Die Republik ist nur so stark wie ihre Community. Werden Sie ein Teil davon und lassen Sie uns miteinander reden. Kommen Sie jetzt an Bord!

DatenschutzFAQErste-Hilfe-Team: kontakt@republik.ch.



· editiert

Badran spricht ein vielgehörtes Argument der Immobilieneigentümerschaft an: Dass die Menschen neue, grosse usw. Wohnungen mit allem Drumunddran wollen und sie sich offenbar auch leisten können. Oft müssen sich die Mietenden aber einfach nach der Decke strecken und mehr Haushaltseinkommen hereinholen, um die Miete bezahlen zu können. Zerstört bitte nicht die bezahlbaren Wohnungen, indem sie viel zu schnell und "mit dem Hammer" totalsaniert und stark verteuert werden! Das gilt übrigens auch für die Genossenschaften.

35
/
0

Als frisch gebackenes Vorstandsmitglied einer kleinen Genossenschaft beschäftigt mich genau diese Frage: Wir haben drei sehr alte Liegenschaften mit unfassbar günstigen Wohnungen. Die Häuser sind aus den 40er Jahren und sehr einfach gebaut. über die Jahrzehnte für (sehr) viel Geld unterhalten, renoviert, angepasst. Dennoch bleiben es alte Häuser. Die Substanz ist gut, aber dennoch stehen in den nächsten 10 Jahren Investitionen an Infrastruktur und Unterhalt an, die es fraglich erscheinen lassen, ob es nicht klüger wäre, an selber Stelle (die Häuser stehen sehr weit auseinander) neue Häuser zu errichten mit viel mehr (und zeitgemässeren) Wohnungen. Diese können auch zu Preisen vermietet werden, die im heutigen Zeitalter immer noch erschwinglich sind.

10
/
0

Eine bekannte Architektin sagte vor ein paar Jahren: Jeder Abriss ist ein Irrtum. Das ist etwas gar apodiktisch formuliert, aber stimmt oft, gerade wenn man die graue Energie des Abreissens/Neubauens, die Möglichkeit von klugen Anbauten und last but not least die Folgen für die MieterInnen und damit die Hausgemeinschaften einbedenkt. Zum Zeitgemässen: Auch für Wohnungen mit kleinen Küchen usw. findet man genügend AbnehmerInnen... Aber es ist immer ein Abwägen am Einzelfall.

18
/
1
"Physiker"
·

Bitte weiter renovieren statt neu bauen, schon nur der Oekologie wegen. Ich wohne in einem einfach gebauten Haus von ca. 1850 und die Bausubstanz könnte fast neu sein (sehr wurmstichiges Holz wurde allerdings ersetzt). Wir haben mit einem einfallsreichen Architekturbüro und etlichen Investitionen (neue Raumaufteilung, Fenster, Isolierung, Pellets-Heizung, zwei Solaranlagen) den Wohnkomfort sehr verbessert, auch wenn es nicht an ein modernes Haus herankommt (ausser jetzt: 25° innen bei 30° aussen) und teilweise niedrige Decken hat. Trotzdem ist das gesamte Wohnerlebnis einzigartig, es hat sich sehr gelohnt.

16
/
0

Dieses Land braucht dringend mehr Politiker wie Badran.

217
/
2

... und vor allem auch mehr Menschen, die Politikerinnen wie Badran wählen.

210
/
2
Consultant
·

Ich bewundere Frau Badran sehr. Politiker:innen wie sie geben mir den Glauben an unsere Zukunft ein bisschen zurück. Klingt evtl. pathetisch, ist aber so. In dem Sinne: danke Frau Badran.

79
/
1
Rudolf Weiler
Literat, Enthusiast und Feedbäcker
·

Aber gerne auch Politikerinnen.

22
/
1

Ich nutze generische Formen.

Eine gute & mMn faire Übersicht, wieso das Sinn macht, findet sich in diesem Vortrag von Philipp Huebl.

8
/
11
Fliegen heisst Landen
·

Zwei Kernaussagen, welche mir wichtig scheinen:
"...Es bauen die Falschen aus den falschen Gründen für die falschen Leute..."
und
"...Das, was die Genossenschaften eigentlich hätten erreichen sollen, holten sich die börsen­kotierten Immobilien­gesellschaften, Versicherungen, Banken, Fonds und so weiter..."

Danke für diese, ja, brillante Zusammenfassung des Immobilienelends. Und wie konnte es soweit kommen fragt man sich? Die Antwort liegt in der langjährigen bürgerlichen Dominanz in unseren Parlamenten. Es sind ja genau diese 'bürgerlichen' Parteien, welche mit genau den erwähnten Kreisen eng verbandelt sind.

Wir haben's im kommenden Herbst wieder einmal in der Hand, nicht wahr.
Würde ich in Zürich wohnen, Frau Badran wäre dabei zwei Mal auf dem Zettel.

101
/
4

Die bürgerliche Dominanz ist sicher ein Hauptgrund dafür, dass es so kommen konnte. Ein anderer ist m. E. die neoliberale Entfesselung der Finanzmärkte weltweit seit den Nuller Jahren. Grosse Massen an Geldgewinnen aus Finanzgeschäften, die keinem realen Gegenwert mehr entsprechen streunen durch die Welt auf der Suche nach Rendite und leistungslosem Gewinn. Die Folgen können grad in Berlin besonders gut beobachtet werden.
Danke Frau Badran für Ihre couragierte Haltung und genaue Durchdringung der Thematik. Bleiben Sie dran.

61
/
0
Senftube
·

Die Entwicklung widerspricht eigentlich Grundsätzen des Neoliberalismus, in diesem ist gemäss Theorie der Staat Gestalter des Spielfelds, nicht Lobbys, die diesen unterwandern und sich so gleich selbst regulieren… aber gut, die Bedeutung von Worten kann sich ändern.

Warum Sie aber das erst ab den Nullerjahren konstatieren, verstehe ich nicht. Die Einführung der absurden Pensionskassen war in den 80ern, die Einführung des absurden Krankenkassensystems in den 90ern. Selbst wenn man nur auf die Schweiz fokussiert. International würde ich mindestens bei Reagan und Thatcher beginnen, und dann sagen, dass der sogenannt „dritte Weg“ eigentlich ein Kniefall vor diesem Unsinn war. Aber man kann auch den Reaganismus schon als Folge der Unterwanderung sowohl des Staates als auch generell des ökonomischen Denkens durch die Lobby verstehen… Der Staat sei das Problem, hiess es von Reagan.

Gab es in den Nullerjahren da einen Schub?

12
/
1

Vielen Dank für die fadengerade Klarheit, Frau Badran! Ich wünsche Ihnen viel Kraft und Geduld, bei dieser nervenaufreibenden Aufklärungsarbeit breit gehört zu werden!

89
/
3

Ich wundere mich, dass das Thema Geldwäsche und Immobilienmarkt nicht aufkommt.
2013 hat das Fedpol dazu einen Bericht verfasst. Das Problem war erkannt. Vom Prinzip Geldwäsche habe ich verstanden, dass die Investition nicht rentieren muss. Und Immobilien können immer noch mit kofferweise Bargeld bezahlt werden. Die diversen Mafias sind schon längst in der Schweiz angekommen, auch dazu gibt es Berichte des Fedpol. Anwälte, Notare und Maklerinnen im Immobiliengeschäft unterstehen in der Schweiz nicht dem Geldwäschereigesetz.
Der Oekonom Denzler unten erklärt mir den Markt, den rationalen Teil davon. Was aber ist mit den Unmassen Geld, die irgendwo einen sicheren Hafen suchen und nicht auf Rendite, sondern Legalisierung angewiesen sind? Frau Della Valle möchte die Mafia bekämpfen und stösst an innerschweizerische, kantonale Grenzen. Immer wieder wird das Dafür und Dawider grenzüberschreitender Polizeiinformationen diskutiert - aber innerhalb der schweizerischen Grenzen sind alle paar Kilometer die Hürden für Zusammenarbeit und Informationsaustausch so hoch, dass innert nützlicher Frist, zur Verhinderung oder Aufdeckung eines das Gemeinwohl schädigenden Verbrechens, keine Aktion möglich ist.

86
/
1
Vielleserin
·

Alles richtig, was im gestrigen und heutigen Beitrag vermittelt wurde. Trotzdem triggern mich solche Beiträge immer ein wenig. Denn: Es gibt auch unfaire Mieter. Als ich vor 19 Jahren mein altes, heruntergekommenes 3-Familienhaus mit grossem Garten gekauft habe war für mich klar: Das Haus geht nicht für mich arbeiten, ich nicht für das Haus. Sprich: Ich mache innen und aussen die notwendigen Reparaturen (keine Luxussanierung), sondern dem üblichen Standard entsprechend mit GS, Glaskeramik, Dampfabzug usw. (Investitionskosten von gut CHF 300'000.--) und das ergibt mir eine vernünftige, bezahlbare Kostenmiete. Bei Mieterwechsel werden die 2 vermieteten Wohnungen falls nötig neu gestrichen, defekte Geräte werden laufend sofort ersetzt. Bei Mieterwechsel werden die Wohnungen von einer durch Casafair empfohlenen Expertin, welche üblicherweise für den Mieterverband arbeitet, abgenommen. Die beiden Mietersitzplätze sind durch mich möbliert, inkl. Grill. Den schönen, reich blühenden Garten pflege ich selber, ohne jegliche Verrechnung via NK-Abrechnung an die Mieter. Einzig das Gras schneiden wird via NK-Abrechnung verrechnet. Seit ich ein bisschen früher und selbstfinanziert in Pension gegangen bin, mache ich das - um die Nebenkosten gering zu halten - selber. Obwohl von Casafair für Hauswartsarbeiten im Minimum CHF 30.-- p.H. empfohlen wird, verrechne ich nur CHF 25.--, ergibt pro Grasschnitt CHF 62.50 (der Gärtner hat früher CHF 200.-- in Rechnung gestellt). Sinkt der Referenzzinssatz, sinken bei mir die Mieten, ohne dass mich die Mieter darum bitten müssten. Bis jetzt habe ich - obwohl der Referenzzins gestiegen ist, die Mieten nicht erhöht. Da ich selber im Haus wohne ist mir ein gutes Hausklima wichtig und ich mache extrem viel "Selbstausbeutung". Was ich aber die letzten paar Jahre mit Mietern erlebt habe, lässt mich langsam an meinem Konzept zweifeln und schon mehr als einmal habe ich mir überlegt, das Haus zu verkaufen. Hier nur ein paar Beispiele:
Wohnungsabnahme vor 6 Jahren (Abnahmeprotokoll bei Wohnungsübernahme und -übergabe durch Expertin). Mieterin: Der grosse Sprung im Lavabo war schon immer vorhanden, die Badewanne war schon bei Wohnungsbezug extrem schmutzig, wie die gesamte Wohnung, nein, einen Schlüssel zur Badezimmertür habe ich nie erhalten usw. usf. Restkosten für mich: CHF 3'000.--).

Jetzige Mieterin, mietet sich eine günstige, schöne, helle Altbauwohnung, hat aber den Anspruch, die Wohnung müsse in einem Zustand sein wie eine Totalsanierte schöne Altbauwohnung, welche gut und gerne CHF 1'000.-- mehr kosten würde als bei mir.

Obwohl ich bei Wohnungsbesichtigungen immer betone, dass ich es sehr begrüsse, wenn der Garten und die Sitzpätze genutzt und belebt werden, zum Chillen, zum Grillen mit Gästen usw. wird der Garten seit diesem Jahr nur noch zum Wäsche aufhängen oder draussen rauchen benutzt, dafür möchte man Blumen abschneiden und sie sich in die Wohnung stellen. Meine Motivation, täglich 3-4 Stunden gratis Fronarbeit im Garten zu leisten (davon ca. die Hälft für den allgemeinen Gartenteil und die Mietersitzplätze), damit wir es alle schön haben, ist auf den Nullpunkt.

Meine Lösung: Ab nächstem April wird der allgemeine und Mieterteil des Gartens durch einen Gärtner gepflegt, mit entsprechender Erhöhung der Nebenkosten, mit dem amtlichen Formular rechtzeitig angekündigt. Vermutlich werde ich auch die Mieten erhöhen.
Fazit: Um günstigen Wohnraum zu erhalten, braucht es nicht nur faire Vermieterinnen, es brauch auch faire Mieter.

82
/
8

Es tut mir leid, haben Sie viel Ärger mit Mietenden erlebt. Es ist sehr vorbildlich, wie Sie als Eigentümerin vorgehen, und ich hoffe sehr, Sie haben bald wieder mehr Glück und erhalten Wertschätzung dafür.
Im Artikel geht es um die allgemeinen und gesetzlichen Rahmenbedingungen fürs Mieten/Vermieten/Um-Bauen usw. und deshalb scheint dies mir nicht der richtige Ort für die Diskussion um "un/faire" Mietende oder Vermietende, was das individuelle Verhalten betrifft. So wie es nicht Sinn macht, bei einer Diskussion über Verkehrspolitik das Verhalten einzelner Verkehrsteilnehmenden ausführlich einzubeziehen...

21
/
20
Vielleserin
·

Lieber Anonym 1, ich finde es sehr wohl angemessen zu erwähnen, dass auch unfaire Mieter ein Preistreiber für Wohnungsmieten sind. Dieses Thema wird nämlich m.W. nie irgendwo abgehandelt. Es werden immer nur die gesetzlichen Rahmenbedingungen, die überhöhten Renditen der Grossinvestoren, Pensionskassen usw. moniert (dies zu Recht), dass es aber sehr wohl Privatpersonen gibt, welche wie Genossenschaften fair vermieten, habe ich noch nie irgendwo gelesen.
So, und jetzt bin ich gespannt auf weitere Reaktionen von Anonymen.

30
/
7
· editiert

Letzte Woche war hier zu lesen, dass Athen beinahe unbewohnbar geworden ist, klimatisch bedingt. Wer es sich leisten kann, zieht an den Stadtrand oder aufs Land.
Dächten unsere Investoren (und Stadtplanerinnen) auch nur ein bisschen zukunftsgerichtet, würden sie die Innenstädte nun nicht einfach nur verdichten wollen, sondern würden versiegelte Böden aufreissen und Bäume pflanzen, Gebäude begrünen, bei Neubauten auf eine attraktive begrünte Umgebung achten. So würde der Wert ihrer Wohnliegenschaften erhalten bleiben, weil das Wohnen in der Stadt auch in Zukunft attraktiv bleiben würde.
Und jetzt kommt die Logik von Frau Badran, mit der ich sehr einverstanden bin: Gleichzeitig müssten eben Arbeitsplätze dezentralisiert werden, dorthin wo bereits etliche Leerwohnungen stehen und, weil auch diese Menschen nicht nur arbeiten und schlafen wollen, das kulturelle Angebot entsprechend ausgebaut werden, was wiederum Arbeitsplätze generieren würde - Burgdorf statt Bern eben.
Weil es kann auch nicht sein, dass mehr Menschen aufs Land ziehen, die Arbeitsplätze aber weiterhin in der Stadt bleiben und somit der individuelle, motorisierte Pendlerverkehr noch höheren Druck auf den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur (Landverlust) zur Folge hätte. Dies kann dann eben auch nicht im Sinne des Raumplanungsgesetzes sein.

66
/
0

Das würde ein massives Umdenken in der Raum- und Siedlungsplanung bedingen. Im Kt. Zürich zum Beispiel ist sogar die hinterste und letzte Buslinie so ausgestaltet, dass sie direkt oder indirekt auf die Verbindung nach Zürich ausgerichtet ist. Solange das gesamte ÖV-System vollständig nach Zürich optimiert ist, muss man sich über den Nachfragedruck nach Immobilien in Zürich nicht wundern!
Es fehlen effiziente Verbindungen zwischen regionalen Zentren und innerhalb der Agglomerationen.
Beispiel: von Tür zu Tür Wald ZH - Wetzikon: 40 min. mit dem ÖV, inkl. 3 x Umsteigen und entsprechendem Risiko, bei Verspätung eines Verkehrsmittels, nochmals 15 - 30 min. länger unterwegs zu sein. Mit dem Auto: 20 min. Mit dem Velo (bio): rund 35 min. Verbindung Wald - Zürich: ebenfalls rund 40 min, aber mindestens doppel so viele KM.

25
/
0
Senftube
·

Mehr Homeoffice wäre eine erste Teillösung. Zahlreiche Firmen werden nicht auf das Land umziehen, weil sie in der Nähe von gewissen Infrastrukturen sein wollen. Die man nicht einfach x-fach bauen kann. Firmen bezahlen ja nicht einfach aus Spass die viel höhere Miete in den Zentren. Mitunter geht es auch um Representation. Die Firmen wollen gesehen werden. Insbesondere die Dienstleistungsbranche - und wir sind ja längst zu einer Dienstleistungsgesellschaft geworden, die Produktion ist grossteils ausgelagert - will dort präsent sein, wo viele Menschen sind. Ich meine das alles nicht als Gegenargument, nur als Aufzeigen von Grenzen der Idee, die ich schon richtig finde.

4
/
0

Ich meine damit nicht, dass man nun Dörfer zu Städten umwandeln soll. Sondern eher Städte, die bereits über die nötige Infrastruktur verfügen, als Wirtschaftsstandort und somit auch als Wohnort attraktiver macht. Als Beispiel nenne ich mal Grenchen, wo ich aufgewachsen bin. Als Uhrenstadt, in der Krise arg durchgeschüttelt und als Wohnort unattraktiv geworden. Praktisch jeder Zug hält aber nach wie vor in Grenchen (die SBB wollten dies mal ändern, die Gemeinde hat aber erfolgreich dagegen angekämpft). Autobahnanschluss in unmittelbarer Nähe. In den letzten Jahren haben sich diverse Firmen niedergelassen und Arbeitsplätze geschaffen. Das Wohnen in Grenchen ist wieder attraktiver geworden.

10
/
1

Die Stadt hat uns mit der Ansiedlung von Google einen Bärendienst erwiesen. Einer linken Stadtregierung nicht würdig. Hier hätte ich mehr Weitsicht erwartet. Aber die Cüpli-Linken lassen sich gern mal blenden, wenn es einen Pingpong-Tisch und Rutschbahn im Büro hat. Das nehm ich denen echt übel!

12
/
16
Multifunktional
·
· editiert

Es würde mich interessieren, wie Frau Badran dafür sorgen möchte, dass genügend Wohnraum gebaut und unterhalten werden kann, wenn dies private Investoren nicht mehr tun dürften, was, wie ich es verstehe, ihr Ziel wäre. Woher kommt das Geld für Bau/Unterhalt? Ich kann mir nicht helfen, aber es lässt mich an kommunistische Plattenbauten und bürokratisch geplanten Einheitswohnbau denken. Nicht gerade erspriesslich. Die Frage ist übrigens ernst gemeint. Wurde diese Forderung wirklich zu Ende gedacht?
Wenn man verbieten will, dass mit Luft/Wohnungen/Wasser Geld verdient wird, müsste man dann nicht logischerweise auch Nahrung als Grundbedürfnis in die Liste aufnehmen? Dann wären wir dann ziemlich direkt im Kommunismus, von dem wir ja wissen, wie schön er in der Theorie tönt und wie schlecht er in der Praxis funktioniert.

13
/
64

Frau W., das ist die selbe Angst, wie das Firmen abwandern würden, wenn man sie richtig besteuerte, oder letztendlich der Glaube, die Reichen würden unseren Wohlstand sichern. Ja, was wäre wenn keine Spekulanten mehr in Wohnungen investieren würden? Dann müsste man nicht mehr mit denen konkurrieren. Und was die Nahrungsmittel anbetrifft, ja, auch da sollte man das Profitdenken durchaus in Frage stellen, wir sehen ja wie die Zivilisationskrankheiten seit deren Industrialisierung zugenommen haben. Kriminell was uns da alles in‘s Futter gemischt wird zu Gunsten des Geschäfts, auf Kosten unsrer Gesundheit.

53
/
3
Multifunktional
·

Frau Badran spricht eben nicht nur von "Spekulanten" sondern grundsätzlich davon, das private Eigentümer nicht an der Vermietung von Wohnungen verdienen dürften. Siehe auch meine Antwort an Herrn Junker.

6
/
13

Frau W., das grundsätzliche Problem ist doch, dass der Boden ein knappes, unvermehrbares Gut ist. Deshalb sollte eine Gesellschaft verhindern, dass die Aufwertung des Bodens durch erhöhte Nachfrage (z. B. durch Zuwanderung) individuell via Eigentumsrechte abgeschöpft wird, anstatt dass dieser Mehrwert den Gemeinden zugutekommt. Wer an der Wertsteigerung des Bodens verdient, bekommt ein leistungsloses Grundeinkommen, und nebenbei bemerkt ist es paradox und zynisch, dass oft die gleichen Kreise, die auf diese Art das Surplus des Bodens einstecken, sich vehement gegen das bedingungslose Grundeinkommen aussprechen. Diese Art von Bereicherung könnte die Gesellschaft etwas eindämmen, wenn sie bei der Verdichtung nur eine Baukostenmiete erlaubt (vgl. Ernst Hubelis Artikel zur Wohnungsnot vom 22. 6. in der Republik). Und ein solche Massnahme hat nichts mit dem Gespenst des Kommunismus zu tun, sondern mit gesundem Menschenverstand, der erkennt, dass die Arbeit und der entsprechende Mehrwert nicht im Boden, sondern in der Errichtung der Häuser steckt.

45
/
0
Multifunktional
·
· editiert

Frau Badran spricht nicht primär vom Boden, sondern davon, dass Private grundsätzlich nicht mit Immobilien Geld verdienen dürften.

6
/
11

Frau W., Ihr Kommunismus-Vorwurf an Frau Badran empfinde ich als ziemlich primitiv, Sie können doch besser argumentieren. Nein, Frau Badran will es privaten Investoren nicht grundsätzlich verbieten zu bauen. Sie argumentiert, dass das Bauen zu luxuriöser und zu teurer Wohnungen und die Abschöpfung unverschämt hoher Renditen das Wohnungsproblem nicht löst.

38
/
9
Multifunktional
·
· editiert

Frau Badran sagt:

Haben Sie grundsätzlich ein Problem damit, dass Menschen oder Unter­nehmen mit Immobilien Geld verdienen?
Selbstverständlich. Immobilien sind eine essenzielle Güter­klasse. Wie Wasser und Luft.

Das ist eine sehr grundsätzliche Aussage ohne Differenzierung. Da ist jegliche Investition angesprochen, egal ob mit fairen oder überrissenen Renditen. Ich finde das schon eine ziemlich krasse Aussage und das Weiterdenken davon führt mich in eine kommunistische Wirtschaftsideologie. Drum auch meine effektiv ernst gemeinte Frage, wie sie sich das konkret vorstellt, wenn diese Forderung erfüllt würde.

17
/
21

Eine Frage bleibt: günstige Wohnungen werden durch teure ersetzt um die Rendite der Besitzer zu verbessern. Kapiert. Nun gibt es Empfehlungen, welchen Teil vom Einkommen die Mietkosten ausmachen dürfen. (https://www.homegate.ch/c/de/ratgeb…-lohn-sein). Die Berechnungen beziehen sich auf 2022. Einkommen 2023 wahrscheinlich ähnlich, aber Wohnungen zu diesen Mietkosten gibt es nicht. Es gibt einen speziellen Informationsteil "Wohnungssuche Senioren: ab 65 wirds schwierig"
Jetzt meine Frage: wer kann die teuren Wohnungen mieten, die auf Teufel komm raus gebaut werden? Geht diese Rechnung überhaupt auf? Was für Folgen haben diese neuen, teuren, für Normalverdienerinnen nicht bezahlbare Wohnungen für die Gesamtgesellschaft? Was für Folgekosten generieren sie?

25
/
1

Offenbar gibt es Leute, die diese teuren Wohnungen mieten, sonst würden sie nicht gebaut. Gäbe es diese teuren Wohnungen nicht, würden sich deren Mieter ebenfalls für die relativ günstigen Wohnungen bewerben und dort das Problem noch vergrössern. Es ist für mich unverständlich, dass sich Frau Badran tendenziell gegen das Bauen äussert, denn selbstverständlich entschärfen zusätzliche Wohnungen das Problem.

13
/
42

Klingt jetzt beinahe so als müssten wir froh sein, dass immer mehr teure Wohnungen für reiche Leute gebaut würden. Bleibt die Frage, welche Folgen es für die Gesamtgesellschaft hat, wenn sich am Ende nur noch Reiche das Wohnen in Städten leisten können.

42
/
1

Frau Badran verweist auf Daten, wonach viele Haushalte eben mehr Einkommen generieren (müssen).

14
/
1

Viel gelernt. Merci Republik. Wirklich eine absurde Situation, dass Mieten nur raufgehen egal ob jetzt der Leitzins steigt oder sinkt, ob mehr oder weniger gebaut wird. Wie im Artikel eben beschrieben die Folgen eines Anbietermarktes respektive einer sehr sehr schwachen Regulierung.

41
/
3
"Physiker"
·
· editiert

Klingt alles sehr einleuchtend, danke! Hier in Steffisburg sehe ich die beschriebenen Tendenzen. Unser "schlimmstes" Beispiel: In der vorletzten Ortsplanung wurde eine schöne Wiese mit Hofstatt im Dorfzentrum eingezont - nur die SP war dagegen, weil jede unsensible Überbauung das Ortsbild zerstören würde. Es folgten Architekturwettbewerbe mit sogar der Denkmalpflege in der Jury. Somit musste sie das am wenigsten schlechte Projekt absegnen. Die Bauernfamilie bekam einige Hunderttausende und zog weg. Das Land wurde mehrmals verkauft und nahme ständig an Wert zu. Auch die Gemeinde besass es eine Weile lang und musste Millionen zahlen. Heute gehört der grösste Teil der Pensionskasse St Gallen, welche drei Klötze in typischer schweizerischer Hässlichkeit (siehe ungefähre Umrisse hier) erstellen liess, mit Wohnungspreisen und Mieten, die in Zürich günstig, aber hier eher hoch erscheinen. Ausserdem hat es viele neue Parkplätze gegeben, trotzt sehr zentraler Lage mit super-ÖV.
Edit: Steffisburg hat zwar immer noch viel Land und etliche Bauernhöfe, kann sich laut jüngster Erhebung jedoch nur zu ca. durchschnittlich 20% ernähren, ständig abnehmend. Die meisten Berufstätige pendeln nach Bern.

35
/
2

Chapeau für dieses ausgezeichnete Interview. Beide Parteien reden nicht um den Brei herum und sind vorbereitet. Ein Genuss.

35
/
2

Das Kernproblem besteht im privaten Eigentum – genauer: im privat bestimmten Nutzungszugang zu – einer begrenzten Lebensressource (Boden, Bodenschätze, Wasser, Luft, Licht, Schatten, usw.). Das bringt Jacqueline Badran klar auf den Punkt; leider bleibt sie als Pragmatikerin beim der Zielvorstellung freilich auf halbem Weg stehen: «Die beste Alters­vorsorge sind immer noch tiefe Mieten.» Das ist sehr reformsozialdemokratisch gedacht.
Die beste Altersvorsorge (und generell Existenzsicherung) bestünde zweifelsohne darin, dass ich mir von meinem ersten Lebenstag an keine ökonomischen Sorgen machen muss, weil mir der gleichwertige, unverlierbare und nicht vererbbare Anteil am der Nutzung der Lebensressourcen zusteht wie jedem andern Menschen. Für die meisten Menschen hiesse das wie für mich selber: Weil ich mein Nutzungsrecht an Boden selber nicht voll beanspruche, kann ich einen Teil davon vermieten und erhalte dafür ein echtes Grundeinkommen (Grundrente).
Diese Zielvorstellung ist vorerst politisch nicht umzusetzen, das ist klar. Aber Vorstellungen, die in diese Richtung zielen, könnten bei zunehmendem Leidensdruck Zustimmung finden, so vor allem eine Lenkungsabgabe auf Immobiliengewinnen, deren Ertrag an alle Menschen eines Landes verteilt wird.

30
/
0

Vielen Dank für diesen tollen Beitrag! Wir von der IG Wollishofen würden uns riesig freuen wenn ihr unsere Petition mit euer Unterschrift unterstützt!

Für eine lebendige, durchmischte Stadt Zürich. Keine Verdrängung für Profitmaximierung!
📣 JETZT unterschreiben und teilen

https://act.campax.org/p/wollishofe…rdraengung

Vielen Dank!

29
/
0

Done! 🖊

3
/
0
kämpfer
·

es gib nur eine lösung >das monster kapitalismus muss überwunden werden.

31
/
6
Senftube
·

Der Kapitalismus - so wie ich ihn definiere - lässt sich nur zähmen, auch wenn Sie lebensnotwendige und nicht vermehrbare (das ist der entscheidende Punkt) Güter dem Markt entziehen, ist der Kapitalismus nicht überwunden. Vor allem wenn Sie dann den Staat nicht selbst bauen lassen (und letzteres ist dann eigentlich Staatskapitalismus, also auch Kapitalismus), haben Sie ja mit Ihrem Vorschlag, nur das Baurecht zu vergeben, sofort wieder Investoren.

Beim Zähmen aber bin ich voll dabei. Schritt 1: Progressivere Steuern, unten weniger, oben mehr. Ein sehr einfaches, erprobtes und zielführendes Mittel für das Verhindern von zu viel Kapital in zu wenigen Händen.

16
/
0

Was müsste man denn ihrer Meinung nach konkret ändern, um den Kapitalismus im Kontext des Immobilienmarktes "zu überwinden"?

3
/
1
kämpfer
·

hallo rino, nach der überwindung des kapitalismus gibts kein privatbesitz von lebenswichtigen gütern wie zb boden, wohnraum, wasser, luft usw mehr.

12
/
2

Ja gerne, you dreamer du.

6
/
3

Ist Ulrike Herrmann auch eine "you dreamer, du?" Ich finde ihren Ansatz (Das Ende des Kapitalismus) spannend. Sie schlägt nicht die Abschaffung des Privatbesitzes vor, sondern eine Rationierung. Das wird früher oder später ohnehin geschehen, die Frage ist nur ob wir das jetzt friedlich schaffen oder später wahrscheinlich nicht mehr friedlich.

9
/
1
kämpfer
·

hallo eveline, träume führen direkt zur revolution.

6
/
2

Aber die Stadt ist nicht in der Lage, den Volks­willen umzusetzen.

Weder beim Wohnungsbau noch bei den Velowegen. Das sind linke Themen und die Stadt ist links regiert.. Kann nicht oder will nicht?

8
/
1

Kann nicht, weil vieles übergeordnet ist. Kantonale Strassen oder nationale Gesetze.

24
/
0

Die Stadt Zürich hat aber ein eigenes Milliardenschweres Budget mit dem man z.B. (risikolos) Immobilien kaufen könnte. Auch die Innenstadt könnte wohl wie in zahlreichen anderen Städten autofrei gemacht werden. Scheint also ziemlich einfach..

14
/
0

Eines der besten Gesetze ( trotz der Aufweichungen, Frau Badran zu Recht bekämpft) ist die Lex Koller, vormals Friedrich. Eine ganze Subkultur könnte in Berlin weiter bestehen, gäbe es hier ähnliche Einschränkungen. So können von der Mafia bis zum norwegischen Staatsfonds sich alle unhehelligt an der Wertsteigerung der Immobilien und des Bodens bereichern.

24
/
0
· editiert

Irgendwie werde ich nicht einig mit ihr. Ja, die Problematik bezüglich Spekulation, PK etc ist da. Aber ohne mehr Wohnungen wird das Problem der zu wenigen Wohnungen eben einfach auch nicht gelöst. Kann man drehen und wenden, wie man will.

14
/
17
Senftube
·

Ja, wenn Sie die Prämisse des Arguments nicht glauben (dass das primäre Problem bezüglich hoher Preise gar nicht hauptsächlich der Mangel an Wohnungen ist), ist es logisch, dass Sie auch mit der Schlussfolgerung nicht einverstanden sind. Aber eigentlich müssten Sie ja die Prämisse prüfen. Frau Badran liefert da mit der Bautätigkeit zwischen 2008 und 2020 und dem Leerstand ganz konkrete Daten. Ich habe zwar die Statistik nicht nachgeprüft, aber da vertraue ich Frau Badran als Expertin, die keiner Lobby angehört.

19
/
2

Danke, Republik, für das Interview. Danke, Frau Badran für die klaren Antworten.
PS: Bitte an das Lektorat, nochmals genau hinzuschauen, wo Sie das sie gross oder klein schreiben wollen.

5
/
3
Daniel Meyer
Korrektor Republik
·

Guten Morgen, Herr Junker! Haben Sie einen Fehler entdeckt? Mögen Sie mir verraten, wo? Besten Dank!

9
/
0

Ich mag ja Rätsel, aber ich habe soeben alle Sie/sie angeschaut und finde beim besten Willen auch keinen Fehler!

6
/
0
· editiert

Als Landbewohner fuhr ich gestern durch Zürich und da wurde ich das Gefühl nicht los, dass das Ungleichgewicht zwischen Infrastruktur und Verkehrsteilnehmerinnen ziemlich aus dem Gleichgewicht geraten ist, vor allem, als ich mir überlegte, dass die Autofahrer auch wo wohnen müssen und erst recht die Velofahrerinnen und meine 4-Wohnung für die WG vor 50 Jahren an der Josefstrasse in Zürich 450 Franken kostete; sie gibt es heute nicht mehr. Und wohnen muss man. Und Baugrund ist nicht vermehrbar, aber auch bei den Turnschuhen (Badran: Das ist anders als bei Turn­schuhen, wo Sie sagen können: Adidas ist mir zu teuer, also kaufe ich eine andere Marke.) wäre es besser in den alten zu joggen, weil sinnlose Produktion für Profit macht auch bei Turnschuhen keinen Sinn.

Leider verstopft sich auch das "Land". Und die gebrauchten Turnschuhe verstopfen anderswo was.

17
/
0
Matthias Denzler
Ökonom
·
· editiert

Es gibt grundsätzlich zwei Möglichkeiten:

  1. Man kann entweder den Markt spielen lassen, dann werden sich Mietpreise einstellen, die dafür sorgen, dass die Nachfrage dem Angebot entspricht.

  2. Oder man kann den Markt regulieren, d.h. mit der einen oder anderen Methode (Kostenmiete, Renditelimiten etc.) tiefere Mieten vorgeben als Gleichgewichtsmieten. In diesem Fall ist die Nachfrage grösser als das Angebot.

Variante 1 ist für den gesamten Markt politisch unerwünscht, da sich - v.a. an attraktiven Orten - Mieten einstellen, die als "zu hoch" betrachtet werden. Heute ist der Markt fast segmentiert: Für neue Wohnungen spielt mehr oder weniger der Markt, für ältere Wohnungen greifen die Vorschriften, und die Mieten liegen in vielen Fällen unter den Gleichgewichtsmieten. Werden Immobilien älter, rutschen sie langsam in den zweiten Bereich.
Bei Variante 2 ist die Nachfrage grösser als das Angebot, und es stellt sich die Frage, wer die Wohnungen bekommt. Für eine freie Wohnung gibt es vielleicht Dutzende oder Hunderte von Bewerbern. Es gibt verschiedene Möglichkeiten: der Vermieter kann auswählen, oder grössere Vermieter wie Genossenschaften können Wartelisten führen, oder man kann versuchen, die Nachfrage zu reduzieren (Anzahl Personen für eine x-Zimmer-Wohnung, oder höchstens y Quadratmeter pro Person etc.), oder man versucht ältere Leute dazu zu bewegen, aus ihren grossen Wohnungen auszuziehen.
Grundsätzlich lösen lässt sich dieses Problem bei Variante 2 nicht, denn wenn der Preis unter dem Gleichgewichtspreis liegt, gibt es per Definition mehr Nachfrage als Angebot. Entschärfen lässt sich das Problem natürlich, indem mehr Angebot geschaffen wird, also mehr gebaut wird. Das sind dann zwar Wohnungen im Bereich von Variante 1, das hilft aber trotzdem, da sie Nachfrage weg vom Bereich von älteren Wohnungen (Variante 2) lenken.

9
/
22

Ich kann ihre Ausführungen überhaupt nicht nachvollziehen.
Ihr Punkt 1: ist aus meiner Sicht schwach. "Markt spielen" klappt nicht. Ich kann ja nicht entscheiden, ob ich nun wohnen will oder nicht. (Ich musste mehrmals wegen Sanierung, oder Renditeoptimierung eine andere, teurere Wohnung mieten.)
Punkt 2: Klingt so, als wäre die Regulierung der Grund für vielerorts unbezahlbare Mieten.
Da könnten Sie als Ökonom ja an folgender Behauptung festhalten: "Da die Leute viel zu wenig verdienen, können sie die erforderlichen Mieten nicht zahlen". Was soll jetzt reguliert werden?

20
/
3
Matthias Denzler
Ökonom
·
· editiert

Also ich versuche es nochmals: "Markt spielen lassen" heisst nur, dass der Preis durch das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage bestimmt wird. Mehr nicht. Ob das Resultat Ihnen oder mir passt, ist eine andere Frage und hat mit der Definition von "Markt spielen lassen" nichts zu tun.
Mit der Regulierung versucht man, eine anderes Resultat zu erzielen, mit Preisen UNTER den Preisen des freien Marktes.
Übrigens habe ich in meinem Beitrag fast nichts darüber ausgesagt, was aus irgend einer Sicht "erwünscht" ist oder nicht. Es ist nur eine Beschreibung, wie der Markt organsiert werden kann.

12
/
8
interessierter Leser
·

Mich würde interessieren wie sie den Markt beim Boden funktionieren lassen wollen: der ist ja unvermehrbar, weshalb die Preise in einem Land wie der Schweiz ganz sicher dauerhaft schneller steigen und deshalb sehr viel Kapital (auch ausländisches und weissgewaschenes) anziehen. Gibt es dazu auch eine ökonomische Theorie? Die Immobilienwirtschaft plädiert für eine Vergrösserung der Bauzonen, was neue volkswirtschaftliche Kosten verursacht. Die Sicht von Frau Badran hat darum m.E. schon etwas für sich.

15
/
0

Das ist ein sehr wichtiger Punkt. Boden ist natürlich ein sehr spezielles Gut. Und es gibt verschiedene Sichtweisen und Interessen: Für einen potentiellen Hauskäufer ist es fast zwingend, dass der Boden ihm gehört (dass es also privates Eigentum an Boden gibt). Baurecht auf Zeit fände ich als potentieller Hauskäufer problematisch, denn was passiert am Ende der Laufzeit? Ein Recht auf Erneuerung? Zu welchem Preis? (Ich bin nicht Experte auf diesem Gebiet und weiss nicht einmal, wie das heute tatsächlich geregelt ist.)
Die andere Sicht ist, dass Wertsteigerungen beim Boden unfair sind, da der Eigentümer nichts dazu beiträgt. Diese Wertsteigerungen sollten deshalb aus dieser Sicht der Allgemeinheit gehören.
In der Realität hat man versucht, einen Kompromiss zwischen diesen Sichtweisen zu finden, beispielsweise mit der Grundstückgewinnsteuer.

1
/
1

Sie sprechen ganz zu Recht die grundsätzlichen theoretischen Möglichkeiten im Markt für Mietwohnraum an.

Allerdings gibt es schon heute andere Märkte, die grossen Einfluss auf diesen Markt haben und im Interview zu Recht angesprochen werden: Die Märkte für Immobilienkauf, für Geld, für Pensionsverwaltung.

Zudem gibt es schon heute viele regelnde Eingriffe in den Markt für Mietwohnraum.

Die isolierte theoretische Betrachtung des Markts für Mietwohnraum ohne diese anderen Märkte und ohne das bestehende Regelungsumfeld kann nur ein Ausgangspunkt sein.
Sie bleibt praktisch ohne Erkenntnisgewinn für die heute beobachtete Realität, auf die das Interview viel mehr eingeht.

12
/
1

Das stimmt, es ist ein Ausgangspunkt. Ob es ohne Erkenntnisgewinn bleibt? Ich habe den Eindruck, manchmal ist es auch nützlich, die Basics darzustellen. Das Wissen um die Funktionsweise von Märkten scheint mir nicht besonders ausgeprägt zu sein.

5
/
5

Ich fände eine Diskussion mit Frau Badran und eine:r Expert:in des Hauseigentümerverbands sehr spannend. Wäre hilfreich zu hören, wie sie auf die jeweiligen Argumente eingehen.

19
/
3
Philipp Albrecht
Redaktor Wirtschaft
·
· editiert
11
/
0

Vielleicht wäre eine Diskussion mit Frau Badran und eine:r Expert:in des Hauseigentümerverbands spannend. Würde voraussetzen, dass sie auf die jeweiligen Argumente eingehen. Und wer benennt die fundamentalen Irrtümer in den Argumenten? Ich würde das der Republik schon zutrauen, aber Lebenslagen Lebenslügen aufzudecken ist sehr heikel.

12
/
1

Ein Aspekt kommt nicht zur Sprache. Es bauen nicht nur die Falschen aus den falschen Gründen für die falschen Leute. Sie bauen auch am falschen Ort. Die Leerwohnungsziffern ausserhalb der grossen Städte sind teilweise sogar sehr hoch.

14
/
2
Multifunktional
·

… und dort sind entsprechend auch die Mieten tiefer, was eigentlich beweisen würde, dass der Markt (Angebot/Nachfrage) funktioniert - entgegen den Aussagen von Frau Badran.

5
/
12
Verlegerin
·

Weil die arbeitsplätze nicht bei den leeren wohnungen stehen, sagt sie auch. Es gilt, diese orte aufzuwerten. Burgdorf statt bern.

12
/
0

Liebe Frau Badran
Einstein soll gesagt haben, die reinste Form des Wahsninns ist nichts zu ändern und zu glauben es ändere sich etwas.
Warum versucht es die SP nicht mit einer Ressourcen-Lenkungsagabe. Mit einer sehr bescheidenen Ressourcen-Lenkungsabgabe auf Boden oder Raumfläche kann problemlos an jede Person die Lenkungsabgabe z.B. in der Höhe der maximal Rente von 2450 Franken bezahlt werden.
Wer wenig Wohnfläche beansprucht hätte letzlich ein höheres Einkommen, die Übergewinne würden abgeschöpft und mit der Ressource Boden würde haushälterisch umgegangen.
Doch war es nicht auch die SP, die ein Vorstoss in diese Richtung abgelehnt hat. Ich spreche von der KELS, die Frau W. Schlumpf ins Spiel gebracht hat.
Mit nachhaltigen Grüssen
Urs Anton Löpfe

9
/
1
interessierter Leser
·

Und wie wollen Sie dafür ein Volksmehr organisieren? Das ablehnte CO2-Gesetz war ein schüchterner Versuch in diese Richtung.

3
/
0

Das CO2 Gesetz war leider sehr undurchsichtig sowohl formuliert als auch kommunziert: Die Rückzahlung an die Wohnbevölkerung ist praktisch untergegangen. Die lauten Töne "Autofahren wird unbezahlbar" hat alles übertönt, zumindest in meiner Wahrnehmung.

Ich hoffe ernsthaft, dass es eine Neuauflage des CO2 Gesetzes geben wird und diesesmal mit einer deutlich besseren Kommunikationsstrategie. Natürlich muss ein Gesetz juristisch korrekt formuliert sein, aber der lesende Laie, insbesondere, wenn er darüber abstimmen darf, muss es auch verstehen können.

Ich finde es eine spannende Idee und wert, über die Umlage von Wohnfläche mal laut nachzudenken.

5
/
0

Eben in dem man in Richtung einer Ressourcen-Lenkungsabgabe geht und die SVP mit ins Boot holt. Mit einer Ressourcen-Lenkungsabgabe könnten vorallem auch die Sozialwerke neu finanziert werden.

2
/
0

Ich habe mal gerechnet! Mit dem Kapital der Pensionskassen ca.2,2Billionen ist es möglich das gesamte Bauland der Schweiz zu kaufen. Ca 500.- pro m²....
Ein Gedanke der zwei Probleme auf einen Schlag lösen könnte, zu schwere Kassen welche nur mit Mühe ihre Aufgabe der Rentensicherung halten, und das gesammte Bauland wird Volksvermögen. Alle Wohnenden und Gewerbetreibenden Zinsen im Baurecht, die Erträge sichern die Renten. Pensionskassen währen überflüssig. Die Arbeitnehmer und Arbeitgeber sparen Sozialabgaben auf Arbeit, spekulation auf Böden ist beendet.
Wenn da nicht die Finanzinstitute währen.... haben wahrscheinlich etwas dagegen...

Ist natürlich nicht zu ende gedacht, aber die Gedanken sind ja frei.

10
/
3
Philipp Albrecht
Redaktor Wirtschaft
·

Hallo Herr S., ich befürcht, Sie haben auch nicht ganz zu Ende gerechnet. Die von den Pensionskassen verwalteten Vermögen betragen lediglich 1,16 Billionen Franken: https://www.bfs.admin.ch/asset/de/23827362

0
/
0

Mist,.. dann gibt es nur 270.- pro m²,.... das ist jedoch nur das kleinste Problem! 1.16 Billionen mit einem Baurechtszins von 2.5% sind ja 25 Milliarden zu verteilen,...
Ich bin kein Wirtschaftsexperte, aber das wäre schon recht viel...

4
/
0
Jemand der sich informiert...
·
· editiert

Das Ziel heisst nicht 'soziale nachhaltige Sozialstadt' sondern 'sozial nachhaltige Durchmischung'... Dieselbe Regierung auferlegt den Eigentümern so viele bauliche Massnahmen. Günstig Bauen ist da gar nicht mehr möglich!
Und was passieren würde, wenn man nur für all die Sozialen und Linken dieser Stadt Angebote offeriert, hat das 'Komplex' ja bestens bewiesen!
Es braucht von allen Schichten Bewohner ansonsten werden demnächst die Steuern angehoben! ach ja... das wäre denselben Personen ja recht. Die arbeiten ja nur 60%, max. 80%, weshalb dann wohl vor allem alle anderen bezahlen müssten!

0
/
23
Städter / Handwerker
·

Wie sie in einem anderen Artikel in der Republik nachlesen können, werden viele Projekte durch Einsprachen von Nachbarn verhindert. Diese befürchten eine Wertminderung ihrer Immobilie und gehen vor Gericht. Die Durchschittliche Verzögerung dauert ca. 1 Jahr.

Denkmal und Heimatschutz tragen auch zu Verzögerungen bei. Dies ist aber ein gesamtschweizerisches Thema und muss politisch geändert werden. Da bin ich aber eigentlich dagegen. Es gibt schon genug Dörfer in der Schweiz, wo es keine allgemeine Infrastruktur mehr gibt. Keine Brunnen, keine Sitzbank, keinen Baum, keinen Laden oder Bäckerei. Um jedes Haus eine 3m hohe Thujahecke und eine Garagenausfahrt, denn zu Fuss möchte man keinen Schritt mehr in die Einöde aus leeren Strassen setzen.

Vorschriften gibt es übrigens in jedem Dorf. Und auch kantonal wird vieles geregelt. Das soll aber auch so sein, denn wer irgendwo in der Pampa wohnt, benötigt Strassen, Elektrizität, Internet, Schneeräumung, Frischwasser, Abwasser und Kinderbetreuung. Das bezahlt die Allgemeinheit. Und die Kosten sind höher, je weiter weg sich diese Immobilien von einer Siedlung oder Ballungsgebiet befindet.

6
/
0
Verlegerin
·

Und was können wir da konkret machen ?
Badran kommt am 30.9. nach Chur für ein Podium zur Wohnungsnot, ich bin gespannt.

https://sp-chur.ch/2023/08/22/podiu…a-preisig/

6
/
0

Badran redet auf den Punkt. Mehr davon gibt's in einer SRF-Arena vor ein paar Wochen. Ich bin kein Arena-Anhänger, aber diejenige über das Wohnen ist 1A. Badran in Hollywood-Form. Der Kern des Problems ist, dass das Verhältnis des Immobilienbesitzes immer mehr kippt. Ich dachte immer, der genossenschaftliche Anteil sei stabil. Dabei ist er rückläufig. Der Grund: Die Verkäufer sind Kapitalistinnen und geben ihr Objekt den Meistbietenden ab. Das sind nicht Genossenschaften, sondern die Grossen, die Fonds.

2
/
0

Genau wie Frau Badran ausführt, eine tiefe Wohnungsmiete ist die beste Altersvorsorge. Darum invistierte ich eine Teil meiner PK. Gelder in eine von mir bewohnte Liegenschaft, so kann ich Gelder meiner zweite Säule selber verwalten.

1
/
0
"Physiker"
·

Heute (4.8.23) erschienen und offenbar vorher in der NZZaS: «Brauchen diese Firmen nicht» Badran kritisiert hohe Zuwanderung.
"Für jede Führungskraft braucht es zehn andere: Damit locke man vor allem Firmen in die Schweiz. Gemäss Badran hätten viele europäische Konzerne ihren Sitz in der Schweiz, pro Jahr seien dies 250 neue Firmen. «Diese bringen ihre Führungskräfte mit, die müssen irgendwo wohnen, also muss man bauen, dann brauchen sie Ärzte, Strassen, Coiffeure und ihre Kinder Schulen und Lehrer. Für jede Führungskraft, die einwandert, braucht es geschätzt zehn andere, die im Umfeld die Dienstleistungen erbringen», sagt sie der «NZZ am Sonntag»."

0
/
0

Mich würde die "Qualität" des Leerstandes interessieren. Weiss das jemand? Steht günstiger Wohnraum leer oder teurer? Frau Badran sagt, bezahlbarer Wohnraum sei gefragt. Stimmt das? Meine Wahrnehmung ist eine andere.

2
/
2
Senftube
·

Ihre Wahrnehmung ist demnach, dass die Leute am liebsten nach für sich selbst unbezahlbaren Wohnungen suchen? Das ergibt doch schon logisch keinen Sinn und Sie geben ja am Anfang gleich selbst zu, dass Sie es gar nicht wahrnehmen können. Dazu müssten Sie ja wissen, welche Wohnungen leer stehen… Liegt‘s an der Formulierung?

7
/
0

Welche ist denn Ihre Wahrnehmung?

Hier gibt es Daten zu Leerwohnungen:
https://www.stadt-zuerich.ch/prd/de…hlung.html
Allerdings ist die Leerstandsquote dermassen tief, dass man kaum etwas aus den Detailangaben wird folgern können. Wenn mal eine etwas grössere Siedlung zufällig am 1. Juni (Stichtag der Erhebung) komplett leer steht, weil sich beispielsweise der Beginn von Umbauarbeiten um ein paar Tage verzögert, kann dies die Statistik über insgesamt 100 oder 200 Wohnungen erheblich beeinflussen.

1
/
1