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Eigentlich ist nicht das VBS verantwortlich dafür, dass die Armee nicht verkleinert wird, sondern die zwei Departemente mit SVP-Vorsitzenden. Der ehemalige VBS-Chef aus den Reihen der SVP dürfte im Wesentlichen auch dafür verantwortlîch sein, dass es zu dieser Situation überhaupt erst gekommen ist.

Gedankenspiel:
Da der Bundesrat dafür verantwortlich ist, einen gesetzeskonformen Zustand herzustellen und dies (vermutlich) schon länger nicht mehr der Fall ist, vermutlich wissentlich verantwortet durch die (SVP-) Bundesräte, kann man diese nicht rechtlich zur Verantwortung ziehen? Insbesondere, wenn klar ist, dass der zuständige Bundesrat, auf den Missstand aufmerksam gemacht, dies korrigieren will, daran aber aktiv gehindert wird.

Vermutlich wird auch das Gesetz daran nichts ändern - der Missstand dürfte bereits jetzt die geplante Grenze von 5 Jahren ausschöpfen.

Das Gesetz müsste insbesondere auch die Pflicht zur Angabe einer Begründung enthalten für die Ausweitung des Bestandes und (meiner Meinung nach) vom Parlament abgesegnet werden. Funfact: gerade die SVP ist immer laut und medienwirksam am Klagen, wenn der Bundesrat ohne Konsultation des Parlamentes etwas "am Volk vorbei" entscheidet. Hier scheint es offenbar genau umgekehrt zu sein.

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Das SVP-Bundesräte sich nicht an Gesetze halten, ist doch längst normal. Warum auch, es hat ja keinerlei Konsequenzen. Ich kann mich noch gut an die Grenzschikanen von Herrn Maurer während Corona erinnern. Zum Wohle des Schweizer Einzelhandels wurde jedem Bürger der beim Grenzübertritt Waren mitführte illegal gebüsst. Wer keinen Widerspruch einlegte, erhielt sein Geld nie zurück, obwohl es für die Massnahme keinerlei rechtliche Grundlagen gab.
Um uns Bürger vor Willkür zu schützen, braucht es ein Gesetz, welches dafür sorgt, dass Bundesräte, die sich nicht an Gesetze halten, aus ihrem Amt ausscheiden müssen und zur Verantwortung gezogen werden.

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Priscilla Imboden
Bundeshausredaktorin
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Sehr geehrter Herr Wilhelm, Sie haben Recht: bis das neue Gesetz verabschiedet ist werden noch viele Jahre ins Land gehen. Danach kann der Bundesrat ohne Angabe eines Grundes den maximalen Effektivbestand der Armee überschreiten. Und ohne demokratische Diskussion darüber. Ob die Zahl von 140'000 die Richtige ist in der heutigen Zeit, wäre nämlich eine interessante Debatte. Aber die will der Bundesrat offenbar nicht führen.

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Was ich nicht verstehe, ist, warum zwei Bundesratsmitglieder genügen, um einen gesetzkonformen Prozess zu entgleisen. Wir haben doch noch fünf andere, die ja auch daran interessiert sein dürften, dass alles mit rechten Dingen zu geht, oder? Gibt es ein SVP-Veto im Bundesrat?

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Vielen Dank, Frau Imboden, für Ihren Mut, Ihre beharrliche Recherche und die unvoreingenommene Analyse, die Sie nach den Regeln des Qualitätsjournalismusˋ präsentieren. Chaepeau!

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Pardon: Wenn schon, dann mit dem passenden Chapeau!

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Priscilla Imboden
Bundeshausredaktorin
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Vielen Dank für den Hutlupf!

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Seien wir froh hat die Armee genügend Personal und können wir uns ob solchen Detail aufregen. Würde das Gesetz neu formuliert, hätte die Armee wohl eher 200000 Mann und Frau, ganz sicher nicht weniger. 140000 wurden für ein friedliches Europa gedacht. Daher macht Sinn, bewegt man sich derzeit am oberen Rand des Möglichen.

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Simon Reber
Software Entwickler, Familienvater
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· editiert

Hier geht es doch nicht darum, dass die Armee am oberen Rand des Möglichen operiert, sondern deutlich darüber.
Und das Bedenkliche daran ist nicht eigentlich diese Tatsache, sondern die Methoden und Lügen welche das VBS anwendet, um uns Wähler und Steuerzahler zu täuschen.
Ich möchte den empörten Aufschrei der selbstgerechten Aeschi Fraktion und der Weltwoche sehen, wenn das EJPD, bzw. das SEM mit solchen Taschenspielertricks versucht, die Zahlen zur Migration nach unten zu korrigieren.
Alles aus diesem kurzen Mailverkehr mit dem VBS atmet den Widerwillen aus, mit als links empfundenen Journalisten zu reden.
Würden wir in einer Diktatur leben, wären die Republik und WOZ Redaktionen längst im Kerker verschwunden, und zwar ohne, dass im VBS auch nur eine Stelle hätte neu besetzt werden müssen!
Darüber müssen wir reden.

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Rolf Wilhelm
IT Nerd
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die Armee könnte auch mit einer Million Aktiven einem Krieg an den Grenzen zur Schweiz nichts wirksam entgegen setzen.
[edit: typo]

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Ja, dann schreibt die Republik doch besser offen und ehrlich, dass es nicht um irgend eine Obergrenze, sondern um die Abschaffung geht. Wenn es nicht nötig ist, greift man nicht nach einem Igel.... auch wenn man weiss, dass der einem wohl nicht wirklich verletzen kann... eine Armee in Verbindung fehlender Bodenschätze und intakter Alpenquerung ist ein gutes Argument, die Schweiz zu lassen. Unsere Armee dient nicht dem eigentlichen Kampf, den es zu verhindern gibt, sondern hauptsächlich der blossen Abschreckung. Auch, wenn dieser Schrecken überschaubar zu sein scheint. Deshalb schliessen Sie Nachts auch ihre Fenster und Türen. Aufwand und Ertrag muss sich die Waage halten, sonst macht Aufwand keinen Sinn. Ideologisches Denken hilft leider nie beim erkennen von Zusammenhängen. Wenn gleiche Kreise beim derzeitigen Aufflammen des Antisemitismus oder fehlendem Umsetzung von Entscheiden des Suverän ähnlich Detailversessen wären, hätten wir viele Probleme weniger, die uns aktuell deutlich mehr Kopfzerbrechen bereiten, als ein 5%-Überschuss der Armee.

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Das wurde auch über die Ukraine gesagt.

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Man kann über den Bestand sprechen, aber eine verbindliche Obergrenze ist eine verbindliche Obergrenze.

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antiautoritärer Bossgegner
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Im Kampf gegen den Feind heiligt der Zweck die Mittel. Bei Bundesräten, die Teile der eigenen Bevölkerung als Feinde sehen, ist wohl damit zu rechnen, dass Intransparenz und Nebelpetarden auch in anderen Bereichen herrschen. Mein Vertrauen in solche Regierungsmitglieder ist gelinde gesagt eher gering.
Danke fürs hartnäckige Aufdecken.

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Merci für diese Recherche. Seit ich selbst in die Rekrutenschule gezwungen wurde, habe ich eine Abneigung gegen diese Organisation. Was ich erlebt habe ist ein Management das mit Zwang und Strafen (das Militär hat sogar eine eigene Justits um dies zu begünstigen) arbeitet. Dinge unter den Teppich zu wischen und Verheimlichungen waren absolut normal. Effizienz, Zielgerichtetheit, Zweckmässigkeit und Sinnhaftikeit waren eher nebensächlich. Ebenfalls ist klar, dass das Militär massiv mit den Bürgerlichen verfilzt ist. Deshalb gehe ich persönlich davon aus, dass viel Dreck unter dem Teppich verborgen ist. Ich würde mich nicht wundern, wenn das Militär aufgrund von Verfilzungen gewissen Firmen mehr als üblich bezahlt für irgendwelche angeblichen Dienste. Diese Episode hier und auch vergangene (Kampffliegerabstimmung, Rekrut bei Marsch gestorben, Mitholz, ...) interpretiere ich persönlich als symtomatisch für die fragwürdige Kultur innerhalb des Militärs. Ich denke da gibt es noch viel mehr zu holen für Journalis:innen!

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ja, einer meiner Brüder schrieb aus der RS - vor lauter Salutieren und stramm Stehen, hätte ich nicht nach meinem Gewehr greifen können, um mich gegen einen Feind zu verteidigen...

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System Engineer
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Seh ich auch so.
Wenn ich alleine daran denke was für die Alibiübungen die Inspektionen waren.

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Rolf Kurath
rolfkurath.ch
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Glaubwürdigkeit ist ein wichtiges Gut, auch in der Politik. Darum ist diese Recherche wichtig. Was mich allerdings mehr interessieren würde angesichts der geopolitischen Lage: Welche Armee braucht die Schweiz?
Dazu hat die Armee im letzten August ihr "Zielbild und Strategie für den Aufwuchs" publiziert. Eine strukturierte Debatte über diese Auslegeordnung habe ich noch nicht bemerkt. Es gibt gelegentliche Beschwörungen (von rechts) und Aufheuler (von meiner Partei der SP Schweiz). Qualifizierte Analysen habe ich bisher nur von einem Journalisten bemerkt, von Georg Häsler/NZZ. Sein Fazit: "Die Schweiz droht zu einem Sicherheitsrisiko auch für ihre Nachbarn zu werden." https://www.nzz.ch/schweiz/kann-die…ld.1772023
Liebe Frau Imboden, können Sie diese grosse Kiste auf den Radar nehmen?

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Priscilla Imboden
Bundeshausredaktorin
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Lieber Herr Kurath, Ihre Frage habe ich schon seit Beginn des Krieges in der Ukraine auf dem Radar. Aber eben weil es so eine grosse Kiste ist habe ich sie stetig vor mich hin geschoben. Ihr Kommentar motiviert mich, dem Mal ernsthaft nachzugehen. Freundliche Grüsse!

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Ehemaliger Zivildienstleistender
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Danke für den Beitrag!
Ich finde den gemachten Hinweis, dass die Zahlen auch politisch genutzt werden, um den Zugang zum Zivildienst zu verhindern, nicht unwesentlich! Es leisten viele Zivildienstleistende (nicht zu verwechseln mit Zivilschutzleistenden!!!) in diesem Land sehr viele Stunden für das Gemeinwohl und meines Erachtens für den Landesfrieden. Davon profitieren alle, unabhängig der politischen Gesinnung. Einsätze finden schwerpunktmässig im Sozial- und Umweltschutzbereich statt und dort will nicht auf Zivildienstleistende verzichtet werden. Im diesen Bereichen können sie Lücken füllen, die sonst leer blieben. Sie gefährden wirklich keine Fachpersonen (Arbeitsstelle), aber sie entlasten diese enorm. Was es bedeuten würde ohne Zivildienstleistende in Spitälern, Kitas, Naturschutzpflege, etc. möchte ich mir lieber nicht vorstellen.
Ich hoffe dies wird dem Volk soweit transparent gemacht, dass man im Zweifelsfall für den Erhalt des Zivildienstes stimmt. Gerade mit dem Wissen durch diesen Beitrag, dass die Armee die gesetzlich vorgeschriebene Obergrenze des Bestandes überschreitet, egal was für Zahlen diese vorlegt. Die Armee ist nicht auf Zivildienstleistende mit Gewissenskonflikten angewiesen!

PS: Es gibt politische Bestrebungen Zivildienst und Zivilschutz zu vereinen. Da sprechen viele Gründe dagegen. Aber das ist ein anderes Thema und soll ein andermal in der Republik erscheinen?!

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Man sollte den Zivildienst öffnen. Für einige Einsätze muss man nicht tauglich sein, diese könnten explizit für UT und Doppel UT ausgeschrieben werden. Menschen können Geld sparen (Wehrpflichersatz) und die Gesellschaft erhält viel zurück.

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Priscilla Imboden
Bundeshausredaktorin
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Sehr geehrter Anonym 2, wir beobachten diese Frage und berichten bei nächster Gelegenheit wieder darüber. Freundlicher Gruss!

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System Engineer
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Es gibt eine Initiative welche die Dienste einen Service Citoyen überführen und ausweiten will.
https://www.servicecitoyen.ch/de/

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Ehemaliger Zivildienstleistender
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Diese gut gemeinte Initiative hat ein paar Hacken aus Sicht des Schweizerischen Zivildienstverband CIVIVA, die ich teile. Ich finde das Positionspapier erläutert die entsprechenden Punkte sehr gut und differenziert: https://www.zivildienst.ch/fileadmi…public.pdf

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Vielen Dank, dass Sie dranbleiben und dem VBS auf die Finger schauen. Da gibt’s noch viele Baustellen, nur schon die CO2 Bilanz der Armee ist erschreckend. Gemäss VBS produziert die Armee jährlich rund 240 000 Tonnen CO2. Dazu wünsche ich mir ebenfalls einen Artikel in der Republik.

Mein Mann ist vor ein paar Jahren Schweizer geworden. Noch vor der ersten Wehrpflichtersatzabgabe Rechnung, hat er mit seinem Arbeitsgeber besprochen, wie er seinen Zivildienst im Betrieb leisten könnte. Das war recht unkompliziert, da im Betrieb bereits Zivis arbeiten.
Alle Versuche mit den zuständigen Behörden (u.a. Abteilung Wehrpflichtersatzabgabe)
in eine vernünftige Diskussion zu kommen, um die Situation zu besprechen und eine Lösung zu finden, damit mein Mann den Zivildienst machen, anstatt Ersatzpflicht zu bezahlen, sind gescheitert. Mein Mann hat in seiner Kindheit mehrere Jahre Krieg erlebt und kann den Militärdienst nicht mit seinem Gewissen vereinbaren. Trotzdem ist er jetzt gezwungen Wehrpflichtersatzabgabe zu bezahlen. Auch der Vorschlag, dass er an Stelle der Armee, den Zivildienst mit dem entsprechenden Betrag unterstützen würde, wurde abgelehnt.
Ich finde es inkonsequent und unfair, dass man zwar aussuchen kann, ob man Militär- oder Zivildienst macht, nicht aber, ob man Ersatzpflicht für die Armee oder den Zivildienst bezahlt.
Ich wünsche mir, dass dieses Thema viel breiter diskutiert wird nach dem Motto «Sicherheit neu denken»

PS: Ich kann mich noch an einen Satz bei einem der vielen Telefonaten erinnern: Wenn ich noch einmal das Wort «sinnvoll» von Ihnen höre, werde ich wütend.

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Auch wenn es Wehrpflichtersatzabgabe heisst: die erhobene Steuer ist nicht zweckgebunden. Aus https://www.estv.admin.ch/estv/de/h…bgabe.html

Der Ertrag der Ersatzabgabe ist nicht zweckgebunden. Er fliesst nach Abzug einer Bezugsprovision von 20 Prozent zu Gunsten der Kantone in die allgemeine Bundeskasse.

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Soldat -> Zivi
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Zivildiensteinsätze in einem Betrieb, bei dem man im letzten Jahr zivil gearbeitet hat, oder einem Betrieb mit persönlichem Bezug, sind onehin untersagt. Allgemein sind die Regeln mit Schwerpunktprogramm, Diensttagen, Verschiebung etc. sehr komplex und verwirrend. Dies wahrscheinlich auch nicht ganz unabsichtlich…

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der Andere wieder/ Leser
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Offenbar hocken noch ganz schön viele kalte Krieger im Bundesrat, welche das Gefühl haben, Gesetze und Verordnungen seien ja gut und recht - nur nicht praxistauglich. Da kommen mir gleich die Herren Peter Regli und Markus Seiler in den Sinn (auch so zwei kalte Krieger), welche irgendwie das Gefühl hatten, es sei ihnen eigentlich ziemlich egal, wer unter ihnen Bundesrat sei - und dass der Staat eigentlich sie seien....

Nun ja, offenbar sind die schweizerischen Stimmbürger*innen weder willens noch fähig, eine solche Posse, wie sie von den zwei SVP-Vertretern im Moment inszeniert wird, unterbinden zu wollen.

Und offenbar ist der Artikel geschrieben worden, bevor die schweizerische Generalität zu ihrem stärksten Tränendrückerargument gegriffen haben: Die Unterbindung der Demonstrationen ihrer Kriegsspiele (etwa das Böllern auf der Axalp, und zwar aus Kostengründen). Ui, da kocht aber die Volksseele - und sie blutet gleichzeitig.

OK, die Armee müsste mit den europäischen Armeen zusammenarbeiten. Alleine hätte das Schwyzerländli ja keine Chance - auch wenn sie davon träumt, mit ihren F-xy (keine Ahnung, mehr, welche Zahl - doch es ist die F-35A) bei Tschechien Präventivschläge durchführen zu können. Ja, die Luftwaffe der BRD und der NATO würde darob wohl Freudentänze aufführen....

Na ja, mit meinem launigen Beitrag gewinne ich wohl keine Blumensträusse. Aber irgendwie kommt es mir so vor, als wäre die schweizerische politische Gesellschaft immer noch im Zeitalter von Seldwyla stecken geblieben. Kleinkariert, verbohrt, chrämerseelenhaft. Einfag grauenhaft....

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Danke für den Artikel. Die Diskussion ums Dienstleistungsmodell kommt sehr schleppend voran, und man spürt den Reaktionen der Sprecherin die politische Unlust gut an. Die Armeebürokratie kommt deshalb mit Taschenspielertricks. Ich interpretiere hier, dass Bundesrätin Amherd der Diskussion ausweichen möchte, ob eine Dienstpflicht nur für Männer noch angemessen ist, und das Thema gerne der (wohl männlichen) Amtsnachfolge überlässt - wo es dann wieder chancenfrei sein wird.

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Man könnte fast glauben, die Politiker rechts der Mitte hätten die «nicht opportune geo­politische Lage» persönlich herbeigeführt, um möglichst viele junge Männer in die Armee zu zwingen…

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Dann ist frau ein Verschwörungsbeschwörer. 😉

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Vielen Dank für den Bericht. Er hat das Bild der sich modernisierenden Armee zunichte gemacht. An den Zahlen der Einberufenen zu kleben, resp diese maximal halten zu wollen ist das alte Konzept. Die 15000 geben eine Welle Soldaten mehr.
Bedeutet, jede Million ins Armeebudget ist eine verlorene Million.
Edit: Ich war kuerzlich an einer Veranstaltung, wo erzaehlt wurde, das Budget von 50 Milliarden fuer die naechsten 10 Jahre wuerde zu 1% in Innovation fliessen. Zusammen mit der Realisation, dass Alles, Material, Konzepte, veraltet ist, ist 1% weit jenseits von sinnvoll.
Edit. Das Kleben der Buergerlichen an der Armee ist in sofern seltsam wie wir eigentlich kaum mehr Firmen in diesen Bereich haben. Wurde alles ins Ausland verkauft. Aus Spargruenden.

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Sollte nicht eher von einer Verfeinerung der Auszählung als von einer künstlichen "Kleinrechnung" gesprochen werden?

Jedem Assistenzdienst (natürlich auch Aktivdienst) geht eine einsatzbezogene Ausbildung (EBA) voraus, die mehrere Monate dauern kann. Dienstpflichtige im letzten Dienstjahr würden im Falle einer Mobilisierung hauptsächlich die EBA (wenn überhaupt) absolvieren und danach aus dem Dienst entlassen werden. Sie würden also wertvolle Ressourcen für die Ausbildung beanspruchen, aber kaum zur Erfüllung des eigentlichen Auftrags beitragen. Es ist daher sinnvoll, die Dienstpflichtige im letzten Dienstjahr anders zum Sollbestand zu zählen, wie solche mit mehreren Restdienstjahren. Meines Erachtens ist die neue (2023) Praxis des VBS diesbezüglich genauer.

Der heutige Umrechnungsfaktor von 1.4 zwischen Soll- und Effektivbestand ist ja auch nicht exakt, sondern eine Prognose, die auf einem Modell beruht, das irgendwie die gesellschaftliche Entwicklung über Jahrzehnte abbilden muss. Also eine komplexe Sache. Es ist ein gutes Zeichen, finde ich, wenn an diesem Modell gearbeitet wird, denn die Gesellschaft entwickelt sich ja ständig weiter. Nur ein Beispiel: Die Individualisierung der Gesellschaft erfordert, dass die Armee in der Sache Dispensation flexibler wird. Sie ist es auch geworden. Warum sollte man dies bei der Berechnung des Effektivbestandes nicht berücksichtigen? Allein an diesem naiven Beispiel würde ich erwarten, dass der Effektivbestand in den nächsten Jahren steigt, um den Sollbestand von 100'000 weiterhin zu gewährleisten.

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Priscilla Imboden
Bundeshausredaktorin
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Sehr geehrter Herr M., es wird davon ausgegangen, dass der Effektivbestand von 140'000 garantiert, dass die als notwendig erachteten 100'000 Armeeangehörige einrücken. Natürlich ist das keine exakte Zahl. Aber bei der Mobilmachung, um die Corona-Pandemie zu bekämpfen, rückten viel mehr ein, nämlich neunzig Prozent der einberufenen Militärdienstpflichtigen. (Quelle: https://www.vtg.admin.ch/de/armee.d…ilanz.html)
Das deutet darauf hin, dass der Faktor 1,4 eher grosszügig berechnet sein könnte.

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Guten Tag Frau Imboden,
Es ist ein Unterschied ob 90% der Angeschriebenen einrücken, oder 90% des "Komplettbestands". Interessant wäre in diesem Zusammenhang, wieviele zum "Pandemiedienst" aufgeboten wurden.
Es bestehen kaum Zweifel, dass beim Aufgebot eine Vorselektion stattfand. Die 90% kommen von daher, so meine Vermutung.
Freundliche Grüsse, ck

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Redaktor mit 296 Diensttagen
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Die Republik nimmt mit ihrem Namen nicht auf die US-"Republikaner" und auch nicht auf "Banenen-Republiken" Bezug, sondern - so hoffe ich - auf die République der Franzosen der Revolutionszeit oder vielmehr gar die römische Res Publica. Sowohl die République der Franzosen, als auch die römische Res Publica gingen davon aus, dass die Fragen von Krieg und Frieden eine res publica seien, eine öffentliche Sache, zu der sich alle äussern dürfen und sollen, die diese öffentliche Sache auch mittragen. Und dies heisst eben in extremis auch: mit bewaffneter Hand unter Einsatz des Lebens. Das Ukrainische Volk weiss, was dies heisst. Denn Möglichkeit und Raum eines "herrschaftsfreien Diskurses" galt es schon immer gegen aussen zu schützen. Die Massenaushebung, die Volksarmee: sie sind die Merkmale einer Republik, die keine "Bananenrepeblik" sein will. Dies vorausgeschickt frage ich mich, der ich 1986 bis 2003 296 Diensttage leistete, um just die Bedingungen für Presse- und Meinungsfreiheit in unserer Eidgenossenschaft, einer Bundes-Republik, zu sichern, was mir die Kollegin mit diesem Artikel sagen will. Denn nach mir müsste eine kritische Presse in einer Republik - just wenn sie sich "Republik" benamst - den desolaten Zustand der Landesverteidigung und des Wehrwillens insgesamt beklagen und nicht an verzweifelt kreativen Truppenbuchhaltungen herumkritteln. Denn meine und Priscilla Imbodens Möglichkeit, unsere Meinung (weitgehend) unbeschadet kund tun zu dürfen, liegt letztlich in der Möglichkeit begründet, diesen Freiheitsraum auch zu verteidigen. Ich kann in diesem Artikel nichts "republikanisches" erkennen, sondern nur den unreflektierter Reflex auf die Armee einzudreschen, der seine Wurzeln in der GSOA-Initiative der 1980er Jahren hat und sich in der Schreibenden Zunft Helvetiens weitervererbt, ohne reflektiert zu werden. Und eine gründliche Reflexion, das wäre doch das, was ich als Verleger von einem Organ verlangte, das sich "Republik" nennen will.

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Senftube
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Ich bin kein Anhänger von Armeen, aber einer Milizarmee, die im Notfall auch die Bevölkerung vor der eigenen Regierung schützen kann, kann ich etwas abgewinnen.

Wenn ich mir nun aber die Strategie nüchtern und reflektiert anschaue, sehe ich Folgendes: Wir kaufen teure Jets, die nur für eine Zusammenarbeit mit Europa überhaupt taugen. Gleichzeitig macht sich insbesondere seit dem Krieg, aber auch davor, ein vor allem von der SVP propagiertes Reduit-Denken breit. Die Mittel, in die wir investieren, sind dafür total ungeeignet.

Wenn tatsächlich ein Feind vor der Grenze steht - und das ist trotz Krieg in der Ukraine nicht viel wahrscheinlicher geworden, wir sind immer noch von EU und Nato umgeben, und nichts deutet darauf hin, dass die fallen könnten - wenn also tatsächlich ein Feind vor der Grenze steht, bringen die Jets rein gar nichts. Das Mittelland (und ein grosser Teil der Bevölkerung) ist in so einer Situation nicht zu verteidigen.

Kurz: Die Beschaffungen ergeben Sinn für eine Einbindung in die europäische Verteidigungsarchitektur, sei das mit der Nato oder mit der EU, die Schweizer Politik aber favorisiert den Alleingang. (Neutralität!)

Selbst wenn man wenigstens dann auch ein militärisch ein Reduit anstreben würde, auf das es politisch hinauszulaufen scheint, ist immer noch fraglich, wie sinnvoll das ist. Unsere Lage inmitten der Nato und EU schützt uns insgesamt - und anmerken kann man hier auch, dass wir da etwas Trittbrettfahrer sind, wenn wir uns nicht beteiligen, egal ob wir aufrüsten oder nicht. Und wenn die fallen (oder, was wohl wirklich auszuschliessen ist, selbst Gegner werden), können wir allenfalls die Alpen eine Zeit lang halten. Unterstützung aus dem Ausland gibt es ja dann in diesem Szenario kaum, wenn Nato und EU nicht mehr da sind…

Das alles ergibt einfach dermassen wenig Sinn, dass es sogar für mich als sogenannt „Linken“, der kein prinzipieller Gegner der Armee ist, wenig überzeugende Gründe gibt, die Armee zu stärken. Mit der vorliegenden eigentlichen Nicht-Strategie ist das verpulvertes Geld. Das ist desolat, um es in Ihren Worten zu sagen. Es ergibt einfach keinen Sinn.

Übrigens hat es nichts mit dem Militär zu tun, ob ein Land eine „Bananenrepublik“ ist, sondern mit dem Fehlen von rechtsstaatlichen Strukturen und mit Korruption.

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Perspektivensuchend
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"Schon sehr dreist" triffts ziemlich gut, finde ich. Stellt man sich vor, man könnte eine Initiative einreichen und einfach ohne Beleg behaupten, dass man die notwendigen Unterschriften hat.

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Die Mauscheleien mit diesen Zahlen lassen mein Vertrauen noch mehr erodieren.

Allerdings scheint es mir alles andere als sinnvoll, die Armeegrösse über eine fixe Zahl zu definieren. Stattdessen sollte sich die Armeegrösse an den Gefahren und Bedrohungsszenarien resp. deren Eintrittswahrscheinlichkeiten orientieren.

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Wäre natürlich schön zu wissen, was die über 10% extra kosten. Wurden nicht vor kurzem zusätzliche Rüstungsausgaben beschlossen? Und wird nicht gerade das Budget trotz allem hemmungslos überzogen?

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Leider braucht es wegen Putin wahrscheinlich wieder mehr Soldaten. Und eine Denk-Art, was die denn verteidigen sollen. Und wie. Schweizweit und in der EU. Auch in Japan und in Südkorea, Taiwan. Ok. Letztere wissen, wovor sie ihre Insel bewahren wollen.

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Ich denke, es wäre an der Zeit, dass die Rapublik mit diesem Mist aufhört. Es scheint mir klar zu sein, dass die Armee vergrössert werden muss, angesichts der miserablen Aussichten weltweit. Also: was soll das Erbsenzählen?? Es könnte die Zeit wieder kommen, in der sich die Schweiz nicht mit sogenannt "nicht verfassungsmässig grossen Armeebeständen" herumschlagen - sondern wieder als "die Schweiz ist die Armee" fühlen wird.

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Mit mehr Leuten wird's aber nicht besser. Wenn das Konzept schlecht ist, das Material veraltet, die Leute demotiviert, kommt's mit egal wie vielen Leute raus wir bei den Russen heute. Das brauchen wir nicht, das bringt nichts. Erst muss das Konzept geaendert werden, zu .. jeder Soldat ist wertvoll, die werden nicht einfach verfeuert ... solange das nicht geschieht, wird nichts. Es muss einfach Vieles vorher aendern. Das Schlimmste sind unpassende(..) Vorgesetzte. Solange da keine glaubwuerdigen Leute sind, wird auch nichts.

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Da haben Sie allerdings recht, Herr T. Ich frage mich allerdings, ob unsere verfeinerte, dem Einzelen fast alles ermöglichende Kultur überhaupt noch Soldaten hervorbringen kann, die für so etwas wie eine Nation noch ihr Leben einsetzen wollen. Wir haben es möglicherweise - trotz Atomwaffen - mit einer uralten Gesetzmässigkeit zu tun: einfache, ursprüngliche Kulturen überrennen die höher stehende Kultur. Dies deshalb, weil die höhere Kultur verweichlicht ist. Und die Devise "es ist Krieg und niemand geht hin" müsste dann schon auf beiden Seiten funktionieren.

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Ich finde die Recherche der Rebublik gar keinen Mist, da offengelegt wird, dass der Bundesrat wissentlich gegen geltendes Recht verstösst und Korrekturmassnahmen der zuständigen Bundesrätin blockiert. Jeder Bundesrat ist der Verfassung und dem Gesetz verpflichtet, nicht der Meinung seiner Partei - theoretisch. Ich bin als Bürger schockiert. Auch darüber, dass das Parlament nicht konsequent diese Korrektur einfordert.

Gleichzeitig gebe ich ihnen vom Gefühl her Recht, dass die Zeiten beunruhigend sind. Wenn eine Vergrösserung der Armee notwendig ist, verlangt unser System einen (sachlich fundierten) Bundesratsantrag, über den im Parlament abgestimmt wird. Ob eine Referendumsmöglichkeit besteht, kann ich aus den Stegreif nicht sage.
Lange Rede, kurzer Sinn: wo sind wir denn, wenn der Bundesrat sich über geltendes Recht hinwegsetzt, statt die verfügbaren Mittel für Anpassung nutzt?

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