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Mir wird fast schlecht, wenn ich mir das Leben mit so einem Ehemann vorstelle. Ich hoffe, diese hellwache Frau konnte sich bald befreien und hat später noch viele gute Jahre gehabt. Der liebevolle Blick des Sohnes auf seine von Arbeit und Sparsamkeit geprägte Mutter lässt hoffen.

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Wunderbarer Text, hätte noch lange weiterlesen mögen. Vielleicht kommt ja noch ein 2. Teil?

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Meine Eltern, Jahrgang 39, waren sehr jung und und "modern". Es gab kein Machogehabe und keinen ausformulierten Machtanspruch
Aber im Grunde genommen lief alles trotzdem genauso.
Papas Hobbys waren die Familienhobbys, seine Freunde waren die Familienfreunde. Obwohl auch meine Mutter berufstätig war, schließlich war sie eine moderne, "emanzipierte" Frau, "verdiente er das Geld", also bestimmte er, was gekauft wurde und wie die Freizeit verbracht wurde. Sie kümmerte sich um alles und rannte hinterher. Mit 4 Kindern wie die Orgelpfeifen im Schlepptau und einem Vollzeitjob! Papa machte gerne Wochenendausflüge, also packte sie viele Freitagabende und kochte vor (natürlich alleine!).
Das war selbstverständlich, und dabei hatte sie hübsch hergerichtet und freundlich zu sein.
Als sie nach gut 15 Jahren nicht mehr mitspielte (konnte), wurde ihr von allen, auch von uns Kindern, die Schuld am Streit zu Hause gegeben. Dass unser Vater sich hätte ändern müssen, kam keinem von uns damals in den Sinn. Ihm natürlich am allerwenigsten.
Tief verinnerlichte Geschlechterrollen, die, wie ich leider oft beobachte, heute noch nachwirken.

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Ein toller Text, vielen Dank!

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Ein Text über eine Familiensituation in längst vergangener Zeit. Sagen viele der Kommentare. Anwältinnen, Aerztinnen, Paar- und Familientherapeutinnen, Sozialarbeiterinnen könnten heutige Beispiele bringen, sicher unzählige, wie sich
die Verhaltensmuster zwischen den Geschlechtern fortgesetzt haben bis heute:
Frauen arbeiten Teilzeit in schlechter bezahlten Berufen; Frauen sind bereit, ihre Anstellung aufs Spiel zu setzen um ihre kranken Kinder oder betagten Eltern zu pflegen; Frauen mögen manchmal nicht mehr die Er-Streitenden sein, die zuhause Krach machen; Frauen möchten ihren Kindern eine ruhige, fördernde Familienumgebung bieten; Frauen verzichten, sind flexibel, passen ihre Bedürfnisse an - und nach einem intensiven, arbeitsamen Leben landen sie bescheiden (und wohl für viele unsichtbar), in der Altersarmut. Heute.

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Heidi Widmer
Multifunktional
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Sehr eindrücklich geschrieben. Man fragt sich, wie die „Geschichte“ weitergeht. Bleibt die Mutter beim Papa oder kommt es zur Trennung?

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Wirklich berührend, so fein, genau und ohne Schlagwörter dargestellt, dass wir die ganze Problematik der institutionalisierten Unterdrückung im Kleinen erkennen. Daran sollte man denken, wenn heute Männer im Bundesgericht verkünden, die Ehe sei für Frauen eine bequeme Lebensversicherung gewesen und endlich müssten sie nach der Scheidung arbeiten.

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Meine Erinnerung, ausgelöst durch diesen wunderbaren Beitrag, geht zurück zum Stolz und zur Freude meiner Mutter, als sie (bereits über 62, also damals Bezügerin der Ehefrauenrente der AHV, während mein Vater noch berufstätig war) erstmals eigenes Geld als Nachhilfelehrerin für die Ausländerkinder in der Dorfschule verdiente und so einen eigene AHV-Ausweis bekam.
Später erzählte sie aber auch eine üble Geschichte zum Thema eigenes Geld verdienen: Ihr Bruder, war Landwirt und Posthalter in einem kleinen Bauerndorf. Während des Aktivdienstes vertrat sie den Posthalter in allen Funktionen (Post sortieren und austragen, Büroarbeiten samt allem, was mit Finanzen zu tun hatte). Die Post, damals noch PTT hat dafür nie eine Entschädigung gezahlt. Das war leider üblich, wie in der Ausstellung Frauen.Rechte im Landesmuseum bei einem Exponat zu erfahren ist.

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A. M.
· editiert

Ein hübsches Beispiel, das den damaligen Zeitgeist gut sichtbar macht: Wenn wir, (es war in den 50er- 60er -Jahren), am Muttertag "auswärts essen" gingen (wie Vater das nannte), lief immer dasselbe Prozedere ab. Die Eltern studierten die Speisekarte, dann teilte Mama flüsternd dem Vater mit, was sie haben wollte. Wenn zu teuer, wurde korrigiert. Dann wandte der Vater sich zur Bedienung und bestellte z.B.: "einmal Kalbsbraten", dann, mit spitzem Zeigefinger auf die Mutter deutend, "einmal Schnitzel mit Bratkartoffeln und für die Kinder Spaghetti". Dass Mama frei wählen und ihren Wunsch der Bedienung auch selber mitteilen könnte, kam ihm nicht in den Sinn.
Für mich war das damals völlig normal. Ich musste erst (viel) später lernen, dass Frauen gleichwertig sind, und ebensoviel können, wie Männer. Manchmal sogar ein bisschen mehr.

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Beim Lesen Ihres Beitrags fiel mir etwas auf. Ich bin zwar selten im Restaurant, aber mir scheint, dass Kellner:innen oft zuerst die Frauen fragen, was sie bestellen möchten. Da scheint sich was verändert zu haben. An wen hat sich die Bedienung denn in Ihrer Kindheit zuerst gewandt?

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es ist zwar langen her. Aber ich bin mir gewiss, dass sich die Bedienung (vulgo Serviertochter!) ausschliesslich an meinen Vater wandte.

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Super Text! Hat mich in meine Kindheit zurückversetzt. Zum Glück hat sich meine Mutter von dem Macho (Vater) getrennt!

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Es wurde zwar schon mehrfach geschrieben, trotzdem nochmal von mir: ein wunderbarer Text voller Wertschätzung! Gerne mehr davon.

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Es freut mich, dass ein Sohn seiner Mutter ein Kränzchen bindet!
Ich wollte Mutter und Haufrau sein , wohl weil meine Mutter Kochen und Hauhalt überhaupt nicht mochte , sich mit Grafik und Illustrationen selbständig machte, mit der Familie nicht grad viel am Hut hatte.
Dass ich später , verheiratet mit einem Manager ,alles für Kinder , Schule etc. selbständig erledigte , war ein echter Job , der mir auch großzügig honoriert wurde.
"Nur Hausfrau" , war mir ein Schimpfwort , am meisten ärgerte mich bei offiziellen Schreiben der Schule zu lesen : Unterschrift des Vaters .., eine "Mutter" gab es damals nicht!!

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Liebe Frau H.,
Sie sprechen mir aus der Seele !!!

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Danke, ich bin auch Künstlerin, konnte dann später, als die Soehne größer waren, ein Atelier einrichten , dies mit meinem Lohn.
Als ich es meinen Nachbarinnen erzählte, spürte ich den Neid, sie mussten, trotz gutem Einkommen des Mannes, brav den " Monatslohn" erbetteln..

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Ja, das Haushaltsgeld gab es bei uns auch. Für eine neue Winterjacke musste meine Mutter beim Herrn Gemahl, Direktor und Oberstleutnand (selig) betteln gehen. Abgestimmt hat er dann auch gleich noch für sie. Zu seiner Verteidigung muss ich aber anfügen, dass er nach der Scheidung durchaus einsichtig wurde. Danke Jurzock 1001 für deine Erinnerungen und die Bilder dazu.

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Mala Mukherjee Suess
Sozialinformatikerin
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Erst wenn ich solche Berichte lese, merke ich, wie ungewöhnlich meine Mutter ist. Wir sind aus Indien, meine Mutter kam anfangs 70er Jahre in die Schweiz. Sie hatte einen Studienabschluss und fing an zu arbeiten als ich noch in der Grundschule war. Guter Job, gutes Geld. Mein Vater, auch Inder, war Ingenieur und Forscher. Er liess sich frühpensionieren, aber meine Ma war bis nach dem Rentenalter noch aus Spass an ihrem Metier freiberuflich tätig. Heute ist sie über 70. Sie hat in ihrem Job immer gut verdient... Für sie war es schockierend, dass eine Direktorenfrau hier keine adäquate Ausbildung hat und auch arbeitet. Wie soll sich denn eine Frau mit ihrem Mann über Wissenschaft unterhalten können, wenn sie selbst keine Bildung hat? Oder noch absurder: für ein Taschengeld in der Migros Regale auffüllen muss, um sich etwas zu leisten... Finanzielle Unabhängigkeit ist auch für Frauen ein MUSS. In meiner Familie seit nun 4 Generationen.

Natürlich hat sie immer über die Rückständigkeit der Situation der Frauen hier gewundert und noch anno 1980 über Absurditäten wie eine Unterschrift des Mannes, um arbeiten zu dürfen oder ein Konto zu eröffnen. Keine der anderen Mütter in meiner Schulklasse hat damals in einem qualifizierten akademischen Beruf gearbeitet, kaum eine hatte eine Uni besucht, obwohl die Ehegatten Manager und Ärzte waren. Für jemanden, die in den Westen kam, um mehr berufliche Chancen haben, war die Schweiz doch ein ziemlicher Schock. Aber sie hat sich nicht entmutigen lassen und den Stier bei den Hörnern gepackt. Feministischer Hosenlupf.

Die gleichen Fragen von damals werden auch mir gestellt. Wie geht das? Es geht, wenn man will.

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Merci für diesen Beitrag. Mit meinen Mitte zwanzig kann ich mir vieles, was in meiner Eltern- und Grosselterngeneration normal war, kaum vorstellen.

Meine Eltern haben mir schon als Kind viele Anekdoten erzählt, die ich damals kaum verstanden habe. So etwa hat meine Grossmutter den Männern in der Familie (ihrem Mann und den zwei Söhnen) jeweils nahegelegt, wie sie wählen oder abstimmen sollte - selbst durfte sie nicht.

"Wofür ein/e (Schulabschluss/Lehre/andere Ausbildung) machen? Sie wird ja sowieso heiraten." Ein weiterer Satz, der mir von meinen Eltern geblieben ist, als ich sie nach dem Leben meiner Gross- und Urgrosseltern gefragt habe.

Es hat sich einiges getan! Und es bleibt noch viel zu tun.

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Ich muss eher leer schlucken und mir geht folgender Gedanke durch den Kopf:" ja liebte der Mann die Frau überhaupt?" Also so richtig? Nach meinem Empfinden wenn ich diesen Beitrag lese muss ich zum Urteil gelangen, dass dieser Mann (Papa) seine Frau nicht innig liebte. So hart das klingen mag. Ich bin nicht feministisch veranlagt als Frau und eher konservativ. Aber so behandelt man einen Menschen den man liebt nicht und irgendwo ist Frau auvh selbet schuld, wenn sie alles still hinunterschluckt und Jahre später wehmütig darauf zurückblickt.
War es tatsächlich der Zweck der Verfasserin ein so schwarzes Bild ihres Elternhauses zu zeichnen? Dann ist es traurig, betrübend und tut mir aufrichtig leid. Ich kenne Familien aus "alter" Zeit und dort wurde aufeinander geschaut, entgegen dem damaligen Zeitgeist...
Wirklich schade und traurig dieser Beitrag.

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Ich glaube, das ist viel komplexer. Wenn der Grund dafür fehlende Liebe gewesen wäre, dann wäre es hunderttausenden von anderen Ehefrauen ja nicht ebenso ergangen.

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Danke, ich bin auch Künstlerin, konnte dann später, als die Soehne größer waren, ein Atelier einrichten , dies mit meinem Lohn.
Als ich es meinen Nachbarinnen erzählte, spürte ich den Neid, sie mussten, trotz gutem Einkommen des Mannes, brav den " Monatslohn" erbetteln..

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Die guten alten Zeiten. Die sind zum Glück vorbei... Oder?

Wie ist es denn heute?

Seht euch um, fragt bei euren Nachbarinnen oder Bekantinnen nach, die selber nichts oder weniger verdienen, als ihr Mann.

Der Weg ist noch weit!

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