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Senior Researcher
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Der Hinweis fehlt, dass die bekannten Fatigue und anderen genannten Einschränkungen nur deswegen in einen Zusammengang mit COVID-19 gestellt werden, weil SARS-CoV-2 andere Krankheitserreger erfolgreich verdrängt hat. Dies ist derselbe Effekt, wieso die Zahl mit COVID-infizierten Spitalpatienten steigt, sobald der Virus wieder stärker zirkuliert. Ein Kausalzusammenhang zwischen einer COVID-19 - Erkrankung und «Long Covid» ist nicht nachgewiesen.

Das Problem liegt daran, dass SARS-CoV-2 in einer Bevölkerung, die zu 97% Antikörper hat, ein harmloses Virus ist mit sehr vielen asymptomatischen Infektionen, die zu keiner wahrnehmbaren Erkrankung führen.

Der Artikel fügt sich also in die lange Reihe von Propaganda- und Aufputschartikeln für die sinnlosen Massnahmen «gegen COVID» der Gesundheitsbehörden ein, die nun glücklicherweise der Vergangenheit angehören, wenigstens in der Schweiz, und bitte sehr nie wieder aufgenommen werden dürfen.

arum also dieser Alarmismus in der «Republik»?

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Ich sehe es weder als Alarmismus noch als Propaganda, wenn die Republik in zeitlichem Abstand die vorhandenen Informationen zu Long Covid kritisch zusammenträgt und auch den gesellschaftlichen Umgang damit thematisiert.

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Senior Researcher
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Ein bisschen kritischer täte der Republik gut

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Herr F., mich stört mehr die völlig sinnfreie aber laute Propaganda von Leuten, die einfach aus Prinzip irgendetwas anderem mehr Glauben schenken wollen, als den wissenschaftlichen Erkenntnissen und entsprechenden journalistischen Publikationen. Andere, neue und von mir aus freakige Thesen aufstellen finde ich völlig in Ordnung. Diese dann seriös veri- oder falsifizieren und die Ergebnisse publizieren ist noch besser. Genau so funktioniert Wissenschaft. Aber einfach mal aus heiterem Himmel zweifeln und schon im nächsten Schritt gleich "Propaganda" schreien - sorry, genau DAS ist Panikmache. Und eben Propaganda.

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Senior Researcher
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Ja, da würde ich Ihnen einmal die wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Nutzen von Maskenpflicht, Lockdown und anderem Unsinn zu Herzen legen. Obwohl das von gewissen Medien längst zu wissenschaftlichen Gewissheiten befördert wurde, wie einst das Hexenwesen von den Pfaffen

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Glauben Sie mir, für direkt Betroffene ist der Zusammenhang sehr klar ersichtlich, denn ein Leben mit Long COVID unterscheidet sich drastisch von dem Leben, das vor der Infektion noch möglich war. Zwischen dem normalen, gesunden Alltag und dem neuen Alltag, in dem jedes zu laute Geräusch und jeder Schritt zu viel einen „Crash“ auslösen kann, liegen ein positiver PCR-Test und zwei Wochen Infektion. Da muss man wahrlich nicht mehr rätseln, was wohl der Grund dafür sein könnte, dass alles auf einmal so anders ist.

Und weil Long COVID - Betroffene in der Gesellschaft kaum mehr sicht- und hörbar sein können, weil dort draussen alles zu laut, zu schnell und zu überfordernd ist, sind Artikel wie dieser enorm wichtig. Das ist kein Alarmismus, sondern ein dringend notwendiges Hinweisen auf ein Leiden, das mehrheitlich im Stillen vor sich geht.

Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass ich meinen Beitrag am Diskurs auf diese Wortmeldung beschränken werde - zu mehr reicht die Energie heute leider nicht.

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Die Ignoranz des Problems könnte darin liegen, dass wir als (calvinistische) Gesellschaft Fatigue mit Faulheit gleichsetzen.

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Cornelia Eisenach
Wissenschaftsjournalistin
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Interessanter Gedanke.

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Ich bin mit Ihnen einverstanden, dass die bisherigen Covid-Varianten in den allermeisten Fällen einen harmlosen Verlauf nahmen, in einem gewissen Prozentsatz aber selbst bei jüngeren Patienten einen gravierenderen als z.B. bei einer Influenza-Infektion. Zudem besteht ja bei einer unkontrollierten Virusmultiplikation stets das Mutationsrisiko mit einer erndthafteren Variante. Dies stellt für mich die grosse Herausforderung dar. Wären Sie Sie soweit mit mir einverstanden?

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Senior Researcher
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Viren mutieren, und unser Immunsystem muss sich an diese anpassen, ohne von Gesundheitsbehörden mittels "Massnahmen" daran gehindert zu werden. Für mich ist der Aktionismus der Behörden das grösste Risiko, und die Herausforderung besteht darin, diese an Aktionen zu hindern, obwohl durch eine laute Mehrheit gefordert

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Unkraut
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Was für ein Senior sind Sie denn? Medizinischer Hintergrund? Oder einfach bisschen Ahnung von Statistik?

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(durch User zurückgezogen)
Molekularbiologe PhD, Unternehmer
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· editiert

Vielen Dank für diese fundierte Recherche, die mit der nicht ganz einfachen Auswahl der richtigen Experten beginnt. Leider mutierten in dieser Krise viel zu viele Ärzte und Wissenschaftler mit Teilwissen zu "Epidemieexperten" mit öffentlichem Mitteilungsbedürfnis.

Das führt dann zum Beispiel zu der Situation, dass dieselben Leute, die bei Kindern und Jugendlichen vor jeglichem Alkohol- und Cannabiskonsum warnen (weil das empfindliche, noch nicht ausgewachsene Gehirn Lanzeitschäden davontragen könnte, die sich eventuell auch erst im Erwachsenenalter zeigen, insbesondere im höheren Alter, wenn die Hirnreserven aufgebraucht werden) bei COVID-19 eine wiederholte Durchseuchung von Kindern und Jugendlichen als unbedenklich propagieren.

Nota bene handelt es sich bei SARS-CoV-2 um ein Virus, das nicht nur direkt das Gehirn infiziert, sondern auch indirekt, bei der Infektion der Atemwege, Vorgänge im Körper auslöst, welche im Gehirn entzündliche Reaktionen und eine Beeinträchtigung von Zellen bewirken, die für Reparaturvorgänge und für die Entwicklung und das Wachstum des Gehirns entscheidend sind. Diese Vorgänge werden auch bei mildem Krankheitsverlauf ausgelöst.

Kindern zu sagen, sie sollen kein Alkohol, Cannabis etc. konsumieren kostet halt nichts. COVID-19 Prävention durch konsequente Luftqualitätsverbesserung in öffentlichen Verkehrsmitteln und Schulen (um nur eine Massnahme zu nennen) würde ein bisschen was kosten...

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Einmal mehr fällt auf, dass einige der erwähnten ÄrztInnen ausländische Namen tragen. Ohne sie alle näher zu kennen: Sind wir uns eigentlich bewusst, wie sehr die Schweiz profitiert von im Ausland ausgebildetem medizinischem Fachpersonal? Von ÄrztInnen, die mehrheitlich nur in Kliniken arbeiten dürfen, während ihre Schweizer Kollegen Praxisbewilligungen erhalten. Von Pflegepersonen, die während Covid Überstunden bis zur Erschöpfung geleistet haben? Einmal mehr: ein herzliches Dankeschön an sie alle. Und auch für den fundierten Überblick über das Thema im Artikel.

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· editiert

Ich weiss nicht, ob Ihre These einer statistischen Analyse standhält. Mich stört jedoch der Generalverdacht, den ich aus Ihrem Kommentar entnehme. Es tönt in Kurzform für mich nach: einmal mehr, die Schweiz resp. Schweizerinnen als Profiteure.

Wenn jemand einen fremd klingenden Namen hat (Französisch!?), bedeutet dies nicht, dass er/sie nicht in der Schweiz aufgewachsen ist oder hier ausgebildet wurde.

Schaut man sich die Ausbildungswege und Wirkungsstätten der fünf für den Artikel befragten Expertinnen an, dann sticht für mich vor allem ein Thema heraus: Globalisierung und Internationalisierung. Alle haben an renommierten Orten im In- und Ausland gelernt, gelehrt und/oder gearbeitet. Bei diesen fünf kann man also nicht von "im Ausland ausgebildetem medizinischem Fachpersonal" sprechen.

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Ihre Argumentation überzeugt mich. Danke fürs genaue Recherchieren. Da habe ich mich wohl zu sehr von meinen vorgefassten Meinungen leiten lassen.

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Vieles ist möglich, wenig ist handfest belegt. Nicht willkommen sind Mutmassungen und Schwarzmalereien – zumal diese Symptome auch bei nicht wenigen Menschen ohne durchgemachte Covid-Erkrankung auftreten.

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Frau Bosshart, Sie meinen Mutmassungen und Schwarzmalereien im Sinne von bösen dunklen Mächten, welche via Angst und Schrecken und Impfung die totale Kontrolle und Macht über alle Individuen übernehmen wollen, vermutlich Echsenmenschen, die dem Putin-Schnuggel so gemein das Leben und seine Entfaltung schwermachen wollen? Dann wäre ich einverstanden mit Ihnen, solche Hirngespinste sind mir tatsächlich nicht willkommen. Der Artikel hier über Long Covid gehört ja ganz offensichtlich nicht in diese Kategorie. Überhaupt habe ich in der Republik noch nie entsprechenden Bullshit lesen müssen, zumindest im redaktionellen Teil. Zum Glück, denn davon gibt es ja andernorts zur Genüge zum zu Gemüte führen.

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Gute Sache die Republik, ja! Wenn ich ohne Coviderkrankungen die Long-Covid-Symptome erfahre, dann erlaube ich mir zu Hinterfragen – auch wenn das hier nicht gefragt ist. Und wie immer erwähne ich, dass ich nicht dazu neige, blindlings in die Wissenschaft zu vertrauen, wenn Erfahrungswerte fehlen! …

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Ja. Cool kann man jetzt die ganzen psychischen Erkrankungen auf "Covid" zurückführen.

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Danke für diese wichtige journalistische Arbeit! Ich wünschte, andere Zeitungen würden sowas auch bieten.

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Warum? Es gibt ja die Republik!

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Zu Brain Fog: Betroffene beschreiben diesen häufig als alleinstehendes Symptom, welches mit anderen neurologischen Symptomen auftreten kann, aber sich auch völlig unabhängig zeigen kann. Neben Nebel wird häufig von Match im Kopf oder dergleichen gesprochen. Da der Mensch meist keine Sinnesempfindungen direkt vom Hirn hat, ist eine adäquate Beschreibung schwer. Wichtig scheint mir, dass er separat von Dingen wie Konzentrationsstörungen oder Post-Excertional-Malaise benanmt wird.

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Long Covid ist zweifelsohne eine Realität, welche sehr ernst genommen werden muss. Als ehemaliger Hausarzt möchte ich auf ein zusätzliches Problem hinweisen, welches in den medizinischen Studien meines Wissens nie systematisch erfasst worden ist. Es handelt sich dabei um die persönliche Lebenssituation, in welcher der Patient, welcher von einer solchen, potentiell lange anhaltenden Beeinträchtigung betroffen wird, steht. Bei vorbestehenden Problemen, sei es im familiären oder beruflichen Umfeld, welche zu einer erheblichen subjektiven Belastung führen, kann sich eine potentiell chronisch verlaufende medizinische Affektion als sozial verträgliches Erklärungsmodell für die (an sich bereits vorbestehenden) Beschwerden anbieten und einen chronischen Verlauf begünstigen, der dann auch zu einem IV-Antrag führen kann. Anders herum gesagt: die objektiven Daten der gesundheitlichen Affektion, welche in den Studien erfasst werden, sind das eine, was der Patient damit macht das andere. Dies könnte auch bei den überdauernden Beschwerden infolge Long Covid zu einem gewissen Teil (aber lange nicht immer!) eine Rolle spielen und sollte medizinisch getrennt erfasst und spezifisch behandelt werden.
Die subjektive Interpretation der Krankheit läuft beim Patienten meist unbewusst oder zumindest nicht explizit ab, so dass man auf keinen Fall von Simulation sprechen darf. Es ist dieses Spannungsfeld, welches den Hausarztberuf so interessant und gleichzeitig herausfordernd macht.

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Molekularbiologe PhD, Unternehmer
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Achtung, da sind wir gefährlich nahe an der guten alten Psychosomatisierung von diffusen Krankheitsbildern, die dann dazu führt, dass die medizinischen Möglichkeiten nicht ausgeschöpft werden, und sich die Patienten mit ihren Symptomen nicht ernst genommen fühlen.

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Sie insinuieren, dass Long Covid bzw. Post Covid und andere postvirale Erkrankungen zumindest einen wesentlichen psychosomatischen oder psychiatrischen Anteil haben. Das ist ein nicht nur bei Mediziner*innen sehr beliebter Ansatz, Erkrankungen zu begegnen, die sich nicht einfach diagnostizieren lassen und für die es keine anerkannte Behandlung gibt.

Leider führt dieser Ansatz zu Fehldiagnosen und daraus resultierenden Fehltherapien, die den Betroffenen mehr schaden als nützen und schlimmstenfalls zu einer dauerhaften Verschlechterung führen. So verursacht etwa Bewegungstherapie bei ME/CFS-Patient*innen aufgrund ihrer krankheitsbedingten Belastungsintoleranz zu PEM (Post-Exertional Malaise), einer nachfolgenden Verschlechterung des Allgemeinzustandes, von der sie sich nur schwer oder gar nicht mehr erholen.

Die Psychiatrisierung postviraler Krankheitsbilder hat für die Erkrankten auch erhebliche negative Folgen in Bezug auf die gesellschaftliche Akzeptanz, den Kampf um die Übernahme von krankheitsbedingten Kosten und die soziale Absicherung. Es ist daher dringend, dass solche Krankheiten endlich genauso ernst genommen werden, wie z.B. Multiple Sklerose oder Krebs, bei denen auch nicht irgendwelche psychiatrischen Ursachen vermutet und Krankheitsgewinn unterstellt werden.

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Cornelia Eisenach
Wissenschaftsjournalistin
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· editiert

Hallo Anonym 2. Ich weiss nicht, ob ich Sie richtig verstehe. Aber wird dieses "Hintergrundrauschen" von familären, beruflichen etc Vorbelastungen nicht schon auf eine Art und Weise in den Kontrollgruppen erfasst? Also z.B. in einer Studie von Mayssam Nehme und ihren Kolleginnen werden die Symptome nach 1 Jahr ja auch in der Kontrollgruppe gesehen ( Symptoms included fatigue (16% vs. 3.1%), dyspnea (8.9% vs. 1.1%), headache (9.8% vs. 1.7%), insomnia (8.9% vs. 2.7%), and difficulty concentrating (7.4% vs. 2.5%) https://onlinelibrary.wiley.com/doi…joim.13482
Die Kontrollgruppe hatte keine nachgewiesenen Sars-CoV-2 Infektion. Aber vielleicht meinen sie eher die Erfassung mit persönlicher Vorgeschichte in einer Art Fall-Studie?
In jedem Fall sollte es zum Nachdenken anregen, wenn Leute das Gefühl haben ein "sozial verträgliches Erklärungsmodell" für ihre Beschwerden zu brauchen.

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Leserin
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Liebe Republik, danke für diesen Artikel, der mich einerseits in seinem informativen Aufbau freut und andererseits zutiefst ernüchtert.
Long Covid ist keine neue Krankheit, ihr Name allerdings schon. Die Symptome eines Long Covid gibt es schon sehr, sehr lange im Zusammenhang mit anderen Viruserkrankungen und sie sind nicht nur "ähnlich" wie die von Long Covid. Es sind - bis auf den Verlust des Geschmackssinns - die gleichen! 45% aller Long Covid Patient:innen entwickeln eine Myalgischen Enzephalomyelitis. Informiert man sich über die Symptome einer Myalgischen Enzephalomyelitis ME/CFS, so findet man die Beschreibung einer Symptomatik, die so ziemlich in allen Punkten mit der des Long Covid übereinstimmt. Die WHO hat die Erkrankung mit ihren Symptomen bereits 1989 in ihren Katalog aufgenommen, hunderte andere Länder auch. Die Schweiz bis anhin nicht. Forschungen gab es in der Schweiz gar keine und auch in anderen Ländern kämpften Forscherteams für finanzielle Mittel zur Erforschung von ME/CFS - mit marginalem Erfolg.
17 Millionen Menschen weltweit waren schon lange vor Covid von der Krankheit betroffen. So auch meine Tochter, seit sie 2011 an der Schweinegrippe erkrankte. Sie ist noch immer krank, konnte die Schule ab dem 8. Schuljahr nicht mehr besuchen, verbrachte ihre pubertären Entdeckungsjahre mehrheitlich im Bett und kann jetzt, mit 23 Jahren, erstmal endlich (!) teilweise am Arbeitsleben teilnehmen, da der Begriff "Long Covid" bei Arbeitgeber:innen für Verständnis sorgt. So ging es vielen Menschen in der Schweiz , bevor Covid kam.
Warum bin ich ernüchtert über diesen Artikel?
Weil ich den Eindruck habe, wir beginnen wieder bei Null. Der Artikel formuliert eine Annäherung an eine Krankheit, als ob diese erst mit Covid erschienen wäre. Die IV ändert ihr Wirkungsfeld (ME/CFS war der IV bis anhin unbekannt... und deren Erkrankte nicht unterstützungswürdig), Forscherteams entstehen, die Universitätskliniken zeigen plötzlich Interesse ("ME/CFS gibt es nicht", O-Ton einer Uniklinik in der Schweiz VOR Covid), öffentliche Medien nehmen sich der Thematik an, das allgemeine Interesse ist geweckt.
Warum erst jetzt?
Liegt es tatsächlich an der Anzahl Erkrankter?
Und ab welcher Anzahl lohnt sich denn Forschung? Oder Unterstützung? Oder die Annahme von Glaubwürdigkeit?

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Molekularbiologe PhD, Unternehmer
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Stimmt alles nicht ganz: Das Bundesgericht hat vor einigen Jahren seine ursprüngliche Haltung, chronische Schmerzstörungen und das Chronische Fatigue Syndrom (ME/CFS) seien überwindbare Einschränkungen, und berechtigten deshalb nicht zu einer Versicherungskompensation / IV Rente, aufgegeben.

Entgegen ihrer obigen Behauptung ist ME/CFS seit langem in der Medizin offiziell anerkannt, und auch entsprechend in der International Classification of Diseases der WHO (Punkt G93.3; Chronisches Müdigkeitssyndrom: Myalgische Enzephalomyelitis, Postvirales Müdigkeitssyndrom) gelistet.

Die IV muss also seit einigen Jahren ME/CFS und ähnliche Syndrome anerkennen. Unterdessen gibt es auch neuropsychologische Tests, die eine Objektivierung der Einschränkungen der Betroffenen erlauben.

Das alles löst natürlich noch nicht das Problem, dass die Betroffenen den entsprechenden Ärztegutachten ausgeliefert sind. Aber trotzdem: ME/CFS war schon vor COVID-19 anerkannt.

Der US Kongress bewilligte noch im Dezember 2020 über 1 Milliarde USD für Long Covid Forschung. Auch in anderen Ländern werden jetzt Forschungsprojekte zu Long Covid bewilligt. Es ist durchaus realistisch zu hoffen, dass Long Covid bewirkt, dass alle Formen von Erschöpfungs- und kognitiven Einschränkungssyndromen in der Klinik wie auch in der Forschung einen höheren Stellenwert erhalten werden.

Nachtrag / Edit:
Da sie behaupten, in der Schweiz gebe es für ME/CFS keinen Krankheits-Code:
Es ist derselbe Code wie im oben genannten ICD der WHO. Hier der Schweizer Link für Code-Suchanfragen, und die Seite der Bundesverwaltung, mit dem expliziten Verweis auf die Gültigkeit des ICD-10-GM 2022 in der Schweiz.

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Leserin
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Uh, ich hoffe nun sehr fest, dass von ME/CFS Betroffene Ihren Beitrag lesen und schildern, wie ihre Erfahrungen im medizinischen Bereich und mit der IV waren und sind.
Es kann gut sein, dass ME/CFS offiziell anerkannt ist, im medizinischen direkten Patient:innen-Kontakt ist allerdings wenig davon spürbar. Ich habe viele Betroffene kennengelernt. Niemand von ihnen wurde von der IV unterstützt, obwohl sie z.T. monate- oder jahrelang bettlägerig waren oder ihre Wohnung aus Erschöpfung nicht verlassen konnten.
Kann sein, dass das Bundesgericht einen solchen Entscheid gefällt hat. Umgesetzt wird er offensichtlich spärlich.

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Ich muss Ihren Aussagen zum Teil widersprechen. Wir beginnen nicht bei Null. Über die Zusammenhänge mit anderen viralen Erkrankungen wird ja unter Punkt 16 gesprochen. Ich gebe Ihnen insofern recht, dass ähnlichen Symptomen im Sinne des Chronic Fatigue Syndroms über Jahre von Seiten der Wissenschaft, aber auch der Gesellschaft, wohl zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt worden ist. Das ist ein Problem, das sich leider bei vielen nicht eindeutig fassbaren und oft als „psychisch“ abgewerteten Krankheitsbildern zeigt. Ich finde es gut, dass bezüglich dieses Krankheitsbildes nun mehr geforscht wird und diese sehr belastende Erkrankung hoffentlich nun vermehrt ins Bewusstsein der Politik und der Öffentlichkeit tritt und dadurch, wer weiss, vielleicht auch die Versicherungen dafür sensibilisiert werden.

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Leserin
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Ja, ich bin auch erleichtert, dass die Forschung nun hoffentlich vorangetrieben wird.
Und ich hoffe fest auf eine Verbesserung der Unterstützung aller Betroffenen.
Dennoch zitiere ich aus dem Text unter Punkt 16: «Der Grund, warum wir das nicht zu 100 Prozent bestätigen können, ist, dass wir einfach nicht genug über ME/CFS oder postvirale Fatigue wissen» wie Mayssam Nehme anmerkt. Doch, in Amerika, Kanada, Grossbritannien, Japan, Schweden weiss man einiges darüber. Das Wissen wurde lediglich ignoriert. Dass dem zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde, wie Sie es formulieren, finde ich eine sehr milde Aussage.
Ich möchte an dieser Stelle gerne auf dem Dokumentarfilm "Unrest" von Jennifer Brea hinweisen. (Er stand auf der Shortlist für den Oscar - und ist online abrufbar). Dort wird eindrücklich aufgezeigt, wie die Erkenntnisse willentlich aussen vor gelassen wurden.
Das Gefühl "bei Null zu beginnen" bezieht sich auf die Art der Erklärung über Long Covid, die davon ausgehen muss, unsere Gesellschaft wisse noch kaum was. Und das ist ernüchternd.

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Cornelia Eisenach
Wissenschaftsjournalistin
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Liebe Frau V., Vielen Dank für Ihren Beitrag und Alles Gute für Ihre Tochter! Hätten Sie eine Quelle für die 45% die Sie erwähnen (45% aller Long Covid Patient:innen entwickeln eine Myalgischen Enzephalomyelitis.) Laut Mayssam Nehme ist es nur ein Bruchteil.

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Leserin
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Liebe Frau Eisenbach, danke für Ihren Artikel und auch Dank an Frau Beck. (Das habe ich vor lauter Diskussionsfieber gar nicht geschrieben.)
Ich habe die Zahl 45% sowohl aus folgender Studie der Charité Berlin: https://www.medrxiv.org/content/10.…21249256v1
als auch aus einem Bericht der Gesellschaft für ME/CFS der Schweiz:
https://sgme.ch/longcovid/
Frau Carmen Scheibenbogen der Charité Berlin ist eine langjährige Expertin für ME/CFS und erforscht u.a. die Zusammenhänge von Long Covid und ME/CFS, resp. die Post-Covid-Symptomatik.

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Danke für diese ausgezeichnete Zusammenfassung über den heutigen Stand des Wissens (und Unwissens) bezüglich dieses sehr vielfältigen und die Betroffenen sehr belastenden Krankheitsbildes. Was mich beschäftigt ist weniger die Tatsache, dass auch Long Covid wieder dieselben sog. „kritischen“ Leute zu mässig bedarften Kommentaren hinreissen lässt, sondern das voraussehbare Verhalten der Behörden, die nur auf Druck und widerwillig sich dieses Problems annehmen wollen und vor allem der Invalidenversicherung, die wohl alles daran setzen wird, dieses Krankheitsbild NICHT anzuerkennen, da es Kosten verursachen wird.
Übrigens möchte ich in diesem Zusammenhang den Leuten der „Republik“ ein Kränzchen winden nicht nur was die Inhalte, sondern auch was die kreativen Titel der Beiträge angeht!

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Cornelia Eisenach
Wissenschaftsjournalistin
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Guten Abend Herr Kienholz, Vielen Dank für das Kränzchen (das ich an meine Kolleginnen weitergebe) und ich freu mich, wenn der Beitrag nützlich war. So weit ich das mal recherchiert habe ist das für die IV nicht so wichtig ob es eine offizielle Definition/ anerkanntes Krankheitsbild gibt von einer Krankheit. Wenn ich es richtig verstanden habe, dann ist der Name der Diagnose nicht so wichtig, sondern inwieweit eine Krankheit das (Berufs-)Leben einschränkt. Nichtsdestotrotz ist mir bewusst, dass es in der Realität anders sein kann als auf dem Papier.

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Molekularbiologe PhD, Unternehmer
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Liebe Frau Eisenach, es ist schon so, wie es auch Frau V. in diesem Dialog dargelegt hat, dass die IV grundsätzlich alles abblockt, was nicht einen offiziellen Diagnosenamen hat. Und was Diagnosen von postviralen Erschöpfungssyndromen wie Long Covid oder Unterformen von ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis / Chronic Fatigue Syndrome) betrifft, ist es in der Schweiz überhaupt erst seit dem Bundesgerichtsurteil von 2015 (BGE 141 V 281) theoretisch möglich, Forderungen an die Versicherungen zu stellen. Vorher galten alle diese Leiden (per früheren Bundesgerichtsentscheiden) als "überwindbar".

Und nun beginnt der Spiessrutenlauf: Der / die Versicherte ist in der Beweispflicht, muss also entsprechende Ärztegutachten vorlegen. Wenn die Versicherung nicht zahlen will, und der Fall vor Gericht geht, braucht die Versicherung ein ärztliches Gutachten, welches eine Einschränkung / Invalidität in Abrede stellt. Das Gericht wird sich dann auf den Standpunkt stellen, dass es den Inhalt der Expertisen selbst nicht beurteilen kann, sondern nur zur Kenntnis nimmt, dass ein zugelassener Arzt bzw. eine zugelassene Ärztin die Einschränkung in Abrede stellt, und sie damit nicht bewiesen ist. BINGO für die Versicherung...! Selbst wenn die Gegenexpertise für jeden Laien erkennbar haarsträubend ist, ändert das nichts an der juristischen Situation: Antrag auf Versicherungsleistung abgelehnt...

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Durch diesen Beitrag habe ich vieles erfahren, das ich nicht wusste.
Vielen Dank Ronja Beck und Cornelia Eisenach für diese dringend benötigte Recherche.
Angesichts der Long COVID Problematik ist es noch unverständlicher, dass die Verantwortungsträger im Gesundheitswesen nur Handlungsbedarf sehen, wenn die Spitäler vollständig überlastet sind.

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Cornelia Eisenach
Wissenschaftsjournalistin
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Liebe Frau Wunderle, freut uns, dass es Ihnen was gebracht hat :)

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Merci für die Übersicht und die fundierte Recherche!
Ich bin mit Ihnen einverstanden, dass es keine einfache und eindeutige Behandlung gibt, da das Krankheitsbild und dementsprechend wahrscheinlich auch die Usrachen vielfältig sind. Allerdings gibt es für viele der Punkte, die Sie als mögliche Ursachen aufführen, auch Behandlungen. Oder auch positive Effekte zu Off-Label Use von einfach erhältlichen Medikamenten wie Antihistaminen (ja das ist persönliche Erfahrung, also Anectote, aber es gibt auch einige Studien, also Data).
Davon wissen aber auch Ärzte in der Long-Covid-Sprechstunde der Krankenkasse leider nix...
PS Um einen Eindruck zu geben, wieviele Leute betroffen sind und auf eine Behandlung warten: die Wartezeit für die Long-Covid-Sprechstunde am lokalen Spital beträgt 5 (!) Monate

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Cornelia Eisenach
Wissenschaftsjournalistin
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Liebe Frau H., Danke für das Feedback und Ihren persönlichen Einblick. Den Punkt haben wir versucht bei den Medikamenten aufzugreifen. In den Studien werden ja viele bereits zugelassene Wirkstoffe wie eben Antihistamine, Gerinnungshemmer oder Entzündungshemmer untersucht.

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Sie schreibt
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Merci für den Überblick und die Einordnung! Das hilft sehr und sensibilisiert.

Mir ist noch ein Tippfehler aufgefallen:

Was genau mit Long Covid nach sogenannten Durchbruchs­infektionen passiert, also bei Menschen, die zwar geimpft sind, die sich aber dennoch mit Sars-CoV-2 infizieren und daran erkranken, haben verschiedenen Studien untersucht.

Da müsste es "verschiedene" heissen.

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Cornelia Eisenach
Wissenschaftsjournalistin
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Vielen Dank für den Hinweis!

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Antonia Bertschinger
Schreiben und Recherchieren
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Mir auch: "Inzwischen gibt es unzählige Studien, die sich den drängendsten Fragen annehmen: " Es muss heissen " die sich der drängendsten Fragen annehmen" - mit Genitiv.

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Danke für den ausführlichen Artikel. Habe nun einige Fragezeichen weniger.
Gestört hat mich, dass im Text ein NZZ-Artikel verlinkt wird, welcher hinter einer Paywall steckt …

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(durch User zurückgezogen)

Danke für diese Zusammenfassung und Übersicht. Mir fehlt bei diesem Artikel und auch bei vielen Forschungen der ganzheitliche, systemische Bezug. Wir leben heute mit sehr vielen Umweltbelastungen. Normalerweise kann unser Körper diese Belastungen einigermassen gut kompensieren. Wenn nun aber eine Krankheit dazukommt, wie z.B. Covid, oder auch andere Virus-Erkrankungen, kann diese Kompensation kippen und ein natürlicher Genesungsprozess wird blockiert oder massiv verlangsamt. Wenn jedoch diese systemische Belastungen in der Therapie berücksichtigt werden, gelingen ganz andere Genesungsprozesse. Konkret: toxische Belastungen mittels spezifischen Laboranalaysen messen und dann entsprechende therapeutische Massnahmen einleiten, nebst den andern üblichen Therapien.

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