Die Republik ist nur so stark wie ihre Community. Werden Sie ein Teil davon und lassen Sie uns miteinander reden. Kommen Sie jetzt an Bord!

DatenschutzFAQErste-Hilfe-Team: kontakt@republik.ch.



PFLEGEINITIATIVE
Am 17. November 2017 wurde die Initiative „Für eine starke Pflege (Pflegeinitiative) eingereicht. Sie wurde vom Bundesrat dem Parlament übergeben und ohne direkten Gegenentwurf oder indirekten Gegenvorschlag zur Ablehnung empfohlen.
(https://www.bag.admin.ch/dam/bag/de…iative.pdf).

Erstens: Wie kann es sein, dass eine Initiative so lange vertrödelt wird, bis sie zur Abstimmung kommt?
Zweitens: Die heutige Situation zeigt deutlich, dass die Schweiz hier möglichst auf eigenen Füssen stehen und darum die Ausbildung gefördert und die Entlöhnung attraktiver gestaltet werden muss. Ganz besonders sieht man die Abhängigkeiten in den Grenzkantonen Tessin und Genf.

Da bleibt nur zu sagen: PARLAMENT VORWÄRTS MACHEN!

34
/
0

Das hat damit zu tun, weil wir Pflegenden keine Lobby da oben haben und nie hatten. Ob sich etwas ändert, wird sich erst in der Nachbearbeitung zeigen. Ich bleibe skeptisch.
Fast ironisch ist, dass das Jahr 2020 von der WHO zum Jahr der Pflegenden und Hebammen ausgerufen wurde...

48
/
1

Das Verschleppen könnte auch zu einem Vorteil werden: Ich kann mir gut vorstellen, dass in der jetzigen Krise die Zustimmung für die Initiative steigt.

16
/
0

Lieber Herr Peterer, danke für Ihren Beitrag. Leider ist es gar nicht so ungewöhnlich, dass es so lange dauert, bis eine Initiative zur Abstimmung kommt. Die Unterschriften zur Konzernverantwortungsinitiative wurden sogar schon im Herbst 2016 eingereicht und das Parlament ist sich auch noch nicht einig. Meistens ist das Hauptproblem, dass sich National- und Ständerat nicht einig sind und somit eine Vorlage scheinbar ewig zwischen den beiden Kammern hin- und herwandert. Tatsächlich wird es aber interessant zu sehen sein, ob die aktuelle Situation der Pflegenden einen Einfluss auf die Haltung zur Pflegeinitiative haben wird. Mit besten Grüssen, Bettina Hamilton-Irvine

7
/
0

Liebe Republik
Ich empfinde es als unangebracht reisserisch, wenn in der jetzigen Zeit eine Headline erscheint mit den Worten "Ich versuchte nur noch zu überleben" .
Das Wort "überleben" JETZT so prominent in einem Titel zu verwenden, obwohl der Artikel (inhaltlich tipptopp und unbedingt nötig!) nicht in einem direkten Zusammenhang mit Covid-19 steht, empfnde ich als unseriös, panikgenerierend und komplett unnötig.
Überhaupt enttäuscht mich die Republik grad im Moment, weil sie nicht wenigstens EIN Spältchen offenlässt, ob nicht eventuell DOCH andere wissenschaftliche Einsichten, als jene die ständig und überall zu sehen und zu hören sind, eine Berechtigung haben KÖNNTEN. Für einmal recherchiert die Republik nicht, sondern betet lammfromm nach.

4
/
48

Der Titel ist genau jetzt absolut angemessen.

34
/
1

Liebe Frau F., ich danke Ihnen für diesen Beitrag und Ihr kritisches Feedback. Gerne erkläre ich Ihnen, wieso ich den Titel angemessen finde. Sie schreiben, Sie finden es unseriös, genau jetzt das Wort "überleben" in den Titel zu stellen. Ich gehe davon aus, dass Sie damit meinen, weil jetzt Menschen sterben, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben. Jedoch möchte ich dazu zu bedenken geben, dass Pflegefachfrauen immer mit Menschen konfrontiert sind, die sterben. Das ist ihr Alltag. Wenn wir daraus schliessen würden, dass wir die dramatische Situation, in der sich das Pflegefachpersonal befindet, nicht thematisieren dürfen, weil es mit den Patientinnen um sie herum immer noch Leute gibt, denen es noch schlechter geht, dürften wir nie darüber sprechen, wie es dem Personal geht. Und: Ich finde den Titel eben gerade deshalb richtig, weil Pflegefachfrauen selten wirklich sagen, wie es ihnen geht, meistens zu tapfer sind, meistens zuletzt an sich selber denken. Und deswegen werden sie oft kaum wahrgenommen und ihre Probleme werden nicht thematisiert. Hier ist nun aber eine Frau, die darüber sprechen will und die in ihren Worten darlegt, wie dramatisch sich die Situation für sie angefühlt hat. Die gemerkt hat, dass sie nicht gehört wird, wenn sie keine drastischen Worte wählt. Ich wünsche Ihnen einen guten Tag!

17
/
0

Liebe Frau F., danke für Ihren Beitrag. Ich kann Ihre Kritik am Titel nachvollziehen und verstehe auch das man diesen «reisserisch» finden kann. Was das Spältchen angeht, können Sie noch ein bisschen konkretere sagen, was Sie damit meinen? Vielen Dank im voraus für Ihre Antwort, liebe Frau F.

8
/
1

Liebe Frau Andrea Arežina
Ein Spältchen wäre Sucharit Bhakdi, seine 5 Fragen in seinem Offenen Brief an Angela Merkel. (Kann man googeln). Leider habe ich fast Schiss, öffentlich dazu zu stehen, dass ich mit der eindimensionalen Berichterstattung aller Medien, (eben enttäuschenderweise auch der Republik, die sich sonst doch so sehr ihrer Recherchen lobt), Mühe habe. Alle, die ihre Zweifel haben, werden ultraschnell verurteilt als VerschwörungstheoretikerInnen oder EsoterInnen - ich bin beides nicht, höre nur AUCH aber einem Sucharit Bakhdi zu.
Danke für Ihr Interesse, liebe Frau Arežina.

Freundliche Grüsse!

0
/
6

Im Rahmen meiner Zeichnerausbildung habe ich ein mehrmonatiges Praktikum als Baumeister gemacht. Die physische Belastung stand da im Vordergrund. Feinstaub und von oben Herabstürzender Schutt sowie das hantieren mit Maschinen und das Tragen schwerer Dinge belasten den Körper.
Einige Jahre später absolvierte ich ein zwei monatiges Praktikum bei dir Spitex. Der unterschied der Arbeitsumstände ohne GAV sind gravierend. Bei der Spitex konnte ich den stetigen Stress, die unfairen Arbeitsverträge und die geringe finanzielle Anerkennung jeden Tag erneut kennenlernen. Ich habe bestimmt 20 verschiedene Pflegerinnen begleitet und jede Person zeichnete den Beruf. Der Arbeitsvertrag wird, wie mir erzählt wurde, nur für ein 80% Pensum ausgestellt, gearbeitet wird aber fünf Tage die Woche. Der Lohn wäre gerade "Okey" für 100%.
Die Arbeitszeiten sind unregelmässig und verändern sich teilweise stündlich. Planungssicherheit im Privatleben wird erschwert obwohl ich gerade bei der Spitex viele Mütter und auch Alleinerziehende kennenlernte. Das Risko des Arveitsvolumens wird auf die Arbeitnehmer
innen abgewälzt. So kann es sein, dass man am einen Tag 10 h arbeiten muss, am nächsten nur noch 5 h. Dies aufgrund der dynamischen Auftragslage. Aufschreiben kann man jeweils die entweder 10h oder 5h. Ein fixes verbindliches tägliches Abreitspensum erschien mir inexistent.
Der meiner Meinung nach grösste Unterschied vom Bau zu Pflege ist die Möglichkeit des Streiks. Zu behaupten das Pflegende diese Möglichkeit auch haben, steht im Konflikt mit der Realität. Zu Streiken mit dem Wissen das Patieninnen oder Kundinnen ohne Hilfe nichts tun können, den ganzen Tag in ihren Vekalien liegen würde, die lebensnotwenigen Medikamente vergessen einzunehmen (Demente), nicht Essen können, die Wunde nicht gepflegt werden kann oder schlicht vereinsamen, mit diesem Wissen zu Streiken würde kein Mensch mit nur ein bisschen Empathie verkraften. Und wie sonst könnte die Pflege ein Zeichen setzten? Nach schon nur fairer Bezahlung zu fragen, wird als lästige Quenglerei abgetan.

(Nach zwei Monaten bei der Spitex habe ich viele starke Frauen kennengelrnt die ihre Kunden lieben und alles für diese machen. Ich konnte für mich nach dieser Zeit sagen, obwohl ich nur begleitet und ein bisschen mitgeholfen habe; Das ist mir zu viel!)

33
/
1

Danke für den Eiblick, den Vergleich und das Sie mit uns Ihre Geschichte teilen, lieber Herr K.

3
/
0

Ich würde es mir wünschen, dass die Schweiz zu dem zurückkehrt, was sie einmal war. Qualität. Ich würde mir wünschen, dass man die Personen entlässt, die Qualität verhindern und nicht die, die sie wahren. Ich würde mir wünschen, die Schweiz wäre wieder Qualität. Durchdachte Planung, einsetzen der notwendigen Ressourcen, Wertschätzung der Personen, die das mitmachen. Mit Ressourcen ist gemeint: Geld, Personal, geeignete Informatikinstrumente, Raum. Sparen ist gut. Richtig sparen ist besser.

28
/
0

Ihre Wünsche decken sich weitgehend mit meinen. Aber Hoffnung habe ich keine. Nach der Krise wird vieles weitergehen wie vorher. Wenn man es jetzt schon als wichtig erachtet, eine Fluggesellschaft mit Steuergeldern zu retten, wann sollen dann Änderungen stattfinden? Ich bin sicher, dass sich genau jetzt irgend ein Manager im Homeoffice dem Kleingedruckten annimmt, um nach der Krise wieder Kunden hereinlegen zu können. Egal ob 'staatliche' Firmen wie Swisscom und Post oder eben Versicherungen, Banken oder Industriefirmen.

1
/
0

Seit ich vor 22 Jahren die Ausbildung zur Krankenschwester (damals) absolviert habe, hat sich glücklicherweise vieles im Pflegebereich geändert und verbessert. Ich habe noch Arztvisiten erlebt, bei dem das Bild von den "Halbgöttern in weiss" ritualisiert und praktiziert wurde. Ein Chefarzt hatte die Angewohnheit, neben mir zu stehen, mir seine Verordnungen zu diktieren und diese gleich noch zu buchstabieren, in der Annahme, ich sei zu dumm, einen Medikamentennamen richtig schreiben zu können. Dies vor einer Gruppe Assistenzärzte und dem voll belegten 6-er Zimmer mit den Patienten. Dass das schon längst nicht mehr so ist, ist beruhigend. Dennoch hat sich sonst in den letzten 20 Jahren nicht viel geändert. Schon damals waren wir immer knapp mit den Ressourcen, immer leicht "am Anschlag" mit unserem Energiepegel, schlecht bezahlt und Schichtdiensten ausgesetzt, die ein Leben mit Sozialkontakten erschwerten und körperlich auslaugend waren.
Es muss sich jetzt einfach endlich etwas ändern! Wir sind müde und erschöpft. Und das schon lange. Die Ansprüche und Anforderungen werden nicht weniger. Im Gegenteil.
Der Bund steht in der Pflicht, den Forderungen unserer Berufsverbände nach der Covid-19 Krise endlich voll umfänglich nachzugeben. Bis dahin könnten wir alle diese Petition unterschreiben als Zeichen der Solidarität. Herzlichen Dank.
https://vpod.ch/brennpunkte/coronav…dunr41cNW4

27
/
0
· editiert

Liebe Frau A., ja, diese Visiten! Brrr. An meine Spitalzeiten denke ich mit Schaudern zurück, obwohl ich die gleichen Jahre um die Jahrtausendwende als Assistenzärztin erlebt habe und nicht als Pflegefachfrau. Auch bei uns gehörte die Selbstausbeutung dazu. Einfach in Form zu hoher Arbeitszeiten statt zu tiefer Löhne. Inzwischen ist die damals normale Siebzigstundenwoche längst illegal, aber in der Wirklichkeit wird das Arbeitsgesetz an Spitälern systematisch missachtet, was das ärztliche Personal betrifft. Der VSAO geht dem alle paar Jahre nach und kam letztmals 2017 zu weitgehend unveränderten Schlüssen. Der Öffentlichkeit ist das normalerweise ziemlich wurscht, neu ist die Sache ja nicht mehr; der Nachwuchs selber scheint die vorherrschenden Zustände als eine Art Initiationsritus zu sehen zum Traumberuf. (Und gewöhnt sich dabei einen Workaholismus an, der etlichen ein Leben lang in den Knochen stecken bleibt. Auch das ist der Öffentlichkeit wurscht; sich über Abzocker empören ist einfacher als nachzulesen, dass bei Arbeitszeiterfassungen von Praxisärzt*innen 55 Wochenstunden als Vollzeit gelten, nicht 42.) Wie wehren, in derart hierarchischen Strukturen und Abhängigkeitsverhältnissen - und angesichts der Tatsache, dass es „unseren“ Kranken ja meist schlechter geht als uns selber und sie uns brauchen? Dieses Problem ist allen Spitalberufen gemeinsam und trägt dazu bei, dass Spitäler immer noch Arbeitsorte sind, wo frau (und mann) leicht ausbrennt. Zu leicht. Im besten Fall wird die aktuelle Pandemie zu einem Innehalten führen, was den ewigen Renditedruck in der Gesundheitsversorgung betrifft. Es gibt einfach Dinge, die finanziell nicht rentieren - und nicht rentieren müssen sollten. Ich wünsche uns allen ein gesünderes Gesundheitswesen. https://saez.ch/article/doi/saez.2020.18803

7
/
0

Vielen Dank für diesen Beitrag, Frau A., und dass Sie schildern, wie Sie die Situation erleben. Ich wünsche Ihnen und Ihren Kolleginnen viel Kraft!

2
/
0

Liebe Frau A., danke für den Rückblick zu Ihrer Arztvisitie von damals und den Hinweis auf die Petition.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Nachmittag.

2
/
0

"Perfektionisten"! Ich kann das nicht mehr hören. Natürlich versucht jeder seine Arbeit so gut oder auch so perfekt wie möglich zu machen. Der Rat gegen Burnout: Seien sie nicht so perfektionistisch. Ich finde nicht, dass das eine Lösung für die organisatiorisch-/personellen Probleme ist. Und befriedigend ist es schon gar nicht. Wer sagt denn uns nun, wo wir die Abstriche machen sollen? Niemand. Sind wir damit zufrieden, dass wir unsere Arbeit nicht so gut machen können, wie wir eigentlich könnten, wenn dann die Umstände so wären, dass man es könnte. Nein. Auf den sogenannten Perfektionisten und Perfektionistinnen herumzuhacken ist nur eine Ausflucht einer Gesellschaft, die nur noch gewinnorientiert und nicht mehr nutzenorientiert waltet. Keine Ethik, keine Moral. Nur noch wildes herumgehühnere. Echt abartig.

25
/
1

Als ich Assistenzarzt war, hatten wir Arbeitszeiten von 70 - 80 Wochenstunden. Das war vor 40 Jahren und ohne Krise. Ich fand das unverantwortlich und unsinnig. Ich wehrte mich dagegen - ziemlich allein. Ich wandte mich auch an den damaligen Präsidenten der FMH. Zur Antwort bekam ich, wer nicht bereit sei, ein solches Pensum zu leisten, müsse sich überlegen, ob er am richtigen Ort sei. Natürlich konnte ich - meine Arbeitskapazität ist überdurchschnittlich. Dennoch fand ich das einen Unsinn und die Antwort des höchsten Schweizer Arztes genau so. Damals sagte man dem Ethos des Arztes, heute ist es Ökonomie.

25
/
1

So ist es. Und das Arbeitsgesetz wird an Schweizer Spitälern nach wie vor systematisch gebrochen, was das ärztliche Personal betrifft. Die Selbstausbeutung gehört genauso dazu wie in der Pflege - einfach mit zu hohen Arbeitszeiten statt mit zu tiefem Lohn. Es fällt glaube ich in allen Spitalberufen sehr schwer, sich dagegen zu wehren, während frau erstens eine offensichtlich sinnvolle Arbeit macht und zweitens dauernd an persönliche Grenzen stösst dabei und drittens ja immer noch besser dran ist als die Kranken, die man betreut... Aber mehr Reserven und eine weniger dünne Personaldecke in der Gesundheitsversorgung wären uns allen zu wünschen. https://saez.ch/article/doi/saez.2020.18803

17
/
0
· editiert

Ich litt schon vor meiner Ausbildung zur Pflegefachfrau an chronischer Migräne. Ein Jahr nach der Ausbildung in einem Akutspital merkte ich, dass die Anfälle durch die häufigen Schichtwechsel - an einem Tag Spätdienst bis 23:00, am darauf folgenden Tag Frühschicht ab 07:00 - vermehrt provoziert werden. Ich bat meine Vorgesetzte, dies bei der Dienstplanung zu berücksichtigen. Sie meinte sie werde es versuchen, sie könne aber nichts versprechen. Beim jährlichen Mitarbeitergespräch kurz danach stand dann in meiner Qualifikation ich sei nicht belastbar und habe Mühe mit Stress umzugehen, obwohl ich mich nie beklagt habe und weiterhin alle Schichten wie geplant pflichtbewusst übernommen habe. Ich habe mich nie krankgemeldet und sogar kurzfristig zusätzliche Schichten übernommen wenn jemand ausfiel. Als es nach einem halben Jahr aber immer schlimmer wurde bat ich meine Vorgesetzte und die Pflegedienstleitung erneut darum, mir keine direkten Wechsel mehr von Spät- auf Frühschicht zu planen, da ich merke dass meine Gesundheit darunter leide. Sie meinten das sei nicht realistisch in einem Pflegeberuf, das gehöre zum Job. Darüber müsse man nicht diskutieren. Sie vermittelten mir das Gefühl dass es frech sei so etwas überhaupt zu verlangen. Meine Vorgesetzte stellte sich nicht auf meine Seite, obwohl sie mir zuvor stets versicherte eine sehr wertvolle und geschätzte Mitarbeiterin zu sein. Ich war schockiert wie plötzlich diese Wertschätzung verschwunden war und dass die Gesundheit der Mitarbeitenden in einem Gesundheitsberuf so wenig wert ist. Ich habe noch am selben Tag meine Kündigung geschrieben.

22
/
0

Ganz herzlichen Dank für das Teilen Ihrer Geschichte, Anonymous!

3
/
0

Leider kenne ich ähnliche Fälle. Es ist erschreckend, wie unprofessionell die Pflegeheime zum Teil geführt werden. Gegen aussen geben sich die Heime sozial und innen ist der Teufel los.

Leider organisieren sich die Pflegemitarbeiterinnen viel zu wenig. Eigentlich kein Wunder, hat man doch Gewerkschaften über Jahrzehnte schlecht gemacht und in einigen Ländern ist man sogar stolz, keine mehr zu haben.

0
/
0

Könnte es nicht auch sein, dass ein 20% Pensum schlicht nicht ausreicht, um in diesem anspruchsvollen Job mit Leitungsfunktion den Überblick zu bewahren? Zu kleine Pensen machen keinen Sinn. Der Energieaufwand ist viel grösser, wenn man nur einen Tag pro Woche arbeitet, es fehlt dann die Routine.

15
/
1

Es ist natürlich nicht möglich, mit 20% noch einen Leitungsjob zu übernehmen. Die gehen aber anscheinend davon aus (das natürlich mit mehr Lohn, nicht viel, aber schon), dass die Frau das machen wird. Vermutlich haben sie da auch kräftig rumgeschleimt. Das ist ganz klar ein Führungsproblem dieser Spitex.

5
/
0

Liebe Frau S., danke für Ihre Frage. Sicher haben Sie recht, dass es besonders anspruchsvoll und wenig sinnvoll ist, mit einem kleinen Pensum noch Führungsaufgaben übernehmen zu müssen. In diesem Fall denke ich aber, dass das Pensum nicht der Hauptfaktor war, der die grosse Erschöpfung ausgelöst hat. Denn Sabine Stillhart hat ja nach wie vor auch die reguläre Arbeit eines Teammitglieds gemacht, plus die Führungsrolle obendrauf. Das hätte sie mit einem höheren Pensum dann halt einfach an zwei, drei oder vier Tagen pro Woche so machen müssen. Erschöpfung und Überforderung wäre da wohl in jedem Fall das Resultat gewesen.

3
/
1

Ich finde den Beitrag sehr treffend und keineswegs reisserisch.Er veranschaulicht treffend , warum Pflegende aus dem Beruf aussteigen! Besonders junge Pflegefachleute steigen nach kurzer Berufserfahrung aus. Dass die Pflegeinitiative abgeschmettert wurde , zeigt ein Desinteresse daran überhaupt etwas zu verändern.Das New Public Management mit den Fallpauschalen hat den Druck auf alle med. Bereiche sehr erhöht.
Vermutlich wird man nach der Corona Epidemie zum wieder zum Alltag über gehen. Ich glaube nicht, dass sich Wesentliches verändert.

14
/
1
Bettina Hamilton-Irvine
Redaktorin
·
· editiert

Liebe Frau Baumgartner Steinbeck, danke für Ihren Beitrag und das Kompliment. Eine kleine Korrektur beziehungsweise Ergänzung: Die Pflege­initiative ist noch nicht abgeschmettert. Der Nationalrat hat sich dagegen (und für einen Gegenvorschlag) ausgesprochen. Als nächstes wird sich der Ständerat damit befassen. Wenn sich beide Räte geeinigt haben (die Vermutung, dass sie sich auf den Gegenvorschlag einigen werden, liegt nahe), müssen die Initianten entscheiden, ob sie die Initiative zugunsten des Gegen­vorschlags zurückziehen. Herzlich, Bettina Hamilton-Irvine

2
/
0

Ich bin eine der spätberufenen Pflegefachfrauen, erst mit Ende dreissig habe ich mich zum HF - Studium entschieden. Seit fünf Jahren arbeite ich nun in der Pflege und habe schon mein drittes Burnout; alle in den letzten fünf Jahren. Nach dem Studium trat ich innerhalb zweier Jahre viermal eine neue Stelle an. Meiner Ansicht nach, ist der Pflegemangel zum Teil auch 'hausgemacht'. Schon während meiner Ausbildung erklärte mir eine Lehrerin, dass mit der neuen Ausbildung und mit der Schliessung vieler Pflegeschulen zu wenige Pflegefachkräfte ausgebildet werden, man hätte das gewusst und bewusst in Kauf genommen.
Zum anderen spielt da auch die 'horizontale Feindseligkeit' unter Pflegenden eine Rolle. Lernende die zu Beginn etwas vorsichtiger sind werden schnell mal als zu langsam und ungenügend abgestempelt. Dies wirkt sich dann auch aufs Arbeitsleben aus. Indem man dann viermal die Stelle wechselt weil man nicht genügend Leistung bringt und nirgends akzeptiert wird. Vielleicht wäre da mehr Geduld gefragt und bessere Integration von neuen Teammitgliedern.
Mein Herz schlägt bis heute für die Somatik und ich hätte gerne im Spitalleben Fuss gefasst, aber dies war leider nicht möglich. Aber ich scheine nicht die Einzige zu sein, viele meiner ehemaligen Studienkollegen, arbeiten nicht mehr in der Pflege, sind nach der Ausbildung gar nicht erst ins Berufsleben als Pflegefachfrau eingestiegen oder haben nach ein paar Jahren wieder aufgehört. Meine ersten zwei Burnouts hatte ich jeweils am Ende einer Stelle, somit konnte ich mir zwei bis drei Monate Zeit nehmen für mich, ohne das es einem zukünftigen Arbeitsgeber gross aufgefallen wäre. Ist dann die Frage nach der Auszeit im Vorstellungsgespräch trotzdem gestellt worden, hatte ich andere Begründungen. Während der Auszeiten hatte ich keine Therapien und keine Medikamente. Ich versuchte mich selber zu kurieren. Professionelle Hilfe hatte ich nicht.
Nun habe ich mein drittes Burnout, nach einer zweiwöchigen Krankschreibung bin ich wieder voll am arbeiten. Ich bin schnell am Anschlag, habe keine Nerven für meine Patienten und häufig stehen mir die Tränen zuvorderst. Dies merkt auch das Team. Ich weiss noch nicht genau wie es weitergehen soll. Im Moment mache ich weiter wie bisher.

10
/
0

Mein Rat: Holen Sie sich so schnell wie möglich Hilfe! Ich bin kein Experte, aber aus meiner Sicht kommt man da nicht einfach so wieder raus! Im Gegenteil, je länger Sie warten, um so länger geht es vermutlich, bis Sie wieder gesund werden. Viel Glück!

8
/
0
Chefredaktion
·
· editiert

Vielen Dank für Ihre Perspektive. Passen Sie auf sich auf!

8
/
0
Sensibilisiert
·

Mit Tätigkeiten im Pflegebereich befassen sich aktuell viele kritische Analysen. Fast unbeachtet bleiben dabei die Rettungskräfte. Sie gehören nicht zur Pflege, aber zum Gesundheitssystem und verdienen deshalb gerade soviel Aufmerksamkeit. Tiefe Löhne, höchste körperliche und psychische Beanspruchung, hohe Präsenzzeiten und je nach Kanton miserable finanzielle Rahmenbedingungen während der Ausbildung. Wer schaut endlich genauer hin?

8
/
0
Antonia Bertschinger
Ratsmitglied Project R Genossenschaft
·

"(Der Bundesrat) stellt sich auf den Standpunkt, dass nicht nur die Arbeit verantwortlich sei, sondern dass auch «arbeitsfremde Faktoren wie familiäre, finanzielle und kulturelle Umstände mitspielen»."
Wer so etwas meint, hatte wohl noch nie ein Burnout... sicher kann es Fälle geben, in denen auch Faktoren ausserhalb der Arbeit eine Rolle spielen. Es gibt aber auch viele Fälle, bei denen das Problem eindeutig die Arbeit ist - wie z.B. der von Frau Stillhart.
Hoffentlich kommt der Bundesrat in dieser Sache irgendwann zur Vernunft.

8
/
0

Was ich noch los werden möchte:
Ich habe viele Jahre in verschiedenen Zürcher Spitälern und später in Pflegeinstitutionen gearbeitet. Dort ist man über jede Pflegefachfrau , Fachangestellte Gesundheit oder Pflegeassistentin sehr dankbar!Mir liegt es fern, über eine Person die in ein Burnout rutscht , zu urteilen.Das ist eine sehr individuelle Sache und kommt in allen med. Berufen und auch anderen Berufen vor. Was ich aber sicher weiss ist, dass es eine Pflegefachfrau die 20% arbeitet und auch die Tagesverantwortung übernehmen muss, es viel schwerer hat als eine 80% ige oder eine 100 % Angestellte. Sie muss enorm flexibel sein und schnell auf unvorhergesehene Situationen reagieren können. Sei es bei Notfällen, bei Personalausfällen usw.Viele Pflegende die den switch zwischen Familie und den hohen Anforderungen im Beruf nicht leisten konnten, sind deswegen ausgestiegen! Ich hatte immer Respekt vor diesen Kolleginnen, denn sie waren doch eine grosse Hilfe für das ganze Team.Im Krankheitsfall konnte und kann man immer auf ihre Unterstützung zählen.
Frauen die Teilzeit arbeiten brauchen auch von den Vorgesetzten Respekt und Unterstützung.Eine Pflegende die tagtäglich im Job ist, arbeitet klar routinierter und verschafft sich schneller den Überblick.Das USZ hat zu meiner Zeit kein Pflegepersonal unter 50% angestellt,eben aus diesen genannten Gründen.

7
/
0

Liebe Frau Baumgartner Steinbeck, ganz herzlichen Dank für diesen wertvollen und wichtigen Input!

5
/
0
Leserin
·

Während des Studiums sah ich Pflegealltag in Klinikpraktika, und ich bewunderte das Pflegepersonal jeden Tag neu. übrigens schienen mir damals Teilzeitstellen für solche hart arbeitenden Berufe optimal. Ich beobachtete damals (vor Jahrzehnten), dass Gesundheitsarbeiterinnen mit kleinem Pensum besonders wenig angegriffen waren, vom ständigen Kontakt mit unheilbar Kranken, Dementen, von der physisch sehr anspruchsvollen Arbeit. Ich erinnere mich noch heute an eine Pflegerin, 10-Prozent-Kraft, die an ihrem Arbeitstag jeweils wie ein frischer Wind in die Station segelte, ihre Arbeit mit viel Schwung & Humor in Angriff nahm, und dabei jeweils noch fähig war, Dinge zu sehen, die manchem Vollzeitarbeiter entgingen: den Blumen frisches Wasser geben, jenem Patienten mal wieder die Schuhe zu putzen, mit dieser Patientin ein erfrischendes Gespräch zu führen.
Seit den ersten Tendenzen, Gesundheitseinrichtungen wie Spitäler und schliesslich gar die Spitex in Aktiengesellschaften zu verwandeln und sie scheibchenweise immer weiter zu privatisieren, habe ich mich gefragt, wie das gehen soll - am Gesundheitswesen verdienen. Für mich sind solche Berichte „von der Front* ganz klar Argumente, dass es nicht gehen kann. Zumal die Aufgaben dieser unermüdlichen Menschen sich schon objektiv quantitativ ausgewachsen hat. Heute bemerkt man es endlich. Danke für den Bericht!

6
/
0
· editiert

Guter Fenster zur Realität, vielen Dank.
Ob es 20 oder 100 Stellenprozent sind, spielt aus meiner Sicht keine grosse Rolle, auch nicht, ob Ärztin oder Pflegerin (ausser natürlich, dass der eine Berufsstand halt doch erheblich mehr Ansehen geniesst und Einkommen hat als der andere). Schlussendlich sind alle vom Gleichen betroffen: das Gesundheitswesen ist krank.
Problematisch scheint mir, dass diejenigen, die für sich kämpfen müssten, ihrem Berufsethos gemäss bis zur Selbstausbeutung für andere kämpfen. Und dann zu ausgepumpt sind, wenn es um sie selber geht. Meines Wissens ist aber bspw. der VPOD recht stark.

6
/
1
Theologe
·

Ein wichtiger Beitrag, gerade in dieser Zeit. Es ginge auch anders, wenn sich Pflegende selber organisieren könnten: https://www.buurtzorg.com/

4
/
0

Sehr viele Leute wollen immer noch nicht verstehen, was in der Pflege läuft. Wie viel Wert das Gesundheitspersonal hat, wurde kürzlich durch den Bundesrat demonstriert. Als 'Dank' hat man die Arbeitszeitregelung aufgehoben. Fast niemand hat sich daran gestört. Hauptsache, man kann zuhause sitzen und beim Duopol Onlinebestellungen durchgeben.

4
/
0

Geschätzte Verfasserinnen dieses Beitrags. Es ist richtig und wichtig das Thema der Überlastung, Unterbezahlung und Geringschätzung des Pflegepersonals aufs Tapet zu bringen. Wohin das führt, sehen wir überdeutlich beim Personalmangel in der aktuellen Krise.

Aber mit dem Beispiel einer jungen Frau, die mit einem 20% Pensum an einem Burn-Out erkrankt, erweisen Sie der Sache gründlich einen Bärendienst!

Wie müssen sich die Ärztinnen und Ärzte, das ganze Pflegepersonal fühlen, wenn sie diesen Artikel lesen? Also, wenn sie dafür überhaupt Zeit finden, da sie derzeit 150% arbeiten um den Betrieb am Laufen zu halten.

10
/
10

Wenn ich richtig gelesen habe, hat die Frau noch drei Kinder- und was ihr alles in diesen 20% aufgehalst wird ist schon heftig. Tagesleitung mit 20% Pensum klingt auch eher fragwürdig.

18
/
0

Sehr geehrter Herr H., danke für Ihre kritische Rückmeldung. Jedoch erlaube ich mir die Bemerkung, dass Ihre Einschätzung aus mindestens zwei Gründen zu kurz greift: Erstens arbeitete die Frau nicht nur 20 Prozent, sondern wohl etwa 150 Prozent: An sechs Tagen pro Woche hat sie ihre drei Kinder betreut, an einem Tag hat sie zehn bis zwölf Stunden für die Spitex gearbeitet. Den zweiten Grund hat Verlegerin Perdita Baumgartner Steinbeck weiter oben sehr schön beschrieben: Eine Pflegefachfrau, die in einem kleinen Pensum angestellt ist und noch Führungsverantwortung übernehmen muss, hat eine viel schwierigere Aufgabe als eine Person, die zu 100 Prozent angestellt ist. Sie muss viel flexibler sein, schneller reagieren können, sie kann nichts auf den nächsten Tag verschieben, muss viel mehr Energie aufwenden, um immer auf dem aktuellen Stand zu sein und zu wissen, was während ihrer Abwesenheit gelaufen ist. Das kann eine enorme Belastung sein. Wenn dann noch generelle Überlastung, Personalknappheit und andere Probleme dazukommen, wird das zu einer Monsteraufgabe.

7
/
1

Lieber Stefan, Antworten wie deine sind leider genau der Grund, warum die Krankheit Burnout und generell psychische Krankheiten noch immer als Stigma angesehen werden und sich die Betroffenen schämen.

"Die arbeitet ja nur 20%, die soll sich nicht so anstellen."

Schade, aber leider ein Spiegel der Gesellschaft.

8
/
3

Geschätzter S. H., Ihnen alles erdenklich Gute und Gesunde im Jetzt, wo und wie auch immer. Die Zahl 20% täuscht unglaublich. Es handelt sich um 20% Bezahlung bei 100% Mitdenken, Mitsorgen, Ganzheitlich MitDasein. Besonders jetzt! Und Gedanken, wie: "bei 20% tu doch nicht so; bzw. grenz Dich endlich ab..." diese Gedanken macht sich diese Pflegefachfrau schon genug selber, da braucht sie nicht noch dies von aussen. Das ist ja genau das Problem: eigentlich sind das gesunde Menschen, die so unter die Räder kommen. Und: ich würde gerne von diesen 20% gepflegt werden, hoffe allerdings (und tue alles, was Sinn macht), dass das nicht so bald geschieht. Allen alles Gute!

4
/
2
Antonia Bertschinger
Ratsmitglied Project R Genossenschaft
·

Im Gegenteil: Wenn bei einem 20%-Pensum ein Burnout auftritt, dann müssen die Arbeitsbedingungen unglaublich schrecklich sein.

3
/
3
seit 2018

Republik AG
Sihlhallenstrasse 1
8004 Zürich
Schweiz

kontakt@republik.ch
Medieninformationen

Der Republik Code ist Open Source