Die Republik ist nur so stark wie ihre Community. Werden Sie ein Teil davon und lassen Sie uns miteinander reden. Kommen Sie jetzt an Bord!

DatenschutzFAQErste-Hilfe-Team: kontakt@republik.ch.



Liebe betroffene Menschen

Mein Nachname ist Zgraggen. Ich bin eine 1.53m grosse Frau. Bin genetisch halb weiss, halb gelb. (Warum Obama als erster schwarzer Präsident gilt, habe ich nie verstanden. Der ist genau so schwarz wie weiss.) Ich arbeite in einem Bereich, in welchem Frauen massiv untervertreten sind und auch bei meiner Freizeitbeschäftigung sind die Männern in der Überzahl. Nach gewissen Massstäben gehöre ich also nie richtig dazu. Für andere kann ich kaum schweizerischer sein (was auch immer man sich darunter vorstellt). Selber bezeichne ich mich als Erdenbürgerin mit Schweizer Sozialisation, Schweizer Nationalität (wobei ich auch einen australischen Pass habe) und Schweizer Wohnort.

Mir hat die Aussage eines offen lebenden homosexuellen Paars an den letzten olympischen Winterspielen sehr geholfen:
„Wir sind da. Wir sind ok. Wir verschwinden nicht wieder. Gewöhnt euch daran!“
Lassen wir die Probleme bei denen die sie haben.
Wir sind so richtig, wie wir uns fühlen. Nein, wir müssen nicht mehr leisten oder uns mehr bemühen, um dazu zu gehören. Das einzige was wir müssen, da haben wir keine Wahl, ist mit Rassismus und Sexismus so umzugehen, dass es uns die Lebensfreude nicht nimmt. Und wir dürfen uns dafür engagieren, dass die Welt bezüglich Rassimus und Sexismus etwas besser wird.

Ein riesen DANKE an die 4 Protagonistinnen und die Artikelverfasser.

71
/
0

Danke für diesen Text. Beeindruckend und beelendend.

69
/
1
Marco Zaugg
Coach und Prozessbegleiter
·

Ich kann nichts anderes schreiben, als mich den Kommentatoren/innen vor mir anschliessen und der Republik zu danken. Und mir beschämt eingestehen, dass ich den Satz von Akanji "Aber dann sagen die Leute: Das hast du dir eingebildet, du bist übersensibel, das war sicher nicht so gemeint. " früher auch schon von mir gegeben hatte.
Es geht heute darum, anzuerkennen, was ist und es nicht weichzuspülen.

53
/
0

Danke, Herr Zaugg, für Ihre Worte. Und für die Selbstkritik.

10
/
0

Wäre der Angriff von NR Glaner auf NR Sibel Arslan vor dem Bundeshaus nicht eher als "chauvinistisch" als "rassistisch" zu bezeichnen?

2
/
24

Nein. Das war ein mehrschichtiger Übergriff. Der angebliche "Versprecher" beim Namen war ganz bewusst, perfider geht es nicht. Die Anspielungen auf "wo Sie herkommen" waren ebenfalls keine "Ausrutscher", sie spiegeln das Bewusstsein Glarners und gehören in eine ganze Reihe krasser Missgriffe. Frech, unanständig, überheblich und meiner Meinung nach ganz bewusst und gezielt inszeniert. Das ist nicht lediglich Chauvinismus. Ich hätte vor Empörung die Kaffeetasse in den Fernseher schmeissen mögen, denn auch die Medien haben bei dieser Entgleisung Schmiere gestanden.

48
/
1

Wie wollen Sie das trennen? Und die Annahme, dass NR Glaner nur ein Sexist und kein Rassist ist, dürfte ja eher abwegig sein?

12
/
0

Sorry, wenn ich hier klugscheisse: Aber der Mann heisst "Glarner" (und nicht "Glaner") und für alle anderen GlarnerInnen (wie auch mich), ist es ein Ärgernis, dass er nicht nur so heisst, sondern auch noch einer ist. Er ist "im Fall" ein Rassist und ein Sexist (ein Chauvinist ist er sowieso). Aber wa ja viel schlimmer ist, ist die Tatsache, dass er so viele Fans hat, ass er immer wieder gewählt wird. Es gibt also offensichtlich Viele, die seine Ansichten teilen - und sich selbst öffentlich nicht äussern bzw, nicht zu äussern brauchen. Das delegieren sie an Glarner.

5
/
0

Sie sind ertappt, Herr B. ,-) denn das ist eine dieser Rechtfertigungen im Stile von "du hast das falsch verstanden, das musst du nicht so persönlich nehmen".
Frage: Was ist in unserer Gesellschaft akzeptierter, einen Menschen wegen des Geschlechts oder wegen der Hautfarbe zu missachten? (Einzelne Rassen gibt es bei uns Menschen ja nicht, wir sind alle Teil des "Human Race". Die Klassifizierung nach Körpermerkmalen wurde von Männern eingeführt, die sich für etwas Besseres hielten.)

13
/
3

So sehe ich das auch und schlage vor, dass wir alten weissen Männer die Dreckschleuder aus dem Aargau aus Solidarität Andrea Zigerschlitz taufen.
(Er heisst imsfall original nicht Glaner, Herr B. und Frau W.)

2
/
0

Ich möchte gerne etwas zu diesem tollen und wichtigen Artikel sagen, weiss aber nicht was. Ich bin sprachlos, beschämt, enttäuscht, traurig. Als Auslandschweizerin, seit ein paar Jahren nicht mehr in weit entfernten asiatischen Ländern, sondern in einem Nachbarland, nehme ich die Schweiz ganz allgemein und in Bezug auf diesen idiotischen Nationalstolz, der in Überheblichkeit und peinliche Dummheit gipfelt, als rückständig, stur und engstirnig wahr. Was ist nur los mit diesen Einheimischen, deren grösster Stolz es ist, in der Schweiz mit einem Schweizer Pass geboren worden zu sein? Was soll dieser Hass, diese Angst, diese Arroganz? Die Schweiz bremst sich selbst aus und fast niemand realisiert dies? Eine dynamische Nation ist das nicht (mehr). Leider.

46
/
0
· editiert

"deren grösster Stolz es ist..." und einen Schweizer Namen zu tragen - was ist das überhaupt!?
Ja, wenn man einen Nachnamen hört, dann weiss der Einheimische sogar aus welchem Kanton/Dorf eine kommt. Sogar die Dialektfärbung er-mächtigt(sic) Geübte Rückschlüsse auf das Woher zu ziehen. Das ist tief verankert in der helvetischen DNA. Folkloristisch/volkskundlich mag das pittoresk/exotisch sein - auf politisch/sozialer/gesellschaftlicher Ebene ist es nur noch vorsintflutlich, wenn man sich vor Augen hält, dass eigentlich alle in irgendeiner Weise (Zu-)Wanderer* sind.
Wobei, ich verkenne natürlich nicht, dass bei Rassismus von einer anderen Dimension die Rede ist als der helvetisch-kleinkarrierten Befindlichkeit.

1
/
0

Dass man am Dialekt erkennt, woher jemand stammt, ist ja nicht per se zu verurteilen. Auch in Afrika wird es das normalste der Welt sein, dass man an Kleidung, Dialekt und Aussehen erkennt aus welcher Ecke des Landes ein Mensch kommt.
Problematisch am Ganzen ist nur die Tatsache, dass der Mensch aus der anderen Region automatisch als rückständig, arrogant oder schwer von Begriff eingestuft wird, allein anhand dieser äusserlichen Merkmale.
Dies hat dann sehr viel damit zu tun, dass uns allen bereits als Kinder beigebracht wird darauf stolz zu sein, von genau hier zu kommen, genau diese Traditionen zu pflegen, immer verbunden mit dem impliziten Seitenhieb, dass die Anderen, die nicht von hier sind, ein wenig minderwertiger sind.

0
/
0

... vielleicht lebe ich in einer Blase. Aber ich erkenne meine „entourage“ nicht in Ihren Zuschreibungen.

1
/
4

Da ich bisher der einzige bin, der Ihren Beitrag positiv bewertet hat, möchte ich mich als Ausländer, der seit einigen Jahren in der Schweiz lebt, zu Wort melden. Bisher durfte ich fast ausschliesslich Schweizer kennenlernen, die ich nicht als überheblich, rückständig, stur, engstirnig oder dumm erlebt habe. Und wenn sie unter idiotischem Nationalstolz litten, haben sie damit zumindest höflich hinterm Berg gehalten.

0
/
0

Danke für diese Portraits von mutigen, sprachmächtigen und wehrhaften Frauen. Wenn wir mehr davon wollen, ist es an uns allen, uns an ihre Seite zu stellen, uns in Zivilcourage zu üben und uns für Respekt und Anstand einzusetzen.

37
/
0
· editiert

«Die alte Welt liegt im Sterben, die neue ist noch nicht geboren: Es ist die Zeit der Monster.»

Antonio Gramsci

33
/
0
freie Redaktorin
·

Eindrücklich erzählt. Und ja: Der Blick in den Spiegel schmerzt. Danke!

33
/
0

Kaum zu glauben! Einfach nur deprimierend, was man hier erfährt... Hoffen wir, dass dank der einmal mehr hervorragenden journalistischen Arbeit der Republik etwas in Bewegung gerät und dass die wertvollen Engagements dieser Frauen nicht umsonst waren.

33
/
0
· editiert

Ich weiss von solchen Geschichten, lese, höre ab und zu davon ... Nach diesem Artikel bin ich trotzdem schockiert, auch darüber, was es bedeutet in diesem Land (und auch anderswo) Frau, "fremdartig" wirkend, "anders" und klug, mit einer vertretenen Haltung zu sein.
Wieso trifft mich das als privilegierter, weisser, alter Mann ...? Weil mir einiges über Rassismus und Sexismus bewusst ist, aber ich glaube auch, weil ich selbst zuweilen in Gefahr komme, auf diese Geleise zu geraten, trotz einem Hintergrund, der sensibilisiert. Darum überlege ich mir, wie das alles sein kann.
Mein Grossvater mütterlicherseits war Italiener, ich und Mutter waren die einzigen aus diesem familiären Zweig, die in der Schweiz lebten. Bin ich Italiener oder Schweizer, habe ich mich als Kind oft gefragt, die Hetze gegen Italiener in der Schwarzenbachzeit und Ähnliches später (die Herkunft der Eingewanderten, Geflüchteten hat einfach gewechselt, die Folgephänomene kaum) haben mich stets verletzt und wütend gemacht. Ich habe ein Buch über ein Verdingkind geschrieben, auch da ist das Thema der Ausgegrenzten enthalten: Arm, machtlos, fremd, andersartig, anderstickend ... und so weiter. Auf solche Menschen lässt sich leicht herunterschauen und mit abwertenden Zuweisungen das fehlende eigene Selbstvertrauen stützen, selbst wenn die Abgewertete hoch über dem Beleidiger steht. Das scheint mir eine alte Geschichte zu sein, die aber neue Dimensionen bekommen hat durch die riesige Präsenz jeglicher Äusserungen, die die modernen Medien ermöglichen.
Ich weiss nicht, wie sich das ändern lässt (verstehe auch wenig von den modernen Medien), sicher aber würden klare, zurechtweisende Reaktionen und Stellungnahmen von Namhaften, aber auch von Jederfrau und Jedermann, welche im Artikel als oft fehlend moniert werden, helfen, und von den Betroffenen als Solidarität wahrgenommen werden können. Mich dünkt, es stehe immer wieder unsere "Sucht" nach Normalität dahinter, dabei gibt es "die" Normalität nicht, weil jede Gruppe, jede Blase ihr eigene Normalität pflegt und die jeweils andern skeptisch betrachtet. Genauso wenig wie es "die" Frauen, "die" Schweizer, "die" Rechten und "die" Linken gibt. Normalität scheint ein Bollwerk an Sicherheit zu schaffen, aus dem heraus man andere abqualifizieren kann. Und gerade jetzt, neige ich auch dazu, schwarz-weiss zu denken, denn es gibt natürlich noch viele andere Facetten.
Ich möchte diesen betroffenen Frauen und Politikerinnen nun nicht dicke Haut wünschen, sondern eine Gesellschaft in der sich alle Menschen frei (und ohne Panzer) bewegen können.

32
/
1

Also Sie sind ein supernettes Beispiel von einem alten weissen Mann. Zum Glück gibt es Sie! Und schade, dass man Ihre Ansichten nicht hört in dem Geschrei auf Social Media.

3
/
0

Der Rassismus in der Schweiz ist leider sehr stark. Aber wehe dem der darüber sprechen will. So jemand wird als Nestbeschmutzer hingestellt, weil nicht sein kann was nicht sein darf. Beim Thema Rassismus stecken wir gerne den Kopf in den Sand. Die grösste Abwehrhaltung kommt gerade von jenen die nicht betroffen sind, den alten weissen Männern. Rassismus kenne ich nicht, dann ist es für sie klar. Kenne ich nicht, gibt es nicht. Danke Republik, dass sie darüber, den Rassismus in der Schweiz, sprechen. Den nur so schaffen wir es und zwar gemeinsam, dass hoffentlich eines Tages niemand mehr wegen Äusserlichkeiten diskrimniert wird oder sich mehr anstrengen muss als Andere.

20
/
4
Interkultureller Coach
·

Bitte keine Vorurteile: Ich bin alt, sehr alt (85) und setze mich seit meiner Rückkehr in die Schweiz vor 40 Jahren gegen den Rassismus ein. Nicht nur den offenen, sondern auch den verdeckten, der hier im Schicksal der 4 Frauen mitspielt. Damals eine rassistische Schweiz zu entdecken, nachdem ich 20 Jahre in vielen Ländern gut aufgenommen wurde, war ein richtiges Schockerlebnis.

33
/
6

Zu denken gibt mir, dass ein Glarner immer mit sehr guten Resultaten gewählt wird. Ein grosser Teil der Aargauerinnen und Aargauer billigt damit seine Aussagen. Glarner sichert sich so seinen Erfolg.

26
/
0

Der Artikel ist verstörend, aber auch erhellend: Sexismus und Rassismus fangen im ganz Kleinen an - in jedem von uns. Ja, wir sollten uns empören und fremdschämen. Ebenso sollten wir uns hinterfragen und, vielleicht, auch selbst schämen.

24
/
0

Endlich wird dieses Thema aufgegriffen. Ich bin beeindruckt von den mutigen Politikerinnen und anderseits enttäuscht, wie stark die Schweizer Gesellschaft von Rassismus- und Patriarchat-Gedanken durchseucht ist. Die Politikerinnen haben mit einem Machtkonstrukt angelegt, das sich mit grausamen Mobbing-Methoden wehrt.

24
/
0
SoWi, Übersetzerin, Autorin, Bloggerin
·

Herzlichen Dank an die Republik, dass sie diesen Menschen den Raum gibt, zu erzählen.
Ich höre zu und versuche, im Alltag kein Arschloch zu sein.
Aber wie auch um Artikel steht: Wir alle wurden rassistisch sozialisiert und unsere ganze Kultur basiert auf rassistischen und kolonialen Strukturen. Deswegen wird es vermutlich noch mehrere Generationen dauern, bis wir den Mist los sind. Aber es lohnt sich, dran zu bleiben!

24
/
0
ichfürchte...
·

Ein schmerzhafter Blick in einen Spiegel, den ich lieber ignorieren würde. Merci fürs Hochhalten.

24
/
0

Vielen Dank für diesen wichtigen Artikel.
Es darf nicht sein, dass wir die Augen vor Rassismus und Sexismus verschliessen. Diese Frauen wollten und wollen ihren Teil zur Gestaltung der Schweiz beitragen und werden dafür Angefeindet. Dies stimmt mich wahnsinnig traurig!
Vielen Dank an das Engagement dieser Frauen und auch an jenes der Republik!

24
/
0

Vielen Dank für diesen Artikel, der den Finger in die Wunde legt. Leider muss ich dazu sagen, dass die Schweiz da keineswegs schlimmer ist als andere "freiheitliche" Länder, wie z.B. Deutschland. Leider berichten auch hier engagierte Frauen (und Männer, bei denen fällt halt der Sexismus weg) mit Migrationshintergrund genau die gleichen schlimmen Vorkommnisse, und keiner tut was. Scheinheilige Empörung in der Presse, aber schon bei den Kommentaren zu den Artikeln häufen sich die Relativierungen oder das "bei der zu Hause ist es auch nicht besser, die soll doch dort aufräumen". Als ob nicht Deutschland (oder die Schweiz) "zu Hause" wäre.
In meinen Augen steckt dahinter, dass die "Europäer" (da gehören auch die Amerikaner dazu) nicht verstehen wollen, dass unser Wohlstand auf Rassismus basiert.
Sklaverei und Kolonialismus sind die Grundlagen für die Industrialisierung, und damit unseren Wohlstand. Die gesamte internationale Ordnung, nicht nur im Bereich der Wirtschaft, wurde von Weißen nach den eigenen Vorstellungen und zu eigenen Gunsten aufgebaut. Auch sämtliche internationalen Organisationen, von UN über Weltbank über WTO. Und alle dazwischen.
Es ist ein Monopolyspiel mit gezinkten Karten und Würfeln, und wir, die Gewinner, möchten doch so gerne glauben, wir wären besser dran, weil wir besser sind. Deshalb müssen Menschen, die Augenhöhe fordern, mundtot gemacht werden, denn sie stören das Narrativ, das nur bei Weiterbestehendem Rassismus aufrecht erhalten werden kann.
Das Basisthema ist "Nicht-Teilen" und keine Verantwortung für die Vergangenheit übernehmen wollen. Wir sind zwar sicher nicht schuld an Kolonialismus und Sklaverei, leben von deren Früchten aber bestens. Und viele Andere leiden heute noch oft schrecklich darunter. Denn die STrukturen sind immer noch intakt, nur besser verborgen.

24
/
0

Sehr guter Kommentar. Leider erlebe ich immer wieder, wenn ich Verwandten und Bekannten versuche zu erklären, dass wir von Kolonialismus, Imperialismus, Ausbeutung von Arbeitern in Asien, Südamerika und Afrika usw. profitierten und immer noch profitieren, dass sie sich keiner Mitschuld bewusst sind. Antworten wie: "Die Schweiz hatte ja selber keine Kolonien, also sind wir nicht für die Folgen verantwortlich" oder "Das ist alles schon soo lange her, die hatten mehr als genug Zeit für eine Modernisierung/Demokratisierung", sind dabei keine Seltenheit. Solche Ansichten sind es dann auch, die den Rassismus, der im Artikel beschrieben ist, verursachen. Denn wer davon überzeugt, dass unser Wohlstand, unsere eigene Leistung und die "unserer" Vorfahren ist, der fühlt sich dann auch in der Position des Stärkeren und findet Aussagen wie die von Glarner legitim.

15
/
0

Danke, ich mache die gleichen ERfahrungen.

Wer diese Arte-Doku angeschaut hat, kann so nicht mehr argumentieren
https://vimeo.com/436407959

Schwer verdaulich, die historische Entwicklung und die Konsequenzen bis heute sehr gut zusammengefasst.

Das Monopoly Experiment erklärt, warum Europa heute noch so argumentiert. Man könnte es eigentlich besser wissen.
https://kontrast.at/das-monopoly-ex…rig-macht/

2
/
1

Auch meinerseits herzlichen Dank für den Artikel. War bitter nötig. Ich verstehe nicht, dass die Politik zum diesem verheerenden Thema (das ja nicht neu ist) nicht mehr unternimmt. Da muss die Politik aktiv werden. Zuschauen und den Kopf schütteln reichen nicht. Auch sich persönlich empören reicht nicht !!!

22
/
0
· editiert

Unfassbar, was diese Frauen über sich ergehen lassen müssen! Und umso bewundernswerter, dass sie ihren Weg gegangen und Politikerinnen geworden sind. Jammerschade wiederum, dass Ezgi Akyol wegen dieser Anfeindungen und dem alltäglichem Rassismus das Handtuch geworfen hat. Allerdings ist es allzu verständlich. Spätestens (aber nicht erst dann) wenn man selbst oder seine Angehörigen an Leib und Leben bedroht werden, finde ich es immer noch erstaunlich, dass es so viele Politikerinnen gibt, die überhaupt noch weiter machen.

Bei folgenden Aussagen bin ich allerdings etwas ins Nachdenken gekommen:

Im Rücktritts­schreiben von Ezgi Akyol gibt es eine Schlüssel­passage. Sie lautet: «Ich bin hier geboren, ich habe hier die Schule besucht. Ich bin sogar in die Pfadi. Ich arbeite hier, mein ganzes Umfeld ist hier, ich engagiere mich hier. Und trotzdem: Offenbar reicht es nicht.»

«Es heisst, man sei von hier, wenn man selber das Gefühl hat, dass man von hier sei», sagt Sarah Akanji. «Aber es ist schwierig, das zu glauben, wenn einem ständig gesagt wird, dass man eben nicht von hier sei. Ganz ehrlich: Ich glaube, ich werde in meinem ganzen Leben nicht als ‹von hier› bewertet werden.»

Ich denke, dass man sich ein inneres Heimatgefühl bzw. ein Zugehörigkeitsgefühl letztlich nur selbst geben kann. In dem Sinne, dass man selbst für seine Gefühle verantwortlich ist. Das heisst nicht, dass es manchen Menschen, wie diesen vier Frauen, von einigen Leuten besonders schwer gemacht wird. Trotzdem hilft es vielleicht zu fragen, wer darüber „entscheiden“ darf, ob man sich zu Hause und dazugehörig fühlt, ob es also in Akyols Worten „reicht“. Die Glarners dieser Welt oder doch eher die Familie, Freunde, gute Arbeitskollegen und die Menschen, mit denen man sich sonst noch so freiwillig umgibt? Es ist doch z. B. eigentlich völlig absurd, dass sich Frau Akyol bei diesem Lebenslauf nicht dazugehörig fühlt. So jedenfalls verstehe ich auch die Aussage von Sibel Arslan: dass sie anderen nicht die Deutungshoheit darüber lässt, wie sie sich zu fühlen hat.

«Ich weigere mich, in eine Opfer­rolle zu fallen, nur weil es Leute gibt, die die Realität nicht akzeptieren wollen.»

Diesen Satz kann sie sich vielleicht auch nur an guten Tagen sagen, wer weiss? Mit Sicherheit ist es verdammt schwer. Und es heisst wiederum nicht, dass wir anderen uns aus der Verantwortung stehlen dürfen, sondern da, wo wir diesen Rassismus bemerken, uns zu Wort melden und Zivilcourage zeigen. Und natürlich auch für das Thema sensibler werden.

23
/
2
Learning & Development
·
· editiert

„...dass man sich ein inneres Heimatgefühl bzw. ein Zugehörigkeitsgefühl letztlich nur selbst geben kann. In dem Sinne, dass man selbst für seine Gefühle verantwortlich ist. „

Das ist schön gesagt und wünschenswert, tönt doch sehr einfach, oder? Aber es braucht wirklich wahnsinng viel Kraft, sich das selbst täglich, stündlich selbst zu sagen, sich daran aufzubauen, immer wieder, wenn man davon betroffen ist, während Zurechtweisungen, Zweifel, die einem entgegenschlagen, am Selbstwertgefühl nagen. Und es ist normal, dass einen das völlig fertig macht, bis man entnervt aufgibt. Sibel Arslan scheint eine sehr starke Person Person zu sein, aber ich bin sicher, dass sie extrem viel Kraft aufbringen muss. Nicht alle können das so, diese ständigen Sticheleien, die ewigen Zweifel aushalten und anwehren, die dir entgegengestellt werden, dich dich hindern. Genau so, wie du es machst, indem du es ‚völlig absurd‘ nennst, dass Ezgi Akyol sich nicht dazugehörig fühlt. Glaubst du ihr etwa nicht? Warum wohl ist es so schwer? Nicht nur wegen offener hetzerischer, rassistischer, sexistischer Anfeindungen, sondern auch wegen solchen subtileren Aussagen, wie ‚absurd’ es ist. Es ist eben genau nicht dein Erleben, N. O. H., der es sicher nur gut meint. Genau wegen solcher Aussagen, wie absurd es sein soll - aus deiner Sicht.
Der erste Schritt ist mal denen zuzuhören, die betroffen sind. Und ihre Rede nicht gleich wieder zuzudecken mit der eigenen, relativierenden Rede.

1
/
0
Köchin
·

Vielen herzlichen Dank für diesen wichtigen Beitrag. Ich schäme mich für die Tatsache, dass Frauen in einem politischen Amt beschimpft und gedemütigt werden. In einem Parlament, egal in welcher Dimension, MUSS diese Form von Beleidigungen nicht erlaubt sein.
Wir „feiern „(merci liebe Männer) „ 50 Jahre Stimmrecht. Wie wäre es mit Respektrecht?

20
/
0

Das leitet sich meiner Meinung nach aus der 'Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte' ab. Nur mit der Durchsetzung hapert's, wie auch bei der Gleichstellung.

1
/
0
Theologin/Pfarreiseelsorgerin
·

Schlicht Danke für diesen Beitrag!

20
/
0

Dieser Beitrag tut weh. Da sind einmal die Betroffenen, die in ihrem politischen, aber auch persönlichen Alltag immer wieder diese Demütigungen erleben müssen. Da sind die Täter, die ihren Hass und ihren Frust so gemein ausleben. Und da ist die quälende Frage: in was für einer Gesellschaft leben wir eigentlich, dass wir nicht einmal mehr elementarsten Anstand kennen, dass wir so egoistisch, rassistisch und überheblich sind? Was können wir daraus lernen? Sicher einmal, dass wir viel aufmerksamer bezüglich Alltagsrassismus werden, dass wir immer wieder unser eigenes Verhalten hinterfragen und dass wir, und das scheint mir fast am wichtigsten zu sein, nicht mehr so oft schweigen, dass wir Einspruch erheben, wo immer es notwendig ist, und dass wir uns wehren für eine offene Gesellschaft, die das Prädikat „menschlich“ wirklich verdient.

19
/
0
Leserin
·
· editiert

Danke dem Autor für diesen Artikel. Traurig traurig. Die betroffenen Frauen brauchen mehr Unterstützung von ihren eigenen Parteien. Aber offenbar herrscht da noch viel Ignoranz. Dieses betretene Schweigen in den Parlamenten muss durch mutige Unterstützung durchbrochen werden!
Sie brauchen auch mehr Unterstützung von der Gesellschaft. Die Mehrheitsgesellschaft, die Institutionen usw haben noch sehr viel zu lernen.

Bezeichnend auch, wie von Ezgi Akyol im Rücktrittsschreiben erwähnt, die fast wöchentliche Diffamierung von Geflüchteten im Zürcher Gemeinderat. Die Verschärfungen bei der Sozialhilfe. Was sind das für gewählte Leute die so über Menschen reden! Ist diese Mehrheitsgesellschaft so unfähig zur Empathie zur Mitmenschlichkeit zum Miteinander!

8
/
0

Ich stimme Ihnen zu, möchte aber differenzieren bzw. eine Frage stellen. Ist Unterstützung für die Betroffenen wirklich das einzige, was es braucht? Wäre es nicht noch wichtiger, gegen die Personen vorzugehen, die rassistisch und sexistisch reden und handeln?
Es erinnert mich auf unheilvolle Weise an das Thema "Gefahr für Frauen im öffentlichen Raum", über das die Republikt heute im "Was diese Woche wichtig war" aus Anlass des Mordes an Sarah Everard schreibt. Statt ewig den Frauen zu sagen, wie sie sich zu verhalten haben und ihnen Pfefferspray zu geben ("Unterstützung"), muss die Rape Culture dort bekämpft werden, wo sie floriert, nämlich bei den Männern. (Und ja, #notallmen, aber leider #almostonlymen.)
Dasselbe gilt für Parlamentarier, Journalisten, Twitterer, die Frauen rassistisch und sexistisch beleidigen. So etwas müsste ein "Offizialdelikt" sein - Institutionen, Behörden, die Polizei müssten von Amts wegen dagegen vorgehen.

19
/
0
Leserin
·

Liebe Frau Bertschinger, ich bin mit Ihnen einig. Es braucht mehr als Unterstützung. Absolut. Nicht die (wir) angegriffenen Frauen müssen das Verhalten ändern, sondern die Angreifer. Die Angreifer müssen spüren, dass ihr Verhalten „daneben“ ist. Diese Problem kann mittels Strafrecht angegangen werden. Es ist aber ebenso eine gesellschaftliche Aufgabe.

8
/
0
Michel Rebosura
Ratsmitglied Project R Genossenschaft
·
· editiert

Mir «fehlt» zwar die intersektionale Dimension des Geschlechts, wenngleich Diskriminierung auch bei mir über Geschlecht und Sexualität verlief, und ich bin auch nicht gleichermassen exponiert, doch gerade was die Rassifizierung anbelangt, habe ich ähnliche Erfahrungen gemacht. Und ja, auch ich durfte während dieser Pandemie am eigenen Leibe erfahren, was anti-asiatischer Rassismus – der in den USA gerade einen weiteren traurigen Höhepunkt erreichte – auch in der Schweiz noch heissen kann.

Waren es früher vor allem Kinder oder halbstarke Idioten, die offen die üblichen racial slurs von sich gaben, später, subtiler jedoch, aber auch Erwachsene in der (Halb-)Öffentlichkeit oder gar am Arbeitsplatz, so war es letztes Jahr eine mir fremde Schweizerin um die 70 auf einem samstäglichen Markt.

Auch dieses Ereignis gab mir wieder mal das Gefühl, ja die niemals nicht erschütternde Erkenntnis, ein Leben im ständigen Provisorium zu führen. Denn wenn nie Normalität herrscht, Du nie «normal» bist, dann lebst du immer in einer Art Ausnahmezustand. Der, selbst wenn er «nur» latent ist, wie ein Blitzschlag aus dem Nichts manifest werden kann. Ein Zustand, der eigenartig-komplexe soziale und psychische Konflikte und Dilemmata mit sich bringt.

Eine Person of Color muss in einer solchen Gesellschaft mindestens doppelt so gut sein, um als gleich gut anerkannt zu werden. Aber sie wird nie gut genug sein. Erhebt sie mal ihre Stimme oder begeht gar einen Fehler, dann wird sie sofort auf ihren Platz verwiesen. Vom singulären Individuum mit einem Antlitz zum gesichtslosen Kollektivsingular degradiert. Entwürdigt.

Solange Man von oben auf sie herab schauen kann, verachtet Man sie. Steht sie jedoch auf, so dass Man auf Augenhöhe in ihr Gesicht blicken muss, dann hasst Man sie. Um sie wieder auf den Boden zu werfen. Um wieder auf sie herabzusehen. Um sie wieder verachten, verdrängen und vergessen zu können.

Aber sie bleibt stehen.

22
/
3

Den Teil kann man getrost erweitern:

  • auf alle, die zwar weiss sind, aber den falschen Nachnamen tragen

  • auf alle, die zwar weiss sind, aber nicht sauber die örtliche Mundart reden

  • auf alle, die zwar weiss sind, die lokale "Sprache" sprechen, nen lokalen Nachnamen tragen - aber zu 50% eben dann doch nicht "lokal" verwurzelt sind

  • auf alle, die zwar vollumfänglich formal alle Kriterien des "lokalen" treffen - aber beim wichtigsten versagen: sie sind nicht im Dorf/Gemeinde geboren und aufgewachsen - und damit per Definition fremd.

Nicht falsch verstehen. Das stellt die betroffenen nicht auf die gleiche Stufe wie die im Artikel genannten Personen.
Allerdings gibt es "Rassismus" eben in vielen Variationen bzw "Stufen"...

...und alle machen den Betroffenen mal mehr oder mal weniger zu schaffen.

(Ich schreibe bewusst "lokal", da es ein weltweites Phänomen ist. Und nicht nur hier in der Schweiz.)

10
/
0

Vielleicht wird der Rassismus deshalb auch von links manchmal entschuldigt oder klein gemacht.
Ich kann mich gut erinnern wie ich immer wieder gefragt wurde woher ich komme, weil mein Dialekt nie "richtig" war. Ich bin in Bern und Basel aufgewachsen und wohne jetzt in Zürich. Meine Herkunft war immer ein Thema und ich denke unterdessen spreche ich ein sehr "unauffällig neutrales" Schweizerdeutsch.
Trotzdem, ich bin total weiss, mit Nordeuropäischen Wurzeln und ein Mann. Ich kann mir deshalb nicht vorstellen was es bedeutet diese im Artikel beschriebenen Erlebnisse zu erfahren. Erst recht nicht bei so harmlosen Aktionen wie das Sprechen an der Öffentlichkeit, ein Amt ausüben oder eine Rede halten.
Es ist wichtig zu erkennen dass es einen Unterschied zu den Anfeindungen gibt, die man auch als Mann in einem fremden Dorf erlebt. Erstens fällt es uns einfacher drüber zu stehen und zweitens haben wir oft einen sehr grossen Safespace: Auch wenn wir nicht vom Dorf sind zweifelt niemand an, dass wir Schweizer sind.

2
/
0
· editiert

Genau, Herr Loose, dieses Phänomen ging mir auch durch den Kopf und hab‘s anhand meiner Erfahrungen erzählt. Der Mensch ist halt in vielen Belangen immer noch ungemein instinktgesteuert, weltweit.

2
/
0

Danke, Michel, für das Teilen deiner Erfahrungen und Überlegungen.

5
/
1
Kritischer Beobachter
·

Sichtbar werde der Rassismus bei kleinen Begegnungen im Alltag: Man hält Akanji für eine Rassismus­expertin, bloss weil sie davon betroffen ist

Ich finde diese Aussage spannend. Einerseits wird kritisiert, dass man alle dunkelhäutigen als Rassismusexperten betrachtet, weil sie davon betroffen sind und andererseits wird auch kritisiert, wenn sich weisse Menschen zu dem Thema äussern, auch wenn sie vielleicht um Längen qualifizierter wären. Stichwort "Mit den Betroffenen reden anstatt über sie". Ich sehe hier eine gewisse Doppelzüngigkeit.

12
/
4

Ja, mein lieber Anonymikus. Ich fände es wirklich wichtig, dass du deinen Beitrag mit deinem Namen unterzeichnest. Ich finde es im Gegensatz zu dir äusserst positiv und begüssenswet, wenn ein weisser Mann sich dazu äussert: Der Reporter hat sehr wohl m i t den Betroffenen geredet; entscheidend ist dann, wie er das, was er von diesen drei "andersartigen" erfahren hat, zu Papier bringt. Und Carlos Hanimann tut das auf vorbildliche Weise: Wir Weissen müssen umdenken, nicht diese Frauen, welche unsere Politlandschaft so bereichern. Es leben die weissen menschlich fühlenden und schreibenden Weissen! Sepp , Grandson, einer der das Glück hat, in diesem schönen Land zu leben, wo auch diese vier Frauen leben, denen die Schweiz Heimat bedeutet, genau so wie diesen doofen, engstirnigen und gemeinen Superpatriioten.

5
/
6
Kritischer Beobachter
·

Ich bin gewiss kein Patriot. Ich habe bewusst auf meine Namensnennung hier verzichtet, weil ich weiss, wie extrem und radikal gewisse Kreise auf solche etwas differenzierteren Aussagen reagieren können.

Natürlich ist es gut, wenn man mit Betroffenen spricht. Ebenso gut ist es aber, wenn man mit Experten, die sich damit beruflich auseinandersetzen, darüber spricht. Wir dürfen das Ziel nicht aus den Augen verlieren: den Menschen als Menschen zu betrachten, unabhängig der Hautfarbe, Herkunft etc. Das beinhaltet aber eben auch, dass auch Weisse wertvolle Beiträge zu Rassismus geben dürfen. Genauso wie auch Schwarze wertvolle Beiträge zur Kultur in der Schweiz im 15. Jahrhundert leisten können. Beides sollte ohne öffentlichen Aufschrei und Shitstorm möglich sein.

Nur leider wird oft so auf die Hautfarbe geachtet, dass man das eigentliche Thema aus den Augen verliert in dem blinden Aktivismus. Auf dieses Problem wollte ich mit meinem Beitrag aufmerksam machen.

19
/
1
Literat
·

Fremdschämen und SVP-Abwählen - Entrüstung ist gut und recht. Besser wäre wohl, die oft als Feigenblatt genutzte Diversität aktiv voranzutreiben. Aufarbeitung der Verfolgung in Nazizeiten mit der heimlifeissen helvetischen Gewöhnung an ihre Schrecken kann auch nicht schaden. Danke und weiter so!

8
/
0
Chefredaktion
·

So einfach ist es ja eben nicht. Die geschilderten blinden Flecken, Unsensibilitäten und das Weggeducke im politisch linken Spektrum sind mindestens ebenso erschütternd.

18
/
0

Ich möchte dir, lieber Carlos, ganz herzlich danken für diese feinfühlige Reportage, auch wenn ihr Inhalt mich traurig macht: Es ist fast nicht zu glauben, schon gar nicht zu begreifen, dass im Jahre 2021 noch so viele untergründige voruteilsgespickte, unmenschliche rassistische Haltungen in den Köpfern sehr vieler, sogar linker Menschen stecken. Ich muss mich aber nicht für diese herzlosen Dummköpfe entschuldigen, aber ich freue mich über diese vier M E N S C H E N, die so zufällig wie ich, in der Schweiz leben. Wie lange lässt man solche rechtsextremen SVP-Fanatiker noch ungestraft Frauen anöden und beleidigen, nur weil sie nicht dem diesen eingeschränkten Rüppeln mit kleinen Verstand Bild einer "Schweizerin" entsprechen!! Ich denke da nicht an ein Gericht, - denn das würde diese Primitivlinge nur noch mehr fanatisieren . sondern an eine angemessene, spontane Reaktion von allen, welche diese Beschimpfungen und Verächtlichmachungen unserer Frauen mithören müssen. Sepp josyg@hispeed.ch

18
/
0

Vier Erfahrungen, und es gibt unzählige mehr. Ein schmerzhafter und deshalb wichtiger Artikel. Was kann ich tun? Dazu lernen, mich selber überprüfen, meine Stimme öfter erheben und (ich übernehme das hier weiter unten erwähnte Motto) daran arbeiten, selber kein Arschloch zu sein.

17
/
0

Sie können Frauen fragen, wie es ihnen geht. Sie können aufhören, unaufgefordert Körper, Verhalten, Kleidung, Erziehung, Sprache von Frauen zu kritisieren. Sie können sich mit Ihrer Rolle, Ihrem Intellekt, notfalls Ihrem Körper vor den angegriffenen Menschen stellen.

3
/
0
Köchin
·

Sie können sich einfach, jederzeit bekennen, dass verbaler belieginder Austausch no go ist

2
/
1

Es ist schon tragisch wie untervertreten wir Schweizerinnen und Schweizer mit ausländischen Wurzeln in der Politik doch sind. Und die wenigen die sich offen dazu bekennen, werden immer noch damit angefeindet, dass sie keine ‚echten‘ Schweizer sind. Völlig paradox wenn man die Statistiken anschaut. https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/hom…atuts.html

Übrigens, den Rassismus sollte man meiner Meinung nach in den Medien viel aktiver mit wissenschaftlicher Aufklärung bekämpfen. Seit der modernen Genetik weiss man, dass es nur eine einzige menschliche ‚Rasse‘ gibt. Wir haben kaum Variationen im Genpool vom Nordpol bis zur Antarktis. Die Hautfarbe wie die Grösse der Zehennägel sind irrelevante Tertiärmerkmale. All unsere Differenzen sind also kulturell bedingt. Darüber müsste man aber alle Leute regelmässig aufklären, sonst hört der Nonsense nie auf...

16
/
0
Köchin
·

ich finde es sehr spannend, wie wir, in dieser "safe bubble" aufregend entsetzt sind.
Im Alltag geschieht dies nicht, so my experience. Und alle herangezogenen geschischtlichen Geschehnisse für uns eine Lektüre wert sind. Oder weitere Erkentnisse, zu denen wir gar keinen Bezug haben. Let's face it: wir haben keine Ahnung, was es heisst, in diesem Land zu leben, mit einem; ausser Müller oder Meier ( ich übertreibe gerne) Namen zu leben.

5
/
5

Was sollen wir denn sonst machen in dieser „safe bubble“ bzw. was hätten Sie lieber?

6
/
0
Verlegerin
·

Herzlichen Dank für diesen Artikel, der mich tief erschüttert hat. Danke, dass Sie das Thema bringen und die Geschichte dieser vier tollen Frauen bringen. Hoffen wir, dass es viel mehr davon werden, mehr Frauen, mehr Politiker*innen mit zweiter Nationalität, einfach bunter und der Gesellschaft repräsentierend.

16
/
0

Danke danke danke- dafür, einfach Platz zu schaffen, für dass diese Frauen erzählen können! Und gleichzeitig bin ich so beschämt und traurig ab der Realität in diesem Land- wir kämpfen weiter !

16
/
0

Es ist traurig , beschämend , erbärmlich, dass die "weltoffene Schweiz " , die ohne Emigranten nicht zu ihrem Wohlstand gekommen wäre, Menschen ( Frauen sind auch gemeint..) so diskriminiert!
Ja, leider sind es in erster Linie die ( weissen ) Männer, die das Sagen haben.
Sie sehen gerne attraktive , fremdländisch aussehende Frauen, aber nicht in der Politik und dem öffentlichen Leben...

15
/
0

Interessant an Ihren Ausführungen scheint mir der Buchstabe «E», ich bin mir aber nicht sicher, ob Sie das so gemeint haben: «Emigration»! Tatsächlich ist es noch gar nicht sooooo lange her, da haben aus vielen Talschaften und grossen Landstrichen
der Schweiz immer mehr Leute für ihr Überleben, für den Aufbau einer Existenz die Emigration gewählt. Zu Hause reichte es eben nicht für alle.
Mit der Zeit floss von Übersee auch Cash zurück – wohl kaum in jedem Fall, ein Beitrag für eine «weltoffene Schweiz (...) mit ihrem Wohlstand», wie Sie schreiben, wars aber alleweil. Nur, die Erinnerung an all die Begleitumstände und die schwierigen Zeiten im 19. Jh. scheint verblasst, leider. Denn vielleicht könnte man dem Phänomen Migration anders begegnen.

5
/
0

Danke, ja, welches Land hat nicht gedarbt , auch die reiche Schweiz!
Das weiss ich schon, und bin darum gegen alles , was von rechts kommt.
Da ich im Ausland lebe, lese ich die Republik, ( um etwas "auf dem Laufenden " zu sein ) , bin sonst mehr auf Deutschland fixiert , obwohl ich in Italien lebe.
Gerne bin ich in Berlin, in Großstädten, da ich diese Vielfalt an Menschen und ihrer Kultur sehr begrüße.

5
/
0
Action Anthropologist
·

Obwohl hier im "Freien Westen" immer wieder gesagt wird, Jede und Jeder könne alles erreichen, wenn sie, oder er sich nur genügend anstrengen würde mit dem "freien Willen" gibt es unter dieser schönen Erzählung des "American Dream", die auch Europäische Träume beflügelt und inspiriert, eine ganz andere Realität:
Es ist die Realität eines feudalistisch-rassistischen Kastenwesens, einer gigantischen Macht-Pyramide mit einem ausgeklügelten System von Hierarchien und Arbeitsteilungen. Die Gesellschaft wird organisiert und aufgeteilt in Berufsgruppen, Wohnquartiere und Subkulturen, die sich voneinander abgrenzen und die in ihren jeweiligen "Blasen" leben, leiden und feiern, arbeiten und sich weiter entwickeln.
Die ideologisch-weltanschaulichen Grenzen entstehen sowohl aus unterschiedlichen Lebenserfahrungen, als auch aus unterschiedlichen Rollen-Zuordnungen.
Wenn nun einzelne Menschen kommen, die solchen Rollenbildern und subkulturellen Verhaltensmustern nicht entsprechen und ihnen auch nicht entsprechen wollen, wird das von der etablierten Macht-Pyramide aus Wirtschaft, Religion und Politik als Störung und Gefahr gesehen. Die Reaktionen erfolgen umgehend: Feindselig, verunsichernd, aggressiv, mobbend (Das volle Programm der Repression).
Emanzipierte Frauen werden von der Repression genauso erfasst, wie emanzipierte Männer, rebellische GewerkschafterInnen und Bio-Bauern genauso, wie Militärdienst-Verweigerer und ökologisch-soziale HausbesitzerInnen und UnternehmerInnen!
Denn die traditionalistische Macht-Pyramide hat bei all ihrer Aggressivität im Grunde eine panische Angst davor, zusammenzustürzen wie ein Kartenhaus, wenn sich die "HeldInnen der Grundversorgung" nicht mehr mit einem symbolischen Klatschen abends um sechs, oder mit einem Muttertag begnügen und sie für ihre lebenswichtigen Anstrengungen einen fairen Lohn fordern UND auch noch die Mitbestimmung!
Jessas Maria! Wo kämen wir denn da hin?!
Vielleicht könnten dann keine Mars-Missionen mehr stattfinden, die Leute würden sich gesund und vollwertig ernähren, sich viel bewegen beim tanzen und feiern und sich zufrieden in einer genussvollen Arbeit mit wenig Stress entfalten!
Aber wer würde dann noch alle die Drogen, Medikamente und Impfstoffe verkaufen können, und alle die Konsumdrogen zur Kompensation des täglichen Frustes mit dem Laufen im Hamsterrad, in einer eigentlich sehr unfreien Gesellschaft, die sich die Freiheit auf die Fahnen geschrieben hat?
Belarus und Myanmar sind weniger weit weg, als wir glauben...
Langer Rede, kurzer Sinn:
Liebe Sibel Arslan und (die drei anderen Namen muss ich nochmals nachschauen, werde sie mir aber bestimmt merken!), macht unbedingt weiter!
Ich mache auch weiter, da wo ich lebe und fühle mich Euch seelisch verbunden und verwandt, wie die Brüder und Schwestern einer (Welt-) Familie sich miteinander verbunden fühlen.

15
/
1
Leser
·

Brave new world (Huxley 1932)

1
/
0
· editiert

Ein treffender, notwendiger und guter Artikel. Danke! Es wurde mir wieder bewusst, dass wir hier erst am Anfang stehen, wenn auch schon sehr lange...
Und zwei Dinge gingen mir dazu durch den Kopf. Rein alphabetisch: Akanji, Akyol, Amolo und Arslan, welche Auswahl für diesen Anfang. AAAA. Eine Frau hats zu einem weiteren Buchstaben «geschafft», dem zweiten «unseres» Alphabetes. Ein B eben. Brändle. Berichtet weiter, das Alphabet ist schliesslich noch lang! Mmh, zugegeben, dieser erste Gedanke ist blanke Satire!

«Ganz ehrlich: Ich glaube, ich werde in meinem ganzen Leben nicht als ‹von hier› bewertet werden», sagt Akanji. Das Abgrenzen von Gruppen gegen alles Fremde sitzt enorm tief und kann sich auf allen Ebenen auswirken. Diese Erfahrungen hat sicherlich jedermann, jedefrau auch schon machen können, wenn auch weniger einschneidend vielleicht. Aus der Deutschschweiz stammend, wohn’ ich seit einiger Zeit in einem 300-Seelen-Dorf im Tessin, seit ein paar Jahren auch aktives Mitglied des Einwohnerrats. Gleichwohl werd ich mit Sicherheit nie «als ‹von hier› bewertet werden». Und das lassen mich Dorfbewohner (nicht alle zum Glück!) tagtäglich spüren, auf immer wieder neue Art und Weise, auch perfide, ich lerne dazu. Das ist keine Satire.
Unvergleichlich hingegen die hier geschilderte Situation der vier Frauen, unbedingt dran bleiben! Und zwar wir alle und auf jeder Ebene, auch wenn Auswüchse manchmal fast sprachlos machen!

14
/
0

Vielen Dank für diesen wichtigen Beitrag. Ich bin ziemlich sprachlos / ratlos und empfinde ein arges Misstrauen gegenüber dem Polit-Betrieb. Wieder einmal.
Was ist hier zu tun?

14
/
0
· editiert

https://we-talk.ch/
... deshalb braucht es uns...
schaut mal rein :-)

13
/
0

hey, sehr cool. danke für den Hinweis!

5
/
0

wann expandiert die Republik nach Österreich? Ich vermisse diese ganzen Themen in unserer Medienlandschaft.... helft uns bitte.

13
/
0

Danke für die Blumen, Herr Egger! Für eine Expansion nach Österreich sind wir noch nicht ganz bereit, aber wir haben mit der wunderbaren Solmaz Khorsand immerhin eine Korrespondentin in Wien! (Wenn auch nur mit einem kleinen Pensum und nicht ausschliesslich auf Österreich fokussiert, aber doch.)

12
/
1
· editiert

Vor rund hundert Jahren machte sich ein Ungeheurer auf, das dritte Reich aufzurichten. Rund zehn Jahre später war das Monster am Ziel. Weitere 12 Jahre später lag das Reich in Schutt und Asche. Doch viele kleine Monsters haben überlebt und sich fortgepflanzt. Diese Hydra ist nicht auszurotten und vergiftet unser Leben weiterhin. Was nützt es die Köpfe abzuschlagen, das Böse dieser Leute lebt weiter.

6
/
7
· editiert

Hannah Arendt nannte es die 'Banalität des Bösen', die Kirche verbannt es als Teufel und hat es doch in den eigenen Reihen. Das Böse ist (leider) in jedem von uns und dort müssen wir es in Griff bekommen. Wie die Beispiele zeigen ist jedeR von uns voreingenommen, denn keineR von uns ging lange genug in den Schuhen des anderen.

12
/
0

Guter Beitrag. Und wichtig – womöglich stösst er eine Diskussion zu diesem Thema an, das über die Republik hinaus geht.
Einzig nicht nachvollziehen kann ich die Aussage "Schon bei ihrer Wahl schrieb der «Tages-Anzeiger» erstaunt, dass Akyol perfekt Schweizer­deutsch spreche." Ich habe den Artikel gelesen und finde nicht, dass der Tagi "erstaunt" war, dass sie perfekt Schweizerdeutsch redet.

5
/
6

Lieber Marin Schori,
darf ich nachfragen: wie haben Sie denn die Beobachtung im Tagi gelesen, wenn nicht "erstaunt"?

5
/
1

Lieber Herr Hanimann,
einfach als Feststellung, damit es für LeserInnen des Artikels klar ist.

4
/
3

Neuste Episode von vorgestern im baselstädtischen Grossen Rat. Same procedure. Was für eine traurige, beschämende, alltägliche Erfahrung.
https://bajour.ch/a/Uq8tbXGBG5kANgz…was-gesagt

11
/
0
Chefredaktion
·
6
/
0

Womit ich mich als Nicht-Newsletter-Leserin geoutet habe :) Nun denn, der Link dazu hier in der Kommentarspalte ist sicher nicht verkehrt!
Freundliche Grüsse

2
/
0
Interkultureller Coach
·

Körperliche und geistige Unversehrtheit ist ein grundlegendes Menschenrecht. Ein Staat der seine Bürger nicht konsequent vor Rassismus schützt, ist kein Rechtsstaat.

11
/
1

Gemäss dieser Aussage gibt es weltweit keinen einzigen Rechtsstaat.
(Jeder weiss, dass es im Fussball Rassismus gibt, und in den meisten Staaten wird Fussball gespielt. Ohne dass Staat und Verantwortliche die Betroffenen effektiv schützen können.)
PS. Es geht im Artikel nicht nur um Rassismus, es geht auch um Sexismus und diesen kann kein Mann nachempfinden.

3
/
1

Ich bin immer wieder erstaunt, betroffen und beschämt, wenn ich solche Sachen lese. Die Geschichten rütteln auf. Natürlich gibt es Stories, die so daneben sind, dass sie ganz klar eine Grenze überschreiten oder kriminell sind.
Es gibt aber auch die subtilen Anschuldigungen, die feinen Beleidigungen, die nicht so gemeint sind. Ich stelle dann leider fest, dass auch ich hilflos bin und nicht weiss, wie man 100 Prozent korrekt unrassistisch ist. Was darf man ansprechen, was muss man künstlich verschweigen? Eir brauchen gute Beispiele, eine Anleitung mit Dos statt Donts. Betroffene sollten gute Erfahrungen zitieren und und allen aufzeigen, wie man konstruktiv mit unseren Unterschieden in Herkunft, color, Geschlecht und Namen umgeht.

10
/
0
Michel Rebosura
Ratsmitglied Project R Genossenschaft
·
· editiert

Ein guter Anfang ist «exit RACISM – rassismuskritisch denken lernen» (2018) von Tupoka Ogette. Aber ganz nebenbei sollte es eben nicht allein den Betroffene obliegen für Selbst-Reflexion und Selbst-Kritik zu sorgen. Es ist also nicht die Pflicht von People of Color, «Weisse» etwa über ihr White Privilege aufzuklären (wie es auch nicht die Pflicht von Frauen ist, Männer etwa über ihre hegemoniale Maskulinität aufzuklären).

Reni Eddo-Lodge sagt deshalb auch: «Warum ich nicht länger mit Weissen über Hautfarbe spreche» (2017/18). Eine provokative Aussage natürlich, die sich jedoch vor allem auf jene «Weisse» bezieht, die Betroffenen die Erfahrungen mit Rassismus und Diskriminierung absprechen wollen. Sie plädiert dafür, strukturellen Rassismus gemeinschaftlich zu bekämpfen.

Aber jede Aufklärung setzt Selbst-Aufklärung voraus, denn jede Gemeinschaft beruht auf Gegenseitigkeit.

10
/
2

Danke für diesen Beitrag. Ich finde auch, wir sollten lernen, die Vielseitigkeit zu feiern, statt die Unterschiede zu betonen. Bei der Reflextion meines eigenen Verhaltens entdecke ich auch immer wieder Feinheiten, die ich mir abtrainieren will und muss. Allerdings empfinde ich den Grat teilweise schon recht schmal... z.B. werde ich als Bündnerin auch gerne auf meine Herkunft angesprochen und die Menschen erzählen mir auch ungefragt von ihren Ferien im schönen Bünderland. Ich empfinde das als Interesse und bin stolz auf meine Wurzeln. Mich interessiert es zudem ganz allgemein woher Vor- und Nachnamen stammen - darf ich denn jetzt niemanden mehr nach der Herkunft seines Namens fragen? Ich verstehe, dass es verletzend und erniedrigend ist auf seine Hautfarbe oder auf die Geschichte reduziert zu werden. Aber darf ich denn kein ehrliches, offenes Interesse mehr gegenüber der Vielfalt haben?

10
/
2
Interkultureller Coach
·

Liebe Frau Zaugg, schön, dass sie unsere Vielfalt hochhalten. In meinen Seminaren, pflegte ich jeweils zu fragen «Welches ist denn ein Schweizer Wert?». Die Antworten: «wir sind pünktlich, produzieren Qualität, sind verlässlich etc.», alles Eigenschaften, die wir auch unseren nördlichen Nachbarn zuordnen können und deshalb keine Alleinstellung beinhalten. Interessanterweise wurde die Vielfalt fast nie erwähnt. Und doch ist die Vielfalt unser kostbarstes Gut. Ich kenne kein anderes Land, wo 4 Kulturen und Mitbürger mit Migrationshintergrund, die bald einmal 50% der ursprünglichen Bevölkerung ausmachen, einigermassen in Frieden zusammenleben. Diejenigen, die zu uns gekommen sind, haben unser Leben bereichert, haben unseren Horizont erweitert, sich kreativ eingebracht und sind ein Teil unseres Erfolges. Ohne sie wären wir nicht, wo wir heute sind.

10
/
0
Interkultureller Coach
·

PS Fragen Sie vielleicht nicht nach der Herkunft des Namens - es sei denn sie erkundigen sich nach dem Heimatort. Ich frage jeweils nach der Muttersprache und habe so viele interessante Begegnungen gehabt.

2
/
0
· editiert

Ich denke eine Frage nach den Wurzeln darf durchaus gestellt werden, aber ich finde der Zeitpunkt der Bekanntschaft ist relevant. Hat man die Person vor 5 Minuten kennengelernt, oder trifft man sich seit mehreren Wochen regelmässig und hat schon verschiedene persönliche Geschichten ausgetauscht.
Beispiel: Angenommen jemand hat Wurzeln in Syrien.

  1. Es kann sein, dass die Eltern zu Friedenszeiten in die Schweiz ausgewandert sind, die Person wurde in der Schweiz geboren und hat keinerlei Bezug zum Ursprungsland.

  2. Oder es kann sein, dass die Person während dem Krieg geflüchtet ist, davon traumatisiert ist und der reine Gedanke an die verlorene Heimat schmerzhaft ist.

In beiden Fällen wird es für die Person unangenehm sein, in den ersten 5 Minuten des Kennenlernen gleich von den Wurzeln zu sprechen, weil entweder kein Bezug dazu besteht oder schmerzhafte Erinnerungen durchlebt werden müssen.
Bei allen Freundschaften kommt irgendwann der Moment in dem man auch intimere Geschichten erzählt, ab dem Zeitpunkt kann auch eine vorsichtige Frage nach den Wurzeln gestellt werden und das Gegenüber weiss, dass es sich nicht um Fremdenfeindlichkeit handelt.

4
/
0

Wir alle – auch wenn wir uns jetzt entrüsten – tragen einen gewissen Rassismus in uns. Wenn wir ihn überwinden wollen, müssen wir uns das erst einmal bewusst werden und auch uns selber gegenüber zugeben. Wie zivilisiert eine Gesellschaft ist, zeigt sich nicht zuletzt im Umgang mit dem Anderssein der Mitmenschen. In kleinen Dörfern bleiben Sie noch heute "frömdi Fötzel", wenn Sie Zugezogene sind, manchmal über Generationen, selbst, wenn Sie bis auf die genetischen Knochen SchweizerIn sind. Ich vermute, das ist auf der ganzen Welt so. Womöglich hat dies biologische Ursachen, das weiss ich nicht, aber ich nehme an, dazu gibt es Forschungsdaten. Was ich aber sicher weiss: Es gibt keine menschliche Rasse, Menschen sind Menschen sind Menschen. Punkt. Die Vielfalt und Anderartigkeit von Mitmenschen anzuerkennen ist also eine Frage der Zivilisiertheit jedes und jeder Einzelnen. Nur ist leider die Decke der Zivilisation ist sehr, sehr dünn. Überall. In meinem Leben habe ich deshalb eines gelernt: Die Opferrolle ist eine Falle. Immer. Sobald frau sich als Opfer darstellt, hat sie schon verloren. Heisst: Mann nimmt sie nicht mehr ernst. Ausserdem kann dieses demütigende Gefühl zu einer Übersensiblisiertheit führen, die ihrerseits einen gewissen Rassismus beinhaltet. Also Frauen, ob weiss oder people of colour oder lesbisch oder was auch immer, seid stark, sprecht darüber, benennt den Rassismus, aber nicht aus der Opferrolle heraus, sondern selbstbewusst und unbeirrt, wie Sibel Arslan.

9
/
0

Ich glaube euch. Ein simpler Satz und doch so selten genutzt.

8
/
0

Kramen wir doch mal in einer unteren Schublade. Sowohl die älteren Herren, wie auch die jüngeren Dumpfbacken, wissen genau, dass sie nicht den Hauch einer Chance haben, jemals eine dieser wunderbaren, intelligenten und ja, auch schönen Frauen, kennenzulernen. Dann wird der Triebstau halt in rassistisch/sexistischem Gerümpel entladen. Um in der unteren Schublade zu bleiben: Zum Kotzen!

11
/
3

Ein Punkt passiert mir gelegentlich. für den ich mich auch sehr schäme. Das Starren. Ich weiss nicht woher es kommt und wie man das los werden könnte. Aber obwohl ich mich als sehr tollerant einschätze und bewusst versuche die unterschiede nicht zu sehen. Ertappe ich mich doch immer wieder wenn ich Fremdländisch aussehende Personen oder andere die mir "halt auffallen" länger anschaue als ich es bei anderen tun würde.

Dass man sich aus Respekt gibt als würde sein Hirn nicht all die Fragen stellen, die beleidigend wären sollte selbstverständlich sein.
Respekt beginnt dort wo man die Bedürfnisse des anderen gegenüber den eigenen abwägt, feststellt das die eigenen unangebracht sind und sich entsprechend verhält.

6
/
0

Hut ab vor diesen Frauen, die den Mut haben, sich öffentlich zu exponieren. Ja, es wäre die Aufgabe der Institutionen, solche Angriffe nicht länger zu dulden. Tun sie aber nicht, denn unter dem Deckmäntelchen der "Meinungsfreiheit" wird das toleriert.
Weggeschaut wird überall, das kenne ich auch persönlich vom Arbeitsplatz her. Übergriffige Bemerkungen und Kontrollsucht der "Arbeitskollegin" waren zwar allseits bekannt, wurden aber, selbst in einer sozialen Institution, toleriert. So blieb nur noch die Kündigung und am Ende gab es schöne Abschiedsworte, grosses Verständnis und die Bemerkung, man(n) habe halt da einen anderen Umgang gefunden...sprich, wir übersehen die Probleme grosszügig, weil wir nicht in Konflikte hineingezogen werden möchten. Die Ent-täuschung gegenüber vermeintlich "sozialen" Leuten verstehe ich sehr gut.

6
/
0
Michel Rebosura
Ratsmitglied Project R Genossenschaft
·
· editiert

Der Schriftsteller Teju Cole findet angesichts des Hassverbrechens in Atlanta die richtigen Worte. Er spricht über den systemischen Rassismus, wie manche Menschen ihn nicht sehen können und wenn sie ihn sehen, nicht sehen wollen. Die Augen davor verschliessen, die Hände in Unschuld waschen, auf andere zeigen und die Hände in den Schoss legen. Oder ihn kleinreden, «vernüütige» und schweigen.


Written in grief. Mourning with those who mourn.

We call it systemic racism not because people have a meeting to declare it’s racism time. They do, sometimes; usually they don’t. We call it systemic racism because it shows up in the systems that sustain a given society. Systemic racism is not in the things individuals do or say, but the structures—invisible if you don’t learn to see them—that make racist words and actions possible and convenient.

Operational research theorist Stafford Beer (1926–2002) has a helpful phrase about systems in general that I have been thinking about this week. Beer’s idea is as follows: “The purpose of a system is what it does.” What a startling and powerful concept that is. We assume that the purpose of a system is what it claims to be, or what it is designed to do. We are taught to think that anything else is a side effect or unfortunate outcome. Beer’s formulation suggests that, no, the proof of the pudding is in the eating. The outcome is the purpose. In other words, we have to reconfigure our understanding of “purpose,” and shift the weight of it from theory into practice.

Americans are addicted to self-absolution, and tend to be very pleased with the high-flown rhetoric of their self-description. We love to describe all adverse outcomes as incidental, or unintentional, or unfortunate, or collateral. We Americans want to be judged on our intentions, not on our behavior, and certainly not on the real-world harm that behavior so consistently produces. Hence the “greatest country in the history of the world” pablum we have to endure from both major parties during every election cycle. Because the systems that produce so much harm are thought to be essentially well-intentioned, the harm continues.

How would we be compelled to change our systems if we truly believed that the purpose of a system is what it does? If your system produces racism, that means you have a system the purpose of which is to produce racism. What does that say about you?

I’m thinking about the people, most of them Asian women, who were murdered in Atlanta. That was systemic racism. The fact that one of the main sites was in Cherokee County, so-named in 1831 for the Cherokee people who had been violently expelled from those lands a year earlier: that is systemic racism too. That the police spokesperson in Cherokee County has a social media trail of anti-Asian, anti-Mexican, and anti-Black activity: systemic racism. That he described the killer as having had a bad day: systemic racism. That his own department described him as having had a bad day: systemic racism. That the news media have all led with this absurd “sex addiction” story: systemic racism. That they gave us sensitive profiles of the killer before even naming the victims: systemic racism. That when they finally did name the victims, some of the reports treated the second part of bi-partite Korean first names as a middle initial: systemic racism. That when the stories of the murdered were finally being told, they were shoehorned into “good immigrant” narratives: systemic racism. From the macrocosm to the microcosm, what we have seen is exactly the cruelty and disregard that a country such as this, with its pervasive systemic racism, would produce. I know that the pain many people are feeling right now is not at all limited to one violent person or one shooting spree. It is also about the entire superstructure of violence which, they know, is not incidental.

The purpose of a system is what it does.

“This is not who we are,” the politicians say, like clockwork. This is not who we are? This is very much who we are. When you hear, “violence is never acceptable,” ask yourself who is saying it, and who are they saying it to. It would be wonderful if violence were never acceptable.

In memoriam Soon Chung Park, Hyun Jung Grant, Suncha Kim, Yong Ae Yue, Xiaojie Tan, Delaina Ashley Yaun, Paul Andre Michels, and Daoyou Feng.
Written in grief. Mourning with those who mourn.

7
/
2
Verlegerin
·

Herzlichen Dank für diesen Artikel, der mich tief erschüttert hat. Danke, dass Sie das Thema bringen und die Geschichte dieser vier tollen Frauen bringen. Ich zähle auf jeden einzelnen Republikaner, dass dieser Artikel keinen einzigen Drohbrief auslöst....

5
/
0
Fachführung Sourcing & Empowerment Coach
·

Ich bin Migrantin aus Österreich. Das zählt für viele Schweizer nicht, den wir sind ja praktisch Nachbarn. Ich spreche fliessend Schweizerdeutsch und es fällt kaum auf. Mein Vater ist Algerier und ich bin halbe Araberin. Ab dann merke ich den Unterschied. Deshalb ist es wichtig darüber zu reden, weil es oftmals auf einer subtilen Ebene stattfindet. Und noch eine Idee: Vielleicht kann man die Profilbilder hier in der Republik auch auf farblich schalten und die Diversität sichtbarer zu machen.

4
/
0
Weltenbürger (du/er)
·

Merci für diesen wichtigen Beitrag!

2
/
0

Vielen lieben Dank für den Artikel-auch wenn der Inhalt in vielen Aspekten schmerzt und unfassbar ist.....Wann kapieren einige endlich, dass diese Menschen eine normale, moderne Schweiz repräsentieren?

Ihr mutigen, stolzen Frauen, lasst euch nicht unterkriegen !!

2
/
0

Vielen Dank für diesen Artikel. Ich bin SP-Mitglied und sehr erschüttert und entsetzt. Ich schäme mich zutiefst über das Schweigen der Ratspräsidien und der ParteikollegInnen.

2
/
0
Learning & Development
·

„...dass man sich ein inneres Heimatgefühl bzw. ein Zugehörigkeitsgefühl letztlich nur selbst geben kann. In dem Sinne, dass man selbst für seine Gefühle verantwortlich ist. „

Das ist schön gesagt und wünschenswert, tönt doch sehr einfach, oder? Aber es braucht wirklich wahnsinng viel Kraft, sich das selbst täglich, stündlich selbst zu sagen, sich daran aufzubauen, immer wieder, wenn man davon betroffen ist, während Zurechtweisungen, Zweifel, die einem entgegenschlagen, am Selbstwertgefühl nagen. Und es ist normal, dass einen das völlig fertig macht, bis man entnervt aufgibt.
Sibel Arslan scheint eine sehr starke Person Person zu sein, aber ich bin sicher, dass sie extrem viel Kraft aufbringen muss. Nicht alle können das so, diese ständigen Sticheleien, die ewigen Zweifel aushalten und abzuwehren, die dir entgegengestellt werden, die dich hindern. Genau so, wie du es machst, indem du es ‚völlig absurd‘ nennst, dass Ezgi Akyol sich nicht dazugehörig fühlt. Glaubst du ihr etwa nicht? Warum wohl ist es so schwer? Nicht nur wegen offener hetzerischer, rassistischer, sexistischer Anfeindungen, sondern auch wegen solchen subtileren Aussagen, wie ‚absurd’ es ist. Es ist eben genau nicht dein Erleben, N. O. H., der es sicher nur gut meint. Genau wegen solcher Aussagen, braucht es so viel Kraft, wie absurd es sein soll - aus deiner Sicht.
Der erste Schritt ist mal denen zuzuhören, die betroffen sind. Und ihre Rede nicht gleich wieder zuzudecken mit der eigenen, relativierenden, gutmeinenden Rede.

2
/
0
(durch User zurückgezogen)
seit 2018

Republik AG
Sihlhallenstrasse 1
8004 Zürich
Schweiz

kontakt@republik.ch
Medieninformationen

Der Republik Code ist Open Source