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Sehr schön und inspirierend, diese Gedanken!
Genau, viele von uns hatten/haben Gelegenheit zu erfahren und zu erkennen, was wirklich wichtig ist und lohnt, sich damit zu beschäftigen. Diese Erfahrung mag beim Einzelnen höchst unterschiedlich ausfallen, aber zumindest wurde sie während einer Zeit nicht mehr von aussen oder besser gesagt von "Gott Wirtschaft" und seinen Geboten und Werten dominiert.
Das ändert sich gerade wieder.
Und seinen langweiligen Priestern nicht zuzuhören wäre wirklich enorm wichtig um jetzt zu definieren, in welcher Art von Gesellschaft wir künftig leben wollen.
Danke, S. S.!

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Leserin
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Wow! Ich liege gerade Kaffee-schlürfend in der Hängematte und bin begeistert von diesem Beitrag. Herzlichen Dank! Dieser Tschechow ist ja ein lichtes Wesen, seine Überlegungen höchst aktuell. Besonders gefallen hat mir:

...denn Tschechow hat gerade kein pauschales, nihilistisches oder reflex­haftes Nein im Sinn, sondern ein schöpferisches, lebens­bejahendes, das von unsinnigem Ballast befreit. Wer aus lauter Erschöpfung grundsätzlich zu keinem Nein mehr fähig ist, der kapituliert. Und wer prinzipiell und stets Nein ruft, erschöpft wiederum andere: Deren Kapitulation ist sein heimlicher Traum.

Nein sagen zu Arbeiten, in denen man keinen Sinn oder gar etwas Zerstörerisches sieht. Nein sagen zu Hektik und überfüllten Agenden - sie lassen keine Chance für den viel zitierten Müssiggang, der schlussendlich Quelle der Inspiration ist und Herzen zu öffnen vermag. Nein sagen zu dem Materiellen, hinter dem viel Leid steckt - denn alles mit Ballast erzeugt Balast. Sehr wichtig, dieses Nein.

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Republik-Leserin
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Ich kann es immer noch kaum fassen, dass wir uns nur "dank Corona" vertieft mit solchen Themen befassen.

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· editiert

„es gibt nichts gutes, ausser man tut es“, schreibt kästner. voraussetzung für jedes tun ist aber das nichtstun. am anfang jedes kreativen prozesses steht das weisse blatt papier, die ratlosigkeit, die langeweile, die wahrnehmung, die selbstreflexion.. kopfloses vorwärtshasten und übertriebener aktivismus sind in meinen augen keine option und führen direkt in die wand. ein ganz wunderbarer artikel!

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Marco Zaugg
Coach und Prozessbegleiter
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E. L. hat so schön ausgedrückt, was dieser schöne und wichtige Text auslöst, dass ich dem nichts beizufügen habe, es sei denn, mich dem Dank an S. S. anzuschliessen.

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Danke! Ich habe mich von Anfang an dem allgemein eingetretenen Aktionismus enthalten. Einerseits musste ich weiter arbeiten, einfach aus dem Homeoffice. Sooo viel neue Freizeit hatte ich entsprechend gar nicht. Auf der anderen Seite nutzte ich die aufgrund des weggefallenen Arbeitsweg, Trainings und Treffen mit Freunden etc. frei gewordene Zeit eben nicht für neue Hobbies oder Aufräumaktionen, sondern zum Lesen und Entspannen. Richtige FREIzeit also!

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Vielen Dank Frau S. für Ihren Beitrag, der meinen schon länger gehegten Gefühle ein geordneter Ausdruck gibt. Ich bin pensioniert, fühlte mich aber dank privilegierter Lage seit dem Lockdown wie im Urlaub vom pensioniert sein... Dieses Gefühl hat mir noch mehr vor Augen geführt wie in unserer Gesellschaft auch die freie Zeit sofort mit „sinnvollen“ Aktivitäten ausgefüllt werden muss: lesen, sich Gedanken machen, die kleinen Dinge in der Natur betrachten, all das gilt nicht als eine wirkliche Beschäftigung, sondern nur als Überbrückung zwischen z.T. auch im geistigen Sinne produktiven Tätigkeiten.
Sehr einverstanden bin ich auch mit Michel Rebosuras Feststellung dass Musse mit einer privilegierten Position zusammenhängt: eine Hilfspflegerin oder ein Kanalarbeiter sind selten in der Lage, sich den Freiraum für Musse zu schaffen. Es gibt aber in unserer Gesellschaft sehr viele Menschen die auch in der privilegierten freien Zeit einfach nur den protestantischen Arbeitsethos weiterleben. Ganz klar jedem das Seine, nur sollen solche Menschen uns Müssiggänger nicht als faul betrachten...

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Sehr schöner Beitrag, Danke! Nichtstun als Raum für Reflexion, zum Bewusstwerden von Zwängen und als Vorbedingung überhaupt zu Glück.

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Danke für diesen fantastischen Artikel!

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Michel Rebosura
Ratsmitglied Project R Genossenschaft
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Vielen Dank S. S. für die slavische-literarische Perspektive! Bevor ich mich wieder der Musse widme, der Anfang meines Essays «Die Politische Ökonomie der Musse»:

Blicken wir auf die dominierenden Tätigkeiten des homo sapiens in der Moderne, können wir mit Hannah Arendt den “Sieg des animal laborans” und die Transformation der Gesellschaft in eine “Arbeitsgesellschaft” diagnostizieren. Die damit einhergehende “programmatische Musselosigkeit der totalen Arbeitswelt” hat nach Josef Pieper eine Musse-Vergessenheit und den Verlust ihrer ursprünglichen Bedeutung zur Folge. Denn wenn der Arbeits-Ethos laut Benjamin Franklin auf die Formel “Zeit ist Geld” zusammengefasst wird, so kann “Müssiggang” nur als “aller Laster Anfang” erscheinen. Musse gerät damit in den Verdacht unmoralisch zu sein und wird gemeinhin mit Faulheit, Nichts-Tun, Passivität und Unproduktivität assoziiert, ja gar mit Schmarotzer- und Parasitentum.
Das Verhältnis von Arbeit und Nicht-Arbeit in der modernen mussevergessenen Arbeitsgesellschaft drückt sich in der Redewendung “Man arbeitet nicht allein, dass man lebt, sondern man lebt um der Arbeit willen” aus. Im Gegensatz dazu erinnert Pieper an Aristoteles’ genau gegenteiliger Verhältnisbestimmung: “Wir arbeiten, um Musse zu haben”. Oder besser: “Wir sind unmüssig (a-scholia), um Musse (schole) zu haben”.

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Max Bodenmann
Liebhaber guter Artikel
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Vielen Dank Frau S., diesen Artikel zu lesen ist ein Genuss. чехов und Ihnen sei gedankt.

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Ein wunderbarer Beitrag, habe selbst schon kurz diesen Zustand der Glückseeligkeit gefühlt durch das Nichtstun in der Krise. Werde weiter „trainieren“... 🤗

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Ich möchte Ihnen danken für ihre freundlichen Reaktionen. Das ist toll! Und ich schliesse mich auch der Feststellung an, dass es sich historisch um eine privilegierte Situation handelt und dass wir es offensichtlich aus ganz unterschiedlichen Gründen nicht schaffen, Arbeit und Musse gleichmässig zu verteilen. Aber Leuten wie Cechov, Lafargue und Malevic ging es gerade darum, den Zugang zur Musse zu enthierarchisieren. In diesem Sinne ist es jetzt natürlich paradox, dass wir dafür sorgen müssen, Ärzt*innen und Krankenschwestern und viele andere - oft Frauen - mit unserem Verhalten - stay at home - nicht zusätzlich zu belasten. Dadurch wird aber insgesamt sichtbarer, wie das Verhalten der einen zur Arbeit für andere führt. In diesem Sinne wünsche ich ein schönes Wochenende.

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Werner Fuchs
Unternehmer
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Stimmt, wobei es früher wohl eher die Ruhe zum Entspannen gab. Im Moment fliegt alle paar Minuten ein kleiner Rasenmäher über uns, rohrt ein Motorrad, Motorschiff oder Auto mit Klappenauspuff. Freizeitbeschäftgung der anderen Art.
3h Arbeit, damit hätten viele ein Problem, die Zeit müsste sofort mit einer Aktivität gefüllt werden. Zudem wär würde sonst den tollen Strassenpanzer, das nutzlose Plastikspiezeug oder den grossen Jet für die 0815 Ferien bauen? Das Geld muss her um es dann mit viel Aktivität wieder zu verteilen. Jeder findet sein Hobby toll und ja keine Ruhe - oder... ;-)

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Michel Rebosura
Ratsmitglied Project R Genossenschaft
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Nur noch das: Hannah Arendt schrieb in Vita activa etwas über die technologisch ermöglichte Musse, was auch auf die krisenbedingte erzwungene Musse übertragbar wäre:

Die Erfüllung des uralten Traums trifft wie in der Erfüllung von Märchenwünschen auf eine Konstellation, in der der erträumte Segen sich als Fluch auswirkt. Denn es ist ja eine Arbeitsgesellschaft, die von den Fesseln der Arbeit befreit werden soll, und diese Gesellschaft kennt kaum noch vom Hörensagen die höheren und sinnvolleren Tätigkeiten, um deretwillen die Befreiung sich lohnen würde.”

In meinem Essay schreibe ich, dass Musse von der Antike an mit einer privilegierten Position (gegenüber den de-privilegierten Positionen «Frauen» und «Arbeiter*innen») zusammenhängt.

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Diese Reflexionen über das "Nichttun" finde ich äusserst inspirierend. Danke Frau S.! Ich habe mich vor gefühlten 200 Jahren mit besagten russischen Literaten und Philosophen befasst und versucht in deren Arbeiten Hinweise zu finden, die es mir ermöglichen zu verstehen, welcher Teil der russischen Seele menschenverachtende politische Entwicklungen wie Leninismus und Stalinismus über Jahrzehnte hinweg möglich gemacht haben. Ich bin nie zu einer befriedigenden Antwort gekommen. Die jüngere Geschichte zeigt ja, dass solche Auswüchse in vielen Nationen mit völlig unterschiedlicher Kultur, Geschichte und Religionen möglich waren und immer wieder sind.
Deshalb, Nichttun zur Reflexion und sich Findens versus Nichttun im Angesichte gefährlicher politischer oder gesellschaftlicher Entwicklungen sind für mich nicht gleichwertig....

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Herzlichen Dank für die spannenden und lehrreichen Ausführungen!

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Sieglinde Geisel
Gründerin von tell-review.de
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Mir gefällt, wie das Wort "Musse" durch den Text geistert. Das ist ja nicht unbedingt ein Nichts- oder Nicht-Tun, sondern ein unbesetzter Raum. "Gelegenheit, etwas zu tun", so die Definition im Grimmschen Wörterbuch.

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Zu Ihre Interpretation Frau S. ist gut eine Bemerkung Tschechov zum einem befreundeten beifügen : Ich möchte dem Menschen nur ehrlich sagen: Schaut euch an, wie schlecht und langweilig ihr lebt Die Hauptsache ist dass die Menschen da begreifen, und wen sie das begriffen haben, werden sie unbedingt ein anderes, besseres Leben einrichten versuchen............Ich sehe es nicht, aber ich weiss es wird anders sein........Und solange es das nicht gibt, werde ich dem Menschen wieder und wieder sagen: Begreift doch wie schlecht und langweilig ihr lebt.

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