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Diese Recherche gab es heute beim Tages-Anzeiger. Auf das Thema habe ich schon mehrmals hingewiesen. Es war schon seit längerem offensichtlich.

<<Mehr als die Hälfte starb in Alters- und Pflegeheimen
Gemäss einer Recherche bei den Kantonen ereignete sich von 1753 Covid-19-Todesfällen in der Schweiz der grösste Teil in Alters- und Pflegeheimen. Hat man die verwundbarsten Personen zu wenig geschützt?
https://interaktiv.tagesanzeiger.ch…e738e52719

Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Zahl der Toten in schwedischen Altersheimen kaum niedriger gewesen wäre, wenn Schweden eine ähnliche Corona-Strategie wie die Schweiz verfolgt hätte. Die Frage der Corona-Strategie und des Schutzes der Altersheime sind separate Probleme, die getrennte Diskussionen erfordern.

Nebenbei: Wieso hat die REPUBLIK nicht diesen Artikel gebracht? Die Zahlen dazu liegen seit längerem offen.

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Die Fokussierung auf ausgewiesene Todeszahlen als einzige Messgrösse um die Massnahmen von Staaten gegen die Pandemie für "gut" oder "schlecht "zu bewerten, greift mit Sicherheit zu kurz. Die Toten kann man einfach besser zählen als die Vielzahl anderer Folgeschäden auf Psyche, körperliche Gesundheit und Chancengleichheit etc. aus einem harten Lockdown. Zudem geht es doch bei dieser Krise um ein Leben mit dem Virus. Und dabei geht es nicht einfach nur um ein körperliches Überleben, sondern um ein lebenswertes überleben Leben für alle, alt und jung. Es sind auch nicht einfach nur die Schweden Versuchskaninchen, sondern wir alle ... und der Versuch ist überall noch im Gange. Ich will den Weg welcher Schweden geht nicht rechtfertigen, doch wünschte ich mir mehr Inhalte als einfach nur ein Sperrfeuer auf das Schwedenmodel.

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M. R.
Ratsmitglied Project R Genossenschaft
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Und hier noch eine frische Analyse der New York Times zum Schweden-Vergleich, der für die Reopening-Pläne Trumps – entgegen der Warnungen „seines“ Chef-Epidemiologen Fauci – herangezogen wird.

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M. R.
Ratsmitglied Project R Genossenschaft
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· editiert

Und die NYT-Kolumne von Paul Krugman, der das Phänomen «Virus Trutherism» im Weissen Haus, Parlament aber auch in Lockdown-Protesten behandelt. Und «a deep sense of inadequacy», also Unzulänglichkeit, als Hauptgrund sowohl für VT wie für Reopening entgegen allen Warnungen ausmacht.

Republicans in general and Trump in particular suffer from a deep sense of inadequacy.

When officials find themselves confronting an unexpected crisis, they’re supposed to roll up their sleeves and deal with it — bring in the experts, devise and implement an effective response. That’s how the Obama administration responded to Ebola back in 2014.

But the G.O.P. doesn’t like experts, and it doesn’t have policy ideas beyond tax cuts and deregulation. So it doesn’t know how to respond to crises that don’t fit its usual agenda. Trump, in particular, can do policy theater — sending Jared Kushner out to make noises about dealing with problems — but has no idea how to do it for real.

And I think that at some level he knows that.

Siehe auch «Paranoid Politics Goes Viral»

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M. R.
Ratsmitglied Project R Genossenschaft
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Sowohl die Pandemie, als auch der Lockdown lösten schockartig exitenzielle Ängste aus. Angst um die eigene Gesundheit. Angst um die ökonomische Sicherheit. Wir wurden aus einem geregelten Alltag gerissen und in einen krisenhaften Ausnahmezustand geworfen, der von einem hohen Mass an Ungewissheit, Risiken und Kontroll-Verlust geprägt ist.

Vor allem für die Nichtrisikogruppe, die Gesundgebliebenen und die, welche keine Kranken und Toten im nahen Umfeld zu beklagen haben, stellt nun nicht die Pandemie, sondern scheinbar einzig der Lockdown eine Gefahr für ihre Existenz dar (vgl. Präventionsparadox und Survivorship Bias). Kein Wunder also, dass dieser polarisiert und kritisiert wird, ja dass sogar, bemerkenswerterweise nur in der wenig betroffenen Deutschschweiz, dagegen in «Hygiene-Demos» protestiert wird – in Massen!

Ich persönlich würde mich sehr für die Schwed*innen freuen, wenn die Einschätzungen Tegnells zutreffen und die Entscheidungen der Regierung aufgehen würden. Was mich aber hier interessiert, ist die Art und Weise, wie «der Sonderweg Schweden» in der Schweiz instrumentalisiert wird, um die Strategie im eigenen Land zu kritisieren und den Lockdown an sich in Frage zu stellen.

Eine Kritik, die leider oft von «doppelten Standards» geprägt ist und manchmal sogar von einer Werthaltung des Anti-Humanismus und Egoismus zeugt. Etwa wenn Wirtschaft vor Gesundheit oder die eigene ökonomische Sicherheit vor dem Leben der Anderen steht. Der grösste Selbstwiderspruch ist oft, dass für die wissenschaftlichen Quellen der anderen die höchsten Massstäbe und Ansprüche an Gewissheit gelten, so dass aufgrund geringster Unsicherheiten die Quelle in toto als unglaubwürdig und Ergebnisse als unbrauchbar verurteilt werden. Während für die eigenen Quellen der Youtube-Videos, Meinungen, Erfahrungen und unbewiesene Interpretationen reichen, um ihnen zu glauben und als sachliche Argumente gelten.

Doch keine Frage: Der Lockdown muss gerade aufgrund seines Impacts kritisch, aber differenziert und sachlich hinterfragt werden. Man kann etwa über Zeitpunkt, Härte und Länge debattieren. Wie sich im internationalen Vergleich zeigte, kann man als allgemeine Regel aufstellen: Je später und weiter fortgeschritten die Pandemie, umso härter und länger ist der Lockdown – und umgekehrt. Gerade «die Verharmloser» verursachen somit das, was «die Kritiker» befürchten. Merkwürdigerweise oft in Personalunion.

Doch hinter all den Zahlen, Vergleichen und Argumenten gibt es eine Realität, die realer und tragischer nicht sein könnte. Echte Menschen werden krank, echte Menschen sterben und echte Menschen kämpfen Tag für Tag um die Gesundheit und das Leben ihrer Patient*innen.

Die Gefährlichkeit des Virus zu verharmlosen, grenzt oft an Respektlosigkeit gegenüber diesen Menschen und ihren Angehörigen. Die Wirksamkeit der Gegenmassnahmen undifferenziert, unsachlich und aus Eigennutz zu kritisieren an Respektlosigkeit gegenüber der Gesundheit und Leben noch gesunder, aber gefährdeter Menschen.

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M. R.
Ratsmitglied Project R Genossenschaft
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· editiert

Brechen wir die Grundsituation herunter und nennen die Position der Regierung und ihrer Expert*innen die «Lockdown-Befürworter»:

  • P1: Die COVID-19-Pandemie ist gefährlich.

  • P2: Der Lockdown ist notwendig, um die Pandemie in diesem Stadium einzudämmen.

  • P2: Die sinkenden (Todes-)Fallzahlen zeigen, dass der Lockdown effektiv war.

Die Gegen-Position, sagen wir der «Lockdown-Kritiker», greift nun mind. eine dieser Prämissen an:

  • P1: Weder COVID-19, noch die Pandemie ist gefährlich. (Trumps «It’s just a flu» & «It's a media hype»)

  • P2: Der Lockdown ist überflüssig.

  • P3: Die sinkenden Fallzahlen zeigen, dass die Pandemie ungefährlich ist und daher der Lockdown überflüssig war (Präventionsparadox).

Kritisiert man alle Prämissen gleichzeitig, dann gibt es am Schluss einen ungefährlichen Virus, sodass alle Todesfälle auf eine unbekannte Ursache «X» oder gar auf den Lockdown selbst zurückzuführen sind, und einen grundlosen oder willkürlichen Lockdown. Merkwürdigerweise gibt es dann innerhalb der «Lockdown-Kritiker» zwei Fraktionen, die sich gegenüberstehen: «Die Verharmloser» vs. «Die Verschwörer». Also die einen, die sagen, Virus und Krankheit seien harmlos und die anderen, die sagen, der Virus sei gefährlich und wurde mit Absicht losgelassen.

Doch es gibt «Lockdown-Kritiker» und «Lockdown-Kritiker». Die einen operieren mit Verschwörungen (Gates, Soros, Medienhype, 5G, Impfzwang, China, USA, WHO, NWO), andere mit politischen Ideologien (Liberalismus, Ökonomismus, Wirtschaftsmachterhalt) und wieder andere mit Meinungen, Erfahrungen, Interpretationen von einem selbst oder anderen, die als Autoritäten herangezogen werden. Und solche mit wissenschaftlich begründeten Argumenten.

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M. R.
Ratsmitglied Project R Genossenschaft
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· editiert

«Der Sonderweg Schweden» gilt manchen «Lockdown-Kritikern» als empirische Evidenz und damit als schlagender Beweis:

  • P1: Schweden hat keinen Lockdown.

  • P2: Schweden geht es besser als der Schweiz mit Lockdown.

  • K: Also ist der Lockdown auch in der Schweiz überflüssig.

Die Kritik am «Schweden-Vergleich» sagt:

  • Argument 1: Schweden geht es weder epidemiologisch, noch ökonomisch besser als der Schweiz.

  • Argument 2: Schweden ist nicht ohne weiteres mit der Schweiz zu vergleichen (Ceteris-Paribus-Argument: Nähe zu Hotspots, Stadium der Pandemie, Bevölkerungsdichte usw.

Schweden geht es epidemiologisch nicht besser als der Schweiz.

Schweden geht es ökonomisch nicht besser als der Schweiz.

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M. K.
Republik Abonnent
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Guten Tag Herr Fuchs

Vielen Dank für Ihren Hinweis mit dem Youtube-Video sowie den Verweis auf den Link. Den Verweis auf das Wundermittel finde ich im Video auch nicht gelungen, mit dieser Kritik haben Sie vollkommen recht. Ansonsten habe ich einen Fachexperten gehört der Zusammenhänge ohne zu werten erklärt und von seiner Erfahrung als praktizierender Arzt berichtet. Eine Stimme die nach ihren Kriterien Raum verdient.
Den Arzt wegen seinem Verweis auf NoCov auf einen Scharlatan zu reduzieren ist nicht angemessen. Müsste man bei Menschen, welche die klinische Überprüfung von Impfstoffen beschleunigen wollen ,nicht auch von Scharlatanen sprechen?
Unter uns gesagt lieber Herr Fuchs, ich würde lieber Lakritze und Löwenzahn einnehmen als mir ein „chemische Pflichtbombe“ die noch nicht wirklich erforscht ist versetzen zu lassen.

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M. K.
Republik Abonnent
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Lieber Herr Biswanger
Ihre Berichte zur Corona-Krise zeichnen sich durch eine einseitige Sichtweise aus und sind daher sehr unkritisch. Auch mit dem Beitrag „Das Stockholm-Syndrom“ schreiben Sie am wesentlichen vorbei und lassen ihrer persönlichen Meinung zu der Corona-Krise freien Lauf. Wenn nicht die Lockdown-Massnahmen, was dann hat die Wirtschaftskrise ausgelöst?
Beim lesen ihrer Berichte frage ich mich auch immer wieder, woher Sie die Gewissheit haben, dass die Verhältnismässigkeit der Massnahmen angemessen sind? Oder ich immer wieder den Eindruck erhalte, dass es nicht legitim sein soll, dies bereits jetzt in Frage zu stellen ohne als asozial oder Verschwörungstheoretiker abgestempelt zu werden?
Auch frage ich mich, wieso den Befürwortern der aktuellen Massnahmen dies alles ohne jegliche Kritik zugestanden wird und kritische Stimmen in den Medien verdrängt werden?

Ein Beispiel für sachlichen Journalismus können Sie sich gerne unter folgendem Link ansehen. Alexander Glogg interviewt Dr. med. Dietrich Klinghardt:

https://youtu.be/neY5UrYKYk0

Guter Journalismus zeichnet sich dadurch aus, dass unterschiedliche Sichtweisen beleuchtet werden. Gerade praktizierenden Ärzten mit kritischen Stimmen müssten in den Medien genau soviel Raum geboten werden wie den Befürwortern der aktuellen Massnahmen. Von Journalisten, die für die Republik schreiben, erwarte ich eigentlich unabhängigen Journalismus und nicht den Einheitsbrei, wie er derzeit in fast allen Medien verbreitet wird.

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Guten Tag Herr K., willkommen im Dialog. Ich möchte Sie erstens bitten, vom Verweis auf die Youtube-Videos irgendwelcher Quacksalber abzusehen (dieser Doktor macht in diesem Video Werbung für das Wundermittelchen NoCov, das unter anderem aus Lakritze und Löwenzahn besteht). Zweitens ein Hinweis auf den Artikel wo wir erklären, welche Stimmen bei uns Raum bekommen und welche nicht: https://www.republik.ch/2020/04/28/…na-umgehen

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Aus Österreich. Interessant auch bezüglich der Diskussion um Schweden. Lesen und staunen, wie alles verpolitisiert und mit den Ängsten der Menschen gespielt wird.

https://www.falter.at/zeitung/20200…s-eng-wird?

Hier ein Ausschnitt:
<<Unter dem Kapitel „Öffentlichkeitsarbeit“ finden sich Hinweise auf vorteilhafte Auftritte des Kanzlers in der Kronen Zeitung. Mitte April wird das SKKM mit einem „Monitoring“ der Entwicklungen in Dänemark und Schweden beauftragt.

Anfang Mai startet die Regierung dann ihre Kampagne, die zeigen soll, dass Österreich es besser gemacht hat als die Skandinavier – etwa anhand der Todeszahlen. Dabei empfehlen Experten, solche Vergleiche, wenn schon, frühestens im Jahresverlauf zu ziehen, wenn die Übersterblichkeit zu sehen ist und anhand anderer Parameter eine Gesamtbilanz gemacht werden kann.>>

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M. R.
Ratsmitglied Project R Genossenschaft
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Lustig. Zu behaupten Schweden mache es besser als die Schweiz ist in Ordnung. Aber zu behaupten, Österreich mache es besser als Schweden ist «mit den Ängsten der Menschen» spielen.

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Ganzen Text lesen, dann wird es klar.

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M. R.
Ratsmitglied Project R Genossenschaft
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Es freut mich sehr, dass offenbar mehr die taz lesen.

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Die hohen Anforderungen an den Faktencheck - "etwas, auf das wir stolz sind, auf das wir Wert legen" (siehe "Zu den Fakten", 10. Mai 2020) - gelten offenbar nicht für Kolumnen. Sonst hätte Herr Binswanger sich unvoreingenommen mit den Fakten zum schwedischen Weg befasst und diesen wesentlich differenzierter gewürdigt. Zum Einstieg und Kontrapunkt sei der Artikel "Sweden's Coronavirus Strategy Will Soon Be the World's" in Foreign Affairs vom 12. Mai empfohlen.

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Christof Moser
Chefredaktion
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Das ist richtig, Herr S., Meinungen sind frei und ein Meinungsstück wie eine Kolumne hat wesentlich mehr Interpretationsspielraum als eine Recherche. Wobei kein Beitrag ohne den kleinen Faktencheck (Namen, Orte, etc.) unsere Redaktion verlässt. Danke für Ihren Input aus Foreign Affairs. Zu Schweden kann ich auch die aktuelle Reportage der Rundschau empfehlen. Wenn Sie den Faktencheck ansprechen, müssten Sie schon konkret nennen, was belegbar falsch ist. Eine andere Sicht im Gegensatz zu Ihrer eigenen als voreingenommen zu taxieren hat mit Faktenchecks eigentlich ziemlich wenig zu tun. Herzliche Grüsse aus der Redaktion.

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Sehr geehrter Herr Moser, vielen Dank für die rasche Antwort!
Ich verstehe und weiss natürlich, dass Meinungen frei sind und eine Kolumne anderen Regeln folgt als eine Recherche. Ich schätze pointierte, sogar polemische Kolumnen. Früher habe ich darauf geachtet, keine einzige der 14-täglichen Kolumnen von Herrn Binswanger im Magazin zu verpassen.
Ich scheine mich mit meinem ersten Beitrag etwas allzu kurz gefasst zu haben. Deshalb ein zweiter - womöglich nun allzu langer - Versuch, mein Anliegen besser verständlich zu machen.
Sie schreiben: "Meinungen sind frei." Ja, gewiss. Aber an publizierte Meinungen sind hoffentlich strengere Massstäbe anzusetzen als an spontane Meinungsäusserungen, sei es am Stammtisch oder anderswo.
Sie haben recht: Belegbar falsch sind die "Fakten" in Herrn Binswangers Kolumne wohl nicht. Aber ist denn damit dem Qualitätsanspruch der Republik bereits Genüge getan? - Beispiel: "... die Todes­fälle pro 100’000 Einwohner in Schweden Stand heute fast 50 Prozent höher sind als in der Schweiz..." Belegbar und bekannt ist, dass auch diese Zahl mit Vorsicht zu geniessen und der Vergleich dieser Zahl zwischen Ländern erst recht irreführend ist.
Noch wichtiger: Nach all den Diskussionen der letzten zwei Monate würde ich mir wünschen, dass die Republik nicht mehr bloss zweidimensional "Gesundheit" gegen "Wirtschaft" ausspielt und unter "Gesundheit" eindimensional "Corona-Tote" zählt. Es scheint mir nicht nur wünschbar, sondern zwingend, alle gesundheitlichen Schäden, zum Beispiel auch soziale und psychische, die aus der Pandemie und aus den Massnahmen, die dagegen ergriffen werden, folgen, in den Blick zu nehmen.
Der Weg, den Schweden geht, und der sich übrigens gar nicht so stark vom schweizerischen unterscheidet, strebt nicht an, den wirtschaftlichen Schaden auf Kosten der Gesundheit zu minimieren. Er hat vielmehr die Gesundheit insgesamt im Blick, und zwar auf lange Sicht.
Exkurs I: Schauen Sie sich die Zusammensetzung der Swiss National COVID-19 Science Task Force an. Sie gibt einen Hinweis darauf, wie wenig der Bundesrat die Gesundheit insgesamt im Blick hat.
Exkurs II: Ich gehe noch weiter. Wir sollten die weltweiten gesundheitlichen Schäden mitbedenken, nicht nur die im eigenen Land, zum Beispiel die Toten in armen Ländern nur schon wegen der Schliessung der Grenzen...
Schweden hat vielleicht eine Spur besser verstanden zu haben als die Schweiz und als Herr Binswanger: Hej! Es sterben nicht nur die Alten!...
Sie haben recht: "Voreingenommen" ist wohl eine Interpretation meinerseits. Vielleicht sind es andere Gründe, warum Herr Binswanger in seiner Kolumne einzelne "Fakten" herauspickt, um seine Polemik zu rechtfertigen - eine Polemik notabene, die so weit geht, allen anderen, die nebst "Ökonomie" und "Todeszahlen" noch weitere "Fakten" in ihre Überlegungen einfliessen lassen, Ruchlosigkeit zu unterstellen.
Pointierte, selbst polemische Kolumnen sind auch möglich, ohne die Komplexität der Problemlage zu negieren - obwohl zugegebenermassen schwieriger. Eine gute Kolumne in der Republik baut auf differenzierten Recherchen (der Republik und anderer) auf.
Schliesslich: In dieser ausserordentlichen Lage sind wir alle mit zahllosen Fragezeichen konfrontiert. In welchem Mass der schwedische bzw. ein anderer Weg sich bewähren wird, wissen wir, vielleicht, in ein paar Jahren. Auch vor diesem Hintergrund lässt Herr Binswanger meines Erachtens die angemessene Sachlichkeit, Differenziertheit und Bescheidenheit vermissen.
Bleiben Sie gesund und auf dem Boden!

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@S. P., ausgezeichneter Link zur taz: endlich verstehe ich etwas besser wie der Hase läuft. Hier noch einmal angeführt für die, welche ihn noch nicht gelesen haben. Viele Dank. https://taz.de/Umgang-mit-dem-Coron…/!5671630/

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(durch User zurückgezogen)

Lieber Herr Binswanger, ich möchte gerne Journalismus, der informiert, sachlich ist und mir eine Grundlage bietet aufgrund von Fakten, die ich gar nicht alle selber recherchieren kann, mir eine eigene Meinung zu bilden. Ich dachte, dass es das bei der werbeunabhängigen Republik gibt und habe mir darum gestern ein Abo gelöst. Wenn ich jetzt aber in ihrem Artikel diese Sprache lese "Die Köppels, Maurers und Eichenbergers dieser Welt", "sagenhafte 600 Prozent", "Aber hey: Es sterben ja nur die Alten." dann kommt es mir vor, dass ob Sie hier einfach wortgewandt ihre persönliche MeinunG. K.undtun und gegen die schreiben, die es anders sehen als Sie. Das trägt aus meiner Sicht nur noch mehr zur derzeitigen Polarisierung bei, während ich es schätzen würde, dass mehr unvoreingenommen, konstruktiv und zueinander hin argumentiert würde.

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Die ganze Diskussion hier ist nicht um eine Meinung von Herr Binswanger, es geht um Ethik, moral und Menschlichkeit, Werte, die nicht nur gelten, Wenn sie nicht viel kosten. Leider viele Zeitgenossen outen sich als schönwetter moralisten. JFK hat damals zu Recht den berühmten Satz gesagt: we do things not because they're easy but because they're hard.
Der einfache Weg in dieser Kriese ist bekannt, viele Kollegen/innen hier und auch Herr Binswanger kennen diesen Weg aber sie können und wollen ihn nicht akzeptieren.
Der Weg sieht so aus : machen wir weiterso wie immer und wenn viele sich Infizieren, die gesunden Jungen werden trotzdem mehrheitlich überleben, die Alten und die Kranken werden vermehrt sterben... Und was ist schlimm daran... das entlastet soger AHV und KK. Vor 80 Jahren hat man in diesem Sinn gehandelt, damals ohne Corona...damals wurde aktiv gehandelt.

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G. K.
Simplicissimus
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Die Kolumne ist ein Meinungsbeitrag von Herrn Binswanger.

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Auf die wenigen Covid-Toten kommt es tatsächlich, so brutal dies auf den ersten Blick tönt, nicht an und deshalb verstehe ich nicht ganz warum dieses ganze Theater um die Korona-Hochrisikopatienten. Gleichzeitig ist es den meisten Republikleser vollkommen egal, ob jetzt 10 K Menschen jährlich an den Folgen des Zigarettenkonsums und ungefähr gleich viel an den Folgen ihrer Alkoholsucht sterben. Für das eine schränkt man die ganze Bevölkerung ein, macht allen Leuten Angst mit bundesrätlichem Segen. Das Theater kostet im Endeffekt gegen die 100 Mia Fr. für die ersten 3 Monaten, und die angekündigten Wellen werden auch nicht billiger. Kein Problem für die Mehrheit der Republikaner*innen. Vielleicht, wenn die dritte 100 Milliarden Tranche fällig wird, wird es vielleicht dem einen oder anderen dann schon etwas mulmig werden, übrigens alles auf Kosten der jungen Generation. Ich könnte noch ewig schreiben, aber gegen die Angst ist kein Kraut gewachsen und darum lasse ich es jetzt.

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Schon im Maerz gab es dazu in der taz einen interessanten Beitrag. Ich hab die These so in Erinnerung: die Gesellschaft spuert die Klimakrise, traut sich aber noch nicht ran, hat aber ein Beduerfnis nach Panik ... und die entlaedt sich dann in der Corona-Krise. Ein Vorteil dabei waere, dass die Corona-Krise uns nicht auffordert, grundsaetzlich was zu aendern, sie will ja das Bestehende bewahren. Was in der Klimakrise in den Abgrund fuehrte. Achtung: das heisst jetzt nicht, dass es nicht auch gute Gruende fuer die Kontaktbeschraenkungen gaebe.
Und das Original steht hier: https://taz.de/Umgang-mit-dem-Coron…/!5671630/

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Da hat wohl jemand Angst vor wirtschaftlichen Verlusten.

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das verstehe ich jetzt nicht. Wie ist das gemeint?

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M. R.
Ratsmitglied Project R Genossenschaft
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Der heutige TA-Artikel «Tödlicher Sonderweg. Schweden wollte die Alten schützen – und scheiterte» bestätigt, was ich weiter unten E. K. zu vermitteln versuchte. Nämlich, dass das Problem mit den Altersheimen nicht von der gewählten Corona-Strategie zu trennen ist, weil sie eben Teil dieser ist. Denn eine Strategie ist immer ein Gesamtpaket. Und gerade deshalb ist womöglich Schwedens Strategie sogar zu verurteilen.

Denn das Präventionsparadox besagt:

Wenn viele Einzelne mit geringem Risiko (…) eine präventive Maßnahme durchführen, nützt diese der Gesamtpopulation in der Regel viel.

Anders stellt sich die Lage für Interventionen bei kleinen Gruppen mit hohem Risiko dar (…). Hier ist der individuelle Gesundheitsgewinn durch Früherkennung, Frühbehandlung und tertiäre Prävention ungleich höher als bei Menschen mit mittlerem und niedrigerem Risiko. Allerdings ergibt sich für die Population kein vergleichbar großer Effekt.

Doch um bei einer Pandemie dieses Paradox zu umgehen sowie aufgrund vergangener Erfahrungen wird meist eine Misch-Strategie gewählt. Also Massnahmen die sowohl die Gesamtpopulation betreffen (weil man die exponentiell wachsenden Ansteckungsketten an sich unterbrechen will), als auch die Gruppen mit hohem Risiko (weil man die Vulnerabelsten besonders schützen will).

[E. K.'s] Ansatz wäre nun, sich bei den Massnahmen nur auf die Hochrisikogruppe – die älteren Menschen in den Alters- und Pflegeheimen – zu konzentrieren. Während die Nicht- oder Geringrisikogruppe von den Massnahmen befreit wäre und sich etwa «kontrolliert» anstecken könnte, um möglichst rasch eine «Herdenimmunität» zu erreichen – wie angeblich Schweden.

Das Problem ist nur, dass dies nicht gänzlich durchzuhalten ist. Denn einerseits gibt es viel mehr in der Risikogruppe, als nur jene Ü65 oder jene in den Alters- und Pflegeheimen. Und andererseits besteht ein Alters- und Pflegeheim aus Personal, Bewohner*innen und Besucher*innen.

Hilft ein striktes Besuchsverbot – bei dem sich schon viele empörten – die Anzahl Besucher*innen auf Null zu bringen, geht das beim Personal nicht. Denn die Bewohner*innen sind in erhöhtem Masse von Pflegekräften abhängig. Deshalb funktioniert auch «Social Distancing» zwischen Personal und Bewohner*innen nicht oder nur sehr eingeschränkt.

Notwendig gewesen wäre ein frühes und vollständiges «Test, Trace & Isolate» der Risikogruppen und des Personals. Doch da spielen natürlich andere Faktoren mit hinein, wie:

  • Mangel an Schutzmaterial

  • Mangel an Testmaterial

  • Mangel an Personal

Dies wiederum ist von systemischen und infrastrukturellen Faktoren abhängig:

  • Privatisierungen und Einsparungen

  • Fehlende Pandemie-Vorsorge (wie u. a. Bill Gates und die WHO schon lange anmahnten)

Man könnte nun sagen, dass Schweden bzw. die (privaten) Alters- und Pflegeheime für ihre (angebliche) Risikogruppenorientierte Strategie zu wenig vorgesorgt war und auch während der Pandemie die Ressourcen falsch, sprich inkonsistent verteilt hat (nämlich gemäss einer Populationsorientierten Strategie hauptsächlich in Spitäler und nicht in Alters- und Pflegeheime).

Die Regierung Schwedens sagt nun laut TA-Artikel:

Man werde «als Gesellschaft gemeinsam Verantwortung» übernehmen.

Während für andere, die Angehörige in den Alters- und Pflegeheimen verloren haben, klar ist:

Es ist die Schuld der Behörden. «Ihr Versagen hat so viele Leben gekostet.»

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Nur noch als Nachtrag zu unserer Diskussion...
<<Mehr als die Hälfte starb in Alters- und Pflegeheimen
Gemäss einer Recherche bei den Kantonen ereignete sich von 1753 Covid-19-Todesfällen in der Schweiz der grösste Teil in Alters- und Pflegeheimen. Hat man die verwundbarsten Personen zu wenig geschützt?
https://interaktiv.tagesanzeiger.ch…e738e52719

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Ich weiss nicht, ob das noch jemand liest, aber ich versuch es noch einmal.
M. R. liebt es, die Dinge zu verkomplizieren und ist auf Schweden fixiert.

Ich möchte eigentlich nur folgendes sagen:

Man sollte sich vor Augen halten, dass die Abschirmung der Altersheime und die allgemeine Corona-Strategie zwei verschiedene Dinge sind. Die Corona-Strategie kann erfolgreich sein, aber die Todesfallzahlen trotzdem hoch, wenn die Altersheime schlecht geschützt sind, und umgekehrt. In Italien gibt es Altersheime ohne Angesteckte in den gefährlichsten Zonen, weil die Leitungen der Heime die Gefahr früh erkannten (vor dem Staat) und rigorose Massnahmen ergriffen. Auch in der Schweiz dürften über 50 % der Verstorbenen in Heimen gewohnt haben. Viele Länder sind davon betroffen. Es ist besonders fatal, weil das Virus beim Eindringen in ein Heim die verletzlichsten von allen trifft. Dies dürfte der Hauptgrund für die Unterschiede in den Todesfallzahlen der verschiedenen Länder sein. In den Diskussionen findet dieses Thema aber kaum Beachtung, wohl auch, weil kein Land hierzu schlüssige Zahlen veröffentlicht.

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M. R.
Ratsmitglied Project R Genossenschaft
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Lieber E. K., geht es um die Sache, sollte es nicht darum gehen, wieviel Aufmerksamkeit man für die Rede erhält. Darum: Fürchten Sie sich nicht! Und «Dinge zu verkomplizieren», sprich zu differenzieren, ist nunmal der Job einer jeden Wissenschaftlerin eines jeden Philosophen. «Dinge zu simplifizieren» dürfen andere übernehmen. Dass man sich bei einer Kolumne mit dem Titel «Stockholm-Syndrom», bei der es um den unsäglich fehlgeleiteten Schweden-Vergleich geht, auf «Schweden fixiert», kann wohl nur jene empören, die entweder die Kolumne nicht gelesen haben oder sich ertappt fühlen.

Sie glauben immer noch daran, dass «die Abschirmung der Altersheime und die allgemeine Corona-Strategie» zwei Paar Schuhe sind. Jedoch handelt es sich um zwei Schuhe desselben Paares. Ich weiss nicht, weshalb was diese Externalisierung der Todesfälle in den Altersheimen bezwecken soll. Geht es Ihnen einfach darum, dass Schwedens Strategie trotz allem Negativen besser dastehen soll, damit die Forderung «Seht Euch Schweden an! Die machen’s viel besser! OHNE LOCKDOWN! Machen wir es auch so!» weiterhin gestellt werden kann? Ihre Aussage scheint diese Absicht nahezulegen:

Die Corona-Strategie kann erfolgreich sein, aber die Todesfallzahlen trotzdem hoch, wenn die Altersheime schlecht geschützt sind, und umgekehrt.

Doch der Teaser der BaZ zum bereits verlinkten Artikel «Tödlicher Sonderweg. Schweden wollte die Alten schützen – und scheiterte» spricht vom «Teil der Strategie». Und auch der Lead des Artikels selbst lautet:

Der Schutz von Risikogruppen wurde zum zentralen Punkt des schwedischen Sonderwegs. Nun zeigt sich, warum das schiefgelaufen ist.

Und, ebenfalls wie bereits geschrieben, wenn die Strategie gewesen wäre, sich bei den Massnahmen hauptsächlich auf die Hochrisikogruppe – also v. a. die älteren Menschen in den Alters- und Pflegeheimen – zu konzentrieren, während die Nicht- oder Geringrisikogruppe von den Massnahmen befreit wäre und sich etwa «kontrolliert» anstecken könnte, um möglichst rasch eine «Herdenimmunität» zu erreichen, dann könnte man tatsächlich von einem «Schieflaufen» reden.

Und auch in Stockholm selbst beginnt die Stimmung zu kippen, wie der Artikel «Stockholm wird auf einmal doch noch zur Geisterstadt» schreibt:

Die Schweden seien alles andere als staatsgläubig, aber gut darin, staatliche Empfehlungen zu befolgen, solange sie die Vorteile für sich selber erkennen, sagen Gesprächspartner. Stark verändert hat sich die Einstellung der 44-bis 55-Jährigen. Verantwortlich dafür sind Nachrichten über verstorbene Schweden im besten Alter.

Vermutlich wirkt bei dem grassierenden Phänomen des Corona-Verharmlosens nicht nur das «Präventionsparadox», sondern auch der «Survivorship Bias».

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Als Illustration zum "ideologischen Pathos der Härte" hier ein Verweis auf den Club von SRF vom 5.5.2020. Rationalität heisst für Eichenberger offenbar Mut zur Grausamkeit. Er warf dem Bundesrat vor, er habe in der Corona-Krise zu viel Rücksicht genommen auf die Alten und Kranken. Der Tod von sehr alten oder gesundheitlich vorbelasteten Personen habe weniger Gewicht als derjenige von 40-Jährigen. Wörtlich sagte er (Minuten 19:50 - 20:30): «Er (der Bundesrat) hat nicht genügend rational entschieden in dem Sinn, dass er das Problem breit angeschaut und wirklich alle Vor- und Nachteile abgewogen hätte. Er hat wirklich extrem fokussiert auf die hohe Zahl von Toten und hat nicht berücksichtigt, eben dass das nicht wie bei den Verkehrsunfällen Leute sind, die mit 40 im Schnitt sterben, sondern das Leute sind, die mit wahrscheinlich schwersten Vorbelastungen, sehr alt sterben, wenige Lebensjahre verlieren, und dann muss man das anders anschauen.»
https://www.srf.ch/play/tv/club/vid…be76f24488

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A. O.
· editiert

Wirtschaftswissenschaftler können keine Wirtschaftskrise und keine Finanzkrise zuverlässig voraussagen. Sie können nicht sagen, was zu tun ist, um sie zu vermeiden. Und sie können beides noch nicht einmal im Nachhinein schlüssig erklären. So viel zu ihrer Kompetenz in ihrem Fachgebiet. Und jetzt wollen sie in fremden Fachgebieten kompetente Meinungen abgeben. Reiner Eichenberger ist nicht Ethiker, er ist auch nicht Jurist und schon gar nicht Moralphilosoph. Trotzdem will er Menschenleben bewerten können. Und dass er den GesellschaftsvertraG. K.aputt-schwatzt, kommt ihm nicht in den Sinn. Schuster bleib bei deinen Leisten.

Übrigens, wenn wir von schweren Vorbelastungen sprechen: Herr Eichenberger dürfte fettleibig Stufe eins sein. Ich bin sicher, dass er nicht findet, dass sein Leben sowieso schon zur Hälfte abgschrieben sei.

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Eine gefährliche Entwicklung ist jetzt im Anmarsch.
Die Rechtsradikalen konzentrieren sich momentan intensiv auf das Thema Corona.
Mit Ausländerthemen können sie momentan nicht Punkten.
Die Demos am Wochenende in Stuttgart waren seit Tagen im Internet auf bestimmte Seiten vorangekündigt.
Die Rechtsradikalen sind einmarschiert und viele der sog. Freiheit Liebende Bürger haben sich ahnungslos angeschlossen.
In der Schweiz ist es ähnlich aber nur sanfter und versteckter.... Wie immer.

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Die Gefahr scheint wirklich schon relativ weit weg zu sein in den Augen der Leute: Heute im gut gefüllten Zug war ich die Einzige, die eine Maske trug. Waren die Leute überrascht worden, weil nicht mit soviel Personen gerechnet hatten? Immer noch keine "Maske für alle Fälle" dabei? Ein Tuch wäre ja auch gegangen zur Not. Ich hätte jedenfslls nicht gedacht, dass ich zum jetzigen Zeitpunkt immer noch in die Rolle einer "Exotin" kommen könnte mit einer Maske. Immerhin ist sie bei engen Verhältnissen im ÖV mittlerweile offiziell "dringend empfohlen"! Und ich hab immer noch den Eindruck, den Leuten sei sie peinlich, solange es nicht die Anderen auch tun. Es ist dieser typische Konformitätsdruck, der die SchweizerInnen stark prägt. Man tut, was die anderen tun. Oder eben nicht tun. Deswegen wäre es klüger, wenn eine Pflichtsituation die hohe Bereitschaft zur Konformität wenigstens nutzen würde, um sie in die angemessene Richtrung zu lenken.

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Ich denke, dass dies nur mit Maskenpflicht im ÖV möglich wäre, dass alle eine anziehn. Ich war nun erst einmal im überfüllten Tram am Motgen, sonst hatte ich Glück, wir waren 0 Maskenträger aber alle haben sich angeschaut und fast erleichtert wieder weggeschaut. Ohne Pflicht wird das nichts im ÖV. Rund um das Thema Masken wurde zu viel umsttittenes gesagt/geschrieben.

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B. J.
· editiert

Dass es bei uns einen hohen Konformitätsdruck gibt, sehe ich genauso, bin aber nicht so sicher, ob man den mit einer bindenden Verpflichtung von Anfang an eher befördert oder eher abwürgt. Für beides gibt es Hinweise (und sicher endlos Studien, die zu diskutieren ich aber relativ sinnfrei finde, weil die Entscheidungsbefugnis eh nicht in unserer Hand liegt. Wir können nur für uns selber entscheiden, und da vermute ich, dass jedeR MaskenträgerIn im Moment ein wichtiges Signal aussendet. Das ist doch auch mal eine schöne Rolle ^^)
In diesem Zusammenhang finde ich den Gedanken nicht uninteressant, dass das Gurtenobligatorium Anfang der 80er mit ein Argument zur Gründung der Autopartei war, die mit dem Slogan antrat: "freie Fahrt für freie Bürger". Zwang erzeugt zwar Gehorsam, aber auch Reaktanz, und ist von daher nicht unbedingt zielführender.
Mir scheint, bisher sei man mit der offiziellen Strategie der (dringenden) Empfehlung zu Verhaltensänderungen bei grundsätzlicher Freiwilligkeit nicht schlecht gefahren. Ich meine, es lohne sich, erwachsene Menschen auch wie Erwachsene zu behandeln und ihnen in einem ersten Schritt ein bisschen Zeit zu geben, sich an eine Umstellung zu gewöhnen. Heute ist der erste Tag der grösseren Öffnung. Wenn die Strategie nicht funktioniert, zeigt sich das schnell und man kann man in kurzer Zeit nachjustieren. Wenn es mit Zwang von Anfang an nicht funktioniert, hat man das Pulver schon verschossen. Dann kann man nur noch breitflächig Bussen verteilen, und das ist dann mit ziemlicher Sicherheit kontraproduktiv. Es hat Jahre gedauert, bis alle Motorrad- und Töfflifahrer einen geeigneten Helm aufhatten. Soviel Zeit haben wir nicht.

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Ich habe anfangs ja auch gedacht: So nun hat Koch und das BAG doch schon einige Male von "dringend empfohlen, wenn weniger als 2 m Abstand" gesprochen, dass es wirklich keinen Mut mehr braucht und auch keine Reaktanz entstehen kann. War aber nicht so. Heute lese ich, dass es offenbar sogar nun am ersten grossen Lockerungstag verbreitet so beobachtet wurde von JournalistInnen. Wie Sie sagen, wir haben keine Zeit, zum sich langsam angewöhnen. Jeder Tag zählt. Wenn der Falsche neben Ihnen sitzt - Pech! In Südkorea hat ein einziger Mann auf seiner Sauftour durch Bars zig Leute angesteckt und die Seuche wieder aufflammen lassen.
In Deutschland steigt nach kleinen Lockerungen die Reproduktionszahl gerade wieder über 1.
Reaktanz ist im Übrigen keine Möglichkeit, wenn es Pflicht ist, denn dann gibt es Kontrollen und bei Verstössen Bussen, wie beim Versammlungsverbot. Das wirkt. Und gerade bei SchweizerInnen ist ein Verbot eher reaktanzhemmend: Die CH-Konformität ist stark zugunsten von Gesetzen angesiedelt, also eine "Bünzli-und Normen-Konformität" und wenn etwas zum Gesetz wird, hat es Autorität. Nur eine Minderheit ist fundamental "widerständlerisch" .

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Liebe Frau P., vielen Dank für diesen Beitrag. Ich mache dieselbe Beobachtung: Masken werden wenig getragen und wer eine trägt, wird komisch angeschaut, nicht nur in den öffentlichen Verkehrsmitteln sondern auch in den Supermärkten. Riesiger Kontrast zu fast allen anderen europäischen Ländern. Herzlich, DB

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Gutes Beispiel. Ich finde, die Psychologie des Maskentragens in der Öffentlichkeit ist noch weniger bekannt als die tatsächliche Wirkung in der Praxis. Vermittelt der Maskenträger Zuversicht oder Angst? Braucht es Zuversicht oder Angst?

Ich meine: Zuversicht. Heute melden die Medien, dass Der ÖV eher gemeiden wird zugunsten des zunehmenden Autofahrens. Vermutlich ist das bezüglich Todesfälle kontraproduktiv, abgesehen von den vielen anderen Nachteilen. Nun ist also die Frage: Auf wie viele Menschen wirkt ein Bus voller Maskenträger positiv und auf wie viele negativ? Ich selber werde mich bei meiner nächsten Zugfahrt an den empfohlenen Kompromis halten: unter 2 m Abstand keine Maske, sonst schon.

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Die Angstforschung sagt in etwa: Ist man nicht mehr im "Überlebensmodus", kommt sofort die alltägliche Verhaltensweise zurück. Leider können sehr viele Menschen offenbar nicht antizipieren, dass es hier darum geht, weitere Gefahr zu verhindern helfen, es ist nicht der Sturm, oder die Dürre, die "danach" vorbei sind. Ähnlich wie beim Politikfehlschluss in der Demokratie: "Was soll ich mit meiner einzelnen Stimme schon ausrichten können?" ist es hier ("ich als einzelner Mensch bin sicher kaum eine Gefahr für eine ganze Pandemie") aber auch ein Phänomen, das nur über das Individuum läuft und die Fähigkeit zum abstrakten Denken erfordert: Die Masse/Ganzheit besteht aus lauter Individuuen, es gibt keinen "Organismus" dazwischen.
Deshalb hätten bei Maskentragen und auch der Art der Schulöffnungen unbedingt detaillierte Vorschriften bindend vorgegeben werden müssen. Liegt es an der Mentalität? Viele SchweizerInnen sehen ihre oft "berglerische Verschlossenheit und fast tribalistische Abwehr des Fremden" immer noch als positive "individualistische Besonderheit und Freiheitsverteidigung". Da wird mit dem Föderalismus etwas getriggert, das nun sicher nicht hilfreich gegen eine Pandemie sein kann... quasi ein "Schweizer Sonderweg" in den Abgrund

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Kurt Steuble
thinkabout.ch
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Tja, von mir werden Sie nicht komisch angeschaut, aber ich folge Ihrem Beispiel dennoch nicht. Als Asthmatiker ist für mich das Tragen der Maske nämlich problematisch und ich zupfe dann erst recht immer mal wieder an ihr rum. Zudem denke ich an die vielen Keime, die ich ausatme und dann gleich wieder von der Maske einatme. Ich kann also davon ausgehen, dass mich die Maske mehr gefährdet als dass sie mir nützt. Ich halte die Abstandregeln ein und die Hygienegrundsätze, auch betreffend Niesen, und ich verhalte mich gegenüber Corona genau so wie gegenüber Grippegefahr: Fühle ich mich selber nicht wohl, bleibe ich zuhause, und hustende Leute meide ich vielleicht unbewusst mehr als früher - aber ich will persönlich meine eigene Kirche in meinem Dorf lassen und weigere mich auch als "Risikoperson" konsequent, mich verrückt machen zu lassen.
Und das war vor vier Wochen nicht anders.

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Wieder einmal grossen Dank für einen grossartigen Artikel. Ich bin froh, bei der Republik immer wieder vernünftige Texte zu lesen. Sorry, ich kann trotzdem noch etwas beifügen:

Zunächst: ich denke, dass man den Erfolg der verschiedenen Länder schon einigermassen vergleichen kann. Abgesehen von den Katastrophenländern Italien etc., welche überrascht wurden, hat die meisten Coronatoten pro 100'000 Einwohner das Vereinigte Königreich, dessen Johnson es besser wissen wollte (47.5 Coronatote auf 100'000 Einwohner). Rang 2 hat Schweden inne mit 31.5 Coronatoten pro 100'000 Einwohnern. UK liegt im Zentrum von Europa (ja, ja, ich weiss) und ist eine internationale Drehscheibe. Schweden liegt am Rand, hat keine Drehscheibenfunktion und einen grossen Teil der Bevölkerung über riesige Distanzen verteilt. Schweden müsste also viel besser dastehen, doch auch dort funktionierte die Eindämmung nicht. Rang 3 haben die USA mit 24 Coronatoten auf 100'000. Weil dort die (erste) Corona-Welle noch nicht so weit ist wie bei uns und Trump Chaos stiftet und Schuldige sucht, werden die USA im Finish wohl an die Spitze vorrücken, denn Johnson hat es unterdessen begriffen und auch die Schweden merken, dass ihre Bullerbü-Romantik nicht mehr so ganz zu Zeit und Leuten passt.

Typisch für die Schweiz ist, dass hier die Zahlen ihr eigenes Leben führen. Unsere Zahlen weichen (wenigstens heute Nachmittag) erheblich von jenen von Johns Hopkins ab. Nach Google-Zahlen hat die Schweiz mehr als 17 Coronatote auf 100'000 Einwohner, nach Johns Hopkins sind es sogar mehr als 21. Darauf können wir nicht stolz sein, vor allem nicht wenn man mit Deutschland vergleicht (gut 9) oder mit Österreich (gut 7). Aber bei uns ist ja auch sonst alles anders: In der letzten Pandemie waren Schutzmasken günstig (in der Migros Fr. 4.90 für 50 Stück) und sinnvoll. Dieses Mal wurden sie beim Ausbruch der Pandemie in grossen Mengen ins Ausland verkauft, sind jetzt schweineteuer und werden als sowieso sinnlos hingestellt (das kennt man doch: unerreichbare Trauben sind saure Trauben). Ich bin froh, dass wir immer noch BAG-zertifizierte Pandemiemasken besitzen.

Ja, Schweden rechnet trotz seines Bullerbü-Lockdowns mit eine Wirtschaftskrise - gleich wie der Rest der Welt auch. Warum also über Sicherheitsmassnahmen streiten, wenn die Vorgehensweise nach dem Gusto von Frau Martullo-Blocher zwar mehr Tote bringt, aber nichts für die Wirtschaft? Ich sehe nur einen Gewinn aus dieser Diskussion: es zeigt sich, wie dünn die zivilisatorische Lackschicht ist: wie leicht solche Leute den Tod fremder Menschen in Kauf nehmen. Und das nur für ein Prinzip und nicht gestützt auf eine durchgerechnete Kette von adäquaten Kausalzusammenhängen. (Das wäre übrigens das Kriterium und nicht die summarischen Andeutungen wie in Seiten der abgedrifteten Tante von der Falkenstrasse.)

Aber was für eine Wirtschaftskrise haben wir denn? Schlimmer als nach dem Ölschock? Sicher nicht, denn damals brach eine Grundlage der Wirtschaft weg. Dieses Mal ging einfach der Strom aus. Alles steht still, der Schaden ist enorm. Ja, aber wir alle wissen, bald wird der Strom wieder eingeschaltet und geht es ans Aufräumen. Vieles wird beschädigt sein, aber im Prinzip kann man alles reparieren und zum Laufen bringen. Das ist auch einer der Gründe, weshalb die Börsen wieder Fuss gefasst haben.

Eine zweite Corona-Welle ist an sich so sicher wie vor hundert Jahren bei der Spanischen Grippe. Aber vielleicht haben wir Glück und schon bald Medikamente, welche das Problem für uns faktisch aus der Welt schaffen: die Welle wird gebrochen oder sogar ganz verhindert.

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Man hört nichts über Belgien und Holland, viel über Schweden. Wie ordnen Sie das ein?

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A. O.
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Guten Tag, ich kann nicht die ganze Welt erklären. Immerhin glaube ich mich zu erinnern, dass die Niederlande zu Beginn Mühe hatten, Massnahmen zur Eindämmung von Corona zu ergreifen. Und Belgien dürfte darunter leiden, dass das EU-Zentrum in Brüssel ist mit reger Reisetätigkeit von und nach Brüssel. Dänemark, das resolut handelte, hat nur gut 9 Coronatote auf 100'000 Einwohner.

Aber eigentlich geht es doch darum, dass man schon seit Jahrhunderten weiss, dass eine Pest nur mit massiver Beschränkung von Kontakten und Reisen eingedämmt werden kann. Und weil diese Beschränkungen die Leute nerven - mich auch -, erfinden sie je nach eigener Konstitution immer neue Geschichten, die den Frust mindern sollen. Ich glaube, man nennt das kognitive Dissonanz-Reduktion (hochinteressanter Begriff). Die besten der Schnapsideen:
-- Corona ist eine Psychose;
-- wir stehen über der Wissenschaft;
-- Bill Gates will die Welt zwangsimpfen und den Leuten dabei Chips einsetzen;
-- Wir haben das Virus erschossen;
-- Fauci heisst in Wirklichkeit Fau-Chi und ist ein chinesischer Agent, der unserem Präsidenten Corona ins Hirn gepflanzt hat.

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Belgien hat etwa das Zweieinhalbfache, Holland etwa gleichviel Coronatote pro 100 000 Einwohner, verglichen mit Schweden.

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M. R.
Ratsmitglied Project R Genossenschaft
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Es ist interessant zu sehen, dass immer weitere Vergleichwerte zur Relativierung gesucht werden. Nachdem Schweiz/Schweden durch Schweden/Skandinavien nicht mehr so gut taugt, versucht man es mit Schweden/Belgien & Niederlande. Eine etwas zynische Ehrenrettung à la: «Schweden ist zwar nicht besser als die Schweiz, aber immer noch besser als Belgien und die Niederlande!» (CH > SE > BE/NL). Nun gut.

Doch um einigermassen eine statistisch Vergleichbarkeit zu erhalten, muss man u. a. auch die Populationsdichte (und den Urbanisierungsgrad) berücksichtigen, da diese die Transmission und damit den Verlauf der Pandemie wesentlich beeinflusst. Schliesslich müssen auch die jeweiligen policies berücksichtigt werden.

Populationsdichte (P/km2)

  • Schweden: ca. 25

  • Belgien: ca. 380

  • Niederlande: ca. 500

Doch über die Hälfte der Todesfälle in Schweden sind in der metropolitanen Provinz Stockholm zu verzeichnen. Deren Populationsdichte (P/km2) beträgt

  • Provinz Stockholm: ca. 360

Schauen wir uns noch die Covid-19-Todesfälle pro 1 Mio. an:

  • Schweden: ca. 319

  • Belgien: ca. 747

  • Niederlande: ca. 317

  • Provinz Stockholm: ca. 640

Die Provinz Stockholm käme somit gleich nach Belgien. Danach Spanien (569), Italien (505), UK (469) und Frankreich (404).

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Gemäss https://www.euromomo.eu/graphs-and-maps ist es bei beiden grob das doppelte wie bei Schweden. Allerdings beziehen sich die Zahlen auf eine komplizierte statistische Einheit, die "Z-score", die ich nicht ganz verstehe.

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Anonym
Verlegerin
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Lieber Herr Stauffacher
Wahrscheinlich hätte ich das betonen müssen, dass ich selbstverständlich auch für Solidarität mit denjenigen bin, die finanziell hart getroffen wurden. Auch wenn anstelle von Demonstrationen im Moment andere Mittel, um auf Missstände und Notsituationen hinzuweisen, sicher besser und auch möglich wären. Vielleicht kommen die Demonstranten auf andere Weise noch zu Wort. Weshalb diese Solidarität aber nur für diese Gruppen gelten soll, kann ich nicht nachvollziehen.

Sie schreiben:"Während Angehörige 'systemrelevanter' Berufe medienwirksam für mehr Lohn weibeln, gibt es Menschen die Probleme haben, die um einiges grösser sind. Für diese muss es wohl ein Hohn sein, wenn jemand sich beschwehrt, dass er etwas mehr arbeiten muss, wenn man selbst Existenzängste hat."

Wirkliche Solidarität bezieht alle Menschen mit ein. Nicht nur diejenigen, die die eigenen Argumente unterstützen.
Ihre Aussage hat auf mich gewirkt, als hätten Sie mir direkt ins Gesicht gespuckt. Entweder haben Sie keine Ahnung, wie physisch, psychisch ( Verantwortung) und sozial belastend diese Berufe sind. Oder es interessiert Sie erst dann, wenn Sie selbst vom Pflegenotstand betroffen sind.

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Ich hoffe zuallererst einmal, dass Ihnen ihre Arbeit auch Freude macht und sie deshalb in diesem Beruf arbeiten. Inwiefern ich ihre Arbeit beurteile oder Ahnung davon habe, ist zum Glück nicht wirklich relevant. Ich schätze grundsätzlich die Arbeit von Leuten in der Pflege genau so wie die von Angehörigen anderer Arbeitsgattungen.
Sollte ich da einen Unterschied machen? Sie können auch gerne eine Liste erstellen und sagen welche Berufsgruppen aus Ihrer Sicht Mehr- oder Minderwertig sind oder wessen Verbleib nicht grosse Wellen werfen würde. Ich werde mir gerne Gedanken dazu machen.
Solidarität würde in dieser Zeit aus meiner Sicht bedeuten, dass alle auf etwas verzichten. Also die Leute in Kurzarbeit auf 20% Lohn, die Vermieter auf einen Teil der Mieten. Die welche ganz normal weiter arbeiten sollen etwas mehr arbeiten und höhere Steuern zahlen, die Superreichen spenden auch ein paar Fränkli. etc. etc.
Wir haben jetzt in einem 'grossartigen' Akt der Solidarität beschlossen die Menschen vor Corona zu schützen. Die Konsequenz daraus will anscheinend niemand tragen, das könnte noch interessant werden. Wahrscheinlich kommt das auch noch auf den Pendenzenhaufen der nächsten Generationen.

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Anonym
Verlegerin
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Liebe Frau Krüger, ich schlage vor, dass Sie etwas weniger Zeit darauf verwenden, sich Ihre Finger wund zu tippen und sich dafür etwas mehr Zeit nehmen, um genauer zu lesen. Ich habe darauf hingewiesen, dass diese Kriese vorbestehende Mängel, wie etwa kaputt gesparte Gesundheitswesen, aufzeigt. Und ich schiebe auch nirgends Verantwortung auf Afghanistan ab. Ich habe nur Ihr eigenes Beispiel eingebaut. Mir geht es nicht darum, ein System zu verteidigen, sondern um Solidarität, nicht nur mit dem Pflegepersonal, sondern mit allen Menschen. Bestimmt beurteilen ich die wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Covid 19 Virus anders als Sie. Aber ich habe deshalb weder eine rosa Brille auf, noch bin ich für Ausgrenzung. Ich wünsche mir, dass sich die Solidarität ausbreitet, nicht das Virus.

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Anonym
Verlegerin
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Liebe Frau Krüger, ich schlage vor, dass Sie etwas weniger Zeit darauf verwenden, sich Ihre Finger sind zu tippen und sich dafür etwas mehr Zeit nehmen, um genauer zu lesen. Ich habe darauf hingewiesen, dass diese Kriese vorbestehende Mängel, wie etwa kaputt gesparte Gesundheitswesen, aufzeigt. Und ich schiebe auch nirgends Verantwortung auf Afghanistan ab. Ich habe nur Ihr eigenes Beispiel eingebaut. Mir geht es nicht darum, ein System zu verteidigen, sondern um Solidarität, nicht nur mit dem Pflegepersonal, sondern mit allen Menschen. Bestimmt beurteilen ich die wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Covid 19 Virus anders als Sie. Aber ich habe deshalb weder eine rosa Brille auf, noch bin ich für Ausgrenzung. Ich wünsche mir, dass sich die Solidarität ausbreitet, nicht das Virus.

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Der Hinweis auf die Überlastung der medizinischen Kapazität verstehe ich insofern nicht, als dass es nicht möglich scheint die Notenpresse für deren Ausbau rattern zu lassen... Die widersprüchlichen teils unverständlichen Informationen beflügeln die Unsicherheit... An diesem sonnigen Sonntag werden z. B. vom Militär in Thun sonst zugängliche Gebiete für Familien gesperrt mit der Begründung es bestehe erhöhter Ausbildunsbedarf (am Sonntag?)... Ich kann manches nicht mehr ernst nehmen... Was ich sehe: es sind Hardliner die Präsenz markieren und die Freiheiten mit unsinnigen Argumenten einzuschränken versuchen... über lasst diesen nicht die "Welt"!

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Urs Alter
Organisationsberater
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Die Diskussion zeigt, wie Binswanger feststellt: Es geht um eine Wertedebatte. Und davor fürchten sich eigentlich alle zu recht, denn bei dieser Debatte gibt es keine Verständigung, nicht richtig und falsch sondern nur 'Ich liege richtig und Du liegst falsch‘. Das "ideologische Pathos der Härte“ wird hier auf beiden Seiten einen guten Nährboden finden. In demokratischen Gesellschaften wurde dieser Kampf um Werte dadurch erträglich gemacht, indem verschiedene Werte nebeneinander Platz fanden, genügend Ressourcen für einen Interessensausgleich zur Verfügung standen und so Grundwerte immer wieder eingefordert werden konnten. Heute stellt sich die Situation anders dar: Der Corona-Virus bedroht die schwächsten und für die Wirtschaft unnützendsten Gesellschaftsmitglieder (die Alten und Kranken), und in einer Kosten-Nutzen-Rechnung, die man jetzt der Wertedebatte zugrunde legt, scheint es zu wenig Ressourcen zu haben, um einander offenbar widersprechende Grundwert weiterhin zu leben.

Nicht zufällig sind die Corona-Skeptiker oft identisch mit den Klima-Skeptikern: Auch hier stellt sich die Situation anders als früher dar: Die menschengemachte Klimaveränderung bedroht bedroht all das, was wir mit Grundwerten wie Wohlstand und Freiheit verbinden. Und in einer auf Effizienz, Konsum und Wirtschaftlichkeit ausgerichteten Gesellschaft ist fraglich geworden, ob solche Grundwerte mit unseren herkömmlichen Herangehensweisen, Ressourcen und den erhofften neuen Technologien bestehen bleiben. Auch hier tut sich ein weites Feld auf für einen Kampf.

Wie kommt man weg von einem Kampf, der mit dem "ideologischen Pathos der Härte“ geführt wird?

  1. Akzeptieren wir doch, was ist: Wir haben es mit einer ansteckenden und für viele Menschen gefährlichen Seuche zu tun und wissen, welche Auswirkungen sie haben kann und wie man sie eindämmmen kann.

  2. Akzeptieren wir doch, was wir nicht wissen: Wir leben im Ungewissen, was die Entwicklung der Seuche und der Wirtschaft betrifft.

  3. Vertrauen wir doch auf den gestaltenden Prozess in uns: Dazu gehören Mitgefühl, Stärke durch Zusammenarbeit und die damit verbundene Kreativität.

Wir brauchen keine Ideologien, um diese Krise zu meistern, denn diese verhindern Kreativität, wissen zum vornherein, was trotzt Ungewissheit richtig und falsch ist, und grenzen alle aus, die nicht in ihr Denkschema passen. Mit Ideologien zementieren wir die Welt, wie sie war oder wie sie sein sollte. Doch wir erfassen damit nicht die Welt, wie sie gerade jetzt ist, nämlich sehr verletzlich. Wir müssen lernen, geduldig zu sein und einander zuzuhören, miteinander im Gespräch über Lösungsmöglichkeiten zu bleiben, neue Lebensentwürfe zu denken, andere Grundwerte zu diskutieren und Verlustängste auszusprechen - und nicht sofort immer entscheiden wollen. Denn wenn eines in all der Ungewissheit doch gewiss ist: Die Welt wird nicht mehr so sein, wie sie einmal war. Doch wir haben die Möglichkeit, uns eine bessere auszudenken und zu schaffen. Das braucht Zeit.

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M. S.
Leserin
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· editiert

Wow - wollen Sie nicht in die Politik?:) Vielen Dank für diese Worte - sehr konstruktiv, sehr inspirierend.

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Frau S. Studieren sie die Sterblichkeitsstatistiken des BAG über die letzten 5 Jahre, inklusive Alter beim Tode, dann können Sie Ihre Frage selbst beantworten.

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Darf ich daraus schliessen, dass Sie Ihre eigene Aussage "täglich sterben sowieso so und soviele Menschen" nicht näher erläutern wollen? Ich hatte Sie nur gefragt, was Sie uns damit sagen wollen? Ob das ausdrücken soll, dass es dann auf zusätzliche Covid19-Tote auch nicht mehr ankommen? Diese Frage kann ich mir nie selbst beantworten - die Sterblichkeitsstatistik hilft da nicht weiter, denn es geht ja um eine spezielle Aussage eines bestimmten Diskussionsteilnehmers. Oder lautet die Antwort eben tatsächlich: "Da komt' auf die zusätzlich Verstorbenen nicht an"?

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H. R.
Verleger
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Bin gerade etwas verlegen. Kann mir irgenwer etwas mehr über Köhnlein und seine sagenhafte Viren-Analysen sagen?
Vielleicht ein Link zu einer Site, welche sich kritisch mit seinen Thesen aueinandersetzt? Ich werde im Moment von gutmeinenden und gutgläubigen, glutäugig von mir sonst lieben Menschen auf den Herrn aufmerksam gemacht. Merci!

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Christof Moser
Chefredaktion
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Danke für die Frage, Herr R. Dr. med. Claus Köhnlein ist Internist. Reicht das? Sonst helfen die Faktenchecker von Mimikama zuverlässig beim Enttarnen von kursierendem Bullshit.

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F. S.
Anderer
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· editiert

Das Coronavirus sehe ich ganz klar. Vier Wochen war ich krank. Mein Körper war mehrere Mal wie ein gewrungener Putzlappen vom Zehen zur Haarspitze. Ich wünsche niemandem diese Krankheit so durchzumachen. Nach zehn Wochen bin ich immer noch beeinträchtigt. Zwischen dem Spital und leichten Symptomen von zwei Wochen gibt es noch viele Varianten. Ich habe Respekt vor der zweiten Welle. Sie wäre noch schlimmer (auch wirtschaftlich). Weil ein paar „Stars“ Demos organisierten oder andere „Stars“ nicht warten konnten, hätten meine disziplinierten Quartier Kolleginnen wieder weniger Möglichkeiten.

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Lieber Herr S., vielen Dank für dieses interessante Zeugnis. Und gute weitere Genesung! Mit herzlichen Grüssen, DB

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Alle wissen, dass es im Alltag ängstliche und weniger ängstliche Charaktere gibt und dass die unterschiedlichen Haltungen oft nicht auf rationalen Überlegungen beruhen.

Wenn ich mir die Beiträge hier anschaue, sind die ängstlichen Charaktere in der Überzahl. Diese betonen zwar oft, dass sich ihre Haltung und Meinung nach wissenschaftlichen Erkenntnissen richte. Sie kommen dann aber zum Schluss, dass man nur sehr wenig wisse und daher vorsichtig bleiben und mit dem schlimmsten rechnen müsse. Im weiteren werden dann neue Erkenntnisse ignoriert und auch gar nicht nach solchen gesucht. Die Ängste werden noch verstärkt durch die Tatsache, dass die Verlautbarungen des Bundes und der meisten Wissenschaftler immer eher negative Aspekte betonen und oft ominöse Warnungen
enthalten, offensichtlich aus "pädagogischen Gründen". Als Grund für gefürchtete Entwicklungen werden dann profitgierige Wirtschaftsmächte (die es sicher gibt, greift aber zu kurz) ins Spiel gebracht. Positive Daten werden selten erwähnt. Ich glaube, niemand hat hier in diesem Zusammenhang die positive Entwicklung der täglich gemeldet Fallzahlen (gemässBAG, meint die Anzahl neu infizierter Personen) erwähnt, von über 1000 bis jetzt etwa 50 (von über 15 % zu jetzt 1.5 % positive Fälle), bei etwa gleich bleibender Anzahl Tests.

Ich habe begonnen, mich näher mit den Zahlen des BAG zu befassen, weil ich Zweifel hatte, dass nach wissenschaftlichen Kriterien und mit der nötigen Professionalität gearbeitet werde. Dazu kam fehlende Transparenz. Ironischerweise ausgerechnet jetzt, nachdem sich einiges verbessert hat, finden viele, dass der Bund nicht mehr nach wissenschaftlichen Kriterien handle.

Interessant das Interview mit BR Berset heute bei Tages-Anzeiger. Er war am 25.Feb. in Rom. Da war es den Verantwortlichen offenbar schon klar, dass die Lage in Italien ausser Kontrolle war. Danach kam dann das Problem: wie sag ich es meinem Volk. Berset glaubt nicht an eine 2. Welle. Wer sich mit den Daten befasst, hat sich wahrscheinlich schon länger gefragt, woher diese kommen solle.

Um die Krise zu meistern, braucht es eine gegenüber allem offene Haltung.

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Lieber Herr K., aufgrund welcher Zahlen kommen Sie zum Schluss, dass eine zweite Welle nicht kommen wird? Herzlich, DB

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Lieber Daniel Binswanger, es gibt einiges. Die Fallzahlen sind schneller als erwartet gesunken. die R-Zahl war zumindest schon fast auf 1 gefallen, bevor die Läden und Restaurants geschlossen wurden. Wir haben ab Montag noch immer noch weniger Aktivitäten als vor dem Soft Lockdown. Ich nehme auch an, dass es weder beim Verkaufspersonal in den Lebensmittelläden noch bei den Bauarbeitern Probleme gab, sonst hätten wir etwas davon gehört. Gerade bei letzteren ist klar, dass der Sicherheitsabstand nicht immer eingehalten werden kann. Die 2 m sind aber ein theoretischer Wert, anderswo gilt 1 m, welcher immer noch sehr viel Sicherheitsspielraum beinhalten dürfte. Die Überwachung der Vorgänge ist viel besser als bei Beginn der Pandemie. Wenn das Verhalten der Bevölkerung als Auslöser für eine 2. Welle befürchtet wird, dann muss ich sagen, dass dieses bis jetzt erfreulich verantwortungsvoll war. In Österreich haben die ersten Lockerungsmassnahmen keinen negativen Effekt gezeigt. Eine dort durchgeführte 2. Querschnittstudie ergab 1 positiven Fall auf über 1500 Tests. Und, hoffe ich zumindest, BR Berset kann bei seinen Beurteilungen wohl auf deutlich mehr Expertenwissen und Daten zurückgreifen als wir Normalbürger.

Schliesslich die Gegenfrage. Aufgrund welcher Zahlen kommen Sie zum Schluss, dass eine 2. Welle jetzt kommen wird?

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(durch User zurückgezogen)

Alle wissen, dass es im Alltag ängstliche und weniger ängstliche Charaktere gibt und dass die unterschiedlichen Haltungen oft nicht auf rationalen Überlegungen beruhen.

Ich würde eher sagen: die einen haben mehr Angst vor Todesfällen, die anderen haben mehr Angst vor Schäden an der Wirtschaft. Angst haben beide.

Wer viel wirtschaftlichen Besitz hat, und wenig ältere Familienmitglieder, der gehört eher zu den Zweiten, wer wenig Besitz hat, einen sicheren Job beim Bund, und viele alte Familienmitglieder, gehört eher zu den ersteren. Das ist soweit alles sehr rational. Es gibt keinen Grund jemandem Irrationalität vorzuwerfen. Das wäre irrational.

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Man kann aber offensiv oder defensiv agieren, oder optimistisch oder pessimistisch.

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(durch User zurückgezogen)

Um die Krise zu meistern, braucht es eine gegenüber allem offene Haltung.

Auch gegenüber einer zweiten Welle?

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Sie versuchen mich misszuverstehen. Damit bestätigen sie, was ich im Text ausgesagt habe. Ich bin nicht bösartig.

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@E. K. "glaubt" ja nicht an eine zweite Welle - da kann er dann gut eine "offene Haltung" haben. Dabei geht es ja nicht um"glauben", sondern darum, die Möglichkeit einer zweiten welle (die es bei praktisch jeder Epidemie/Pandemie bisher gab) im Blick zu behalten, und eben durch anhaltende Vorsichtsmassnahmen dafür zu sorgen, dass diese 2. Welle möglichst gnädig vorübergeht. Woraus dann die Leute mit der offenen Haltung schliessen werden, es habe ja gar keine 2. Welle gegeben udn sie hätten's schon immer gewusst. Es gibt ja inzwischen auch Leute, die schon bestreiten, dass es eine erste Welle gab/gibt.

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Caspar Humm
Rechtsanwalt. Vater. Bürger. etc.
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Danke für die treffende Analyse!

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Zur Erinnerung: In der Schweiz sterben täglich (Zahlen BAG 2017) ca. 170 Menschen, resp. 1200 pro Woche, übers ganze Jahr gemittelt, zu Grippezeiten ca. 25%mehr.

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Herr Reichel, so gesehen brauchen wir keine Spitäler, weil am Ende sterben eh 100% der Bevölkerung. D.h. ohne Spitäler hätte man nur kurzfristig eine Zunahme der Todesraten.

Auch Mord und Totschlag müsste man nicht mehr verfolgen.
Und Sichehrheitsgurte und Helme kann man sich auch einsparen.
All das Zeugs hat nämlich keinen langfristigen Einfluss auf Todesraten.

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Und was soll uns das sagen? Dass es egal ist, wenn da noch wöchentlich etwa 150 Covid19-Opfer dazu kommen?

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Wir erleben momentan ein Parade Beispiel in der Wirtschaftsschizophrenie. Vor einigen Monaten wurde eine Aktion lanciert um das Volk für Organspende zu sensibilisieren damit Patienten mit Organversagen geholfen werden konnten. Man will auch das Transplantationsgesetz dementsprechend ändern.
....... Und jetzt Nimmt man in Kauf, dass Herz-, Leber- und Nierenkranke mit oder ohne Transplantation von einem Tag auf den andern sterben könnten.
Leider höre ich auch hier in den Kommentaren viele, die versteckt mitteilen wollen:
Und so what.... Sie sind sowieso krank.... Und selbstverantwortung gilt auch für sie.

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So Schizophren ist die Haltung auch wieder nicht. Organspende kostet nichts. Covid-Massnahmen sind sehr teuer.
Alles ist immer eine Frage des Preises.

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Bin mit Ihnen wahrscheinlich auch einverstanden. Habe aber die Schizophre Haltung auf die Einstellung zum Wert des Lebens, bezogen, einmal schutzen und plötzlich eigenverantwortung.

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"Die Wirtschaft muss laufen (ergänze: wir müssen möglichst hohe Gewinne einstreichen) - und ihr müsst möglichst viel arbeiten und konsumieren, egal wie viele Leute dabei draufgehen" - diese Position gibt es. Allerdings nicht erst in der Corona-Krise. Es ist die Haltung, die allermeisten Bürgerlichen seit jeher an den Tag legen, sehr gut sichtbar auch in der Klimakrise. Wie menschenverachtend diese Haltung ist, zeigt sich in der Coronakrise nun besonders deutlich.

Und leider scheint sich diese Politik in der Schweiz nun auch durchzusetzen. Dass dies menschenverachtend ist und einem Angst machen muss, hat Daniel Binswanger sehr gut herausgearbeitet.

Schweden taugt aber nicht als Beispiel und Vorbild für eine solche Politik, schon nur, weil die wirtschaftlichen Einbrüche in Schweden mindestens ebenso hoch sind wie bei uns. (Das sagt Binswanger ja selber auch).

Wenn Schweden interessant ist, dann aus einem anderen Grund: Schweden fährt epidemiologisch eine andere Strategie als z.B. die Schweiz. Während in der Schweiz eine möglichst weitgehende Eindämmung der Infektionszahlen das Ziel ist, bildet in Schweden die Kapazität des Gesundheitssystems die Zielgrösse für die Anzahl Neuinfektionen.

In konkreten Zahlen: Zielgrösse Schweiz: unter 100 Fälle pro Tag. Zielgrösse Schweden: unter ca. 1000 Fälle pro Tag.

Diese andere strategische Grundentscheidung erlaubt es Schweden, mit weit weniger restriktiven Massnahmen auszukommen als der Rest Europas. Und zwar sind die Massnahmen in erster Linie weniger restriktiv, was die Einschränkungen der persönlichen Freiheit betrifft (d.h. die Einschränkungen, die jedeR Einzelne auf sich nehmen muss, sind deutlich milder). Was die Eingriffe in die Wirtschaft betrifft, ist Schweden mit der Schweiz in etwa gleichauf.

Bemerkenswert ist, dass die Strategie Schwedens bis jetzt funktioniert hat: Weder ist das Gesundheitssystem zusammengebrochen, noch sind die Fall- und die Opferzahlen in unerträgliche Höhen geschnellt.

Welche Strategie die bessere ist (wie immer man "besser" definieren will), lässt sich jetzt noch nicht entscheiden. "Abgerechnet wird am Schluss".

Was die nun eingeschlagene CH-Strategie angeht, habe ich starke Zweifel, ob sie aufgehen wird. Was bei uns jetzt versucht wird, ist eigentlich dies: weitgehende wirtschaftliche Lockerungen bei gleichzeitig tiefen Fallzahlen. Das kann - befürchte ich - nur dann funktionieren, wenn gleichzeitig der/die Einzelne erhebliche Einschränkungen der persönlichen Freiheit in Kauf nehmen muss: Striktes Contact Tracing, Quarantäne von Verdachtsfällen, Versammlungs- und Kontaktverbote. Es kann sein, dass aufgrund der Lockerungen die CH-Fallzahlen über die Grenze von 100 pro Tag steigen werden. Die Diskussion, was wir dann tun, steht uns noch bevor.

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Etwas entscheidend wurde vernachlässigt Sweden hat Dänemark und Norwegen als Nachbaren und nicht Italien und Frankreich.

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Und was soll uns das sagen? Basel hat auch das Elsass (starker Hotspot von Coronafällen) als Nachbarn und viele Grenzgänger aber keine signifikante Übersterblichkeit ganz im Gegensatz zum Tessin und der Genferseeregion. Leider sind die Dinge meistens nicht so monokausal wie viele es gerne hätten.

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D. T.
· editiert

Es geht doch immer nur um die selbe Alte Geschichte:

Man setzt 3 Personen in ein Zimmer:
Einen Arbeiter, einen Milliardär und einen Asylanten/Armen/Bedürftigen
Dann gibt man ihnen 100 Guetsli.
Was jetzt passiert scheint eine Konstante in der Geschichte des Menschen seit der Erfindung der Zivilisation zu sein.
Der Milliardär nimmt 99 davon mit der Rechtfertigung, dass er das Treffen überhaupt erst organisiert habe, gibt dem Arbeiter eines und sagt ihm dann so beiläufig: "Pass auf! Der Typ da sieht böse aus, ich glaube der will dir dein hart erarbeites Guetsli stehlen."

Ich habe gehofft die Menschen hätten in dieser Krise vielleicht ein wenig dazugelernt aber diese Veränderung scheint noch zu dauern...

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Finanzielle Besitztümer machen abhängig. Abhängigkeit löst Verlustängste aus..
Während der Bedürftige überleben will, der Arbeiter weiterkämpft und um seine Arbeit bangt, hat der Milliardär weitaus mehr zu verlieren.. er hat Angst.
Die Königin im Ameisenhaufen ist ein gutes Beispiel dafür.. schon mal eine lebend gesehen?

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D. T.
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Die Gründe sind mir klar, nur betrübt mich die Tatsache, dass wir es in 5000 Jahren Zivilisation noch immer nicht geschaft haben unser System daran anzupassen.

Stattdessen predigen unsere Bürgerlichen Politiker sogenannte Eigenverantwortung, also Egoismus, den Grund warum all unsere Probleme erst existieren. Ein Kampf allein bringt keine Sicherheit.

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Anonym
Verlegerin
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Liebe Frau Diana Krüger

Ich stimme Ihnen voll und ganz zu, dass man sich genau so umfassend für die Beendigung der Flüchtlingskrise und für den Klimaschutz einsetzen sollte. Die Covid 19 Kriesen lässt alle strukturellen Mängel der Länder, wie etwa kaputt gesparte Gesundheitswesen, Homophobie ( Georgien), Frauenhass ( Afghanistan) oder totales Chaos und Unfähigkeit ( USA), deutlich zutage treten. Aber das Gegenteil ist genau so der Fall. Gelebte Solidarität überall. Nicht nur mit Risikogruppen und älteren Menschen, sondern auch mit Ärztinnen und dem Pflegepersonal. Sie haben den Artikel in der Republik vielleicht auch gelesen über die 13 stündigen Schichten auf den Intensivstationen wegen dieser " normalen Grippewelle". Meiner Meinung nach hat sich die Schweiz, zumindestens bis Jetzt, recht gut verhalten. Nun Frage ich mich aber, wie sich wohl die Menschen der Risikogruppen fühlen, wenn darüber diskutiert wird, ob sich dieser ganze Aufwand für sie lohnt!? Werden sie eventuell andere Parteien wählen?
Sie schreiben: "In meinem Freundeskreis, den ich bisher immer für sehr gebildet und reflektiert gehalten habe, gibt es im Moment Menschen, die würden den rechten Arm heben, wenn Herr Drosten sagen würde, er wisse es zwar nicht genau, aber es könnte den Virus eventuell daran hindern, sich weiter auszubreiten." Mit dem rechten Arm heben spielen Sie wohl auf den Hitlergruss an?
Da muss ich mich wohl auch als Nazi betrachten, denn als Pflegefachfrau bin ich überzeugt davon, dass Herr Drosten, nach jahrzehntelanger Forschung, wesentlich mehr von Coronaviren versteht als Sie. Ich bin absolut für Demeter Produkte, Kräuter Tee und Selbstfindung, aber in einer Pandemie braucht es andere Massnahmen.

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...irgendwo weiter oben stand etwas davon, dass sich "die Entführten mit dem Entführer solidarisieren"...ist das bei Ihnen vielleicht der Fall? Wie können Sie als Pflegekraft einem zutiefst kranken System, das Sie nach Strich und Faden ausnimmt, Sie am allerwenigsten stärkt und mit einem "Danke" abspeisen will, Loyalität entgegenbringen? Wie schaffen Sie das? Und jetzt sagen Sie bitte nicht "Ich bin zufrieden mit dem, was ich habe". Dann sind Sie nämlich der beste Beweis dafür, dass das Prinzip Solidarität nicht funktioniert, da wo es am dringensten nötig ist. Ich erlebe Solidarität im Moment und grösstenteils unter Gleichgestellten, indem man sich mit einem Bier oder einem Ei aushilft, oder vielleicht noch die Einkaufstasche trägt. Solidarität bedeutet aber, dass der, der viel hat mit dem, der nichts hat, teilt. ABGEBEN. solidare: dicht machen, festmachen, ZUSAMMENFÜGEN. Davon erlebe ich leider wenig, und in der schönen, reichen Schweiz erlebe ich am allerwenigsten davon. Ich erlebe "Othering": Menschen werden als «Andere» konstruiert und von einem «Wir» unterschieden. Mit dieser Distanzierung geht einher, «das Andere» als «das Fremde» abzuurteilen und sie aus dem „Wir“ auszuschliessen. Solidarisch sind aus meiner Sicht immer die gleichen, die, die ihr Leben diesem Prinzip verschrieben haben, nach Menschenkräften bis zur immer wiederkehrenden Erschöpfung darin wirken, die Politik auffordern, endlich aktiv zu werden und wirkungsvolle Massnahmen umsetzen und doch immer wieder bei wohlhabenden Menschen um Spenden bitten, um wenigstens die nötigste Arbeit am Laufen halten zu können, da sich an den Ursachen nie etwas ändert. Dazu bräuchte es wohl eine "Frau Drosten", die den Mächtigen dieser Welt ins Ohr flüstert "Wenn sich das ausbreitet, stärkt das jeden einzelnen und das ist das wahre Prinzip von Sicherheit. Lasst es sich ausbreiten. Let it flow." Und schieben Sie das bitte nicht nach Afghanistan ab. Die Verantwortung liegt bei uns, in den reichen Ländern. Aus meiner Sicht als Expertin für Veränderungsprozesse haben wir keine Pandemie. Wir schauen einem radikalen Wandel ins Gesicht umgesetzt durch grosse Handlungsfreiheit des Top-Managements zur Sicherung ausschliesslich ökonomischer Ziele bei bewiesenermassen sehr geringer Veränderungsnotwendigkeit und unter einem manipulativen, irreführenden Titel. Und wir haben Menschen wie Sie, die dem Titel mehr glauben als dem Inhalt. Ich werfe Ihnen das nicht vor, bei Ihnen mag sich die Lage ja so präsentieren, weil Sie, Sie ganz persönlich, nah an Leben und Tod dran sind in ihren 12 Stunden-Diensten zu Niedriglohn mit gewinnorientierten Investitionsgesellschaften im Hintergrund. Und wer weiss, welche komplexe Verkettung von Ursachen diese unverhältnismässigen Massnahmen irgendwann erklären wird. Es ändert ja auch nichts: solange Menschen wie Sie ihre rosarote Brille nicht abnehmen und diesen Wahnsinn unterstützen sitzen Menschen wie ich sonntags morgens hier und tippen sich die Finger wund. Ich bin so sehr wütend. So ist es eben. Tun Sie mir einen Gefallen und hören Sie auf, mir von Solidarität zu erzählen.

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Ich muss da leider widersprechen. Dass die gelebte Solidarität überall ist, sehe ich überhaupt nicht. Gerade die Demos von gestern haben gezeigt, dass die Mehrheit der Leute hysterisch auf die Eindämmung von Corona starren und ganz viele Leute vergessen werden. Während Angehörige 'systemrelevanter' Berufe medienwirksam für mehr Lohn weibeln, gibt es Menschen die Probleme haben, die um einiges grösser sind. Für diese muss es wohl ein Hohn sein, wenn jemand sich beschwehrt, dass er etwas mehr arbeiten muss, wenn man selbst Existenzängste hat. Auch kein Klatschen das etwas Mut macht. Diesen Menschen wurde mit dem Demonstrationsverbot auch die letzte Chance genommen an die Öffentlichkeit zu treten und gehört zu werden. Keine Erklärung der Medien, was die Beweggründe dieser Menschen sind, was sie auf die Strasse getrieben hat.

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D. T.
· editiert

Ich verstehe diese ganze Diskussion nicht. Jeder dahergelaufene masst sich mit Verweis auf die sagenumwobene "Wirtschaft" an entscheiden zu wollen welche ansonsten verhinderbaren Opfer für "Die Wirtschaft" zu verkraften seien.
Ich sage es ist moralisch gesehen für mich im Moment sehr einfach: Keine!
Denn der Wirtschaft geht es nicht so schlecht weil 10000e Dienstleistungsjobs die keinen Mehrwert zur im Moment wichtigen Produktion von Gütern mittels Kapital, Wissen und Energie beitragen, nicht ausgeführt werden können, auch nicht wegen der Einbussen der Gastronomie, sondern weil wir keinen Mechanismus haben, der die Gelder so verteilt, dass zumindest mal jeder genug zum Leben hat und dafür wäre noch lange genug vorhanden.
Dann würden ein Grossteil der wirtschaftlichen Probleme einfach verschwinden, denn viel davon hat mit Unsicherheit und individuellen Schicksalen um die sich niemand kümmert zu tun und nicht mit den paar Arbeitsstunden, die verloren gehen und häufig nicht einmal Mehrwert generieren.

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Iwan Köppel
Kommunikationsberater
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· editiert

Ja, genau, es geht um Werte. Aber wer nur mit der Moral-Keule à la «in Schweden wird die Rezession genau so heftig sein» dreinschlägt, bleibt an der Oberfläche. Das ist ja nur das Resultat der Tatsache, dass die Verantwortlichen auf einem ganzen Kontinent (und mehr...) in ihrer Überforderung alle gleich einäugig handelten... Da wäre nun die Frage: Wie konnte es überhaupt so weit kommen? Dazu habe ich bis jetzt erst einen einigermassen überzeugenden Antwort-Versuch gefunden: https://www.zeit.de/2020/19/grundre…gesundheit (Den ganzen Artikel kann man nur mit Abo lesen - aber DAS wäre mal eine Einordnung, wie ich sie mir hier auch wünschen würde...).
PS: Im Übrigen ein GROSSES KOMPLIMENT und ein ebensolcher DANK an die Republik! Ihr und die NZZ seid die einzigen Schweizer Medien, die in dieser Corona-Krise überhaupt den Mut hatten und haben, auch kritische Fragen zu stellen und eine Einordnung zu versuchen!

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Es ist ein Abwägen zwischen den Grundrechten und der Gesundheit. Und genauso falsch zu sagen die Gesundheit kommt immer zuerst als zu sagen die Freiheiten kommen immer zuerst. Es ist eine Güterabwägung und ich finde die Einschränkung der Freiheit ist klar zu weit gegangen und das auch noch ohne irgendeine nennenswerte Diskussion. dass man die Grundrechte so schnell und so stark einschränken kann, ohne dass es nennenswerten Widerstand gab, finde ich schon bedenklich und zeigt, dass die Demokratie hier nicht sehr stark ist. Dass die Wirtschaft heute so vernetzt ist, dass es auch in Schweden starke Einbrüche geben wird, finde ich eigentlich so offensichtlich, dass ich über dieses Argument nur den Kopf schütteln konnte.

Während ich die NZZ als eine starke Quelle der Kritik erlebt habe, finde ich hat die Republik dies in keiner Weise gemacht. Für mich ist klar, dass ich nach Ablauf meines Abos dieses nicht mehr erneuern werde.

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Seien Sie ehrlich und sagen ohne wenn und aber: wie viele Tote sind sie bereit zu akzeptieren um das Prinzip von weiter so aufrecht zu erhalten.

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Das ist die falsche Frage. Sagen sie, wie weitgehende Einschränkungen der Grundrechte sie bereit sind in Kauf zu nehmen? Am besten wäre es wenn wir alle Leute in ihren Wohnungen einmauern, denn dann wäre der Virus besiegt - aber wir auch alle tot. Die Dinge sind nicht so einfach, wie sie es in ihren Beiträgen darstellen. Es gibt keine richtigen und falschen Antworten, die Welt ist leider etwas komplexer.

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Ich kenne in der ganzen Verwand- und Bekanntschaft eine Person, die zwei Wochen wegen Corona mit leichten Symptomen zuhause bleiben musste, aber im selben Kreis mehr als ein Dutzend Personen, die wegen den Maßnahmen nichts mehr verdienen, Handwerker, Künstlerinnen und Künstler. Mein Vater und seine Schwester, 95jährig, kerngesund, sind im Gefängnis des Altersheims, wie sie sagen, und ich befürchte, dass diese Monate der Isolation ihren Zustand so verschlechtert, dass sie die gewohnten Spaziergänge und Ausflüge nicht mehr machen können. Alte Menschen verlieren schon nach kurzer Zeit der körperlichen Einschränkung ihre Beweglichkeit.
Damit bin ich sicher nicht alleine und das Verhältnis zeigt doch deutlich, wo der Schuh mehr drückt.
Darum ist Ihre Polemik und sind ihre zynischen Seitenhiebe auf Kritiker der Massnahmen kein konstruktiver Beitrag. Eine Wertedebatte würde uns gut tun, denn dazu gehört auch eine Debatte über den Wert medialer Berichterstattung ohne Scheuklappen.

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Lieber Herr Leimbacher, ich danke für Ihre kritische Stellungnahme. Dass wir wenige Menschen in unserem Umfeld haben, die von der Krankheit betroffen sind, ist weitgehend auf die Lockdown-Massnahmen zurückzuführen. Ich glaube, also nicht das dieses Argument wirklich stichhaltig ist. Nun wird der Lockdown ja zurückgefahren, was auch richtig und notwendig ist. Aber können wir uns darauf einigen, dass das behutsam und klug umgesetzt werden sollte? So dass die Gefahr einer zweiten Welle minimiert wird? Weshalb Sie mir vorwerfen, ich argumentiere ich zynisch, ist für mich nicht nachvollziehbar. Die Meinungsmacher, die ich denunzieren, werden nicht müde zu betonen, man müsse in die Rechnung aufnehmen, dass nur alte Leute sterben. Es sind die Leute, die dem Tod Ihres Vaters wenig Gewicht bemessen. Aber in einer Hinsicht bin ich ganz bei Ihnen: Die Lage in den Altersheimen ist tatsächlich sehr schwierig, und wir müssen alles tun, um die Isolation und das Eingesperrt-Sein so weit als möglich zu beenden oder wenigstens zu mildern und aufzufangen. Aber ich vermute, dass auch Sie nicht dafür plädieren würden, Ihren Vater ungeschützt einem hohen Ansteckungsrisiko auszusetzen.
Mit herzlichen Grüssen, DB

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Lieber Herr Binswanger
Danke für Ihre Antwort. Ich schätze die eher zurückhaltende und sorgfältige Berichterstattung der "R", obwohl ich nicht mit allen Haltungen und Aussagen einig bin. Das muss aber auch nicht ein Ziel sein. Mein kurzer Einblick in den aktuellen medialen Tumult, speziell in Deutschland, sowie die unglaubliche Flut der Kommentare auf allen Plattformen ist erstaunlich, und es liegt mir nahe, den Schuh, den ich in den Sumpf gesetzt habe, gleich wieder zurückzuziehen.
Weiterhin wünsche ich Ihnen und der "R" viel Geduld und Mut zur Sorgfalt.

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Können sie die Behauptung, dass der Lockdown die Epidemie so stark eingedämmt hat irgendwie untermauern? Ich gestehe ihnen gerne zu, dass diese Massnahmen ihnen subjektiv ein Sicherheitsgefühl geben aber die Daten zeigen etwas anderes. Nach den Massnahmen vom 13. März vor den Schul- und Geschäftsschliessungen war die Ansteckungsrate schon nahe bei 1. Und nur weil der Bundesrat nicht den Mut hatte abzuwarten ob diese Massnahmen Erfolg haben, wurde 3 Tage später der Lockdown (light) verfügt. Und noch Mitte April hat Herr Salathe die grosse Welle Mitte Mai verkündet, die nie kam und jetzt reden alle von der zweiten Welle. Ich bin selbst Wissenschaftler aber offensichtlich sind die Modelle der Virologen nicht gut genug um das Geschehen vorherzusagen. Die Daten für eine seriöse Vorhersage sind einfach nicht vorhanden, weil man zum Beispiel nicht versteht welche Ausbreitungswege wirklich wichtig sind. Aber als Wissenschaftler muss man das ehrlich sagen und das haben die beiden einzigen präsenten Virologen in der Schweiz nie gemacht. Damit sind sie für mich nicht mehr glaubwürdig.
Hier geht es nicht mehr um rationales Abwägen sondern um irrationale Angst und Panik, die leider in fast allen Ländern von den Regierungen angefacht wurde. Die einzige Aussnahme ist Schweden und dort ist man auch nicht so schlecht gefahren auch wenn sie das in Abrede stellen. Die Todesfallzahlen sind höher als hier aber nicht extrem und die Fallzahlen gehen auch zurück. Wie es mit der Wirtschaft weitergeht ist im Moment schlecht abzuschätzen aber dass auch Schweden einen Wirtschaftseinbruch haben wird, ist nicht überraschend bei der starken Vernetzung der Wirtschaft. In der NZZ am Sonntag gibt es Daten für das BIP im ersten Quartal. In der Schweiz und Schweden war die Schätzung ca. +0.5, die tatsächlichen Werte sind Schweiz -1.7% und Schweden -0.3%. Welche Daten oder Schätzungen richtig sind, kann ich nicht so einfach beurteilen (ich bin kein Ökonome aber sie wahrscheinlich auch nicht) und wie die Daten für das 2. Quartal sein werden weiss auch niemand.
Ich hätte mir bei der Bekämpfung der Krise mehr Diskussion und Rationalität gewünscht. Eine wichtige Frage, die nie diskutiert wurde ist die Frage was man eigentlich erreichen will. Eine Überlastung der Krankenhäuser vermeiden? Den Virus ausrotten? Einfach Aktionismus zeigen um die Leute zu beruhigen? Dem ersten kann ich vorbehaltlos zustimmen aber da sind wir weit über das Ziel hinausgeschossen (siehe weiter oben, die Massnahmen vom 13. März wären ausreichend gewesen). Das zweite ist unmöglich in einer Welt in der ich leben möchte und das Dritte kommentiere ich lieber nicht. Schweden hat klar den ersten Weg gewählt und ich habe bisher noch nichts von einer Überlastung der Krankenhäuser dort gelesen. Ich will sicher nicht in Abrede stellen, dass dort auch Fehler gemacht wurden und man manches besser hätte machen können. Aber hier in der Schweiz hat man Aktionismus gezeigt ohne ein klares Ziel zu haben.

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Kurt Steuble
thinkabout.ch
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Lieber Herr Binswanger
Dass wir wenige Menschen kennen, die von der Krankheit betroffen sind, ist auf den Lockdown zurück zu führen? Das ist auch so ein Totschlagargument, dessen Richtigkeit genau so wenig wie die Falschheit zu belegen ist. Nicht wenige Fachleute argumentieren, dass der Lockdown erst dann verfügt wurde, als die Welle bereits abebbte.
Auch Sie reden von der zweiten Welle... die wird erst so bedrohlich beschrieben, seit es um die Rechtfertigung der Massnahmen geht und um einen Rückzug in die Normalität, mit der alle das Gesicht wahren. Was aktuell im Restaurationsbereich an Massnahmen verlangt wird, um geöffnet haben zu können, mag ja vorsichtig sein, aber es ist nicht praktikabel - kaum ein Restaurant kann so in der Gewinnzone arbeiten!
Es ist an der Zeit, dass die Vernunft einkehrt und wir unsere übertriebene, irrationale Angst vor dem Virus ablegen.

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Herr Leimbacher,
Spaziergänge waren in der CH ja immer erlaubt.
Es liegt also nicht an der Politik, dass diese nicht gemacht wurden.

Ganz ohne Massnahmen hätten wir um die 50'000 Toten. Dann würden auch Sie einige kennen.

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Kurt Steuble
thinkabout.ch
·

Liebe Frau Kehrli
Da sind Sie leider schlecht informiert. In den meisten Altersheimen wurden Spaziergänge gestrichen - die Menschen mussten auf ihren Zimmern oder in eng begrenzten Räumen bleiben. Und genau darauf bezieht sich Herr Leimbacher.
Dabei ist Bewegung für alte Menschen extrem wichtig - nicht nur für die Psyche.

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Nein, Spaziergänge sind für AltersheimbewohnerInnen eben nicht möglich!

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F. S.
· editiert

Jetzt, heute sind für die meisten von uns die Anti-Corona Massnahmen schlimmer als Corona. Ja. Und es ist absurd, aber das ist eigentlich gut; und es ist vergänglich.
Eine zweite Welle wartet auf uns. Und wenn wir so weitermachen mit dem Verfluchen der wirsamen Massnahmen, was wollen wir dann der zweiten Welle entgegensetzen?
Ich fürchte mich vor dem bösen Erwachen, wenn wirklich 60, 70 oder mehr Prozent der Schweizer erkranken können. Im Herbst vielleicht, zusammen mit der Grippe-Saison? Werden wir dann vernünftig? Eher nicht.
Werden wir dann anders über die mit Schweden verknüpften Werte denken? Vermutlich schon, wir werden dann ja alle jemanden kennen, der gestorben ist. Hat jemand Arbeitskollengen aus Frankreich oder Italien? Dort kennen die meisten jemanden persönlich, der gestorben oder übel krank geworden ist. Dort wurden wohl vielleicht 10 oder sogar 20% mehr infiziert als die 2-4% hier in der Schweiz. Aber auch dort könnte die zweite Welle schlimmer werden als die erste.
Ich denke, die "Wertedebatte" wird sich in den kommenden Monaten noch mehrmals signifikant ändert.

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Anstatt über die zweite Welle zu lamentieren die vielleicht kommt oder vielleicht wie die erste Welle ausbleiben wird, wäre es doch wichtig zu diskutieren und zu untersuchen warum unterschiedliche Länder so stark unterschiedlich betroffen waren. Das wäre ein rationales Vorgehen und nicht weiter Angst und Panik zu verbreiten. Sind es die unterschiedlichen sozialen Umgangsformen, sind es einzelne singuläre Grossereignisse, ist es die Ausstattung der Krankenhäuser, ist es die unterschiedliche Vorbelastung durch Vorerkrankungen, ist es die Altersstruktur oder alles zusammen. Das ist doch das einzige was uns weiterbringt und eine gezielte Bekämpfung der Ausbreitung erlaubt.

Und welche Wertedebatte hat denn stattgefunden? Es wurde nie über die Abwägung zwischen freiheitlichen Grundrechten und den Massnahmen der Seuchenbekämpfung diskutiert. Die Grundrechte wurden einfach ohne Diskussion und ohne Protest ausser Kraft gesetzt. Das finde ich persönlich viel gefährlicher und bedenklicher als die Epidemie selbst. Denn wer hindert denn die Politiker so etwas das nächste Mal wieder zu machen. Die nächste Grippewelle wäre doch ein guter Zeitpunkt dafür. Macht korrumpiert!

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A. C.
Märchentante*onkel
·
· editiert

Wäre es ein Experiment wert, Herrn Binswanger für einmal um eine Kolumne zu bitten, bei der er nur Fragezeichen, aber keine Ausrufezeichen benützen darf, als stilistische Herausforderung?

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Liebe Frau C., es fällt mir immer wieder auf, dass Sie nicht sehr aufmerksam lesen und ein desto stärkeres Bemühen an den Tag legen, exklamatorische Pointen zu setzen. Ich benutze sehr selten Anrufe-Zeichen, ein Stilmittel, das mir wenig behagt. Und ich benutzte sehr viele Fragezeichen. Herzlich, DB

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A. C.
Märchentante*onkel
·
· editiert

Lieber Herr Binswanger, diese Kritik an meinem Leseverhalten ist etwas gar resolut und hätte fast ein Ausrufezeichen verdient. Ich befürchte, dass Sie es gar nicht richtig beurteilen können, aber es stimmt schon, dass nicht alles Geschriebene auf fruchtbaren Boden fällt. Das mit den Ausrufezeichen meine ich folgendermassen: Ich bewundere Sie für Ihre Polemiken und finde sie äusserst lesenswert. Geradlinigkeit, Angriffslust, politische HaltunG. K.ommen mir als Begriffe in den Sinn. Aber gerade deshalb weil Sie dieses Instrument so gut beherrschen, würde es mich interessieren, wo Sie Zweifel an der eigenen Haltung hegen, wo Sie Dinge aus verschiedenen Perspektiven anschauen, wo Sie zweifeln. Das mit den Ausrufezeichen war bildlich gemeint. Mein Kommentar ist eine Anregung und eine Bitte, keine bösartige Kritik und hoffentlich auch keine exklamatorische Pointe, nur so eine kleine geflüsterte Anregung, mal in eine andere Richtung zu schweifen, und nur, wenn es Ihnen etwas Spass macht.

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"Wacht auf, Verdammte dieser Erde
Die stets man noch zum Hungern zwingt
Das Recht wie Glut im Kraterherde
Nun mit Macht zum Durchbruch dringt"

Gerade als Linker geniesse ich es sehr, dass die Panikmache von Leuten wie Herrn Binswanger mittlerweile nicht mehr verfängt. Er mag Menschen, die zum Umgang mit dem Virus eine andere Meinung haben, als Dummköpfe oder Rechtsextreme verunglimpfen - es ist Ausdruck eines Kleingeists, der sich nicht eingestehen kann, dass er wochenlang zu unrecht den Teufel an die Wand gemalt hat. Wir anderen werden ihm bestimmt nicht den Gefallen tun, den Erfolg durch einen leichtsinnigen Umgang mit der Situation zu gefährden. Heja Sverige.

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... dass er wochenlang zu unrecht den Teufel an die Wand gemalt hat.

Noch einer der meint weil die Massnahmen gewirkt haben, seien sie nicht notwendig gewesen.

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(von der Redaktion verborgen)

Guten Morgen. Wir diskutieren hier konkret über die Beiträge. Und löschen Verweise auf das Verschwörungsgeblubber à la Mikovitz - sie sind einer faktenbasierten, sachlichen Debatte nicht zuträglich.

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Ich nehme das zur Kenntnis und mahne an, die "Fakten" basierend auf Infektionszahlen und ungenauen Tests kritisch zu betrachten. Sie haben keine Aussagekraft, und schon gar nicht dienen sie dazu, die einschneidenen Massnahmen zu rechtfertigen.

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Wieder einmal ein von A-Z ausgezeichneter Kommentar! Ein Punkt wäre aber zu berichtigen: "...die Schuld trifft die verfehlte Quarantäne-Strategie von Italien, Frankreich, Spanien, Gross­britannien (also Staaten, die unter strikten Lockdown-Bedingungen bisher je zwischen gut 25’000 und 30’000 Tote zu beklagen haben)". Ich verfolge Grossbritannien ziemlich eng, und man kann mit Sicherheit sagen, dass die anfängliche Politik der Herdenimmunologie und zu lange Vermeidung eines Lockdowns zur desaströsesten Situation in Europa geführt hat. Zusammen mit unaussprechlich schlechten Arbeitsbedingungen in care homes, wo es sich die health workers schlich nicht leisten können, auch nur einen Tag von der Arbeit fern zu bleiben, Symptome hin oder her.

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Liebe Frau H., diese Präzisierung ist sicherlich richtig. Aber man stelle sich vor, wo Grossbritannien heute stehen würde, wenn es den (verspäteten) Lockdown nicht gegeben hätte - was Herr Eichenberger ja dringend zu empfehlen scheint. Herzlich, DB

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In dem Sinn stimmt es. Und selten in einer Government speech soviel geballte Fäuste gesehen wie soeben in Johnson's 15 min speech to the people...

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Antonia Bertschinger
Ratsmitglied Project R Genossenschaft
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· editiert

Ich habe an der besagten Sotomo-Studie teilgenommen und ebenfalls angekreuzt, dass ich mich nicht mehr so stark vor einer Ansteckung fürchte. Dies aber nicht, weil ich denke, dass die Gefahr vorbei ist - im Gegenteil. (Ich wünsche mir eine Verlängerung des Lockdowns und/oder mindestens eine Maskenpflicht für ÖV und Supermärkte.) Meine Überlegung war, dass wir jetzt gewarnt sind und wissen, wie wir uns schützen können, und dass wir zumindest im Moment wahrscheinlich weniger unwissentlich Angesteckte "im Umlauf" haben als Mitte März. Also Voraussetzungen, die es ermöglichen könnten, auch nach einer Lockerung des Lockdowns mit tiefen Ansteckungsraten weiterzuleben.

Aber vielleicht haben Sie recht und die meisten, die das angekreuzt haben, gehen davon aus, dass die Gefahr einfach verschwunden ist...

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Liebe Frau Bertschinger, vielen Dank für diesen Beitrag. Ich finde Ihr Argument absolut überzeugend: Dass die Angst vor Ansteckung sinkt und dass die Bedenken, das Medizinsystem könnte zusammenbrechen, weniger stark sind, ist vollkommen nachvollziehbar und auch nicht irrational. Aber das die Angst vor Ansteckung mittlerweile viel weniger gross ist, als die Angst vor übermässiger staatlicher Gängelung, und dass die Angst vor einer massiven zweiten Welle mittlerweile praktisch gegen Null geht, scheint mir ein klares Zeichen, dass die allgemeine Wahrnehmung der Situation völlig realitätsfremd wird. Herzlich, DB

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Antonia Bertschinger
Ratsmitglied Project R Genossenschaft
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Ja, da haben Sie recht - seit ich das gestern geschrieben habe, bin ich auch zum Schluss gekommen, dass die Angst vor einer zweiten Welle nicht gerade weit verbreitet ist. Ich bin nämlich gestern Abend mit der S-Bahn gefahren und habe gesehen, wie sich die Leute im ÖV verhalten... als wäre nix. Grauslich.

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