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Beiträge zu «Das Ende der Zinsillusion»

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Hansruedi Baetschmann
Rentner
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· editiert

Ist es denn eigentlich angesichts der Einsicht der Beschränktheit unserer Ressourcen, der mit dem Abbau und der Nutzung derselben verbundenen Umweltzerstörung und dem ungebremsten Produktions- und Konsumwahnsinn, der sich im Bedauern, dass weniger konsumiert als produziert würde, ausdrückt, nicht wünschenswert, dass der heiligen Kuh ‘Wirtschaftswachstum’ gleichsam ‘das Futter knapp wird’ ? Die Lehren der Betriebs- und Volkswirtschaft mögen ja in Zeiten des noch erträglichen Wirtschaftswachstums ihre Berechtigung gehabt haben. Die von zwar noch wenigen, aber immer mehr Menschen vertretene Ansicht, dass in manchen Gesellschaften der Sättigungspunkt bezüglich materiellem Wohlstand schon überschritten sei und damit deren Volkswirtschaften in eine grundsätzlich andere Phase ihrer Lebenszyklen eingetreten seien, die auch grundsätzliche andere Konzepte des Wirtschaftens benötigten, erforderte eigentlich, dass sich die klügsten Köpfe in diesem Bereich endlich zusammenfänden, diesen Phasenübergang anzuerkennen und konkrete Konzepte zu erarbeiten, wie ohne Wirtschaftswachstum oder gar mit Wirtschaftsschrumpfung - Wirtschaftsgesundschrumpfung ! - die berechtigten Bedürfnisse der Menschen unter Gleichbehandlung der Bedürfnisse ihrer Umwelt, wie sie von der Mehrheit der Ökologen, Naturschützern, Klimaforschern etc. formuliert werden, erfüllt werden könnten und den in Gier und Produktions-, Werbe-, Konsum- und Mobilitätswahn gründenden Bedürfnissen Schranken gesetzt werden. Dazu gehörte wohl auch, das Konzept der Kapitalverzinsung grundsätzlich in Frage zu stellen. In den Naturwissenschaften haben in der Vergangenheit Paradigmenwechsel jeweils den Aufbruch zu ganz neuen Ufern ermöglicht. Warum sollte dies nicht auch in den Sozialwissenschaften möglich sein ?

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Die Ansicht der Einsicht der Beschränktheit???
Nach der Entdeckung des Feuers war das Holz die natürlich beschränkte Energie.
Wir sehen überall schöne Wäder und der Wohlstand steigt für immer mehr Menschen.
Mit der Kohle, dem Erdöl und der Kernkraft hat sich der Mensch weitere immer dichtere Energien erschlossen und wird das weiter tun.

Die Depression in den 30igern hat den Glass-Steagall act gebracht und die Welt konnte sich von den Irrtümern erholen.
Sowohl die Bankentrennung als auch der Goldstandard wurden im monetären Uebermut wieder aufgehoben mit einer nicht wirklich vorstellbar grossen Finanzblase als Resultat.
Es gab und gibt einzelne Oekonomen ( Friedrich August von Hayek / Hans Rentsch ) die immer noch klar sehen und warnen.

Was ist das Gegenteil von gut?
Das Gegenteil ist gut gemeint.
Die Politik könnte zum Beispeil mit der "gut gemeinten" Regulierung aufhören, den Menschen ihre Selbstverantwortung lassen und in solide oekonomische Bildung investieren.

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Wohin uns der Liberalismus resp. Neoliberalismus geführt hat, diskutieren wir ja gerade hier. Die menschliche Selbstverantwortung führt uns zurück zu den Anfängen des Neoliberalismus - in den wilden Westen - also ureigenste amerikanische Verhältnisse quasi - und das obwohl ihr geschätzter Hayek ein Österreicher war.

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W. V.
Ökonom
·

Das wohl wichtigste Argument fehlt. Es sei am Beispiel der Schweiz, bzw. der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung der fünf letzten verfügbaren Jahre (2013 bis 2017) kurz erklärt: Die Privathaushalte haben in dieser Zeit netto 373 Milliarden Franken gespart, wovon gut die Hälfte über die steuerlich privilegierte 2. Säule. Wohin mit diesem Geld? Der Staat hat seine Investitionen nicht nur selbst finanziert, sondern noch fast 11 Milliarden gespart. Auch die nichtfinanziellen Unternehmen haben ihrerseits per Saldo gut 10 Milliarden auf die hohe Kante gelegt. Einzig die Banken haben – insgesamt 89 Milliarden - mehr ausgegeben als eingenommen. Dies aber nicht etwa, um Investitionen auf Pump zu finanzieren, sondern weil sie 121 Milliarden Dividenden an die (in- und ausländischen) Privathaushalte ausgeschüttet haben.

Diese Zahlen sagen uns, dass es für die Ersparnisse der Privathaushalte schlicht eine profitablen Anlagemöglichkeiten gibt. Die Unternehmen haben – mit dem, was sie an Steuern und Löhnen eingespart haben – alles schon selbst finanziert. In fast allen anderen Ländern sieht es genau gleich aus wie in der Schweiz: Hohe Ersparnisse der Haushalte, kaum Finanzbedarf bei den Unternehmen. Einziger Unterschied: In vielen dieser Länder muss sich der Staat verschulden. Die (reichen) Haushalte können sich zwar noch 50 mal ihre Aktien und Immobilien ab- und verkaufen, doch letztlich bleiben ihnen nur zwei Möglichkeiten. Entweder „investieren“ sie ihre Überschüsse in die Obligationen der eh überschuldeten Staaten. Oder sie tauschen diese dubiosen Titel gegen Guthaben bei der SNB oder der EZB – und zahlen als Gegenleistung genau den Negativzins, den Simon Schmid ganz anders zu erklären versucht.

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Das Fehlen eines ‘k’s lässt möglicherweise beim Lesen des Beitrags das Herz manchen Privathaushaltsparers höher schlagen. Leider muss es heissen : ‘Diese Zahlen sagen uns, dass es für die Ersparnisse der Privathaushalte schlicht KEINE (statt eine) profitablen Anlagemöglichkeiten gibt. ‘

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Ein wichtiger Treiber des Geldüberflusses sind auch die Pensionskassen. Die müssen Geld anlegen. Und probieren das auch vernünftig zu machen. In den 90' gab's in den Staaten mal eine Bankenkrise, da haben sich Banken unter anderem dieselbe Liegenschaft im Kreis herum verkauft, immer eine Wertsteigerung ausgewiesen, und darauf natürlich Boni bezogen, und am Schluss sassen die Banken auf unterhoehten Liegenschaften. Einer, der bei diesem Spielchen dabei war, wurde später Präsident. Das Motto war : Um eine Bank auszurauben muss man sie nur besitzen.
Zum Einen machen die Negativzinsen der Nationalbank Sinn, um ausländische Fonds abzuhalten. Zum Anderen ist das ein unrealistischer Zustand. Durch meine nicht von der Nationalbank ausgeliehene Milliarde verdient diese den Negativzins, den sie mir nicht zahlen muss. Davon ist Grad der Lohn des Führungsgremiums bezahlt. Sendet mir doch eine Spendenbescheinigung, bitte. Möglicherweise müsste man dazu eine Bank sein. Das ändert aber nichts dran.

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Eigentlich ist der Artikel einfach und leicht verständlich. Er erklärt mit herkömmlichen Begriffen nichts anderes als das Scheitern der eben herkömmlichen Oekonomie - die an unzähligen Universitäten gelehrt wird und dennoch Kaffeesatzlesen bleibt.... Oder so halt. Diese Oekonomie ist die Religion des autoritären Neoliberalismus und begründet das Primat der Wirtschaft über die Politik. Qui bono?

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D. T.
· editiert

Die herkömmliche Ökonomie hat als Theorie schlicht ein gigantisches Problem, was das Funktionieren einer so aufgebauten Wirtschaft, langfristig unmöglich macht. Sie lässt den Wichtigsten definierenden Faktor der Wirtschaft ausser Acht; den Menschen!
Der Kapitalismus könnte theoretisch funktionieren, jedoch nur dann wenn jeder Mensch nicht nur gleich wäre und damit die gleichen Vorraussetzungen und Möglichkeiten zur Behauptung in diesem System hätte, sondern auch noch das selbe Ziel, nämlich die Erwirtschaftung von möglichst viel Gewinn, verfolgen würde. Da dies nicht der Fall ist werden durch dieses System, dass einen Druck zur Bereicherung erzeugt, zwangsweise immer Spannungen erzeugt werden, die den gesellschaftlichen Zusammenhalt immer weiter errodieren und die Menschen immer weiter spalten, in Gruppen mit Vorteilhaften und Unvorteilhaften Eigenschaften um in diesem kranken System bestehen zu können. Das kann so lange durch einen Staat kompensiert werden, bis das Wirtschaftswachstum die ständig nach oben drehende Bedürfnisspirale nicht mehr zu stillen vermag und sich nur noch die Wirtschaftlich Mächtigsten, weiter durchsetzen können, welche gesellschafglich aber eine verschwindende Minderheit darstellen und das Volk so lange manipulieren und die Politik kaufen, bis wir wieder einem Krieg entgegensehen...

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Ich gebe zu, ich verstehe wenig von den Predigten der Ökonomen, aber so war es auch mit den Predigten der Pfaffen!
Der Versuch, in diesem Artikel die aktuelle Situation zu erklären, ist ev. deshalb gescheitert, weil noch immer alles in den alten (irreführenden) Begriffen der neoliberalen Wirtschafts-wissenschaften (besser -glaubenssystemen) formuliert wird.
Frage: Gibt es jemanden, der die sog. Zinsillusion (u.a.m). in einem anderen Kontext und in einer anderen Sprache etwas verständlicher erklären kann?

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Für mich sind wir am Ende des Zeitalters, einer globalen Wirtschaft die auf Pump unserer Erde ausgelegt ist, angelangt.
https://www.overshootday.org/newsro…hoot-days/.

Durch eine globlale Ressourcenlenkungsabgabe und Rückerstattung pro Kopf würde sich das ganze System schlagartig ändern. Doch das würde bedeuten die Aussage von Einstein zu widerlegen, die reinste Form des Wahnsinns ist es, nichts zu ändern und zu glauben es ändere sich etwas.

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Naja, dem Aufhänger aus dem Newsletter, dass ein wichtiger Grund für die tiefen Zinsen in der Schweiz liege, wird der Beitrag nicht gerecht. Ich würde gerne nahelegen, in Zukunft auf solche Aufhänger zu verzichten. Das Thema ist auch so spannend genug. -0.9% Zins auf 10-jährige Eidgenossen ist verrückt!

Hier auch noch eine Dimension, die im Beitrag nicht beleuchtet wurde: möglicherweise haben wir den Mechanismus der Zinstransmission kaputtreguliert. Diese Annahme, dass die tiefen Zinsen der Nationalbanken auch in der Wirtschaft ankommen, steckt implizit in Sätzen wie "[tiefe zinsen] nützen den Schuldnern: jenen Leuten, die mit geliehenem Geld ein Haus kaufen oder eine Firma gründen wollen". Doch haben Sie schon einmal einen Kredit zu einem negativen Zins erhalten? Erhalten junge Firmen wie die Republik AG nun tatsächlich billiges Geld von den Banken? Kaum.

Die ursprüngliche Idee hinter Zinssenkungen ist es ja, das Ausleihen von Geld attraktiver zu machen, so dass mehr Geld ausgeliehen wird und in die Wirtschaft fliesst. Das setzt aber voraus, dass auch jemand Geld ausleihen will bzw. darf. Ich mutmasse beispielsweise, dass es viele Leute gibt, die sofort eine Hypothek zu 0% (oder auch 1%) nehmen würden, wenn sie nur eine kriegten. Aber da die Banken bei der Tragbarkeitsberechnung von einem hypothetischen Zins von 5% ausgehen müssen, bleibt vielen die Hypothek verwehrt. Das heisst, der angestrebte Effekt der Ausdehnung des Kreditvolumens wird hier ausgebremst. Es ist ein bisschen, wie wenn man Bier billiger anbietet, um die Wirtschaft anzukurbeln, aber gleichzeitig aus Angst vor den negativen Nebenerscheinungen den Verkauf von Alkohol erschwert. Die Zentralbanken geben Vollgas bei angezogener Handbremse.

Ein gutes Beispiel, wie die Federal Reserve im Zusammenspiel mit dem Oligopol der amerikanischen Grossbanken den Zinstransmissionsmechanismus unterdrückt, ist "the Narrow Bank". In den USA erhalten Anleger wie bei uns kaum Zinsen, die Banken erhalten aber immer noch einen positiven Zins auf ihre Guthaben bei Fed (2%?). Darüber haben sich ein paar Pensionskassen so geärgert, dass sie kurzerhand eine eigene Bank "The Narrow Bank" gegründet haben, so dass sie auch in den Genuss der Zinsen kommen können, die die Banken erhalten. Das ist de facto Vollgeld und sollte aus Risikoüberlegungen sehr willkommen sein. Das Fed weigert sich aber ohne regulatorische Grundlage, der Narrow Bank ein Konto zu geben. Die Vermutung liegt nahe, dass das Fed hier einfach die traditionellen amerikanischen Banken schützen möchte. Der Preis dafür ist aber, dass der Zins des Fed nicht beim Endkunden ankommt, sondern als versteckte Subvention bei den Banken steckenbleibt. Sehr spannende Geschichte, aber in den Schweizer Medien meines Wissens bisher unerwähnt!

Meine Hauptquelle zu dem Fall ist John Cochrane's Blog (ein bekannter Finanzprofessor):
https://johnhcochrane.blogspot.com/…banks.html

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Ja, das Argument mit den Krediten für die Wirtschaft ist natürlich ein Feigenblatt. Der eigentliche Zweck ist das unausweichliche Platzen der selbst erzeugte Blase hinauszuschieben. Vielleicht muss da noch etwas mehr in die beabsichtigte Richtung verschoben werden???.

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Gerade die Oekonomie ist besonders anfällig für diese Art der "Beweisführung". Man sucht unter den vielen Symptomen einige die als "Schuldige" in Ursachen umbenannt werden.

Die wirklichen Gründe wie fehlende oder falsche Investitionen in Bildung, Infrastruktur und Energie als Grundlage einer erfolgreiche Volkswirtschaft werden nicht gesehen.

Politik ist für diese Denkweise besonders empfänglich. Der Oekonom Hans Rentsch schaut nüchtern auf die Ursachen und deren Folgen. (Wieviel Markt verträgt die Schweiz?)

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Es wäre tatsächlich zu begrüssen wenn Oekonomen wie Hans Rentsch (und Reiner Eichenberger, Uni FR) vermehrt gehört würden.

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