«Revolutionäre brauchen keine Paläste. Ihnen reicht ein Puff im Zürcher Exil.»

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Solmaz Khorsand

Solmaz Khorsand hat als Lokalreporterin bei der «Wiener Zeitung» gearbeitet. Sie kann, was selten ist: so gut zuhören wie schreiben. Die Kombination davon ist eine Art Technicolor-Maschinengewehr-Stil: kurze Sätze, farbige Zitate. Begonnen hat die Tochter zweier Exiliraner ihre journalistische Laufbahn mit 19 Jahren beim Monatsmagazin «Datum». Dieses wollte den «New Yorker» für Österreich machen, zwar ohne Geld, aber dafür mit Idealismus und Rückgrat. Beim Schreiben zählte nur der «perfekte Text». Es war eine perfekte Schule, wenn auch eine exzentrische. Später arbeitete Khorsand in der Onlineredaktion beim «Standard», bei den Österreichseiten der «Zeit», sechs Monate recherchierte sie in New York für eine Vermögensverwaltung über die Vorlieben von Superreichen und schloss zwei Studien ab: die Journalistenschule in Dublin und Wien; dann Internationale Beziehungen an der Johns Hopkins University in Washington und Bologna. 2013 begann sie bei der «Wiener Zeitung». Dort sagte man ihr: «Schreib, was du willst.» Sie tat es. Und schrieb über alles Ungemütliche: Sebastian Kurz, Swingerclubs, den Rauchersheriff, Stricher, Männeranzüge, die FPÖ, Polizeischulen, Dunkin’-Donuts-Filialen und die Machtmaschine der Wiener Sozialdemokratie. Beim Schreiben ist der Wienerin die Klarheit so wichtig wie die Fairness: Alle Menschen verdienen Ironie, alle verdienen Respekt. Dazu reiste sie viel. Sie sah sich in Weissrussland und in Singapur um, sah, wie man in einer archaischen und einer fürsorglichen Diktatur lebt – und schrieb eine preisgekrönte Reportage über ihre fünf Monate in der theokratischen Diktatur im Iran: «Iranische Verwandlung». Im Frühling 2017 gelang ihr Historisches. Sie war nach 314 Jahren die erste Frau, die einen Leitartikel in der «Wiener Zeitung» schrieb. Er endete mit dem Satz, dass «die Welt aus mehr besteht als aus weissen Männern in Anzügen». Ab Februar 2018 schreibt sie in der «Republik».

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