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Frau Heins Text setzt sich auf persönliche Weise und mit selbst-kritischer und -ironischer Note mit der Künstler-Kunst-Debatte und den Gefahren der Idealisierung auseinander. Sei es in der zwischenmenschlichen Liebe oder bei "vergötterten" Idolen der Musik (Phil Spector! Michael Jackson!), der Kunst (Caravaggio! Picasso!), der Technik (Edison! Musk!) oder des Sports (Gott! Messi-as!) - ein Mensch wird idealisiert und verblendet werden alle Schatten ausgeblendet.

Tritt man näher, und schaut man genauer hin, dann offenbart sich das Menschlich, Allzumenschliche. Und man fühlt sich ertappt dabei, dass man Teil einer allseitigen Bewunderung war, welche den (meist männlichen) Narzissmus noch nährte bis ins Grössenwahnsinnige, so dass sie sich "untouchable" fühlten.

John Lennon sagte in einem Interview "I was a hitter. I couldn't express myself and I hit. I fought men and I hit women. That is why I am always on about peace." Bertrand Cantat, der Frontmann der französischen Band Noir Désir, um die Jahrtausendwende gefeiert in der Alternativen Szene als die neuen Nirvana, verprügelte 2003 seine Freundin Marie Trintignan - mit tödlichen Folgen.

Deren Song "Le vent nous portera" (Link https://youtu.be/NrgcRvBJYBE) würde heute wohl niemand mehr hören wollen, hätte die Schweizer Singer/Songwriter Sophie Hunger ihn nicht gecovert (Link https://youtu.be/Agk1byIie70). Ja, viele wissen nicht einmal mehr, dass es sich dabei um einen Cover-Song handelt und glauben er sei von ihr.

… vielleicht geht es nicht nur darum nie mehr "eine Band zu lieben", sondern auch darum nie mehr "einen Menschen zu idealisieren".

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Theresa Hein
Feuilleton-Redaktorin
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Anonym 4, den letzten Satz haben Sie so schön formuliert, dass ich wünschte, ich hätte ihn in meinen Text geschrieben. Gut, haben wir unseren Dialog! Merci auch für die schöne Formulierung, dass Erwachsenwerden ein unabgeschlossener Prozess ist.

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Andreas Koch
Leser, Biotech, Jazz, Sport
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Das Hirn des Homo sapiens ist nun mal eine enorme Projektionsmaschine. Und diese Kraft (Liebe) verliert auch bei rationaler Betrachtung nichts an ihrem Faszinosum https://youtu.be/Hxgo-Qu-ZZE

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Koch und Buchhalter
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Habe bei diesem Song nochmals eine andere Ebene erlebt, ich trauere echt jedesmal um Marie Trintignant. Gerade auch mit Sophie Hungers Version wurde es für mich ein Mahnmahl gegen Gewalt.

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Andreas Koch
Leser, Biotech, Jazz, Sport
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Ich liebe das Rock-Psychedelische am Grunge von Pearl Jam. Bei Alive, Black, Release, oder Yellow Ledbetter beginne ich frei zu fallen. Zugegebenermassen irritierten mich die damaligen News um Eddie Vedder und seinen Antisemitismus bzw. seine scheinbare Sympathie mit der Hamas. Da meine emotionalen Projektionen aber immer ausschliesslich mit Pearl Jam’s Songs verbunden waren/sind kann ich weiterhin zu ihrer Musik frei fallen.
P.S. Diese Entkoppelung von Musik und Interpret dürfte im Falle von Michael Jackson ungemein schwieriger gewesen sein (siehe Verhalten der weiblichen Fans an MJ‘s 1992 Konzert in Bukarest).

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Ich kann Kunst nicht neutral betrachten, wenn ich etwas über die Person weiss die dahinter steht. Nachdem ich die grosse Giacometti Biografie von James Lord gelesen hatte, war mir Giacomettis Kunst ziemlich Wurst. Oder: ich war ein grosser Fan von Van Morisson. Bei einem Konzert hat der sich dermassen daneben benommen, dass ich das Konzert verliess und alle Platten weggeworfen habe. Ich wüsste noch weitere Beispiele, will aber mit etwas Positivem aufhören. Als Mitveranstalter bei einer Kleinkunstbühne, haben wir uns zum 10-jährigen Jubiläum die holländischen NITS "geleistet". Wir waren alle sehr nervös - Jesses, jetzt kommt dann tatsächlich Henk Hofstede. Und er kam, hat allen die Hand gegeben und sich vorgestellt. Als hätten wir nicht gewusst, wer da vor uns steht. Die ganze Band, inklusive Licht- und Tontechniker waren sehr nette und angenehme Leute, die sich fürs Essen und jede Handreichung bedankt haben. So geht es doch auch.

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Sehr schöne Geschichte über eine sehr tolle Band! Genau, immer wieder beruhigend, dass es doch auch noch Idole gibt, die positiv überraschen!

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Ganz genau! Und irgendwie habe ich immer auch das Gefühl, es habe auch mit Intelligenz zu tun, wie sich jemand benimmt.

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Theresa Hein
Feuilleton-Redaktorin
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Schliesse mich abn, danke fürs Teilen dieser Erfahrung, Herr Gadient! *korrigiert, da hat sich ein Vertipper eingeschlichen, danke Anonym 4!

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Ein relativ belangloser Artikel, dünkts mich.

Ich erwarte von der Republik Beiträge mit mehr Substanz.

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ichfürchte...
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Geht mir grad umgekehrt. Die Republik hat so viele lamge und meist eher traurig stimmende Artikel, dass ich mir mehr solche Unterhaltungsartikel wünschen würde. (Sport wäre auch mal was 😉)
Allen Leuten recht getan,ist eine Kunst...

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Das mag ja sein, passt aber nicht zum Motto der Republik

Ohne Journalismus keine Demokratie

Unser Ziel: Journalismus, der die Köpfe klarer, das Handeln mutiger, die Entscheidungen klüger macht. Und der das Gemeinsame stärkt: die Freiheit, den Rechts­staat, die Demokratie.

Wir recherchieren, fragen nach, ordnen ein und decken auf. Und liefern Ihnen Fakten und Zusammen­hänge als Grundlage für Ihre eigenen Über­legungen und Entscheidungen.

Aus https://www.republik.ch/about

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Finde ich überhaupt nicht. Was können wir denn noch kindlich unbeschwert geniessen? Dabei sollte das gerade bei Musik der Fall sein.

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Das könnte man ja durchaus strukturiert ausrollen und betrachten, mit Fakten oder Interviews unterlegen.

Dieser Beitrag ist aber für mich eher: "Ja, ich mochte da diese Band, und dann hat der Sänger was blödes getan, und jetzt mag ich sie halt nicht mehr". Sorry, das reicht mir in der Republik einfach nicht. Wo bleibt die kritische Auseinandersetzung damit? Wo die Anregung zum Nachdenken, zum Diskutieren?

Dass das auch in der "ich habe mich geirrt"-Serie möglich ist, haben die beiden ersten Artikel gezeigt.

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Gerade bei Musik soll das der Fall sein? Weshalb denn das? Ist Musik für Sie mehr so etwas wie Lavendel-Raumduft oder stimmungsvolle Beleuchtung? Und soll man das unbeschwert geniessen wollen?

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anonyme Verlegerin
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Möglicherweise entgeht ihnen, dass es sich hier um eine Reflexion über die Wachsamkeit gegenüber Sexismus handeln könnte? Eine, die das Schrille manch hochgepushter „Debatte“ zu meiden weiss…

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Mitmensch
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Danke Theresa Hein für diesen leichten und melancholischen Text. Ja, irgendwann muss man erwachsen werden, aber wir dürfen trotzdem um Verlorenes trauern.

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Oder träumen - ja was bleibt, nachdem so viele Gewissheiten im vergangenen Jahr zerschellt sind? Bloss oder immerhin der Traum von einer Sache...

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Albert America
Grafik und Webdesign
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Ich kenne den beschriebenen Zwiespalt gut. Ich bin seit sicher 40 Jahren fasziniert von Wagners Musik. Das brachte mich dazu, über den Komponisten zu lesen. Ich fand viele widerliche und abstossende Aussagen und Zitate zu Rassismus, Antisemitismus, Snobismus und ähnlichem.
Oft wird beim Kunstschaffenden "Leben und Werk" in einem Atemzug genannt. Aber da es sich bei Kunst um künstliches handelt, könnte Leben und Kunst auch getrennt betrachtet werden.
Immerhin brachte mich meine Recherche dazu "Den Fall Wager" von Nietzsche zu lesen. Das war eine Entdeckung.
Ich freue mich auf weitere Irrtümer-(Artikel) der Republik.

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Nachdem ich den Artikel heute Morgen gelesen habe, hat er mich gedanklich durch den Tag begleitet. Meine Hauptfrage: Geht es wirklich ums Erwachsenwerden, wenn ich Musik von einem Künstler nicht mehr hören mag (sie mich vielleicht sogar abstösst), weil er sexuelle Übergriffe begangen hat? Die Enttäuschung liegt für mich auch da, einmal mehr zu merken, dass es eben überall passieren kann. Viele Frauen, Männer und Transmenschen wissen das, weil sie es auf die eine oder andere Art schon erlebt haben. Trotzdem möchten wir daran glauben, dass es sichere Orte gibt. Mit der Entlarvung eines Musikers, den man vorher verehrt hat und in dessen Musik man geschwelgt hat, geht ein solcher "safe space", verloren. In seiner Musik wird man sich nicht mehr geborgen fühlen können. Das ist traurig, egal wie alt man ist.

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Woher kommt denn eigentlich dieses, nicht sehr liberaler Weltsicht entsprechende Dogma, dass das spezifisch Geleistete einer Person immer mit einem, makellos mit meiner eigenen Gesinnung/Moral, Ganzen der Person als gut befunden werden kann!? Wie öde…

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Elia Blülle
Journalist @Republik
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Also da muss ich Ihnen jetzt widersprechen. Theresa Hein ruft ja nicht zum Boykott auf, sondern im Text geht es um eine emotionale Beziehung, die fern ist von jeglicher ideologischer Bewertung oder Forderung. Ich kann zum Beispiel Michael Jackson Songs auch nicht mehr mit derselben Hingabe hören wie früher, obwohl ich das eigentlich gerne würde. Oder auch Harvey Weinstein oder Polanski Filme schaue ich heute mit anderen Augen, obwohl viele davon absolute Meisterwerke sind. Das hat doch nichts mit Liberalismus zu tun. Oder stehe ich auf dem Schlauch?

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Ich glaube, diese Connection gibt es schon, seit es Menschen gibt: Heroisierung, Vergötterung, Idolisierung… 

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Theresa Hein
Feuilleton-Redaktorin
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Wer redet von Dogma?

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Multifunktional
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Es gab auch eine Zeit in meinem Leben, zwischen ungefähr 15 und 20, in der eine Musikband ein wichtiger Teil meines Alltags war. Die emotionale Verbundenheit mit der Musik, den Bandmitgliedern und auch der Community mit andern Fans (damals waren dies noch Brieffreundschaften) waren mir ein wichtiger emotionaler Halt. Irgendwann kamen auch in dieser Band die ersten Skandale (Drogen) und sie lösten sich im Streit auf. Zu dem Zeitpunkt änderten sich auch sonst die Prioritäten in meinem Leben und ich fand emotionalen Halt bei realen Personen. Trotzdem fühlt es sich noch heute so an, als seien die ehemaligen Bandmitglieder alte Freunde, die man aus dem Blick verloren hat. Und so wie man alten Freunden Fehltritte, welche sie bereuen, verzeihen kann, habe ich diesen Personen gegenüber heute ein Gefühl von Mitgefühl. Nicht alle haben den Schritt zurück in den Alltag geschafft. Währenddem sie mir mit ihrer Musik emotionalen Halt gaben, haben einige von ihnen den eigenen Halt durch die Berühmtheit verloren. Auch berühmte Personen machen Fehler - gerade weil sie berühmt sind - und brauchen dann das Gefühl, dass es Personen gibt, die ihnen beistehen, auch wenn sie einen Fehler gemacht haben, und sie nicht wie eine heisse Kartoffel fallen lassen.

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Aus reiner Neugier: Um welche Band handelt es sich konkret? Die Beschreibung ist nämlich sehr generisch und trifft auf ziemlich viele Bands zu (es ist geradezu ein Klischee).

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Multifunktional
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Naja, eigentlich habe ich den Namen extra nicht genannt - aber man soll ja zu seinen Jugendsünden stehen: Es handelt sich um East 17.

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Geograf. Alpsenn. Familienvater
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Gehört denn zum Erwachsenwerden nicht dazu, dass der Mensch lernen muss, dass niemand perfekt ist? Auch ich musste irgendwann lernen, dass meine Idole und Vorbilder aus meiner Kindheit und Jugend auch nur Menschen sind, mit Stärken und Schwächen wie alle anderen auch. Das kann zwar ernüchternd sein, hat aber bei mir nicht zur Abkehr geführt, sondern einfach zu einem kritischeren und differenzierteren Blick auf diese Personen.

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Aber gerade Erwachsene sind die vehementesten Verteidiger ihrer Idole der Vergangenheit. Meist kommt ein "Ja, aber…". Erwachsene vergessen, dass Erwachsenwerden ein unabgeschlossener Prozess ist.

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Probleme gibt immer dann, wenn "Schein" und "Sein" auseinanderklaffen. Auch ich musste schon oft feststellen, dass es unmöglich ist, vom Schaffen und Wirken eines Menschen auf dessen Charakter zu schliessen. Wenn der Narzissmus lange genug gefüttert wird, ist es für Einige zu verlockend, "gleicher" zu werden als andere. Animal farm gibt es selbst in den sozialsten Einrichtungen.
Ich persönlich könnte Stalking und sexuelle Belästigung nicht verharmlosend als "Schwäche" bezeichnen, über die man "grosszügig" hinwegsehen könnte. Solche Leute haben für mich jegliche Glaubwürdigkeit verspielt. Aber seine Grenze definiert jede/r anders, je nach emotionaler Betroffenheit.

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Etwas Ähnliches ist mir mit Beck (Hansen, nicht Jeff) passiert. Als ich hörte, dass er bei Scientology war und die unerträgliche Sekte auch noch verteidigt, blätterte viel vom Glanz seines Schaffens ab. Dieses eklektizistische, überdrehte Genie im gleichen Boot wie Tom Cruise? Seither gefällt mir seine Musik zwar noch, aber die ursprüngliche Begeisterung ist irgendwie weggeschmolzen...

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Philipp Albrecht
Redaktor Wirtschaft
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Bei Beck erging es mir ähnlich, Herr O. Aber ich kann Sie beruhigen, es gibt seit 2019 einen guten Grund, Ihre ursprüngliche Begeisterung wiederzubeleben: «Ich denke, es gibt ein Missverständnis: dass ich Scientologe bin. Ich bin kein Scientologe. Ich habe keine Verbindung oder Zugehörigkeit dazu.» (Quelle: https://www.rollingstone.de/beck-ke…e-1868029/)

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Danke für den Link...

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Oder als ich hörte, dass Ariel Pink und John Maus am Capitol Riot teilnahmen. Ob es hilft, die ursprüngliche Begeisterung wiederzubeleben, wenn er dies damit begründet, “i was in dc to peacefully show my support for the president"
https://www.vulture.com/2021/01/ari…rally.html
https://www.vanityfair.com/style/20…hill-riots

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Leider ist es so, dass sich bisweilen Helden der Jugend mit der Zeit in eine unappetitliche Richtung entwickeln. Gratulation an die Autorin, dass sie das zum Umdenken bewegt (zufälligerweise geht es mir mit Arcade Fire ähnlich…).

Ein in gewissen Kreisen irgendwie immer verbreiteter werdender Reflex ist es ja, jede Schandtat seiner Idole wegzuerklären, sogar wenn man dafür die Realität und vor allem sich selbst verleugnen muss.

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Andreas Koch
Leser, Biotech, Jazz, Sport
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Mmmmhhh…. The Suburbs

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Andreas Koch
Leser, Biotech, Jazz, Sport
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Ich erlebte an mir ähnliche Reaktionen im Zusammenhang mit Pearl Jam und deren (Eddie Vedder) offenen Antisemitismus.

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