Wir sind die Republik. Ein digitales Magazin für Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur, das im Januar 2018 gestartet ist. Es ist ein Projekt gegen die Wahrscheinlichkeit: Wir wollen im winzigen Schweizer Markt ausschliesslich von unseren Leserinnen finanziert sein. Wollen Sie Teil dieses Abenteuers sein?

An die Verlagsetage

Wie es um die Republik steht

Zahlen, Fakten, Stimmen: drei kurze Beiträge zum Zustand der Republik. Im zweiten Teil zeigen wir, wie es um die Finanzen steht. Und wir werfen einen Blick auf die Nutzung.

Von Ihrem Expeditionsteam, 18.03.2019

Er schwebte über fast allem im ersten Jahr. Der Moment der Wahrheit für unser junges Magazin. Der 15. Januar. Der Tag der «Klippe». Wie viele unserer Unterstützerinnen der ersten Stunde würden nach einem Jahr Redaktions­betrieb weiter an Bord bleiben?

Nun haben wir die Antwort: 61 Prozent.

Diese Zahl freut uns sehr. Und diese Zahl bewahrt uns gleichzeitig vor Hochmut. Denn sie bedeutet auch: Etwas mehr als ein Drittel aller Unterstützerinnen der ersten Stunde haben uns – vorerst – verlassen.

Warum? Im ersten Teil dieser Serie haben wir Einblick in Lob und Kritik der Verlegerschaft gegeben. Nun kommen wir zur direktesten Art des Feedbacks: den Zahlen.

Wir liegen im Plan. Wir liegen unter Plan.

Eines vorweg. Zahlen mögen auf den ersten Blick «hart» und «unbestechlich» erscheinen. Doch auch die Statistik lässt sich unterschiedlich auslegen. Je extremer die Zahlen, desto geringer der Interpretations­spielraum. Extrem gut: Weltrekord! Extrem schlecht: Konkurs!

Den Gefallen absoluter Klarheit tun uns – und Ihnen – unsere Zahlen derzeit nicht.

Im Januar haben wir mit Ihnen unseren Szenarienrechner geteilt. Wir haben unseren Plan für die Republik skizziert – und auch ein düsteres Szenario für Sie entworfen. Jetzt haben wir ein erstes Stück Realität hinter uns, das wir mit unserem Plan vergleichen können.

Sie erinnern sich vielleicht. Unser Szenarien­rechner arbeitet mit vier Faktoren:

  • den Raten der Erneuerung der Mitgliedschaften;

  • den neuen Mitgliedschaften;

  • den Kosten

  • und den zusätzlichen Investorinnen.

Dazu eine gute Nachricht. Und eine schlechte.

  • Gut: Wir haben aktuell etwa soviel Geld auf dem Konto wie vorausgesagt.

  • Schlecht: Zwei von vier Faktoren schwächeln.

Liquidität, Plan und Realität

Okt 2018Feb 2019Jun 20190000023,8 Mio. Schweizer Frankenaktuell rund 3,4 Mio.
Unser Plan
Realität

Nun zu den vier Faktoren im Detail. Zwei davon lassen sich schnell abhandeln.

Die zusätzlichen Investorinnen: Keine Neuigkeiten. Wir arbeiten daran, eine Million an zusätzlichem Investment zu sichern. Damit wollen wir uns auf dem Weg, selbsttragend zu werden, ein Polster verschaffen.

Die Kosten: Auch da arbeiten wir an unserem Plan, 10 Prozent zu sparen. Das neue Budget wird aller Voraussicht nach 5,9 Millionen Franken jährlich betragen statt wie bisher 6,9 Millionen Franken. (Angestrebt hatten wir 5,8 Millionen Franken, das haben wir in diesem Schritt noch nicht geschafft.) Der Verwaltungs­rat muss das neue Budget noch verabschieden – unsere monatlichen Kosten werden aber so oder so schon bald auf diesem Niveau sein.

(Aus welchen Überlegungen, mit welchen Massnahmen und welchen Konsequenzen wir sparen – darüber werden wir zu einem späteren Zeitpunkt berichten.)

Nun zu den beiden Wackelkandidaten.

Die Erneuerungen der Unterstützerinnen der ersten Stunde: Super! Da liegen wir mit 61 Prozent deutlich über unserem Plan. Danke für das Vertrauen!

Die Erneuerungen nach der «Klippe»: Weniger super. Wir schaffen aktuell die Erneuerungs­rate von 65 Prozent (knapp) nicht. Im Januar haben nach der «Klippe» genau 65 Prozent erneuert. Im Februar aber nur noch 63 Prozent.

Wobei wir schon beim Problem wären: dem verfluchten Februar.

Denn bei den neuen Mitgliedschaften war der Februar so gar nicht wie geplant. Das muss sich dringend wieder ändern.

Neue Jahresmitgliedschaften pro Monat seit Januar 2018

Mrz 2018Aug 2018Jan 20190300600900 verkaufte Jahresmitgliedschaften

Interne Berechnungen, per Ende Februar.

Unser Marketing arbeitet hart daran, die kommenden blauen Balken wieder wachsen zu lassen. Aber am meisten dafür tun können Sie. Teilen Sie Artikel mit Interessierten. Oder gleich die ganze Republik.

Sie können deshalb ab jetzt Ihre Mitgliedschaft mit Interessierten teilen.

Wo stehen wir damit insgesamt bei den Mitgliedschaften? Wir haben im Januar rund um die «Klippe» einige Tausend verloren. Das war so zu erwarten. Die Frage ist, ob wir es schaffen, jetzt wieder zu wachsen.

Aktive Jahresmitgliedschaften und Monatsabos vom Launch bis jetzt

Jan 2018Jan 20191840 Monatsabo16’271 Jahresabo18’111 Total015’00020’00025’000

Interne Berechnungen, per Ende Februar.

Zwischenfazit: Geben wir kein Gegensteuer, verdüstert sich die Prognose. Wenn wir es aber schaffen, die Verkäufe zu verbessern (und da sind wir optimistisch), dann bleiben wir auf unserem Kurs – einem langen, steinigen, aber machbaren Weg zu einem nachhaltigen Unternehmen.

Und damit zu den Zahlen ...

... die wir haben. Wenn Sie diese sofort sehen möchten, können Sie den folgenden Abschnitt getrost überspringen.

Viele moderne Nachrichten­seiten sind bis in den letzten Winkel vermessen und optimiert. Das ist ein legitimer Weg, in der Nachrichtenflut Augenpaare anzuziehen, Kunden zu gewinnen, Werbung zu verkaufen. Es ist nicht unser Weg. Wir behandeln das Thema Zahlen im Vergleich mit der Konkurrenz stiefmütterlich. Das hat verschiedene Gründe. Hier drei der wichtigsten.

Erstens: Eine Stärke der Republik ist ihre Community. Wir haben einen vergleichsweise direkten Draht zu unseren Verlegern und sehr aktive Rückmeldungs­kanäle wie unseren Dialog. Daraus gewinnen wir viel Feedback (siehe Teil 1 unserer Metaserie).

Zweitens: Aus unserem Business­modell ergibt sich ein etwas anderer Fokus, als ihn viele Konkurrenz­medien haben. Weder versuchen wir die Anzahl Klicks auf unserer Seite zu maximieren, noch müssen wir unsere Seite für Werbe­kunden optimieren. Natürlich interessiert uns, welche Funktionen der Republik beliebt sind oder welche Texte kaum zu Ende gelesen werden. Aber wir wollen solche Fragen gründlich angehen. Wir haben bis jetzt zeit- und ressourcenmässig anderes priorisiert.

Drittens: Wir nehmen den Datenschutz wirklich verdammt ernst. Das hat Konsequenzen für die Tools, die wir verwenden. Wir verwenden nicht das gängige, kosten- und aufwandslose Google Analytics, sondern das Open-Source-Tool Matomo. Und wir sind bei NET-Metrix nicht dabei (das ist die Branchenstatistik, auf deren Basis die Preise für Werbe­flächen berechnet werden). Die Konsequenz: Wir haben keine vergleichbaren Reichweitenzahlen.

Nun zu Zahlen, die wir kennen

Die Republik als Ganzes ist nur für Mitglieder und Abonnenten zugänglich. Machen wir also ein Programm für eine privilegierte Nische? Unser Publikum: maximal 18’000? Nein.

Wir sind keine hermetische Bubble: Unsere Artikel werden (manchmal von uns, manchmal von Ihnen, manchmal von anderen Medien) fleissig verbreitet. Das freut uns sehr. Erstens, weil es die Basis für unser Marketing ist. Wir gewinnen Mitglieder, wenn wir guten Journalismus machen. Zweitens, weil es der Grad­messer für die Relevanz unserer Inhalte ist.

Die Besucherzahlen unserer Artikel sind sehr unterschiedlich, es gibt Texte, die gehen viral, die Zahl der Leute, die wir damit erreichen, übersteigt die unserer Verlegerinnen um ein Vielfaches. Andere werden von einem Bruchteil unserer Abonnenten gelesen und trotzdem – oder gerade umso mehr – geliebt.

Es gibt nicht die eine Republik-Nutzung: In diesem Kontext ist auch interessant, woher unser Publikum kommt.

Artikelbesuche nach Quelle und Wochentag

In Prozent

Woher kommen Sie?Direkt / Keine Angabe43,9%Republik-Newsletter34,0%Facebook8,0%Twitter3,1%Google2,8%getpocket.com1,0%Übrige7,1%03060% An welchem Tag?Montag14,7%Dienstag16,0%Mittwoch16,8%Donnerstag15,6%Freitag15,2%Samstag12,7%Sonntag9,0%03060%

Nur Besuche (visits), die mindestens einen Artikel geöffnet haben. Stand: 6. März 2019

Der Dialog mit unserer Verlegerschaft funktioniert: Und er ist zentral in unserem Konzept. Unsere Arbeit hört nicht auf, wenn ein Beitrag veröffentlicht ist. Im besten Fall sind unsere Beiträge gelungene Moment­aufnahmen, die ein Stückchen Welt verstehen helfen. Im schlechtesten Fall sind sie ein Zerrbild. Vollständig, abgeschlossen ist Journalismus nie. Wenn Sie unsere Beiträge konstruktiv kritisieren und um Kontext ergänzen, dann werden wir besser. Dasselbe gilt für unser Produkt.

2800 Leute haben bisher 16’700 Beiträge in unseren Debatten auf der Website geschrieben. Tendenz steigend.

Debattenbeiträge pro Monat

Jan 2018Jul 2018Jan 2019015003000 Debattenbeiträge

Interne Berechnungen, per Ende Februar 2019.

Da haben Sie sie: die Zahlen, auf die wir uns beziehen und mit denen wir arbeiten. Was wir für die Weiter­entwicklung der Republik in diesem Jahr daraus ableiten: Sie lesen es im dritten und letzten Teil dieser Serie.

Jetzt sind Sie dran!

Was gefällt Ihnen an diesem Beitrag? Was gibt es zu ergänzen? Was ist kritikwürdig? Ihre Mitverlegerinnen und die Redaktion freuen sich auf Ihr Wissen und Ihre Perspektive. Reden Sie mit auf unserer Dialogseite.

Sie haben in diesem Artikel viele Worte gelesen …

… aber die wichtigsten drei fehlten. Seit je beruht jede funktionierende Gemeinschaft auf diesen drei Worten. Liebende sagen sie zueinander. Gute Politiker sagen sie ihren Wählern, gute Priester ihrer Gemeinde, gute Eltern ihrem Kind. Sie lauten: Fürchte dich nicht! – Wir von der Republik glauben, dass auch im Journalismus gilt, was Franklin D. Roosevelt einst zur Politik sagte: «Wir haben nichts zu fürchten als die Furcht selbst.»


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