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Beiträge zu «Der digitale Filmriss»

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Sich um das audiovisuelle Kulturgut der Schweiz zu kümmern heisst für mich in der heutigen "onlife" Zeit: es so umfänglich wie möglich digital (frei) verfügbar zu machen, und zwar im Sinne einer Doppelstrategie, welche das Analoge nicht ausschliesst. Es passt meiner Einsicht nach nicht zu Institutionen, die Rolle des Gatekeepers zu praktizieren. Wie Frau Flückiger erläuterte, in den Nischen des Internets findet sich immer ein interessiertes Publikum für jeden möglichen Inhalt und aus dem Blickwinkel der Remix-Kultur könnte viel Spannendes zur Identität der Schweiz entstehen. Das Problem lässt sich vor allem über die Infrastruktur lösen. Ein hochproduktives, skalierbares Framework zur Digitalisierung und Publikation, welches Wissenschaftler, Archivare, Operateure, Programmierer und Redakteure gleichermassen berücksichtigt, ist der Schlüssel zur baldigen Realisierung. Ich bin mir absolut bewusst, das ist ein teurer und aufwendiger Weg. Hoffen wir auf offene Ohren und Augen!

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Sie bringen es auf den Punkt, Herr Shenton, dass wir ein solches skalierbares Framework brauchen. Da ist die Politik gefordert.

Bis heute hat das BAK sich jedoch auch zu diesem Artikel nicht geäussert. Es stellt sich daher die Frage, wie man die politischen Entscheidungsträger mobilisiert?

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Ich lese gerade im Sammlungskonzept der Cinémateque Suisse (s.27, https://www.cinematheque.ch/fileadm…nge_DE.pdf): «Die Cinémathèque suisse baut ein digitales Speichersystem zur Langzeitarchivierung auf. Dazu hat sie eine interne Arbeitsgruppe namens CSNUM gebildet. Im Rahmen dieses vom BAK genehmigten Mandats soll die Einführung einer neuen digitalen Infrastruktur für die Digitalisierung und dauerhafte Digitalarchivierung genauer geprüft werden.» Wissen Sie etwas über den Fortschritt dieses Mandats?

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Anderes Thema. Das waren aber teure 100m Autobahn. Normalerwise spricht man von CHF 100'000 pro Laufmeter.
https://www.nzz.ch/articleDEMU1-1.190572

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Ich frage mich, ob wir (und dazu gehöre auch ich) das Pferd nicht vom Schwanz aufzäumen. Wir verwenden unsere ganze (intellektuelle) Energie darauf, den Verlust von Kulturgütern zu beklagen. Dabei gehen wir von einem unersättlichen Hunger nach diesen Kulturgütern (hier der Schweizer Film) aus. In der Realität reicht es im Moment aus, wenn Studiokinos und gelegentlich das Fernsehen diesen Hunger, soweit er überhaupt existiert, stillen.
Historische Dokumente sind wie guter Wein: je länger sie lagern, desto begehrter werden sie. Und so, wie nur wenige Weine die ersten 10 Jahre überstehen (Schweizer Weine zu einem hohen Prozentsatz), so werden auch nur wenige Kulturgüter den Alterungsprozess überstehen. Und das ist gut so!
Was von der akademischen Zunft zu erwarten wäre, sind nicht Lamenti darüber, dass nicht 100% des kulturellen Erbes erhalten werden kann, sondern Gedanken darüber, wie wir den guten Wein, den wir erhalten sollten, vom schlechten, den wir getrost wegschütten können, erkennen. Bevor wir das Problem, wie wir Kulturgut erhalten, lösen, sollten wir wissen, was wir wie an zukünftige Generationen weitergeben sollten. Das ist ein Langzeitprojekt.
K. D., Gründungsmitglied und erster Direktor von Memoriav

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Simon Spiegel
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· editiert

Die Analogie mit dem Wein hinkt sehr. Schlechter Wein wird mit der Zeit nicht besser, dass kulturelle Güter neu bewertet werden, dass Werke, die zu einem Zeitpunkt als uninteressant, schlecht oder belanglos eingestuft wurden, später als besonders wertvoll oder aufschlussreich wahrgenommen werden, geschieht fortlaufend. Unsere Wahrnehmung der Vergangenheit wandelt sich und entsprechend auch der Wert von Quellen resp. Werken. Insofern wäre ich sehr vorsichtig, wenn es darum geht zu entscheiden, was erhaltenswert ist und was nicht. Nichtsdestotrotz stimme ich Ihnen zu, dass eine Priorisierung bei der Digitalisierung stattfinden muss. Und hier sollte die Wissenschaft eine Rolle spielen. Genau dies geschieht heute aber bestenfalls in Ansätzen. Es gibt keine offene Diskussion, was wie digitalisiert werden soll.

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Vergleiche haben das Privileg, dass sie hinken dürfen, vielleicht sogar müssen. Worum es mir ging: Statt auf den Institutionen, die sich um das audiovisuelle Kulturgut der Schweiz kümmern, herumzuhacken, wäre es sinnvoller, die Situation genauer zu analysieren. Die Situation in den Niederlanden ist viel komplexer, als im Artikel dargestellt. Es wäre interessant darzustellen, welche Teile des audiovisuellen Kulturgutes von der Finanzspritze profitiert haben und welche weniger, und wie nachhaltig die getroffenen Massnahmen sind. Der Kurzschluss, man könne das Problem über die Infrastruktur lösen, ist nicht besonders zielführend.
Was uns in der Schweiz fehlt, sind zwei Analysen: die eine betrifft das audiovisuelle Kulturgut im Lande, die andere die Art und Weise, wie in vergleichbaren Ländern Europas mit dem Problem umgegangen wird. Es wäre schön, wenn sich endlich eine Hochschule oder Fachhochschule diesen Themen annehmen würde.

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Lieber Herr D.

Es geht weniger um ein Lamento, sondern mehr um eine Strategie, dazu gehören auch transparente Selektionskriterien. Und dazu gehört, dass die Werke zirkulieren und dem Publikum zugänglich sind. Im Fernsehen werden nur noch sehr wenige historische Filme gezeigt.

Wie Simon Spiegel schon ausführt, sind die Bewertungskriterien wandelbar. Dazu muss man die globale Perspektive berücksichtigen, in der es Partikulär-Interessen gibt, wodurch Informationen, die nur für Nischen spannend sind, dennoch ein grosses Publikum erreichen können, zum Beispiel Eisenbahnfilme.

Alle Filme werden wir ohnehin nicht erhalten können.

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Ein guter Beitrag, danke.

Wichtig ist auch zu wissen, dass das Problem genauso weitergeht. Auch bereits digital erstellte Kunstwerke (Bilder, Videos, Musik, Spiele, sonstige Software) zu archivieren ist eine Mammutaufgabe und noch kaum im Bewusstsein. Digitale Artefakte «verfallen» zudem viel schneller als jedes Buch, jede Schallplate und jeder Filmstreifen.

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Ich danke Simon Spiegel dass er das Thema aufgenommen hat. Es ist mir - als Laie und Filmliebhaber - schon lange eine grosse Frage, wieso die Cinemathèque sich hier nicht engagiert und zumindest die bereits schon digital vorliegenden Filme dem breiten Publikum zur Verfügung stellt - gegen Entgelt!? Dann käme ja auch Geld in die Kass, um weitere Filme zu digitalisieren. Weiter stellt sich mir die Frage, wieso hier die Welt wieder neu erfunden werden muss, wenn die Holländer uns es bereits schon vormachen? Wäre es nicht die bessere Alternative zu einem prestigeträchtigen Neubau in Lausanne, welche der ganzen Schweizer (Film)Landschaft zu Gute käme?
Müssen wir auch in diesem Bereich noch auf Google, Netflix und wie sie alle heissen warten, bis sie diese Arbeit 'gratis' machen und uns dann die Kopien wieder verkaufen? Cinefile geht hier schon in die richtige Richtung wenn sie Klassiker wieder auflegen, nur eben dürfte das Angebot noch viel breiter und tiefer werden.
Ich freu mich auf den nächsten Filmriss... Danke ab

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Weshalb verschwinden grossartige Werke wie «Der Galgensteiger» von Xavier Koller im Giftschrank? Wird lehrreiches Kulturgut verrotten gelassen, um Schund aus der Steinzeit zu bewahren?

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Mir scheint es ein wenig zu drastisch zu sagen, dass wir von der analogen Filmgeschichte abgeschnitten seien. Kinos, die sich auf Retrospektiven, also auf die Vorführung alter Filme, spezialisiert haben, verfügen in der Regel über verschiedenste Techniken (und entsprechendes Knowhow), solche vorzuführen - also auch über 35-mm-Projektoren. Und Archive wie die Cinémathèque sorgen dafür, dass die Filme sachgerecht gelagert und den darauf spezialisierten Kinos auch zur Projektion ausgeliehen werden. Demgegenüber besteht in Studiokinos, die sich auf aktuelles Programm konzentrieren, nur marginal das Bedürfnis nach alten Filmen. Trotzdem ist eine durchdachte nationale Strategie altes Filmmaterial langfristig zu archivieren - und sei es digital - natürlich begrüssenswert...

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"Mir scheint es ein wenig zu drastisch zu sagen, dass wir von der analogen Filmgeschichte abgeschnitten seien. Kinos, die sich auf Retrospektiven, also auf die Vorführung alter Filme, spezialisiert haben, verfügen in der Regel über verschiedenste Techniken (und entsprechendes Knowhow), solche vorzuführen - also auch über 35-mm-Projektoren."

Das Problem wird von Michel Bodmer im Artikel angesprochen: Es ist sehr schwierig, historische Kopien zu bekommen, aus verschiedenen Gründen. Unter anderem, um sie zu schützen, aber auch wegen des Aufwands, die Kopie für eine einmalige Vorführung zu inspizieren und allenfalls mechanisch zu reparieren.

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Gibt es Infos zu den technischen Verfahren, die Frau Flückiger entwickelt?

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Vielen Dank für Ihr Interesse, Herr W. Alle meine Forschungsprojekte sind auf der Datenbank der Universität Zürich dokumentiert:

http://www.research-projects.uzh.ch/a464.htm

Meine Publikationen mit Links, falls online, hier:

https://www.film.uzh.ch/de/team/peo…ionen.html

Zudem das Forschungsprojekt DIASTOR, das ich von 2013–2015 geleitet habe, hier:

https://diastor.ch/

Und hier ein ausgedehnteres Interview, in dem ich den Sachverhalt ausführlicher darlege:

http://kinematheken.info/krisensitu…lueckiger/

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Super Danke!

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Gemäss Tom de Smet fehlt das Bedürfnis die alten Filme anzuschauen: "Heute müssen Archive unternehmerisch denken und sich aktiv darum bemühen, dass die Bevölkerung die Bestände auch nutzt."
Analoge Filme und Unmengen an Papierdokumenten verrotten. Aber auch immer mehr digitalisierte Dateien, deren Verfügbarkeit durch den technischen Fortschritt schon wieder gefährdet wird!
Alles hat seine Zeit und kann nicht endlos mitgeschleppt werden.
Überlassen wir es mildtätigen Milliardärinnen, Notre Dame und damit das Ego der Grande Nation zu retten. Das kollektive Gedächtnis ist nicht allmächtig und muss sich Lücken leisten.
Bleibt zu hoffen, dass mit dem "eingesparten" Geld keine 100 m Autobahn gebaut werden. Der Staat muss sich um brennendere Aufgaben kümmern, die mit dem Wohl benachteiligter Menschen zu tun haben.

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