Aus der Redaktion

Erzählen Sie uns Ihre historische Anekdote

Welche vergessene Figur verdient eine Bühne? Über welche alte Geschichte lacht man in Ihrem Dorf? Greifen Sie in die Tasten!

27.08.2018

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Eidgenössische Randnotizen: Unter diesem Übertitel schreiben wir nicht die Schweizer Geschichte neu, sondern geben bestimmten Geschichten einen neuen Raum – vergessenen Geschichten, die nicht in offiziellen Schulbüchern vorkommen; verdrängten Geschichten, die man nicht überall gern erzählt.

Geschichten wie jene des helvetisch-französischen Deals aus dem 17. Jahrhundert, der unser Land zum Käseland machte. Geschichten, die wir irgendwo aufgeschnappt haben oder auf die wir hingewiesen wurden – zum Beispiel von Ihnen!

Werden Sie aktiv als Anekdotenerzählerin. Und heben für uns und für Ihre Mitverlegerinnen einen Schatz aus der Geschichte der Schweiz. Bitte vergessen Sie nicht, eine Quelle für Ihre Anekdote anzugeben. Sosehr wir die Fiktion mögen: Hier suchen wir nach historischen Begebenheiten, nicht nach Sagen, Mythen oder Schauermärchen.

Oft sind die wahren Geschichten sowieso die unglaublichsten.

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Der Verwaltungsratspräsident der Maschinenfabrik Oerlikon, Max Huber, nimmt 1945 den Friedensnobelpreis aus dem Jahre 1944 in Oslo entgegen.
In Personalunion führte er einerseits das IKRK und einen der grössten Rüstungskonzerne der Schweiz, beides bis 1944 und als Ehrenpräsident des IKRK nahm er am 10. Dezember 1945 den Friedensnobelpreis entgegen, während er in seiner anderen Funktion für über 500 Mio CHF (Teuerungsbereinigt heute ca. 2 Mrd. ) Kanonen und Munition an die Achsenmächte lieferte. Eine fantastisch schreckliche Geschichte.
Quellen: https://www.swissinfo.ch/ger/politi…t/43392912
https://de.wikipedia.org/wiki/Oerli…%C3%A4chte
https://de.wikipedia.org/wiki/Max_Huber_(Diplomat)

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Niklaus von Flüe

Nicht nur seine eigene Lebensgeschichte, sondern auch sein Einfluss auf die Geschichte der damaligen Eidgenossenschaft ist sehr interessant. 1481 führt die von ihm überbrachte Nachricht zum Stanser Verkommnis und legt Grundsteine für ein erfolgreiches Zusammenleben der Kantone. Er wird von Staatsoberhäupern aus ganz Europa zu Rate gezogen und von diesen stets gelobt. Im Bundeshaus in Bern steht Niklaus von Flües Statue als Sinnbild für klugen Rat.

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Leider habe ich zu folgender Geschichte keine Quellenangabe, weil ich sie nur aus mündlicher Überlieferung kenne. Ich schreib sie trotzdem auf:
In Bad Ragaz wo ich aufgewachsen bin steht, etwas ausserhalb des Dorfes, eine Villa, eine Art Schlösschen mit riesigem Park. Heute ist es ein Hotel. Während meiner Kindheit in den 50er Jahren war das Haus leer, der Park abgeriegelt und verwildert. Man nannte das Haus Villa Sonderegger, benannt nach dem ehemaligen Besitzer. Alte Leute erinnerten sich noch an den Herrn Sonderegger. Hofiert habe man ihn, den Bückling gemacht vor dem reichen Mann. Der Coiffeur vom Dorf sei jeden Morgen, bevor er das Geschäft aufgemacht habe, mit dem Velo zum Sonderegger gefahren um ihn zu rasieren. Habe es nachts geschneit, habe die Gemeinde zuallererst die Strassen vom Sonderegger gepflügt.
Vor dem ersten Weltkrieg sei er aufgetaucht, der Sonderegger, mit einem riesigen Vermögen. Dies hätte er als Ingenieur beim Bau des Panama-Kanals verdient. Als Ingenieur? Nicht nur – er habe auch die Lohnbuchhaltung unter sich gehabt. Während dem Bau des Kanals starben 22’000 Arbeiter an Gelbfieber und Malaria. Auch soll vor dem Zahltag schon mal eine Schleuse geöffnet, ein Stollen geflutet worden sein, unzählige Arbeiter seien dabei ertrunken und der Sonderegger habe die Löhne der Toten selbst eingestrichen. Dies erzählten die alten Leute. Eher gemunkelt als erzählt habe man, unter vorgehaltener Hand. Recht vereinsamt sei er gestorben der Sonderegger. Wenn die Geschichte stimmt, hätte ich ihm ganz langsames Ersaufen gewünscht, dem Herr Sonderegger!

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Die Strasse, die hinter der katholischen Kirche von Tramelan vorbeiführt, heisst Rue Albert Gobat. In Tramelan gibt es auch einen Gedenkstein, der an Albert Gobat erinnern soll: https://www.picswiss.ch/18-BE/s-BE-…3-126.html

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An der Hausmauer vom Kanonenweg 12 in der Berner Länggasse, zwischen Obergericht und UniS, hängt eine Gedenktafel für Gobat und Ducommun und die Nobelpreise. Das Friedensbüro hatte dort seinen Sitz.

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Kleine Ergänzung zu Gobat: Der bernische Grosse Rat hat am 5. September einen Vorstoss überwiesen, um im Berner Rathaus „in geeigneter Weise“ auf Gobats Wirken hinzuweisen. Nicht viel, aber immerhin.

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Anonymous
Grandson of Banker
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Wie hat die UBS an der Wallstreet Fuß gefasst? Mein Großvater hat seine Memoiren nicht für die Öffentlichkeit bestimmt, und ich möchte mich damit auch nicht profilieren, aber doch eine Annekdote anbieten.

Mein Großvater reiste also 1939 für die Schweizerische Bankgesellschaft nach New York, und blieb dort über einige Jahre hängen, da mittlerweile der 2. Weltkrieg ausgebrochen war. Soviel war klar in der Familien-Erzählung, nur: 1939 gab es in den USA noch gar keine Vertretung der Schweizer Bank. Wie ging das? Der Junge Jurist arbeitete noch nicht lange bei der Bank, als der Herr Bankdirektor ihn fragt, ob er für einen Börsen-Kurs nach Amerika möchte. Er sagte spontan ja, und staunte nicht schlecht - für die damalige Zeit - als der Herr Direktor das Telefon zur Hand nimmt und dem Kontaktmann an der Wallstreet meldet: Wir haben wieder einen. Als er gerüstet für einige Monate Weiterbildung mit dem Schiff (und seiner Ehefrau) in New York ankommt, vergehen nur wenige Tage, bis er darauf aufmerksam gemacht wird, dass sich alle Stellungspflichtige Schweizer bei der Botschaft zu melden haben - der 2.Weltkrieg nahm seinen Lauf. In der Botschaft war vor ihm ein strammer Mann, der verzweifelt zur Verteidigung seines Heimatlandes nach Hause wollte. Mein Großvater war durchaus auch seiner Pflicht bewusst, hätte den Abbruch seines USA Erlebnisses nach 3 Tagen aber doch etwas bedauert. Schließlich kam die Kunde, dass man die Schweizer in den USA womöglich besser brauchen könnte als in der Heimat.

So kam es, dass sich das Börsen-Praktikum beim Broker dem Ende zu neigte, und sich eine neue Aufgabe abzeichnete. Ein UBS Direktor wurde mit dem Gründung eines Büros an der Wallstreet beauftragt, um allenfalls zur Vertretung der Interessen der Schweiz am amerikanischen Börsenplatz präsent zu sein. So fing mein Großvater als Hilfskraft für alles in dem kleinen Büro an, lernte im Geigen-Quartet die wichtigen Herren der Branche kennen und blieb in den USA, bis die zwischenzeitlich geborenen Kinder ins Schulalter kamen.
Kurz vor den Ermittlungen um die Rolle der Schweizer Banken im 2.Weltkrieg starb mein Großvater - er würde kaum etwas Böses zu berichten gehabt haben. Aber was mir bei der persönlichen Geschichte doch Eindruck gemacht hat - wie klein und „beiläufig“ die Expansion der Schweizer Bank in die USA begonnen hat, und welch großes Geschäft daraus geworden ist.

Ergänzbar wären wohl noch ein paar Zugaben aus der offiziellen Geschichte der Bank - aber soweit ein persönlicher Rahmen dazu :-)

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Danke vielmals für Ihren Beitrag!

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Trotzdem liest sich diese Gruyère-Geschichte- Anekdote fast wie ein Märchen; schön geschrieben, toll zu lesen. Bzw. wunderbar ver(ge)dichtet ;) Danke dafür :)
Apropos: ich hätte das Portrait einer Grossmutter beizutragen - allerdings ohne historische Quellen. Gibt wohl keine, an die ich momentan rankommen könnte, jedenfalls.
Also muss ich das wohl bleiben lassen. Schade.

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So ein Käse... Zur Käseherstellung im Alpenraum z. B. http://journals.plos.org/plosone/ar…ne.0151442

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