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Die Schnittstelle, der Transmissionsriemen, die Vermittlung zwischen Emotionen und Vernunft, Ich und Andere, Individuum und Gesellschaft heisst Lernen. Zur Erlangung nicht nur von Wissen, sondern von Tugenden, Fähigkeiten oder Kompetenzen. Durch Askese, Übung oder Bildung. Oder was Foucault als "Technologien des Selbst" und Sloterdijk als "Domestikation des Menschen" bezeichneten.

Dieses braucht ausreichend Zeit, bereichernde Erfahrungen, ansprechende Räume und eine entsprechende Kultur. Des Spiels, des Experiments und der Freiheit.

Deshalb gefiel mir an diesem Artikel besonders der Verweis auf Martha C. Nussbaum, die in der Philosophie als hervorragende Kennerin von Aristoteles gilt. Und meiner Meinung nach sein Werk für die Gegenwart aktualisiert.

Humanistische, also ganzheitliche Bildung - sei es durch Pädagog*innen, Mentor*innen oder durch sich selbst - war und ist immer schon ein optimistisches Unternehmen. Eines, das hofft, in der offenen Zukunft einen besseren Charakter, ein gutes Leben und eine gerechte Gesellschaft bilden zu können.

Ein pessimistisches Menschenbild jedoch resigniert angesichts des Unerreichten, Unvollkommenen und Ungerechten. Also der Schlechtigkeit der Welt und des Menschen. Hoffnungslos zieht sich die Zukunft zusammen in die Gegenwart oder noch weiter zurück in die melancholisch verklärte Vergangenheit. Und versucht bloss noch mit blanker Macht durch Gesetz und Ordnung, Befehl und Strafe die Hierarchie und Privilegien zu konservieren oder zu reaktivieren.

Wir müssen denken. Wir müssen fühlen. Und wir müssen lernen. Anders zu denken und anders zu fühlen. Nicht zuletzt geht es in unserem Weltinnenraum um die gegenseitige friedvolle, d.h. konviviale "Zivilisierung der Kulturen" (Sloterdijk). Wofür gegenüber den anfänglichen Stressoren oder Triggern die Bildung der Resilienz wichtig ist - individuelle, soziale und ökologische (eine geradezu stoische Tugend). Die Voraussetzung ist für Gelassenheit und Toleranz. Vernunft und Leidenschaft, Widerstandskraft und Handlungsfähigkeit also.

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Lieber Herr Rebosura, haben Sie vielen Dank. Da kann ich vielem zustimmen. Weil Sie den Faktor Zeit betonen: Den würde ich tendenziell sogar noch stärker gewichten als Sie, würde also neben Ihrem Akzent auf der Nussbaum-Position auch einen auf der Biess-Perspektive setzen: Nussbaum plus Biess, Konzept der Praktiken und historische Reflexion. Oder anders: Philosophie UND Geschichte scheinen mir die Perspektiven, um die es in einer interdisziplinären Emotionsforschung die naturwissenschaftlichen Befunde zu ergänzen gilt. Nur im Zusammenspiel dieser Erkenntnisse entsteht jene «Dritte Kultur», die nicht auf Ebene der Wissenschaftsrichtungen selbst einen falschen Dualismus reproduziert. Das macht für mich auch die Qualität des Ansatzes von Philipp Hübl aus, der die moralpsychologischen Ergebnisse mit Erkenntnistheorie und Geschichtsbewusstsein zusammenführt.

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Geschichtsbewusstsein? Na klar, unbedingt! Nur so lernen wir als Gesellschaft aus der Geschichte. So wie wir als Individuum aus vergangenen Erfahrungen lernen.

Ich habe das Schisma der "zwei Kulturen" (C. P. Snow) nie verstanden. Kam es mir doch einer Spaltung meiner Persönlichkeit gleich.

Wie können naturwissenschaftlich-technisch Orientierte von Systemen sprechen, aber gleichzeitig Reduktionismus betreiben, aus allem den Geist austreiben? Und wie kulturwissenschaftlich-künstlerisch Orientierte von ganzheitlicher Bildung, aber gleichzeitig die Materialität vernachlässigen, als wären wir schwebende Intelligenzen?

Aber vielleicht lag das daran, dass ich aus dem Arbeitermilieu kommend ein Real-Gymi absolvierte und danach ein Phil-I-Studium, wobei ich in der Philosophie auch viel Logik, Wissenschaftstheorie und Technikphilosophie machte. Das Bestreben alle Dualismen aufzulösen, zog sich daher wie ein roter Faden durch mein Leben. Da sie mir stets als unterkomplex erschienen. Als Denkfallen, ja als Denkgefängnisse.

Doch letzten Endes geht es doch um die Praxis. Dass wir üben. Dass wir tun. Um uns nicht ständig zu fragen "Was tun?". Um weiter zu kommen. Weiter zu gehen. Irgendeinmal muss die Reflexion und Interpretation ein Ende haben. Und das Handeln einen Anfang (nein, ich zitier das Zu-Naheliegende jetzt nicht )).

Item. Vielen Dank für die Lektürehinweise. Biess kannte ich bisher gar nicht, von Hübl nur seine "Philosophie des Unbewussten".

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im ernst: ja, z.b. u.a.

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«Als ‹Hater› an Briefmarken leckten, blieb so vieles ungeteilt.» Danke für den wunderbaren Intelligenzhumor!

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ja, catharina, das ist sehr schön formuliert. wenn ich allerdings an die überlieferten, mit beleckten briefmarken beklebten briefe denke, die von heinrich heine und seinen "freunden" ausgetauscht wurden, dann sehen manche der heutigen notorischen "hater" eher blaß aus (und ich weiß nicht einmal, wieviele briefe unbeleckt blieben).

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Danke für den Hint mit Heinrich Heine! Hab den aus purer langer Weile wieder mal gegoogelt und u.a. diese passenden und erheiternden Dinge gefunden:

"Wer nicht so weit geht, wie sein Gefühl ihn treibt und sein Verstand ihm erlaubt, ist ein Dummkopf."

"Der Hund, dem man einen Maulkorb anlegt, bellt mit dem Hintern."

"Wer einmal trifft, ist noch kein Schütze."

PS: Ich will mich da nicht mit fremden Federn schmücken. Wikipedia ist doch nicht immer unnütz.

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welch schöner satz, daniel:
«Emotionen sind grundsätzlich ambivalent. Deshalb ist die Front­stellung von Gefühl und Vernunft ein Zerrbild. Vernunft zielt nicht auf das Abschaffen von Emotionen, sondern auf das Eindämmen ihrer destruktiven Kraft.»
er macht auch sinn, wenn man ihn auf den kopf stellt:
«vernunft ist grundsätzlich ambivalent. deshalb ist die front­stellung von vernunft und gefühl ein zerrbild. gefühle zielen nicht auf das abschaffen von vernunft, sondern auf das eindämmen ihrer destruktiven kraft.»
(kleine freitags-meditation mit ganesha, dem elefanten-gott, im hinterkopf)

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Vielen Dank für die sehr gut zu lesende (hoffentlich trotzdem keine Propaganda 😉) und hilfreiche Übersicht.

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Das hoff ich auch, liebe Frau L., vielen Dank :-)

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Ist das bloss dieser Artikel oder basieren auch die Bücher auf so vereinfachten Modellen und diffusen Begriffen? Das mit dem Elefant und Reiter ist ja niedlich, aber die Neurowissenschaft hätte inzwischen gut fundierte Aussagen zu den Grundbausteinen des menschlichen Denkens (Feedback-Schleifen, statistisches Lernen, Erwartung und Belohnung...). Diese scheinen mir für ein besseres Verständnis der Vorgänge absolut zentral.

Einen weiteren Schwachpunkt sehe ich darin, dass erst mal alle Menschen in denselben Topf geworfen werden. Soweit mir bekannt sind Empathie, Vorstellungs- und Abstraktionsvermögen oder die logischen Fähigkeiten sehr individuell - und damit auch die Möglichkeit, komplexe oder abstrakte Probleme in befriedigendem Umfang zu verstehen.
Wenn diese Möglichkeiten nicht ausreichen muss man zwingend auf instinktives Verhalten zurückfallen. Entsprechend kann man eben auch nicht alle Menschen mit denselben Mitteln erreichen.

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Lieber Herr W., vielen Dank. Nach Lektüre meines Textes wird Sie nicht überraschen, dass ich mit Ihnen den Befund teile, dass Haidts These zu kurz greift. Was mir allerdings nicht klar ist: Welche Begriffe finden Sie denn diffus und warum? Das Bild von Elefant und Reiter ist kein Modell, sondern eine Metapher, eine heuristische Hilfskonstruktion zur Veranschaulichung. Und wie ich versuchte zu zeigen, untersuchen die genannten Bücher ganz Unterschiedliches und differenzieren eigene und fremde Befunde unterschiedlich aus. Deshalb werfen Sie m.E. Verschiedenes in einen Topf. Etwas Zweites: Sie lassen sehr viele Begriffe fallen, sagen aber nicht, was Sie darunter verstehen und wo Sie welche Bezüge zum Thema sehen. Wollen Sie das noch etwas ausführen?

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Lieber Herr Graf, Danke für Ihren Kommentar - wenn Ihnen die meinerseits genannten Begriffe nichts sagen haben Sie meine erste Frage damit schon beantwortet, denn Sie haben die Bücher ja gelesen. Es sind Begriffe aus den Neurowissenschaften (typischerweise auf Englisch), und vermitteln Grundlagen der Funktionsweise und der (Un-)Fähigkeiten des Gehirns.

Ohne diese Grundlagen über die Funktionsweise des Denkens zu philosophieren halte ich für sinnfrei. Entsprechend richtet sich meine Kritik nicht an Sie oder Ihren Artikel, sondern gegen die besprochenen Bücher. Diffus sind sowohl die von Ihnen monierten Buzzwords als auch die überall verwendeten Gefüḧlskategorien, z.B. "Angst".

Was die Metapher von Elefant und Reiter angeht, so zeigt sie doch ein grundlegendes Modell der Trennung von Vernunft und "Bauchgefühl". Nur schon für diese funktionale Trennung habe ich bis jetzt keine wissenschaftliche Begründung gefunden, auch wenn ich ungefähr verstehe was die Leute damit meinen.

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Ich kommentiere nicht auf Google
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Bauch first, Brain second. Der zeitlichen Reihenfolge in diesem Bild würde ich zustimmen. Sie macht auch phylogenetisch Sinn. Unsere Emotionen sind menschheitsgeschichtlich älter, sie entstehen tiefer im Gehirn in zentraleren Regionen als die kognitiven Fähigkeiten der Gehirnrinde, die sich erst später entwickelte.
Das Buch von Haidt kenne ich nicht, danke aber für die Empfehlung und mag das Bild vom langsamen, träg wirkenden, schwer zu steuernden Elefanten mit dem agilen Reiter auf dem Rücken. Dass einzig der Elefant bestimme, wo es langgehe, scheint mir aber zu absolut. Dass wir nicht Herr im eigenen Haus seien, hiess schon bei Freud eher: nicht Alleinherrscher, als dass wir da gar nichts zu sagen haben. Die Kunst liegt wohl mehr darin, ein funktionierendes Team zu bilden, als dass sich Elefant und Reiter in einem endlosen Macht- und Unterwerfungskampf gegenseitig lähmen.
Zu Rebosura vielleicht noch (ohne anmassend sein zu wollen):
Zum pessimistischen Menschenbild und der drohenden Resignation vor dem unerreichbar Scheinenden finde ich die bildhafte 'Anweisung' schön, tröstlich und - vielleicht - auch hilfreich:

Wer die entgegen­gesetzte Meinung für sich gewinnen will, darf deshalb beim Gegenüber nicht nur an den inneren Reiter appellieren; er muss auch dem fremden Elefanten etwas anbieten.

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Da stimme ich Ihnen zu. Diese Erkenntnisse stehen im Einklang mit neurowissenschaftlichen Erkenntnissen. Von wegen Limbisches System, worunter die Amygdala gehört - das „Reptilienhirn“ - das für „Fight-or-flight“-Verhalten zuständig ist. Und wohl auch für (vorschnelle) Freund-Feind-Schemata. Ergänzen könnte man diese durch Kahnemanns Schnellem (heuristischem) und langsamem („rationalem“) Denken.

Aber um auf Ihr schönes Bild zu sprechen zu kommen: Ja, ich würde dem resignierten Elefanten wie Nussbaum Hoffnung anbieten, eine reale Utopie und alternative Praktiken inkl. dazugehörige Gemeinschaften. So dass er sich nicht in Ressentiment, Wut und Gewalt verwandelt. Denn wie Fritz Stern schon erkannte ist „Kulturpessimismus“ auch eine „politische Gefahr“.

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Guter Punkt, der Hinweis aufs Genetische. Und einer, der in meinem Text ausgespart ist, einerseits aus Gründen des Umfangs, andererseits weil ich auf diesem Gebiet nicht kompetent bin. Tatsächlich betont Nussbaum, dass die Angst auch genetisch betrachtet eine Vorrangstellung unter den Emotionen habe und stets «als Untergrund aller Gefühle vorhanden» bleibe. Der Einbezug dieser Perspektive führt also auch zu Differenzierungen innerhalb des Bereichs der Emotionen und bleibt für die Beschreibung der Ausgangslage ein wichtiger Aspekt.

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Zum Glück muss man sagen, haben wir beides bekommen. Vernunft und Bauchgefühl. Auf Basis von reiner Vernunft oder reinem Bauchgefühl, lassen sich keine guten Entscheidungen treffen. Das Bauchgefühl ist eine Notwendigkeit, die der Unmöglichkeit entspringt, alle Daten und Fakten zu besitzen und richtig verarbeiten zu können. Hätten wir kein Bauchgefühl, würden wir immer wieder an Dilemas scheitern. Wichtig ist, die Manipulierbarkeit des Bauchgefühls anzuerkennen und mit Vernunft zu hinterfragen.

Kurz:
Was fühle ich?
Was weiss ich?
Was will ich/ Was wünsche ich?
Wie komme ich dorthin? / Was kann ich tun?
Welche Folgen/Nebeneffekte hat dies?

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Typischerweise sieht sich der Verstand selber als Reiter, der den Elefant der Gefühle reitet.
Der Verstand sieht sich also als Erzieher und Gärtner, der im Dschungel der Gefühle einen schönen Garten anlegt, mit den schönsten Blumen und mit den ertragreichsten und schmackhaftesten Nutzpflanzen (wie Bananen, Ananas, Kokosnüsse) und Genuss-Pflanzen, (wie Kaffee, Tee, Kakao, Koka).
Doch wenn dieser angebliche Verstand einmal seinen Verstand benutzen würde, dann würde er wohl bemerken, dass eigentlich diese Blumen, Nutzpflanzen und Genusspflanzen UNS erziehen, indem sie uns mit ihren Früchten und mit ihrer Schönheit in eine symbiotische Abhängigkeit mit ihnen (ver-)führen!
In ähnlicher Weise bestimmen Gefühle das Denken, so wie das Denken die Gefühle bestimmt.
Wäre ich im Deutschland der 30er-Jahre aufgewachsen und hätte von "Juden, die den deutschen Volkskörper schwächen und zersetzen" gehört, die als Schmarotzer an der Not und am Leid der vielen abgestiegenen Kleinbürger schuld seien, hätte ich vermutlich einen gewaltigen Zorn entwickelt auf Menschen die eigentlich ganz friedlich und bestens integriert in meiner Nachbarschaft gelebt hätten, mit gewissen Besonderheiten, wie dem Befolgen Jüdischer Regeln, dem Zelebrieren Jüdischer Feiertage und dem Besuch von Jüdischen Synagogen.
Hätte ich damals so natürlich, offen und unvoreingenommen gedacht, wie ein kleines Kind, wäre mir nie in den Sinn gekommen, auf diese sympathischen und freundlichen jüdischen Mitmenschen übertrieben und andauernd wütend, oder argwöhnisch zu sein!
Als junger Mann aber wäre ich damals bereits dermassen mit NAZI-GEDANKENGUT infiziert und vergiftet worden, dass aus mir ein halb toter Zombie geworden wäre.
Ich hätte mir die Haare kurz geschoren, wäre mit arischen Prachtskerlen herum marschiert, denn die Nazi-Ideologie hätte in meinem Kopf die Querverbindungen zwischen dem emotionalen Zentrum und dem intellektuellen Zentrum versperrt.
Und als dermassen von seinen ureigenen, tief menschlichen (Mit-)Gefühlen abgeschnittener Soldat wäre ich dann mit Pauken und Fanfaren in den "Vaterländischen Krieg" gezogen, oder hätte in Konzentrationslagern pflichtbewusst und systematisch meinen Dienst geleistet bei der Vernichtung von "Volksschädlingen"...
Von all den Gefühls-feindlichen Ideologien, die auch in unseren heutigen Gesellschaften zäh und hartnäckig herumgeistern, ist diejenige am heimtückischsten, die behauptet, dass man die manchmal verheerenden und gefährlichen Gefühle mithilfe des Verstandes in den Griff kriegen müsse, so wie auf der politischen Ebene das unberechenbare, verängstigte und dumme Volk durch eine gute Diktatur gelenkt werden müsse.

  1. Es gibt keine "Gute Diktatur"!

  2. Nicht die Gefühle an sich können katastrophale Folgen haben, sondern ANSTAUUNGEN und VERLAGERUNGEN von Gefühlen!
    Wie aber entstehen Anstauungen und Verlagerungen von Gefühlen?
    Nur mithilfe von GEISTIGEN Anstrengungen, bei denen einzelne Gefühle, wie Wut, Trauer, oder Schmerz als "negativ" geringgeschätzt und erzieherisch verdrängt werden!
    So verlangt die klassisch patriarchale Erziehung von Männern, dass sie Gefühle von Trauer und Schmerz unterdrücken, damit sie sich der Aussenwelt als "stark" präsentieren können.
    Und schon beginnen die fatalen Prozesse von Anstauung und Verlagerung!
    Selbstbeherrscht heruntergeschluckten Gefühle verschwinden nämlich nicht, nur weil sie nicht ausgedrückt werden!
    In sich hineingefressen wirken sie im Gegenteil im Untergrund der Psyche weiter, so dass später schwere Depressionen und nicht nachvollziehbare Überreaktionen passieren können, die dann nach dem ersten Erschrecken von der Psychiatrie -in Kooperation mit der Pharma-Branche- behandelt werden.
    Erfreulich ist es, wenn die psychischen Probleme und Verwirrungen beherzt therapiert und ent - wirrt werden.
    Im schlechten Fall werden die "Psychischen Krankheiten" einmal mehr geringgeschätzt, verdrängt und "ruhiggestellt"...
    Wer einmal ein solches "Inneres Monstrum" durch die -angeblich so vernünftige- Gefühls-Unterdrückung und Gefühls-Kontrolle mithilfe einer "Inneren Diktatur" gezüchtet und gemästet hat, der wird einen immer massiveren "Inneren Käfig" um diesen "Gefühlselefanten" herum bauen müssen!
    Aus einem unproblematischen "Gefühls-Pferd" hat dann also der "vernünftige, disziplinierte" Zivilisations-Mensch tatsächlich einen riesigen Elefanten -wenn nicht sogar einen Feuer speienden Gift-Drachen- gemacht!
    Empfohlene "Zurück zur Natur"-Therapie:
    Gewährt Euren Gedanken UND Gefühlen zwischendurch freien Auslauf!
    Gebt ihnen mit zunehmender Selbstsicherheit immer mehr Auslauf!
    Seht dabei zu, wie Eure früheren Dämonen immer harmloser, netter und friedlicher werden!
    Am Ende Eurer Therapie braucht ihr keinen Käfig mehr für Eure Gefühle!
    Jetzt seid Ihr geheilt und könnt dort anknüpfen, wo Ihr als Kleinkinder schon mal wart, bevor Ihr von der Christlichen Leidkultur erzogen wurdet...
    Jetzt könnt Ihr auch "sachlich" diskutieren, ohne deswegen emotionslos zu sein!
    "Sachlich" bedeutet NICHT "emotionslos", wenn Euch die "Sache" tatsächlich am Herzen liegt...

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Lieber Herr P., lieber Christoph, vielen Dank für die schönen Ergänzungen. Da kann ich nur zustimmen: Rationalität und Emotion gehören eben komplementär zusammen, durchdringen sich und brauchen einander als wechselseitiges Korrektiv. Man kann das dialektisch ausbuchstabieren oder, wie Tocotronic, in eine Songzeile packen: «Pure Vernunft darf niemals siegen». Oder man kann es eben mit Bezug auf Ganesha formulieren. Was man daran sieht: Auch hier geht ein konsequenter Kulturrelativismus in die Irre. Aber es muss eben ein komplexer, dialektischer Befund bleiben. Wer einseitig die Emotionen gegen die Vernunft in Stellung bringt, redet nur dem Irrationalismus das Wort.

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Für solche Beiträge liebe ich die Republik! Danke Ihnen Herr Graf für den tollen Beitrag mit dem Sie deutlich Haltung zeigen, aber auch vielfältiges, differenziertes Wissen in einer äusserst angenehmen, plausiblen und verständlichen Weise zu einem impliziten Plädoyer zusammenführen für ein aktiv handelndes Gestalten einer „hoffnungsvollen“ Gemeinschaftswirklichkeit. Statt eines passiven Suchens von Schuldigen und Sündenböcken, welches nur unsere Ohnmacht aufrechterhält.

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Hallo Herr Graf Herzliche Gratullation. Dies ist nun alles andere als ein mainstream Artikel. Ich denke nun haben wir uns perfekt verstanden.
Dieser Text bildet eine perfekte Grundlage für einen neuen Journalismus, deren Vertreter Sie offensichtlich in der Republik sind. Gerne würde ich mit Ihnen und vielen anderen, die beschriebene Erkenntnisse zum Duchbruch bringen bei einem Systemwechsel von der heutigen "Lenkungs-Abgabe-zur Vernichtung von humanister Arbeit" hin zu einer "Lenkungs-Abgabe auf materielle und energetische Ressourcen. Helfen Sie mir dabei?

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Lieber Herr Löpfe, haben Sie vielen Dank. Es freut mich, dass Ihnen der Text gefällt! An einer Stelle muss ich allerdings widersprechen: Ich vertrete nicht irgendeine bestimmte Richtung innerhalb der Republik und andere vertreten davon grundverschiedene. Vielmehr eint uns alle ein bestimmtes Selbstverständnis, eine Vorstellung davon, was die Aufgabe von Journalismus ist und was das in unserer Gegenwart bedeutet, wo autoritäre und antiaufklärerische Tendenzen längst erreichte demokratische Errungenschaften massiv zurückzudrängen versuchen – und das vielerorts, wo sie die Macht dazu haben, bereits tun. Was die Ansprüche an die eigene Arbeit und das kritisch-aufklärerische Anliegen angeht, verstehe ich diesen Text als geradezu typischen Republik-Text. Republik-Mainstream hätt ich fast gesagt :-) Genau deswegen bin ich an diesen Ort gekommen: aus Überzeugung, dass diese Crew dieselbe Idee hat von dem, was publizistisch notwendig und erstrebenswert ist. Das führt bereits auf Ihre Anfrage. Sie ehrt mich und ich weiss das Vertrauen sehr zu schätzen. Aber ich fürchte, ich bin nicht der Richtige, um Ihnen bei Ihrem Anliegen zu helfen, sofern dies irgendetwas anderes meint, als dass wir uns hier im Dialog zu den jeweiligen Themen der Artikel austauschen. Da möchte ich Sie um Verständnis bitten. Unbenommen davon beeindruckt mich Ihr Engagement und die aufmerksame, kritische Begleitung unseres Projekts.

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Hallo Herr Graf Für mich vertreten Sie mit dem Text eine wirklich und sicher für die Mehrheit eine neue Art die "Tatsachen" zu sehen. Ich denke es gehört zu einem guten Journalismus, eben ganz ander Gedankengänge zu Wort kommen zu lassen oder in den Worten ihres Textes den Elefanten den Bauch zu streicheln, dass er die anderen Ideen Vorstellungen wahr nehmen kann und er dies als Bereicherung wahrnimmt. Im Sinne eine konstruktiven Kritik, würde ich diese Idee gerne einmal an verschieden Texten in der Republik durchspielen. Machen Sie mit? Sie und ihre Kollegen, können mich geren auf meine Elefanten aufmerksam machen.

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Schade, dass Kahneman mit "Thinking, Fast and Slow" nicht in die Analyse einbezogen wurden! Sein "System 1" beschreibt den Elefanten mit all seinen Vor- und Nachteilen, der Reiter entspricht "System 2"... Weniger bildlich, aber psychologisch etwas fundierter und deshalb mindestens als Referenz zum Weiterlesen geeignet.

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