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Interessanter Artikel, aber viel zu langatmig

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Ich lese sehr selektiv und steige bei langatmigen Texten schnell aus. Diesen Artikel habe ich in einem Zug gelesen. Die Idee auszusteigen kam mir keinen Moment.

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Chefredaktion
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Und Sie haben Teil 2 und 3 noch gar nicht gesehen. 100'000 Zeichen, alles in allem.

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Ohne langen Atem ist alles nichts.

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im Feld
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Ich war 1995-97 für Studienzwecke mehrmals in Indien, gesamthaft 13 Monate. Damals spürte man die aufgepeitschte Stimmung, den Gandhi Nehru Clan endlich loszuwerden. Die Green Revolution war gescheitert, die geschäftsfähige für das BIP relevante Bevölkerung betrug gerade mal ein Drittel der inzwischen auf eine Milliarde angewachsenen Inderinnen und Inder, alle anderen waren um es mal modern auszudrücken „nicht systemrelevant“, die Erhebung der Alphabetisierungsrate bedeutete in manchen Bundesstaaten, dass man gerade mal seinen Namen schreiben und lesen konnte, Millionen stimmten mit ihrem Fingerabdruck ab, Kolleginnen und Kollegen im Nordosten liessen sich in den Wäldern von Burma zu Milizen ausbilden, weil sie fürchteten, die Zentralregierung könnte in ihren Heimatstaaten jederzeit ein Exempel statuieren, und die Faszination für Hitler war nicht nur in Hindukreisen spürbar, sondern auch in muslimischen und christlichen Gemeinden.
Umgekehrt war die Vielfalt der gelebten Gemeinschaft umwerfend. In einigen muslimischen Denominationen des Südens gab es erste weibliche Imaminnen, der indische Islam war einer der liberalsten der Welt. Aber auch das sensible Verhältnis zwischen den „arisch“ geprägten vaishnavitischen Nordkulturen und den uralten dravidischen Hochkulturen des Südens war von einem Bewusstsein von Gewalt und Unterdrückung geprägt. Die alten schamanistischen Dorfgottheiten wurden kurzerhand in den brahmanischen Götterpantheon aufgenommen als karmabedingt untergeordnete bedeutungslose Nebengöttinnen. Daraus hat sich auch eine Genderdiskussion entwickelt, die einiges aussagt und aufarbeitet über die Geschlechterrollen. Einige Gliedstaaten werden auch seit Jahrzehnten von gewählten Kommunisten regiert.
Die Warnung vor fundamentalistisch gewaltbereiten Gruppen wie dem der BJP nahestehenden RSS wurde schon damals laut. Zurück in der Schweiz habe ich mit Entsetzen die Wahl der BJP miterlebt, das war so etwas wie die Wahl Trumps in Amerika. Schon damals hiess es nun geht alles den Bach runter. Aber ich habe auch immer wieder die Kraft der Menschen und ihren Stolz auf die Demokratie und auf ihre Wahlberechtigung gespürt. Fast jede Familie hatte Angehörige in „Saudi“, wie sie salopp sagten, Gastarbeiter in den Luxusresorts der Ölbarone. Die Wertschätzung für das eigene freie Staatswesen, so marode und schwierig zu regieren es auch erscheint, war immer eine wichtige Identifikationsfolie hinter allem parteipolitischem Kalkül.
Eine Frage hat sich mir in dieser Zeit nicht beantwortet, nämlich die nach dem Phänomen, das der Indologe Axel Michaels den „identifikatorischen Habitus“ nennt. Er scheint der Advaita Vedanta Philosophie zu entstammen, zieht sich aber durch alle säkularen und kulturellen Milieus. Dass im Kern alles ein und dasselbe Wesen ausmacht. Dass Geschichten und Realität im Grunde nicht unterschieden werden müssen. Dass es Arme und Reiche braucht, und dass sie sich aber im Grunde nicht unterscheiden, weshalb die rituelle Trennung im Grunde ebenfalls nichts Anstössiges ist, weil sie ja nur einer Illusion folgt, die aber wiederum nicht von der Wirklichkeit unterschieden werden muss. Im Alltag kann es sein, dass man erst nach stundenlangem Feilschen herausfindet, ob der Saristoff nun wirklich aus von Seidenraupen stammender Seide besteht oder ob es einfach real silk ist, weil eben im Moment dieser fantastische Polyesterstoff tatsächlich „real silk“ ist. Die hochgebildeten und auch im Wissenschaftsdiskurs zur Weltelite gehörenden Inderinnen und Inder habe hier eine Weltsicht, welche mich fasziniert, weil sie irgendwie auf eine zutiefst konstruktivistische Art Realität erzeigen und prägen kann. Aber „verstanden“ habe ich es bis heute nicht in seiner ganzen Tiefe.
In der neusten Ausgabe der Zeitschrift „Zeitzeichen“ gibt es übrigens eine von Wolfgang Huber verfasste Übersetzung eines Briefes von Dietrich Bonhoeffer an Gandhi aus dem Jahre 1934 über seine Pläne einer dann wegen der Gründung des Predigerseminars Finkenwalde - einer Brutstätte des Widerstandes gegen Hitler - nie angetretenen Indienreise. Lesenswert auch vor dem Hintergrund der neusten Entwicklungen.

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Chefredaktion
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Vielen Dank für Ihre interessanten Ergänzungen, Frau B.

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Es braucht immer etwas Mut, darum bin ich froh um Ihre positive Reaktion. Danke!

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Theologe
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Das alles ist ja eigentlich schon lange bekannt und darüber wurde abseits der Tagesmedien auch wiederholt berichtet.
Sehr zu begrüssen, dass hier der Blick auf Indien notwendige Korrekturen erfährt und Modi und seine Organisation ins rechte Licht gerückt werden!

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Danke für diesen äusserst interessanten Beitrag. Ich war in den letzten 15 Jahren ab und zu beruflich in Indien und hatte auch sonst viel mit indischen Landsleuten zu tun. Nie hatte ich den Eindruck dass ich mehr als "skin deep" kam in meinem Verständis über ihre Kultur(en), ihre Motivationen und "what makes them tick".
Dieser Beitrag zeichnet, auf sehr spannende Weise, ein paar "key events" welche den Weg der politischen Entwicklung pflastern mit Erlebnissen von echten Personae. Solche faschistoide Ströme sind ja auch in den Nachbarländern Indiens sichtbar, z.B. Myanmar. Es wäre sicher interessant, solche Trends in grenzüberscheitenden Zusammenhängen zu analysieren.
Ich freue mich schon auf die nächsten Beiträge zu dem Thema.

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Danke für diesen lehrreichen spannenden Artikel.
Ein Frage nur: Warum verwendet die Autorin den Ausdruck „Götzen“ für hinduistische Skulpturen? Meines Wissens ist der Ausdruck abwertend. Er stösst mir auf in einem Artikel, der ja genau Abwertung, Unterdrückung und Ausgrenzung anderer Kulturen anprangert.
Beste Grüsse U.F.

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im Feld
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Das könnte an der Übersetzung aus dem Englischen liegen. Die Hindus selber bezeichnen ihre Götterfiguren in den Hausschreinen als „idols“. Dies ist keine Abwertung der zugrundeliegenden Gottheit, sondern im Gegenteil eine Aufwertung der Materie des Kunstgegenstandes mittels seiner Verbindung/ Verschmelzung mit dem Göttlichen. Dies ist eine sehr bezeichnende und typisch indische Deutung des eigenen Kultes.

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Übersetzung aus dem Englischen, genau, so macht es Sinn, Auf Deutsch im Kontext von Religionen wird/wurde es meist abwertend gebraucht, danke.

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Persönlich kenne ich den Begriff "Götzendienst" einfach als altdeutschen Begriff, der auch im Christentum bei uns hier verwendet wurde. Später wurden dann der Begriff "Messe" oder "Gottesdienst" daraus.

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Genau im Christentum : Abbild einer heidnischen Gottheit (alles was nicht christlich war, war heidnisch) Luther: falscher Gott.
Aber auch als abwertende Bezeichnung für einen der eigenen Religion fremden Gott.
Neutral ist der Ausdruck schon seit dem MA nicht mehr.
Gruss U

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Ein sehr informativer Artikel. Dadurch versteht man die Hintergründe der jetzigen Ereignisse um einiges besser.

Eine kleines, aber wichtiges, Detail fehlt noch in der Nennung der historischen Ereignisse. In den 40'er Jahren wurden hier in Sachsen indische Truppen von der Wehrmacht trainiert, um gegen die britischen "Besatzer" zu kämpfen.

Es gab also schon damals eine schlagende Verbindung zum (deutschen) Faschismus.

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1992 reiste ich 3,5Monate durch Indien, allein. Ich fühlte mich relativ sicher, nahm um meiner Sicherheit willen davon Abstand nach Kashmir zu reisen, wo eine Art Bürgerkrieg herrschte. Man konnte hinfahren, doch gab es Hinterhälte und Anschläge sowie Entführungen, das Ausmaß konnte ich nicht abschätzen. Ich traf Leute/andere Ausländer, die dort waren und es nicht als schlimm empfunden hatten.
Trotzdem finde ich den folgenden Satz in Ihrem Beitrag fragwürdig:
,,Der Wandel in Kaschmir stellte mehr als ein halbes Jahrhundert vorsichtiger, ausgleichender Politik auf den Kopf ".
Ich empfehle Ihnen dazu auch den Roman Salman Rushdies zu lesen, der sicherlich Fiktion ist, doch sorgfältig recherchiert:
,Shalimar the Clown'
plus ein Interview dazu:
https://en.qantara.de/content/inter…adise-lost
Alles in allem habe ich Ihren Beitrag mit großem Interesse gelesen. Es ist wichtig, über Indien zu berichten, der fatale Hass und die Gewalt, sowie über die Strippenzieher dahinter. Das ist wahrscheinlich nicht nur Modi und die BJP.

Viele Grüße aus Ingolstadt
I. C.

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Alexander Melliger
Ich bin auch ein Schulleiter
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Sehr spannend geschrieben und auch treffende Fotos, Gratulation

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Chefredaktion
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Verschiedentlich wurde hier im Dialog die Verwendung des Begriffs "Götze" kritisiert. Wie versprochen haben wir bei der Übersetzerin nachgefragt, hier ihre Antwort:

Ich habe „Götzen" gewählt, weil auch das englische „idols" die monotheistisch geprägte Konnotation des Negativen hat, wie in „you shall not make for yourself an idol". Im textlichen Zusammenhang stellen Hindus diese "idols" in die islamische Moschee. Allerdings kann es gut sein, dass der Autor das nicht bewusst gewählt hat, sondern einfach christlich geprägt ist. Eine neutralere Variante, um in diesem religiösen Konflikt keine Religion über die andere zu erheben, fände ich durchaus vertretbar. Götterbild finde ich ganz gut, bloss sind es ja eher Statuen oder Figuren. Da müsste man sich dann festlegen.

Wir schlagen vor, die wortgetreue Übersetzung zu belassen, weil der "New Yorker" nicht dazu neigt, schludrig zu arbeiten.

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Ernesto Meng
Kritischer Beobachter
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Danke für diesen erschütternden Bericht. War seit 2008 6 Mal in Indien. Habe das ganze Land bereist. Am Schluss nur noch nach Kerala gereist um in Ayurvedischem Spital mich zu erholen, Diabetes 2 und Rücken. Habe damals erlebt und das ist nur für Kerala richtig, dass alle Religionen in Kerala in sehr friedlichem Konsens leben. Das Spital gehört Muslimen. Die Ärzte sind Hindu. Der Yoga Lehrer Christ. Auch die Masseure, waren bunt gemischt was Religion angeht. Dass im restlichen Indien das nicht so klappt, musste ich mehrmals erfahren. Würde alleine nicht mehr 3Wochen mit der Bahn durch Indien reisen. Ohne aus zu hohlen, wurde einmal von einem Pakistaner vergiftet, litt 48 Stunden. Die Polizei erklärte mir ich müsse 14 Tage im Hotel wo das Essen präpariert wurde, warten. Trotzdem finde ich Indien ein wunderbares Land. Die Armut und Ungerechtigkeit des Kastensystems ist mehr als beschänend. Die Reichen benehmen sich schändlich. Dass Herr Modi diese Vergangenheit hat, finde ich unglaublich. Natürlich könnte ich ein Buch schreiben, aber das haben andere bereits getan. Die wunderbaren Gewürze haben mein Leben bereichert. Auch viele Bekanntschaften waren wunderbar. In Darjeeling in einem Tibetischen Hotel hatte ich Aussicht auf den dritt höchsten Berg Kanjenzencha. Ohne Heizung im Februar, dafür Bettflasche. Wunderbare Gastgeber. Freue mich auf die weiteren Berichte. Danke.

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Danke für den interessanten Artikel. Mir ist lediglich der Titel etwas zu verallgemeinernd: Sind alle Hindus anti-muslimisch eingestellt?

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Redaktorin fairunterwegs.org
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Ich danke für den spannenden und wichtigen Beitrag und bin gespannt auf die nächsten. Über die "Götzen" bin ich ebenfalls gestolpert - eine unglückliche Übersetzung.

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Mann über 60 christlich
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Mir fehlt im Beitrag der Hinweis, dass auch Christen und alle anderen religiösen Gemeinschaften massiv verfolgt werden.

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