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Leiterin Märchentanten*onkelteam
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· editiert

Als Leiterin des Märchentanten*onkelteams begrüsse ich den Herrn Seibt von ganzem Herzen in meinem Team und freue mich über sein Gesellenstück vom Wolf und den sieben Geisslein. Und so dürfen wir unseren wohlverdienten Schlaf der Gerechten finden. Die richtigen Fahnen haben wir geschwenkt. Dem Wolf haben wir die Wackersteine in den Bauch genäht. Die sieben Geisslein dürfen wieder umherspringen und die Welt ist erklärt, was sozusagen immer ein Wohlgefühl erzeugt. Unser System ist gebenedeit, weil uns der böse Wolf den Wert bürgerlicher Ideale aufgezeigt hat, fast müssten wir ihm darum dankbar sein.
Das einzig Blöde an unserem süssen Schlaf ist, dass wir uns irgendwann damit auseinandersetzen werden müssen, dass dieser Krieg eine Sonderform eines Prozesses der Umverteilung darstellt, der auch unsere Demokratien seit Jahrzehnten aushöhlt. Dem militärisch-industriellen Komplex gefällts, wenn selbst kritisch und differenziert denkende Geister ob dem Märchenwolf das Rudel Wölfe vergessen. Hannah Arendt schrieb mal darüber, dass es den Griechen sonnenklar war, dass Demokratie nur unter Gleichen Sinn machte, so sonnenklar, dass sie es gar nicht erst erwähnen mussten. In Richtung der Gleichheit müssten wir gehen, doch wenn ich von den "eingefrorenen Vermögenswerten" lese, verstehe ich, weshalb dieser Weg steinig und lang ist und ähnlich düster wie eine Wahl zwischen Le Pen und Macron.
PS: "Im Kanton Aargau etwa erhält eine ukrainische Mutter mit zwei Kindern 865 Franken monatlich für den sogenannten Grundbedarf." Zitat Republik von heute.

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Ein Kommentar, der irgendwie überall und nirgends passt. Überall, weil "wir" unser Wohlgefühl in dieser teilweise sehr brutalen Welt noch so gerne pflegen. Fukuymas These von der liberalen Demokratie als "Ende der Geschichte" war schon in den Neunzigern eine Hybris, wurde aber von vielen noch so gern geglaubt. Mehr oder weniger erfolgreiche Versuche, Demokratie auszuhöhlen, gab es seit deren realer Existenz immer. Menschen oder Gruppen, in deren Interesse das war, sicher auch. Und das funktioniert noch bei vielen anderen Themen: Hunger, Ungleichkeit, Klimakrise, etc., ist aber deshalb auch tautologisch.
"Schwer verwirrt am Morgen, und abends auch nicht klug. Doch alles kommt ins Reine, mit etwas Selbstbetrug." (Element of Crime)
Nirgends passt der Kommentar, weil er über die gravierenden Auswirkungen des Themenkomplexes, die Constantin Seibt aus meiner Sicht in seinem Rundumschlag sehr gut, wenn auch längst nicht erschöpfend (auch das für einen Zeitungsartikel eine triviale Feststellung!), beleuchet, den Mantel der Märchentante- bzw. -onkelei breitet. Wenn schon, dann sollte das "Rudel Wölfe" und seine Rolle klar benannt werden. Und das passiert ja auch. Vielleicht momentan nicht gerade in China oder in Putins Reich, aber hier können Sie sich sicher problemlos entsprechende Informationen besorgen. Blöd nur, dass längst nicht hinter allem, was einem nicht passt, böse Wölfe stecken, und dass "wir" längst nicht immer die gerecht Schlafenden sind.

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Constantin Seibt
Reporter / VR
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Wie im Märchen bin ich eigentlich mit Ihnen einverstanden: Der Ultraliberaismus der 90er Jahre steht als nicht die kleinste böse Fee mit an der Wiege dieses Krieges und der Krise der Demokratien.
Nur eben, von Märchenerzähler zu Märchenerzählerin gesagt: Dass dem bösen Wolf bereits Wackersteine in den Bauch genäht wurden – davon ist in dieser Geschichte leider bis jetzt nicht die Rede gewesen.

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Hans von Arx
pensioniert
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Da habe ich doch mit dem Lesen eines einzigen Artikels das ganze Jahresabo herausgeschlagen. Vielen Dank, Herr Seibt!

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Constantin Seibt
Reporter / VR
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240 Mal Dank zurück!

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Ethikprofessor
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· editiert

So ein aggressiver Beitrag giesst Öl ins Feuer des bereits heissen Feuers des Konflikts! Der "Kampf der Systeme" als Kampf zwischen Demokratie und Diktatur wirft uns zurück nach 1991, als der Westen lauthals und siegesgewiss den Sieg der Demokratie und liberalen Wirtschaftsordnung verkündete (Verkündigung: mit religiöser Gewissheit). Wer heute mit Russ/innen, mit Chinesen/innen und Afrikaner/innen spricht - und ich tue es beruflich täglich - stellt fest, dass sie genau in dieser westlichen triumphalistischen Selbstgewissheit eine Ursache der gegenwärtigen Konflikte sehen. Als Schweizer aus demokratischem Urgestein ist mir die Demokratie sehr sehr wichtig. Meine Tätigkeit als Ethikprofessor auf allen Kontinenten hat mich aber Bescheidenheit gelehrt. Eine multipolare Welt, zu der sich in den letzten drei Jahrzehnten so manche bekannten, heisst auch, verschiedene Wertesysteme, Religionen sowie ökonomische und politische Systeme anzuerkennen! Natürlich müssen wir Menschenrechtsverletzungen und Diktaturen scharf anprangern und überwinden; aber zwischen Demokratie und Diktatur gibt es viele Zwischenformen, die in einer multipolaren Welt ernst zu nehmen sind, auch wenn man sie nicht als richtig für die eigene Nation befürwortet: parlamentarische Monarchie, Einparteienstaat mit selektiven Mitwirkungsmöglichkeiten, Technokratenregierung sind nur einige Beispiele.
Der Beitrag "Russischess Kriegsschiff, fick dich" ist in seiner Aggressivität und "Shitstorm"-Sprache der Zeitung Republik unwürdig. Ich schätze die Zeitung Republik sonst sehr, weil sie zur sachlichen, analytischen und engagierten Debatte viel beiträgt, aber die ideologische schwarz-weiss-Malerei, wo es um den Weltsieg der Demokratie über die Diktatur gehen soll, führt nur zur Verstärkung des antiwestlichen Schulterschlusses von Russland, China, Indien und weiten Teilen Afrikas. Eine neue aufgerüstete bi-polare Welt ist zerstörerisch! Nur in einer dynamischen multipolaren Weltordnung können wir die gemeinsamen dringenden Überlebensprobleme wie den Klimawandel bewältigen. Dazu müssen alle Staaten, mit unterschiedlichen politischen Ordnungen, beitragen.

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Ich bin sehr für differenzierte Betrachtungen und finde die Grautöne zwischen Schwarz und Weiss wichtig. Das funktioniert, solange alle Beteiligten an einem solchen Diskurs interessiert sind und gemeinsame Regeln einhalten.
Putin kennt keine gemeinsamen Regeln mehr. Für ihn und seine Crew gibt es nur die Regel der Macht und Gewalt, der sie alles unterwerfen und für die alle Mittel über Lügen, Repression, Terror bis hin zu schlimmsten Kriegsverbrechen eingesetzt werden.
Dieses Un-Wertesystem, das weder dynamisch noch multipolar ist, sondern nur zerstörerisch, kann ich nicht anerkennen.

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Constantin Seibt
Reporter / VR
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Geehrter Herr Stückelbarger –
leider bin ich der Ansicht von Herrn Kielholz: Wenn die Regeln derart mit Gewalt gebrochen werden, wenn seit Jahren (die russische Propaganda, zu Hause wie im Westen) eine Seite systematisch feindschaftlich agiert – ist es dann nicht gerade Verständnis zu sagen: Ok, das war eine Kriegserklärung, wir haben verstanden.
Oder wie sehen Sie das als Ethikprofessor? Was wäre die richtige Antwort?

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· editiert

Mir ist es ein Rätsel wo sie da sehen, dass der Autor Öl ins Feuer giesst. Er zeigt uns nur, wie wichtig unsere gemeinsame Entschlossenheit gegen Putins Krieg ist.
Der Artikel schliesst nicht aus, dass man mit autoritären Systemen umgehen können muss. Einen Angriffskrieg inklusive Massaker und Vergewaltigungen müssen wir aber ganz sicher nicht tolerieren. Keine Toleranz den Intoleranten.

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Was wäre, wenn man Ihnen die Bequemlichkeit der Schweizer Neutralität nähme? Das Gas aus Schweizer Anschlüssen, das Benzin an Schweizer Tankstellen, der Strom aus Schweizer Steckdosen - alles unabhängig von der Welt herum? Die Kampfjets, die in 10 Minuten die grösste Achse der Schweiz abgeflogen sind und sich alleine einer Übermacht erwehren? Weil ohne Europa, EU und NATO die Exzeptionalkonzepte der Schweiz einfach Schall und Rauch sind?

"In einem warmen Zimmer ist leicht sch....en." (Sigi Zimmerschied)

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Lieber Constantin Seibt
Mir ist es dank „Russisches Kriegsschiff fick dich“ wie Schuppen von den Augen gefallen, dass wir um unsere Demokratie auch in der Schweiz kämpfen müssen. Danke, dass Sie die grossen Zusammenhänge und die kleinen , aber wichtigen Details so grossartig zusammengeführt haben. Ich bin froh, die Republik abonniert zu haben und diese Hintergrundinformationen zu bekommen.
Ich freue mich auf den nächsten Artikel von Ihnen!
R. E.

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Tiefsinnig, fundiert, eloquent und pointiert – danke dem Autor für diesen grossartigen Essay! Ein solcher Beitrag allein lohnt das Jahresabonnement der „Republik“. Constantin Seibt gelingt es, den Wirrwarr von Nachrichten und Meinungen und die beklemmenden Widersprüche unserer Zeit in verständliche Zusammenhänge zu bringen, die wesentlichen Kräfte und Strömungen zu benennen und vor allem ganz klar aufzuzeigen, an welchem Wendepunkt wir stehen und wie gross die Bedrohung unserer Gesellschaften durch das faschistische Gift ist. Es ist ein Text, den mehrmals zu lesen sich lohnt und der unbedingt weiter verbreitet werden muss.

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Habe den Artikel als PDF geöffnet. Ergebnis: 22 Seiten Text. Meine Frage an die Redaktion; redigiert bei euch eigentlich auch jemand:fraud die Artikel?

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Constantin Seibt
Reporter / VR
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Mehrere Leute. Der Artikel ist übrigens um 10'000 Zeichen gekürzt.

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Persönlich finde ich ja 22 Seiten für einen Artikel deutlich zu lang. Die Reaktionen im Forum zeigen jedoch deutlich, das es einem Bedürfnis der Republik-Leser entspricht und meine Meinung nicht repräsentativ ist.

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· editiert

Dieser Artikel ist alleweil seine Länge wert! Ich hätte auch noch länger gelesen. Danke dafür, Herr Seibt. Ich erlebte beim Lesen Ihres Essays ein Wechselbad der Gefühle welches dem ähnelt, das ich seit Kriegsausbruch fast täglich empfinde. Das Schwanken zwischen Verzweiflung, Mutlosigkeit, totaler Kampfstimmung, Hoffnung, Aufbruchstimmung, Wut und Angst. Aber vor allem auch Bewunderung für die Ukrainer:innen, die für ihr Land und die Demokratie kämpfen! Ich habe beschlossen, der Hoffnung viel Raum zu schenken und fühle mich unter anderem durch diese Aussage von Ihnen bestärkt:
"(Zyniker sehen alles voraus, ausser dass jemand ein Herz hat.)"
Edit: Tippfehler korrigiert.

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Urs Fankhauser
Citoyen
·
· editiert

Seibt serviert uns ein wahrhaft schwindelerregendes Panorama der Welt (wenn auch nur von deren nördlichen Hälfte - eine Schwäche dieses Texts). Aktuell stehen Europa und seine Partner USA, Kanada und Australien in einer gemeinsamen Front gegen den Angriffskrieg Russlands. Diese "Einheitsfront" verteidigt gemeinsam die Freiheit. Aber welche genau? JedeR die, welche ihm oder ihr am Herzen liegt. Es liegt mir fern, diese Harmonie heute zu stören. Aktuell braucht es diese gemeinsame Anstrengung, die Ukraine (und wir alle) benötigen jede Unterstützung gegen den Würgegriff Russlands - woher auch immer sie kommen mag, wie auch immer sie motiviert sein mag. Wer würde bestreiten, dass das Regiment Asov eine faschistisch inspirierte Truppe ist? So lange sie gegen die russischen Invasoren kämpft, ist mir das im Moment so egal, wie die ukrainische Militärführung dankbar dafür ist.
Aber wenn der Krieg mal vorüber ist, wird sich meine Vorstellung von Freiheit wieder radikal vom Freiheitsbegriff der Herren Bezos, Musk, Kaczynski oder Johnson unterscheiden. Ich gehe mit Seibt nicht einig, wenn er schreibt, wir stünden am Grab des Neoliberalismus. Er liegt seit 2008 im Krankenbett, hält sich dort aber noch recht fidel. Nicht einmal die Pandemie konnte ihm sein grösstes Laster - die Umverteilung von unten nach oben - austreiben. Wie das so ist mit den Feinden meiner Feinde: Nicht alle müssen gleich meine Freunde sein.
Der Respekt vor Seibts grossem Zeitengemälde gebietet es aber, mit einer konsensualen Bemerkung zu schliessen. Mit seiner Aussage, wir alle hätten "...ein paar eigene Meinungen über Bord zu werfen" hat er m.E. die zentrale Kollektiverfahrung in dieser bewegten Zeit wunderschön zusammengefasst.

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Constantin Seibt
Reporter / VR
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Dazu lässt sich nur sagen, was der brave Soldat Schweik seinem Saufkumpan zurief: "Wir sehen uns, abends um 9, nach dem Krieg, im Kelch!"

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Eine weitere Frage, die man sich mal stellen sollte, ist es wirklich nur die billige russische Propaganda über die asozialen Medien und die Finanzierung der Feinde der Demokratie, warum viele Demokratien auf des Messersschneide stehen? Nein, das ist nicht die Ursache. Es sind die grossen Verwerfungen und die grosse Ungleicheit in den Ländern, die die Demokratien in Gefahr bringen. Die Ursache liegt in den Demokratien selbst. Nur dank diesen Defiziten fällt die Arbeit der Antidemokraten auf fruchtbaren Boden. Mein Eindruck, mit dem Wegfall des Ostblock, war für den Kapitalismus dessen Motivation weggefallen, zu zeigen das er besser für die Menschen sorgt, als der angebliche Kommunismus. Man entfesselte den Kapitalismus mit dem Neoliberalismus und schuf so eine verlorene, abgehängte und vergessene Bevölkerungsschicht. Diese profitiert schon lange nicht mehr vom System und nimmt die Propaganda der Antidemokraten auf wie ein Schwamm. Nur mit einer sozialen Marktwirtschaft und sozialen Ausgleich werden wir dieses Problem lösen. Aber unsere westlichen und auch Schweizer Oligarchen bekämpfen dies mit allen Mitteln. Sie bevorzugen die Autokratie solange es mehr Geld für sie bedeutet. Die Bewunderung der Oligarchensippe Blocher für Autokraten ist kein Zufall. Den Kern des Problems sehen wir sehr schön in unserem Land. Für die Armen haben wir den Sozialdetektiv, für die Reichen das Bankgeheimnis und die Pauschalbesteuerung.

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миру України
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Eine ganz treffliche Zusammenfassung dessen, was unsere und andere Demokratien von innen aushöhlt. Dieser aktuell noch immer daher galoppierende Neo-Kapitalismus ist genau so demokratie- feindlich, wie die Autokraten.

Beide können mMn nur mit einem tiefgreifenden Bewusstseinswandel bekämpft werden.

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Man sagt, dass die Sozialdemokratie im Westen bis 1991 nur geduldet wurde wegen der Abschreckung durch den Kommunismus.

Was ist seither in der Schweiz passiert? Unter anderem wurde das Sozialhilfegesetz seit 2005 mehr als 15 mal revidiert und dabei jedes Mal die Sozialleistungen reduziert. 2008 tritt mit der Unternehmenssteuerreform II eine Sozialhilfe für Unternehmen in Kraft, die dazu führt, dass diese jährlich mehrere Milliarden Franken an Steuern nicht mehr bezahlen müssen.

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Michel Rebosura
Ratsmitglied Project R Genossenschaft
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· editiert

Seibt, wie er leibt und lebt, äh, schreibt: Immer wenn man denkt «Schönes Schlusswort!», kommt noch ein Absatz um die Ecke, mit noch einem Listical, und noch einem schönen Schlusswort (kann ein Artikel nur aus schönen Schlussworten bestehen?)… love it! Ein flammendes Plädoyer, nein, ein lodernder Waldbrand (ein Glück digital, sonst gäbe es keinen Blätterwald mehr) für den Antifaschismus und eine Demokratische Internationale (EU/NATO?) – sowie «Kapitalismus oder Barbarei!»(?). Sei‘s drum: Danke, Leibblatt! Danke, Hr. Seibt!

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Leseratte
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Genau solche Artikel will ich in der Republik lesen. Super! Da kann man sich die zum Teil unqualifizierten Beiträge in gewissen Blätter sparen. Besten Dank Herr Seibt für die umfängliche Übersicht und Analyse. Solches kann für mich nie zu lang sein, ich habe es teilweise zweimal gelesen und in die Merkliste gepinnt. Bravo Republik! 👏

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Solarexperte, Grossrat
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Grandioser Text. Danke. Dafür habe ich die Republik abonniert.
Was hilft gegen den Faschismus:

  • Das Buch "Über Tyrannei" von Timothy Snyder: https://www.timothysnyder.org/books/on-tyranny-tr

  • Mitmachen bei der Demokratie

  • Keine rechts-populistischen Parteien wählen

  • Weg vom Gas und Öl (so schnell wie möglich; hilft übrigens auch dem Klima)

  • Mehr Gerechtigkeit und sozialer Ausgleich (ohne diesen funktioniert die Demokratie nicht).

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Molekularbiologe PhD, Unternehmer
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· editiert

DANKE! Ein epochaler Artikel, der allerdings auch folgendes illustriert: Es braucht mehr als eine zehnminütige Aufmerksamkeitsspanne um das Zeitgeschehen zu begreifen. Die in der Schweiz so populär gewordenen schrillen Diskussionsforen wie "Arena" und "Sonntalk" dienen oft nur als Bullshit-Katalysatoren.

Zum Thema "Bullshit" empfehle ich den Essay "On Bullshit" des amerikanischen Philosophen Harry Frankfurt aus dem Jahre 1986, der die Natur der –
wie er sie erstmals nannte – "Bullshit-Kommunikation" eingehend beleuchtet, und zwar als Argumentationsform, die das alleinige Ziel hat, zu überzeugen, ohne die geringste Rücksicht auf ihren Wahrheitsgehalt zu nehmen. Wie Sie in ihrem Artikel zutreffend bemerken, gehört zu den Errungenschaften der neuen faschistischen Bewegungen die Erkenntnis, dass in der Politik Bullshit sogar ohne jegliche Tarnung funktioniert...

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Was ich hier gern ein weiteres Mal loben möchte: Es ist bei diesem wie auch zahlreichen weiteren Artikeln in der Republik sehr fein, dass Autoren in die Mühen der Ebenen herabsteigen, sprich: in die Diskussion mit ihren Lesern. Gängiges Verfahren ist ja, den Text abzuliefern und gut is' (was natürlich den Blutdruck schont).

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Constantin Seibt
Reporter / VR
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158/97 hat sich dank Ihrer freundlichen Bemerkung gerade auf 155/92 gesenkt. Mein Arzt dankt, meine Beerdigungsunternehmerin sagt: Nimm das nicht zu wichtig.

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Wer, wie Constantin Seibt, in allem Ernst geltend macht, es sei "hervorragend", dass die NATO existiert, negiert die kriegstreibende Kraft der NATO und ihre Kriegsverbrechen (z.B. Angriffskrieg in Jugoslawien) und heisst diese damit gut. Ich würde mir wünschen, dass auch in Kriegstagen, auch bei einem völkerrechtswidrigen Angriff auf die Ukraine, im Pulverrauch des Krieges, das kritische Denken nicht leichtfertig aufgegeben wird.

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Urs Fankhauser
Citoyen
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· editiert

Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich im Frühjahr 1999 mit ukrainischen FreundInnen in einer Kneipe in Uzhgorod über die NATO-Intervention in Jugoslawien stritt. Ich war damals alleine mit meiner Meinung, dass der Angriff völkerrechtlich gesehen falsch, aber aus humanitärer Sicht geboten sei, nachem man jahrelang dem Massaker in Bosnien zugeschaut hatte. Das sehe ich noch heute so.
PS: Einige meiner damaligen GesprächspartnerInnen haben ihre Meinung seither geändert.

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Die friedenssichernde Wirkung der NATO allen Ernstes zu verleugnen, ist gefährlich geschichtsvergessen. Die Demokratien in Estland, Lettland und Litauen würden einen derart naiven Fehler nicht begehen.

Dass "Handel durch Wandel" gescheitert ist, sollte nun auch dem Letzten klar sein. Eindeutiger als durch den Überfall auf die Ukraine liess sich das nicht demonstrieren.

Staaten müssen das Recht haben, über ihr eigenes Schicksal zu bestimmen. Und dazu braucht es ein Verteidigungsbündnis. Sonst überfällt die selbsternannte Grossmacht einen Nachbarn nach dem Anderen.

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https://en.wikipedia.org/wiki/Propa…oslav_Wars

Was Sie zu Jugoslawien sagen, ist extrem zynisch.

Die serbische Bevölkerung wird seit 1987 systematisch in Gewaltbereitschaft versetzt. 1987 wurde die Autonomie von Vojvodina und Kosovo aufgehoben. 1990 wurde serbisches Recht über jugoslawisches Recht gestellt, womit Serbien legal Jugoslawien abgeschafft hat. 1991–1992 wurde, um Mittelmeerzugang zu gewinnen, Kroatien bombadiert. Der serbischen Bevölkerung wurde es verkauft mit: „die lokalen Einwohner verbrennen Reifen, damit es so aussieht, als ob wir die bombadieren würden.“ Auch heute ist diese Meinung in Serbien verbreitet. 1992–1995 wurde in Bosnien organisiert Völkermord verübt und Teile von Bosnien abgespalten. Diese Teile bilden heute den Staat im Staat. 1999 wurde Kosovo wie zuvor Bosnien in Angriff genommen. Wenn erst nach 8 Jahren die NATO eingreift und endlich einen Waffenstillstand erzwingt und Sie dies als kriegstreiberisch darstellen, ist das die völlige Umkehr von Tatsachen.

Serbien wurde nicht entmilitarisiert oder aufgeklärt. Auch jetzt warten Teile der Gesellschaft auf die Gelegenheit, endlich wieder Angriffskrieg führen zu können, um Serbien zu einer Grösse zu führen, das ihm vermeintlich verwehrt wurde, aber ihm natürlich zusteht.

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Heute über den Krieg in der Ukraine zu schreiben, als sei er bereits entschieden, kommt mir zynisch vor. Hier lässt einer in Überlänge seine sprachlichen Muskeln spielen, ohne wirklich etwas zu sagen.

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Constantin Seibt
Reporter / VR
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Ich hab versucht, eine Menge zu sagen. Vielleicht zu viel. Aber wenn es nicht geklappt hat, tut es mir leid. Danke für Ihre Geduld. (Und ich glaube keinen Augenblick, dass der Krieg in der Ukraine schon entschieden ist - nur dass Herr Putin ihn nicht mehr gewinnen kann.)

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Psychologe, Psychotherapeut
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Dieser Artikel allein war die Jahresmitgliedschaft wert! Lasst uns die Demokratie mit allen Mitteln verteidigen!

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Tinu Niederhauser
Trainer & Verleger
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Boah! Ein Artikel von der Kraft einer explodierenden Grünfläche im Frühling. Schapoo!

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Uffff, das sitzt...
"Generationen haben für Demokratien gekämpft, in denen wir aufgewachsen sind. Nun ist die Reihe an uns." - Eine wesentliche Rolle wird wohl auch die bisher schulterzuckende Masse spielen, die wegschaut, sei es aus Überforderung, Gleichgültigkeit, Naivität, Opportunismus... Ich hoffe für die jungen Leute, dass die nicht erst dann erwacht, wenn es zu spät ist.

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Eine Punktlandung! Danke dafür!

Auch bei uns träufeln die Bauernfänger ihr Gift in den öffentlichen Diskurs. Von "Putin, der Unverstandene" bis "Wir leben in einer Diktatur". Das Gift wirkt immer gleich:

  • "Du bist gut, wie du bist,

  • Ich bin einer von euch,

  • Die da oben sind alle böse,

  • Vertrau mir. Ich denke für dich."

Wenn wir weiter selbst entscheiden wollen, wer uns regiert, dann müssen wir jetzt dafür kämpfen. Demokratie ist nicht selbstverständlich.

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Florian Gysin
Software Engineer
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· editiert

Ah, ein Artikel wie man ihn kennt: irre gut, irre lang, pointiert und wichtig - und zudem unterhaltsam. Constantin wir haben dich vermisst.

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Mr Seibt, you made my day!
Ihre Beschreibung des russischen Staatswesens erinnerte mich an eine Geschichte von Vladimir Sorokin, "Lila Schwäne" (2017): "Hier ist alles, als ob. Ruhe - als ob, Freiheit, als ob, Gesetze - als ob, Ordnung - als ob, ein K. - als ob ... Fabriken - als ob ... Frieden - als ob, Krieg - als ob, Heimat - als ob ... Echt ist bei uns nur dieser Sprengkopf. Nur dieses Uran, dieses Lithiumdeuterit. Das funktioniert. Wenn auch das noch zum Als-ob wird, dann ist gar nichts mehr da." Tragischerweise haben sich in Sorokins Geschichte die russischen Atomsprenköpfe in Zuckerhüte verwandelt.
Auch sehr schön, Ihr Satz: "Die Autokratie ist die Omikron-Variante des Faschismus." Genial; ein Brüller!

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Meine Güte. So ein unfokussierter Rundumschlag. Von Faschismus bis Krebs. - Oder geht es darum, die Diskussion mit der Erschöpfungsstrategie zu ersticken?

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Ach, Herr R., von welcher Diskussion träumen Sie denn? Dieses Gerede von "Diskussion" in Fragen Ukrainekrieg ist das Hufeisen, das zwei gleichwertige Positionen vorspiegeln soll, um die eine krude Absicht zu verstecken. Leider sind Ihre Positionen durchweg sehr eindeutig.

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Ich kann die Begeisterung für diesen Artikel nur begrenzt nachvollziehen. Wir sollen der Bedrohung der Autokratie entgegentreten, indem wir unsere liberal-kapitalistischen Demokratien verteidigen – nur um dann in einer Sturmflut von Naturkatastrophen unterzugehen? Im Ernst: Wo bleibt das Bewusstsein um den Klimawandel? Wir können doch der Bedrohung durch die Autokratie nicht dadurch entgegentreten, indem wir ein System verteidigen, das offensichtlich gescheitert ist, da es eine ganz andere Art von Bedrohung herbeigeführt hat, die nicht minder gefährlich ist.
Wir müssen der Autokratie und dem Klimawandel entgegentreten, indem wir etwas Neues vorschlagen und erschaffen. Etwas, das sich – anstatt auf grosse, unüberschaubare, territorial fixierte, anthropozentrische, (oftmals pseudo-)demokratische Nationen zu setzen – durch lokale und wandelbare Strukturen auszeichnet, das auch Tiere, Pflanzen, Landschaften, ja sogar Gebäude, Fahrzeuge, Bücher etc. als Subjekte mit Wohlergehen anerkennt und in seine demokratischen Entscheidungsfindung mit einbezieht.
Wer also noch immer in den Begriffen und Oppositionen des 20. Jahrhunderts denkt, sollte entweder in der Lage sein, diese zu überwinden und Neues zu denken und zu verwirklichen, oder aber schweigen, damit dieses Neue nicht in noch mehr Lärm untergeht.

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Multifunktional
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Das eine tun, das andere nicht lassen! Zeigt nicht gerade die Reaktion der EU, dass neue Wege der Zusammenarbeit möglich sind und dass sogar die Schweiz sich bewegen kann? Nur gemeinsam kann die Welt die Probleme der Klimaveränderung stemmen. Vielleicht ist dieser Krieg im Rückblick dann der Auslöser, den die Welt brauchte, um mit den erneuerbaren Energien vorwärts zu machen und ein neues „Wir“-Gefühl zu entwickeln. Vielleicht auch nicht. Aber dem Klima wäre sicher nicht geholfen wenn die Welt beim Krieg in der Ukraine zuschaut und nichts tut mit der Begründung „sorry, haben grad keine Zeit, müssen zuerst die Welt retten!“

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Martin Hafen
Präventionsfachmann, Soziologe
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Obwohl sich Constantin Seibt in seiner schonungslosen Blossstellung des Putinschen Machtgebahrens bemüht, auch autokratische Bestrebungen in demokratischen Staaten blosszustellen, geht mir seine Differenziertheit in dieser Hinsicht deutlich zu wenig weit.

Wo war die Solidarität der demokratischen Weltgemeinschaft, als die USA unter einem erlogenen Vorwand im Irak einmarschiert sind? Wo war sie in Vietnam? Wo in Panama? Wo hat sie sich gewehrt, als ihr selbst von den USA Sanktionen gegen Kuba oder den Iran aufgezwungen wurden? Warum wurden die USA nicht auch vom internationalen Zahlungsverkehr getrennt? - Weil Ukrainer:innen andere Menschen sind als die Menschen im Iraq, in Vietnam, in Panama oder im Iran und Kuba?

Doch die Differenzierung kann noch weiter getrieben werden: Gründet der Wohlstand der Industrienationen und die dadurch geförderte politische Stabilität nicht auf Jahrhunderten von Kolonialismus samt Sklavenhandel, demokratisch legitimierten Ausbeutungstechniken von Ländern in Afrika und der schonungslosen Plünderung von Ressourcen auf Kosten künftiger Generationen?

Und generell: Was ist das überhaupt für eine «Demokratie» (Herrschaft des Volkes) angesichts der politischen Einflussnahme und Steuerevasion internationaler Grosskonzerne und angesichts der Besitzverhältnisse der grössten Medienunternehmen in allen Ländern. Was ist das für eine Demokratie, in der Bundesräte öffentlich dafür einstehen, dass Briefkastenfirmen nicht abgeschafft werden und in der – in der Schweiz – gewählte Parlamentarier:innen sich weigern können, ihre Verwaltungsratsmandate öffentlich zu machen? Und was ist das für eine Demokratie, in der sich Staaten die besten Steuerzahler mittels Pauschalbesteuerung abjagen?

Autokratische politische Systeme haben in den letzten Jahrhunderten grausame Verbrechen gegen die Menschheit begangen – denken wir an Stalin, Mao oder Pol Pot. Aber auch demokratisch legitimierte Regierungen haben unter dem Vorwand der «Sicherung der Demokratie» unglaubliche Grausamkeiten begangen. Ganz zu schweigen vom Leid, dass der ebenfalls demokratisch legitimierte neoliberale Kapitalismus über die Welt (Menschen und Natur) gebracht hat.

Ich schätze die Texte von Constantin Seibt über alles, und ich bin mir sicher, dass ihm all diese Zusammenhänge wohlbekannt sind. Klar ist auch, dass man nicht alle relevanten Aspekte in einen Text verpacken kann; er ist ohnehin ausreichend lang;-) Trotzdem finde ich es wichtig, auch in Zeiten, in denen die Welt scheinbar so einfach in Gut und Böse aufzuteilen scheint, diese Aspekte zumindest im Blick zu behalten. Ohne Frage müssen wir uns dem, was Putin in der Ukraine anrichtet, mit aller Entschiedenheit entgegenstellen, aber auf diese Hohe-Ross-Mentalität sollten wir meiner Meinung tunlichst verzichten. Nur weil Putin böse ist, sind wir noch lange nicht gut, sondern müssen etwas dafür tun.

Und schliesslich wird es uns für die Bewältigung der gigantischen Probleme ökologischen und sozialen Probleme auf unserem Planeten nicht helfen, die Welt in gute Demokratien und schlechte Autokratien aufzuteilen. Vielmehr müssen wir auch hier differenzieren und unterschiedliche Ausprägungen beider Formen mit all ihren Vor- und Nachteilen beschreiben und reflektieren.

Sorry, für die Überlänge, aber das musste einfach raus.

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миру України
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Werter Herr Hafen

Wertvolle Gedanken, ich finde Ihre Einwände alle sehr richtig, aber: momentan gilt mMn 'first things first' und das ist eben "f!ick dich Putin". Das einzig Gute an diesem Krieg wird hoffentlich sein, sich auch den, von Ihnen genannten Zusammenhänge bewusst zu werden und - hoffentlich!! - dann auch daraus dann zu lernen.

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Martin Hafen
Präventionsfachmann, Soziologe
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Lieber Herr S.

Das kann ich gut nachvollziehen ist. Die Frage ist einfach, ob wir nach einer wie auch immer ausfallen Bewältigung der "first things" einfach wieder zur Tagesordnung übergehen, ohne uns den "second things" zuzuwenden. Die radikal unterkomplex-einseitige Berichterstattung über China in praktisch allen bedeutenden Publikumsmedien VOR dem sich abzeichnenden Ukraine-Konflikt lässt dies befürchten.

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Demokratie-Fan
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Spannender Artikel von Seibt, spannende Kommentare von vielen intelligenten Menschen.
Aber was heisst das nun konkret? Wie stehen wir für die Demokratie ein?

Sollten wir nicht Demonstrationen für Demokratie, Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit organisieren? Für eine menschenwürdigen Sozialstaat, ein faires Gesundheitswesen, griffige Massnahmen für den Klimaschutz einstehen? Reicht da regelmässig abstimmen gehen, Initiativen/Referenden unterschreiben, und Republikkommentare verfassen? Braucht es für den Schutz unserer Demokratie(n) und die Abwehr von neoliberalen, populistischen und faschistischen Kräften nicht viel mehr als das?

Z.B. dass wir den Lehrplan so ausrichten, dass Schüler:innen wissen und erfassen, wie eine Demokratie funktioniert? Wäre es nicht höchste Zeit, dass vermehrt wissenschafts- und lösungsorientierte Menschen mit Rückgrat in die Politik gehen? Menschen mit echten Visionen für die Schweiz?

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Gaby Belz
semi-Rentnerin, semi-Berufsfrau
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@was tun. Ich würde immer noch gerne meine Unterschrift unter einen Vorstoss der Zivilgesellschaft (Campax) setzen und damit den Bundesrat gut hörbar auffordern, endlich den Atomwaffenverbotsvertrag (Motion von Carlo Sommaruga vom 15.12.2017) zu unterzeichnen, dem das Parlament trotz ablehnenderer Antrag des Bundesrates am 13.12.2018 zugestimmt hat (Motion 17.4241). Erstaunlich wie still es um dieses Geschäft bleibt.

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Danke für diesen Beitrag und danke insbesondere für diesen Satz in Klammern: (Würde ist im Deutschen nicht ohne Grund auch ein Konjunktiv: Würde besteht darin, Möglichkeiten zu haben.)

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Wir erleben momentan in der Ukraine einen schrecklichen Krieg, der sich zunehmend zu einem Stellvertreterkrieg zwischen der Nato und Russland entwickelt. Die Gewaltspirale dreht sich laufend schneller. Aktuell wird offen über taktische Atomwaffen gesprochen. Deeskalation scheint auf beiden Seiten ein Fremdwort zu sein, Hass breitet sich aus …

Dann ein emotional aufgeladener Artikel in der Republik (z.B. «…steht die russische Armee gesellschaftlich nur wenig über den Kakerlaken in ihren Kasernen»). Und fast einhellige Begeisterung auf Seite der Leser:innen? - Ich bin etwas erstaunt/ernüchtert.

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Guido Gallati
Inhaber Positivmedia
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Lieber Herr Hofstetter, ist, wer jetzt noch von einem «Stellvertreterkrieg zwischen Nato und Russland» faselt, wo doch eigentlich dem Letzten klar sein müsste, wer in diesem grausamen Krieg wen überfallen hat, welche Ziele er damit verfolgt und was es für uns letztlich zu verteidigen gilt (wenn nötig halt zusammen mit den Amerikanern und der Nato) ist wohl der autokratischen Propaganda schon ziemlich auf den Leim gegangen. Und wenn Sie schreiben «aktuell wird offen über taktische Atomwaffen gesprochen» bleiben Sie die Antwort schuldig, wer da gerade unverhohlen über den Einsatz von Atomwaffen spricht. Über einen Sachverhalt anderer Meinung zu sein, ist selbstverständlich legitim. Aber es gibt auch einen Zeitpunkt, an dem die Dinge klar zu benennen sind.

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Molekularbiologe PhD, Unternehmer
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Achtung: Der Autor beschimpft hier nicht Menschen als Kakerlaken; er macht im Gegenteil in bildlicher Sprache darauf aufmerksam, dass die durchschnittlichen russischen Soldaten einen vernichtend niedrigen gesellschaftlichen Status und Schutz geniessen.
Es mag ein schmaler Grat sein, aber autokratische und faschistische Tendenzen in unserer Gesellschaft aufzudecken, beim Namen zu nennen, und an den Pranger zu stellen, hat nichts mit Gewalteskalation zu tun. Nur wenn wir wissen, mit was für Mechanismen wir es zu tun haben, können wir uns gegen eine Ansteckung wehren, und den zerstörerischen Tendenzen dieser Politseuche entgegenwirken.

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Verlegerin, 74, (ex?) Journalistin
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Jörg Hofstetter: Nur eine Frage: wie ganz konkret geht Ihrer Meinung nach Deeskalieren, wenn eine Seite sagt: "ich spreche erst, wenn ich meine Ziele erreicht habe", wenn aber diese Ziele völlig unklar sind, eventuell auch laufend neu definiert werden? Wie geht Deeskalieren? Meinen Sie das Hin und Herrennen Ende 2021/ Anfangs 2022, die Telefonate und guten Dienste mit Händedruck? nein? Meinen Sie Kapitulation? wo? zu welchem Zeitpunkt? Denken Sie an höfliche Einladung, doch bitte ohne menschliche Verluste weiter nach Westen zu pilgern?
Nun klar doch: wir sind (fast) alle doch mehr oder weniger in Schockstarre; stellen fest: von eine Moment zum andern ist u.a. "Frieden schaffen ohne Waffen" für d'Füchs. Jetzt bringt es CS fertig, Analysen zu liefern. Wenn Sie nun erstaunt und ernüchtert sind, darf ich Sie höflich um eine Analyse des Geschehens Ihrerseits bitten. Danke!

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Herrn Seibts Analyse über destruktive Kommunikationsmechanismen und sprachliche Verwässerungsversuche, die unreflektiert weiterverbreitet werden, ist so bestechend wie seine klare Position. Danke!

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Propagandaopfer
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· editiert

Sorry, bei mir fiel der Groschen pfennigweise. Ob das mit den übrigen Beiträgen der REPUBLIK zu diesem Thema zu tun hat? Ob Seibt zu sharp für diese Welt ist?

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Constantin Seibt
Reporter / VR
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Eher zu wenig sharp. Herr Seibt funktioniert wie alle Esel: Er braucht ziemlich lang zu begreifen, aber wenn, dann merkt er sich das in bemerkenswerter Sturheit.

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Vielen Dank Herr Seibt, Sie haben einen gewaltigen Stein in die komplexen, volksverführten Traumgärten der Realitätsverleugnung geschmissen - hoffentlich hallt das Echo auf diesen Knall lange nach.

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Constantin Seibt
Reporter / VR
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Das sollte jemand malen: "die komplexen, volksverführten Traumgärten der Realitätsverleugnung".

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Enarchist & Anfänger
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Seibt bringt den Ernst der Lage auf den Punkt. Also auf ein fettes Ausrufezeichen. Es geht nicht um westliche Freiheit kontra autoritäre Unterdrückung, sondern um ein neues Aufleben von echter Kooperation, von gegenseitiger Fürsorge, von Vertrauensbeziehungen, die halten, von einer Welt, in der wir gerne leben. Wie das aussehen kann, weiss niemand, denn dafür braucht es immer mindestens zwei, drei oder mehr. Ein Schlüssel wird sein, dass wir nichts und niemandem blind gehorchen.

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Leserin
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Wer erinnert sich noch an "macht aus dem Staat Gurkensalat"? Wie ist die Parole gewandert in der Bevölkerung und was für eine allgemeine Sicht auf Demokratie ist heute vorhanden? Gemeinden haben Mühe, Leute zu finden, die demokratisch gewählt regieren, die Volksentscheide umsetzen wollen. Weil so ein Amt keine Ehre mehr ist, sondern nur Dummköpfe sich für solche exponierten, oft schlecht bezahlten Jobs zur Verfügung stellen? Es braucht ganz bestimmt eine ganz allgemeine, sehr breite Diskussion darüber, was Demokratie bedeutet und es braucht ebenso dringend Aufklärung darüber, was auch in unserem europäischen Alltag faschistisches Gedankengut ist, und zwar nicht nur in den Ländern, die oft genannt werden, wo die Medien schon gleichgeschaltet wurden, sondern auch in solchen Ländern, die unverdächtig scheinen, mit ihren Gesetzgebungen aber eine gewisse Reinheit ihrer Bevölkerungen wahren wollen.

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Constantin Seibt
Reporter / VR
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Jep. Ich glaube, es ist es Zeit, stolzer auf das Erbe der Demokratie zu sein, es auszubauen und neu zu erfinden.

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Nach langer Durststrecke endlich wieder etwas von Seibt! Es gibt Themen, die lassen sich in ihrer Breite nur ungekürzt ausformulieren und so lohnt es sich für mich, die geforderte Lese- und Denkzeit aufzuwenden. Gewinnbringend ist das alleweil!

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Wow, was für ein Feuerwerk von glasklaren Analysen, klugen Einordnungen und alles in gewohnt schonungsloser Offenheit. Wie immer auf den zum längeren Leseglück fast nicht enden wollenden Punkt gebracht und vorgetragen in meisterhafter Sprache, lieber Herr Seibt ... Vielen Dank für dieses journalistische MDMA, ein Resumee genau meiner Gedanken zur Lage der Nation(en) in schön gesagt, sozusagen :-)

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... ach ja, fast vergessen was ich noch sagen wollte ... "Russisches Kriegsschiff: fick dich!"

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Ein Werk der besseren Art von Seibt. Auf jeden Fall lesenswert. Ich möchte mich auf ein paar Einwände konzentrieren, die meines Erachtens zu kurz gekommen sind. Der Neoliberalismus ist nicht vorbei. Denn das Finanzsystem hat sich nur marginal geändert oder verbessert. Die Ungerechtigkeit anhand der Selbstbedienungsläden ist kaum besser geworden. Eine gerechtere Verteilung von Gütern und Finanzen ist kaum besser oder gerechter geworden. Die Reichen und Superreichen haben ihr Kapital auch während der Finanzkrise und der Pandemie um ein Vielfaches akkumuliert. Die Ausbeutung der Welt - auch durch den demokratisch und rechtsstaatlich gepriesenen Westen - ist beängstigender denn je. Die Klimakrise wird durch diesen Krieg oder diese Barbarei um Jahrzehnte marginalisiert. Die Amerikaner und der Westen sind nicht per se bessere Menschen: Guantanamo lässt grüssen oder ohne rechtsstaatliche Verfahren werden dort noch immer Menschen gefangen gehalten. Die Globalisierung, angetrieben durch die grossen Weltkonzerne, hat keinen Frieden auf Dauer gebracht - wie auch, wenn der Krieg der Märkte allgegenwärtig ist. Der Westen hat sich auf Teufel komm raus vor allem von China abhängig gemacht. Ein weiteres Unrechtregime, gegen das erst jetzt etwas Stimmung gemacht wird. Jahrzehntelang hat der Westen Produktionen ausgelagert, der Kosten wegen, und hat mit Diktaturen Geschäfte gemacht. Das beste Beispiel dafür ist die Schweiz. Also: von wegen alles im Lot mit den Demokratien und Rechtsstaaten dieser Welt.

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Constantin Seibt
Reporter / VR
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Ich bin eigentlich mit fast allem einverstanden.
Die Überlegung, warum der Neoliberalismus Geschichte ist, ist sehr verkürzt folgende: Im Grund gibt es nur zwei Szenarien:
a) Die von Ihnen beschriebenen Entwicklungen setzen sich fort, die Demokratie kippt und autokratische Räuber übernehmen die Herrschaft als Chefaussauger.
b) Das System wird durch Big Government gebändigt, jedenfalls so weit, dass ein genügend grosser Bevölkerung wieder das Gefühl von Fairness und Zukunft hat, so dass die Demokratie nicht kippt.

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Danke für die Replik. Dass das System durch Big Government gebändigt wird, ist eben sehr fraglich, weil dann die Politik in entscheidenden Bereichen wieder die Oberhand gewinnen müsste. Und daran, also dass die Macht der Konzerne gebändigt werden kann, glaubt man, wenn man Optimist ist. Leider lebt der vielmals in den besten aller Welten. Das Geschäft verträgt sich schlecht mit Menschenrechten, Meinungsfreiheit, Medienfreiheit, Rechtsstaatlichkeit. Es müsste demnach eine gewaltige Revolution in Sachen Humanismus und Ethik passieren, damit Despoten endgültig in die Schranken gewiesen werden könnten. Aber wie sie, Herr Seibt, zurecht folgern, es ist die einzige Chance, um nicht in die Steinzeit zurückzufallen.

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· editiert

Unglaublich durchdachter Artikel! Eigentlich Lehrbuch-tauglich. So bissig muss die Weltpolitik erläutert werden.
Ich war eigentlich auf dem Klo schon längst fertig aber musste noch 20 Minuten sitzen bleiben, um diesen Beitrag fertig zu lesen. So eine informativer aber auch rührender Text habe ich schon lange nicht mehr gelesen.
Man sollte noch in die Lesezeit das 19' Video zur "Failed Logistics of the Russian Army" (evt. nicht der korrekte Titel) hinzu rechnen ;)

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Theologin/Pfarreiseelsorgerin
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· editiert

Es ist Zeit, ein paar eigene Meinungen über Bord zu werfen, zuzuhören, Bündnisse zu schliessen und schnell zu lernen. Denn der Faschismus ist zurück. Und er will eine Revanche. Noch weiss niemand, ob der kommende Krieg heiss oder kalt wird. Klar ist nur: Wir gewinnen, weil sonst nichts bleibt, was das Leben lebenswert macht. Oder eleganter gesagt: Russisches Kriegsschiff, fick dich!

Das alles ist nichts Neues. Generationen haben für die Demokratien gekämpft, in denen wir aufgewachsen sind. Nun ist die Reihe an uns.

Es ist sicher so, dass eigentlich kein Mensch in diesem Sinne an der Reihe sein will. Denn das ist unbequem und fordert jede:n dazu auf, Position zu beziehen. Zum Beitrag Macron/Le Pen kommentierte ich sinngemäss, dass meine Phantasie ausreicht, mir vorzustellen, dass (immer mehr) Gesellschaften in Richtung Faschismus kippen. Da ich in so einer Gesellschaft nicht leben wollen würde, gibt es im Moment keine Alternative zu "Russisches Kriegsschiff, fick dich!"

Danke Constantin Seibt für den Text!

Ergänzung: für das konkrete Leben heisst das, im direkten Umfeld den Boden für Frieden, Diskurs, Vielfalt und Solidarität zu bereiten und darin unbeirrt zu bleiben.

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bei "freie Welt" hab ich aufgehöhrt den Artikel ernst zu nehmen...

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ichfürchte...
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War für mich auch ein Stolperstein, aber auch nicht viel mehr. Man muss bei launischen Artikeln nicht jedes Wort abwägen, aus meiner Sicht will dieser Text auch einfach etwas Unterhaltung bieten (?)

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Constantin Seibt
Reporter / VR
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Ich gestehe, "freie Welt" zu schreiben, hat mich einige Überwindung gekostet - ich weiss ich, wie abgegriffen mir dieses Formel im Kalten Krieg erschien - nur sind wir, wie ich fürchte, dort zurück.

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Brillianter Text. Besser kann der aktuelle Zustand der Welt kaum zusammengefasst werden. Herzlichen Dank.
Und bitte den Artikel weiterleiten!

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Welch schwindelerregende Analyse der aktuellen Zeitenwende. Mit textlicher Wucht macht Constantin Seibt klar, worum es eigentlich gerade geht. Vielen Dank!

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"Denn normaler­weise erkennt man intelligente Menschen an ihren Selbst­zweifeln; die dümmsten daran, dass sie sich überall für Expertinnen halten, weil sie vom eigenen Unwissen keine Ahnung haben."
Gilt das nicht auch für den von mir eigentlich geschätzten Herr Seibt?
Gerne erwarte ich eine ebenso detaillierte Analyse der globalen Hegemonie-Ansprüche und des autokratischen Verhaltens der "guten Seite" und eine Antwort auf die Frage "wie geht es nach dem Krieg weiter?", macht ein am Boden zerstörtes im Chaos zerfallendes Russland die Welt sicherer.
Eine differenziertere Sichtweise wäre mir lieber als dieser z.T. emotionale Rundumschlag!

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In Ihrer Logik ist jede Aussage zweifelhaft, weil überhaupt geäussert. Das passt gut zu Bannons "Flood the Zone..", weil zu jedem Fakt das, wenn auch abstrusteste, Gegenstück "diskutiert" werden muss. Und Ergebnisse gibt es selbstverständlich keine. Beschäftigungstherapie für die Gutmenschen. Der US-Imperialismus wird bereits seit fast 80 Jahren diskutiert. Ergebnisse? Verlassen Sie sich nicht auf die "ausgewogene" Schiedsrichterhaltung in der Schweizer Neutralität. Kämpft Europa mit Putin, wird der Fallout die Schweiz nicht vermeiden. Und Putin wird Ihre Ausgewogenheit äusserst egal sein.

Und noch eines: wenn Sie ein "ein am Boden zerstörtes im Chaos zerfallendes Russland" nicht haben wollten, hätten Sie Putin an diesem Krieg hindern sollen.

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Gehe in vielen einig, aber die rasende Bereitschaft mehr Geld für Rüstung auszugeben, erfreut mich nicht. Warum? Dieses Geld fehlt für Wichtigeres wie z. B. für die Menschen oder das Klima. Es besteht auch kein Bedarf. Russland gab 2020 61 Milliarden für Rüstung aus, die NATO-Staaten zusammen unvorstellbare 1110 Milliarden, alleine D,I,F,GB geben zusammen das 3-fache von Russland aus, daher fick-dich Kriegsindustrie.

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Coach ICT-Basislehrjahr
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Just WOW. Danke Constatin!

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Das musste einfach mal gesagt sein! Treffend, klar und visionär. Perfekte Formulierungen. Damit hat die Realität alle Agenten- und Kriminalfilme ausgehebelt. Die Situation ist dramatisch und es liegt an uns Allen, die Werte des Humanismus und der Demokratie zu verteidigen. Dramatisch und trotzdem ein Lesevergnügen. Danke Consti! H. & H. Golling

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ano1nym
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Danke Herr Seibt. sehr sehr lesenswert…. soviele Seiten interessanter, hervorragend formulierter Information, lehrreich und - entsprechend der Realität - ANGST machend. DEMOKRATIE ist nach wie vor die zwischenmenschlich respektvollste Staatsform. Wir sind der Staat. Es steht dem nichts dagegen, diese Staatsform weiter zu verbessern!

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Der Beitrag ist schon fast eine Systemtheorie. Eine ziemlich plausible noch dazu. Danke!

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Ethikprofessor
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· editiert

Geehrter Herr Seibt
Ich bin einverstanden, dass es jetzt klare Signale des Westens braucht. Der diktatorische Machtmissbrauch ist nicht tolerierbar und braucht Stärke des Westens. Ich habe mich in meiner Reaktion gegen die Gegenüberstellung «Demokratie gegen Diktatur» gewendet. Alle Menschen, ob in einer Demokratie oder Aristokratie oder Technokratie, müssen sich gegen Diktaturen wenden. Ich hatte vor zwei Tagen ein öffentliches Webinar mit chinesischen NGOs über Demokratie. Wenn wir Chinesen sagen würden, Ihr müsst zuerst eine Mehrparteiendemokratie werden, bevor wir uns gemeinsam gegen militärische Aggression wie von Putin wehren, dann würden wir ins Leere laufen. Auch die 53, meist afrikanischen, Länder, die sich in der UNO der Stimme enthalten haben in der Resolution gegen Russland, können wir mit der Demokratiefahne nicht gewinnen, obwohl viele von ihnen Demokratien sind. Wir bleiben im Gespräch. Ich schätze sonst Ihre Beiträge, nur dieser war mir zu aggressiv. Danke für Ihr Engagement. Der Beitrag löst eine Debatte aus, was er ja zu recht will.

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Multifunktional
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Wenn wir Chinesen sagen würden, Ihr müsst zuerst eine Mehrparteiendemokratie werden, bevor wir uns gemeinsam gegen militärische Aggression wie von Putin wehren, dann würden wir ins Leere laufen.

Ich habe an keiner Stelle im Artikel gelesen, dass Herr Seibt etwas in diese Richtung gefordert oder insinuiert hätte.

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Grandios, Herr Seibt.
Es ist natürlich (mehr oder weniger) als Witz gedacht, aber eigentlich müsste man über jeden Hauseingang, von der Kita über die Uni über das Hallenbad über das Schrebergartenhüttli über das Fingernagelstudio über die vegane Metzgerei über das Kunstmuseum über den Schuhladen über das Katzenkörbchen über das Verlagshaus bis zum Altersheim tausende Banner hängen:
„RUSSISCHES KRIEGSSCHIFF, FICK DICH!“

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Слава Україні!
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Dieser Slogan hängt zig-fach in der Ukraine auf Werbeplakaten und Bannern.

Kommentar meiner Grossmutter nach ihrer Flucht aus dem Donbass:
"Sowas vulgäres hat im Strassenbild nichts verloren".

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Vielen Dank! So mag ich die Republik. Es läuft mir kalt den Rücken runter und ich möchte nachdenken.

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Habe Inhalt und schriftstellerische Kraft wie immer sehr genossen.
Vielen Dank Herr Seibt!

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Super Artikel, vielen Dank! Kurze Interessensfrage zum Ablauf: Wie viel Vorlaufzeit brauchst du, um so einen Artikel zu schreiben? Damit meine ich inklusive Recherche etc. Auf jeden Fall: Chapeau!

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Constantin Seibt
Reporter / VR
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Diese Mal war es wirklich mörderisch: Ich hab alle, inklusive Familie und Redaktion wahnsinnig gemacht. Weil ich sagte: morgen bin ich fertig. 5 Wochen lang.

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Schöner Artikel. Sehr lang, aber lesenswert. Wir brauchen mehr kollektives Denken, denn Freiheit ist nicht Freiheit, wenn sie nur individuell ist.

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Verlegerin, 74, (ex?) Journalistin
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Vielen Dank, Constantin Seibt! einmal mehr wird mir klar, warum ich ganz grundsätzlich zu Republik gestossen bin, und, wie es scheint, dabei bleibe. Hatte schon Bedenken, dass manche mir wichtigen Mitmenschen (auch) von einem writer's/writeresses' block heimgesucht worden sind/werden. Es ist nicht so und das ist gut so! Das heisst keinesfalls, dass ich mit allem einverstanden bin, aber lesen, kauen, für mich kommentieren, deuten, zwischen die Zeilen skizzieren, so überhaupt wieder in Bewegung kommen... das tut mir gerade gut. Mit freundlichen Grüssen!

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"Putin entlarvt den hohlen Moralismus seiner Gegner. Und die Dekadenz des Westens", zitiert Constantin Seibt Köppel. Und schreibt dann:

Gesetzt den Fall, das wäre Teil einer ernsthaften Debatte. Was liesse sich darauf antworten?

Das war/ist Teil einer ernsthaften Debatte. Ivan Krastev und Stephen Holmes haben darüber ihr Buch geschrieben: "Das Licht, das erlosch". Untertitel: Eine Abrechnung. Mit dem erloschenen Licht meinen sie die liberale Demokratie. Sie schreiben dort unter anderem:

Seit 2014 hat auch Putin wiederholt auf solche brutalen Parodien der US-Außenpolitik zurückgegriffen, um der Welt die Heuchelei Amerikas vor Augen zu führen. Dieser Wechsel von der Simulation zur Verhöhnung – von einer vorgespiegelten demokratischen Verantwortlichkeit im Inland zum Spiegeln des Fehlverhaltens der USA auf internationaler Ebene – war vermutlich nur möglich, weil mächtige Kräfte in Russland das Bestreben, wie der Westen zu werde, nie wirklich verinnerlicht hatten.

Als Beispiel führen Krastev/Holmes an, dass Putin für seine Begründung der Annexion der Krim ganze Passagen aus Argumenten entlehnt hat, mit denen westliche Führer die Aufteilung des serbischen Territoriums gerechtfertigt hatten.

Seibts Essay streift und verrührt vieles, ruft schlussendlich dazu auf, Bündnissee zu schließen und lässt dabei offen, wer denn die neuen Verbündeten sind im ausgerufenen Endkampf. Auf der einen Seite Putin, Konservative mit Hang zum Protofaschismus, "Putin-Versteher" und Impfgegner, offenbar alle ähnlich demokratievergessen. Und auf der anderen?

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Constantin Seibt
Reporter / VR
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Natürlich, Amerikakritik ist angebracht. Satire auch. Aber sie beide nicht gerade glänzender, wenn man dabei einen Angriffskrieg beginnt und mehre 10'000 Leute umbringt.

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mit denen westliche Führer die Aufteilung des serbischen Territoriums

Aua, der Vielvölkerstaat Jugoslawien war also serbisches Territorium. Ich verweigere die weitere Diskussion.

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Das Beste was ich zum Krieg in der Ukraine gelesen habe, denn es zeigt die Ursachen klar auf. Wenn man die USA abschreibt, dann wird die „Bastion“ der Demokratie viel K. sein als im letzten Jahrhundert, keine schöne Aussichten.

Es gibt einen Umkehrschluss, der nicht im Detail behandelt wurde. Ein autoritäres Regime, wie eine Monarchie aus der europäischen Geschichte, hat ein Interesse daran, Rechte an diejenigen Bevölkerungsschichten abzugeben, die möglichst stark gedeihen sollen. Heutzutage ist dieser Effekt noch viel stärker geworden, sprich Braindrain. Es ist kein Zufall, dass dies parallel zur Industrialisierung geschehen ist, wo es viel mehr Kreativität brauchte als nur Rohstoffe aus Kolonien zu importieren.

Dies geht jedoch in den aktuellen Demokratien vergessen. Mit ein paar Ausnahmen haben wir aufgehört zu versuchen, alle Gesellschaftsschichten gedeihen zu lassen. Das wird unvermeidbar zum Problem. In der ursprünglichen Demokratie der Athener gab es zwar auch Sklaven, aber diese hatten kein Stimmrecht. Wir tun uns also gut daran, uns sowohl solidarisch als kämpferisch zu zeigen.

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Leserin
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Ich empfehle das Interview vom 7.4.22 mit dem Oekonomen Dominic Rohner in der NZZ.

Öl- und Gasvorkommen erhöhen das Risiko von Autokratie, Korruption, Repression und Konflikten. Deshalb solle man sich von fossilen Energieträgern nicht nur aus ökologischen, sondern auch aus sicherheitspolitischen Gründen rasch verabschieden, sagt der Lausanner Ökonom Dominic Rohner.

(https://www.nzz.ch/wirtschaft/welth…ld.1677815)

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Constantin Seibt
Reporter / VR
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Thx. Der Herr hat Recht. Das Geschäft ist so einfach und so lukrativ, dass es wie geschaffen ist für die Mafia.

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Verleger
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Danke dafür !
Putin = put in = einlochen

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Daniel Reichenbach
Filmer, Fotograf
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Wow!

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Ein sehr lesenswerter Artikel zum selben Thema hier aus dem jüdischen Magazin Tachles vermittelt eine weitere, differenzierende Sichtweise:
https://www.tachles.ch/artikel/schw…festhalten

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Слава Україні!
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https://www.tagesanzeiger.ch/christ…8234871979

Interessant ist, dass dies in etwa auch der Argumentation von Frau Calmy-Rey entspricht.

Stichwort "aktive Neutralität".
Ich halte ihren Ansatz für stichhaltiger als von Herrn Blocher auch wenn wir dadurch in Wirklichkeit Position beziehen. Und zwar die Position, dass unsere Werte und Völkerrecht für uns ein sehr hohes Gut sind, anstatt Geschäfte über alles zu priorisieren.

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