam prüfte im Auftrag der Weltbank die Wasser­qualität des Tobasees und kam zum Ergebnis: Das Wasser ist zu dreckig, die Phosphat­werte sind zu hoch, schuld seien zu zwei Dritteln die Fisch­farmen, die zu viel Futter in das Wasser streuten. Regal Springs beschäftigt schon seit Jahren ebenfalls Forscher aus den Nieder­landen – namentlich der Universität Wageningen –, die stets geringe Phosphat­werte messen.

Natürlich sind auch andere an der Verschmutzung beteiligt: Hotels, Anwohner und Bauern würden ihr Abwasser in den See leiten, schreiben die nieder­ländischen Forscher für das Gutachten der Weltbank. Sie fordern aber, dass die Fisch­farmen ihre jährliche Produktion von 64’000 auf 10’000 Tonnen herunter­fahren oder Technologien entwickeln, die die Nährstoff­zufuhr ins Wasser regeln. Sonst würde der See nie wieder genügend Sauerstoff führen. Und damit wäre der gesamte Tourismus-Masterplan für den Tobasee in Gefahr. Wobei man sich als Reisender die Frage stellen muss, ob die Wasser­qualität besser wird, wenn in ein paar Jahren balinesische Ausmasse am Tobasee herrschen.

Nun wollten also Regierung und Weltbank den Tourismus am See fördern, sagt Rudolf Lamprecht im Café in Chur, der Gründer von Regal Springs. Da habe er schon einen dreistündigen Lach­krampf bekommen. Irgendwelche Minister schrien: Tourismus! Und dann schrien alle plötzlich: Tourismus! «No Brain. Zero. Tourismus heisst Infra­struktur. Dann hast du Hotels, dann hast du Abwasser. Da will doch keiner in diese Villages am See fahren.»

Bloss: Lamprecht ist gar nicht mehr involviert. Und die neuen Macher von Regal Springs wollen von vergangenen Animositäten nicht mehr viel wissen. Der Firmen­sprecher beklagt zwar die Rechts­streitigkeiten mit YPDT, das Unter­nehmen will gleichwohl nach vorn blicken: «Die neuen Eigentümer sind hochprofessionelle Betreiber, die die Geschäfte verantwortungs­voll führen und eine nachhaltige Entwicklung vorantreiben.»

Da stünden die Pläne der Weltbank gar nicht mal im Weg: Regal Springs sagt, verantwortungs­volle Aquakultur und verantwortungs­voller Tourismus könnten gemeinsam funktionieren. «Es gibt viele touristische Ziele auf der ganzen Welt, wo es geht – das ist also kein einzigartiges, unerreichbares Ziel, sondern Realität.»

Die Wendung

Dann wird es doch noch plötzlich unangenehm für Regal Springs am Tobasee. Während unser Fotograf Anfang Jahr an den See fährt, überschlagen sich dort die Ereignisse. Larry Holmes, der Taucher, mit dem wir sprachen, und andere Männer finden in 35 Metern Tiefe etliche Säcke voller toter Tilapia – in der Nähe der Netz­gehege von Regal Springs vor dem Dorf, aus dem Arimo, der Tiger, stammt. Videos erscheinen online.

Anfang Februar 2019 nimmt die Sache Fahrt auf: Der lokale Bürger­meister schaltet sich ein. Die Polizei ermittelt. Die Umwelt­behörde der Provinz leitet ebenfalls Ermittlungen ein und droht, Aquafarm die Lizenzen zu entziehen. Arimo und andere protestieren wieder, dieses Mal vor dem Rathaus. YPDT fordert eine Untersuchung, die Beweise seien erdrückend.

Daraufhin richtete Regal Springs eine eigene Ermittlungs­gruppe ein, um die Polizei zu unterstützen und auch, um interne Vorgänge zu untersuchen. Sogar der ehemalige Umwelt­minister unter Präsident Suharto ist im Ermittlungs­komitee. Emil Salim, ein weiterer Name, der etwas hermacht. So wie Hotman Paris. Zwischen­zeitlich berichteten nationale Medien in Indonesien über die Probleme mit der Fisch­zucht am Tobasee.

Heute sieht sich Regal Springs als Opfer einer Kampagne. Der Firmen­sprecher schreibt uns, bis jetzt sei nachweislich kein Mitarbeiter des Unter­nehmens verantwortlich für den Vorfall. Regal Springs kooperiere mit den Behörden, um die Täter zu überführen. Dabei will die Firma alle rechtlichen Mittel ausschöpfen, um ihre Reputation zu verteidigen.

Wie wird es weitergehen am Tobasee?

Die meisten Batak haben gar nicht mitbekommen, dass Lamprecht an Zuellig verkauft hat und Regal Springs nun in Singapur sitzt. Für sie sind das da draussen immer noch keramba Swiss. Und damit liegen sie ja gar nicht mal ganz falsch. Sie wären glücklich, wenn der versprochene Aufschwung kommt. «Wir wollen lieber die Touristen als die keramba.»

Es gibt heute Aquakulturen, in denen Tilapia in künstlichen Gewässern, also in Containern gezüchtet werden. Ob Regal Springs solche Investitionen jemals tätigen wird? Oder vertreiben die Weltbank und YPDT die Firma vom See? Oder aber: Wird die Firma noch in zwanzig Jahren hier Fische züchten, Hand in Hand mit neuen Hoteliers und Aber­tausenden Touristen? Dafür müssten sich alle an einen Tisch setzen: Arimo. Die Weltbank und YPDT. Gemeinsam mit Regal Springs. Und den anderen Aquakultur­betrieben. Warum ist das noch nicht geschehen? Dann denken wir ans Batak-Sprichwort, das immer wieder fällt.

«No Action Talk Only.»

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