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Man muss der Vorstellungs­kraft erlauben, lebendig zu bleiben. Das wird einen nicht physisch retten, aber als Menschen.

Worte waren ursprünglich Zauber - nannte Steve de Shazer eines seiner Bücher - und sie sind es noch.
Sehr schönes Interview, vielen Dank.

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sehr bereichernd!

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Verena Rothen
fotografie, texte, webpubl&lektorin
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Dieser Passus macht für mich keinen Sinn:
— Die Gewalt hört nur dann auf, wenn Frauen sprechen. In seiner Einführung stellt Baricco fest: Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass wir als menschliche Spezies den Krieg lieben, ob es die Zirkus­spiele im alten Rom sind, Box­kämpfe oder Action­filme: Wir lieben die Gewalt, das Blut. — Jedenfalls nicht in dieser Wortwahl und auch nicht innerlich. In welcher Sprache wurde das Gespräch geführt? (und: schriftlich oder per Skype?)
Nach jenem Satz: Die Gewalt hört nur dann auf, wenn Frauen sprechen - müsste die anschliessende Aussage lauten: dass wir als männliche Spezies den Krieg lieben. (Wir halten menschliche Spezies - ohne es überhaupt zu merken - irgendwie ganz zuinnerst, und wie hier vollkommen unhinterfragt immer noch für die nach wie vor normalübliche männliche Spezies, die sich auch in: der Leser / der Bürger / der Intellektuelle, wenn wir doch eine Gruppe (und ca. 52 % oder auch 80 % Frauen darunter) meinen.
Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass wir als männliche Spezies den Krieg lieben. Ja, möglich. Wenn ja, dann traurig. Ich kenne viele Frauen, die auch giften und Willkür ausüben, immer mal wieder die absolut Alleinwissenden sind. Aber dass wir als weibliche Spezies den Krieg lieben?? Njet. — Deshalb verlieren auch so viele Schwestern Streitigkeiten mit ihren Brüdern - sobald es denn um was geht. Die Schwestern machen fast die Schraube dabei, möchten einfach, aber fair, nur ihr Leben weiterleben können, einigermassen - während die Brüder, ohnehin hierarchisch gesehen meist irgendwann, spätestens nach ein paar Jahrzehnten die „Erfolgreicheren“ - ja eben: den verdammten Krieg, den sie andern aufzwingen auch noch lieben.
Ich hätte nachgefragt. Hätte mich interessiert.

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Sieglinde Geisel
Gründerin von tell-review.de
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· editiert

Liebe Frau Goanna,
vielen Dank für Ihre Nachfrage. Zur Klärung der Gesprächssituation: Wir haben geskypt, auf Englisch, und die Formulierung war "as human species", also nicht "male".
Ich bin mir nicht so sicher, dass Frauen friedlicher sind und keine Kriege führen würden. Könnte es nicht sein, dass sie einfach weniger Gelegenheit dazu haben, nicht in Positionen sind, wo sie über Waffenarsenale bestimmen können? Die Ilias ist keine empirische Untersuchung, sondern ein Kunstwerk mit männlicher Autorschaft, d.h. es ist vielleicht auch eine Männerfantasie, dass die Gewalt schweigt, wenn Frauen reden.
Aber ich kann gerne nochmal nachfragen!

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Verena Rothen
fotografie, texte, webpubl&lektorin
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· editiert

Liebe Frau Geisel
Vielen Dank für Ihre Antwort für Ihre Antwort!
Stimme vielem davon zu. Human species hatte ich angenommen. Allerdings ist auch das ja nicht huwoman species. Ilias mit männlicher Autorschaft, klar. Auch Ihr Interviewpartner, der dies so zitiert hat, ein Mann. - Trotzdem bleibt die Abfolge dieser Aussagen. Und der doch klar ersichtliche, aber nicht erforschte Widerspruch darin.
Wie eine Welt aussehen würde, wo die Frauen ausgeglichen die Macht innehaben würden, weiss ich auch nicht, ist auch schwer projizierbar. Geschweige denn wenn sie die umgekehrte, doch immerhin noch immer krasse Übermacht hätten, wie diese heute noch immer von den, und selten den softesten, Männern gehalten wird - und mit welchen Mitteln, welcher Gewalt, ist in den letzten Jahren weltweit, auch in einem Land wie den USA sichtbar geworden.
Gäbe es aber nicht zumindest mehr Krippenplätze, mehr Sorge um eine mögliche Zukunft, wo die eigenen Kinder, und damit die ganzen nächsten Generationen, nicht primär zum Kriegsführen und Sterben, sondern um ein würdiges und erfülltes Leben führen zu können, in die Welt gesetzt würden - und dieser, unserer Welt, schon mal der Erde, mehr Sorge getragen würde? Würde nicht viel der Ursache für Gewalt, Übermacht versus Einstecken, Wut, Ohnmacht, wegfallen, wenn das Gleichgewicht, die gegenseitige volle Anerkennung der Geschlechter untereinander solche Gefühle und Ausbrüche - auf beiden Seiten - minimieren, bis irgendwann vielleicht beinahe überflüssig machen würden? Angst und (auch gesellschaftliche) Unterlegenheit auf der einen Seite befeuern Wut, Heftigkeit und Macht, noch mehr den, auch grausamsten Missbrauch derselben, auf der anderen doch geradezu und immer wieder. Fortwährendes Zurückstecken eigener Bedürfnisse und Wünsche, auch in Bezug auf eine gesamtgesellschaftliche Entwicklung, ebenfalls. Was, wenn beides abnehmen würde und schliesslich tatsächlich nicht mehr unausgeglichen wäre. Wenn es nicht nur mögliche, sondern erfüllbare und irgendwann erfüllte Bedürfnisse auf mehr konstruktive Auseinandersetzungen gäbe; mit Resultaten, die tatsächlich die Bedürfnisse beider - oder aller - Seiten zu gleichen Teilen im Ergebnis abbilden würden; würde das nicht langfristig die Geilheit auf Gewalt minimieren, in den Hintergrund treten lassen, vielleicht sogar wirklich aushungern, beruhigen, schwächen? Ist das nicht in Gesellschaften, wo Frauen nun wenigstens mitbeteiligt sind, wenigstens etwas mehr Einfluss haben und Respekt und Anerkennung inzwischen, nicht längst schon in Entwicklung begriffen? Sind nicht Stierkämpfe heute massiv kontroverser, die blutigen altrömischen Circenses, die öffentlichen, blutigen, tödlichen Gladiatorenkämpfe zumindest keine öffentlich inszenierten Belustigungen mehr. Oder denken wir mal an das 2018 oder 2019 lancierte Projekt B, Fink sucht Distel - sind da nicht überdurchschnittlich viele Frauen federführend und beteiligt daran? Sind es nicht überdurchschnittlich viele Frauen - und junge Menschen - die sich anstecken lassen davon? Bewirken nicht Frauen im Publikum eine Veränderung möglicher Inszenierungen. Werden Gespräche nicht besser, wenn die persönliche und auch wirtschaftliche Macht, auch im Hintergrund, ausgeglichen ist. Wenn nicht einer jegliche Gewalt, die andere jegliche Bösartigkeit, jegliche Giftigkeit oder auch Totalverweigerung, mehr voll ausleben kann auf die Kosten der oder des andern, weil beide zu gleichen Teilen an der Macht, dem Machen, beteiligt sind; gleich viele und gleichwertige Handlungs(„mach-t“)optionen haben. Die auch im Notfall durch Staat und Recht und auch Umgebung, Gesellschaft, voll gestützt sind - wird da das Bedürfnis (aller Beteiligter) nach Kampf, Blut, Gewalt, Übermacht nicht auf allen Seiten automatisch kleiner? Apropos Blut: verliert Monatsblut da nicht den Makel des Unreinen bis hin zu Ächtung und Ekel? Ist dieses nicht gerade das Blut, das Leben ermöglicht statt Leben zu töten? Und: Weshalb sind denn immer noch die Männer so viel dominanter und prominenter vertreten? Könnte das nicht ebenfalls damit zu tun haben, dass die Frauen lieber leben und Leben ermöglichen würden, statt endlos und bis zur Trippel-belasteten Erschöpfung kämpfen und dann doch zusätzlich noch hauptverantwortlich und hauptzeitlich Kinder, allenfalls pflegebedürftige Grosseltern (beider Seiten), Wäsche, Pflanzen und Einkauf usw. usf. daneben trotzdem noch zu 70-100 Prozent ihrerseits auch noch pflegen, füttern, betreuen, erledigen - zu umgekehrt aber 20-30 höchstens selber auch mal einfach geniessen zu können? - Was wäre, wenn Macht, Möglichkeit, einfach zu machen, Handlungsmöglichkeiten, Be-Lohn-ung dafür, Einkünfte und Vermögen (wieder im doppelten Sinn), Pflege-, Fürsorge, aber auch Ruhe und Genuss und frei verfügbare Zeit, Zeit überhaupt, wie auch der Raum, darum herum, oder dafür, auch für sich, und für eigene Freundinnen, Freunde, Bekannte, wirklich auf die Geschlechter, somit implizit auf alle Menschen, gleichmässig verteilt wären? Sie sehen, jener Passus Ihres übrigens sehr schönen Interviews, der (bisher nicht erörterte) Widerspruch darin, triggert all dies. Bei mir zumindest; sicher einigen anderen auch noch.
Eigentlich ja unglaublich spannend. Aber, so glaube ich wenigstens, nicht hochgradig blutrünstig oder gewalttätig. - Danke nochmals für Ihre Antwort! So lange hätte auch ich sonst nicht mehr drüber nachgedacht, geschweige denn geschrieben dazu.
Falls Sie noch nachfragen: welche Diskussion da noch entstünde würde mich interessieren!

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Sehr schön, dieses sorgfältige Gespräch, vielen Dank.

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Sieglinde Geisel
Gründerin von tell-review.de
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Das Interview wird Teil eines Gesprächsbands beim Kampa-Verlag in der Reihe "Kampa Salon" (geplant für Frühjahr 2021). In der Reihe ist 2018 schon mein Band "Was wäre, wenn" mit Peter Bichsel erschienen.

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Ein Interview mit meinem Lieblingsautoren zum Frühstück - liebe Republik, Ihr seid die Besten!

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R. F.
Daten, Karten & AI
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Gefällt mir sehr. Danke.

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