Dossier

Wahlen 2019

Letzte Aktualisierung: 17.11.2019

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Nationalrat

Im Nationalrat verzeichneten die Parteien mit ökologischem Schwer­punkt massive Sitzgewinne: Die Grüne Partei erzielte mit einem Plus von 6,1 Prozent­punkten ihr bislang bestes Ergebnis. Sie gewann 17 Sitze dazu. Mit 28 Sitzen wurde sie so zur viertstärksten Kraft im Nationalrat. Die Grünliberalen gewannen 9 Sitze hinzu und entsenden neu 16 Vertreter in die grosse Kammer. Beide Parteien schnitten weit besser ab als in der letzten Umfrage vor der Wahl.

Auf der Verliererseite stand in erster Linie die SVP: Sie büsste 12 Sitze ein und erreichte neu nur noch 53 Nationalräte. Die Partei fuhr mit einem Wähler­anteil von 25,6 Prozent ihr schlechtestes Resultat seit 2003 ein und beendete eine langjährige Erfolgs­strähne, in der sie ihren Wähleranteil 2015 auf 29,4 Prozent steigern konnte – und dies, obwohl sich 2008 die BDP von ihr abgespaltet hatte. Letztere verlor bei den Wahlen 4 Sitze und erreichte mit den verbleibenden 3 Nationalräten nicht mehr Fraktionsstärke.

Die SP sank in der Wählergunst unerwartet stark auf 16,8 Prozent (–2) und erreicht mit 39 Sitzen (–4) ihr schlechtestes Resultat seit der Einführung der Proporz­wahl im Jahr 1919, als sie mit 41 Sitzen in den Nationalrat einzog.

Auch die FDP musste starke Verluste hinnehmen: Sie verlor 1,3 Prozent­punkte und liegt nur noch rund 2 Prozent­punkte vor den Grünen. Damit setzt der Freisinn seinen Niedergang fort, der ihn von 60 Sitzen im Jahr 1919 auf heute nur noch 29 schrumpfen liess. Die CVP verlor 3 Sitze und landete mit 25 Abgeordneten ebenfalls auf einem neuen Tiefststand – dies trotz einem moderaten Verlust von 0,2 Prozentpunkten.

Sitzverteilung im Nationalrat

Eidgenössische Wahlen 2019

SP39GPS28GLP16CVP25FDP29SVP5320192015200 Sitze
PdA: 1
Sol: 1
EVP: 3
BDP: 3
Lega: 1
EDU: 1

Quelle: BFS.

Wähleranteile bei Nationalratswahlen

Bei eidgenössischen Wahlen seit 1987

2019201520112007200319991995199119870100%
SP
GPS
GLP
CVP
BDP
FDP
SVP
Übrige

Quelle: BFS.

Ständerat

Im Ständerat sind fast alle Sitze vergeben. Kommendes Wochenende fallen noch in drei Kantonen die letzten Entscheide: Aargau, Baselland und Schwyz. Die kleine Kammer wird weiterhin bürgerlich geprägt sein, und es sind mehr Frauen vertreten.

«Stöckli» noch nicht vollständig

Sitzverteilung im Ständerat

SP9CVP12FDP112019201546 Sitze
GPS: 4
SVP: 5
parteilos: 1
Offen: 4

Quelle: BFS.

Wahlbeteiligung

Bei den Wahlen im Oktober 2019 gaben 45,1 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab – 3,4 Prozentpunkte weniger als bei den Wahlen 2015.

Die Wahlbeteiligung sank von 1935 bis 1995 stetig. Vor dem Zweiten Weltkrieg liessen sich noch vier Fünftel des Stimm­volkes für die Nationalrats­wahlen an die Urnen bewegen, 1995 waren es nur noch halb so viele. Bis zu den Wahlen 2015 zeichnete sich wieder eine leichte Erholung ab – damals gaben wieder 48,5 Prozent der Wahl­berechtigten ihre Stimme ab.

Wahlbeteiligung

Nationalratswahlen seit 1935

19351951196719831999201945,1050100 %

Quelle: BFS.

Ausblick

Die erste Session der 51. Legislatur der Bundes­versammlung (2019–2023) wird vom 2. bis 20. Dezember stattfinden. Am 11. Dezember steht ein wichtiges Traktandum an: die Gesamt­erneuerungs­wahl des Bundesrates. Zahlreiche Heraus­forderungen sorgen dafür, dass dem Parlament in den nächsten Jahren die Arbeit nicht ausgeht: Klima, Digitalisierung, Gesundheit, Renten, Europa, Gleichstellung, Energiepolitik – die Liste ist nicht abschliessend.

Zum Dossier Wahlen 2019

Das Dossier bündelt wissens­werte Fakten und eine Auswahl von Republik-Beträgen zu den eidgenössischen Wahlen am 20. Oktober 2019. Alle Quellen und Original­daten sowie die Methoden ihrer Aufbereitung sind hier dokumentiert (einschliesslich eines Protokolls der Aktualisierungen).

Ausgewählte Beiträge der Republik:

Auf lange Sicht

Was in der Schweiz Wahlen entscheidet

Wer glaubt, dass Parteien einander Wähler abjagen, kennt nur einen Teil der Wahrheit. Das Zauberwort für den Erfolg lautet: Mobilisierung. Unsere Vorschau zu den Wahlen im Oktober.

Von Claude Longchamp, 16.09.2019

Auf lange Sicht

Mehr Stress im Ringen um politische Macht

Wer wird wiedergewählt? Wer abgewählt? Im Herbst sind Wahlen. Wir analysieren, warum Schweizer Politiker aus dem Parlament ausscheiden – mit Daten der letzten 100 Jahre.

Von Claude Longchamp, 15.07.2019

Auf lange Sicht

Die stabile Kammer

Bei den nationalen Wahlen bahnt sich ein Links-Grün-Rutsch an. Aber nur im Nationalrat. In der kleinen Kammer stehen die Zeichen anders. Ein Rück- und ein Ausblick zu den Ständeratswahlen.

Von Claude Longchamp, 20.05.2019

Stell dir vor, du wirst in den Nationalrat gewählt ….

…für wen setzt du dich ein und was ist es dir wert? Auftakt zum Lobbying-Schwerpunkt.

Von Philipp Albrecht, Dennis Bühler (Text) und Kati Rickenbach (Illustrationen), 02.10.2019

«Es gibt heute einfach zu viele Exzesse»

Die Gesundheitsbranche und die Bauern haben eine Übermacht im Parlament, sagt der ehemalige Migros-Chef­lobbyist Martin Schläpfer. Ein Gespräch über die Kunst des Lobbyierens und die Folgen für die Politik.

Ein Interview von Philipp Albrecht, Dennis Bühler (Text) und Yves Bachmann (Bilder), 07.10.2019

Wahlkampf-Millionen auf Bestellung

Dokumente aus dem Innersten der SVP geben einen umfassenden Einblick in die Wahl­kampf­finanzierung der Partei. Wir haben sie analysiert – und veröffentlichen sie.

Von Carlos Hanimann (Text) und Adam Higton (Illustration), 05.07.2019

Warum stoppt Google die fragwürdige CVP-Kampagne nicht?

Die brave Mittepartei fährt im Wahlkampf einen aggressiven Werbefeldzug im Internet. Die Kritik folgt prompt. Kaum hinterfragt wird dagegen die Rolle des Suchmaschinen­konzerns. Bis jetzt.

Von Adrienne Fichter, 19.09.2019

«Die CVP muss zu einer Bewegung werden»

Gerhard Pfister will von der SVP lernen und lehnt deren Stil ab. Der CVP-Chef über die Herausforderungen einer Mittepartei.

Ein Interview von Urs Bruderer und Dennis Bühler, 28.03.2019

Im Reich der Mitte

Die CVP will das Land zusammenhalten – und sich so vor dem Zerfall retten. Kann das klappen? Eine Reise durch Stammlande und Parteigeschichte.

Von Urs Bruderer, 27.03.2019

Sie haben in diesem Artikel viele Worte gelesen, aber die wichtigsten drei fehlten. Seit je beruht jede funktionierende Gemeinschaft auf diesen drei Worten. Liebende sagen sie zueinander. Gute Politiker sagen sie ihren Wählern, gute Priester ihrer Gemeinde, gute Eltern ihrem Kind. Sie lauten: Fürchte dich nicht! – Wir von der Republik glauben, dass auch im Journalismus gilt, was Franklin D. Roosevelt einst zur Politik sagte: «Wir haben nichts zu fürchten als die Furcht selbst.»

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