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Das sind wichtige Hinweise, die in vielen Fällen zu besseren Diskussionen führen und Menschen helfen, einen kritischen Umgang mit Quellen zu finden.
Versteckt liegt hier aber auch ein ideologisches Problem vor, das man vielleicht man etwas ausführlicher ausarbeiten könnte: Angenommen, alle Quellen wären konsequent geprüft – wären wir uns dann einig? Herrschte dann politischer Konsens, eine gute Diskussionskultur?
Meine Vermutung ist, dass Marina Weisband in einem tieferen Sinn Recht hat: Menschen wollen Quellen nicht prüfen, weil sie ohnehin eine andere Perspektive haben. Nehmen wir ein fast harmloses Beispiel wie einen Mindestlohn. Ich bin für hohe, staatlich festgelegte Mindestlöhne und bin überzeugt, dass es gute Studien gibt, die zeigen, dass sie volkswirtschaftlich positive Auswirkungen haben. Wer eine andere Ansicht vertritt, hat dieselbe Überzeugung. Das Problem ist nicht, dass wir Quellen nicht prüfen – sondern eine andere Sicht auf die Welt haben. Ein anderes Menschenbild, ein anderes Verhältnis zum Geld, zum Staat, zur Arbeit. Das hat nichts mit Quellen zu tun, denke ich.
Das heißt nicht, dass es sich nicht lohnt, Quellen kritisch zu prüfen. Mehr: Das ist nicht der Kern des Problems, denke ich.

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Lucia Herrmann
Community-Redaktorin
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Natürlich haben Sie recht: Quellenkritik alleine rettet keine Diskussionskultur.
Ist aber eine entscheidende Grundvoraussetzung dafür, dass ein konstruktives Gespräch überhaupt erst stattfinden kann. Erst wenn wir wissen, über welche Fakten wir sprechen (und wie diese zustande gekommen sind), dann können wir uns über deren Gewichtung, Interpretation, Bewertung unterhalten. Dass diese Bewertungen dann unterschiedlich ausfallen, je nachdem, was uns am Herzen liegt, was uns bewegt, sehe ich nicht als grundsätzliches Problem. Wichtig scheint mir in diesem Zusammenhang, dass wir uns auch immer wieder vergegenwärtigen, worüber wir eigentlich gerade diskutieren und (wie Sie ganz richtig betonen), aus welcher Perspektive wir das tun.

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Ich meine mehr noch: Es gibt bei den wirklich heiklen Themen nicht »die Fakten«, sondern aus Perspektiven gewichtete, interpretierte, kontextualisierte Fakten, die sich unterscheiden. Wer für und gegen einen Mindestlohn argumentiert, tut das oft gleichermaßen mit Fakten. Die aber anders aussehen. Das meine ich mit Ideologie: Die Vorstellung, dass hinter all den Diskussionen die richtigen Fakten lägen, die dann klären könnten, wer im Recht ist – diese Vorstellung ist eine mögliche, eine sehr idealistische. Ich teile sie seit einer intensiven Auseinandersetzung mit Verschwörungsnarrativen nicht mehr.

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Michel Rebosura
Ratsmitglied Project R Genossenschaft
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Ja, wenn es letztlich nur um (sich widerstreitende) Menschenbilder gehen soll, dann erübrigt sich jede Diskussion, denn dann geht es eher um Mission und «handfeste Argumente». Also mehr um Überredung, weniger um Überzeugung. Mehr um Rhetorik, weniger um Logik. Doch sobald jemand in einen Diskurs einsteigt, gibt man Gründe an. Und die Güte der Gründe steht dann zur Debatte a.k.a. Quellenkritik.

Wenn also ein homogenes Menschenbild die Bedingung sein soll für einen politischen Konsens und eine gute Diskussionskultur, dann muss man angesichts der radikalen Pluralität wohl oder übel alle Menschen (einer Gesellschaft) entsprechend konformierend formen, erziehen, bilden und beeinflussen. Was nicht nur eine idealistische Utopie ist, sondern sehr schnell eine totalitäre reale Dystopie.

Doch ein substantieller Konsens ist gar nicht notwendig. Radikale Demokratie zeichnet sich nicht nur durch einen kritischen Diskurs aus, sondern vor allem auch durch die notwendige Möglichkeit des Dissens. So lange die Grundregeln des vernünftigen und fairen Diskurses und Zusammenlebens gelten.

Vorbedingung dazu ist natürlich: Die Bildung der Fähigkeiten dazu. Was Aufgabe der Erziehung, Schule, Erwachsenenbildung und Arbeit an einem Selbst ist.

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Anderer 60
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Liebe Frau Herrmann, den Artikel finde ich notwendig. Ab und zu muss man über die Art der Beiträge diskutieren. Ich bin aber nicht gleicher Meinung wie Sie. Von einem Beitrag erwarte ich nicht das Gleiche wie von einem Republik Qualität Artikel. Sie als Journalistin haben Sie mehrere Tage oder sogar Wochen für einen solchen. (Mindestens fünf Wochen haben Sie Beiträge zB. Ralph Mosers gesammelt.) Für einen Beitrag von mir, eher für meinen Kommentar, habe ich leider nur ein paar Stunden. Ich brauche sowieso auch noch langsam. Am Abend liest einen Beitrag kaum mehr. Über das sollten Sie sich auch Gedanken machen. (Beitrag Sperrfrist, Sammeln?) Und Quatsch gehören zu den Beiträgen. Es wäre schade, wenn es nicht möglich wäre.

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Weltenbürger (du/er)
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Es wird nicht verlangt, dass Debattenbeiträge gleich auf der Frontseite veröffentlicht werden könnten. Ich finde den Anspruch, dass Sie Links (bzw. alle Quellen) auf ihre Glaubwürdigkeit überprüfen, nicht übertrieben. Vor allem, wenn die Quellen einen behaupteten Fakt unterstreichen sollen.

Wenn Sie von einer persönlichen Erfahrung berichten, ist das etwas anderes. Und über nachweislich falsche Aussagen müssen wir hoffentlich nicht diskutieren.

Was Sie mit Quatsch meinen ist mir nicht klar. Falsche Behauptungen lieber nicht, Humor auf jeden Fall und Satire auch gerne, ist aber heikel, da sehr schnell falsch verstanden.

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Anderer 60
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Der Quatsch steht in diesem Artikel.

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Lucia Herrmann
Community-Redaktorin
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Lieber Herr S., da sprechen Sie einen wichtigen Punkt an, der im Text vielleicht missverständlich ist. Die Kommentare im Republik-Dialog müssen nicht den Anforderungen an einen journalistischen Text entsprechen, das wäre in der Tat zu viel verlangt. Der zentrale Punkt ist: Wenn man sich mit einem Kommentar in eine Debatte einschaltet, dann hat man als Diskussionsteilnehmer eine gewisse Mitverantwortung – was man sagt, wie man es sagt und eben auch bezogen auf die Inhalte, die man teilt. Verstehen Sie, was ich meine?

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Anderer 60
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Für eine anständige Debatte müsste ich mehr Zeit haben. Ein paar wenige können das. Ich plappere, was ich schon weiss. Ich möchte mit einer Diskussion weiterkommen. Hier fehlt der entsprechende Rahmen. Das ist für mich wichtig. Sonst, für Ihre Präzisierung bin ich froh.

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Wären es nur Verlinkungen auf extremistische Seiten würde ich zustimmen können. Leider zählt auch die Eigenerfahrung der Kommentierenden rein gar nichts, wenn sie nicht zur politischen Linie passt.
Bei gewissen Redaktoren habe ich mich schon gefragt, ob sie mit ihrem konstanten "Unterstellung", "justiziabel" etc. nicht unter einer seltenen Form des Tourette-Syndroms leiden.

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Lucia Herrmann
Community-Redaktorin
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Lieber Herr Seiler, schade, dass Sie den Republik-Dialog so erleben.
Mein Eindruck ist, dass persönliche Erfahrungen hier sehr geschätzt werden.
Was allerdings problematisch sein kann: Wenn jemand faktische Behauptungen allein auf einen individuellen Erfahrungsbericht stützt. Dass dann nachgefragt und nachgehakt wird, scheint mir nicht nur verständlich, sondern auch notwendig.
Und noch eine Randbemerkung: Den Verweis auf irgendwelche Krankheits-Syndrome finde ich komplett unangebracht.

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Es wird nicht nachgefragt.

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Lieber Herr Seiler, was sie beschreiben nennt sich Anekdotische Evidenz und ist in vieler Hinsicht und aus diversen Gründen problematisch (u.A. psychologischen, z.B. Confirmation Bias, etc.).

Um Wikipedia zu zitieren: "Anekdotische Evidenz hat eine schwache argumentative Aussagekraft."

Ich lade Sie ein den entsprechenden Artikel auf Wikipedia zu lesen, m.M.n. sehr lesenswert: https://de.wikipedia.org/wiki/Anekd…prov=sfla1

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(durch User zurückgezogen)
Weltenbürger (du/er)
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Doppelpost.

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Anderer 60
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Danke!
Noch an das IT, mit meinem SE 2020, verdoppelt immer alles.

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Advocatus diaboli
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Es sind ja nicht viele, die ihre Kommentare mit fragwürdigen Quellen untermauern, aber genau diejenigen werden mit solch gutgemeinten Appellen wohl kaum erreicht. In der erwähnten Debatte zu Binswangers Kolumne waren es ein paar wenige Kommentarschreiber – übrigens auffallend viele «Hausärzte» –, die Querverweise zu höchst zweifelhaften Quellen machten. Viele dieser Kommentare wurden übrigens später von den Usern zurückgezogen, ob freiwillig oder auf Druck der Redaktion ist mir nicht bekannt.

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Michel Rebosura
Ratsmitglied Project R Genossenschaft
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Nachdem ich manchmal bis zur Ermüdung zweifelhafte Quellen debunkte und darauf aufbauende Argumente als nicht valide entlarvte – oder auf eine Nachfrage keine Antwort erhielt –, habe ich mittlerweile keine Scheu mehr, bei «Querverweisen zu höchst zweifelhaften Quellen» den entsprechenden Beitrag einfach zu flaggen. Daraufhin folgt schnell mal der Rückzug.

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Natürlich werden sich nie alle daran halten, aber wenn wir wenigstens einen gewissen Standard verlangen unsere Aussagen mit geprüften Quellen zu versehen, dann kann man solche Kommentare auch beruhigt mit einem Verweis auf die Etikette blockieren.

Ich sehs schon kommen. Viele Kommentatoren werden dann einfach irgend sowas schreiben: "Hallo, also, ich hab da etwas gefunden, was denkt ihr dazu?" und halt ganz nach Ganser auf Suggestivfragen und "Neugierde" ausweichen um Falschinformation zu verbreiten.

Trotzdem ein guter Appell von der Republik und ich finde uns allen (mit ein paar wenigen Ausnahmen) würde es gut tun unsere Quellen etwas genauer zu prüfen und zu lernen wie man das am Besten macht.
Ich finde ich bin das Ihnen, den Kommentatoren in diesem Forum, auch schuldig, denn ich finde die Diskussionen, die ich jetzt schon seit Jahren hier führe immer sehr interessant und aufklärend. Und die Ausnahme bilden wirklich nur die wenigen Kommentarspalten unter den Kolumnen über Covid, die auch diesen Beitrag ausgelöst haben.

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System Engineer
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Könnt ihr direkt auf die Kommentare verlinken?
Ich wollte den von Dominik Weber komplett lesen, konnte ihn aber in den anderen 160 Kommentaren des Artikels nicht finden.

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kurz vor dem „Bild“ findet sich der Link im Fliesstext.

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System Engineer
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Merci, war wohl noch zu früh für mich 😅

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Persönlich fände ich es noch klasse als Service, wenn die Kommentatoren inhaltlich zusammenfassen oder wenigstens andeuten würden, was bei von ihnen geposteten Links auf die Leser wartet. Manchmal sehe ich kommentarlose drei, vier Links untereinander und frage mich, wer sich da auf bloßen Verdacht hin durchhangeln soll. (Apropos – falls sich jemand wundert, wieso ich gerade so oft schreibe: Ich bin auf einer Reha. Bewegungsbad statt Hamsterrad).

Wie ein Mitkommentator aber schon meinte: Die Einschätzung verlinkter Texte ist im Einzelfall schwierig, weil die Sichtweisen unterschiedlich sind. Was dem einen eine seriöse Quelle, ist dem anderen "vom rechten Rand" und damit prinzipiell verdächtig. Auch wenn der rechte Rand sich bei näherer Betrachtung als eher mittig erwiese.

Ich persönlich schätze die Vielfalt von Meinungen. Sie hilft mir, meine eigene zu überprüfen, neu zu tarieren, zu wechseln, auf ihr zu beharren. Bei der Republik gibt es diese Vielfalt leider (fast) nur und allenfalls in den Kommentaren. Die redaktionellen Beiträge sind (fast) alle vom ähnlichen soliden und mitunter glänzenden linksliberalen Kaliber. Dadurch unterscheidet sich die Republik inhaltlich kaum von Medien wie der Zeit. Was den Unterschied macht, sind die Kommentare. Und zwar deren höflicher, reflektierter Ton. Jedenfalls meist. Und unter den Kommentaren regen mich eher die "Minderheitenmeinungen" zum Nachdenken an als die "Toller Text, und hier hab ich noch zwei weitere Links, die die Meinung des Autors und meine eigene bestätigen. Und wer anderer Meinung ist, ist schuld an diesem und jenem und hat damit jedes Recht auf Solidarität verspielt."

Es ist schwierig, eine Meinung zu äußern, wenn man meint, sie widerspreche der Meinung der Mehrheit. Dadurch werden Minderheiten zu Scheinmehrheiten. Weil sie die Moral für sich reklamieren und behaupten, "die Vernünftigen" zu sein, was andere verstummen lässt.

Ich hoffe auf eine weiterhin rege Diskussion in den Kommentarspalten, auf mehr Vielfalt auch im redaktionellen Teil und darauf, dass die *Republik" nicht zur Sekte wird.

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Merci für diesen Kommentar!

Manchmal sehe ich kommentarlose drei, vier Links untereinander und frage mich, wer sich da auf bloßen Verdacht hin durchhangeln soll.

Geht mir genauso. Gute Reha wünsche ich.

P.S: Was uns für immer von einer Sekte unterscheiden wird - die Gründer haben diesen Laden hier so gebaut, dass es für sie schon fast physikalisch unmöglich ist, damit reich zu werden.

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Vielen Dank für diesen Artikel! Er liesse sich durchaus in einem Unterricht in Medien und Informatik als kurzgefasste Anleitung für die Tätigkeit von Hobby-Social-Media-Journalist*innen brauchen!

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Lucia Herrmann
Community-Redaktorin
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Vielen Dank für diesen netten Kommentar!

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Theologin/Pfarreiseelsorgerin
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Finde diese Hinweise auf die Spielregeln sehr gut. Merci!

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Leser
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Danke für diese feine kleine Anleitung zum respektvollen Umgang in Diskussionsforen.

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Liebe Mitlesende und Mitschreibende, liebe Republik

Die Polarisierung der Gesellschaft nimmt zu. Zweifellos.
Wie Viele andere auch beschäftigt mich dieses Phänomen gerade ziemlich. Gerne rege ich daher an dass die Republik in einem zukünftigen Beitrag den Ursachen dafür auf den Grund geht.

Dabei möchte ich folgende Thesen in den Raum stellen:

  • Die meisten Menschen streben von ihrem Wesen her nach nach Sicherheit und Kontinuität, möge diese auch nur eingebildet sein

  • Beides ist in Zeiten des rasanten technologischen und gesellschaftlichen Wandels ein Stück weit abhanden gekommen, erst Recht in Zeiten der Pandemie

  • Der Mangel an Sicherheit und Kontinuität wird von einem Teil der Gesellschaft durch immer festere Überzeugungen kompensiert - die dann auch entsprechend emotionell verteidigt werden. Mit den bekannten Folgen.

Vor der Überzeugung kommt die Meinung (die ich nachfolgend mit der Idee gleichsetze), vor der Meinung erfolgt die Meinungsbildung. Aber sind wir wirklich frei in der Meinungsbildung, also der Entwicklung einer Idee über einen bestimmten Sachverhalt? Oder sind wir nicht bloss Geiseln unserer biologischen Gegegenheiten?

Nassim Taleb schreibt in seinem lesenswerten Buch "Der schwarze Schwan" in diesem Zusammenhang von klebrigen Ideen:

Das Problem ist, dass unsere Ideen klebrig sind. Sobald wir eine Theorie produziert haben, ändern wir unsere Meinung kaum noch. Daher sind diejenigen, die ihre Theorien erst später entwickeln im Vorteil. Wenn wir unsere Ansichten auf Grundlage schwacher Beweise entwickeln, wird es uns Schweierigkeiten bereiten, weiter Informationen, die im Widerspruch zu diesen Ansichten stehen, zu interpretieren, selbst dann, wenn die neuen Informationen offensichtlich zutreffender sind.

Nach ihm sind dabei folgende Mechanismen beteiligt: Der in der menschlichen Psyche begründete Bestätigungsfehler (confirmation bias) sowie unsere Neigung, einmal gefasste Ansichten nicht umzustossen. Demnach würden wir Ideen wie Besitztümer behandeln von denen sich zu trennen ein schwerer Verlust darstellte.

Abschliessend möchte ich noch den Bogen zu den (a)sozialen Medien unserer Zeit spannen. Nehmen wir mal an Taleb hat Recht (was ich persönlich glaube). Nähren und potenzieren diese dann nicht genau die von ihm beschriebenen problematischen Eigenschaften von uns? Schnelles Urteilen, Verstärkung unseres confirmation bias durch Echoräume? Sowie darüber hinaus auch unser Urbedürfnis nach Zugehörigkeit?

Was folgt daraus? Und wie können wir uns davor schützen?

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Weltenbürger (du/er)
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👍 (personliche Meinung)

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Michel Rebosura
Ratsmitglied Project R Genossenschaft
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«Kritische und faire Debattenkultur» 101 – Danke, Lucia! Die Forderung der Quellenkritik ist im Grunde nichts anderes als die Forderung nach einem rationalen Diskurs, der sich durch das Geben von guten Gründen auszeichnet.

Welche diese sind, ist eine der Urfragen der Philosophie (Von der arché und logos über ratio und Vernunft bis zur Diskursethik and beyond).

Tatsächlich bleibt aber der vernünftige Konsens ein regulatives Ideal, an dem man sich orientiert, ohne es je erreichen zu können. Denn selbst, wenn alle gute Gründe, plausible Thesen, valide Argumente und glaubwürdige Quellen angeben, bleibt der Dissens, ja der prinzipiell unauflösbare Widerstreit Realität.

Denn es gibt eine radikale Pluralität an Lebensformen, Weltbildern und Sprachspielen mit jeweils unterschiedlichen Werten, Gewissheiten und Normen. Daraus ergeben sich jeweils anders spezifizierte Kriterien der Relevanz, Plausibilität, Validität und Glaubwürdigkeit.

Bei psychischen Systemen geht es dabei oft weniger um «wahr/falsch» (der Code des Subsystems der Wissenschaft), sondern vielmehr, da vorgelagert, um «erträgliche Wahrheit/unerträgliche Wahrheit». Aufgrund Ausblendung der Unterscheidung/Verdrängung des Unerträglichen ersetzt Letzteres unbemerkt Ersteres.

Wahr ist nur das erträglich Wahre.

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Viele Diskussionen mit meinen Verwandten liefen genau so ab. Sie posten eine Reihe von Links/Bildern/Videos und ich muss mir das ansehen und dann stundenlange eine seriöse Antwort zusammenbasteln und kaum hab ich sie abgeschickt wird sie unkommentiert mit einem weiteren YouTube Video quittiert.

Ich habe unterdessen angefangen wie ihr, liebe Republik, auf die Metaebene auszuweichen und deren Quellenselektion direkt infrage zu stellen. "Hast du das überhaupt gelesen?" "Wieso schickst du mir jetzt etwas, was definitiv nichts mit dem eigentlichen Thema zu tun hat?" etc.

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