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Leider eine wohl richtige Einschätzung. Hurra-Öffnungseuphorie tritt anstelle der bisherigen Schritt für Schritt Strategie, die vorsah zu überprüfen, welche Öffnung welche Resultate zeitigt. SVP, FDP, Gewerbeverband, Economiesuisse und eine Vielzahl von Lobby-Organisationen geben nun den Takt an. Die Verantwortung für die wohl umso heftiger ausfallende zweite Welle werden diese Kreise mit Bestimmtheit nicht übernehmen (müssen).

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wie ist das mit: 'alles ist offen und niemand geht hin'? es könnte nun ja auch der moment sein, wo jede für sich selber überlegt, was sie sinnvoll findet - und sich so ganz einfach gegen den endlich wieder brummenden wirtschaftsmotor und seine lobbyisten wendet. nicht?

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Wenn dem wirklich so wäre, bräuchten wir weder Regierung noch Parlament. Allein mir fehlt der Glaube an die Kollektivvernunft. Die Praxis beweist eher das Gegenteil, man schlaue auf die SUV Plage auf den Strassen, den überbordenden Flugverkehr oder die gedankenlose Streamerei im Internet

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Naja, mit diesen Massnahmen ist es wie mit Impfungen: Nur wenn sich die grosse Mehrheit bemüht, sich daran zu halten, wirken sie auch. Klar hat jede*r einzelne ein niedrigeres Infektionsrisiko wenn er/sie Abstand hält. Aber das Virus bleibt durch die anderen im Umlauf.

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Informatiker
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Ich persönlich werde dem ursprünglichen Plan folgen und vor Anfang Juni kein Restaurant aufsuchen. Ich kann nur hoffen, dass es mir viele Leute gleichtun. Der plötzliche Öffnungs-Hype führt mir wieder einmal vor Augen, dass die Schweizer Demokratie aufgrund viel zu einflussreicher Lobbies immer mehr in eine gefährliche Schräglage gerät. Auch damit ist sie leider nicht allein.

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Zur Demokratie gehört aber auch, dass man abstimmen kann. Zu den Corona-Massnahmen gab es aber nie eine Abstimmung, die wurden verordnet. Uneinigkeit über die zu ergreifenden Massnahmen finde ich normal und verständlich, denn auch eine konsistente und konsequente Haltung täuscht darüber hinweg, dass man wenig über den Nutzen der Massnahmen weiss, und es auch widersprüchliche Studien hierzu gibt.
Ich finde die aktuelle Haltung des Bundesrates zumindest ehrlich. Keiner weiss wirklich Bescheid, wie man die Epidemie am besten bekämpft.

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Informatiker
·
· editiert

Ja genau, keiner weiss es wirklich. Es ist alles noch im Nebel. Aber wenn ich auf der Autobahn in eine Nebelwand fahre, dann bremse ich aus Sicherheitsgründen ab. Davon lasse ich mich auch nicht abbringen, wenn meine Mitfahrer herum mosern. Das nennt sich Vorsicht. Dieses Verhalten erwarte ich auch vom Bundesrat.

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Michel Rebosura
Ratsmitglied Project R Genossenschaft
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Richtig «heimelig» wurde es, als die «Rundschau» das «Haus der Freiheit» besuchte und Toni Brunner sowie Esther Friedli sich als Retter*innen des Gastgewerbes gerieren konnten. «Heimlifeiss» hingegen ist, dass gerade die Rechten, das Gewerbe hängen gelassen haben, wie die WOZ titelt. Denn wirklich helfen, würde nicht eine Öffnung unter sehr erschwerten Umständen – weshalb manche Betriebe selbst nach dem 11. Mai nicht öffnen werden –, sondern ein Erlass bei der Miete. Doch bei der Frage eines (teilweisen) Mietzinserlasses, vertreten die Rechtsbürgerlichen klar die Interessen der Immobilienbesitzer und Hauseigentümer.

Die Kommission für Wirtschaft und Abgaben des Nationalrats (WAK) hat mit 13 gegen 10 Stimmen bei zwei Enthaltungen eine entsprechende Kommissionsmotion beschlossen. Sie sieht einen Mieterlass von siebzig Prozent für Betriebe vor, die der Bundesrat geschlossen hat.

Pikant: Federführend bei der Ausarbeitung der Motion waren linke PolitikerInnen. Rechtsbürgerliche wie Magdalena Martullo-Blocher und Thomas Matter (beide SVP), die sich sonst gerne als Schutzpatrons des Gewerbes aufspielen, stimmten hingegen im Interesse der Immobilienbranche.

Die frühe Öffnung fürs Gastgewerbe könnte sich also nicht nur in epidemiologischer Hinsicht als Pyrrhussieg erweisen, sondern auch als trojanisches Pferd des rechtsbürgerlichen Lagers bzw. der Immobilienwirtschaft à la: «Ihr könnt jetzt öffnen, also hat sichs mit eurer Forderung nach einem Mietzinserlass!» – selbst wenn sich die Öffnung für viele nicht rentieren sollte.

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Lieber Michel Rebosura, dieser Analyse kann ich nur zustimmen. Der Verdacht, dass die Wiedereröffnung die Interessen der Vermieter (und der Versicherungen) bedienen soll und nicht diejenigen der Beizer, steht in der Tat im Raum. Ich war ebenfalls sehr erstaunt über den Rundschau-Beitrag mit Toni Brunner. Zwar wurden in dem Beitrag auch kritische Fragen gestellt, aber unter dem Strich ist das trotzdem aktive Propaganda-Beihilfe für eine parteipolitische Agenda. Herzlich, DB

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Christine Loriol
denken, schreiben, reden.
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Danke, Daniel Binswanger! Ich habe schon den Kommentar von letztem Samstag sehr geschätzt. Ich meine: Jetzt haben wir doch mittlerweile alle so viel gelesen, gehört und bestimmt auch verstanden darüber... über Pandemie, Covid19, usw. Wir wissen alle, dass es noch nicht vorbei ist (Impfstoff, etc), dass es zu einer zweiten Welle kommen kann. Was ist daran so schwer zu verstehen? Vermutlich eben: nichts. Die Frage ist wohl eher, ob jemand verstehen will und wenn nein, warum? Es ist tragisch, dass es mehr Tote, mehr schreckliche Bilder und viel mehr persönliche Betroffenheit gebraucht hätte, um das, was Daniel Binswanger in seinem Kommentar schreibt, zu verhindern. Es ist deprimierend. Ich musst sagen, ich habe mich in der Vernunft-gesteuerten, erwachsenen, reifen Schweiz der ersten Phase bis zum Wendepunkt sehr wohl gefühlt (abgesehen natürlich von allem Schrecklichen im Zusammenhang mit der Krise). Ich war froh, wird bei uns mit Augenmass vorgegangen; ich habe geschätzt, wenn der Bundesrat oder Wissenschaftler*innen sagten: Wir wissen es nicht; die Entschlossenheit und das Selbstbewusstsein, „der Wirtschaft“ (und ich verstand darunter immer: Wir alle) zu helfen, kam bei mir gut an. Es war eine Zeit des Handelns, des Suchens von Lösungen und des Einsatzes der plötzlich als systemrelevant Erkannten. Kläffer, Provokateure und Aufmerksamkeitsjunkies liefen ins Leere, die Medien hatten anderes zu tun, als über jedes ihrer Stöckchen zu springen. Ich mochte es so unaufgeregt, pragmatisch, hellwach. - Und jetzt geht es wieder los... Aber noch einmal danke, DB. Der Kommentar hat mir die Frage beantwortet „spinn‘ ich jetzt oder... spinn‘ich jetzt?“ Ich werde so vorsichtig und rücksichtsvoll bleiben wie bis anhin, mich selber und andere schützen und in den nächsten Woche versuchen, mehr Bücher als Nachrichten zu lesen.

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Sabine Muth
Vielleserin
·

Nachdem so Vieles nicht klar ist werde ich mich weiterhin an die Empfehlungen der Fachleute halten - nicht nur zu meinem eigenen Schutz, sondern auch zu dem meiner Umgebung. Selbstdisziplin fällt mir einerseits nicht schwer und andererseits gibt es neben meinem Job genug erfüllenden Inhalt in meinem Leben, der zudem unabhängig von ausserhäusslicher Aktivität ist. Vielleicht ist das ein ungeheurer Luxus, vielleicht auch ein Lebensstil, der sich über die Jahre herauskristallisiert hat. Der Verzicht meiner geplanten Ferien an der Amalfiküste scheint mir wenig dramatisch angesichts der Tatsache, dass ich nach wie vor Arbeit habe, ein Dach über dem Kopf, genug zu essen, ein Badezimmer, Musik, Bücher und einen ansehnlichen Stapel sehr schicker selbstgenähter Masken.

Dem Treiben in Wirtschaft und Politik sehe ich einigermassen fassungslos zu, nachdem die politische Führung durch diese 6 Wochen so aussergewöhnlich vernünftig war. So spricht mir der Artikel von DB aus der Seele. Wir werden sehen wohin das alles führt.

Mein Wunsch, dass Vernunft und Wissenschaft (wieder?) vermehrt in die Tagespolitik Einzug halten mögen und auch in Bezug auf andere Themen weniger emotionalisiert diskutiert werden als bis anhin, wird angesichts der herrschenden Empörung in neoliberalen Kreisen wohl eine Utopie bleiben.

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Dieser Beurteilung kann ich nur zustimmen. In einem unsäglichen Trauerspiel hat der Bundesrat seine verantwortungsvolle Führungsrolle aufgegeben. Die bürgerlichen Hampelmänner und Hampelfrauen im Bundesrat haben die kurzfristigen Interessen der Wirtschaft und der Finanzindustrie durchgedrückt und die Lockerung so sehr beschleunigt, dass eine vernünftige epidemiologische Beurteilung der Massnahmen und der Lockerungen nicht mehr möglich sein wird. In vielen Bereichen, wie zum Beispiel der Schule, lösen die vorschnellen und unklaren Entscheide Chaos und Verunsicherung aus. Mit einer hohen Wahrscheinlichkeit ist eine zweite Welle vorprogrammiert. Diese zweite Welle wird noch viel mehr Opfer fordern und in der Gesellschaft und in der Wirtschaft längerfristig mehr Schaden anrichten, als wenn man die Lockerungen vernünftig und entsprechend epidemiologischen Wissensstandes Schritt für Schritt langsam durchgeführt hätte.
So wie es nun zu laufen scheint, gibt es wenig Anlass zur Hoffnung, dass unsere Politik und unsere Gesellschaft fähig sein werden, mit der noch viel verheerenderen Umweltkatastrophe umgehen zu können.

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Ich werde das Gefühl nicht los, dass dieser Artikel aus einer extrem privilegierten Sicht geschrieben ist. Wenn man in Kommentaren die Bemühungen von Gewerbetreibenden und deren Verbänden, dann einfach als neoliberale Empörung abtut, schrammt man ziemlich am Thema vorbei. Überall wird derzeit von der privilegierten Blase zu absoluter Vernunft und der ach so wichtigen Gelassenheit gesprochen. Geradezu zynisch muss dies bei Menschen ankommen, die um den Job bangen, ihre Rechnungen nicht bezahlen können und in echter Existenzangst leben. Gratulation an alle, die da noch entspannt bleiben können.
Vom Bundesrat und der Politik erwarte ich, dass sie fähig sind das Gesamtbild zu beurteilen. Also auch die langfristigen Folgen ihres Handelns zu beachten. Monatelanger Lockdown mit drastischen Auswirkungen auf die Wirtschaft und daraus folgenden sozialen Unruhen, können über die Jahre gesehen zu noch mehr Toten führen als der moderate Umgang mit den Massnahmen.
Die Forderung nach strengeren und länger andauernden Massnahmen, kann man nur dann stellen, wenn man gleichzeitig die Forderung nach Umverteilung des Geldes stellt. Nur mit dem bedingungslosen Grundeinkommen und zur Mittelbeschaffung eine Transaktionssteuer und massiv höhere VermögensbesteuerunG. K.nnen das Szenario der sozialen Unruhen verhindern.
Wie so oft im Leben kann man eben nicht nur das eine machen und das andere lassen, sonst entsteht ein ungesundes Ungleichgewicht.
Ich gehöre übrigens selbst auch zu den Privilegierten und ich kann mich sehr gut an die Empfehlungen halten. Auch ich falle nicht in eine Depression, weil ich mal auf Balkonien Ferien mache und nicht wöchentlich auf Shoppingtour gehen kann. Trotzdem ist es mir wichtig, dass man die wirklichen Verlierer des Lockdowns nicht aus den Augen verliert und sie schon gar nicht in eine komische Jammerecke stellt.

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Ihre Gedanken empfinde ich als richtig, aber ihre Schlussfolgerung kann ich nicht teilen.
Glauben sie wirklich, dass das überhastete Öffnen der Restaurants diesen berauschende Umsätze bescheren wird? Ich nicht. Aber es wird sie zuverlässig von politischer Hilfestellung abschneiden. Genau da sehe ich auch die Intention der rechts-liberalen Politiker. Denen geht es mehr darum, die Tiefsteuerstrategie zu retten, als irgendwelche Kleingewerbler

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@ Simon Reber
Hervorragende Analyse der wirklichen Motive der neo-liberalen Kreise! Schade: Der Bundesrat hat so gut angefangen, nur um jetzt vor allen möglichen Interessenverbänden einzuknicken! Wie Sie auch kommt es mir nicht im Schlaf in den Sinn, nur weil viele Dinge jetzt wieder gestattet werden, diese auch in Anspruch zu nehmen. Ich (und mit mir viele Andere) bin nicht blöd!

Hoffen wir, dass so langsam viele Konsument/innen und Wähler/innen den Braten riechen und bei sich anfangen, daran etwas zu ändern. Sei's beim nächsten Einkauf, sei's bei den nächsten Wahlen. Your choice!

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Einfach noch zur Präzisierung. Ich bin absolut nicht der Meinung, dass man schneller und risikoreich Wiedereröffnen soll. Aber ich unterstelle, denjenigen die auf schnelleres Öffnen hoffen oder dies fordern, nicht nur ideologisch gefärbtes Denken, sondern auch echte Sorge um ihre Branchen und deren Arbeitnehmer. Für mich bleibt es sehr wichtig, dass alle Aspekte berücksichtigt werden. Ausserdem ist es ein ganz normaler politischer Vorgang in unserer Demokratie, dass Interessengruppen sich bemerkbar machen. Schade ist, dass das Rufen der Leute, denen die sozialen Folgen wichtig sind, viel zu leise ist.

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@ Eppenberger: .
Insofern gehe ich mit Ihrem Schluss sehr einig, nämlich dass, Zitat: " Die Forderung nach strengeren und länger andauernden Massnahmen, kann man nur dann stellen, wenn man gleichzeitig die Forderung nach Umverteilung des Geldes stellt. Nur mit dem bedingungslosen Grundeinkommen und zur Mittelbeschaffung eine Transaktionssteuer und massiv höhere VermögensbesteuerunG. K.nnen das Szenario der sozialen Unruhen verhindern... ".
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Es wird aus mehr, als nur aus Corona-Gründen einen solchen Systemwechsel brauchen: Erstens als Folge der durch die Globalisierung hierzulande in Scharen auf die Strasse gestellten über 50-jährigen Menschen - wir haben uns hier schlicht de-industrialisieren lassen. Alleine schon aus diesem Grunde werden wir die Steuerlasten gerechter verteilen müssen. Das Süppchen, das auch unsere Finanz- und Industrie-Kreise in den vergangenen Jahren gekocht haben, wird hoffentlich auch für den Hintersten und Letzten allmählich zu dünn: Nämlich die Gewinne zu privatisieren und die Kosten zu sozialisieren. Es sind genau diese Kreise, welche auf den Bundesrat einen immensen Druck ausgeübt haben, diese Lockerungen -viel- zu früh einzuführen. Es darf ja rein gar nichts die Party trüben, gell....
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Ach ja, dann ist da noch die Klimakatastrophe, welche momentan einfach nur in den Windschatten der Corona-Krise geraten ist, aber um keinen Deut irgendwie nachgelassen hat. Wir stehen vor historischen Herausforderungen, aber auch vor historischen Chancen...

Nun, es sind letztendlich wir Konsumenten und Wählerinnen, welche den Wahnsinn der letzten rund 4 Jahrzehnte beenden können, nicht wahr?

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Da bin ich absolut bei Ihnen. Ob es allein an uns Wählern liegen wird das zu beenden wage ich zu bezweifeln. Längst werden Entscheidungen durch die Wirtschaft getroffen, weil es die Politik zugelassen hat, rein gewinnorientierte Konzerne System relevant werden zu lassen. Ob sich das ohne grossen Crash zurückdrehen lässt?

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Lieber Herr Eppenberger, ich weiss nicht, wie sie zur Ansicht kommen, dass es mir nicht bewusst sein soll, dass für grosse Teile der Bevölkerung die Pandemie existenzbedrohend ist. Ist diese Schuldzuweisung vielleicht ein bisschen Vorschnell? Ich habe mich ganz klar für eine Öffnung und ein Abwägen ausgesprochen - ein vernünftiges, vorsichtiges Abwägen, das einer kohärenten Strategie und nicht der Lobbying- und Positionierungslogik der Parteien folgt. NICHTS wird der breiten Masse der Arbeitnehmer so schwer schaden, wie ein massive zweite Welle. Die gilt es zu verhindern. Herzlich, DB

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Ich werde den Verdacht nicht los, dass FDP und SVP öffentlich Lockerungen für diverse Bereiche fordern aber insgeheim hoffen, dass diese vom BR nicht vollzogen werden.
So können sie später den entsprechenden Zielgruppen erzählen, sie hätten sich doch immer für sie eingesetzt.

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· editiert

Sie werden einfach auf die kurze Halbwertszeit unserer von Informationen überfluteten Gedächtnisse setzen und schlicht und ergreifend dem BR die Verantwortung zuschieben. Was ja faktisch auch stimmt. Schlussendlich entscheidet der BR....
Dass nicht nur Individuen, sondern auch Gremien eine Bruchstelle haben, wo der Druck dann irgendwann einfach zu gross wird, wen wunderts?

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Lieber Herr F., leider ein nicht unbegründeter Verdacht. Die Hygiene-Massnahmen sind notwendig aber unpopulär. Da besteht natürlich die Versuchung für die politischen Parteien, ihre Gegner dafür verantwortlich zu machen - obwohl sie ganz genau wissen, dass sie unvermeidlich sind. Bei der SVP scheint dies nun die offizielle Strategie zu sein. Am Samstag hat der Parteipräsident ja verkündet, es dürfe auf keinen Fall zu einem zweiten Lockdown kommen, als ob es in der Autorität der Behörden liegen würde, den Epidemieverlauf zu beschliessen. Das ist Politik à la Trump. Und kann den Schaden einer Politik à la Trump anrichten. Herzlich, DB

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Wissen und Glauben
Wir wissen seit 40 Jahren, dass wir das Klima ungünstig beeinflussen, nur glauben tun wir's nicht.
Wir wissen, dass eine mögliche Kriegsführung heute anders aussehen würde, als vor 60 Jahren. Wir glauben aber, dass der Kauf neuer Militärflugzeuge uns davor schützen wird.
Dass eine Viren-Pandemie auch bei uns auftreten könnte, wissen wir spätestens seit dem Aids-Virus, glauben es aber - ziemlich unvorbereitet - erst jetzt.
Wir wissen, dass mit grosser Wahrscheinlichkeit eine zweite, noch stärkere Welle droht, glauben aber verschont zu bleiben. Erst wenn sie dann wirklich eintreffen sollte, wird dieses Ereignis in die zukünftige Strategie zur Verhinderung weiterer Pandemie einfliessen.
Wir müssen wohl oder übel immer zuerst eigene Erfahrungen machen, bevor wir der Wissenschaft glauben.
Das betrifft nicht nur die rechte Politik, auch Linke in Basel glaubten gestern nicht an die Wirkung der Abstandsregel.

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· editiert

Cassis und Maurer tun, wofür sie gewählt wurden: Sie setzen die egoistischen, kurzsichtigen Interessen ihrer Parteifinanciers knallhart durch.
Dies können sie momentan so gut tun, da die andere Seite einen entscheidenden, leider immer wiederkehrenden Fehler machte: Um die lauten und zahlreichen "rechten SchreierInnen" zu besänftigen, wollte man ihnen etwas entgegenkommen, ihnen gefallen - mit verharmlosenden Statements und Handlungsempfehlungen zu Covid19 und öffnete so Tür und Tor für verantwortungslose Forderungen nach Lockerung: Vor zwei Wochen wurde erzählt, dass Kinder nie infiziert werden können, kurz darauf sogar, dass Grosseltern ihre Enkel gefahrlos umarmen könnten. Es gab aber nie eine wissenschaftliche Grundlage für diese Aussagen, noch waren sie nötig - sondern sie sollten die rechten SchreierInnen besänftigen. Es lief wie immer: Die SchreierInnen bekamen Aufwind und Cassis und Maurer vervollständigten das Werk.
Das Rezept ist bekannt, die vernünftige Mehrheit lässt sich immer wieder von der egoistischen und lauten Minderheit übertölpeln. Klimakrise, Asylwesen... Wann endlich begreifen wir, dass wir am Anfang entgegen treten müssen? Dass ExpertInnen nicht zu gefallen brauchen? Dass unsere Gegner*innen nicht "fair" spielen?

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(durch User zurückgezogen)

Ob dem Herrn T. L. der "Blick auf das Ganze" besser gelingt, bezweifle ich. Ich bestreite keineswegs, dass der Lockdown gigantische Summen kostet. Allerdings ist diese Aussage etwas billig. Vor dem Lockdown wurden auch über viele Jahre täglich grosse Probleme geschaffen - darunter ist der Klimawandel nur das grellste. Leute wie Herrn L. hat das offenbar nie gross bekümmert. Es ist auch klar warum: die Kosten dafür fallen nicht unmittelbar an (wenigstens bei uns). Und wenn mir jemand ohne jede Differenzierung etwas über "die Wirtschaft" erzählt, läuten bei mir ohnehin die Alarmglocken. "Die Wirtschaft" als wertfreies Neutrum, als quasi naturwissenschaftliche Grösse gibt es nur in einem bürgerlich geprägten ideologischen Diskurs. Welche Akteure "der Wirtschaft" haben besonders gelitten? Welche haben gar profitiert? Sie sehen, Herr L., "der Blick auf das Ganze" ist nicht so einfach, wenn man den Diskurs nicht einfach mit ideologisch aufgeladenen Schlagworten führen möchte.

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Mir scheint es etwas überheblich, finanzielle Verluste höher zu gewichten als das Leben von ein paar Hunderttausend Menschen, welche zur Risiko-Gruppe gehören. Geld und DinG. K.nnen wieder beschafft werden, die gestorbenen Grosseltern sind unwiederbringlich verloren.

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Lieber Herr L., noch einmal: Ja die Wirtschaft muss wieder funktionieren. Eine zweite Welle wird das längerfristig verunmöglichen als JEDE denkbare Vorsichtsmassnahme bei der Lockerung. Deshalb müssen wir vorsichtig sein - mit dem Blick fürs Ganze. Herzlich, DB

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… ich spiele (statistisch) gesehen genauso keine Rolle wie T. L..
ich werde irgendwie das Gefühl nicht los, dass wir uns eigentlich erst in einem
„warm up“ für die richtig grosse Krise befinden … ja genau die des Klimas. Und ich
werde den Gedanken auch nicht los, dass das was wir jetzt hatten ( weniger Verkehr etc. )
mehr einer neuen Realität entspricht … und ich werde den Gedanken ebenfalls nicht los,
dass wir gerade eine Chance verpassen … ja klar ich bin ein Träumer …
( ich: selbständiger Fotograf … hatte in den letzten 7 wochen nur einen kleinen Auftrag für dieses Medium hier … alles andere brach weg … lebe von bitz erspartem ) träume dennoch weiter …

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Anderer
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· editiert

Die Restaurants sind offen aber keiner kommt? Gastrosuisse hätte vielleicht besser gewartet. Ich habe bald Geburtstag. Wir bleiben ausnahmsweise zu Hause. Ich will mir zuerst die Juni Resultate anschauen.

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Kultur-Anthropologin
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Die beiden Artikel von Daniel Binswanger zu den Lockerungen (diese und letzte Woche) bringen die Problematik perfekt auf den Punkt. Wie beunruhigend, dass nun bereits wieder politische und sonstige Eigeninteressen den Bundesrat von seinem bis jetzt epidemiologischen Fahrplan abbringen. Das ist echt fahrlässig!

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Ich denke wir machen uns im Allgemeinen keine Vorstellung wie sehr unsere Politik durch Lobbies geformt wird. Das wird massiv unterschätzt.

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Ich bin eher nicht einverstanden mit der Analyse und den meisten Kommentaren hier. Der Bundesrat kann es nicht "richtig" machen egal was er macht. Wir wissen zu wenig und was wir wissen, ist teilweise widersprüchlich. Es ist nicht möglich, im "Experiment" wissenschaftlich sauber nur eine Variable auf's Mal zu ändern und zu beobachten, was passiert bevor die nächste Massnahme geändert wird, weil es viele mögliche Massnahmen gibt und zwischen einer Massnahme und einem Resultat ca. 10 Tage liegen. Somit erfolgen die Entscheide zwangsweise politisch wertend, intuitiv und teilwiese zufällig. Es war nie "Fliegen auf Sicht".

Wichtig war es in erster Linie bisher, die Spitalkapazitäten nicht zu überlasten, und das ist in der Schweiz mehr als gelungen. Viele kenn die europäische Übersterblichkeitsstatistik https://www.euromomo.eu/graphs-and-maps nicht. Dort sieht man, dass die Schweiz diesbezüglich im Moment "davon gekommen" ist und auch bei den am meisten betroffenen Ländern das Schlimmste vorbei ist. Das sagt aber nichts aus über eine mögliche "zweite Welle".

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„Wir wissen zu wenig und was wir wissen, ist teilweise widersprüchlich.“ Einverstanden. Aber müsste in diesem Fall die Devise nicht lauten: „lm Zweifelsfall für den Menschen und nicht für die Wirtschaft“.

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Kurt Steuble
thinkabout.ch
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Für die Wirtschaft bedeutet nicht "gegen den Menschen".

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Kurt Steuble
thinkabout.ch
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Dass die Entscheidungen repolitisiert werden, bedeutet schlicht, dass nun die Einflüsse von allen Seiten wieder auf diese einwirken. Das ist ganz einfach dem Volk geschuldet, für das der Bundesrat auch bezüglich der wirtschaftlichen Grundlagen Verantwortung trägt. Es ist das Wesen der Politik und alle Unruhe, die wir nun haben, war absehbar.
Mit dem Beginn der Öffnung beginnen auch die Erwartungen, und die werden in komplexen Problemsituationen enttäuscht. Das Bedürfnis nach Sicherheit muss ständig neu austariert werden - und die Ängste wandeln sich. Die wirtschaftliche Sorge ist genau so existent und legitim wie die diffuse Angst vor Ansteckung.

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Lieber Herr Steuble, dem kann ich zustimmen. Dass eine Repolitisierung irgendwann unausweichlich und legitim ist, ist richtig. Ebenso dass die wirtschaftlichen Sorgen genauso ernst genommen werden müssen wie die gesundheitlichen. Bedenklich ist allerdings, dass ein vernünftiges, epidemiologisch austariertes Öffnungskonzept über den Haufen geworfen wird aufgrund einer politischen Auseinandersetzung, die den Konsens plötzlich zerstört. Das ist eine Entwicklung, die uns sehr teuer zu stehen kommen könnte - gerade wirtschaftlich. Herzlich, DB

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Die Zahl der Ansteckungen ist eigentlich egal und als Mass für die Lockerungen irrelevant und grenzt an höheren Blödsinn. Es kommt doch darauf an wer angesteckt wird und wer stirbt. Immer mehr zeigt es sich, dass das Patientenkollektiv, welches die Intensivstationen überlastete vorwiegen aus übergewichtigen Menschen bestand. Das Übergewicht ist das Resultat einer Esssucht, meist begleitet von einer Alkoholsucht in ein metabolisches Syndrom mündend, was den ganzen Körper schädigt. Die Todesursachen bei der Coviderkrankung liegt oft in einer Verstopfung der kleinsten Blutgefässen und weniger in einer reinen Lungenentzündung. Dieser Prozess wird begünstigt durch eine Kleinstgefässschädigung, wie sie bei den Rauchern häufig vorkommt. Zusammenfassend ist der COVID-Tod vorwiegen die Folge eines Suchtproblems des betroffenen Menschen. Somit muss man hauptsächlich dieses Patientenkollektiv schützen, wenn man die Spitäler funktionsfähig erhalten will und nicht blind, wie es der Bundesrat mit seinen Virologen und Epidemiologen, die ganze Bevölkerung in Geiselhaft nehmen und die Gesellschaft finanziell ruinieren auf Grund von falsch interpretierten Statistiken. Tut mir Leid Herr Binswanger.

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Die Zahl der Ansteckungen ist eigentlich egal und als Mass für die Lockerungen irrelevant und grenzt an höheren Blödsinn.

Ich halte jetzt eher diesen Satz für höheren Blödsinn. Und Ihre eigenartige Theorie zu Covid und Suchtproblematik ebenfalls.

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Leider Kriesen bringen bei vielen Menschen versteckte Gefühle zum erscheinen.
Der Beitrag ist menschenverachtend, egoistisch und eine absolute wissenschaftliche Katastrophe.

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Lieber Herr Reichel, ich bedaure zutiefst Ihnen mitteilen zu müssen, dass Sie sich im Internet einen schweren Egotripper eingefangen haben und lege Ihnen ans Herz einen Spezialisten aufzusuchen, der Ihnen eine hochdosierte Portion Emphaticillin verabreichen könnte. Herzliche Grüße und werden Sie gesund.

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Anderer
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So geht man mit Toten nicht um. BV Art. 7

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Also fassen wir zusammen. 1000e Epidemiologen, Biochemiker, Mediziner etc. haben alle keine Ahnung, aber so ein Typ in einer Kommentarspalte, dem selbst das kleinste Bisschen Solidarität oder Mithefühl ein Femdwort zu sein scheint, der weiss was das einzige Problem ist und bequemerweise kann er auch gleich noch den Betroffenen die Schuld selbst zuweisen um ja keine Verantwortung übernehmen zu müssen...
Diesen Beitrag lächerlich zu nennen ist noch untertrieben Herr Reichel.
Ich bin sicher, dass sie sich mit solch kruden Theorien aus dem Internet Ihren Egoismus rechtfertigen und ihm Platz bieten können, nur angebracht ist das nicht und Zustimmung dürfen Sie zum Glück auch kaum erwarten, was ja schon zeigt, dass die Welt nicht so schlecht ist, wie uns gewisse Kreise immer weissmachen wollen, Ausser man macht sie so...

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Das Problem liegt doch nicht in den Verordnungen von aussen, sondern im Inneren jeder einzelnen Person, die noch nicht begriffen hat, dass ohnehin gestorben wird, dass man selber dem Tod zugeht (als Zustand der Machtlosigkeit) und dem Sterben (als physischer Prozess auf den Tod hin, erzeugt durch Fehlmanipulationen), und dass man diesen Gegebenheiten nicht ausweichen kann. Es ist nur eine Bewusstseinsfrage. Man(n) könnte auch dazu fähig sein, ganz friedlich zu sterben. Wenn Angst vor Tod und Sterben herrscht, so folgt diese aus der Unfähigkeit oder dem Unwillen heraus, sich einfühlsam ins Leben zu integrieren – meist weil man der Illusion folgt, man könne den besagten Gegebenheiten ausweichen, die Probleme seien durch irgend eine Macht und Manipulation lösbar. Darum überall dieses Getue und Gehabe, schon das eigene Bewusstsein mit Ausrufezeichen traktierend anstatt es auszuloten. Es muss nämlich gar nicht schlimm sein, machtlos zu sein. Die Frage ist, ob man sich selber auf die Erfahrung des Auslotens einlässt oder lieber Ausweichen möchte. Es ist für die meisten Menschen schwierig sich einzugestehen, dass es im Leben nicht darum geht, sich willkürlich zu bewegen, sondern zuerst den Gesamtzusammenhang gründlich zu begreifen. Dann leiden sie eben an den Fehlurteilen. Und dann scheinen Verordnungen wichtig zu sein, weil ja die Selbstführung nicht funktioniert. Und durch die Angst wird man manipulierbar. Aber man beklagt sich auch gleich über die Situation, weil Willkür wieder nicht möglich ist. Dahinter steht das Faktum, dass man nicht zum einfühlsamen Begreifen erzogen wird, sondern zur Durchsetzungskraft. So stellt sich diese Zivilisation selber ein Bein … aber das ist okay so, sonst würde sie ja nichts lernen …

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Ein spannender Gedanke, der letztlich in die Irre führen kann. Auf sich als Person selbst bezogen, mag die Überlegung stimmig sein. Wir sollten uns mit unserer Endlichkeit und dem unausweichlich folgendem Tod auseinandersetzen. Das tut uns gut, relativiert vieles im doch so getriebenen Leben.
Die Regierung muss jedoch auch das Wohl und das Leben des Einzelnen berücksichtigen. Die Regierung kann sich dem Verfassungsauftrag nicht entziehen. Bereits in der Präambel steht das eigentlich klar. 'Wirtschaftliche' Rechte, solche es denn wirklich gibt, sind erst viel weiter hinten in den Paragraphen der Bundesverfassung zu deuten. Sie sind immer verstanden als Freiheitsrechte. Die Verfassung schützt das Individuum. Das Volk ist die Summe derer.
Ihre implizite Forderung nach Eigenverantwortung ist der direkte Aufruf zur Entsolidarisierung. Wo liegt hier die Grenze? Es ist ein ethisches Minenfeld. Wenn der politische Wille in der Bevölkerung da ist, Epidemien laufen zu lassen, dann schreiben wir die Verfassung um.
So lange das nicht so ist, muss die Regierung den schwierigen restriktiven Pfad gehen. Das ist ihr Auftrag. Eine zu große Lockerung bedeutet sofort mehr Opfer. Das ist keine einfache Aufgabe. Ich beneide sie nicht darum.
Übrigens kenne ich ein paar ältere Menschen, die heute auf soziale Kontakte freiwillig verzichten zu Gunsten weiterer guter Lebensjahre. Im schlimmsten Fall bei einer Ansteckung bleiben ein paar Wochen. Bei Überleben eines schweren Krankheitsverlaufs drohen dagegen schwere Langzeitschäden. Elias Canetti hast bis zu seinem Tod gegen den Tod angeschrieben. Sich nicht fatalistisch hinzugeben ist legitime Lebenslust. Das gilt für alle, nicht nur für die Gesunden.
Es wäre also nur zu billig die Verantwortung den Risikogruppen aufzuerlegen. Was ist das für eine Solidarität?

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Danke für diesen Diskussionsbeitrag. Von aussen gesehen haben Sie in einem gewissen Sinne recht, aber wie es mit den Beschreibungen eben ist: sie fassen die Rückseite nicht. Ja, der Bund soll durch die Verfassung das Individuum schützen. Aber genau was daran soll er schützen? Doch nicht nur die physische Existenz, das so genannte Überleben, sonst gäbe es keinen Bildungsauftrag und das Wirtschaften stünde zuvorderst. Erst eine gründlich mündige Bevölkerung ist echt demokratiefähig. Warum soll Eigenverantwortung ein direkter Aufruf zur Entsolidarisierung sein? Muss Eigenverantwortung nur Ellbogenfreiheit sein? Das ethische Minenfeld folgt aus den Grundannahmen hinter den Folgerungen. Was eine Epidemie ist und was der Lauf der Dinge, ist eine Frage der Einsichten bzw. der Angst. Wenn Sie sich jetzt die Opferzahlen ganz genau im Detail anschauen, wird wenig differenziert – etwa zwischen 'an' und 'mit' Corona zu sterben. Damit wird der Angst Vorschub geleistet, nicht der Klärung. Das sorgfältige Ausloten der Zusammenhänge ist kein Fatalismus und begrenzt die Solidarität nicht, gibt ihr aber vielleicht eine andere Gestalt. Sie thematisieren wenig, dass es letztlich um Innerlichkeit anstatt Äusserlichkeit geht, denn blosse Äusserlichkeit wird nie echte Solidarität sein.

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Ich verstehe Sie sehr gut Herr Schaerer. Ich halte dies vor allem für eine Angstpandemie, Angst vor dem Sterben und dem Tod. So wie ich das beurteilen kann, sind vor allem die jüngeren und mittelalten Leute davon betroffen, die in einem Kontroll- und Machbarkeitswahn leben und diesen aufrecht erhalten, koste es was es wolle.

Ältere Leute, die sich mit ihrem eigenen absehbaren Lebensende auseinandergesetzt haben, nehmen das deutlich gelassener und möchten auch nicht auf die Intensivstation falls sie schwer erkranken, denn es gibt paliative Möglichkeiten auch einen Corona Tod entschieden zu erleichtern. Ihnen wäre es lieber, sie könnten den Kontakt zu ihren Angehörigen pflegen, anstatt dass sie vom restlichen Leben abgeschottet werden.

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Wo ist der Bezug zum Artikel von Herrn Binswanger?

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in der 'Notwendigkeit' von Verordnungen .... ist der Bezug so schwer zu begreifen ?

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Albert America
Grafik und Webdesign
·

Auch meinen Dank an Daniel Binswanger für die klare Stellungnahme. Bei fast 200 Neuansteckungen täglich in einen "Juhu Lockerung"-Modus zu verfallen ist für mich nicht nachvollziehbar. Es haben sich politische Kräfte verschoben, nicht gesundheitliche Aspekte. Eine solche politische Haltung und damit einhergehende Lobbytätigkeit wie in den letzten zwei Wochen macht mir mehr Angst als das Virus.

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Sehr guter Beitrag! Vielen Dank! Wichtig ist auch der Umstand, dass vor allem Verbände und zwei Parteien gegen den Willen von sehr vielen Restaurateuren und Gewerbetreibenden frühere Öffnungen durchgesetzt haben. Zudem kommen Unterschiede in den verschiedenen Landesteilen dazu. Vielleicht überdenkt mal der eine oder andere Gewerbler seine Mitgliedschaft in seinem 'Verein'?

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Lieber Herr S., vielen Dank für diese Anmerkung: In der Tat, ob die Beizen-Öffnung im Interesse der Restaurateure ist, ist eine offene Frage. Viele haben sich ja dagegen ausgesprochen, weil unter den Bedingungen der scharfen Hygienemassnahmen ohnehin kein Geld zu verdienen ist. Man wird das aufmerksam verfolgen müssen. Ein interessanter Gesichtspunkt: Eine nicht zu vernachlässigende Zahl von Gastro-Betrieben (aber ich kenne die genaue Zahl nicht) haben Pandemie-Versicherungen. Die sind vermutlich nicht mehr zahlungspflichtig, wenn die Zwangsschliessung aufgehoben wird. Weitere Frage: Welchen Einfluss wird die vorgezogene Öffnung auf die Verhandlungen von Gastrobetrieben mit ihren Vermietern haben? Man sollte genau schauen, welche Interessen hier von den bürgerlichen Parteien eigentlich bedient worden sind. Herzlich, DB

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Senior Researcher
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Lieber Herr Binswanger, so wie das verstanden habe, sind viele Betriebe gegen eine Epidemie versichert. Nun aber hat der SARS-CoV-2 aber nicht nur Epidemien, wie in Bergamo, dem Tessin und in Genf, sondern eine Pandemie verursacht und die Versicherungen zahlen nicht. Denn eine Epidemie und eine Pandemie sind nicht dasselbe. Man mag das als Haarspalterei empfinden; es ist aber so.

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Sollten die Fallzahlen wieder massiv steigen, werde ich genau die SVP und die FDP verantwortlich halten.

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In der ganzen Wirtschaftsdiskussion geht vergessen, dass die Schweiz in ganz vielen Bereichen vom Rest der Welt abhängig ist. Ob die Restaurants offen haben oder nicht ist wahrscheinlich nicht sehr relevant. Die Swiss fliegt nicht weil sie nirgends landen darf. Die Industrie ist in KA weil global nichts verkauft wird. Die Hotels wären leer weil keine Gäste vom Rest der Welt kommen. An diesen Fakten kann der BR nichts ändern.

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Lieber Anonymous, guter Punkt. Natürlich ist eine Wiederbelebung der Binnenwirtschaft nicht irrelevant, aber die Schweiz, eines der Länder mit dem höchsten Aussenhandelsüberschuss der Welt, wird davon weniger profitieren als andere Länder. Das wird von den bürgerlichen Parteien regelmässig ins Feld geführt, wenn es darum geht, über Konjunkturprogramme zu entscheiden, auch jetzt wieder. Bei der Abwägung zwischen Eindämmungsstrategie und Wirtschaft spielt es interessanterweise aber plötzlich keine Rolle mehr. Herzlich, DB

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Kurt Steuble
thinkabout.ch
·

Das ist eine unsägliche Aufspaltung, die Sie hier vornehmen! Die Restaurants - das sind tausende von Kleinunternehmen. Und Existenzen ohne entsprechende Reserven - und Freiräume für uns Konsumenten für eine lebendige Freizeitgestaltung. Es ist schlicht GESELLSCHAFT. Die schleunigere Öffnung, als ursprünglich von verkopften Wissenschaftern, die nicht interdisziplinär denken (ist auch nicht ihre erste Aufgabe, ich weiss) angedacht, dynamisiert den ganzen Prozess, weshalb er nicht unkontrolliert sein muss. Die zögerliche Öffnung bedeutet für Zehntausende von kleinen Betrieben und für hunderttausende von Teilzeitangestellten, häufig schwächer gestellte Frauen eine unmittelbare Verschärfung der Not und zunehmende Perspektivlosigkeit.
Unsere Diskussion ist - Verzeihung - ein gutes Stück weit abscheulich theoretisch und von einer Selbstherrlichkeit, die wir hinter der scheinbar so hehren Lebensbewahrung aller Gefährdeten verstecken.

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Ab dem 11.05. werden die Kinder in der Schweiz in die Schule gehen. Aktuelle Studien aus Shanghai und Berlin mahnen zu Vorsicht: Kinder sind so infektiös wie Erwachsene. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind sich infiziert, ist zwar geringer als bei Erwachsenen, aber dieser Effekt wird (vermutlich - das ist noch nicht explizit untersucht worden) durch die viel höhere Kontaktfrequenz und körperliche Nähe, die Kinder suchen, kompensiert.
Das verfügbare Wissen und die renommiertesten Experten weisen darauf hin, dass die Rolle der Kindergärten und der Schulen für die Verbreitung der Covid-19-Erkrankung nicht so unbedenklich eingeschätzt werden kann, wie es das BAG und der Bundesrat suggerieren. Auf Daniel Koch und sein Mantra, dass Kinder bei der Verbreitung des Virus kaum eine Bedeutung haben, vertrauend ( oder diese Auffassung für das eigene politisch motivierte Vorgehen instrumentalisierend) macht man bei den Schulöffnungen in der Schweiz nun keine halben Sachen: Man geht von Beginn an aufs Ganze - der ganze Volksschulsektor wird wieder geöffnet. Wenn man als informierter und besorgter Bürger mit Bildungsdirektion und Primarschulpflege und Schulleitungen den Kontakt sucht und die Risiken besprechen möchte, stösst man auf taube Ohren. Bei den Verantwortlichen möchte scheinbar niemand auf den Anteil persönlicher Verantwortung hingewiesen werden. Sollte das Experiment schiefgehen, wird man sich die Verantwortung hin und her schieben. Gerade auch auf Gemeinde-und Schulleitungsebene beruft man sich darauf, das man tun müsse, was Bund und Kantone vorschreiben. Dabei ist bei der Umsetzung von Hygienemassnahmen in den Schulen selbst viel Potential dafür vorhanden, die Dinge besser oder schlechter zu machen. Elternpartizipation? Transparenz bezüglich der Massnahmenplanung? Bisher nicht zu entdecken.
Hier, in der Agglomeration, sind sehr viele ganz scharf darauf, dass vor allem die Kindergärten und Primarschulen zuerst öffnen. Aus der Sicht der Kinderbetreuungsprobleme in den Familien und aus ökonomischer Sicht ist das verständlich. Aus epidemiologischer Sicht ist das überaus bedenklich.
Wir würden uns dabei aber strafbar machen, wenn wir uns aus rationalen Gründen entscheiden sollten, dass wir unsere Kinder lieber noch nicht in die Schule und den Kindergarten schicken: Das ist ein Dilemma!

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Ich glaube nicht, dass wir uns wegen der Schulen zu viele Sorgen zu machen brauchen. Mich hat überzeugt, was Prof. Pietro Vernazza in seinem heutigen Blog auf infekt.ch zur mangelnden Zuverlässigkeit von Drostens neuester Studie zu diesem Thema geschrieben hat. https://infekt.ch/2020/05/kinder-un…rrung-pur/

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Lieber Herr Binswanger, das ist eben das Schwierige mit der Demokratie - alle wollen mitreden. Vielleicht ist die Kohärenz, die Sie jetzt vermissen, auch ein Zeichen dafür, dass die Regierung in den letzten Monaten nicht alle Teile der Gesellschaft gleich gut einbezogen hat? Dann ist es wohl Zeit, dass wieder das Parlament die Führung übernimmt.

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Grüezi Herr L.
... ich frage mich nur, ob BR oder Parlament anfälliger auf lobbyieren sind. Vom NR erwarte ich nicht allzuviel Konstruktives, eher vom SR.
LGubG. K.A.

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(durch User zurückgezogen)

Sie schreiben einerseits, die "Vorsichtsregeln müssen weiter eingehalten werden" und verteidigen gleichzeitig das jetzige Vorgehen des Bundesrats. Beides passt nicht zusammen. Vorsichtig wäre, eine Lockerung nach der anderen durchzuführen, um im Bedarfsfall richtig eingreifen zu können. Diese Chance geben wir jetzt wahrscheinlich aus der Hand - mir wäre viel lieber, man würde auf Christian Drosten hören und mit Vernunft lockern.
Der wirtschaftliche Schaden ist natürlich in Südkorea viel tiefer - weil die es geschafft haben, das Virus zu kontrollieren. Das ist bei uns auch möglich, aber erst, wenn wir genügend tiefe Fallzahlen haben - ob diese mit den Lockerungen noch möglich sind, darf bezweifelt werden. Erst dann kann man mit einer guten Tracing-App, Masken und vielem Testen das Virus unter Kontrolle halten.
Deshalb ist die Politik von Maurer und Cassis sehr kurzsichtig und schädlich für die Wirtschaft.

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(durch User zurückgezogen)

Ich bin nicht so pessimistisch. Und verteidige hier den Bundesrat. a) die Massnahmen eine um die andere zu lösen und jedesmal 10 Tage zu warten dauert ewig, und b) in der Politik gilt der Leitspruch: "wenn Du erst entscheidest, wenn Du alle Informationen hast, entscheidest Du zu spät (oder nicht mehr, weil andere für Dich entschieden haben)".
Dazu kommt aber: Es gibt neue Informationen dafür, dass weitergehende Lockerungen vertretbar sind. Zuvorderst die Daten aus der Schweiz und Deutschland, die gezeigt haben, dass R0 schon vor dem Lockdown stark zurückging - Veranstaltungsverbot und Distancing haben offenbar viel mehr gebracht als wir im März befürchteten. Aber auch die Daten aus Schweden, die zeigen, dass Corona auch ohne Lockdown im Griff behalten werden kann.
Wir wissen heute immer noch nicht alles, aber mehr. Im März und in der ersten Hälfte April hatten wir nur Schreckensnachrichten aus Italien, Spanien, Frankreich. Der Bundesrat darf und muss seine Haltung ändern, wenn die Fakten ändern.

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Lieber Herr L.,

Ich glaube wir sollten nicht um Worte schreiten. Natürlich kann man sagen, dass der Begriff "Repolitisierung" einexakt ist, weil erstens alle öffentlichen Entscheidungen in ihrem Kern immer politisch sind und weil zweitens nicht-politisch in der Regel nur bedeutet, dass politischer Konsens besteht. Dennoch wird der Begriff gebraucht um den Vorgang zu bezeichnen, wenn als objektiv geltende Tatsachen und sich aus diesen ableitende Strategien plötzlich zum Gegenstand der politischen Auseinandersetzung werden. Extreme Formen der Repolitisierung kann man in den USA beobachten, wo Trump selbst basalste Zahlen zu politischen Meinungen seiner Gegner erklärt.
Sie haben im Übrigen vollkommen recht: Die wirtschaftliche Wiederbelebung ist extrem wichtig. Deshalb sollten wir rational handeln und wissen, was wir tun. NICHTS wird die Wirtschaft mehr beschädigen als eine massive zweite Welle. Südkorea ist tatsächlich ein gutes Beispiel: Die Koreaner sind Testweltmeister, haben ein extrem offensives Monitoring, und handeln blitzschnell, wenn sie irgendwo ein Aufflackern feststellen können. Korea ist keine Beispiel für Überstürzung. Herzlich, DB

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Tobias Oetiker
Full Stack Engineer
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Im Moment erleben wir das grösste je in der Schweiz unternommene Forschungsprojekt in Epidemiologie und das ganz ohne lästige Einmischung von Ethikkommissionen und mühsamer Auseinandersetzung mit sauberem Studiendesign!

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Ich verstehe die Strategie des Bundesrates so, dass er an die Eigenverantwortung der Leute appelliert. Der Aspekt der Verantwortung für sein Leben und die eigene Gesundheit wird in der Diskussion zu wenig berücksichtigt. Eine Lockerung scheint mir der richtige Weg und die Leute können sich weiterhin mit entsprechenden Massnahmen so verhalten, um das Risiko einer Ansteckung klein zu halten. Niemand sagt, let's party again. Die Risikogruppen sollen natürlich weiterhin geschützt werden. Wer jedoch sein Leben lang Raubbau mit seiner Gesundheit treibt, sollte auch bereit sein die Konsequenzen dafür zu tragen und die Grösse haben seine Patientenverfügung entsprechend zu formulieren.

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Selbst Verantwortung wird von den Menschen verlangt. Von die Wirtschaftskapitäne gar nichts. Warum sie nicht statt Bonie und Exorbitante Löhne genug Reserven für Kriesen Situationen aufgespart.

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Und jetzt braucht es nur noch Experten, die feststellen, wer "sein Leben lang Raubbau mit seiner Gesundheit" getrieben hat, die dann gleich mithelfen "seine Patientenverfügung entsprechend zu formulieren"?? Ich hoffe sehr, dass sie ihren letzten Satz nicht so meinen, wie man das verstehen könnte.

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Vielen Dank für diesen wichtigen Artikel zur Situation.Er analysiert die aktuelle Lage treffend. Ich gehe bis Mitte Juni sicher in kein Restaurant , Fitnesscenter usw., sondern warte die Entwicklung ab und halte bis dann meine Vorsichtsmassnahmen bei.

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· editiert

Blindflug war schon vor Beginn der Epidemie das Problem. Militär hat Milliardenbudget gegen allfälligen Feind, während Budget für Bevölkerungsschutz dahin darbt, trotz wiederholten reelen Bedrohungsszenarien wie SARS etc? Budgets stehen in keinem Verhältnis zur effektiven Risiko/Kosten Analyse. Das meiste wurde bereits im Vorfeld verpennt. War offensichtlich nur ein Frage der Zeit bis sich ein neuartiger Virus durchsetzt. Surprise surprise? Not so much.
Dann zögerliche Massnahmen (mangels Daten und oder Lernbereitschaft von anderen Staaten) was wiederum kostbare / teure Zeit, Menschenleben und Geld gekostet hat.

Und nun dasselbe im Rückwärtsgang? Lockerungsmassnahmen basierend auf wackligen Daten und / oder politischen Motiven. Mein Ratschlag wäre: wenn man nichts zu sagen hat, lässt mans besser dabei bleiben. Und wenn man was zu sagen hat und das auch schlüssig belegen kann, dann bitte laut, deutlich und präzise kommunizieren. Aber auch "erwähnen" was man eben (noch) nicht schlüssig weiss. Damit wäre wenigstens mehr Klarheit und Ruhe geschaffen.

The rant could go on and on. But I feel tired. An einem gewissen Punkt knickt der Glauben in die Fähigkeit der Entscheidungsträger, die Situation richtig zu beurteilen und lenken. Und auch das Vertrauen in die kommunizierten Inhalte und Motivationen.
Bin sonst ein einigermassen integrer Mensch, aber das sich präsentierende Bild hinterlässt bei mir mehr Fragen als Antworten und vor allem viel Misstrauen gegenüber den "Autoritäten".

PS: Weiss nicht mehr als irgendwer, aber in ungewissen Zeiten ist es genauso wichtig zu wissen, was man nicht weiss!

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Ceterum censeo zum Tracing:
"es gab letzten Mittwoch 143, am Donnerstag 179 Neu­ansteckungen –, dass sie sich allmählich den 100 Fällen nähern würden, die als obere Zielgrösse angegeben wurden, um spätestens am 11. Mai flächen­deckend zum Contact Tracing übergehen zu können"

Nachdem in Hong Kong und Südkorea "Testing. Tracing. Isolate" so gut funktioniert hat (kein Lockdown und nach 2 Monaten kaum mehr Infektionen, manuelles Tracing) finde ich es schon erstaunlich, dass man nicht die Tracing-Kapazitäten der Zahl der Infektionen anpasst. Jedes Unternehmen würde versuchen, so einer erhöhten "Nachfrage" zu begegnen. Und Arbeitskräfte sind ja genug freigesetzt worden.

Zumal mit den Lockerungen die Fallzahlen wieder ansteigen werden. D.h., das Kernstück der asiatischen Strategie (manuelles Tracing) wird jetzt doppelt wichtig. Falls die Tracing-App mal kommt und dann mal genug verbeitet eingesetzt wird - tant mieux!

Ich finde es sehr seltsam, wie wenig aktiv unser Staat in Fragen manuelles Tracing und Betreuung der Menschen in der Isolation seit 10 Wochen unterwegs ist. Denn die 2. Welle rollt heran, liebe Behörden! Garantiert!

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Vor allem könnte der Bund ja Angehörige der Armee oder des Zivildienstes dafür aufbieten. Personalmangel sollte dafür also sicher kein Argument sein.

Ich finde es auch fragwürdig, dass man erst ab 11. Mai wieder überall mit Contact Tracing beginnen will. Wieso nicht jetzt schon, aber halt vielleicht nur zu jeweils 100 Neuansteckungen, wenn die Kapazitäten nicht ausreichen sollten?

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Und sonst stellt man ein paar hundert Leute halt einfach ein, ganz normal. Die Kosten wären ein Klacks verglichen mit den Kosten des Lockdowns. Organisieren, einstellen, schulen. Das wäre halt Knochenarbeit für die Behörden, satt Sitzungen und Beratungen im Homeoffice.

Südkorea, 50 Mio Einwohner (Seoul 10 Mio), kein Lockdown, gestern noch 5 Neuinfektionen.
Hong Kong, 7,5 Mio Einwohner, kein Lockdown, seit 5 Tagen 0 Neuinfektionen.
Und gegen die Städte dort sind die unsern ruhige Dörfer, ohne jeden Dichtestress. Vom ÖV ganz zu schweigen. Wir hatten jetzt schon 10 Wochen Zeit, etwas zu lernen!

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Das BAG kommuniziert bekanntlich seine Daten nur spartanisch und benutzerunfreundlich. Im Tagesbericht sieht das dann so aus:
"Zeitlicher Verlauf
Die Zahl der durchgeführten Tests auf SARS-CoV-2, dem Erreger von COVID-19, belaufen sich bisher insgesamt auf mehr als 276 000. Bei 13% dieser Tests fiel das Resultat positiv aus."
Das ist allerdinG. K.in zeitlicher Verlauf, sondern der Durchschnitt über alle Tests. Wenn man sich die Mühe macht die täglichen Resultate zu notieren, ergibt sich für die letzten Tage folgendes (neue Fälle/Anzahl Tests=% positive Resultate): 2.5. 112/4500=2.5%, 1.5. 119/5500=2.2%, 30.4. 179/5700=3.2%, 29.4. 143/4000=3.6%. Zum Vergleich 6.4. 562/4560=12.5%, 3.4. 933/6470=14.4%.
Seit kürzlich gibt es mehr Daten vom BAG, unter anderem diese graphische Darstellung:
https://covid-19-schweiz.bagapps.ch/de-3.html
Hier sind die Prozentzahlen etwas höher als die aus dem Tagesbericht berechneten, wahrscheinlich weil das BAG immer mal wieder ältere Daten hinzufügt. Aber das ist ein anderes Problem. Ihr habe ja gut und ausführlich darüber geschrieben, wie das BAG zu seinen Daten kommt.

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Herr Binswanger schreibt, dass die bisherige Eindämmungsstrategie des Bundesrates «effizient, gezielt und erfolgreich» gewesen sei. Woher er das nur weiss? Offensichtlich scheint, dass die verordneten Massnahmen die Ausbreitung der Infektion massiv reduziert hat. Ob das Vorgehen dazu effizient zu beurteilen ist, wird man voraussichtlich zu einem späteren Zeitpunkt ansatzweise einschätzen können. Es ist schliesslich nicht ausgeschlossen, dass Distanzhaltung und verbesserte Hygiene ausreichend gewesen wären, um das deklarierte Hauptziel zu erreichen, die Verhinderung des Kollapses des Gesundheitssystems. Und ebenso scheint die Frage berechtigt, ob die Gefahr von weiteren exponentiellen Infektionswellen und zwar solchen, die das Gesundheitssystem effektiv überfordern, durch eine zu rigorose Verhinderung von Infektionen begünstigt werden könnte.
Auf Sicht geflogen ist in der Corona-Krise meines Erachtens noch niemand der Entscheidungsträger. Ihre Entscheidungen stehen allesamt im Dunst der Ungewissheit. Risikoabwägungen sind in solchen Situationen in hohem Mass emotional gesteuert. Und es ist gut nachvollziehbar, dass die Angst vor aktuell, täglich, stündlich auftretenden Krankheiten mit Todesfällen die stärkere argumentative Kraft entwickelt hat als der Blick auf die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Nebenfolgen des Lockdowns im weiteren Horizont. Dass dieser Blick nun etwas mehr Einfluss gewinnt, kann man begrüssen vor dem Hintergrund, dass nun etwas mehr Variation in die Trial-and-Error-Dynamik kommt, der sich aktuell keine Regierung entziehen kann. Auch wenn man es sich noch so sehr wünschte, wie Herr Binswanger, an einer heilsbringenden «kohärenten Strategie» festzuhalten.

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Lieber Herr H., ich gebe Ihnen recht, dass das Grundproblem die Unwissenheit ist, die objektiv gegeben ist und mit der wir alle zu kämpfen haben. Es ist theoretisch auch möglich, dass ein vergleichbares Ergebnis der Kurvenabflachung mit weniger einschneidenden Massnahmen hätte erzielt werden können. Dennoch war die gewählte Strategie "effizient", in dem Sinne, dass sie gewirkt hat. Ich glaube, das dürfen wir positiv vermerken. Ich habe in all meinen Kommentaren nicht für mehr plädiert, als dafür, dass wir mit dieser Unwissenheit intelligent umgehen. Ich glaube, so weit sind wir uns einig. Es ist aber nicht intelligent, die Etablierung und das genaue Monitoring über den Haufen zu werfen, weil man vor politischen Druckversuchen einbricht. Es erscheint mir auch ein inkohärentes Ad-hoc-Argument zu sein, zu behaupten, eine überstürzte Öffnung könnte die Wahrscheinlichkeit einer zweiten Welle senken. Und noch einmal: Es ist absolut gewiss, dass nichts wirtschaftlich so schädlich wäre, wie eine massive zweite Welle - ganz egal, wie wir dann reagieren werden, wenn sie kommt. Mit herzlichen Grüssen, DB

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Kürzlich beschäftigten wir uns in der Republik mit der Qualitätskontrolle bei den zitierten Daten aus der Wissenschaft. Ein dringender Kandidat sind Kommunikationen zur R0-Zahl - wie zum Beispiel diejenige des EPFL-Professoren Fellay. Ohne Bezug zum Ausgangsniveau der Erkrankten / Infektiösen und über kurze Fristen ist R0 unbrauchbar für die Einschätzung der Infektionssituation. Aber da wir R0 jetzt schon kennen, zitieren wir sie jetzt halt immer und überall
Weshalb unbrauchbar - ich erklär's an einem Beispiel: Wenn sich die Zahl der nachgewiesenen Infektionen über einen Monat, sagen wir im nächsten Sommer, von 50 auf 100 erhöht, dann würde man sagen, das Niveau ist klar im grünen Bereich, unmittelbar keine Massnahmen nötig. Sicher, man hofft dass diese Infektionen nicht in Altersheimen stattgefunden haben, man müsste die Zahlen im Auge behalten, um zu unterscheiden, ob sich hier ein exponentieller Aufschwung vorbereitet, ob es ein Effekt der systematischeren Tests infolge des Tracing oder bloss statistische Unschärfe ist. Aber für sich kein Anlass, um die Lockerungen in Frage zu stellen. Doch die Epidemiologen werden einen R0 von deutlich über 1.0 feststellen. Das Ganze nennt sich auch Basiseffekt
Deshalb: Die Wirkung der Lockerungen allein an der Entwicklung des R0 ohne Bezug auf die Basiszahl der aktuell Erkrankten festzumachen, ist wissenschaftlicher Nonsense. Und ein R0 von deutlich über 1.0 über den ganzen Sommer ist unbedenklich, solange die Infektionszahlen im tiefen dreistelligen Bereich bleiben.

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Lieber Herr R., dieser Einwand ist wirklich unqualifiziert. Ja die R0-Zahl als solche ist (auf kurze Frist) nicht entscheidend, bei niedrigen Fallzahlen sind steigende Fallraten (für einen gewissen Zeitraum) hinnehmbar. Die harte Währung in diesem Kontext sind die Hospitalisierungs-, die Intensivbetreuungs und die Todesfallzahlen. Genau mit diesen Arbeitet Herr Fellay, genau diese zitiere ich. Herzlich, DB

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Man muss schon anerkennen, dass es nicht bei ein paar Hundert Infizierten bleiben wird, wenn R0 deutlich über 1 liegt. Es ist das Wesen eines exponentiellen Wachstums, dass es am Anfang lange völlig unbedenklich scheint, um dann innert kürzester Zeit völlig ausser Kontrolle zu geraten

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Michel Rebosura
Ratsmitglied Project R Genossenschaft
·
· editiert

Lieber M. R., ich kann sehr gut verstehen, wenn Sie die Gefährlichkeit der Pandemie optimistischer einschätzen wollen als, sagen wir, Menschen in Bergamo oder New York. Und wenn Sie deshalb den Lockdown ablehnen und so rasch wie möglich Lockerungen durchsetzen wollen. Doch wenn Sie sagen:

Die Wirkung der Lockerungen allein an der Entwicklung des R0 ohne Bezug auf die Basiszahl der aktuell Erkrankten festzumachen, ist wissenschaftlicher Nonsense.

Dann können Sie sicher sein, dass die Einschätzung der Epidemiolog*innen und Gesundheitsexpert*innen im BAG nicht an nur einem Indikator abhängt, sondern immer das Gesamtbild miteinbezogen wird. Doch was sagt «R0» aus? Betrachten wir ihre Aussagen:

Und ein R0 von deutlich über 1.0 über den ganzen Sommer ist unbedenklich, solange die Infektionszahlen im tiefen dreistelligen Bereich bleiben.
bei einem R0 von, sagen wir, zwischen 1.0 und 1.5 hängt es von der Zahl der Infizierten ab, ob das Wachstum unbedenklich oder gefährlich ist.

Repetieren wir, was die «Basisreproduktionszahl», «R_0», anzeigt:

Die Basisreproduktionszahl gibt an, wie viele Menschen von einer infektiösen Person durchschnittlich angesteckt werden, wenn kein Mitglied der Population gegenüber dem Erreger immun ist (suszeptible Population).

Bei COVID-19 beträgt sie 2,4 bis 3,3 (RKI), 2 bis 2,5 (WHO) und 5,7 (CDC).

Gegenwärtig sprechen wir meist von der sog. Nettoreproduktionszahl R, also

die Nettoreproduktionszahl zu einer bestimmten Zeit R_t sowie die effektive Reproduktionszahl R_eff, die an die englische Bezeichnung effective reproduction number angelehnt ist.

Was gibt sie an?

Die Nettoreproduktionszahl wird von der Basisreproduktionszahl abgeleitet und gibt an, wie viele Menschen ein Infizierter durchschnittlich ansteckt, wenn ein gewisser Teil der Bevölkerung immun ist oder bestimmte Eindämmungsmaßnahmen wie Quarantäne getroffen wurden.

Die Basisreproduktionszahl bleibt zwischen 2,4 bis 5.7, doch die effektive Reproduktionszahl beträgt v. a. aufgrund der Hygiene- und Lockdownmassnahmen gegenwärtig ca. 1. Das heisst, eine Person steckt im Durchschnitt eine weitere Person an. Klingt erstmal gut, da dies statt exponentiellem nun linearem Wachstum entspricht. Doch in den USA bedeutet dies immer noch jeden Tag ugf. +30’000 Infizierte und +2000 Tote. Nötig wäre konstant R_eff < 1.

Rechnen wir nun ihr Szenario nach:

  • effektive Reproduktionszahl: Sagen wir 1.25

  • den ganzen Sommer: 90 Tage

  • Infektionszahlen bleiben im tiefen dreistelligen Bereich bleiben: < 500
    Setzen Sie nun als Anfangswert 1 ein, also zu Beginn besitzen wir eine infizierte Person. Und multiplizieren nun mit 1.25:

  1. 1

  2. 1.25

  3. 1.9

  4. 547.4

  5. 821.0

  6. 1231.5

Also: Schon nach 17 Tagen wurde der «tiefe dreistellige Bereich» verlassen. Nach 19 Tagen sind wir im 1000er-Bereich! Und dass nur bei einem Anfangswert von 1, was wohl nicht der realen Situation entsprechen würde.

Sie sprechen nun von «Basiseffekt». Was bedeutet er?

wenn bei zunehmender absoluter Größe hohe prozentuale Zuwächse immer schwieriger werden. Teilweise bezeichnet man auch den Eindruck hoher Steigerung, die aber nur einem kleinen Basiswert geschuldet ist

Oder auf Englisch:

the tendency of a small absolute change from a low initial amount to be translated into a large percentage change.

Das Beispiel ist, um erneut den Anfangswert 1 zu nehmen:

  1. 1

  2. 2 (+ 100%)

  3. 3 (+ 50%)

  4. 4 (+ 33%)

  5. 1000 (+ 1%)

Das ist jedoch die Abbildung eines linearen Wachstums. Aber so funktioniert exponentielles Wachstum mit einer Reproduktionszahl von > 1 nicht.

Recht gebe ich Ihnen, dass die Steigerung von R_eff von einem Tag zu einem anderen noch nichts aussagt. Doch, wie gesagt, wird nicht nur dieser Wert, sondern das Gesamtbild eingeschätzt.

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Michel Rebosura
Ratsmitglied Project R Genossenschaft
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Marcel Salathé hat zusammen mit Coder Nicky Case einen sehr eingängigen Simulator für COVID-19 kreiert, der auch step by step alle relevanten Begriffe, Indikatoren und Szenarien erläutert. Für alle, welche wissen wollen: «What Happens Next?»

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Eine Repolitisierung der Entscheidungsprozesse ist nicht verwerflich, sondern sehr begrüssenswert.
Die Wissenschaft sollte eine die Entscheidungsgrundlage dazu liefern. Da es hier aber verschiedene Fachrichtungen zu berücksichtigen gibt, müssen die Abwägungen und Entscheidungen von der Politik kommen.
Wenn man einzig die Virologie einkalkuliert, wäre das beste Vorgehen, um jedes Jahr Todesfälle zu verhindern ein kompletter Lockdown in der Grippesaison. Da wird zum Glück eine politische Abwägung der Folgen vorgenommen.

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Schon klar, es sind vor allem die Betriebswirtschafter, auf welche in einer Epidemie gehört werden soll, während die Virologen nur lästige Schwarzseher sind...
Bei der Grippe wird tatsächlich abgewogen, wie stark sie die Mortalität beeinflusst. Die Zahlen welche herumgereicht werden, um die Impfung besser zu verkaufen, sind lächerlich unwissenschaftliche Behauptungen, welche die erhöhte Mortalität der Wintermonate allein der Grippe zuordnen.
Im Moment sterben tatsächlich deutlich mehr Menschen, und wir sollen uns vor allem ums Geld kümmern?

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Schon interessant wie schnell man missinterpretiert wird.
Ich habe keine Abwägung zwischen Virologie und Betriebswirtschaftlehre (habe ich nicht mal erwähnt) gemacht. Wenn dann ginge es eher um die Volkswirtschaftslehre.
Ich komme übrigens aus keinem der beiden Bereiche, habe aber durchaus eine naturwissenschaftliche Ausbildung und kann ganz gut abschätzen, welche Behauptungen unwissenschaftlich sind.
Die Aussage war, dass die Abwägung der gesundheitlichen und wirtschaftlichen Folgen die Politik treffen muss. Und da scheint es mir logisch, dass nicht immer Einigkeit besteht.
Meine persönliche Einschätzung ist, dass zusätzliche Todesfälle kaum zu verhindern sind wenn der Lockdown nicht eine sehr lange Zeit durchgezogen wird. Da sehr viele Ansteckungen unentdeckt bleiben wird wohl ein contact tracing nicht sehr erfolgreich sein. Ob wir die Todesfälle nun früher haben (wie Schweden) oder mit einem verlängerten Shutdown um ein paar Wochen oder Monate verschieben, scheint mir dann im Vergleich zu den wirtschaftlichen Folgen, die leider wieder mal die Schwächsten am härtesten treffen werden, eine geringere Priorität. Deshalb kann ich die Lockerungsmassnahmen gut nachvollziehen, obwohl ich mit den politischen Akteuren, die diese forcieren sonst so gut wie nie einer Meinung bin. Das wird dann auch sicher wieder kommen, wenn es darum geht, wer die Kosten der Wirtschaftskrise übernimmt.
Ich bin aber froh, dass ich diese Entscheidung nicht treffen muss und kann auch ganz gut andere Meinungen nachvollziehen.
Dass allerdings eine Repolitisierung der Entscheidungsprozesse kritisiert wird, kann ich nicht verstehen.

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· editiert

Lieber Daniel Binswanger
Vor einiger Zeit habe ich Sie - Ihre Kolumne - in einem etwas kritisch-enttäuschten Einwurf zur Reportage der REPUBLIK als einzig versöhnenden Anker identifiziert.
Doch heute bin ich ein bisschen ernüchtert über Ihren Rundumschlag gegenüber der neuerdings ein bisschen dynamisierten offiziellen Politik.
So weit ich sehe, war das "Fliegen auf Sicht" von Anfang an eine bequeme Selbst-Täuschung !

  • sowohl unserer Regierung und ihres zugehörigen Apparats

    das fand ich zwar von Anfang an klar, aber auch verständlich und weithin vertretbar

  • als auch seitens der REPUBLIK, die sich (sehr reflektiert und profi-seriös) sofort anpasste
    > das fand und finde ich jedoch nicht nur erschreckend, sondern auch etwas kläglich
    … meine Einwände wurden intern, trotz rein sachlicher Kritik, nicht sonderlich geschätzt
    … es wurde, wie alles, was "nicht stimmt", als Quatsch oder Beleidigung ausgegrenzt
    Ich finde, Patrick Venetz bringt’s in seinem heutigen Podcast sehr genau auf den Punkt - auch wenn ich mir nicht ganz sicher bin, ob es lustig, selbstkritisch oder sarkastisch gemeint ist:
    "… nur das was wichtig ist und stimmt - den Rest lassen wir weg !"
    Das könnte ja witzig tönen, wenn es nicht genau dem entsprechen würde, was die REPUBLIK in den letzten Wochen zur Polit-Pandemie geliefert hätte.
    Ich finde aber, dass das für eine REPUBLIK in so kritischer Situation nicht genügen kann !
    Disqualifizierung und Ausgrenzung einerseits und Selbst-Überschätzung anderseits

  • Hand in Hand.
    Der Flug war niemals "auf Sicht" - nur waren das Katastrophen-Profil und das zugehörige Argumentations-Dispositiv so klar wie einseitig - und damit leicht zu adaptieren.
    Schön, diese (Selbst-)Täuschung ist jetzt (hoffentlich) vorbei …
    Werfen wir also endlich alles auf den Tisch und verhandeln es gemeinsam, offen und gleich (in-)kompetent;

  • die sogenannten Kompetenzen haben bisher alle versagt

  • den Behörden mache ich dabei die wenigsten Vorwürfe
    Warum nicht endlich anerkennen, dass die politische "Entwicklung gefährlich" ist ?
    … und dass der 'Generalstab’ als alleiniges Zugpferd in den Stall zurück gehört ?

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Lieber Herr H.,

Die Republik hat laufend kritisch über die offizielle Politik berichtet. Das ist unsere Aufgabe. Ich verweise nur auf die Arbeiten von Adrienne Fichter, auf unsere Texte zu Masken oder Intensivbetten. Auch meine Kommentare führen seit Wochen eine Auseinandersetzung mit der Regierungspolitik, die durchaus kritisch zu nennen ist. Dass alles diskutiert werden muss - und dass Fehler gemacht worden sind erscheint mir als Selbstverständlichkeit. Könnten Sie präzisieren in welchem Bereich wir versagt haben? Herzlich, DB

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Köchin
·

Danke Daniel Binswanger, für ihre klugen Zeilen. Mich holt immer wieder dieser Satz ein: ich weiss nicht, wer ihn geäussert hat: "Diese Zeit erlaubt uns, keine Ahnung zu haben."
Mir bereitet das "Contact Tracing" ein Unwohlsein. Was ist das genau? In der Zwischenzeit halte ich mich an: chi và piano, và sano è lontano.

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""Contact Tracing" ....Unwohlsein ... Was ist das genau?"

Jeden positiv Getesteten persönlich anrufen, versuchen durch Befragung jeden relevanten Kontakt zu ermitteln, dort wieder nachhaken und die Kette möglichst zu unterbrechen. Das macht Hong Kong, das macht Südkorea. Hong Kong ist eine Stadt mit 7,5 Millionen Einwohnern, viel ÖV und hat seit 5 Tagen keinen Ansteckung mehr gefunden, alles ohne Lockdown. Südkorea überwacht isolierte Personen während der gesetzlich angeordneten Isolation per App (14 Tage, das scheint mir verhältnismässig), betreut sie aber auch aktiv.

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(durch User zurückgezogen)

Eine generelle Frage, warum sind gewisse Kommentare unsichtbar?

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Das ist wenn man einen eigenen Beitrag löscht. Er wird nicht wirklich gelöscht, sondern unsichtbar.

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Trump ist auch für schnelle Lockerung. Hoffe sehr, dass wir bald nicht mit amerikanische Verhältnisse zu tun haben.

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Beitragswilliger Leser
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Lieber Herr Binswanger. Bei allem Respekt, ich finde den Beitrag weder weise, noch inspirierend noch neuartig, visionär, wies zur Republik passen würde. Zwar, wie üblich, wunderbar formuliert, aber von den Grundüberlegungen her, sorry, kaum über eine kurze Nase hinaus gedacht. Warum? Erstens, weisen Sie nicht auf das Offensichtliche hin: Fliegen auf Sicht oder ein Blindflug ist bei Nebel einerlei. Weder Experten, noch die Wirtschaftsvertreter oder Politiker können voraussagen, was welche Konsequenzen hat und wie was wirkt. Die Besserwisserei ist doch, mit Verlaub, einfach nur altbacken. Zweitens in einer Situation, wo niemand etwas sicher voraussehen kann, ist es doch nicht weise, zu emotionalisieren und auf jene einzuschlagen, welche Entscheidungen fällen, auch wenn die mal eine Kursänderung beschliessen. Im Gegenteil, da muss man doch für Flexibilität und Solidarität werben. Drittens ist es nicht inspirierend. Warum, so frage ich mich, weist die Republik nicht auf die effektiven Defizite beim Ganzen hin? Warum gräbt sie nicht tiefer? Dabei würde es doch Spannendes geben. Da wird doch z.B. überall von Exit-Strategien gesprochen, aber niemand diskutiert ernsthaft wo wir überhaupt aussteigen wollen. Dies obwohl allen klar sein dürfte, dass dort wo wir eingestiegen sind, wir nicht mehr raus können. Warum zeigen Sie nicht z.B. anhand von Covid19 auf, was Schwächen unseres kollektives Entscheidbrimboriums sind? Das Wettbewerben und sich gegenseitig übertrumpfen und wie die Medienlandschaft da munter mitmacht, statt Brücken zu bauen. Darauf hoffe ich noch und freu mich drauf.

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Für mich der erste schwache Kommentar,, da einseitig, den ich von Daniel Binswanger lese. Wenn der Bundesrat etwas nicht gemacht hat, dann war das "Fliegen auf Sicht". Möglicherweise verliess er sich am A fang auf Modellberechnungen von Epidemiologen, die sich dann als nicht sehr hilfreich erweisen, weil sich deren Annahmen für die tatsächliche Entwicklung der Dinge als falsch erwiesen. Man hatte den Eindruck, dass der Bundesrat selten bis neuere Ergebnisse in seine Betrachtungen einfliessen liess und die Kommunikation eher nach pädagogischen Grundsätzen erfolgte. Es sollte sich herumgesprochen haben, dass die Infektionsrate keine taugliche Grösse ist, da das Messen in den verschiedenen Ländern zu unterschiedlich ist. In den BAG-Bulletins wurde jeden Tag erwähnt, dass die Schweiz eine der höchsten Raten in Europa habe, bis es vor kurzem aufgegeben wurde. Zentral für "auf Sicht fliegen", könnte die ETH-Studie über die Reproduktionszahl (R) sein. Für viele ist klar, dass Tanja Stadler die Ergebnisse ihrer eigenen Studie relativierte, um keine allzu grosse Diskrepanz mit der Strategie des Bundesrates entstehen zu lassen (siehe auch Beiträge zu "Wie wir mit Studien und Statistiken zu Corona umgehen"). Anstatt nur Fallzahlen des BAG zu betrachten, ist es z.B. aussagekräftiger, die Prozentzahl positiver Tests zu betrachten. Sie ist auf etwa 3 % gesunken, verglichen mit von über 15 % in der Hochphase. Vielleicht hat ja der Bundesrat seine Strategie aus faktischen Gründen etwas geändert. Natürlich gibt es Druckversuche, zum Teil auch aus rein politischen Gründen, aber man kann die wirtschaftlichen Aspekte der Krise nicht ausklammern. Für mich bedeutet "Fliegen auf Sicht" möglichst datenorientiert zu handeln und, wo keine Daten vorhanden sind, diese zu erarbeiten. Beispiel: Herr Koch sagte vor ein paar Tagen, er wisse nicht, wie die jetzigen, neuen Infektionen zustandekämen. Dazu brauche es eine Studie. Dann macht diese Studie doch!

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Michel Rebosura
Ratsmitglied Project R Genossenschaft
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Anstatt nur Fallzahlen des BAG zu betrachten, ist es z.B. aussagekräftiger, die Prozentzahl positiver Tests zu betrachten. Sie ist auf etwa 3 % gesunken, verglichen mit von über 15 % in der Hochphase.

Könnten Sie uns die Quelle oder das Kalkül für ihre Aussage transparent machen? Danke!

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Michel Rebosura
Ratsmitglied Project R Genossenschaft
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Womöglich verwechseln Sie die positivity rate mit der test rate. Nehmen wir die aktuellen Zahlen, so haben wir:

  • Bevölkerung CH: 8'654'622

  • Anzahl Fälle: 29'705

  • Anzahl Tests: 271'500

  • -> Testrate: 4%

  • -> Positivity Rate: 11%

Die (einzigen) durchgehend deklarierten Zahlen des Kanton Genf ergeben Positivity Rates von:

  • 25.2. - 14.3.: 0% - 9%

  • 15.3. - 21.3.: 11% - 18%

  • 22.3. - 6.4.: 20% - 25%

  • 7.4. - 1.5.: 25% - 20%

Vielleicht rechne ich ja falsch, aber so hab ich die Positivity Rate (Anzahl Tests/Anzahl positive Fälle) verstanden.

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Und wird immer behauptet : alle Menschenleben unabhängig vom Alter gleichwertig sind.
Wären die Meinungen, die Argumente und die Entscheidungen gleich geblieben, wenn die ca. 1500 Toten zwischen 20 und 40 Jahre alt wären?

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Senior Researcher
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Lieber Herr Binswanger, so wie das verstanden habe, sind viele Betriebe gegen eine Epidemie versichert. Nun aber hat der SARS-CoV-2 aber nicht nur Epidemien, wie in Bergamo, dem Tessin und in Genf, sondern eine Pandemie verursacht und die Versicherungen zahlen nicht. Denn eine Epidemie und eine Pandemie sind nicht dasselbe. Man mag das als Haarspalterei empfinden; es ist aber so.

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