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Leserin
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Danke, sehr spannend, aber wie beschrieben auch zweischneidig. Vor allem deshalb, weil ein Souverän das mit dem Potenzial gestalten soll. Ist das überhaupt nötig? Wie wäre es, wenn wir Perspektiven schaffen, die ohne Souverän funktionieren (gut, ok, jemand muss sie schaffen). Hierzu lese ich grad Dieter Duhm (Terra Nova): "Was wäre, wenn sie (die Demonstranten) tatsächlich eine andere, realisierbare Perspektive hätten, die Vision einer Gesellschaft, welche frei ist von Ungerechtigkeit und Gewalt? Die Vision einer Gesellschaft in der sie alle genug zu essen haben, ohne sich falschen Gesetzen unterwerfen zu müssen? Die Vision einer Welt, wo sie frei und ohne Verurteilung lieben dürften, auch die Frauen? Was wäre, wenn die Millionen, die heute auf den Strassen und Plätzen demonstrieren (jetzt grad nicht;)), eine klare Vision hätten und anfingen, diese zu verwirklichen? - Wir hätten die reale Entwicklung einer freien Welt mit funktionierenden Gemeinschaften, mit autonomen Zentren und Subsistenzwirtschaften, mit Liebespaaren ohne Angst vor Strafe, mit freier Religion und freier Kutur. Wir hätten Kinderschulen für die Geheimnisse des Lebens, Forschungsstätten für neue Kommunikationssysteme, für neue Architektur, neue Energien, neue Wohnmöglichkeiten, neue Wasserlandschaften mit Nahrungsbiotopen, neue Heilungsmethoden, neuen Umgang mit Tieren..."
Ein Traum oder bald Wirklichkeit? Wir haben die Wahl.

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Liebe M. S.,
Ja, es wäre schön, wenn jeder genügend Freiraum hätte, um individuelle oder auch kollektive Visionen leben zu können. Eine wunderschöne, pink-liberale Vision (Illusion?). Der reale, kollektive Liberalismus von heute ist aber in erster Priorität eine wirtschaftliberale Vision. Ist es nicht so, dass alle anderen Lebensbereiche und Lebensentwürfe einer deutlichen Priorisierung des ökonomischen Erfolges unterworfen werden, (und von dieser verdrängt werden)?

Das Argument, 'wir dürfen Arbeitsplätze nicht gefährden', sticht bei jeder politischen Diskussion und bei jeder Abstimmung. Die Angst wird gezüchtet: Es hat scheinbar immer zu wenig und es hat nie genug (auch wenn einige Maden im Speck fast verplatzen). Da heisst es z.B.: Wir können die AHV nicht sichern. Das würde die Wirtschaft zu stark belasten. Jeder muss den Gürtel enger schnallen..... in erster Linie die Frauen, natürlich... Selbstverantwortung. ..... Und dann hat man plötzlich einfach so 10, 20, 40, 100 Mrd (oder darfs es Bitzeli meh si?), um die Corona-Krise abzufedern... Hä?

Es ist sicher gut, dass der Bund den KMU's und allen Betroffenen unter die Arme greift - aber was heisst das für die Zeiten ohne Corona oder nach Corona?

Ein Bsp:
Wie müssen wir die angestrebten Sparmassnahmen im Bereich der Invalidenrenten einstufen? - ein paar Milliönli, die man einer benachteiligten Randgruppe abzwacken kann (... und sie in der Diskussion nota bene auch noch als potentielle Schmarotzer bashed) - im Gegensatz dazu die x-Milliarden, die man bei Corona einfach so aus dem Hut zaubern kann, um das System am Leben zu erhalten.

Aus meiner Sicht ist zu hoffen, dass Corona auf längere First auch ein Bitzeli unser Solidaritäts-Verständnis fördert.

Auf Foucault würde ich antworten, wir haben uns so organisiert, dass die Biomasse v.a. produktiv ist - alles andere ist Beilage. Wer aber profitiert von dieser Produktivität? Es ist ja doch eher ein kleiner Teil der Biomasse (eine Bio-Elite), welche die Sahne abschöpft...
Dass sich z.B. Frau Martullo Blocher in einem einzigen Jahr 70 (oder mehr?) Mio Fr Tantieme selber ausschüttet, während der kleine Arbeiter kaum genügend hat um die steigenden Krankenkassen-Prämien zu bezahlen, das spricht eigentlich Bände. Jaja, ich weiss - ich bin ein Neider... - Nein, bin ich nicht.
Produktivitätssteigerung und stetes Wirtschaftswachstum gehen nicht nur zu Lasten des Grossteils der humanen Biomasse (Otto- und Ute-Normalverdiener) - es geht auch zu Lasten von Tieren und Umwelt, welche durch diese ach so liberale Ökonomie gnadenlos ausgebeutet werden. Klimawandel und Artensterben lassen grüssen.

Es wird sich also nach Corona ganz eindringlich die Frage stellen, ob wir uns nicht anders organisieren könnten...? - müssten! ... So, dass es auch einen grösseren Freiraum für individuelle und/oder solidarische Lebensentwürfe und Visionen gibt? So, dass das Gros der Biomasse nicht einfach einer Bio-Elite 'dient' oder gar von dieser ausgebeutet wird. Aber wir müssen selbstberständlich auch unsere eigenen Lebensentwürfe und unser eigenes Verhalten in Frage stellen!

Eines scheint mir klar zu sein: Voraussetzung für eine Wandlung hin zu einer nachhaltigeren, gerechteren, solidarischeren und freieren Gesellschaft ist, dass die Wirtschaft einem vielfältigeren Verständnis von Liberalismus dient, und nicht andersrum, wo ein sehr eingeschränktes Verständnis von Liberalismus quasi zur Hure der 'libertären' Wirtschaft verkommt.

Aus meiner Sicht geht es für uns als Individuen auch darum, dass wir uns Freiräume erkämpfen, in denen wir wenigstens partiell unsere Rolle als 'homo oekonomikus' ablegen dürfen - dabei müssen wir uns v.a. auch fragen: 'darfs vielleicht es Bitzeli weniger sein'.. ?

Ich hoffe also, dass Corona auch ein Weckruf ist, und wir uns vermehrt fragen:
'Geht's nicht auch anders'?
oder vielleicht auch:
'Geht's noch'!?
;-)

Ich wünsche allen gute Gesundheit und gesunden Menschenverstand!

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Leserin
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Lieber Herr Holzer

Haben Sie herzlichen Dank für diesen wertvollen, anschaulichen Beitrag.
Ich bin gerne etwas pink und hoffe, es bleibt nicht bei der Illusion. Vielleicht mögen Sie das genannte Buch lesen – es zeigt sich, dass sich die pinke Welt an verschiedenen Orten bewährt hat und real gelebt wird (wenn auch nicht reibungsfrei). Aber selbstverständlich ist das erst ein Anfang. Aber immerhin einer, der Mut macht.

Sie werfen spannende Fragen auf bezüglich dem Verhalten der Politik während und nach dem Corona. Wir dürfen gespannt sein. Im Kleinen (und sicher als Blasen-Gängerin) sehe ich Positives was das solidarische Verständnis angeht. Ein Beispiel: Grad war ich einkaufen und unser Unverpacktladen macht die Bühne frei für einen Biobauern, der jetzt nicht mehr auf den Markt kann.

So schlage ich vor, dass wir die von Ihnen genannten individuellen und/oder solidarischen Lebensentwürfe und Visionen (gerne auch die pinken) fleissig diskutieren, anregen und zu leben beginnen– wie anders können wir bewegen?

Neben dem gesunden Menschenverstand wünsche ich allen den Zugang zur Verbundenheit und Solidarität.

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Mitdenker
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Dass die Rechtsaussenpopulisten und Rassisten viel stiller geworden sind, ist mir auch aufgefallen.
Wäre sicher interessant, dem mal nachzugehen.
Köppel hat sich aber schon vor ein paar Tagen zu Wort gemeldet, viel moderater zwar, als gewohnt, aber der Hinweis, man habe es verpasst, rechtzeitig die Grenzen dicht zu machen, durfte selbstverständlich nicht fehlen.
Ich vermute, es gibt zwei Hauptgründe für das Quasiverstummen der Rassisten:
Reale, d.h., existentielle Angst, statt wie bisher geschürte. Die SVP war bezeichnenderweise die Partei, die zuerst den Abbruch der Session forderte, das macht es Köppel ziemlich schwierig, zu argumentieren, man dürfe die Wirtschaft nicht lahmlegen (er tut es trotzdem: "das hinterlässt eine Blutspur")
Und plötzlich kann man nicht mehr als anonyme Masse Stimmung machen, nur noch einzeln, im Netz, gegen ganz viele Dankbare, die die Kanzlerin oder den Bundesrat wieder super finden.

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Es ist tatsächlich bemerkenswert, wie wenig bisher der Corona-Virus in der Schweiz hat benutzt werden können, um populistische Affekte zu bedienen. Ich denke ein Grund dürfte darin liegen, dass Populismus von wir - sie Polarisierungen leben. Wir, das Volks gegen sie, die Eliten. Das Problem ist, dass es verdammt schwierig ist ein "wir" zu konstruieren unter Bedingungen einer Massenepidemie. Wer ist "wir"? Jeder kann jeden anstecken. Die unsichtbare Gefahr ist momentan das Mass aller Dinge - und sie ist omnipräsent. Ich denke, das ist ein grosse Problem für politische Instrumentalisierungsversuche. Herzlich, DB

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Die Welt wird nach der Corona-Krise auf jeden Fall eine Bessere sein. Sie muss eine Bessere werden, denn die Natur macht die undurchdachte Globalisierung und das unbegrenzte Wachstum nicht mehr mit. Das Coronavirus hilft der Umwelt in wenigen Wochen mehr als jede Klimakonferenz – wenig effiziente Anlässe, für die sich in Zukunft hoffentlich nicht mehr ganze Heerscharen per Flugzeug auf den Weg machen. Wir haben jetzt Zeit über Lebensqualität nachzudenken. Was macht das Leben aus? Aktivismus und Reisen rund um die Welt? Teure Autos und schicke Klamotten? Das neuste iPhone oder iPad? Ich kann dem Coronavirus nicht böse sein. Natürlich weiche ich ihm aus, darum kann es mir auch nicht gefährlich werden. Heimtückisch ist es nur für die Leichtsinnigen, aber grundsätzlich greift es regulierend ein. Die Natur schlägt zurück! Und wenn wir jetzt nichts dazulernen, wird uns das nächste Virus dazu zwingen.

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Die Welt nach der Corona Krise kann eine bessere werden. Die Voraussetzung dafür können wir jetzt, inmitten aller Turbulenzen der Unsicherheiten, erschaffen. Wollen wir wirklich eine bessere Welt mit mehr Solidarität und Achtsamkeit? Dann sollten wir genauso dringlich die Umweltzerstörung wie die Ausbreitung von Corona stoppen. Dann sollten wir konsequenterweise keinen einzigen Baum mehr abholzen- denn jeder von ihnen ist die Basis für unsere Gesundheit. Keine Kriegsmaterialen mehr produzieren- denn sie führen nur zu viel mehr Tod und nie zu Leben. Es gibt zahlreiche Baustellen auf dieser Welt, die um ein Vielfaches bedrohlicher sind als Covid und wir ignorieren sie, weil sie noch weit weg scheinen- doch sie sind es nicht. Vielleicht zeigt uns Corona, dass Leben bedroht sein kann - für Millionen von Menschen ist das der harte Alltag. Die Welt nach der Corona Krise wird eine bessere, wenn wir jetzt lernen, dass Solidarität mit dem Leben letztlich bedeutet, dass wir unsere Angst vor einem Wohlstandsverlust kompostieren können.

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Vielen Dank für diese interessante Verknüpfung. Da ich im 'Moment' (der seeeehr dehnbar ist) Piketty lese und studiere, stelle ich mir natürlich auch die Frage, inwiefern die Corona-Krise und die in ihrem Zuge bzw. dann in ihrer Folge getroffenen wirtschaftspolitischen Massnahmen ähnlich weitreichende Konsequenzen für die Vermögensverteilung haben könnten wie die Schocks von 1914 bis 1945. Ich bin hier bezüglich des progressiven, egalitären Potenzials eher optimistisch: Die Bedeutung eines starken Service Public mit guten Arbeitsbedingungen wird gerade jetzt allen klar vor Augen geführt (wobei es sich natürlich fragt, ob der Applaus für das Gesundheitspersonal nach der Krise wieder verpufft oder sich in konktete politischen Massnahmen übersetzen lässt). Jedenfalls glaube ich, dass niemand mehr ernsthaft behaupten kann, man solle die Gesundheitsversorgung möglichst der Marktlogik überlassen oder die Betreuung von Kindern sei Privatsache. Nicht die unsichtbare Hand des freien Marktes holt uns aus dieser Krise, sondern Solidarität und in diesem Ausmass nie gesehene staatliche Konjunkturprogramme. Lässt sich dieser Schwung auf die ökologische Transformation, die Aufwertung des Care-Sektors und den Abbau der ökonomischen Ungleichheiten übertragen? Ich glaube, das hängt wie immer von den gesellschaftlichen Kräfteverhältnissen ab. Die Zeit wäre aber meines Erachtens zweifellos günstig.

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Lieber Herr Bärschti,

Feststeht, dass viele Dogmen in der nächsten Zeit ins Wanken kommen werden. Mit Bezug auf eine mögliche Parallele zum Effekt den die Weltkriege auf die Ungleichheit hatten, denke ich allerdings, dass ein grosser Unterschied bestehen bleiben wird. Die Kriege führten zu einer fulminanten Zerstörung des Kapitalstocks. Das wird hier anders sein. Natürlich wird es zu zahllosen Firmenpleiten kommen, aber nicht zur Zerstörung von Städten und Infrastruktur. Meine Vermutung wäre, dass deshalb auch der Effekt auf die Vermögensungleichheit geringer sein wird. Aber warten wir es ab. Herzlich, DB

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Toni & Inge Bucher Müller
Rentner machen Pause
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Das letzte Wort bei diesem Zitat hat es für mich in sich!
„Wie wird die Welt aussehen, wenn die Corona-Krise einmal ausgestanden sein wird? Jedenfalls anders. In fernerer Zukunft könnte das sogar bedeuten: besser.“

PS: https://twitter.com/tnbucher/status…09760?s=19

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Ja Fouault passt. Herrschaftstechnik führt dann schnell zur Feststellung, dass das aktuelle Virus va ältere Männer bedroht und deshalb ist wohl die Reaktion so schnell und drastisch. Da hat die Klimajugend keine Chance im Vergleich.
Mir kommt ein chinesischer Fluch in den Sinn: Du mögest in interessanten Zeiten leben!

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Ja, wollen den die über 80 jährigen ihr Lebensende in Windeln verbringen?

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Die Frage ist, um wessen Überleben es wirklich geht – um das Überleben der Menschen oder das Überleben des Systems von Glaubenssätzen und Illusionen, welche das System stützen … siehe beispielsweise
https://www.youtube.com/watch?v=5umdG1kp3mE

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Schnell, noch einen Aluhut aufsetzen, dieser ist nicht dicht genug!

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Es darf jede Person so leichtgläubig sein wie sie will, sie muss nur die realen Folgen tragen, nicht bloss eine soziale Ächtung aus Glaubenssätzen heraus

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Merci, schöner Anstoss, die Sache mit der Biomasse. Wie beschrieben führt das unter anderem zum Ameisenstaat oder alternativ zu einer Stuktur ähnlich einem Korallenriff. Mit der Philosophie habe ich bei solchen Fragen keine guten Erfahrungen gemacht - meist war es viel Lärm um wenig Erkenntnis. Aber dass unsere Welt im Herbst dieses Jahres eine sehr andere sein wird, ist wahrscheinlich. Es ist als hätte die Erde dem Homo S. ein sanftes nudging verpasst.

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Michel Rebosura
Ratsmitglied Project R Genossenschaft
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Als ich Titel und Teaser las, dachte ich, die Kolumne ordne die Diskussion um Agamben, Zizek & Co. ein. Doch vielleicht tut Binswangers „Zurück zu Foucault!“ ja gut.

Giorgio Agamben, der basierend auf Foucaults Konzept der „Biopolitik“ schon vor gut 20 Jahren zum „nackten Menschen“ und dem „Ausnahmezustand“ schrieb, wendete nun diese Konzepte auf die Corona-Krise an.

Der homo sacer und sein nacktes Leben seien das wahre Subjekt der Moderne und der Biopolitik. Wird der Ausnahmezustand zur Regel, verschwimme die Grenze zwischen Demokratie und Diktatur. Aufs nackte Leben reduzierte und als Feinde oder Risiken definierte KZ-Gefangene, Flüchtlinge, muslimische Bürger und nun auch potentiell alle qua ansteckende Menschen werden durch „die Gouvernementalität“ – nicht ohne Gewalt – verwaltet.

Agamben verstieg sich leider in ein Verschwörungstheorie-Geraune: “why do the media and the authorities do their utmost to create a climate of panic“? Was dann auch von Slavoj Zizek und Jean-Luc Nancy kritisiert worden ist. Zizeks Rückgriff auf Tolstois Konzept des „Menschen als ein passives leeres Medium“, das überträgt, „was ihm zuge­tragen werde“, wurde wiederum von Sylvia Sasse kritisiert.

Nach dieser Volte tut eine Rückkehr zu Foucault wahrlich gut. Um vielleicht mit „Foucault gegen Foucault“ zu denken, wie der Titel der sehenswerten Arte-Sendung heisst.

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Leser
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Agamben hält die Corona-Virus-Krankheit nur für eine leichte Krankheit. Eine Frage ist, ob die Analysen von Foucault aus den 1970er-Jahren direkt auf die heutige Situation übertragbar sind. Und wenn dem so wäre, liesse sich in diesem Zusammenhang ebenfalls fragen, ob der "Essay on Population" (1798) von Thomas Malthus wieder aktuell ist.

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Michel Rebosura
Ratsmitglied Project R Genossenschaft
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Sehr geehrter Herr R., ich verstehe den Zusammenhang nicht. Was wäre denn, wenn der "Essay on Population" (1798) von Thomas Malthus wieder aktuell wäre?

Agambens Artikel enthielt falsche Tatsachen und Verschwörungstheorie-Geraune und wurde u. a. auch von seinen Kollegen Zizek und Nancy kritisiert. Und zudem: Foucaults wie auch Agambens Analysen sind gerade nicht als Anleitungen für malthusianische Biopolitik gedacht – falls es auf das hinauslaufen sollte – sondern als Kritik.

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Lieber Michel Rebosura, vielen Dank für Ihre Zusammenfassung der Agamben/Nancy/Zizek-Polemik. Ich denke in der Tat sie hat einen profunderen philosophischen Hintergrund: Die Fortentwicklung des Foucaultschen Biopolitik-Konzeptes durch Agamben ist angesichts des epidemiologischen Ernstfalles plötzlich irrelevant. Insofern haben Sie meine Intention sehr genau erfasst: Zurück zu Foucault! Herzlich, DB

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Psychotherapeutin
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Guten Tag Herr Binswanger
Vielen Dank für Ihren wie stets inspirierenden Beitrrag! Von Foucaults Beiträge zur Biomacht erinnere ich die Unterscheidung zu z.B. Louis XIV, der sterben machen und leben lassen konnte als Basis seiner Macht, zu heutigen Regierungen, die sterben lassen und leben machen können.
Das betrifft aktuell nicht nur die Triage-Regeln für Spitäler im Tessin, das betrifft vor allem die Menschen in den Flüchtlingslagern und hiesigen Asylzentren. Dieser Blickwinkel von den Rändern scheint mir zentral (das scheint mir nur auf den 1. Blick paradox zu klingen), wenn wir von der europäischen Wertebasis sprechen: Die Menschenrechte sind unteilbar.
Herzliche Grüsse - und bleiben Sie gesund!

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Liebe Frau W., dem kann ich nur beipflichten: Die Frage wird tatsächlich sein, wie weit die Staatengemeinschaft (und die Schweiz) es zustande bekommen werden, unter den aktuellen Krisenbedingungen die Universalität der Menschenrechte hochzuhalten. Das gilt für die Flüchtlingspolitik in Zeiten des epidemiologischen Notstandes - und es gilt auch für die Sozialpolitik, dass für den Umgang mit all den Bevölkerungsgruppen, die aufgrund der aktuellen Lage besonders fragil sind - Obdachlose, Sexworkerinnen, Sams-Papiers usw. Wir werden bei der Republik versuchen den Blick auf die Krise von den Rändern her zu pflegen. Herzlich, DB

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Ah, der gute Michel Foucault. Im 2. Semester kennengelernt und nie mehr wirklich losgelassen. Ich finde ihn noch immer den interessantesten Denker es 20. Jahrhunderts, gerade auch darum, weil seine Theorien z.T. inkomplett und bewusst schwammig gehalten sind. Seine Theorien der Macht, Biomacht, Diskurs etc. sind keineswegs verblasst.

Leider hat der gute Philosoph das grosse Problem, dass er auf die von ihm dargestellten Verhältnisse keine schlauen Lösungen präsentieren kann. Er zeigt wahnsinnig gut auf, wie die Dinge sind - aber kaum Wege, sie neu zu organisieren. Darum verzweifelten ja auch etliche seiner Kolleg*innen ab ihm (Eco, Habermas, Chomsky et al.). Klar hat er sich z.B. für Gefängnisreform eingesetzt, aber einen grossen Wurf zur grossen Veränderung liefert er nicht. Will er auch nicht, so wie ich ihn verstanden habe.

Noch eine kleine schnippische Anmerkung, die ich mir erlaube: Foucault hat leider in seinem persönlichen Leben das grösste Virus seiner Zeit komplett falsch gedeutet. Als er von HIV/AIDS erfuhr (und von der Sorge, die gewisse seiner Bekannten hatten), nahm er das Virus zu wenig ernst und tat es als Angstmacherei ab. Er liess sich in seiner eigenen Sexualität keine Grenzen setzen. Das hat ihm das Leben gekostet - er war das erste prominente Gesicht von AIDS in Frankreich.

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Den Beitrag las ich heute am frühen Morgen und fand ihn sehr inspirierend. Statt auf Michel Foucault hätte sich Herr Binswanger aus aktuellem Anlass vielleicht besser auf Giorgio Agamben bezogen. https://mars-infos.org/agamben-le-c…Zu7-7tGGeg
Ich durfte zu Foucault und Agamben bereits einen kleinen philosophischen Austausch halten. Jedoch bleibt festzuhalten, dass Agamben die Covid-19-Erkrankung nicht für schwer hält.

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Lieber Herr R., ich denke, dass Agamben mit seiner Einschätzung falsch liegt. Es wäre interessant, den Gründen nachzugehen, weshalb er in dieser Sache, eine Interpretationsfolie anwenden wird, die problematisch ist. Agamben betrachtet ja das Konzentrationslager als den Kulminationspunkt der modernen Biopolitik: ein Ort der absoluten Herrschaft über das nackte Leben. Der Corona-Virus verweist uns auf eine ganz andere Art der Biopolitik: Die Notwendigkeit, die Gesamtbevölkerung zu schützen, jenseits des Willens Souveränität geltend zu machen - jedenfalls in einer ersten Annäherung. Meine Vermutung wäre, dass wir zurückgehen müssen auf einen "proto-Agambenschen" Bergriff von Biopolitik, um der heutigen Situation gerecht zu werden. Herzlich, DB

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Chinesische, kubanische und russische Ärzte helfen in der Lombardei! 💛🧡❤️ Die Antwort der drei Weisen auf westlichen Boykott. 40000 US-Soldaten stehen manöverbereit an der russischen Grenze.

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Psychotherapeutin
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Vielen herzlichen Dank, Frau H.!!!

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