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Ein wunderbar ehrlicher Text als Abschiedsgeschenk, der die ganze Bandbreite der faszinierenden Absurdität des Menschseins spiegelt. Danke. Nur schade, verstaubt soviel journalistisches Potential in den Amtsstuben. Es sei denn, Urs Bruderer plant eine Revolution aus dem innersten Zirkel der Amtsschimmelei. Auf dass die Pferde in Bern mal so richtig durchgehen. Good Luck!

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Anonym
ichfürchte...
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Auch ich werde Herrn Bruderers Berichte fest vermissen. Und habe mich schon etwas gewundert, dass solche Personalwechsel nur nebenläufig erwähnt werden. Ihr Kommentar zeigt mir aber , dass ich offenbar etwas verpasst habe ("Amtsstuben"?). Aber wo denn?

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Da geht wirklich ein journalistisches Schwergewicht von Bord. Betreffend „Amtsstube“ habe ich mir die gleiche Frage gestellt und die Antwort unter diesem Link gefunden.
https://www.persoenlich.com/medien/…derer-geht
Allerdings würde mich interessieren was folgender Satz bedeutet. „Bei der «Republik» sei vieles anders gewesen als er sich das vorgestellt hatte.“ Vielleicht kann Urs Bruderer dazu kurz Stellung nehmen

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Sozusagen ein trojanischer Amtsschimmel? ^^
Ich danke Urs Bruderer für diesen schönen Abschiedstext und seine anderen Beiträge hier, von denen mir insbesondere die Demontage eines AKW's als leuchtendes Beispiel für kompetenten und 'süffigen' Journalismus ohne Kater in bester Erinnerung bleiben wird. Alles Gute auch von meiner Seite.

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A. M.
· editiert

trojanischer amtsschimmel made my day :) eine begrüssenswerte taktik.

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Schöner Artikel. Ein Aspekt fehlt mir: Es wird bisher nie thematisiert, dass wir der "Klimajugend" nichts zu erklären haben, warum wir so verschwenderisch waren. Niemand hat bewusst dieses Szenario herbeigeführt. Menschen sind nicht perfekt. Sie haben sich auf den Wohlstand konzentriert, den die Klimajungend nun in vollen Zügen geniessen kann, die nichts anderes kennt als Nahrungsüberfluss, beste Gesundheit, Sicherheit, Bildung nach Belieben, usw.. Das wurde ihr durch das "unvernünftige Handeln" ermöglicht. Anderseits wären all diese jungen Leute mit Überleben, Krankheiten, Unwissen, Gewalt,... beschäftigt und hätten Null mit ihrer heutigen Person zu tun! Dieses vorwurfsvolle Getue sollen wir der Jugend austreiben! Wir können trotz allem selbstbewusst auf unser Erbe schauen. Das sollten wir auch Greta Thunberg sagen, sie ist gerade mal 16 und in der Phase, in der Engagement lobenswert, aber eben auch fruchtbar pathetisch daherkommt. Das ist nicht angemessen und nützlich für die Erwachsnenwelt, wo vor allem gehandelt wird. Psychologisch lähmt es und stärkt vor allem die Reaktanz - hier in Form von "tut nicht so übertrieben" genau die Verdrängung, die Bruderer an sich festgestellt hat.
Und dann sollten gemeinsam nach vorne schauen und soviel wie möglich zur Verhinderung des Klimawandels tun.

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Oh doch, wir haben der Klimajugend (oder einfacher: unseren Kindern / Enkel*innen) viel zu erklären. Wir wissen ja nicht erst seit gestern, dass wir den Planeten zugrunde richten.
Oh doch, wir haben dieses Szenario sehenden Auges herbeigeführt.
(Nebenbei: Was finden Sie «pathetisch» an Greta Thunberg – nicht daran, wie die Medien sie präsentieren, sondern daran, was sie tut und macht? Ich sehe da keine Spur Pathos, es sei denn, man verwechsle Konsequenz mit Pathos.)
Wir müssen niemandem sein «vorwurfsvolles Getue austreiben», wenn die Vorwürfe völlig gerechtfertigt sind. Wenn wir «selbstbewusst» auf unser Erbe schauen wollen, dann müssen wir uns vor allem unserer Verantwortung für dieses Erbe bewusst sein.

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Die Wortwahl Ihres Beitrages hier ist zB ziemlich pathetisch. ("Den Planeten zugrunde richten",/ Den Zustand sehenden Auges herbeigeführt"). Ähnlich Thunberg, wenn sie von "Ich will, dass ihr in Panik ausbrecht"/"Das Haus brennt". Hinter solchen "grossen Worten steckt ziemlich viel Anmassung, unbewusst selbstverständlich. Als würde der Sprecher/die Sprecherin wissen können, was im Universum genau passieren wird. Es ist doch eher wahrscheinlich, dass wir zwar uns selber und der Erde sehr schaden können, aber es doch eine Nummer rzu gross ist für Menschen, einen ganzen Planeten zu pulverisieren. Und dann hätte es noch unzählige weitere Planeten, die potenziell Leben bergen können. Das Leben wird weitergehen in irgendwelchen Formen, mit oder ohne uns. Wie ich in einem vorherigen Kommentar erwähnt habe, sind Menschen nicht perfekt und machen Fehler - oder sie sind nicht menschlich. Wir haben als Gesellschaft Verantwortung für das was kommt, sobald wir etwas erkannt haben, ja, aber kein einzelner Mensch hat die persönliche Verantwortung für das, was vor ihm war.
An dieser Stelle möchte ich auch noch den Begriff der "kognitiven Dissonanz" verwenden, wie Bruderer. Er bewchreibt, wie er dieser "Dissonanz" lange ausgewichen ist, indem er die Fakten als "leicht lösbar" gegelaubt hat, sich an diffuse, von selber kommende Lösungen geklammert hat. Es gibt aber auch die vorwärtsgerichtete, aktive Strategie, um die unangenehme Spannung zwischen Faktenlage und eigenem Handeln zu mildern: Das Pathos, die Übererregung, gegen sich unnd Andere, die grossen Worte. Es wirkt psychologisch nämlich fast ein wenig wie "Ablasshandel": "Ich bin/wir sind so schlimm, ich gestehe es ein, ich klage an (noch beliebter)", usw.... Dieses täuscht Aktivität/Handeln vor und mildert somit die Kluft der Dissonanz rein durch Reden.
Ich messe die Leute lieber an den Taten.

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H. K.
· editiert

Wissen Sie, was mich erstaunt, liebe Frau P.? Während Jahrzehnten hat man in der Schweiz Abermilliarden ausgegeben, um sich mit Schutzräumen vor dem Atomkrieg zu sichern. Im "Erntsfall" hätten diese Massnahmen unser Leben um ein paar Wochen oder Monate verlängert. Niemand ist auf die Idee gekommen, auf die durch diese immensen Ausgaben verursachten Wettbewerbsnachteile zu verweisen. Kritik an diesem Schutzkonzept grenzte lange an Landesverrat. Dafür waren die heutige Erwachsenengenerationen mobilisierbar. Ich glaube, es lohnt sich darüber nachzudenken, warum die Politik der herrschenden Kreise damals anders war als heute. Der damalige Schutzwahnsinn hat die Gesellschaft stabilisiert, war gelebter Antikommunismus, passte so gut zur Reduit-Tradition und erlaubte es, die Einigelungspolitik der Weltkriegszeit fortzusetzen. Was heute nötig ist, ist multinationale Solidarität, Einschränkung der Kapitalverwertungsmöglichkeiten, Revolutionen, wie Herr Bruderer schreibt. Es ist dringend nötig, dass wir die nationalistischen Betonwände abbrechen. Jeder noch so kleine persönliche Schritt ist sinnvoll, aber als nächsten Schritt in unserem Wirkungskreis braucht es am 20. Oktober einen Wink mit dem Zaunpfahl, mit dem dicken Zaunpfahl, denn mit persönlichem Verzicht lässt sich die Katastrophe nicht abwenden.
Ich grüsse alle aus dem Innern des Apfels.

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Menschen sind nur zu einem Teil rationale Wesen. Sonst wären wir nicht menschlich. Damit dies nicht zu destruktiv/kontraproduktiv wird, hat die Demokratie vernünftige Balanceinstrumente. Die werden nun zunehmend auch supranational nötig und wohl immer mehr eingesetzt.

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Dieses vorwurfsvolle Getue sollen wir der Jugend austreiben! Wir können trotz allem selbstbewusst auf unser Erbe schauen. 

Selbstbewusstsein hat es nicht nötig, jemandem etwas auszutreiben. Es hat mit Wissen um sich selber zu tun, um das, was man geleistet, aber auch um die Fehler, die man begangen hat. Letztere kommen in Ihrem Kommentar nicht vor. Das macht ihn nicht unrichtig, aber unvollständig. Einfach über das Fehlende hinweg nach vorne schauen zu wollen, nachdem man die jungen Störenfriede in den Senkel gestellt hat, da bezweifle ich sehr, dass das mehr bringt als 'Reaktanz'.

Ich will die Jugend nicht schlechtmachen, ich war auch einmal so eine superidealistische Jugendliche.

Dann erinnern Sie sich zurück. 'Die grosse Überforderung' macht uns nämlich alle gleich: klein. Nur haben die Jungen erheblich mehr Zukunft zu verlieren als wir.

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Sie haben mit dem Wort "austreiben" recht, finde ich nun auch zu stark. Wir sollen eher hinweisen und erklären, zB eben, dass der menschliche Horizont immer begrenz war und es auch immer sein wird. Dass wir aber in jeder Generation kleine Fortschritte machen.

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Zitat: "Das ist nicht angemessen und nützlich für die Erwachsenenwelt, wo vor allem gehandelt wird." Wenn dann mal in unserer "Erwachsenenwelt" tatsächlich gehandelt und nicht nur geredet wird, schliesse ich mich Ihrer Aussage an, Frau P. Bis es so weit ist, bin ich den Jungen dankbar dafür, dass sie mit ihrem "vorwurfsvollen Getue" doch deutlich mehr Leute aufgerüttelt haben, als die Entscheidungsträger z.B. mit dem Pariser Übereinkommen von 2015. Die Klimajugend fordert hauptsächlich, dass endlich Massnahmen ergriffen werden, um die in diesem Übereinkommen genannten Ziele auch wirklich zu erreichen. Bisher wurde von den "Erwachsenen" vor allem geredet. Die Verdrängung hat vor der "Klimajugend-Bewegung" deutlich besser funktioniert als derzeit. Ihre Behauptung, dieses Vorgehen sei "nicht angemessen", stärke den Widerstand und die Verdrängung, scheint mir nicht zu stimmen. Grösser als zuvor kann die Verdrängung gar nicht werden - da war sie nämlich nicht nur Verdrängung, sondern Ignoranz.

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Man/frau kann das schon so interpretieren. Aber es gibt ja schon mehrere "Jugenden", als Generationen von Jugendlichen, die dafür hätten auf die Strasse gehen können, das Thema ist seit den 70ern auf dem Tisch. Es ist alles immer weit komplexer, als dargestellt. Es ist eine absolute Illusion, dass ein Abkommen, das weltweit einen Konsens herstellen soll, von Anfang an funktionieren kann, die Interessen - und nicht nur die der PolitikerInnen - sind viel zu verschieden. Es geht in den überwiegenden Fällen auch nur sinnvoll mit kleinen Schritten voran, grosse Schritte gelingen nur in absoluten Ausnahmefällen, normalerweise bringen sie Verwerfungen, die weit problematischer sind, statt Teil der Lösung. Komplexitätsreduktion ist Illusionsbeschwörung. Es ist absolut "normal", dass eine "Menschenmehrheit" Probleme immer erst in ihrem Umfang erkennen kann, wenn sie tief drin steckt und es beinahe zu spät ist. Kognitive Dissonanz durch "Anpassen der Interpretation" zu mindern versuchen, statt durch Handeln, ist bei allen Menschen die Regel, nicht die Ausnahme. Irgendjemand hätte mit Sicherheit im jetzigen Moment mit "Auf die Strasse gehen" begonnen, es war höchste Zeit, wir stecken schon tief im Problem. Ich selber nehme den Wandel seit Jahrzehnten ernst und lebe bewusst nachhaltig, es kam nie etwas anders in Frage. Als Bauerntochtger bin ich noch sehr mit Boden und Wetter verbunden und kann Veränderungen früh "lesen". Ich übertrage das aber nicht auf alle Anderen. Nun sind es - nach langem wieder einmal- halt die Jungen, die als Erste aus der Trägheit gefunden haben. Das sie aber ihren eigenen Lebenswandel gemäss der Datenlage noch immer nicht gross verändert haben, ist anzunehmen, dass es relativ zufällig ist. Es ist nämlich seit einiger Zeit grundsätzlich wieder "cool", auf die Strasse zu gehen und "Events" sind sowieso "in", auch zum grundsätzlich eine reaktionäre Welt vertretendenen Papst gehen sie in Scharen, wenn er da ist. Das ist auch eine Folge, weil es uns so gut geht, weil die Produktionsrate so hoch ist, dass wir viel Freizeit haben. So richtig mutig sind die Jungen ja nicht, das Schulbestreiken wird vom Hergeben "echter Freizeit" abgelöst. Ich will die Jugend nicht schlechtmachen, ich war auch einmal so eine superidealistische Jugendliche. Es müssen einfach die Relationen gewahrt werden: Nach so vielen Ereignissen, angefangen beim Sommer 2003 und mit vorläugfigem Höhepunkt Sommer 2018, ist nun wirklich fast Jede und Jeder irgendwie erschrocken und beängstigt. Nur die einfachsten Gemüter finden eine lange Hitzeperiode noch nur toll.

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In vielem einverstanden, aber ich finde nicht, dass Frau Thuberg pathetisch ist. Im Gegenteil, wenn man sie hört, ist man verblüfft, mit welcher abgeklärten Sachlichkeit sie spricht- Ich will keinen Heiligenkult betreiben, aber jede Bewegung braucht role models und da ist Greta doch eine sehr gute Besetzung. Dass ihr Einsatz lähmt, glaube ich nicht.

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Ja, sie ist aufgfrund des Asperger Syndroms gestisch eher zurückhaltend. Die Formulierungen ihrer Reden sind aber schon pathetisch.

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Ich gehöre zu denen, die sich in der Phase "Depression" befinden... Rund um mich loben die Leute Greta Thunberg und erzählen dann von ihren letzten Flugzeugferien, und ich denke nur: "Ja, Menschhheit, das wärs dann wohl gewesen..."

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Timon Zielonka
Sales @ zukunft.com
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Nach der "Depression" kann auch die Phase des schnellen und radikalen Handels kommen. In der Finanzkrise 2007 und 2008 wurden in wenigen Tagen entscheidende Anpassungen im weltweiten Finanzsystem vorgenommen. Und wie der Artikel richtig beschreibt, wurde FCKW einfach verboten. Meine Vermutung ist, dass man irgendwann die Klimagasemissionen radikal auf praktisch Null herunterfahren wird. Ich schätze, dass die derzeit (nur) 2 bis 3% des BSP kostet. Aber je länger wir warten, desto teurer wird es.

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M. S.
· editiert

Ein ausserordentliches Lob an Herrn Bruderer:

Grossartig. Storytelling mal am richtigen Ort und im richtigen Mass eingesetzt! Insbesondere sehr gute Dosierung von Sach-Information, Appell, Beziehungsaspekten und empathischer Kommunikation. Es war höchste Zeit, dass mal in verständlicher Weise die Psychologie des Klimaproblems angegangen wird. Mir scheint, Sie haben sich sehr Mühe gegeben. Tausend Dank!

(Ich hoffe, Sie wissen dieses Lob ausreichend zu schätzen: Ich werfe sehr selten mit Lob in solchen Tönen um mich; was gut ist, bezeichne ich normalerweise als "nicht schlecht".)

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Urs Bruderer
Autor Bundeshaus
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Ich sag an dieser Stelle Danke für all die Kommentare zum Artikel, für die interessanten Hinweise auf weiterführende Texte und für die guten Wünsche.

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Danke für diesen persönlich geschriebenen Essay der so geschrieben ist, wie ich es nicht schreiben könnte, aber ähnlich empfunden habe und empfinde. Und nun seit Tagen die Bilder von Feuer und Rauch des brennenden Amazonas und wissend um Bolsonaro, der von den BrasilianerInnen gewählt wurde. Stadium 4 Depression ist das vorherrschende Gefühl im Moment. Nehmen wir wenigstens die Wahlen im Herbst zum Anlass, dass das Parlament nicht bei Phase 1 verharrt..

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Super Artikel, danke. Und ja, das Fazit heisst Verzicht - und solcher muss leider zwingend über die Politik/Gesetze als Rahmen gesetzt werden. Also höchste Zeit fertig zu labern. Handeln - dieses beginnt bei uns allen - am 20. Oktober?

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Lieber gestern als heute! Im persönlichen Umfeld ist das möglich. Und für die öffentliche Wirkung gibt's schon Demos vor den Wahlen... (z B. demnächst in den Landkantonen und bald auch national in Bern) Lassen Sie es uns probieren! =)

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Ich bin sehr dankbar für Ihren Beitrag, lieber Urs Bruderer, und wünsche Ihnen alles Gute für Ihre neue Tätigkeit in der Bundeskanzlei! Uns allen wünsche ich den Mut, die Klimakrise nicht weiter zu verdrängen, und die Kraft, etwas zu den heute notwendigen "Revolutionen" beitragen zu können!

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Ich habe noch selten einen so guten Beitrag zum Thema gelesen. Vielen herzlichen Dank für dieses umfassende und stimmige Essay Herr Bruderer. So geht guter Journalismus.

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Vielen Dank Herr Bruderer und ihnen alles Gute. Ich werde ihre Artikel vermissen.

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Vielen Dank für diesen Artikel! Ja, die persönliche Verhaltensänderung darf man nicht daran messen, ob sie numerisch das Problem lösen könnte oder nicht. Ihr eigentlicher Wert ist, dass sie das Thema eben aus der kompletten Verdrängung rausholt und hilft, den Mut aufzubauen, überhaupt etwas zu tun. Das haben Sie an ihrem eigenen Beispiel und vermutlich stellvertretend für viele von uns sehr schön deutlich gemacht.

Denn diesen Mut werden wir brauchen, gerade weil die Aufgabe ungeheuer gross ist.

Auf der anderen Seite fände ich es aber sehr wichtig, auch weit jenseits der heutigen politischen Machbarkeiten Überlegungen und Berechnungen anzustellen, was es denn bräuchte. Auch grosse Ziele sind erreichbar. Wir waren auf dem Mond, und da war es sinnlos, darüber zu streiten, wieviel Prozent der Strecke wohl realistisch zu schaffen sei. Die Frage war, wie machen wir's, was kostet es, und woher nehmen wir das Geld.

Also zum Beispiel: Wie teuer müsste die Energie denn wirklich sein, wollten wir mit heute bekannten Methoden die durch den Verbrauch entstandene CO2-Freisetzung vollständig kompensieren?
Ich möchte wissen, ob das Benzin 5 oder 10 Fr. kosten müsste, und nicht, ob 0.08 Fr. Aufschlag politisch möglich sind.
Wenn der Preis morgen so hochspringt, wäre das eine Katastrophe und kann von mir aus unmöglich genannt werden. Aber als Alternative zu einer Katastrophe im Wallace-Wellsschen Ausmass - eine stetige Steigerung über die nächsten paar Jahre dahin - das ist denkbar und muss heute gedacht und gesagt werden!

Eine andere Frage, die ich gerne mal vorgerechnet bekäme - was müssten wir denenen zahlen, die (mit einigem Recht) auf das Ausbeuten ihrer Bodenschätze beharren? Damit es für sie wirtschaftlicher ist, das nicht zu tun und stattdessen aufzuforsten? Wieviele Billionen Profit ist aus den Bodenschätzen im Amazonasgebiet zu schlagen? Und dann wieder die Zahl umlegen auf Benzin, Ferienflüge und Handy-Akkus, die wir aus diesen Rohstoffen konsumieren.

Um solche Fragen zu beantworten, sind sicherlich viele Annahmen nötig, die wieder Anlass zum Anzweifeln bieten.

Und dennoch, ich finde es ist notwendig, oft und intensiv so grosse Szenarien aufzustellen, die das Problem tatsächlich mengenmässig lösen könnten. Und dann auf das runterzubrechen, was das für Europa, die Schweiz, die Stadt, mich selber bedeuten würde. Nicht genau, denn das ist nie möglich, aber in den Grössenordnungen. Das macht das Problem fassbarer, und hilft, die Überforderung Schritt für Schritt in eine Herausforderung umzuwandeln, die zweifellos einschneidenden Veränderungen der nächsten Dekaden zu bewältigen.

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Zwei Studien zur Machbarkeit einer weltweiten nachhaltigen Energieversorgung:
http://energywatchgroup.org/new-stu…ble-energy
https://www.cell.com/joule/fulltext…17)30012-0
Drei zum Thema Bepreisung / Finanzierbarkeit:
https://www.scientists4future.org/2…reis-sein/
https://www.mcc-berlin.net/fileadmi…_final.pdf
https://www.wbgu.de/de/publikatione…ergiewende
Zur Frage der Subventionen:
https://www.imf.org/en/Publications…dies-42940
Es wurden schon einige Studien zu diesen Themen durchgeführt.

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Timon Zielonka
Sales @ zukunft.com
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Ich verstehe nicht, warum man nicht einfach den linearen Reduktionsfaktor auf 10% erhöht (https://www.mcc-berlin.net/fileadmi…_final.pdf Seite 32) und alle Klimagase in den Handel einbezieht.

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Timon Zielonka
Sales @ zukunft.com
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Bei climatestrike findet sich jetzt ein Vorschlag für eine Initiative. Was halten Sie davon?

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Lieber Herr Zeller,
Wo wohnen Sie? Sie haben da etwas formuliert, was ich für den Schlüssel halte: Das Problem "auf das runterzubrechen, was das für Europa, die Schweiz, die Stadt, mich selber bedeuten würde".
Ich wohne in Basel und würde mich gerne in einer nicht parteigebundenen Gruppe daranmachen, das Problem auf dieser Ebene zu verstehen.

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Timon Zielonka
Sales @ zukunft.com
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"Ich möchte wissen, ob das Benzin 5 oder 10 Fr. kosten müsste" - Der Preis wäre etwa bei CHF 6, könnte aber auf CHF 2.5 fallen, wenn die Produktion von Klima neutralem Benzin durch Skaleneffekte effizienter wird.

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Ganz herzlichen Dank Herr Bruderer für Ihre guten und bedenkenswerten Beiträge und vor allem auch für diesen heutigen Bericht, der mich sehr berührt, weil er vieles in einer klaren und sehr persönlichen Aussage zusammenfasst, was mich (und wohl viele andere Menschen auch) in der letzten Zeit beschäftigt und aufgewühlt hat, ohne dass ich es immer in Worte fassen konnte.
Ihre Analyse ist schonungslos und eindeutig. Aber, und da möchte ich mich Herrn Reichmuth anschliessen, sie lässt Raum für Hoffnung und Handlungsfähigkeit. Danke!

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Es braucht noch Stimmen, damit die Gletscherinitiative zustande kommt.
https://wecollect.ch/de/campaign/gl…nitiative/
Die Initiative will eigentlich "nur" die Klimaziele des Paris - Abkommens in die Verfassung schreiben. Also eigentlich nicht radikal. Aber doch mehr als Grüne und GLP sich zu sagen trauen.

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Das Problem ist doch, dass wir das die Lösung auf individueller Ebene suchen und/oder im Rahmen der bestehenden ökonomischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen suchen.

Wenn ich persönlich nie mehr in ein Flugzeug steige, spare ich bis an mein Lebensende (in 25 Jahren) etwa 100 Flüge ein. 2018 gab es innerhalb der Schweiz 712'225 Flugpassagiere. Ein Verbot von Inlandflügen würde so viel mehr CO2 einsparen wie mein persönlicher Verzicht.

Wenn ich persönlich kein Fleisch mehr esse, spare ich bis an mein Lebensende 1'300 kg Fleisch ein. Wenn Kantinen nur noch vegetarische Menus bieten, könnten wir fast 20'000 Tonnen Fleisch pro Jahr einsparen (Annahme 4,2 Mio. Erwerbstätige, 1 Mio. essen in einer Kantine, 220 Arbeitstage pro Jahr, 60% essen ein Gericht mit Fleisch, ein Fleischgericht entspricht ca. 150 g Fleisch)

Das sind nur zwei Beispiele, die sich sofort umsetzen liessen.

Die Schweiz treibt einen grossen Aufwand, um abgelegenen Dörfern einen Service Public zu bieten. Es wäre besser, wir würden diese Dörfer aufgeben und die Dorfgemeinschaften näher der Zentren ansiedeln. Somit könnten diese Orte aufgeforstet und renaturiert werden und als CO2-Senken dienen. Ein weiterer Vorteil wäre auch, dass Platz für Wildtiere geschaffen wird. Viele Orte werden wegen des auftauenden Permafrosts sowieso nicht mehr halten lassen.

Wieso werden nicht tiefgelegene Skigebiete aufgeforstet? In vielen Gebieten lässt sich kein kostendeckender Wintertourismus mehr betreiben. Anstatt dass man mit viel Geld und Schneekanonen versucht, das Unausweichliche aufzuschieben, sollten die finanziellen Ressourcen konsequent auf eine Verbesserung der CO2-Bilanz und Biodiversität fokussiert werden.

Wir müssen alles hinterfragen, Wachstum, Mobilität, Konsum. Es ist machbar, aber wir müssen es auch wollen.

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Timon Zielonka
Sales @ zukunft.com
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"Wir müssen alles hinterfragen" - Ja, aber vor allem müssen wir ein Ziel erreichen: weniger Klimagasemissionen. Ich behaupte, dies ist ohne grosse Einschränkungen bei Wachstum, Mobilität und Konsum möglich, wenn man richtig rechnet. Beispiel: wenn man das Wachstum anhand vom "Konsumenten Inlands Nutzen" misst und nicht "Brutto Inlands Produkt", wie bisher üblich, ist Wachstum und Klimaschutz kein Gegensatz mehr. Gerne liefer ich mehr Details zum "Konsumenten Inlands Nutzen" nach ...

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Danke, Herr Bruderer, für diese schonungslose Ehrlichkeit! Alles Gute Ihnen.

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Das schönste Geschenk zu meinem heutigen Geburtstag: Ehrlich, persönlich, realistisch, schonungslos, radikal und trotzdem irgendwie zuversichtlich ... DANKE. Das motiviert! DANKE!

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Herzliche Gratulation!

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Gelassen ist schon gut. Aber nicht gelassen ignorieren, sondern gelassen verzichten.

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Vielen Dank, Herr Bruderer, Ihr Artikel berührt mich sehr.

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Lieber Herr Bruderer,

Vielen Dank für diesen exzellenten Artikel.
Ich erlaube mir nach dessen Lektüre eine persönliche Frage aus purer Neugierde:
Wo sehen Sie die Unterschiede zwischen journalistischer Arbeit bei einem Medium und in der Kommunikation von Behörden? Hat ihr Stellenwechsel damit zu tun, dass Sie hoffen oder glauben, auf Behördenseite ähnlich wirksam zu sein oder noch mehr?

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Urs Bruderer
Autor Bundeshaus
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Lieber Herr Keller, die Unterschiede sind wohl ganz anders als ich sie mir derzeit vorstelle. Und was die Sache mit der Wirksamkeit angeht: Da ist und bleibt das Rädchen, das ich drehe, ein sehr kleines. Ich suche mir meine Aufgaben nicht danach aus, was ich bewirken kann. Ich bin missionsfrei unterwegs und suche mir Aufgaben, die mich reizen und die mir liegen könnten.

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Dann wünsche ich Ihnen einen guten Start bei der Bundesverwaltung und dass Sie unverhofft viel bewirken können.
Mir jedenfalls ist es äusserst sympathisch, Sie in Staatsdiensten zu wissen.

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Ein wirklich ausgezeichneter Artikel! Danke Herr Bruderer.

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Danke Urs Bruderer für diesen schlauen Beitrag und den Fokus auf die psychologische Ebene, aus Deiner persönlichen Perspektive. Auch ich wusste es schonfrüh, hatte es aber lange Jahre nicht wirklich begriffen....
Eine Massenpsychose oder Massensucht bräuchte auch eine entsprechende Behandlung. Deiner Metapher von der Sucht nach dem fossilen Stoff, der überall in unserer Umwelt drinsteckt, müsste man noch weiter nachgehen. Wenn man sich statt von Kübler-Ross von Phasenmodellen aus der Entzugsforschung leiten liesse, oder statt mit Schneider mit Entzugspsychiatern oder Sektenausstiegsspezialisten spräche?

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Ja, und wo ist denn jetzt der "Ausweg"? Wie finden wir in der Schweiz Mehrheiten für eine bessere Verhaltensregulierung? Leider keine Antworten - wie so oft von realitätsfremden oder kostenblinden Aktivisten. Dabei müssen wir ja wirklich handeln - und bedenken, dass Umwelt nicht gleich Klima ist. Und zwar jetzt!
Auch international: Fossilenergie-Subventionen sind weltweit noch höher als Agrarsubventionen. Ausserdem WTO-unzulässig. Aber Klagen gibt es nur gegen erneuerbare Energie-Fördermassnahmen: "Deine gegen meine Solarpanels".
Ja, Herr Bruderer, wir haben keine Weltregierung, wie uns das G7-Spektakel von Biarritz noch mehr als zuvor schonungslos zeigt. Also bringen auch Märsche und Forderungen wie "die Politiker sollten" nichts.
Zuhause bei sich anfangen bringt wohl doch am meisten: Als Konsumenten und als Wähler. Unsere Politiker könnten dann eine ganze Reihe von erderwärmenden Massnahmen überprüfen, reduzieren oder ganz abschaffen.
Nur als ein Beispiel: Warum gleich von neuen Steuern reden, wenn die CO2-Produktion (auch in der Schweiz) subventioniert wird? Die Latte läge erheblich tiefer!

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Danke für diesen starken Beitrag!

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Lediglich eine kurze Anmerkung zum Thema Fleischkonsum, respektive den radikalen Verzicht auf Viehzucht (und eine zugegeben fixe Idee von mir):
Auch wenn der exzessive Fleischverbrauch, den wir heute leben absolut und unstrittig falsch ist, so ist es m.M.n. kontraproduktiv, hier eine pauschale Forderung nach einem Flrischverbot zu stellen.

Wir haben in der Landwirtschaft ganz allgemein ein Problem, nicht nur in der Viehzucht, das wir einen natürlichen Kreislauf gestört haben der enorme Mengen an Co2 in Böden und Vegetation gebunden hat. Sehr Simpel gesagt: Die grossen Vieherden der Vergangenheit haben die Vegetation abgefressen und die Böden massvoll gedüngt.

Ein vielversprechender Ansatz wäre es eventuell, eine Art modernisierter "drei Felder Wirtschaft" einzuführen, bei der Ackerflächen jeweils für ein Jahr als Viehweiden dienen, dem dann ein Jahr Ackerbau folgt. Dafür würden auf der Seite Viezucht nicht mehr auf Fleischproduktion ausgelegte sondern robuste Rassen, die bei so fast jedem Wetter draussen sein können, verwendet und das Schlachten von Jungtieren generell verboten. Umgekehrt würde im Ackerbau auf künstliches Düngen weitgehend verzichtet.

Wir würden faktisch einen vor-zivilisatorischen Zustand reproduzieren, kombiniert mit modernem saatgut und einer effizienten Logistik sollte dabei auch die fortgeführte Ernährung der Weltbevölkerung möglich sein.

Politisch sehe ich die erfolgschancen dabei als intakt an. Es werden sowohl ökologische Argumente als eine gewisse Nostalgie bedient.

Eventuell müsste auch durch klimaneutrale Treibhäuser nachgeholfen werden, prinzipiell hätten wir die technik...

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Nein, verhandeln hilft nicht weiter. Was ich lerne aus vergangenen entscheidenden Wendepunkten ist: Drakonische Strafen und gleichzeitig Errichtung von Alternativen. Das Ende der Z. Drogenszene nur als ein Beispiel. Jetzt muss sofort ein internationales Verbot von fossilen Brennstoffen her mit einer kurzen Karenzzeit von max 5 Jahren. Bestrafung und Sanktionierung jeder Übertretung und logistische wie finanzielle Unterstützung für die Alternativen, die allesamt vorhanden sind.

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Was waren die drakonischen strafen am ende der Z. drogenszene?
Ich kenne nur die alternative (fixerstübli)

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Ich bin der Meinung dass es strenge staatliche Eingriffe braucht, am besten auf kontinentaler Grösse. Darum lebe ich auch gerne in China, weil dort die Wissenschaftler direkt mit den Regierenden reden, ohne den Umweg über Volkszorn und allgemeine Empörung zu benötigen. Im Resultat ist es etwas ruppiger als die pausenlosen, endlosen Verhandlungen in der Gesellschaft im Westen, aber man darf sich dafür ungeniert auf die schönen Seiten des Lebens fokussieren als Normalbürger.

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Einen grossen Dank an Urs Bruderer für diesen ehrlichen und wegweisenden Artikel!
Ich gehöre zur Generation der Grosseltern und habe seit 1988 die Umweltbildung/Bildung für nachhaltige Entwicklung in der Ausbildung von Lehrpersonen mitgestaltet, lange mit dem Slogan „Wir schaffen das“, dem ich selber nachlebte, einigermassen glaubwürdig und natürlich auch durch geschickte Auflösung einiger kognitiver Dissonanzen im eigenen Verhalten. Jetzt bin ich glücklicherweise pensioniert, dann das „Wir schaffen das“ käme nicht mehr so leicht über meine Lippen. Meine Aufgabe heute sehe ich als MBSR-Lehrerin im Anregen von Erfahrungen, wie Adaptation an diese Veränderungen gelingen kann. Die Stärkung der Resilienz kann hinaus aus der Angst in innovatives Denken führen. Auch die Stärkung der Bereitschaft zur Suffizienz, zu Deutsch Verzicht, - noch ein Schimpfwort wie noch vor Kurzem das Wort Flugscham - kann aufzeigen, wie ein Ersatz von nur kurz anhaltender materieller Instant-Bedürfnisbefriedigung aussehen könnte.
Als weiterführende Lektüre empfehle ich das Paper von Jem Bendell (2018): Deep Adaptation: A Map for Navigating Climate Tragedy.

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Ich schliesse mich dem Dank an Urs Bruderer gerne an.
Als ergänzende, weiterführende Lektüre zu Jem Bendell empfehle ich Charles Eisenstein (2018): Climate - A New Story. Er erweitert den Blickwinkel über die Klimadiskussion, die oft sehr CO2-fokussiert ist, hinaus und zeigt Zusammenhänge auf, die in den Medien m.E. bisher zu kurz gekommen sind.

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Timon Zielonka
Sales @ zukunft.com
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Wichtig wäre auch konkret zu handeln. Ich wüsste zum Beispiel gerne welche Klimagasemissionen ich beim täglichen Einkauf verursache, aber die Migros hat ihre Klimaneutralen Produkte wieder aus dem Handel genommen ( https://www.myclimate.org/de/inform…ilanziert/ ) Bitte gerne die Migros auffordern, diese wieder in das Sortiment aufzunehmen.

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Lieber Urs, meinen Kommentar zu deinem Text habe ich auf Twitter abgegeben https://twitter.com/mahaenggi/statu…5213158401. An dieser Stelle: Alles Gute! Deine journalistische Stimme wird fehlen.

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Danke für den Artikel! Ich kann jetzt gewisse Dinge besser zuordnen 😊

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Merci Herr Bruderer;
Sie und ich leben offenbar in derselben Filterblase, was das Thema Klimawandel angeht. Aber Sie können das alles viel besser ausdrücken, und dieses Talent wird Ihrem Tun hoffentlich auch in Zukunft Nützlichkeit und Wirksamkeit verleihen.
Wunderbares Destillat in Ihrem Interview auf der Terrasse (sinngemäss): "Jeder beschimpft jeden im Namen aller".
Also: auf Freundlichkeit, Ehrlichkeit und Nachsicht gegen sich selbst, und Ihnen nur das Beste!

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Eben schon wieder ein so Text, der wohl gut gemeint ist, aber das eigentliche Problem ausser Acht lässt. Für mich gibt es eine wichtige Erklärung für die grosse Überforderung bei der Lösung all dieser vermeintlichen Probleme, die aber tatsächlich "nur" Symptome des eigenlichen Problems sind. Die Menschheit ist in einem Entwicklungsprozess, der sich nicht mehr steuern lässt. Die tödliche Falle, in welche die Menschheit tappte, war die Tabuisierung der globalen Bevölkerungsexplosion. Diese Tabusierung begann schon zu der Zeit, als der Mensch sesshaft wurde, Lebensformen und Techniken entwickelte, die ihm ein längeres und erleichtertes Leben brachte und immer mehr Menschen dazu verhalf, von diesen neuen Lebensformen zu profitieren. Solange der Planet Erde freien Raum und Ressourcen zur Verfügung stellte, ohne die erneuerbaren Ressourcen aufzubrauchen, war die Frage, wieviel Mensch erträgt die Erde, nicht überlebenswichtig. Die Menschheit war in der Entwicklung nur ganz am Anfang gefährdet, dann hat die Vermehrung ungebremst zugenommen. Auch Seuchen oder Kriege haben die Bevölkerungzunahme nie gross beeinflusst. Am Ende des Zweiten Wetkrieges lebten mehr Menschen auf dem Planeten als 1939, dem Beginn des Krieges. Und heute? Die Tabuisierung geht weiter. Weder für Journalisten noch Politker noch für die Wissenschaft ist die globale Bevölkerungsentwicklung ein Thema, das in die Lösungsfindung hätte einbezogen werden müssen. Viele machen sich heute Sorgen um den Planeten Erde, wenige um die Existenz des Menschen. Der Planet wird sich weiterentwickeln, auch ohne den Menschen, eher besser als mit. Er wird Millionen von Jahren Zeit haben, die Spuren der Zerstörung des kurzen menschlichen Zeitalters (ca.160'000 Jahre) zu eliminieren. Keinen Grund also, irgend welche Lösungsansätze für unsere "Probleme" zu finden. Keinen Grund also, der Menschheit in seiner Gesamteit von 7700000000 Individuen eine Bedeutung zuzumessen. Jährlich kommen netto 85000000 neue Schwestern und Brüder dazu. Schöne Aussichte für sie. Bleiben wir weiterhin bei der Tabuisierung der globalen Bevölkerungsexplosion. Sie ist sowieso eine matematisch exponentielle Grösse, die für das menschliche Denkorgan unfassbar ist. Warten wir gespannt, wann und wie die gefährdeten Systeme kippen und geniessen den heutigen und morgigen Tag - es könnten ja die letzten sein.

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Gemäss Berechnungen der UN flacht das Bevölkerungswachstum markant ab und wird Ende des Jahrhunderts noch 0,1% betragen:

"The big demographic transition that the world entered more than a century ago is coming to an end: Global population growth peaked half a century ago, the number of babies is reaching its peak, and the age profile of the women in the world is changing so that ‘population momentum’ is slowly losing its momentum. This is not to say that feeding and supporting a still rising world population will be easy, but we are certainly on the way to a new balance where it's not high mortality keeping population growth in check, but low fertility rates." https://ourworldindata.org/world-population-growth

Die Welt wäre absolut in der Lage, die wachsende Weltbevölkerung zu ernähren, würden nicht über 50% des Ackerlandes für die Fleischproduktion verwendet. Fleisch, das im Übrigen in den reichen Ländern konsumiert wird.

Viele, die das Problem in der "Überbevölkerung" sehen, meinen damit die Menschen in Indien oder Afrika, wo Frauen mehr Kinder haben als im Westen. Man sollte aber auch sehen, dass die Menschen in Afrika und Indien weniger Ressourcen verbrauchen als ihnen zustände.

Wollten wir unser Ressourcen-Problem mit weniger Geburten erreichen, sollten Amerikanerinnen und Europäerinnen ab sofort keine Kinder mehr haben.

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Genau! Bis dann werden netto 13 Milliarden Menschen auf der Erde leben. Heute mit 7,7 Milliarden Einwohner sind 800 Millionen von Hunger betroffen. Die globale Überbevölkerung betrifft eben nicht nur die schnell wachsenden Länder in Afrika und Indien. Sie betrifft auch besonders Europa und speziell die Schweiz. Die Schweiz kann nicht die Hälfte der benötigten Nahrungsmittel selber produzieren und die, welche sie selber produziert, gedeihen mehrheitlich unter gorssem Einsatz von importiertem Dünger und Futtermittel. Der Umstieg auf fleischlose Ernährung ist eine Illusion, der Boden für die biologische Produktion genügt nicht. Dass zusätzlich 5 Milliarden Menschen auch noch andere Bedürfnisse als Nahrungsmittel haben, wird ebenfalls häufig ausgeblendet. Ein Dach über dem Kopf, eine gesicherte Existenz, Zugang zu Energie und Lebensqualität, usw. möchten wir doch allen Menschen gönnen. Heute sind ca. 50 Millionen Menschen auf der Flucht, nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen. Die Flüchtlingszahl von Menschen auf der Flucht aus unbewohnbaren Gebieten (Klimaflüchtlinge) wird drastisch zunehmen. Bis 2050 kursieren Schätzungen von bis zu 500 Millionen. Dass das alles einfach nicht aufgeht, ist eigentlich offensichtlich. Dass das alles nicht verstanden wird, ist vielleicht gut so. So haben wir die Gewissheit, dass alles so weitergeht wie bisher und wir nichts ändern müssen - bis die Systeme kippen. Und das werden sie vor 2050.

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Die Bevölkerungsexplosion ist überhaupt kein Tabu! Dass alle geborenen Menschen auch einmal sterben müssen, wissen wir alle, und wahrscheinlich, und das ist nun neu, für viele zu früh und mit viel Leid gepaart. Aber so lange wir leben stirbt die Hoffnung zuletzt. Folglich verlieren wir keine unnötige Zeit mit Diskussionen über die Bevölkerungsexplosion. Werden wir tätig, geben wir uns Mühe und nehmen den Artikel von Urs Bruderer ernst.
Übrigens, wer Rosling studiert hat, weiss, dass die Explosion abflaut und bei 10 Milliarden zum Stillstand kommen wird. Würde man den Menschen in Afrika all das, was ihnen in den letzten hundert Jahren geraubt wurde, zurückgeben und ihnen so einen vernünftigen Lebensstandart erlauben, subito, ginge die Geburtenkontrolle auf dem Planet noch viel schneller.
Sobald der Wohlstand in einer Gesellschaft über ein, für uns bescheidenes Mass, hinausgeht, nimmt die Geburtenrate explosionsartig ab. Beispiel Iran. In 40 Jahren von 5 auf 1.6, schneller als die USA, in 200 Jahren von 6 auf 1.8. Politik und Zwang ist da nicht gefragt. Das Verdienst der Mullas im Iran war es sicher nicht.

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Guter Artikel. Genau diese 5. Stufen sehe ich bei vielen, wenn ich versuche darüber zu diskutieren. Grundsätzlich bin ich gegen Steuern, weil es die Sache ja immer noch zuläst. Trotzdem könnte, ähnlich wie bei Pelz, ein negativ behaftetes Dogma gegen das Fliegen enstehen. Je mehr Leute so denken, je eher ensteht sowas. Daselbe bei anderen Dingen wie Ernährung und Individualverkehr. Wie der Konsum eingeschränkt werden könnte, habe ich bisher auch noch nicht eine Lösung gefunden. Wobei es gibt bei der ganzen Depatte nicht "Die Lösung" sondern ganz viele kleine Lösungen. Ähnlich nach dem Spruch: Kleinvieh macht auch mist.

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Es gibt nicht die Lösung, jedoch ist Bildung sicher eine der besten.
zB bei Fleisch: ohne Zweifel ist viel CH Rindfleisch mit Kraftfutter aus klimazerstörender Produktion (Amazonas?)
=> Finger weg von billig Fleisch

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Anonym
· editiert

Sicher, kleine Schritte sind gut. Wenn aber «Finger weg von billig Fleisch», einer dieser Schritte sein soll, dann wird es nicht hinhauen. Dieser Minischritt ist so klein, dass auch ganz viele davon immer noch nur ein Tropfen auf den heissen Stein sind. Ich finde es ist eine dieser Massnahmen, die einem ein gutes Gewissen gibt, weil man wenigsten «etwas» getan hat, man sich das teurere Fleisch sowieso gut leisten kann und definitiv auf nichts verzichtet werden muss. Es ist Wunschdenken zu meinen in teurerem Fleisch stecke nicht ebenso Soja aus Brasilien drin. Machen wir Nägel mit Köpfen: Verzichten wir auf Fleisch. Fleischkonsum – auch der Bio-ProNatura-Fleischkonsum – ist kein Menschenrecht.

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Der richtige Text fürs Wochenende

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Nur der Richtigkeit zuliebe : ‘ Es tauen 1,5 bis 2,5 Millionen Quadrat­KILOmeter mehr Permafrost­boden auf – viermal die Fläche von Frankreich.’ Die Franzosen und Emanuel Macron würden sich wohl bedanken müssten sie auf weniger als einem Quadratkilometer, das sind nämlich 1000 Meter mal 1000 Meter gleich 1 Million Quadratmeter, zusammengepfercht leben !

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Daniel Meyer
Korrektor Republik
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Oh, vielen Dank für Ihr scharfes Auge, Herr B., das wollen wir den Franzosen tatsächlich nicht zumuten. Ist korrigiert. Herzliche Grüsse!

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Grossartig. Danke. Hoffnung? Klar, eine unsere kleine.

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Ein hervorragender Artikel.
Nicht relevant (im Zusammenhang mit dem Artikel), aber vielleicht doch erwähnenswert: «The Collapse of Western Civilization. A View from the Future» 2014, Naomi Oreskes & Erik M. Conway. Auch auf Deutsch erhältlich; «Vom Ende der Welt». Sehr kurz, durchaus nicht umfassend, aber natürlich ebenfalls als alarmistisch hingestellt / ignoriert.

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Ich betrachte den Klimawandel als unabänderlich. Hoffnung können Innovationen geben, die darauf reagieren und das Überleben wenigstens eines Teiles der Menschheit sicherstellen. Es werden die Vermögenderen sein, die sich schwimmende Häuser und Städte, Hors Sol-Gemüse und in vitro gezüchtetes Fleisch leisten können...

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Lukas Matti
Advocatus der Direktddemokratie
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· editiert
  1. alle Nationalstrassen werden mit solarpanels auf den Leitplanken bestückt. In lagen über 800 müM. werden sie damit überdacht.

  2. E-mobile werden zu 25% des stabilisierten Kaufpreises subventioniert.

  3. Erdölheizungen werden innert 15 Jahren durch Alternative Lösungen zu Preisen einer neuersatz-Erdölheizung abgelöst.

Finanzierung: Zusatzabgaben auf allen fossilen Brennstoffen sowie promillesteuer auf allen Finanzhandeln mit Derivaten

Rechtsgrundlage: Bundesgesetz über die Bekämpfung des Klimwandels ( Inkraftsetzung im Eilverfahren)

SUBITO

©️ Alle Rechte an obigen Lösungsvorschlägen kostenpflichtig vorbehalten

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F. Z.
· editiert

ODER wir packen das übel an der Wurzel und reduzieren den individualverkehr direkt... wie wäre es zum Beispiel mit gesetzlich vorgeschriebenen Homeofficetagen für berufsgruppen, bei denen das möglich ist? Eine weitere Initiative gegen die Zersiedelung, bei der das raumplanugsgesetz radikal neu gestaltet und verschärft wird? Wohnen im Grünen und dann jeden Tag 45 minuten mit dem auto nach zürich, 30 davon im Stau... muss das sein?
Verstehen Sie mich nicht falsch: E-Mobile SIND die bessere Variante, den Platz auf Autobahnen sollte man doch bitte nutzen und ölheizungen sind in der heutigen zeit einfach nur blödsinn, aber ihre Vorschläge scheinen mir alle etwas in eine Richtung zu gehen, bei der zwar das individuelle Luxusgut (z.b. Auto) weniger co2 Belastung verursacht, aber unter dem Strich keine Reduktion stattfindet, weil die Anreize es dann erlauben das man halt einfach zweimal dieses Luxusgut kauft.
Kurz: Ich glaube das Subventionen von individuellem Luxus nicht die Lösung sind. Kein Zuckerbrot mehr, nur noch die Peitsche wenn es ums Klima geht. (Wenigstens auf individueller und privatwirtschaftlicher Ebene)

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Timon Zielonka
Sales @ zukunft.com
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"nur noch die Peitsche" - Also konkret die Klimagasemissionen über einen Emissionshandel einfach begrenzen?

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Timon Zielonka
Sales @ zukunft.com
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Wurde schon mal berechnet, ob das reicht?

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Ganz kleine Präzisierung zu einem oft verbreiteten Irrtum: Kühe gorpsen Methan, sie furzen es nicht (um in der Sprache des Autors zu bleiben).

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Lukas Matti
Advocatus der Direktddemokratie
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  1. alle Nationalstrassen werden mit solarpanels auf den Leitplanken bestückt. In lagen über 800 müM. werden sie damit überdacht.

  2. E-mobile werden zu 25% des stabilisierten Kaufpreises subventioniert.

  3. Erdölheizungen werden innert 15 Jahren durch Alternative Lösungen zu Preisen einer neuersatz-Erdölheizung abgelöst.

Finanzierung: Zusatzabgaben auf allen fossilen Brennstoffen sowie promillesteuer auf allen Finanzhandeln mit Derivaten

Rechtsgrundlage: Bundesgesetz über die Bekämpfung des Klimwandels ( Inkraftsetzung im Eilverfahren)

SUBITO

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R. S.
· editiert

Der Artikel ist extrem interessant, vor allem was der Blick auf die Psychologie betrifft. Er lässt aber vermissen, was man gegen die schlechte Laune tun kann. Das Problem ist ja nicht der Energieverbrauch oder der Fleischkonsum per se, sondern die fehlende Nachhaltigkeit bei der Produktion und dazu passende Produktwahl der Konsumenten. Es gibt kein physikalisches Gesetz, das Häuser, Fabriken, Autos und Flugzeuge für alle Ewigkeit zu Klimasündern verdammt. Wenn fossile Brennstoffe eines Tages nicht mehr so unglaublich stark subventioniert werden, wird sich sehr schnell sehr viel ändern. Energie sparen verschiebt die Probleme auf ein paar Jahre später, verhindert sie aber nicht. Die einzige Hoffnung liegt darin, Produktion und Konsum aller Güter und Dienstleistungen 100% nachhaltig zu machen. Was nicht nachhaltig ist kann per Definition nicht lange beibehalten werden. Wir müssen dafür sorgen, dass Nachhaltigkeit belohnt wird, dann gibt es Hoffnung für die Menschheit und die Umwelt.

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Die Menschheit kommt an Wallace-Wells Bilanz - 97% sterben - nicht vorbei. Aber müssen wir deshalb den Planeten völlig unbewohnbar machen? Der Mensch ist das Problem. Die Welt ist von diesem Ungeziefer, von diesem Krebsgeschwür befallen! Die Verhinderung eines atomaren Weltkriegs ist also alles andere als ein Erfolg gewesen. Nehmen wir mal an wir sind Planetendoktor. Und nun kommt die Erde zu uns und wir diagnostizieren Krebs mit Metastase: Die Menschheit hat sich über die ganze Welt verbreitet. Da gibt es doch nur eine Therapie: eine radikale Chemotherapie, ein nuklearer Weltkrieg eben. Das würde auch 97% der Menschheit auslöschen, genauso wie unsere Sucht nach (fossiler) Energie, nur würde die Welt überleben. Und die Menschheit schnell und damit humaner sterben. Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich finde so ein Szenario furchtbar. Das Problem ist, dass wir nur zwischen furchtbaren Szenarien auswählen können.

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