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Fünfmal Beethoven

Die «Variationen über Volksweisen», op. 107, nehmen in Ludwig van Beethovens Werk eine Sonder­stellung ein. Genauer gesagt: eine Randstellung. Im Jahr seines 250. Geburtstags – und in Zeiten der Quarantäne, in denen viele von uns vor allem zu Hause sitzen – haben wir fünf Stücke aus dieser Reihe ausgewählt, um Ihnen täglich einen eher unbekannten Beethoven zu Gehör zu bringen.

Am Klavier hören Sie Tomas Bächli, an der Flöte Barbara Tacke-Laepple. Für Aufnahme und Mastering ist Dietrich Petzold verantwortlich.

«Volkslied aus Kleinrussland»

Ukrainisches Volkslied, op. 107, Nr. 3.

10.04.2020

«Oh, Thou Art the Lad of My Heart»

Schottisches Volkslied, op. 107, Nr. 9.

09.04.2020

«A Madel, ja a Madel»

Tiroler Volkslied, op. 107, Nr. 5.

08.04.2020

«The Highland Watch»

Schottisches Volkslied, op. 107, Nr. 10.

07.04.2020

«Schöne Minka»

Russisches Volkslied, op. 107, Nr. 7.

06.04.2020

Warum sind diese Werke so unbekannt geblieben?

Von Tomas Bächli, 06.04.2020

Das hat mit ihrer Entstehungs­geschichte zu tun – und mit dem lange vorherrschenden Beethoven-Bild. Der Verkauf von Noten war eine zentrale Einnahme­quelle im Musik­business des 19. Jahrhunderts. Eine übliche Vermarktungs­strategie der Verleger war es, Volkslieder aus aller Welt zu publizieren und dabei bekannte Komponisten für Variationen über die Lieder anzufragen. So entstanden Beethovens Variationen op. 105 und op. 107: Auftrags­werke, die er aber immerhin mit einer Opuszahl versah.

Die Musikwelt hat die Spätwerke von Beethoven (ab Opuszahl 100) lange Zeit mit einem Heiligen­schein versehen: entrückt, esoterisch, schwer zu verstehen. Dass sich Beethoven auch in dieser Lebens­phase mit Geldverdienen beschäftigen musste, stört dieses Bild, darum wurden diese Werke als Gelegenheits­arbeiten gering geschätzt. Doch Beethoven war in diesen Variationen auf dem Weg zu seinem Spätstil. Die Musik, die auf einfachen Volks­liedern basiert, kippt immer wieder ins Experimentelle.

Diese Werke sind für Klavier mit begleitender Flöte geschrieben, eine Besetzung, die damals üblich war, heute aber ausgestorben ist. Die Flöte – eigentlich ein Melodie­instrument – sorgt vor allem für Sound, nur selten und in ausgewählten Momenten greift sie ins musikalische Geschehen ein.

Für den heutigen Konzert­betrieb ist das ein Hindernis. Gibt ein Pianist einen Klavier­abend, will er sein Honorar nicht mit einer Flöte teilen, gibt ein Flötist ein Rezital, will er nicht im Hinter­grund bleiben. Allerdings: Nur die wahre Virtuosin schafft es, auch mit wenigen Tönen Präsenz zu zeigen.

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