Die Republik ist nur so stark wie ihre Community. Werden Sie ein Teil davon und lassen Sie uns miteinander reden. Kommen Sie jetzt an Bord!

DatenschutzFAQErste-Hilfe-Team: kontakt@republik.ch.



Liebe REPUBLIK
Gerontokratie: Das habe ich schon Mitte der 90er Jahren so beschrieben (DEMOKRATIE - die grosse Unvollendete - damals im Zeitpunkt) -
Unsere grüne Volksinitiative in SZ - für "Sonnen- und Holzenergie" (ab 2008) verlangte einen kantonalen Förderfonds, in den pro neugeborenes Kind im Kanton Fr. 1000.- einzuzahlen waren. Leider abgelehnt und trotzdem als Achtungserfolg zu verbuchen, mit 64% gerontokratischen NEIN-Stimmen der SVP-FDP im 2011.
Seit Jahren unterstütze ich als Präventivarzt die Kinderlobby Schweiz, die ein Stimmrechtalter Null fordert. Jedem Menschenkind gehört eine Stimme; im Normalfall halt in Elternhand, bis zu seiner politischen Mündigkeit frühestens ab 14 spätestens mit Alter 16. Ich wäre schon lange bereit, mein Stimm- und Wahlrecht auf unsere EnkelInnen resp. ihre Eltern zu übertragen und tue es sogar auch schon.
GERONTOKRATIE: Ja, das ist ein Faktum - Wir Alten haben und hatten ja aus zig Gründen viel mehr Einfluss auf die Politik als die nachwachsenden Generationen (z.B. wegen unserer Geld-, Vermögen-, Erfahrungs- und Beziehungsnetz-Macht und wegen unserer vielen freien Zeit. Die Politik/Demokratie wurde in den letzten 170 Jahren je länger desto mehr zu einem unfair und ungleich schräg geneigten Spielfeld gegen die Interessen der nachwachsenden Generationen
Undsoweiter...???

2
/
3

Der Vorschlag tönt gut, aber z.B was die Umwelt betrifft, mache ich ein Fragezeichen: Fliegen die Alten mehr als die Jungen? Wer fährt diese riesigen Wägen, etwa die Pensionierten? Die StudentInnen haben sich gewehrt gegen vegetarische Menus, nicht die Alten, obwohl der Fleischkonsum mitverantwortlich ist für die Klimaveränderung. In unserm Haus verwenden die Jungen alle den Tumbler, obwohl man die Wäsche auch aufhängen könnte. Wir können auch bedenken, dass die meisten alten Leute Kinder und Enkel haben, denen sie ein gutes Leben wünschen, sich also auch um das Klima Sorgen machen. Kurz: Es sind mir zu wenig Belege da, dass alte Leute weniger an das allgemeine Wohl denken als die Jungen. Eine Demokratie kann nur funktionieren, wenn Verständnis da ist für die Anliegen der Anderen. Ist das wirklich bei älteren Leuten weniger vorhanden?

21
/
2

Danke für diesen Kommentar!

3
/
0

Keine Überalterung
Es gibt keine Überalterung. Traurig, dass Peter Knoepfel, ein pensionierter Politologieprofessor ganz unreflektiert dieses Unwort benützt. Aber es gibt sehr wohl veraltete Vorstellungen und Konzepte über alte Menschen, insbesondere das Rentenalter 65, das stur von der verlängerten produktiven Lebenszeit abgekoppelt wird. Ebenso unsinnig ist die starre Vorstellung eines dreiteiligen Lebenslaufs «Ausbildungs-Berufstätigkeit-Ruhestand». Als 1948 die AHV eingeführt wurde, war die Lebenserwartung zehn Jahre tiefer als heute. Eine zukunftsfähige Politik (und Politologie...) verlangt keine Diskriminierung von alten Menschen (eine Menschenrechtsverletzung!), sondern eine Flexibilisierung des Lebenslaufs und insbesondere der Pensionierung und dadurch eine produktive Beteiligung der Alten. Die meisten Menschen könnten heute bis 70 arbeiten; es muss ja nicht Vollzeit sein. Ich plädiere für eine fortschrittliche Alterspolitik und für eine Mobilisierung alter Menschen, die durchaus verantwortungsvoll handeln und entscheiden können, nicht zwangsläufig egoistisch, wie dies manchmal unterstellt wird. Ein Generationenvertrag, mit dem Junge und Alte zusammen die Zukunft bewältigen, ist der Schlüssel zu einer handlungsfähigen Politik, die nicht neue Gräben aufreisst und einzelne Gruppen frustriert oder diskriminiert.

22
/
6
· editiert

Ihre Ansicht teile ich sehr!
Im Zusammenhang mit der AHV schreiben Sie:
"Der Beitrag der jungen Generation könnte überstrapaziert werden."
Damit kann ich mich jedoch nicht anfreunden.
Das sprechen die jungen Leute bereits heute nach. Sie wissen aber nicht, dass es noch nie eine Jugend mit einer so feudalen ökonomischen Situation gab! Sie denken auch nicht, dass diese durch die Arbeit ihrer Eltern entstanden ist. Und diese wiederum ist ja der Kritikpunkt.
Was machen viele in dieser luxuriösen Situation? Sie fliegen nach Australien, Argentinien, Bali, Kolumbien und wissen nicht wo das Binntal oder Slowenien liegt.
Es liegt mir fern, die Jugend zu kritisieren. Sie haben völlig recht, wenn Sie die alte Generation zur Verantwortung ziehen. Doch fürchte ich, dass sich die jungen Leute von den finanzstarken Mächtigen um den Finger wickeln lassen.
Ich werde morgen an der Demonstration gegen die nachlässige Haltung zum Klimawandel teilnehmen. Dieses Initiative der Jugend ist von allen mit zu tragen, die eine Wende als ihre Pflicht sehen. Und die bereit sind die Komfortzone zu reduzieren.

17
/
2

Apropos Generationengerechtigkeit fällt mir noch Hans Jonas' ethischer bzw. ökologischer Imperativ ein:

Handle so, dass die Wirkungen deiner Handlung verträglich sind mit der Permanenz echten menschlichen Lebens auf Erden.

Und auch wenn dieser anthropozentrisch formuliert worden ist, so wäre dennoch zu hoffen, dass dieses Prinzip Verantwortung mehr Geltung in Politik und Gesellschaft erhalten würde.

16
/
1

Danke für das anregende Interview.

Das ist hart formuliert, aber es stimmt. Wir müssen zugeben, dass wir Fehler gemacht haben. Dass unsere falsche Fortschritts- und Technologie­gläubigkeit grosse Schäden angerichtet hat.

Kürzlich habe ich in der Republik gelesen, dass wir die anstehenden Herausforderungen des Klimawandels mit dem Bau neuer AKWs bzw. generell mehr Technologie lösen könnten. Sie beharrte darauf, dass dies eine nüchterne und nicht ideologische Betrachtung des Problems sei. Dabei ist eben gerade diese Technologiegläubigkeit die vorherrschende Ideologie und die Ursache des Problems. Man sieht diese Entwicklung auch bei der Digitalisierung. Viele glauben Digitalisierung und Klimaschutz würden sich ergänzen. Dabei ist die ganze IT schon heute ein Klimatechnisch riesengrosses Problem. Insbesondere auch ein soziales bzw. der Verteilung (https://www.klimareporter.de/techni…limakiller).
Es sind einige wenige Vermögende die unglaublich viel Energie und Ressourcen brauchen und somit auf die Kosten der Mehrheit leben.

Es ist Zeit aus den Ideologien auszubrechen. Fertig EFH in der Vorstadt, fertig MIV, fertig Ferien auf den Seychellen, fertig voll verkabeltes Haus, fertig Smartphone für alle der Familie und alle Jahre neu, fertig Dauerstreaming, ...

Die Zeit ist gekommen uns und unsere Gesellschaft grundlegend zu hinterfragen und falsche Ideale aufzugeben.

16
/
1

Ehrlich gesagt habe ich ein wenig Probleme mit solchen Aussagen. Es ist unstrittig, wir werden verzichten müssen, Fliegen ist z.B. kein Menschenrecht, schon gar nicht in unter 12 Stunden ans andere Ende der Welt, der motorisierte Individualverkehr ist gerade in der Schweiz nicht zwingend notwendig und es muss auch nicht jeden Tag Fleisch sein. All diese Dinge sind unstrittig. Oder sind sie es? Wie sieht es aus mit Heizen? Sind 18 Grad in der Wohnung nicht auch genug? Was ist mit medizinischer Versorgung? Was ist mit medizinischer Versorgung, wenn es um die eigenen Verwandten geht?
Smartphone, was ist mit den eigenen Kindern, die am anderen Ende der Stadt in die Schule müssen? Was ist mit der simplen Tatsache, dass es mittlerweile oft schon ein Zwang ist das beide Elternteile arbeiten und damit dieses Kind halt oft allein ist? Wollen Sie dann ebenfalls das Smartphone verbieten?

Sie machen eine persönliche Aufzählung von Dingen, die SIE nicht für nötig erachten, für mich sind die Prioritäten ganz anders und Dinge, die ich für absolut entbehrlich halte stellen für Sie unter Umständen Notwendigkeiten dar und umgekehrt.

Ich persönlich bin der Überzeugung, dass die Lösung unserer aktuellen Probleme nicht in einer Rückwartsgewandten Verklärung des "einfachen Lebens" liegen kann, wir können schlicht nicht zurück (und ausserdem wäre es eine ziemlich dumme Überlebensstrategie für die Spezies... begrenzte Lebensräume sind immer anfällig für Katastrophen.). Wir müssen die heute für das Zusammenleben notwendigen Dinge smarter gestalten, wir können Sie nicht einfach abschaffen. Es muss nicht zwingend ein Flugzeug sein, ein Zeppelin reicht auch, ein Smartphone hält absolut länger als ein Jahr bis zum neuen Vertrag durch, das Auto kann durchaus mit anderen Personen geteilt werden, Innenstädte können absolut Autofrei erschlossen werden, es müssen auch keine staatlichen Subventionen für Viehwirtschaft sein usw.

Sie schreiben "Die Zeit ist gekommen uns und unsere Gesellschaft grundlegend zu hinterfragen und falsche Ideale aufzugeben." argumentieren aber gleichzeitig rein idealistisch.

8
/
0
· editiert

Lieber Zangger. Ich verstehe nicht wie sie auf die Idee kommen, dass dies Idealistisch sein sollte. Ist Klimaschutz idealistisch? Die Grundlage unseres Lebens zu schützen ist doch nicht idealistisch. Es ist vielmehr fundamental realistisch. Idealistisch sind Vorstellungen von wir können so weitermachen wie bisher (z.B. Wirtschaftswachstum, Mobilität, Digitalisierung, Landwirtschaft, Konsum, ...). Meine erwähnten Punkte sind nüchterne Schlussfolgerungen von klar dargelegten Tatsachen (die Klimaforschung ist ja sehr klar, wie der Stand ist). Ich sehe einfach keine Alternative, als eben dieses im gewissen Sinne "einfache Leben". (Das aber reicher ist an Inhalt.)
Bestimmt wird es anders sein als wir uns das vorstellen, aber das Leben der Zukunft wird eben nicht mit 1000 Gadget etc. sein. Er wird eben sehr viel einfacher sein, weil halt alles darauf hindeutet, dass dies die Lösung ist. Bzw. Es deutet eben alles darauf hin, dass ein anderes Leben bzw. ein solches wie sie glauben das es möglich, nicht möglich ist. Das sind unbequeme Tatsachen, ich verstehe, wenn ihnen diese schwerfallen.

Ich wäre offen dafür, wenn mir jemand glaubhaft erklären könnte, dass es anderes geht. Jedoch zeigt sich, dass alle die für ein "weiter wie bisher" argumentieren fehlerhaft argumentieren oder einfach schlecht informiert sind. Vielleicht wollen sie ja auch einfach schlecht informiert sein (selbst verzerrende Wahrnehmung). Ich habe dafür ja auch sehr viel Verständnis. Es ist nicht leicht diese festgefahrenen Ideale bzw. Glaubensvorstellungen (die wie bei ihnen nicht als solche erkannt werden) aufzugeben.

Aber machen werden wir es als Gesellschaft ohnehin. Besser beginnen wir gleich damit. Der Kater wird angenehmer, wenn man aufhört zu trinken. Auch wenn man sich schon Mitten im Rausch befindet.

4
/
0

Die Schweiz als Gerontokratie? Oder zur Herrschaft des "Senats".

Damit wir zur Orientierung Daten haben, hier als Beispiel die Zahlen und die Wahlbeteiligung von 2015 - natürlich stark vereinfacht. Dies wäre also etwas für "Auf lange Sicht", gerade im Hinblick auf den demographischen Wandel.

Zur Ausgangslage:

  • Ständige Wohnbevölkerung: ca. 8 Mio. = 100%

Zur Altersstruktur:

  • 0-19: 20% = ca. 1.6 Mio.

  • 20-39: 27% = ca. 2.1 Mio.

  • 40-64: 35% = ca. 2.8 Mio.

  • 65-79: 13% = ca. 1 Mio.

  • 80+: 5% = ca. 0.4 Mio.

Zu den Wahlberechtigten:

Zur Wahlbeteiligung:

  • Wahlbeteiligung Insgesamt: ca. 50%, entspricht 30% von 8 Mio. = 2'500'000

  • Wahlbeteiligung Junge: ca. 30%, entspricht 2.25% von 8 Mio. = 180'000 (zur Schwierigkeit der Datenlage siehe hier)

Wählen und abstimmen gehen:

  • Mehr und häufiger Ältere als Jüngere

  • Mehr und häufiger Männer als Frauen

  • Mehr und häufiger höher Ausgebildete als weniger hoch Ausgebildete

  • Mehr und häufiger Wohlhabendere als weniger Wohlhabende

Zur "Herrschaft der Wenigen":

  • Absolute Mehrheit (51%) = 1'275'00, entspricht 51% von 50%, also 16% von 8 Mio.

  • 16% der ständigen Wohnbevölkerung bestimmen also über die "restlichen" 84% .

Ein Zitat statt ein Fazit:

16
/
1

Liebe Leute
Wieder ein enttäuschender Beitrag, der an so Vielem krankt, was die Kommentatoren vor mir schon angesprochen haben. Warum wird wieder ein Hohlkopf gefragt, der eine Lösung präsentiert, die nicht das Geringste nützt? Klimawandel muss mit den Staaten gelöst werden, deren gesamte Bevölkerung der Zerstörung nur zusehen konnte, weil sie weder Macht und Freiheit noch Geld hatte, um sich daran zu beteiligen. Wenn man etwas von der Schweiz oder Europa aus erreichen will, muss man Firmen wie Bayer (Monsanto) und Politikern wie Juncker das Handwerk legen. Knoepfel lenkt von der Suche nach den richtigen Massnahmen ab. Die Umwelt ist global.

6
/
29

Peter Knoepfel als Hohlkopf zu bezeichnen, ist niveaulos. Zudem will er keine Lösung für den Klimawandel präsentieren, sondern er spricht die zunehmende Überalterung der Stimmbevölkerung an. Bitte lesen, bevor sie rüffeln.

19
/
4

Knoepfels Vorschlag muss aus meiner Sicht unbedingt breit diskutiert werden - zusammen mit anderen Vorschlägen, die das gleiche Ziel verfolgen. Dies sage ich als 70+Person und im Wissen, dass in meiner Generation etliche Leute Ressourchen schonend leben.

16
/
5

Denken die Jungen den wirklich nachhaltiger? Ich finde die Idee naheliegend und gut argumentiert, ich habe mich allerdings gefragt, ob wir wirklich mit dem Blick in die Zukunft abstimmen. Damit meine ich nicht den Klimaschutz, sondern generell die Tatsache, dass wir uns meist ohnehin nur mit kurzfristigen Auswirkungen von Abstimmungen auseinandersetzten. Der Blick der Politik ist stark der Gegenwart zugewandt oder sogar reaktiv (im Sinne von man reagiert auf das Dringlichste, anstatt vorzugeben). Das ist ja auch ein generelles Thema, dass wir als Gesellschaft nicht in der Lage sind wirklich langfristig sinnvolle Entschiede zu treffen, egal um was es geht.
Das hat stark mit unserer Form der Wirtschaft zu tun (es gäbe auch nachhaltigere Varianten von Kapitalismus). Würden wir generell nur schon Wirtschaftliche entscheide Treffen die über 50 Jahre wirtschaftlich nachhaltig wären, wären die Probleme drastisch weniger.
Ich vertraue aktuell nicht darauf, dass Leute wirklich langfristig denken, wenn es um Abstimmungen geht. Weder jung noch alt. Die Selbstverzerrungen der psychischen Verarbeitung mach es auch nicht einfacher. Vielmehr denkt jeder für sich und zwar mit kurzfristigem Blick.
Anzustreben wäre meiner Meinung nach nämlich eine Haltung, dass man Entscheide trifft, die nicht nur für die nächsten 2 Jahre, sondern die nächsten 2 Generationen sinnvoll.

Man nehme das Beispiel Plastik. Kurzfristig ein enorgmer Erfolg. Aktuell ein kaum bewältigbares Problem. Auf eine Zeitspanne von 200 Jahren finanziell höchstwahrscheinlich ein totaler Flop.

10
/
0

Meine Generation (ich bin 80) hätte wissen müssen, worauf wir zusteuern. Der Club of Rome hat es uns schon vor fast 50 Jahren deutlich aufgezeigt. Wir haben nicht oder viel zu wenig hingehört. Darum stehen wir da, wo wir heute stehen.
Nun zum Vorschlag von Professor Knöpfel: Wenn man die Wahl- und Abstimmungsbeteiligung betrachtet (oft oder meist unter 50 %), so stellt sich die Frage, warum bestehende Möglichkeiten der Einflussnahme nicht besser genutzt werden. Meines Wissens

12
/
3

Das doppelte Stimmrecht für die jüngere Hälfte des Stimmvolks mag problematisch sein. Aber in seiner Argumentation spricht Peter Knoepfel ein gewichtiges Problem an. Wir Älteren sollten nicht gleich beleidigt sein, wenn man uns sagt, wir hätten es verbockt. Wer von uns hat vor dreissig oder vierzig Jahren an einen Klimastreik gedacht? Die Fakten waren schon weitgehend bekannt (Berichte des Club of Rome!). Mir scheint, in meiner Generation gebe es tatsächlich allzu viele, die hemmungslos Ressourcen verschwenden und in der Welt herumjetten. Dem gegenüber sollten die Jungen, die den Klimastreik ausrufen, viel ernster genommen werden.

8
/
3
· editiert

Selbstverständlich muss man den Klimawandel und die Ressourcenknappheit ernst nehmen. Und selbstverständlich machen sich viele Jungen zurecht Sorgen. Aber eben auch viele Mittelalte und viele Alte. Und Leute verhalten sich nicht wegen ihres Alters verantwortungsbewusst oder verantwortungslos. Neben den Jungen, die an Klimastreiks teilnehmen, gibt es auch die „Generation EasyJet“. Und es gibt wohl auch die, die man sowohl an den Klimastreiks wie im Flugzeug sieht. Ich halte Knoepfels Idee nicht für zielführend.

6
/
1

«Den Klimawandel zu stoppen, ist schneller möglich, als viele denken»
watson

https://www.watson.ch/!287327639?ut…on-app-ios

von Kai Niebert
Der 39-jährige Deutsche leitet den Bereich Nachhaltigkeit am Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Zürich.

„Ich bin passionierter Nachtzugfahrer und ein Fan der alten James-Bond-Filme, die oft in Nachtzügen spielen. Die österreichische Bundesbahn hat glücklicherweise die Strecke von Zürich nach Berlin übernommen. Die Fahrt kostet allerdings mit Europasparpreis 240 Euro pro Weg im Einzelabteil. Macht für beide Strecken 480 Euro. Die Swiss fliegt mich hin und zurück für 160 Euro.“
Woher kommt diese Diskrepanz?
Internationale Flüge sind von der Mehrwertsteuer befreit. Es gibt keine Kerosinsteuer und keine Energiebesteuerung, während die Bahn die Mehrwertsteuer und die Energiesteuer bezahlt sowie in Deutschland die sogenannte EEG-Umlage zur Förderung erneuerbarer Energien. Die Gebühr für die Nutzung der Geleise mit dem ICE von Zürich nach Berlin ist höher als die Landegebühr eines Fliegers in Berlin-Tegel. Das sind alles Dinge, die politisch gesteuert sind.“

9
/
0

...und zudem birgt Knoepfels Vorschlag letztlich eine weitere mögliche Spaltung der Gesellschaft.

4
/
0

In diesem Kontext sind auch noch folgende zwei Punkte zu beachten:

  1. Wie im Artikel angesprochen, wird wie bei der Einführung des Frauenstimmrechts die Annahme der Verfassungsänderung von der aktuellen "privilegierten" Mehrheit abhängig sein. Also von deren good will. So wie die Mehrheit der Männer den Frauen deren Rechte zugestehen musste, müsste die Mehrheit der Älteren den Jüngeren deren Rechte zugestehen.

  2. Damit aber wäre - so wie heute - noch nicht gesagt, dass die Jungen deren Rechte auch hinreichend nutzen. Die Gründe für die Nichtbeteiligung seien die zu komplizierte politische Sprache, die kaum bekannten Kandidat*innen und der zu schwierige Wahlakt. Als weitere Erklärung gilt deren spezifische Lebensphase, in der sie ihren Platz im Leben erst finden müssten und Politik in ihrem Alltag daher zu weit weg wäre.

Die politische Antwort auf die zweite Frage ist daher nicht die Jungen schlicht als faul und apolitisch zu verdammen - was die aktuellen Schülerstreiks wirkmächtig widerlegen -, sondern die politische Bildung und die Politik-Vermittlung zu verbessern.

  • In den Familien: Den Kindern auf Augenhöhe begegnen und über (alltags-)politische Themen demokratisch, also nicht autoritär, diskutieren - Stichwort "demokratische Erziehung".

  • In den Schulen: Eine auf Bundes- oder zumindest Kantonsebene einheitliche politische Bildung.

  • In den Medien: Auf Jüngere zugeschnittene mediale Aufbereitung von politischen Inhalten bzw. das Runterbrechen komplexer Politik und policies auf den relevanten Alltag. Wobei je besser die demokratische Erziehung und politische Bildung, umso einfacher die Rezeption komplexer medialer Inhalte.

  • In den Wahl- und Abstimmungsunterlagen: Womöglich auch auf das jeweilige Alter zugeschnittene Wahl- und Abstimmungsbroschüren, verstärkte Präsenz auf Sozialen Medien und ev. E-Voting (but, alas!). Wobei es hier mit EasyVote und SmartVote schon Plattformen gibt.

  • Und nicht zuletzt bei den Politiker*innen: Volksnah zu sein, bedeutet auch den Jungen nah zu sein. Geht in die Schulen, die Fachhochschulen und Universitäten. Nicht nur frontal oder panel, sondern auch inter pares im Kreis - auf Augenhöhe.

Dies ergäbe eine positive Spirale. Denn wie bereits Aristoteles aufzeigte: Je "besser" die Bürger*innen, um so besser der demokratische Staat.

Und die Jungen von heute sind die Bürger*innen von morgen - und somit auch die Wähler*innen und die Politiker*innen von morgen. Arendt sprach auch von Natalität, die Fähigkeit der Neuankömmlinge, einen neuen Anfang zu machen. Ein Ereignis, dessen eigentliche politische Handlung die Revolution ist.

10
/
2

Ist zwar nicht das Thema, aber "Das Ausländer­stimmrecht ist eine andere Frage. Aber ja, aus meiner Sicht ist seine Einführung absolut notwendig. Auch im Sinne der Nachhaltigkeit ist es widersinnig, Ausländerinnen auszuschliessen." Das finde ich so gesehen nicht gut. Aus meiner Sicht sollte niemand in zwei Ländern abstimmen können.

4
/
7

Sondern nur indem Land, in dem sie/er hauptsächlich lebt. Sehe ich auch so. Leider ist das aber nicht der Fall.

7
/
0

Und Abstimmen nur in dem Land, in dem man hauptsächlich lebt, ist nicht praktikabel für die Schweiz - wir können Italienerinnen ja nicht das Stimmrecht für Italien entziehen. Es ist aber richtig, Menschen ein Mitbestimmungsrecht zu geben für die Gesellschaft und den Ort, in/an der/dem sie leben.

1
/
1

sehr bedenkenswert! Danke

7
/
0

Danke für diesen Denkanstoss.

8
/
1

Es ist wahr, die Jungen werden die Folgen dessen zu tragen haben, was bisher und heute verbockt wurde und noch wird. Die Idee, den Jungen bis 45 das doppelte Stimmrecht bei Abstimmungen zu geben, scheint einleuchtend.
Ich bin 80 und seit ich 1971 stimmberechtigt wurde, war mir der Umweltgedanke auch bei Abstimmungen immer wichtig.
Wenn die Jungen heute eine bessere Weitsicht für die Folgen ihrer Entscheidungen haben und die Bewegung für den Klimaschutz nicht nur ein Hype ist, denke ich, dass sie es schaffen, ihre Altersgenossen (und auch noch einige Alte) zu sensibilisieren und an die Urnen zu bringen und so eine Mehrheit zu schaffen, ohne dass die Alten diskriminiert werden müssen.

8
/
1

Zu Beginn gleich mal eine kleine Schelte an E. M.. Der Prof. aus Lausanne ist kein Hohlkopf. Die Ideen die er im Gespräch erläutert, zeugen von einem Hell(en)Kopf. Ihre Argumentation dagegen.."man muss den Grossen an den Kragen..." ist Palaver am etablierten Stammtisch. Solche Sätze sind Phrasendreschergeschwätz. Natürlich ist die Wut auf die da oben berechtigt und denen muss die Macht entrissen werden. Punkt. Die Geschichte lehrt uns aber, dass die grossen und wichtigen Ideen - ob gute oder schlechte - nie durch eine Mehrheit entstanden sind. Es ist das Individum das denkt, die Masse handelt meistens nur. In diesem Sinne muss die Idee, dass die junge Generation und deren Stimmkraft stärker gewichtet wird dringend in Angriff genommen werden. Dauern tut es in diesem Lande eh noch Jahrzehnte bis sich wirklich etwas verändert. Ich selber bin seit kurzem Fitt-Rentner und ich könnte, bei einer Neugewichtung der politischen Kräfte, auch etwas verlieren. Aber dazu bin ich bereit. Denn nach mir kommt nicht die Sintflut, sondern meine Kinder und meine Enkel.

11
/
5

Die bisherigen drei Kommentatoren geben Peter Knoepfels Vorschlag falsch wieder. Es geht nicht um doppelt gezählte Stimmen von Jungen und auch nicht um alle Abstimmungen. Vgl. Interview: «Das hiesse dann in Artikel 142 zu Abstimmungen: ‹… sind angenommen, wenn die Mehrheit der Stimmenden und die Mehrheit der Stimmenden im Alter unter 45 Jahren sich dafür aussprechen.›» und: «bei einer Verfassungs­abstimmung wären dann drei Mehr nötig. Das der Gesamtheit der Abstimmenden, das Stände­mehr und das Mehr der jungen Stimmen.»

6
/
2

Genau. Was aber auch heisst, dass je mehr Mehr nötig sind, es umso unwahrscheinlicher wird, dass etwas Neues angenommen wird.

3
/
0

Das habe ich schon verstanden. Aber mit dem Argument der Betroffenheit kann man die Mehrheiten, die gegeben sein müssen, beliebig vermehren. Und wenn sich das Prinzip erst einmal etabliert hat, warum bei Verfassungsabstimmungen halt machen?

0
/
0

Aber die Mehrheit der alten, weissen Männer an den Schalthebeln der Macht - fährt gerade vieles an die Wand.

5
/
3
· editiert

Ob eine weitere Marginalisierung der Alten (im Arbeitsmarkt hat sie ja schon längst stattgefunden) wirklich zu solidarischeren Gesellschaftsbeschlüssen führt, wage ich zu bezweifeln: oft sind es die Generationen der Grosseltern und Urgrosseltern, welche eine Affinität für die Anliegen der Jungen und für Themen der Nachhaltigkeit und des Maas-Haltens zeigen, während die Menschen mittleren Alters in der Karriere-Tretmühle stecken und die Kollegen und Nachbarn mit dem grösseren Auto, und dem ferneren Urlaub beeindrucken müssen. Eine Beschneidung der Mitbestimmungsrechte der Alten könnte sich also als wahrer Bumerang entpuppen...!
Eigentlich beschämend, dass ein Wissenschaftler überhaupt einen solchen Vorschlag macht, ohne - wie aus dem Interview hervorgeht - aus dem bisherigen Abstimmungsverhalten die wahrscheinlichen Folgen abzuleiten.

9
/
5

Eine gute Idee. Wer in der Zukunft lebt, soll auch für die Zukunft stimmen können. Und ja, wir Alten haben die Welt zu dem gemacht was sie ist. Auch wir haben sie von unseren Eltern übernommen und die Jugend von heute wird einmal die Welt an ihre Kinder weitergeben. Ob die junge Generation es wesentlich besser machen wird, hoffe ich sehr. Im Moment haben ein paar Schülerstreiks viel euphorie ausgelöst. Ob es jedoch die Alten sind, die jeweils für den Dreck abstimmen und die Jungen für eine saubere Zukunft? Wer fliegt am meisten? Was bewirkt die ganze Euphorie für die Digitalisierung? Nach Einschätzungen braucht in Deutschland die gesamte IT gleich viel Energie wie die deutsche Luftfahrt.
Und ganz klar, wenn wir die Bevölkerungsexplosion eindämmen wollen, werden wenige Junge für viele Alte bezahlen müssen. Aber wenn zu wenig Geld für die AHV da ist, hat das vor allem mit der Verteilung des Reichtums zu tun.
Aber wie im ersten Satz erwähnt, lassen wir den Jungen mehr Platz.

6
/
3

Einmal mehr wird "ein Interesse haben an" verwechselt mit "etwas verstehen von". Natürlich haben Jugendliche mehr Interesse an einem guten Leben in 60 Jahren, als 80-Jährige. Aber die Idee ein 18-Jähriger verstünde gleichviel von Regierungsführung und Weltpolitik wie ein 60-Jähriger ist schon bedenklich naiv. Ich finde schon der Trend zu 30+ jährigen Staatschefs sehr fraglich (Österreich, Canada, Neuseeland, Frankreich). Klar gibt es auch 70-jährige die keine Ahnung haben, Trump an vorderster Stelle. Aber wir brauchen ein System welches wieder stärker die Weisesten an die Spitze setzt und ihnen Verantwortung überträgt, und nicht die lautesten. Die indirekte Wahl des Bundesrates ist ein gutes Werkzeug dazu, Leute wie Trump zu verhindern. Umgekehrt sind Kinder nun mal leicht zu beeinflussen. Nur weil jetzt 5-10% der Jugendlichen (oder noch weniger?) für Klimaschutz demonstrieren, heisst doch nicht dass "die Jugend" klimaverantwortlicher ist als andere Altersgruppen. Ich habe mal gehört, bei manchen australischen Aboriginies Stämmen habe es einen "Nachfahrenrat" gegeben, welcher die Interessen von 5 Generationen später vertreten musste. Dass waren aber auch nicht Ungeborene, die in diesem Rat sassen.

14
/
11

Was ist das für eine Bewegung, die immer den älteren Menschen in unserer Gesellschaft die Schuld an allem geben? Waren es nicht sie, die mit viel mehr Verzicht gelebt haben als wir? Wurden die Möbel früher nicht für eine halbe Ewigkeit gekauft, das Geschirr und das Besteck, der Fernseher und was es sonst noch in einem Haushalt braucht? Meine Grosseltern assen noch Fleisch 1x die Woche, kauften auf dem Wochenmarkt ein und trugen ihre Kleider bis sie nicht mehr geflickt werden konnten resp. es einfach nicht mehr anständig aussahen. Dafür gab es Sonntagskleidung. Sie wussten noch wie man Lebensmittel selber haltbar macht und hatten eingekochte Vorräte im Keller. Sie sind nie in ihrem Leben geflogen und wenn sie denn mal Ferien hatten, nahmen sie den Zug. Handys und Computer, die man spätestens alle 3 Jahre ausgetauscht werden müssen, gab es nicht. Vom Stromverbrauch all dieser Geräte ganz zu schweigen. Wir leiden in der Schweiz definitiv an einer Geschichts-Demenz. Aber es ist soviel einfacher immer nach Schuldigen zu suchen und es sind immer die anderen. . Wer bitte fliegt denn die ganze Zeit um die Welt, kauft Produkte aus der ganzen Welt ein, liebt den Convenience Food und wirft kaputte Ware weg statt sie zu reparieren? Meine Grosseltern sicher nicht. Dieser Fingerzeig auf die - despektierlich - genannten "Alten" tut unserer Demokratie nicht gut und den älteren Menschen unrecht. Das in den Medien verbreitete Jung gegen Alt greift unsere Demokratie an, denn es trennt statt zu verbinden.

8
/
5
· editiert

Ein sehr schönes Interview, das in seinen letzten Worten meine zaghafte Hoffnung nährt, dass die verknappten Ressourcen und der Klimawandel die Gesellschaft zu einem schnellen und radikalen Umdenken zwingen werden und sich unsere Lebensweise der Realität anpasst, zudem, dass Klimawandel und Ressourcenknappheit zu radikalen institutionellen Veränderungen führen können, vielleicht auch zu globaler Zusammenarbeit oder sogar einer veränderten Migrationspolitik. Ich stimme den Kommentatoren hier zu, dass wir derzeit verschwenderischer leben als die vorletzte Generation. Vielleicht liegt das auch daran, dass wir die Folgen des Klimawandels erst in geringem Mass spüren, das Aufwachen findet vermutlich auch deshalb etwas verlangsamt statt. Was jetzt gerade passiert ist spannend, sowohl, was die Schüler machen, als auch, dass endlich breit über Kerosinsteuer oder "Flying Shame" gesprochen wird, oder auch, dass selbst die FDP kurz vor den Wahlen behauptet, im Herzen ebenfalls eine grüne Partei zu sein, etc. Es muss viel passieren, aber junge Geister sind doch oft noch etwas beweglicher als ältere. Vielleicht, vielleicht... geht auf einmal einfach alles ganz schnell.

4
/
2

Ich denke, viele Kommentatoren hier sind etwas ungerecht. Es liegt auch daran, dass der Vorschlag von Knoepfel als "doppeltes Stimmrecht" bezeichnet wird. In Wirklichkeit ist es nur ein Vetorecht, das heisst das recht "nein" zu sagen. Die Gesamtstimmbevölkerung muss immer noch zustimmen, kann also nur negativ, nicht aber positiv überstimmt werden. Ich finde den Vorschlag sehr bedenkenswert und fühle mich dabei als Alter nicht entmündigt.

45 erscheint mir als Grenze etwas hoch zu sein. Mit 45 ist man schon stark mit der Besitzstandswahrung befasst.

Das Hauptargument der Kritiker hier ist, dass junge Menschen noch weniger nachhaltig leben als Alte. So pauschal kann man dies nicht, jedenfalls nicht ohne ohne empirische Forschung, sagen. Bei diesem Argument, das auch gegen Greta und ihre Followers vorgebracht wird, muss man auch darauf hinweisen, dass Konseqeunz im persönlichen Leben das eine ist (bei Greta scheint dies in hohem Masse zuzutreffen) , aber wohl wenige Menschen glauben, dass man durch freiwillige Verhaltensänderungen nachhaltige Lebensverhältnisse schaffen kann. Die Wirkung von freiwilligen Änderungen wird in hohem Mass durch das free rider Problem verwässert. Was nützt es, wenn junge Städter kein Auto mehr haben, wenn dafür auf dem Land jeder Trottel mit einem SUV herumfährt? Deshalb ist die Kritik an "den Jungen" gratis. Es kommt nicht darauf an, wo sie heute in den Ferien hinfliegen, sondern ob sie bereit sind, zum Beispiel eine hohe Mobilitätsbesteuerung, die auch Kerosin einschliesst, gesetzlich zu verankern. Allerdings, durch ein Jugend-Veto werden solche gesetzlichen Korrekturen nur marginal erleichtert, da (siehe oben) die Gesamtbevölkerung immer noch zustimmen muss.

4
/
2

Bin sehr froh, dass Leute in unserem Alter solche Ideen vertreten. Jeder soll bei sich anfangen, Das Böse ist nicht irgendwo da draussen oder da oben, sondern die Bequemlichkeit und die Gier in uns.

4
/
3

Ein guter Denkanstoss, aber leider nicht mehr...

Die Jugend muss vor allem auch Änderungen zum Durchbruch verhelfen können, wenn sich denn etwas ändern soll. Ein blosses Vetorecht durch das Jugendmehr hilft dabei nicht. Und alle weiteren Vorschläge mit unterschiedlicher Gewichtung der Stimmen sind eben undemokratisch.

4
/
4
· editiert

Die Linken haben ideengeschichtlich gesehen immer einen systemischen Approach - das Individuum interessiert sie nicht. Deshalb haben sie auch keine Bedenken, an der auf Menschen- und Individualrecht beruhenden Demokratie zu schrauben - über die Köpfe der Menschen hinweg. Das ist bei Knoepfel nicht anders - mit ein Grund für die Krise in Europa, die nur den Rechten zudient: AfD, SVP, Gilets jaunes, FPÖ etc. leben doch allem
voran von der von den Linken (und Neoliberalen) betriebenen systemischen und technokratischen Entfremdung der Menschen. Besonders weltfremd halte ich Knoepfels Vorschlag auch deshalb, weil der Gedanke der Demokratie gemäss einer kürzlich durchgeführten Umfrage (ich glaube ich habe sie bei Watson gelesen) unter den jüngeren Menschen weit weniger stark verankert ist als bei älteren Menschen: Jüngere haben demnach signifikant hohe Affinitäten zum Konzept des benevolent dictators (ein Topos, das der Linken wie den Neoliberalen auch nicht ganz fremd ist). Und gerade denen will Knoepfel das doppelte Stimmrecht geben? Na dann Prost. (In Deutschland ging die Demokratie 1933 auch mit einer demokratischen Wahl flöten.) Herr Knoepfel, mit 66 bin ich ein relativ alter Sack, aber ich habe Kinder und Enkel. Glauben Sie mir, nichts treibt uns und unsere Freunde in derselben Lage so sehr um wie diejenige, welche Zukunft sie haben werden. Was Sie vorschlagen, ist eine Beleidigung. Als wäre mehr als die Hälfte von uns älteren Semestern dumpfe Trottel. Vielleicht schauen Sie einmal in Ihrem Pass nach, wie alt Sie sind... Ich denke, es gibt nichts Totalitäreres, als Menschen ihre Fähigkeit zur Verantwortung abzusprechen. Ich war auch auf diesem 68er-Trip, habe aber die Sackgasse bemerkt. Man kann in jedem Alter noch lernen und gescheiter werden. Das wünsche ich Ihnen auch! Es ist das alte Spiel der Linken und der Neoliberalen: Die Menschheit hat ein falsches Bewusstsein, nur Knoepfel hat das richtige. Sind Sie wirklich ein besserer oder klügerer Mensch als der Rest von uns Älteren???

18
/
24
· editiert

Denken wir Knoepfels Ansatz doch weiter:

  • Die Frauen erhalten doppeltes Stimmrecht, wenn es um Themen geht wie z.B. Lohn, Kinderbetreuung, Abtreibung, Gewalt. Alle eben, von denen sie besonders betroffen sind

  • Musliminnen und Muslime dürfen doppelt stimmen, wenn es z.B. um das Minarett- oder das Burkaverbot geht

  • Wer eine Rente bezieht, bekommt zwei Stimmen, wenn am Rentensystem etwas verändert werden soll

  • Wer viel verdient, stimmt doppelt, wenn die Steuern für Gutverdienende verändert werden sollen

  • Wer wenig verdient, stimmt doppelt, wenn die Steuern für wenig Verdienende verändert werden sollen

  • Schwule und Lesben erhalten doppeltes Stimmrecht bei Vorlagen wie der Ehe und der Adoption für alle.
    Die Liste liesse sich beliebig verlängern.
    Die allgemeine Regel wäre: Angehörige von Gruppen, die von einem Entscheid besonders betroffen sind, erhalten zwei Stimmen. Oder auch drei. Oder bloss eine und ein Viertel, je nach der Tragweite des Entscheids. Machbar? Demokratisch?

15
/
22