«Darf der das?»

Abo #127

Carlos Hanimann

Reporter
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Sollten Sie Carlos Hanimann kennenlernen, werden Sie beeindruckt sein: von seiner Höflichkeit, seiner Freundlichkeit, seiner guten Laune. Aber Sie haben Pech: Sie werden ihn lesen. Hanimann ist der Mann für Geschichten ohne Happy End, sein Gebiet ist das Zähe, Finstere, Uferlose: Justiz, Steuervermeidungsindustrie, Geheimdienste, Lobbys. Er schrieb etwa über die Profiteure im Asylbusiness, die St. Galler Heroinszene (wofür er den Ostschweizer Medienpreis erhielt) oder über den Versuch einer Todesschwadron aus Bangladesch, in der Schweiz Überwachungstechnik zu kaufen (was sein Artikel dann verhinderte). Dabei begann sein Einstieg in den Beruf denkbar friedlich: Hanimann studierte Zeitgeschichte in Freiburg und entdeckte, dass er als Mitarbeiter im «St. Galler Tagblatt» ohne Anstrengung etwas Geld verdienen konnte. Die Stadt St. Gallen verdankt dieser Erkenntnis gefühlte 10'000 Artikel zu Eröffnungen von Secondhandshops, Nagelstudios und Coiffeursalons. Vor 10 Jahren wechselte Hanimann dann zur «Wochenzeitung» (WOZ). Erst zur Sportseite, dann zu Wirtschaft und Politik – seitdem fehlt seinen Geschichten das Happy End. Hanimanns Höflichkeit drückt sich für seine Leser vor allem indirekt aus: durch Stil. Egal wie finster der Fall ist, er liest sich hell. Denn Hanimann ist einer der wenigen Spürhunde, die auch erzählen können. Er schreibt so elegant, zielbewusst und fettfrei wie eine Strassenkatze. Wer das nachprüfen will, kaufe Hanimanns Buch «Elmer schert aus» über den Whistleblower Rudolf Elmer. Es erschien 2016 im Echtzeit-Verlag.

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