«Ich mag Grenzen und das Ausbrechen aus Grenzen.»

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Brigitte Meyer

Die Bildchefin der «Republik» tat, was kein Mensch vor ihr tat: Sie renovierte 2009 die NZZ. Die letzte nennenswerte Veränderung der «Neuen Zürcher Zeitung» lag damals über 60 Jahre zurück: 1946 hatte man die Frakturschrift abgeschafft. Was viele schon damals nach nur 166 Jahren als überhastet empfanden. Meyer verbrachte ihre Kindheit in Schaffhausen: Dort war nur der Rhein gross. Und alles andere niedlich. Sie verliess die Stadt Richtung Zürich mit einer «Aversion gegen alles Pittoreske». Eigentlich war ihr Plan, an der Uni zu studieren, um Journalistin zu werden. Doch dann bestand sie die Prüfung zur Kunstgewerbeschule. Und landete dann doch im Journalismus, nur anders: als Layouterin beim Magazin «Facts». Danach stieg sie schnell auf, weil sie «kein Problem hatte, Verantwortung zu übernehmen». Das erste Magazin, das sie komplett neu gestaltete, war das Frauenmagazin «Meyer’s». Als dieses drei Jahre später in Konkurs ging, pendelte sie als Art-Direktorin von 2002 bis 2006 zwischen «Weltwoche» und «Magazin» hin und her. (Sie war dort, wo Roger Köppel nicht war.) Ihre Philosophie bei Bild wie Layout war: Kein Chichi, kein Bullshit, keine Schnörkel. Und vor allem: keine durchgezogene Bildsprache. Sondern das präzise Bild von Fall zu Fall, je nach Text. Und das nicht als Illustration, sondern als Statement. Im Zweifel hält sich Meyer an die Klassik – oder die Idee, die die Klassik in die Luft sprengt: «Ich mag Grenzen und das Ausbrechen aus Grenzen.» Beim Relaunch der NZZ reduzierte sie mit einer Hamburger Agentur das Layout auf das Skelett, entfernte alle Schlacken und baute es wieder auf: ohne Schnörkel, ohne Überflüssiges, nur mit einem winzigen Hauch Exzentrischem. Sie blieb als Bildchefin bis 2017. Bei der NZZ hatte Meyer ein Team von 15 Leuten und 237 Jahre Tradition im Rücken. Bei der «Republik» startet sie nun mit leichtem Gepäck: mit 0 Leuten und 0 Jahren Tradition.

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