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Beiträge zu «Die Schadensbilanz»



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Guten Morgen. Danke für die Rückmeldung. Ich gestatte mir zwei Anmerkungen:

  • Wir haben für diesen Text in den vergangenen drei Monaten mit mehr als einem Dutzend ehemaligen und aktiven Diplomaten gesprochen, mit diversen Angestellten des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA), mit langjährigen Beobachterinnen der Aussen­politik, Wirtschafts­vertretern, Gewerkschafterinnen und FDP-Mitgliedern. Das Resultat davon lesen Sie hier. Sie mögen es als einseitig empfinden, aber ich kann Ihnen versichern, dass sich unser Bundeskorrespondent nach bestem Wissen und Gewissen um wahrheitsgemässe Wiedergabe bemüht hat.

  • Es steht Ihnen selbstverständlich frei, Ihre Mitgliedschaft oder Ihr Abo aufgrund eines Textes zu beenden, der sich nicht mit Ihren Ansichten deckt. Ich würde entgegenhalten, dass wir unsere Aufgabe genau dann erfüllen, wenn wir unsere Leser regelmässig (auf gut recherchierte Faktenbasis abgestützt) vor den Kopf stossen. Ein Medium wird Ihnen kaum nützlich sein, wenn es nur bestätigt, was Sie bereits zu wissen glauben oder für richtig halten. Wie dem auch sei, vielen Dank für Ihre Unterstützung bis hierhin! Ihre Kündigung können Sie hier einleiten: https://www.republik.ch/konto

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Gestatten Sie bitte, werter Herr Fuchs, auch eine Anmerkung: Falls die Debattenbeiträge ein auch nur ungefähres Bild der Republik-Leserschaft skizzieren oder erahnen lassen, stossen Sie Ihre Leser keineswegs regelmässig vor den Kopf – doch wohl eher im Gegenteil. Demnach erfüllen Sie Ihre selbstgestellte Aufgabe kaum je.

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Andreas Bock
Pensionierter Chefarzt
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Dies ist ein wirklich schlechtes Stück Journalismus, das so ohne weiteres auch in der "WOZ" stehen könnte und der "Republik" ganz schlecht ansteht. Der Titel "Die Schadensbilanz – Eine Recherche" lässt eine Bilanz der 2 Jahre Cassis erwarten. Was kommt, ist zu grossen Teilen auf den Mann gespielte Propaganda gegen die Person Cassis. Eine Republik-Recherche ist nicht das Wiedergeben von Berner Kaffeklatsch und Wandelhallen-Geraunes aus der Sicht von SP/GP:
Abschnitt 1 "Vorgeschichte": ist irrelevant fürs Thema "Bilanz", soll Cassis als Opportunisten darstellen.
Abschnitt 2 " Der Fehlstart": kritisiert, dass Cassis beim Kontakt mit Saudiarabien nicht als erstes über die Menschenrechtsverletzungen geredet hat, dass Cassis die Unterstützung der UNRWA in Frage gestellt hat, und dass er die "roten Linien" in der Europapolitik in Frage gestellt hat. Das ist nur dann ein Fehlstart, wenn alles falsch ist, was der SP-Parteilinie entgegenläuft. Wohlwollende Variante wäre: hier bringt einer frischen Wind.
Abschnitt 3 "Der Undiplomat": beschreibt Friktionen eines nicht-Diplomaten mit dem diplomatischen Korps. So what ? Wenn man als neuer Chef Dinge ändern will, gibt es Friktionen.
Abschnitt 4 "Der Schattenminister" baut eine Verschwörungstheorie auf. Sätze wie "Schon damals wird Seiler als «karrieregeil» und als Machtmensch bezeichnet, der seine Ziele berechnend verfolge. Die Beschreibung bleibt bis heute zutreffend." haben nichts mit recherchierter Bilanz zu tun. Ist schlichter Gossip.
Abschnitt 5 "Switzerland first" benützt Äusserungen von Cassis, die empörungsbewirtschaftet wurden, um Cassis in die Trump-Ecke ("America first") zu stellen. Das ist nun wirklich faktisch und stilistisch jenseits von Fakten und Geschmack.
Abschnitt 6: "Die Gegenspieler" berichtet, dass Cassis im Bundesrat und in der FDP Gegner hat, angeblich auch Karin Keller-Suter. Das ist zwar auch Gossip, aber immerhin relevant.
Abschnitt 7: "Die Reiseunlust" führt sich nun wirklich selbst ad absurdum. Würde Cassis mehr reisen, würde man von Finanzverschleuderung und Vernachlässigung des Departements reden, reist er wenig, so sagt man er verpasse Chancen.
Gerade dass Cassis sowohl links (Palästina, "Lohnschutz") wie rechts (Pilatus-Werte) gehätschelte Vorstellungen in Frage stellt, spricht sehr für ihn. Wäre Cassis ein frisch erkorener grüner Bundesrat, würde man seinen Mut herausstellen, Etabliertes in Frage stellen und man würde ihn als Persönlichkeit mit Ecken und Kanten loben. Weil diese Sicht den Autoren nicht passt, stellt der Artikel Cassis als trottligen Lehrling dar.
Ich war bis jetzt wirklich ein Fan der Republik. Artikel wie diese darf man auch in der Republik bringen, wenn man sie als Meinung oder Kolumne deklariert. Aber eine Recherche im Republik-Anspruch, der Wahrheit verpflichtet zu sein, ist dieses Negativpropaganda-Stück sicher nicht.
(Conflict of interest: bin NZZ-Leser, kein Parteimitglied, Republik-Verleger)

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Guten Morgen Herr Bock, danke für die ausführliche Rückmeldung! Zunächst zum Conflict of Interest, ich würde jetzt den Umstand, dass Sie die NZZ lesen nicht als solchen bewerten. War mein letzter Arbeitgeber - und ich lese sie ebenfalls. ;-)

Zu Ihrer Kritik.

  • Die Recherche gibt nicht «Berner Kaffeklatsch und Wandelhallen-Geraune» wieder. Sie basiert auf, Zitat: «Gesprächen mit einem Dutzend ehemaligen und aktiven Diplomaten, mit diversen Angestellten des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA), mit langjährigen Beobachterinnen der Aussen­politik, Wirtschafts­vertretern, Gewerkschafterinnen und FDP-Mitgliedern.»

  • Ich habe den Eindruck, dass Sie davon ausgehen, wir hätten dieses Stück bewusst als Angriff ausgelegt. Zumindest impliziert das Ihre Wortwahl «auf den Mann gespielt» und «Negativpropaganda». Nun, es wird Ihre Meinung von dem Stück kaum ändern, wenn ich Ihnen versichere, dass wir ergebnisoffen recherchiert und drei Monate um Wahrheitsfindung bemüht haben. Ich würde aber entgegenhalten, dass Sie dem Stück eigentlich vor allem vorwerfen, dass es Cassis' Entscheide anders bewertet als Sie.

  • Nun, Meinungsverschiedenheiten sind normal, gerade wenn es um Politik geht. Aber ich bitte Sie aufrichtig, den Propagandabegriff künftig im Giftschrank zu lassen. In dem Moment, wo Sie einem Journalisten vorwerfen, er betreibe Propaganda, ist ein konstruktiver Austausch kaum mehr möglich. Journalismus ist die Antithese von Propaganda. Ergo ist der Vorwurf der schlimmste, den Sie einem Journalisten überhaupt machen können. Er zielt auf den Kern der beruflichen Ehre.

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Andreas Bock
Pensionierter Chefarzt
·

Sehr geehrter Herr Fuchs
Danke fürs Ernstnehmen.
Sie haben recht, dass "Propaganda" eine zielgerichtete, im Auftrag erfolgende Irreführung wäre. Das unterstelle ich nun wirklich nicht und bitte um Entschuldigung.
Ich denke trotzdem, dass der Artikel sich negativ abhebt von der kritischen Distanz, die die Republik bisher meist auszeichnete. Wie Sie richtig schreiben, differieren wir in der Bewertung der Äusserungen/Aktionen von Cassis. Was den Artikel so schief macht, ist, dass in jedem Fall immer nur die für Cassis schlechtestmögliche Interpretation (ohne Alternative) präsentiert wird, und dass ganze Abschnitte nur zur Infragestellung der Person Cassis dienen (Abschnitt 1 "Vorgeschichte" / "Switzerland first", 4. "Der Schattenminister", "7. Reiseunlust"). Solches bin ich mir vom "Spiegel" (oder auch vom "Blick") gewohnt, aber nicht von der Republik.
Die Republik-Verleger haben die Daten-Recherchen der Republik gelobt und eine gewisse Arroganz nicht gemocht. Dem wird dieser Artikel nicht gerecht: Das Recherchierte wird so einseitig präsentiert, dass es arrogant wirken kann. Das Gegenteil von Arroganz wäre eine gewisse Demut der Tatsache gegenüber, dass Facts verschieden interpretierbar sind (das hat nichts mit "alternate facts" zu tun). Ich finde ernsthaft, dass Cassis (ausser Maudet zu verhindern ) einiges wesentlich besser gemacht hat als sein Vorgänger (Rahmenabkommen, Reevaluation der EDA-Ausgaben, ja sogar die Pilatus-Story), nur ist er ein wenig zwischen die Kampflinien gekommen (spricht eigentlich für ihn). Unbenommen, ein polemisches Stück gegen Cassis zu schreiben, aber es sollte als Meinung oder Kommentar deklariert werden und nicht als "Recherche".

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andreas bock >für mich ist diese zusammenfassung/recherche über den bundesrat cassis ausserordentlich gut gelungen. daher finde ich ihre idee das ganze könnte auch in der woz stehen als grosses lob.

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(durch User zurückgezogen)

Bitte lassen Sie solche Spekulationen sein. Genauso wie wir ohne versteckte Agenda recherchiert haben, kann man ohne versteckte Agenda das Stück kritisieren.

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Es scheint mir eher so zu sein, als ob Sie das Thema unnötigerweise auf eine billige Rechts-Links-Dichotomie reduzieren, in welcher Kritik an Menschenrechtsverletzungen plötzlich zur SP-Parteilinie wird. Hoffen wir doch nicht!

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Danke für Ihre Ausführungen !
Beo "solchen" Artikel, mit diesem Ton, habe ich ein ganz schlechtes Gefühl, es fehlen mir jedoch die Fakten.

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Ich teile die Kritik von Herr Bock: Auch ich bin gegenüber Cassis skeptisch eingestellt, dennoch tut es dem EDA gut, gibt es frischen Wind. Das EDA hat in der Vergangenheit zu oft weit weg von der Bevölkerung gearbeitet, niemand war dort auf die MEI vorbereitet, daher macht es Sinn die bisherigen Konventionen zu hinterfragen. Andersdenkende hatten es im EDA immer schwer und wurden kaum befördert - daher packen für die Republik (und den im Artikel verlinkten Bilanz-Artikel) entsprechend viele erfahrene Diplomatinnen und Diplomaten gegenüber Journalisten aus, weil es zur Zeit halt für linke Mitarbeitende schwieriger ist als zuvor. Grundsätzlich aber nichts Neues.
Der Vergleich mit dem kriminellen US Präsidenten Trump, der keinerlei Respekt für Gewaltenteilung und Rechtsstaatlichkeit zeigt, ist jedoch deplatziert. Cassis wurde m.W. nie mit solchen Vorwürfen konfrontiert. Das die Schweiz Interessenspolitik macht und in erster Linie Aussenwirtschaftspolitik ist nur konsequent und ehrlich. Diese Vorwürfe im Artikel sind scheinheilig.
Was man hingegen kritisch beleuchten könnte: Wieso kommuniziert Cassis derart schlecht obwohl seine, im Artikel genannte, persönliche Mitarbeiterin ehemalige Bundeshaus-Journalistin ist?

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Seit zwei Jahren reibe ich mir die Augen ab den Einfällen dieses Bundesrates . ...

Unabhängig von Regionen, Parteien, Zauberformel und Grünen :

Herr Cassis sollte aus dem Verkehr gezogen
werden zur Schadensbegrenzung unseres Landes.

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Yes!

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Dringend! Und seine Parteipräsidentin aus den selben Gründen gleich mit ihm.

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Bundesrat Cassis erfüllt meiner Meinung nach die politischen Anforderungen an einen Bundesrat kaum, die moralischen mit Sicherheit nicht. Neben allen anderen skandalösen Geschichten (u.a. Waffenlobby, Glencore etc.) zeigt allein die Kooperation mit Philip Morris erschreckend deutlich auf, wie Bundesrat Cassis sich über grundlegende moralische Prinzipien hinwegsetzt, sein ärztliches Wissen über die katastrophalen Gesundheitsrisiken des Tabakmissbrauchs völlig ausblendet und so auch elementare ärztliche Grundprinzipien verletzt. Cassis darf nicht wiedergewählt werden. Wir brauchen keinen Salvini im Bundesrat.

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Lieber Heini,
Du hast natürlich ganz recht, nur: den Cassis als Arzt zu bezeichnen, ist nicht angebracht, denn dazu würde ja ein gewisses Interesse an der Gesundheit der Mitmenschen gehören. Man könnte ihn vielleicht als Apparatschik, der einmal ein Medizinstudium absolviert hat, beschreiben. Wenn sich ein ehemaliger Kantonsarzt (da müsste man doch an public health interessiert sein...) um die PR eines Tabakkonzerns bemüht, dann sind schon fast trumpsche Verhältnisse erreicht.

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Lieber Lorenz,
Ich bin mit Deiner Einschätzung sehr einverstanden. Vermutlich bin ich zu idealistisch, wenn ich davon ausgehe, dass jemand, der ein Medizinstudium absolviert hat und auch eine Zeitlang medizinisch tätig gewesen ist, eine gewisse ärztliche Grundhaltung das ganze Leben lang beibehält.

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A. G.
Medizinstudent
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Danke für die Abrechnung. Sie hat mir Einblick verliehen in viele Aspekte, von denen ich vorher nichts wusste, auch wenn sie teilweise ein wenig zu reisserisch geschrieben ist, meiner Meinung nach.

Ich frage mich aber, ob der Teil zum Schattenminister Seiler nicht viel eher einen eigenen Artikel verdient hätte, als hier so nebenbei reinplatziert zu werden. Dieser Teil interessierte mich schon fast am meisten.

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Ich danke der Republik für diese umfangreiche Recherche. Die Reaktionen der Herren Bock und M. schmälern den Wert der Arbeit in keiner Weise. Es sollte auch dem bürgerlich gesinnten Republik-Publikum dämmern, dass Cassis für die FdP eine Hypothek ist. Mit dem Wegfall der parlamentarischen Legitimation der FdP /SVP-Mehrheit im Bundesrat wird sich die FdP entscheiden müssen, wen sie dort behalten möchte - ob bereits jetzt, oder etwas später. Es dürfte sich dannzumal kaum jemand finden, der für Cassis und gegen Keller-Suter eintritt (weil diese Frau ihren Job so macht, wie es allgemein erwartet wurde).

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Ich bin sehr für eine Tessiner Vertretung im Bundesrat. Aber der Tessin hat doch fraglos fähigere Leute als dieser Cassis?

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Wie es Jon Pult richtigstellte: es geht um die Vertretung der italienischsprachigen Menschen im Bundesrat, nicht des Kantons Ticino. Also auch der Bündner Südtäler und der Italienischsprachigen in anderen kulturellem Regionen der Schweiz.

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Da wäre beispielsweise die Grüne Greta Gysin.

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Roland Jost
Pensionär
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Ich bitte Sie, die REPUBLIK, diese Zusammenfassung als gedruckte Version im Parlament zu verteilen oder am Eingang zum Bundeshaus zu verteilen.

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Das ist eine gute Idee! Bewirken wird sie gar nichts. Konzise Information, so wichtig sie auch sein mag, stösst bei Politiker*innen nicht auf Interesse. Die Klimakrise demonstriert das exemplarisch.

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Es ist praktisch unmöglich, dass Regula Rytz einen schlechteren Job machen würde als Cassis. Aber wann wurden in der Schweiz schon Leute in den Bundesrat gewählt, weil sie gut waren?

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Die Bürgerlichen haben Angst vor Regula Rytz weil sie gut ist. Das können sie aber nicht zugeben und darum warten wir noch immer auf eine plausible Erklärung von Herrn Pfister, warum Frau Rytz nicht wählbar sein soll.

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Ähm, ernsthaft? Halte einen solchen aus der Hüfte geschossenen Kommentar eines Redaktors für ziemlich deplatziert. Wie jemand anderes diesen Job machen würde, können wir schwerlich beurteilen, denn "gute" Politik ist nun mal nicht einfach so messbar. Und wenn ich mir den aktuellen Bundesrat anschaue, so wurden beispielsweise Alain Berset, Simonetta Sommaruga oder auch Karin Keller-Sutter durchaus auch gewählt, weil sie zuvor einen sehr guten Job gemacht haben und in unterschiedlichen Feldern performten und Meriten erlangten. Eine gewisse Ernsthaftigkeit in der Auseinandersetzung wäre schon wünschenswert (bezieht sich nicht auf den informativen Artikel, sondern auf den obenstehenden Kommentar).

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Ich bin nicht mehr Redaktor, also drosseln Sie Ihre Erwartungen an mein Niveau. Cassis‘ Amtsführung ist eine Katastrophe. Zu diesem Urteil komme ich ohne Hüfteinsatz. Angesichts seiner durchaus bewertbaren miesen Amtsführung ist meine Aussage sowohl ernsthaft als auch nachvollziehbar.

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«Gute Politik» erkennt weitsichtig die grossen Probleme der Zeit und findet Lösungen darauf. «Schlechte Politik» folgt eigenen Partikularinteressen, befeuert die grossen Probleme und verhindert Lösungen für ebendiese.

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Christof Moser
Chefredaktion
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Herr Rüegg ist freier Autor (wie Sie dem Profil entnehmen können) und ist jederzeit frei in seiner Meinung wie Sie auch. Herzlicher Gruss.

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Man kann Dennis Bühler nur gratulieren für diesen grossartigen Artikel. Er zeigt - leider - folgendes:
Die Schweiz, die sich rühmt, ein Demokratie zu sein, ist in Wirklichkeit ein autoritärer Staat. In jeder Demokratie ist die Folge eines derartigen Erdrutschiegs bei nationalen Wahlen eine Veränderung der Regierung. Nur in der Schweiz sind die Verlierer nicht bereit, dem Wahlresultat auch die nun nötigen Taten folgen zu lassen. Es war zuerst die WOZ, die in sehr nachvollziehbarer Art gefunden hat, dass bei diesem Wahlresultat der schwächste Bundesrat abzutreten hat. Derselben Meinung ist, ebenfalls mit guten Gründen, Rudolf Strahm im heutigen Tages-Anzeiger. Allein die bürgerlichen Parteien möchten alles das ignorieren und die Grünen auf den St. Nimmerleinstag vertrösten. Das ist kein Verhalten, das einer Demokratie würdig ist.

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Sogar die NZZ findet, man könne es rechnen und wenden wie man wolle: Die FDP muss einen Bundesratssitz an die Grünen abgeben. Früher, als die FDP noch von freisinnigen Persönlichkeiten geführt wurde, hätte man das als Befehl verstanden.

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Danke für die Bilanz - leider bestätigt diese das ungute Gefühl, das ich schon länger habe: « Niemand hat die Schweizer Aussenpolitik jemals in so kurzer Zeit so grundlegend umgekrempelt wie Ignazio Cassis. Gemeinsam mit seinem General­sekretär und ehemaligen Geheimdienstchef Markus Seiler, der zu einer Art Schatten­minister geworden ist, spielt er seit gut zwei Jahren Powerplay: gegen die eigenen Diplomaten, gegen seine Bundesrats­kolleginnen, gegen bewährte Werte der Schweizer Aussenpolitik.

Pierre Aubert, René Felber, Flavio Cotti, Joseph Deiss, Micheline Calmy-Rey, Didier Burkhalter: Seit der Gründung des EDA vor vierzig Jahren sahen es alle Aussen­minister als wichtig an, dass sich die Schweiz stark an multilateralen Institutionen beteiligt. Sie alle setzten sich dort für Menschenrechte und rechts­staatliche Prinzipien ein.

Anders Ignazio Cassis. »

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Mann oh Mann! Eigentlich versteht Cassis Aussenpolitik als einseitige Wirtschaftsinteressenspolitik. Dass er zudem nur noch Rechtskoalitionen verfolgt, ohne das Ganze und die Kooperation mit dem Gesamtbundesrat im Sinne eines Gesamtinteresses im Blick zu behalten ist eines Bundesrates unwürdig.

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Anonym
Politikwissenschaftler
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· editiert

Natürlich ist wichtig, dass die italienisch sprachige Schweiz vertreten ist, dazu gehörten aber auch Teile des Bündnerlandes, nicht nur des Tessins (Art 175 BV).
Noch wichtiger aber: Das Tessin war insgesamt betrachtet in der Vergangenheit statistisch eindeutig überrepräsentiert. Das ist generell nicht schlecht. Minderheiten sollen ja gefördert werden.
Das heisst aber auch: dieses Argument sollte nicht zu stark für Cassis sprechen. Ein paar Jahre ohne italienischsprachige Repräsentation würde es rein statistisch problemlos vertragen und man könnte bei der nächsten Wahl eine kompetentere Person aus der Italienischsprachigen Schweiz wählen.

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Wenn wir schon bei dieser Sprachengeschichte sind: ich finde die Repräsentation der Suisse romande und der Svizzera italiana essenziell. Was ich jedoch für speziell überfällig halte, ist eine Vertretung der Schweizer*innen mit Migrationshintergrund. Diesbezüglich ist sogar die reaktionäre Tory-Partei weiter!

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Die FDP und die rechtsbürgerliche Mehrheit setzen sich für die Wiederwahl von Cassis ein. Ihr Anspruch auf zwei Bundesratsitze sei berechtigt. Doch mit Cassis steht ein fehlplatzierter SVPler zur Wahl. Wenn der FDP ihr grüner Wandel und ihr Freisinn ernst ist wäre es an der Zeit, einen anderen FDP-Kandidaten zu stellen. Doch verbietet das der Machtpoker. Ähnliches denke ich auch über die Grünliberalen. Es stellt sich die Frage, wie wichtig ist ihnen das "Grün", wenn ein Bekenntnis zu Regula Rytz die Partei in ein Dilemma bringt - ist die Macht der Wirtschaft doch viel wichtiger als der Einsatz für die Natur. Wozu braucht es diese Partei denn überhaupt.

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Cassis hat verkauft, was er nicht hat: Seine Seele.

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Elia Blülle
Journalist @Republik
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Bleiben Sie bitte sachlich. Dieser Kommentar trägt nichts zur Debatte bei und greift Herrn Cassis persönlich an. Das ist unnötig.

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danke ellia blülle für die einladung politisch korrekt zu kommentieren. nur: was ich in wenigen worten schreibe, drücken verschiedene kommentare mit mehr worten aus. vgl. kienholz, der u.a. schreibt cassis genüge moralischen standards nicht. ich weile zurzeit in lateinamerika, hier ist eine kurze prägnante stellungnahme nicht gleich ein skandal. trotzdem folge ich ihrer aufforderung und schreibe neu: bundesrat cassis genügt moralisch nicht den anforderungen, die sein amt verlangt. ok so für sie und die kommentarkultur der Republik?
herzlich grüsst el bailador de tango.

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Lieber Elia Blülle
Was würden Sie tun, wenn ein Satz wie von S. in einem Text der Republik auftauchte? Ich bin sicher, es lassen sich in Texten der Redaktion deftigere Aussagen finden, als die von Ihnen beanstandete. Es ist nicht das erste Mal, dass ich mich an einer Intervention seitens der Moderation störe. Aber diese hier ist für mich einfach unverständlich. JA, ich finde es gut, dass diese Seiten moderiert werden. Und JA, ich hoffe, Sie spüren mein Bemühen, auch ganz korrekt zu bleiben. ABER ich möchte auch festhalten, dass sich hier erwachsene und insgesamt überdurchschnittlich zivilisierte Menschen austauschen. Interventionen wie die Ihre wirken auf mich in diesem Umfeld ganz einfach bevormundend, oberlehrerhaft, krampfhaft politisch korrekt. Hie und da eine kleine Boshaftigkeit, eine Bonsai-Polemik oder ein Sarkasmus auf Zimmerlautstärke sollten doch noch drinliegen, oder?

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Anonym
· editiert

Die Zusammenstellung der Zwischenbilanz von BR Cassis ist erhellend. Die Republik sollte in einem separaten Artikel aber einmal
vertieft der hochproblematischen Verquickung der Schweizer Aussenpolitik mit den Wirtschaftsinteressen nachgehen. Diese gab es schon immer - und natürlich auch in allen anderen Ländern. Aber dass die Verteidigung der Interessen der Grosskonzerne zum alleinigen Primat der offiziellen Aussenpolitik wird, ist in dieser Qualität neu. Man wünschte sich, dass die 4. Gewalt im Land der skandalösen Propaganda zugunsten Glencore in Sambia vertieft auf den Grund gegangen wäre. Es handelt sich dabei nicht einfach nur um ein kleines Werbefilmchen für einen Rohstoffmulti, welches sich für einen Magistraten nicht ziemt („Cassis mit gelbem Schutzhelm“). Vielmehr verschleiert es die gravierenden Verstösse von Glencore gegen nationales und internationales Umwelt-, Sozial- und Steuerrecht. In der besagten Mine im Norden Sambias wurden nicht einfach „nur“ ein paar Kumpels hospitalisiert. In der ganzen Umgebung ist der Boden verseucht, in den umliegenden Gemeinden sind tausende Menschen durch kontaminiertes Trinkwasser vergiftet worden! Die Standards in dieser „Schweizer Mine“ sind die tiefsten im ganzen Land. Weder die chinesischen noch australischen noch südafrikanischen Kupferminen im Land wenden das gefährliche insinu Verfahren zur Rohstoffgewinnung an, welches das Grundwasser vergiftet. Der Skandal wurde in einem Dokumentarfilm aufgearbeitet: https://www.youtube.com/watch?v=uamzirLswjk

Dazu kommt, das Glencore mit seinen unsäglichen Steuerkonstrukten dem Staat keinen einzigen Kwatcha abgibt. Und das in einem der ärmsten Länder der Welt. Es reicht, ein paar korrupte Beamte und die hohe Politik zu schmieren und die Gewinne im Gestrüpp internationaler Tocherfirmengebilde, in denen die Kosten in den Produzentenländern anfallen und die Gewinne in den Steueroasen abgeliefert werden, verschwinden zu lassen. Der Film dazu: http://topdocumentaryfilms.com/stealing-africa/

Auch Die Reporter von SRF haben einen Dok zu der Mopani Mine von Glencore gemacht:
https://www.youtube.com/watch?v=QtwdJzJd_YM

Das Buch zum Skandal stammt von der Erklärung von Bern, absolut lesenswert:
Erklärung von Bern (HG.) (2011). Rohstoff. Das gefährlichste Geschäft der Schweiz. Zürich: Salis Verlag AG.

Unter Didier Burkhalter durfte der damalige DEZA Direktor noch darauf hinweisen, dass das Rohstoffgeschäft für den nächsten grossen Reputationsschaden der Schweiz sorgen dürfte. Es gab offizielle und neutrale Infos auf der EDA Seite zu diesem Business, welche mittlerweile allesamt verschwunden sind. Eine Kommentareschreiberin kritisierte, dass die Diplomaten sich im Republikartikel nur anonym geäussert haben. Was Wunder: im Aussendepartement regiert die Angst. Cassis und sein Generalsekretär, der ehem. Geheimdienstchef Seiler, haben ein Klima des Misstrauens geschaffen.

Bleibt die Frage, wem dieser einseitige Wirtschaftsprotektionismus nützt? Wieviel Steuern zahlt Glencore an seinem Zuger Sitz? Wieviele Arbeitsplätze haben sie geschaffen? Auf dem Papier ist die Schweiz dank unserer Rohstoffmultis der grösste Kupferimporteur der Welt. Wieviel vom Rohstoff kommt je auf Schweizer Boden? Sambia ist der grösste Exporteur von Kupfer, China defacto der grösste Importeur. Die Schweiz ist einfach ein gigantischer Briefkasten, der sich um die Absender und Empfänger der Post futieren darf. Wie lange noch?!? Die - leise - Hoffnung liegt auf der Konzernverantwortungsinitiative.

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Hernâni Marques
Netzaktivist
·

Danke für den Artikel!

Ich schliesse mich Martin Steiger an (vgl. https://twitter.com/martinsteiger/s…8865075200) und bin mit der Ansicht, dass Einiges an Licht auf Markus Seilers Wirken - dem eigentlichen Machthaber - angebracht wäre.

Ich gehe davon aus, dass weite Teile der Verlagsetage darüber verschärft entzückt würden. 😃

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Flavio Frei
Ratsmitglied Project R Genossenschaft
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Im Sinne der Stabilität des BR-Gremiums würde ich mich gerne für ihn aussprechen. Aber Dennis Bühler zeigt anhand sehr guter Beispiele auf, wo die Probleme seiner Angreifbarkeit herkommen.

Die Inhalte von Cassis' Aussenpolitik sind das eine. Klar bekommt er dafür keine bzw. wenig Sympathien. Ein weitaus grösserers Problem scheinen mir aber seine Integrität sowie seine Kommunikationskompetenzen zu sein; die Pro Tell-Geschichte, die Rückgabe des IT-Passes, die Lüge mit dem Sponsoring, die Art & Weise, wir er mit "seinen" Diplomat*innen verkehrt... Sicher nicht optimal. Ich nehme Cassis ein Stück weit ab, dass die Kommunikation für ihn nicht einfach ist. Aber nach bald zwei Jahren darf man doch erwarten, dass ein BR auch dafür entsprechendes Personal hat.

Und für all die Stänkerer, die sich ab der Tonalität und der "Parteinahme" aufregen: Es gab vor einigen Wochen einen ebenfalls sehr gut recherchierten Artikel über Cédric Wermuth. Die negativen Reaktionen waren ähnlich...

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Lieber Flavio Frei
Mit den Absätzen 2 und 3 Ihres Beitrags bin ich einverstanden. Aber mit Ihrem Bekenntnis zur "Stabilität" habe ich Mühe. Ist "Stabilität" wichtiger als demokratische Wahlen? Mit dieser Floskel versucht Frau Gössi die Wahlniederlage der FdP und ihrer drei Mitregierungsparteien kleinzureden. Noch nie seit der Einführung der "Zauberformel" hat eine Partei ausserhalb des BR-Kartells über 10% geholt. Da wirkt die Bemühung des S-Worts einfach ein bisschen gesucht.

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Flavio Frei
Ratsmitglied Project R Genossenschaft
·
· editiert

Ihren Einwand kann ich gut nachvollziehen: Für mich ist Stabilität an sich halt erstrebenswert. Gleichzeitig ist mir aber bewusst, dass das Stabilitätsargument oft opportun und als Feigenblatt verwendet wird (2007, 2019 zeigen das gut). Ich kann das Stabilitäts-Ideal daher nicht gut verteidigen, gerade wenn die Beweislage so erdrückend ist.

Ideal (schon wieder...) fände ich übrigens, wenn spezifisch die FPD (aber auch alle Parteien allgemein) ihre BR ehrlicherweise zurückziehen würden. Aber das ist Wunschdenken...

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Flavio Frei
Ratsmitglied Project R Genossenschaft
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Autsch 🙈

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Ein Protagonist ist unerwähnt geblieben:
Dr. Philipp Aerni, Direktor des Zentrums für Unternehmensverantwortung und Nachhaltigkeit an der Universität Zürich. Cassis scheint viele Ideen von ihm zu übernehmen: Er ist Autor von AVIS-28 und taucht immer wieder auf als angeblich neutraler Beobachter (Beispiel: https://www.blick.ch/life/wissen/wa…59187.html ). Kenner seiner Auftritte sagen jedoch er sei ein bekannter Gegner der Konzerverantwortungsinitiative (KOVI). Die NZZ hat seine Ideen auch aufgenommen: „Multis sind für die Dritte Welt mehr Segen als Fluch“: https://www.nzz.ch/wirtschaft/multi…ld.1497786

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Wenigstens hat er Pierre Maudet im Bundesrat verhindert...

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Aber auch - oder - Isabelle Moret...

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Hab ich mir gar nicht überlegt... Das ist allerdings verdienstvoll!

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B. G.
Köchin
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wer ist da wirklich erstaunt? und die Lobby? Mesdames ,Messieurs reveillez vous

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(durch User zurückgezogen)
Agnès Laube
Grafikerin/Journalistin/Dozentin
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Es bleibt in Bezug zu dem an sich sehr informativen und relativ sachlich formulierten, anscheinend fundiert recherchiertem Artikel leider der etwas ungünstige Eindruck, dass keine/keiner der befragen 'Quellen' namentlich Stellung zu beziehen bereit war/ist. Wieso ist das so? Das ist schade und hinterlässt einen etwas faden Geschmack bezüglich der sehr interessanten Recherche, Zusammenfassung von Cassis' Wirken als Aussenminister, Vorsteher des EDA ('...wie bundesnahe Quellen, aktuelle und ehemalige MA, Diplomatinnen unisono berichten etc.). Gerade ehemalige, ev. pensionierte DiplomatInnen könnten sich doch outen? Das hätte der Story mehr Glaubwürdigkeit verliehen. Ich bin gespannt auf die weitere Berichterstattung, erwarte weitere Artikel, v.a. zum 'Schattenminister' Markus Seiler.

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B. C.
Leser und "Verleger"
·

..."sagt eine Diplomatin", "sagen aktuelle und ehemalige Diplomaten", "Laut EDA-Mitarbeitern" u.ä. noch und noch. Ich hoffe sehr, dass die Redaktion darüber informiert ist, wer diese anonym zitierten Bezugspersonen sind, ansonsten kann die Journalistin /der Journalist irgend jemanden erfinden, um diffamierende Behauptungen abzustützen. Das wäre dann nicht die Art von Journalismus, die ich unterstützen möchte.
B. C., Chur

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Christof Moser
Chefredaktion
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Danke für die Rückmeldung. Das ist selbstverständlich so und im Regelwerk mit den Pflichten für Journalisten so festgehalten; die Zitate sind nicht anonym, sondern anonymisiert zum Schutz der Quellen.

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Als Cassis-Opfer (EU) möchte ich auch an andere erinnern, die er dieses Jahr in die Pfanne gehauen hat: die PALÄSTINENSER. Dazu der neuste Artikel von Amira Hass in HAARETZ Israel will nicht nur Palestinenser vernichten sondern GANZ PALÄSTINA

https://www.haaretz.com/israel-news…-1.8230831
MfG
Werner T. M.

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V. T.
· editiert

Nachtrag zu BR Cassis und Philipp Morris:
[philipp morris will bis zu 265 stellen in der schweiz streichen]
(https://www.nzz.ch/wirtschaft/phili…ld.1536700).

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