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T. F.
Meeresbiologe, Fotograf
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Gestern Abend sass ich draussen vor dem Haus. Plötzlich flatterte ganz nah eine Fledermaus umher. Links oberhalb von mir leuchtete warm eine Aussenlampe in etwa drei Metern Höhe. Ich dachte, aha, die Fledermaus hat es auf die Insekten abgesehen, die ums Licht schwirren. Dann sah ich zur Leuchte über mir auf und sah … Nichts! Kein einziges Insekt kreiste um das Licht. Ich kam ins Grübeln. Wovon ernährt sich diese Fledermaus?
Stellen Sie sich vor, Sie kommen in den Supermarkt weil Sie für sich und Ihre Kinder Essen kaufen wollen und alle Regale sind leer. Nichts Essbares soweit Ihre Augen reichen. Mit etwas Glück finden Sie noch einen Apfel und ein Brötchen. Sonst nichts. Es ist kein Essen mehr da!
So geht es täglich abertausenden von Singvögeln, Reptilien, Amphibien, Fledermäusen, Spitzmäusen, Igeln … Noch schlimmer trifft es sämtliche Organismen, die im Wasser leben.
Die Ursachen des dramatischen Insektenschwundes sind bestens erforscht. An erster Stelle sind es Pestizide.
Sogenannte Pflanzenschutzmittel mögen den Ertrag landwirtschaftlicher Kulturen zu schützen. Aber nur kurzfristig. Die Hauptwirkung von Pestiziden ist die weiträumige und nachhaltige Eliminierung von Lebewesen, die nicht das Ziel des Pestizideinsatzes sind. Diese stumme Verarmung der Artenvielfalt hat dramatische Konsequenzen. Auch für uns Menschen. Nahrungsanbau ist existenziell auf intakte Biozönosen angewiesen. Die Gratisleistungen all der Organismen, die direkt oder indirekt durch den Einsatz von Pestiziden ausgerottet werden, ist mit nichts ersetzbar.
Es gibt Alternativen zu Anbaumethoden, welche die Grundlage von Nahrungsanbau zerstören. Zu intakten Biozönosen gibt es keine Alternative.
Wir täten uns einen grossen Gefallen, wenn wir die beiden Pestizidinitiativen annähmen.

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Herzlichen Dank für diesen sachlichen Beitrag. Diese Sachlichkeit müsste die Grundlage und der Ausgangspunkt sein, dass alle Akteure Verantwortung übernehmen, inkl. Landwirtschaft, Konsumierende, alle anderen Verursacherinnen von Wasserverschmutzung, Grundwasserschutz, Naturschutz, Umweltforschung, Agrochemie, Trinkwasseraufbereitung etc. um gemeinsam eine handfeste Strategie auszuarbeiten. Das gegenseitige Schuldzuweisen im Rahmen des Kampfes um die beiden Initiativen ist nur Rosenkrieg... Hoffen wir, dass davon nach dem Abstimmungswochenende nicht nur ein Scherbenhaufen übrig bleibt, sondern Wege gefunden werden, die Diskussion zu führen.

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Susanna Schürch
IP - Suisse - Bäuerin
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Die Zukunft lässt sich tatsächlich nur mit vereinten Anstrengungen bewältigen, nicht mir plakativen Schuldzuweisungen, denn die Probleme sind vielfältig. Also ganz lieben Dank für diesen Beitrag, liebe Frau Wolfgramm.

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So oder so, die Abstimmung ist wichtig. Danke für die Nüchternheit. Wenn wir es diesmal nicht schaffen, geht alles langsam und quälend wie bisher. Wir können nicht weglaufen. Steter Tropfen wird den Stein auch diesmal fast unmerklich höhlen. Danke für den Beitrag!

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T. M.
· editiert

Leider ist eine nachhaltige Landwirtschaft ohne Pestizide kaum mehr möglich. Selbst die Pestizidinitiative will nur einen Teil der Pestizide verbieten.

Meiner Ansicht nach, wird das Thema von einem völlig falschen Ansatz angegangen. Bei den Pestiziden die eingesetzt werden muss zwischen Nutzen und Schaden abgewägt werden und nicht wie das Pestizid hergestellt wurde. Denn nur weil ein Pestizid durch natürliche Prozesse produziert werden kann, bedeutet nicht, dass es weniger gefährlich ist als ein synthetisches Pestizid. Es mag derzeit eine Korrelation zwischen Schädlichkeit und Produktionsart geben, aber es besteht kein kausaler Zusammenhang der für immer Gültigkeit haben wird.

Die Hälfte des Weltweit bewohnbaren Landes wird für Landwirtschaft verwendet. Eine Produktivitätsrückgang von 25% führt dazu, dass Weltweit ein Drittel der Verbleibenden Waldflächen für Landwirtschaft zur Verfügung gestellt werden müssen.

Selbst wenn man dies durch Effizienzsteigerungen verhindern könnte, muss man weniger produktive Landwirtschaft mit produktiverer Landwirtschaft plus ein Stück Land vergleichen.

Dies führt dazu, dass sich die Frage, ob biologische Landwirtschaft besser für die Umwelt ist, nicht abschliessend beantworten lässt.

Darum braucht es für alle (egal ob synthetische oder biologische) Pestizide ein Zulassungsprozess der dazu führt, dass Hersteller ökonomische Interessen daran haben effektive Pestizide mit einem möglichst kleinen ökologischen Fussabdruck zu produzieren.

Ideal wären Pestizide die sehr spezifische Merkmale von Schädlingen angreifen und dadurch andere Lebewesen nicht bedrohen.

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M. R.
Ratsmitglied Project R Genossenschaft
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Es gibt einen Nature-Artikel zur Frage, ob und wie eine Landwirtschaft ohne Pestizide möglich wäre: Reduktion von Food-Waste, von Land, das für Futter angebaut wird sowie der Produktion und des Konsums von Tierprodukten.

Here we show that a 100% conversion to organic agriculture needs more land than conventional agriculture but reduces N-surplus and pesticide use. However, in combination with reductions of food wastage and food-competing feed from arable land, with correspondingly reduced production and consumption of animal products, land use under organic agriculture remains below the reference scenario.

Ich gehe aber damit einig, dass ein abrupter Umbau von heute auf morgen unrealistisch ist. Aber ein schrittweiser Umbau von heute auf übermorgen ohne verlangsamende Verzögerungen und grosse Gegenwehr müsste m. M. n. der realisierbare Weg zum Ziel eines ökologisch nachhaltigen und sozial fairen Systems sein.

Es sei denn, man teilt das Ziel nicht.

Wir stehen jetzt dort, wo zwei Straßen auseinander gehen. Aber im Gegensatz zu den Straßen in Robert Frosts bekanntem Gedicht sind sie nicht gleich fair. Die Straße, auf der wir schon lange unterwegs sind, ist täuschend einfach, eine glatte Autobahn, auf der wir mit großer Geschwindigkeit vorankommen, aber am Ende liegt eine Katastrophe. Die andere Weggabelung - die weniger befahrene - bietet unsere letzte, einzige Chance, ein Ziel zu erreichen, das die Erhaltung der Erde gewährleistet. (Rachel Carson)

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T. M.
· editiert

Biologische Landwirtschaft verwendet Pestizide.

Eine Unterteilung in "synthetische" und "natürliche" Pestizide ist meiner Meinung nach sinnfrei.

Ich wünsche mir eine Unterteilung in "schädliche" und "weniger Schädliche" Pestizide, unabhängig vom Herstellungsprozess.

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Susanna Schürch
IP - Suisse - Bäuerin
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· editiert

Vielen Dank für diesen ausgewogeneren Artikel (Ich hatte mich ja damals sehr über den Artikel über die Fenaco aufgeregt, weil die Nicht - Bio - Bauern als dumm, konservativ und praktisch unbelehrbar hingestellt wurden und IP Suisse mit keinem Wort erwähnt wurde. Ganz abgesehen davon, dass die Rolle des naiven, konventionellen Bauern ausgerechnet einer Frau zugeschrieben wurde). Die IP Suisse sieht die Belastung durch Pestizide schon lange als äusserst problematisch an. Deswegen verzichtet sie schon seit vielen Jahren auf Pestizide im Ackerbau. Für andere Betriebszweige kann ich leider nicht sprechen, da wir einen Ackerbau - und Milchwirtschaftsbetrieb betreiben. Aber auf unserem Betrieb sind seit 20 Jahren Fungizide, Insektizide und Halmverkürzer verboten. Ein Problem stellt das Unkraut dar. Deswegen sind Herbizide bei IP Suisse nicht verboten. Mittlerweile gibt es ein breitflächiges Programm des Bundes für Extensogetreide. Dabei wird Getreide, falls notwendig, einzig mit Herbizid behandelt. Im Kanton BL produzieren heute 80 % aller Bauern solches Extensogetreide. IP Suisse wiederum hat 20`000 ha solcher Extensoflächen in der Schweiz. Wir haben zusammen mit der Migros bei der ETH eine Studie in Auftrag gegeben, wo man herausfinden wollte, wie viel teurer die Bauern das Getreide an die Migros verkaufen müssten, wenn sie gänzlich auf Herbizide verzichten müssten. Leider hat das Resultat bei den Praktikern nur Kopfschütteln ausgelöst: Zu so einem tiefen Aufpreis nicht machbar. Trotzdem haben sich einige Bauern bei ihren biologisch arbeitenden Kollegen Rat geholt und den Striegel ausgeliehen und es mit dem absoluten Verzicht auf Herbizide versucht. Auch mein Mann. Das Resultat war so, wie von den Landwirten vorausgesehen. Manchmal geht es gut, oft wächst aber trotzdem so viel Unkraut, dass Aufwand und Ertrag in keinem Verhältnis stehen. Die teuren Biopreise sind also durchaus gerechtfertigt. Unser Anliegen ist es aber, die Umwelt zu schonen, die Biodiversität mit einem relativ hohen Anteil an Biodiversitätsflächen zu fördern und trotzdem Nahrungsmittel herzustellen, die zu einem günstigeren Preis erworben werden können als Bio. IP - Suisse - und Biobetriebe stellen mittlerweile 50 % aller Landwirtschaftsbetriebe in der Schweiz. Bei IP verzichten wir nicht auf alle Spritzmittel weil wir mehr Kunden erreichen wollen, als es Bio wegen seiner (absolut gerechtfertigten ) hohen Preise vermag. Damit wird IP unter dem Strich zu einem sehr nachhaltigen Label. Ausserdem muss man auch die weltweite Entwicklung betrachten. Mit Bio lässt sich die Weltbevölkerung nicht ausreichend ernähren (s. meine anderen Beiträge), denn Ernährung ist auf diesem Planeten nicht mehr nur ein Verteilungsproblem. Hier z.B. ein Beitrag von mir: https://www.republik.ch/dialog?t=ar…c6ade68510

Zum Chlorothalonil: Es handelt sich um ein Fungizid. Wir haben es also nicht verwendet. Aber der Fall Chlorothalonil zeigt, wie rasch der Ruf einer Berufsgruppe beschädigt werden kann durch eine Falschaussage. Noch bis Ende 2019 galt für nicht-relevante Abbauprodukte von Chlorothalonil ein Grenzwert von 10 Mikrogramm pro Liter Grundwasser. Gemäss Messungen des Bundesamtes für Umwelt (BAFU) wurde dieser Grenzwert in den Jahren 2017 und 2018 bei allen Messstationen in der Schweiz eingehalten. Anfang 2020 wurde der Grenzwert aber um das Hundertfache herabgesetzt auf 0,1 Mikrogramm, meines Wissens, weil das Schweizer Wasserforschungsinstitut eben jetzt erst so genau messen kann (können viele andere Länder nicht). So viel ich weiss hat zum gleichen Zeitpunkt die EU herausgefunden, dass einige Metaboliten bei Mäusen allenfalls, wenn Sie in gewissen Mengen verabreicht werden, Tumore auslösen könnten. Der eigentliche Skandal ist aber, dass das Bundesamt für Umwelt zu diesem Zeitpunkt einen kapitalen Fehler bei seiner Medienmitteilung machte: Es kommunizierte folgendermassen: «Die Konzentration mehrerer Chlorothalonil-Metaboliten überschreiten diesen Grenzwert (0.1 Mikrogramm) im Grundwasser des Mittelandes grossflächig und führen somit zu einer erheblichen Verunreinigung.» Gegen diese Aussage hat Syngenta mittlerweile erfolgreich geklagt. Die naheliegende logische Schlussfolgerung für den Laien ist aber geblieben: Die unbelehrbaren Bauern spritzen vermehrt und vergiften unser Trinkwasser! Chlorothalonil ist jetzt verboten, Syngenta klagt noch dagegen. Ich sage nicht, dass das Zeug nicht giftig sein kann (auf unserem Hof wurde es, wie gesagt, nicht benutzt), ich will nur aufzeigen, wie schnell man zum Sündenbock werden kann.

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Guten Tag Frau Schürch
Ihre Aussage über Unkraut interessiert mich. Könnten Sie das für mich genauer ausführen? Ich nehme an, dass Unkraut bedeutend schneller wächst und so die Nutzpflanze verdrängt. Welche Nutzpflanzen werden schneller verdrängt? Wie gross ist, Ihrer Meinung nach, der Minderertrag, wenn Unkraut überwiegt oder sich durchsetzen kann? Ist, für Sie, Unkraut der hindernde Faktor am Erfolg von "pestizidlos"?
Vielen Dank für Ihre Kommentare oben. Ich würde mich über eine Antwort oder einen Link freuen.
Liebe Grüsse
Ph. K.

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Susanna Schürch
IP - Suisse - Bäuerin
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· editiert

Lieber Herr K., da ich nicht Landwirtin sondern Bäuerin bin, kann ich keine genauen Aussagen machen. Erkundigen Sie sich doch direkt bei der IP Suisse zum Versuch "Herbizidloses Getreide". Was ich sagen kann, ist, dass die Natur sehr vielfältig ist und viele verschiedene "Unkräuter" bereitstellt, die dem Landwirt, bzw. seinem Getreide das Leben schwer machen. Manche Unkräuter wachsen langsamer als das Getreide und der Landwirt lässt sie deshalb stehen. Andere wachsen schnell und nehmen dem Getreide Licht und Luft, aber vielleicht lassen sie sich mit mechanischen Methoden relativ einfach entfernen. Dann gibt es halt noch diejenigen, die schnell wachsen und so tiefes oder verzweigtes Wurzelwerk haben, dass rein mechanisches Bearbeiten nichts bringt. Ich glaube mein Mann striegelt (= mechanisch) nicht mehr als zweimal (danach bringt übrigens auch Herbizid nichts mehr), bzw. muss sich vorher überlegen, welches Unkraut ist das und bringt Striegeln da etwas. Wenn sie den Boden zu oft mechanisch bearbeiten haben wir 1. das Problem der Erosion und 2. das CO2 - Problem (1 x mit dem Traktor und Herbizid drüber bringt den kleineren CO2 - Eintrag und Erosion als mehrmals mit Traktor und Striegel übers Feld fahren). Ich denke, im Ackerbau ist Unkraut der hindernde Faktor bei Pestizidlos. Im Obstbau, wo ich die IP Suisse Vorschriften nicht kenne, geht es, denke ich, leider nicht ohne Insektizide, obwohl da wahrscheinlich vermehrt Biozide wie bei Bio gespritzt werden. Niemand würde einen komplett unbehandelten Apfel etc. auch nur anschauen, bwz. ihn kaufen (teuer, da es nur wenig gibt, verschorft, verwurmt etc, so wie man es im Mittelalter wahrscheinlich kannte. Damals waren die Äpfel zudem noch bedeutend kleiner :-)). Hier geht es zur Webseite der IP Suisse: https://www.ipsuisse.ch/
PS Oh ich vergass: Durch die globale Vernetzung heutzutage kann es gut möglich sein, dass bei uns vermehrt Schädlinge aus anderen Zonen der Welt auftauchen. Dann würde man wahrscheinlich mit Insektiziden eingreifen müssen. Musste man auch schon in anderen Ländern, um die ganze Ernte zu retten.

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Sehr geehrte Frau Schürch, danke für Ihren Input. Bin mit Ihnen einig, dass es beim Chlorothalonil für die Bauern unglücklich gelaufen ist. Ich habe die Sachlage so differenziert wie möglich wiederzugeben versucht.

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Danke für Ihre Ausführungen.

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@M. R.: Ihr Hinweis auf den Nirvana-Fehlschluss gefällt mir sehr gut. Ich begegne in Diskussionen, insbesondere um die Trinkwasserinitiative, ab und zu Menschen, welche die TWI ablehnen, weil sie nicht jene und diese und andere Probleme auch noch angehe. Dabei hat noch nie eine Initiative den Anspruch gehabt, alle Probleme auf einmal zu lösen. Nicht einmal Initiativen auf Totalrevision der Verfassung können diesen Anspruch erfüllen. Ich bin Feuer und Flamme für grosse gesellschaftliche Veränderungen, wenn sie die Welt sozialer, ökologischer, gerechter uvm. machen. Und (bewusst nicht: "aber"!) wenn wir reale effektive Politik machen wollen, in der Schweiz, halb direktdemokratisch, müssen/sollten/dürfen wir uns Thema um Thema vorwärtsarbeiten, mit Beteiligung einers jedern. Und wenn ein gemachter Schritt mal nicht optimale Folgen hat, dürfen/sollten/können wir ihn in weiteren Schritten verbessern. Zum Glück werden keine politischen Prozesse in der Schweiz am Tag nach dem 13. Juni einfach eingefroren, sondern sie gehen unvermindert weiter.

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Dieses Phänomen nennt man das "St. Floriansprinzip". Das "Betroffenheits-Prinzip" hat längst Einzug in unsere Demokratie gehalten. Dann fällt es leicht Initiativen abzulehnen oder ihnen zuzustimmen, selbst wenn die grundsätzlichen Fragen dahinter eigentlich identisch wären. Es gibt einen bestimmten Berufsstand in der Schweiz der sämtliche Veränderungen ablehnt und sich staatlich tragen lässt, aber gleichzeitig "Freiheit" und "Unabhängigkeit" fordert. Für sie sind namentlich zwei Initiativen ein "persönlicher Störfaktor", obwohl uns sauberes Trinkwasser und eine gesunde Umwelt eigentlich allen am Herz liegen sollte. Deshalb wurde der Kompromiss im Parlament auch versenkt, in Zusammenarbeit mit der FDP. Dafür müssen die Konzerne jetzt weniger Verantwortung übernehmen und können ihre Massnahmen auf Hochglanzprospekte beschränken. So funktioniert erfolgreich "Sachpolitik".

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Dazu noch das Prinzip „ich nicht er auch“, das einige Gegner der Initiativen vorbringen. Aus den Haushalten und der Industrie komme weit mehr Gift über die Kläranlagen ins (Trink-) Wasser. Selbst wenn es wahr ist, ist es kein Grund, dem Treiben der Landwirtschaft länger zuzusehen.

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T. F.
Meeresbiologe, Fotograf
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«Leben wir in einer Pestizidhölle?» Wir Menschen nicht direkt, wir sterben nicht unmittelbar an Pestizideinsätzen. Aber für tausende Arten und Millionen Organismen ist es die Hölle!

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Wenn uns nur ein bisschen was an Umwelt und der Gesundheit von ubs und unseren nächsten Generationen liegt gibt es nur 2x Ja für die beiden Agrar-Initiativen alles andere wäre ein schlechtes Signal für die Landwirtschaft und die Regierung.

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Danke sehr für die Auflistung der Faktenlage.
Ob sich der Mensch selbst vergiftet oder nicht, liegt in der Entscheidung des Menschen. Ob wir als lebende Generation kommenden Generationen eine vergiftete Welt hinterlassen, liegt auch im Ermessen unserer Generation.

Dass wir aber mit unserem Tun sämtliche andere Mitbewohner und Mitbewohnerinnen wie Pflanzen und Tiere miteinbeziehen, ist nicht haltbar und nicht vertretbar. Wenn wir uns schon einen Deut um die Zukunft unserer Kinder kümmern, dann nehmen wir zumindest die Verantwortung für die Natur war.

Und darum gibt es nur zwei dicke Ja in die Urne.

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Die Umstellung auf Bio findet nicht an der Urne statt sondern als erstes in Ihrem Kühlschrank.

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M. R.
Ratsmitglied Project R Genossenschaft
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Zentral scheint mir die Erkenntnis zu sein, dass das Problem ein systemisches ist. Denn wozu werden Pestizide gebraucht? Um Ernteerträge zu maximieren und Ausfälle zu vermeiden. Das Prinzip der Maximierung steht in der industriellen Landwirtschaft wie in anderen kapitalistischen (und allgemein produktivistischen) Subsystemen an erster Stelle.

Die Verantwortung kann daher nicht allein bei einzelnen Akteur*innen verortet werden – die als «Böse» hingestellt werden und nur mehr als «Sündenböcke» fungieren. Nichtsdestotrotz haben verschiedene «Stakeholder» unterschiedliche Interessen, Anreize und Verantwortlichkeiten. Alle sind jeweils an mal längeren, mal kürzeren Hebeln: Bürger*in, Staat, Konsument*in, (Gross-)Händler*in, Produzent*in, Agrochemie, Börse, Markt.

Die Frage ist: Wer profitiert am meisten? Letztlich wir alle, ja. Doch die einen mehr, die anderen weniger.

Wie es verkürzt und falsch wäre «die Schuld» alleine den einzelnen Produzent*innen zuzuschieben, wäre es verkürzt und falsch – aber der neoliberalen Ideologie entsprechend –, jede Verantwortung den einzelnen Konsument*innen überzuwälzen. Die policies sollten also primär dort greifen, wo die längeren Hebel sind, um möglichst effektiv zu sein.

Um nicht symbolische Symptome zu bekämpfen, sondern die systemischen Ursachen.

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Susanna Schürch
IP - Suisse - Bäuerin
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Lieber Herr R., vielen Dank für Ihren Beitrag. Ich denke, hier treffen wir uns. In einem früheren Beitrag habe ich geschrieben: ".................Es ist aber falsch, einander ständig den schwarzen Peter zuzuschieben. So drehen wir uns im Kreis. .............................
Momentan haben wir nur dieses Aushandeln der Direktzahlungen. Grundsätzlich finde ich aber, dass wir unser Blickfeld öffnen müssen. Es ist nicht der Konsument alleine, der bei unserer komplizierten Landwirtschaftspolitik gar nicht den Durchblick behalten kann und sich deshalb nur auf die Orte fokussiert, wo momentan das Problem am grössten scheint. Es ist nicht der Landwirt, der in Sachzwänge eingebunden ist, seinen Betrieb ständig umbauen muss, den Wünschen des Konsumenten hinterherrennt und sein Einkommen ständig rechtfertigen muss. Es sind auch nicht die Grossverteiler. Mit diesen verhandelt mein Mann nämlich sehr oft. Da zeigt man einander auf, wo all die Kosten auftauchen und plötzlich ist auch eine Migros nicht mehr der böse Abzocker. Nein, es ist das gesamte wirtschaftliche System, das in Schieflage geraten ist und wo wir nicht mehr gleich weiterwirtschaften können wie bisher. Das zeigt sich überall, momentan ist der Fokus auf der Landwirtschaft. Tatsache ist, dass uns die Zerstörung der Natur sehr viel Geld kosten wird. Tatsache ist aber auch, dass 8 Milliarden Menschen Nahrung brauchen. Die Frage ist, wie wir gleichzeitig die Natur und das Klima schützen und genügend Nahrungsmittel bereitstellen und das alles bezahlen! Und das geht meiner Ansicht nach überhaupt nicht mit diesen beiden Initiativen. Radikal Bio ist ein Schnellschuss, der nicht zielführend ist, weil anschliessend ein Rattenschwanz von Problemen auftauchen wird. Wir müssen unseren Fokus auf etwas anderes richten: Auf einen Umbau unserer Gesellschaft!

Meine ganz persönliche Ansicht ist, dass:
a) Die Kosten für fossile Energie um ein Mehrfaches angehoben werden müssten und
b) Es braucht ein Grundeinkommen, damit wir von unseren existentiellen Ängsten befreit werden, wie sie jetzt gerade z.B. viele Bauernfamilien im Hinblick auf diese Abstimmung plagen. Erst dann sind wir in der Lage viel kreativer zu werden und unsere Zukunft besser zu gestalten."

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T. F.
Meeresbiologe, Fotograf
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Liebe Frau Schürch
Sie haben recht. Nicht nur in der Landwirtschaft läuft so vieles schief. Mir kommt kein Bereich in den Sinn, bei dem wir uns nicht auf einer Abwärtsspirale befinden. Und alles ist miteinander verbunden. Das Scheitern des Rahmenabkommens mit der EU hat den selben Ursprung wie das Scheitern der Wirtschafts-, Umwelt- und Sozialpolitik. Das Räderwerk, das in den letzten Jahrzehnten so gleichmässig lief, ist ins Stocken geraten, weil wir mit unseren Idealen über das Ziel hinaus geschossen sind. An Konzepten, wie wir aus diesen geldgetriebenen Teufelskreisen herauskommen fehlt es nicht. Es mangelt am Interesse daran und am Willen, diese Ideen umzusetzen. Dort, wo nachhaltigere Konzepte in Wirtschaft, Umweltschutz und Soziologie umgesetzt wurden, sind sie äusserst erfolgreich. Sie bewirken Stabilität und mehr Zufriedenheit.
Wir müssen wirklich miteinander reden. Und zu diesem Miteinander gehören auch all die Organismen, deren Aussterben wir mit unserem Tun bis anhin unbewusst oder leichtfertig in Kauf genommen haben.

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M. R.
Ratsmitglied Project R Genossenschaft
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· editiert

Radikal Bio ist ein Schnellschuss, der nicht zielführend ist, weil anschliessend ein Rattenschwanz von Problemen auftauchen wird. Wir müssen unseren Fokus auf etwas anderes richten: Auf einen Umbau unserer Gesellschaft!

Liebe Frau Schürch, d'accord! Ein abrupter Umbau von heute auf morgen ist unrealistisch. Aber ein schrittweiser Umbau von heute auf übermorgen ohne verlangsamende Verzögerungen und grosse Gegenwehr müsste doch der gangbare Weg zum Ziel eines ökologisch nachhaltigen und sozial fairen Systems sein. Oder nicht?

Das Problem von Totalforderungen, wie «Das System als Ganzes muss sich ändern!» (die ich selbst im Geiste immer wieder stelle), ist, dass entweder alle auf einmal alles ändern müssen oder niemand, weil ersteres genauso unrealistisch und unmöglich ist.

Man nennt dies auch den Trugschluss der perfekten Lösung oder Nirvana-Fehlschluss. Gangbarer erscheint daher der schrittweise Weg, wobei am effektivsten jene Fortschreiten, die am längeren Hebel sitzen: Staat, Markt, Agrochemie, Agroindustrie, Grossproduzent*innen.

Und klar ist auch – und dafür setze ich mich politisch persönlich auch ein –, dass ein Grundeinkommen, den Anreiz zur unbedingten Nutzen- und Profitmaximierung einschränken würde, dergestalt, dass trotz Ertragsverlust ein nachhaltigeres und faireres (Land-)Wirtschaften eher gewählt werden würde.

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Eva Baier
Ratsmitglied Project R Genossenschaft
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Die wichtigsten Player mit dem grössten Hebel hast du noch gar nicht genannt: die Agrochemiekonzerne, welche dick mitmischen in der Politik und den Markt verzerren.

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M. R.
Ratsmitglied Project R Genossenschaft
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Es gibt einen Nature-Artikel zur Frage, ob und wie eine Landwirtschaft ohne Pestizide möglich wäre: «Strategies for feeding the world more sustainably with organic agriculture» (2017) von Muller et al.

Auch hier wäre die ganze Gesellschaft gefordert: Wir alle müssten weniger Fleisch produzieren und konsumieren.

Here we show that a 100% conversion to organic agriculture needs more land than conventional agriculture but reduces N-surplus and pesticide use. However, in combination with reductions of food wastage and food-competing feed from arable land, with correspondingly reduced production and consumption of animal products, land use under organic agriculture remains below the reference scenario.

Wir alle müssten uns die Frage stellen: In welcher Welt will ich leben? Und: Welche Welt will ich folgenden Generationen hinterlassen?

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F. W. E.
Unter Anderem Bäuerin...
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Ich bin enttäuscht über obigen Artikel, weil ich von der Republik Artikel unter Einbezug von mehr Sichtweisen gewohnt bin. Deshalb möchte ich hier (nur einige wenige (von vielen)) Punkte, die das Sichtfeld etwas erweitern könnten, deponieren.
Das Artensterben und die Belastungen von Pestiziden in den Gewässern möchte ich keineswegs negieren. Aber ich finde es einfach nicht korrekt, dass erneut nur von der Landwirtschaft als Verursacherin die Rede ist. Immerhin wird ganz am Schluss erwähnt, dass «wir einer Vielzahl von toxischen Substanzen und anderen schädlichen Einflüssen ausgesetzt» sind.
Ja, es kommt wohl ein gewichtiger Anteil aus dem Pflanzenschutz, den die Landwirtschaft betreibt. Aber schon hier muss einfach gesagt sein, dass wir Bauern und Bäuerinnen nur produzieren, was uns abgekauft wird. Wir fahren sicher nicht zum Spass mit der Feldspritze über Land, sondern, um sicher zu stellen, dass uns die Kartoffeln im Herbst jemand abkauft (der Marktanteil von biologisch produzierten Lebensmitteln lag 2020 leider bei nur gerade 10.8% in der Schweiz). Man könnte jetzt sagen, dass jene, die die anderen 89.2% der Lebensmittel kaufen, einfach keine Ahnung haben und zu Bio-Lebensmittel gezwungen werden müssen, indem wir die Initiativen annehmen, damit es gar nichts mehr anderes zu kaufen gibt. An dieser Stelle eine kleine Zwischenbemerkung: ich wohne in einem kleinen Dorf im Berner Mittelland und weiss von mind. zwei Familien, die sogar von hier aus nach Deutschland fahren für ihre Einkäufe. Schon jetzt. Gut, das sind Minderheiten und werden es sein. Ich möchte einfach betonen, dass auch der Teil aus der Landwirtschaft im Konsumverhalten gründet.
Und nun zum anderen Anteil, der nicht aus der Landwirtschaft kommt. Wie bekämpfen wohl SBB und Co. die invasiven Neophyten entlang der Gleise? Wie werden auf Fussball- und Golfplätzen die Leguminosen, Kräuter und Schadorganismen aus dem Gräserreinbestand gehalten. Wie bleiben Steingärten Steingärten rund um das Einfamilienhaus? Warum bleiben reine Fassaden rein (obwohl mit Licht, Feuchtigkeit und Staub für die meisten Lebewesen Startbedingungen vorhanden sind). Wo bleibt die Differenz zwischen dem neuem und untauglich gewordenen Autopneu? Usw.

Ich bin der Meinung, dass der Weg zum Ziel viel komplexer als nur die Annahme der beiden Initiativen ist. JEDE UND JEDER MUSS VOR SEINER EIGENEN TÜRE INTENSIV WISCHEN! Alle Konsument-inn-en müssen mehr Geld in die Finger nehmen für Ihre Lebensmittel, weniger kleinlich werden hinsichtlich äusserer Qualität, viel weniger Fleisch essen und viel mehr Foodwaste verhindern. Und wir alle müssen auch unser Freizeit- und Non Food – Konsumverhalten überdenken!
Aber ich weiss, es wäre halt einfacher und viel angenehmer, uns die Verantwortung einfach abzugeben.

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Es gibt ein paar Punkte, die mich in letzter Zeit zum Nachdenken gebracht haben.
Einer davon ist, dass lt. NEIN-Komitee dank beiden Iniativen Teile der Landwirtschaft komplett aufgegeben werden müssten, weil nicht mehr machbar.

Nun habe ich mir mal die Argumente der JA Kampagne durchgelesen:
https://www.initiative-sauberes-tri…ge-fragen/
https://2xja.ch/faq/
https://lebenstattgift.ch/

Kernpunkte Trinkwasserinitiative:

  1. Übergangsfrist von 8 Jahren

  2. Die im Bio-Anbau verwendeten Stoffe sind nicht betroffen

  3. Versorgung in Clustern (also hofübergreifend) ist ohne Subventionsverlust machbar

  4. Durch die Reduktion von importiertem Futter wird die Klimabilanz verbessert, da nur dort Tierhaltung stattfindet, wo das Futter in ausreichendem Masse wächst (ok, dass ist etwas banal zusammen gefasst, aber der eigentliche Kern der Idee).

Pestizidinitiative:

  1. Übergangsfrist von 10 Jahren

  2. Verbot von chemisch-synthetischen Stoffen

  3. Die im Bio-Anbau verwendeten Stoffe sind nicht direkt betroffen, wobei das Ziel eine klare Reduktion, wenn nicht sogar Ersatz durch deutlich naturfreundlichere Verfahren ist.

8 bzw 10 Jahre hören sich auf der einen Seite kurz an, sind auf der anderen Seite alles andere als das.
Wenn man den technologischen Fortschritt des letzten Jahrzehnts anschaut, dann stellt man regelrechte Quantensprünge fest. Auch in der LW.

Das Problem ist aber, das diverseste Quantensprünge erst aufgrund von Gesetztesänderungen erreicht worden ist, weil der "Markt" an sich nur bedingt Interesse an einer Transformation hat.
Dabei muss man sagen, dass nicht die Bauern das Problem sind, sondern die Abhängigkeit von ihren marktdominanten Lieferanten.
Es besteht hierbei ein ungesundes, einseitiges Abhängigkeitsverhältnis...

...die Initiative erhöht den Druck massiv sowohl auf die chemische Industrie aber auch auf den Staat, Alternativen zu den heute verfügbaren Methoden zu entwickeln.
...je schneller diese auf den Markt kommen - und das wird bei Annahme mit Sicherheit passieren - desto besser für uns alle.

...wir sollten uns auch einer anderen Illusion nicht hingeben:
SR und NR sind extrem agrarfreundlich eingestellt - was auch immer rechtlich an entgegenkommen möglich ist, wird sicherlich auch ausgenutzt werden.
...und wenn es sichtbar wird, dass die Fristen zu optimisch waren, dann wird es auch eine Fristverlängerung geben... Niemand hat ein Interesse daran, dass die heimische LW vor die Hunde geht... Schon gar nicht unsre Volksvertreter in Bern...

...und was passiert, wenn man dem Markt die Iniative überlässt, sieht man wunderbar am Beispiel "Klimaerwärmung". Das wir das Ziel "1.5 oder 2 Grad" krachend verfehlen werden, ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Die Frage ist nur, wie schnell uns die Realität einholt. Und nicht ob das passieren der Marken überhaupt stattfinden wird...

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Susanna Schürch
IP - Suisse - Bäuerin
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Lieber Herr Loose. Die Art, wie wir Landwirtschaft betreiben in der Schweiz ist nicht abhängig von irgendwelchen marktdominanten Lieferanten. Die Gründe, warum nicht alle Betriebe auf Bio umstellen, liegen woanders. Ich finde, dass die Republik der falsche Platz ist, um ihre Einwände zu erörtern, denn die Schweizer Landwirtschaft mit ihren Labelorganisationen und dem komplizierten Direktzahlungssystem ist enorm komplex. Hinzu kommt noch, dass Landwirtschaft nicht so funktioniert wie die restliche Ökonomie, und dass es bei Bio und IP Suisse jetzt schon Probleme gibt bei den Ernteerträgen, sogar wenn bei Bio zugelassene Biozide eingesetzt werden. Das Publikum der Republik hat schlicht zu wenig Informationen, um Ihre Vorschläge beurteilen zu können. Der Grund, warum Bundesrat und Parlament die Initiativen ablehnen dürfte in der viel stärkeren Detailkenntnis liegen. Aber ich würde Ihnen empfehlen, Ihre Vorschläge mit den Meisterlandwirten in Ihrer Umgebung zu besprechen. Melden Sie sich vorher an und schauen Sie, wohin das Gespräch führt. Es könnte vielleicht eine Bereicherung für beide Seiten sein.

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@F. W. E.: anstatt die beiden Agrarinitiativen zu befürworten, apellieren Sie an die Eigenverantwortung der Menschen. Denken Sie, das führt zum Ziel? Warum hat denn das in den vergangenen Jahrzehnten nicht bereits zum Erfolg geführt? Ausserdem: das Angebot gestaltet die Nachfrage mit. Z.B. Italien hat per Volksabstimmung AKWs verboten. Mal angenommen, es gäbe statt dieses Verbots ein oder zwei AKWs in Italien. Glauben Sie, der Umsatz dieser AKWs läge bei null? Zurück zu den Agrarinitiativen: Sie schreiben, Sie spritzen nicht zum Spass. Wenn spritzen verboten wäre, müssten Sie es nicht mehr tun, weil Sie es nicht mal mehr dürften. KeinE KonsumentIn könnte mehr zu Ihnen kommen und sagen "Bitte machen Sie mir doch noch ein bisschen Pflanzenschutz da drauf". Dass andere weiterhin schlechte Dinge tun werden (Pestizideinsatz im Ausland), heisst übrigens nicht, dass auch wir weiterfahren müssen wie bisher.

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Susanna Schürch
IP - Suisse - Bäuerin
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Liebe T. T.: Die Landwirtschaft hat in den letzten 10 Jahren den Einsatz von Spritzmitteln um 50 % gesenkt und wird ihn nochmals massiv absenken. In der Agrochemie gab es grosse Fortschritte bei der Abbaubarkeit und toxikologischen Überprüfung von Spritzmitteln. Ständig kommen noch robustere Getreidesorten auf den Markt. Wie ich in einem anderen Beitrag hier erklärt habe, werden im Kanton BL mittlerweile bei 80 % aller Bauernbetriebe im Getreidebau ausser Herbiziden keine anderen Pestizide mehr angewendet. Das ist möglich, wegen der Züchtung. Es gibt aber Orte, wo wir immer noch an Grenzen stossen. Das Unkraut im Getreide macht uns sehr zu schaffen. Mechanische Methoden reichen oft nicht aus, um massive Ertragseinbussen zu verhindern. Völlig ungespritztes Obst würde Ihnen nicht gefallen und es gäbe auch weniger. Was Frau W. meint: Mit Bio gibt es eine Einbusse an Qualität (wurmstichige, kleine Früchte) und Quantität bei den Lebensmitteln. Deswegen könnte der Ruf nach Spritzmitteln eben doch wieder lauter werden, sollte Bio vorgeschrieben werden . Was für mich als Bäuerin aber am schwierigsten zu vermitteln ist: Für den Schweizer ist Hunger eine unbekannte Sache. Mit Bio lässt sich aber mit dem heutigen Stand der Wissenschaft in der Landwirtschaft trotz grosser Bemühungen die Weltbevölkerung nicht ernähren. Die Landwirtschaft hat grosse Fortschritte gemacht und gerade die integrierte Produktion in der Schweiz, eine Initiative, die vor 30 Jahren von den Schweizer Bauern ausging, versucht beidem Rechnung zu tragen: Sie fördert auf verschiedenste Arten die Biodiversität, vermeidet einen grossen Teil der Spritzmittel und verhindert aber gleichzeitig Ernteausfälle. Immerhin sind 18`000 Bauernfamilien dabei. Ich denke, das verdient durchaus auch mal Anerkennung! Ein weiteres Problem ist aber, dass die Schweiz an internationale Handelsverträge gebunden ist. Wie können den Import von ausländischen Billiglebensmitteln gar nicht verhindern. Da können wir mit unseren teuren Biolebensmitteln gar nicht konkurrieren. Es ist das Gleiche wie beim Atomstrom: Es nnützt nichts, im eigenen Land die AKWs abzuschaffen und dann Atomstrom aus dem Ausland zu beziehen. Da müssen andere Lösungen her. Aus Sicht einer Bäuerin sieht es nun Mal so aus: Es ist einfacher die Augen vor den Schwierigkeiten zu verschliessen und Bio zu fordern und dabei darauf zu hoffen, dass es schon irgendwie gut kommt und den anderen als Sündenbock hinzustellen, als sich mit den ganz realen Problemen der Landwirtschaft auseinanderzusetzen und gemeinsam mit dem Produzenten nach gangbaren Lösungen zu suchen, wie es bei den Verhandlungen um Direktzahlungen geschieht. (Da wird das meiste ja an ökologische Leistungen geknüpft).

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Sehr geehrte Frau W., ich bin mit Ihnen ganz einig, dass diese beiden Initiativen nicht die Umwelt retten werden. Dass Pestizide allein für einen Biodiversitätsrückgang verantwortlich wären, steht auch nicht im Text. Betrachten wir nur die Gewässerbelastung, so kommt aber laut Eawag der Hauptteil schon aus der Landwirtschaft. Auch wenn Pestizide durchaus auch ausserhalb der Landwirtschaft eingesetzt werden, werden geschätzte 85% in der Landwirtschaft verbraucht. Der Fokus meines Beitrags war die Gewässerbelastung durch die Landwirtschaft, die mittlerweile relativ gut dokumentiert ist. Die Konsumenten sind wieder ein anderes Thema...

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Susanna Schürch
IP - Suisse - Bäuerin
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Ein Artikel über die Schwierigkeiten beim Biolandbau, bzw. bei Ip Suisse und wie diese angegangen werden, bzw. wo es noch hakt und wie der Stand der Forschung ist, fände ich aus Gründen der Ausgewogenheit angebracht. Auch wäre es aus den gleichen Gründen sicher für den Leser, die Leserin, interessant zu erfahren, warum sich Landwirte für bestimmte Betriebsformen (Bio, IP, Konventionell) entscheiden. Ich habe in meiner Umgebung und in meiner bäuerlichen Verwandtschaft (die übrigens in einem anderen Landesteil zuhause ist) bunt gemischt alle Betriebsformen und kann beim besten Willen keine Grabenkämpfe entdecken. Es gibt mehr Gemeinsamkeiten als Trennendes. Allerdings sehe ich einen grossen Graben zwischen Stadt und Land. Eine entsprechende Artikelserie, wo es auch um das Aufräumen von Vorurteilen und das Überbrücken von Gräben ginge, würde ich sehr begrüssen. Der Artikel über Fenaco war in meinen Augen eher unglücklich.

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M. E.
freie Redaktorin
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Danke für diese sorgfältige Aufarbeitung. Das sollte in den Abstimmungsunterlagen als Faktenblatt beiliegen.

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Besten Dank für den erleuchtenden und wichtigen Beitrag. Es zeigt auf, wie wichtig es bei diesen Abstimmungen ist, nicht nur an uns selber zu denken, sondern eben auch die Natur nicht zu vergessen.
Im Artikel steht, „Gras muss nicht gegen Pilzbefall, Unkraut oder Insekten­schäden geschützt werden.“
Gegner der Initiative argumentieren unter anderem auch damit, dass der Fussball in der Schweiz zum erliegen käme, würde die Initiative angenommen, da die Spielwiesen (Gras) nicht mehr geschützt seien. Was steckt hinter dieser Argumentation? Unwahr also?

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Susanna Schürch
IP - Suisse - Bäuerin
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· editiert

Ich weiss nicht, ob das als Witz gemeint war, lieber Herr J. Zur Sicherheit aber hier meine Erklärung: Das Gras, das der Landwirt seinen Kühen verfüttert, muss nicht gespritzt werden, ausser wenn sich ein Unkraut invasiv ausbreitet. Dann muss es vielleicht gezielt chemisch bekämpft werden. Das ist aber nicht die Regel. Bei Sport- oder Golfplätzen sieht es aber ganz anders aus. Da ist der Spritzaufwand erheblich höher.

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Sehr geehrter Herr J., ich habe das auch gelesen. Ob damit der Fussball zum Erliegen käme, wage ich zu bezweifeln. Es dürfte auch biologische Alternativen geben, zudem besteht ja eine mehrjährige Übergangsfrist und ob das Gesetz denn auch wirklich für Fussballplätze gelten würde, ist ja auch nicht sicher, denn Initiativen werden ja oft mit Ausnahmeregeln umgesetzt. Gehe auch davon aus, dass jetzt auf Fussballplätzen intensiv mit chemischen Mitteln gearbeitet wird. Zum Unterschied zum Kulturland siehe die Antwort von Frau Schürch.

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M. R.
Ratsmitglied Project R Genossenschaft
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Der Mensch hat die Fähigkeit vorauszublicken und vorzusorgen verloren. Er wird am Ende die Erde zerstören.

Dieses Zitat von Albert Schweitzer stellt Rachel Carson ihrem bahnbrechenden Werk «Der Stumme Frühling» (1962/63) als Widmung voran. Endlich komme ich dazu, es zu lesen. Ist es doch aktueller denn je. Gerade jetzt. In der Schweiz.

Kann jemand glauben, dass es möglich ist, eine solche Flut von Giften auf die Erdoberfläche zu legen, ohne sie für alles Leben ungeeignet zu machen? Sie sollten nicht als «Insektizide», sondern als «Biozide» bezeichnet werden.

Das Buch gilt als Ausgangspunkt für die weltweite Umweltbewegung. Die US-Umweltbehörde wird 1970 gegründet, 1972 wird DDT verboten, das auch in der Schweiz im grossen Stil mit Sprühflugzeugen eingesetzt worden ist.

Wir stehen jetzt dort, wo zwei Straßen auseinander gehen. Aber im Gegensatz zu den Straßen in Robert Frosts bekanntem Gedicht sind sie nicht gleich fair. Die Straße, auf der wir schon lange unterwegs sind, ist täuschend einfach, eine glatte Autobahn, auf der wir mit großer Geschwindigkeit vorankommen, aber am Ende liegt eine Katastrophe. Die andere Weggabelung - die weniger befahrene - bietet unsere letzte, einzige Chance, ein Ziel zu erreichen, das die Erhaltung der Erde gewährleistet.

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M. R.
Ratsmitglied Project R Genossenschaft
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Ein weiteres systemisches Problem ist das kurzfristige und lineare Denken: X tötet Y -> Profit P steigt im Zeitraum Z. Also wird X industriell produziert und eingesetzt. Ausgeblendet werden dabei die langfristigen, non-linearen und systemischen Folgen.

Dahinter steht ein reduktionistischer Rationalismus, der letztendlich auf einen holistischen Irrationalismus hinausläuft. So auch beim militärisch-agroindustriellen Komplex. Ist es verwunderlich, dass die Erforschung und Produktion von Pestiziden aufs Engste mit jener von Chemiewaffen verknüpft ist? Dahinter steckt dieselbe fatale Logik: X tötet Y -> Profit P steigt im Zeitraum Z.

Vgl. auch das arte-Dossier «Die Geschichte der Chemiewaffen».

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Olivier Baumann
dev @ Republik
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· editiert

Mich würde mal interessieren, wie die Zulassungsverfahren von Pestiziden ablaufen. Als Laie entsteht bei mir der Eindruck, dass einfach mal gespritzt wird und der Allgemeinheit überlassen ist, die Gesundheitsschädlichkeit von gewissen Stoffe zu beweisen (ähnlich wie bei der Zusatzstoffen der Nahrungsmittelindustrie). Ich nehme nicht an, dass das tatsächlich so ist - es würde mich aber interessieren, welche Nachweise zur Sicherheit vor der Zulassen erbracht werden müssen.

Bei Impfungen ist dieser Prozess nun ziemlich vielen bekannt: eine doppelblinde Studie mit Wirkstoff und Placebo. Ein solches Design ist aber bei Stoffen, die erst über längere Dauer gesundheitsschädlich sein können, nicht möglich.

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M. R.
Ratsmitglied Project R Genossenschaft
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Zwar nur von historischer Relevanz, aber ich bin kürzlich darüber gestolpert:

In der Schweiz wurden 1950 DDT und HCH im sogenannten «Maikäferkrieg» getestet. Die Insektizide wurden mit Motorspritzen, Nebelblasern und Sprühflugzeugen entlang der Waldränder ausgebracht. Diesen Aktionen fielen auch zahlreiche andere Insekten zum Opfer, Bienenzüchter mussten entschädigt werden, unter Naturschützern und in der Bevölkerung regte sich Protest. Die begleitende wissenschaftliche Auswertung ergab, dass mit DDT behandelte Waldränder vom Maikäfer gemieden wurden, der einfach auf unbehandelte Bestände auswich. Geigy stellte die Aktionen dennoch als Erfolg dar und konnte die Fortsetzung der Maikäferbekämpfung mit Hilfe der Politik durchsetzen.

Quelle: Lukas Straumann: Nützliche Schädlinge. Chronos Verlag, Zürich, 2005.

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Susanna Schürch
IP - Suisse - Bäuerin
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Die Fortsetzung der Geschichte: 1962 erschien das Buch: "Der stumme Frühling" der amerikanischen Biologin Rachel Carson, in dem sie die Schäden an Vögeln durch DDT schildert. DDT wurde verboten und das Buch wurde einer der Auslöser der Umweltbewegung. DDT baut sich kaum ab. Die Prüfungen in Umwelttoxikologie wurden stetig verbessert. Trotzdem gibt es noch zu viele Umweltgifte im Wasser. Atrazin wurde vor 10 Jahren verboten, aber immer noch werden Spuren davon im Grundwasser gefunden. Immer wieder möchte ich aber daran erinnern, dass wir momentan 7 Milliarden Menschen auf dieser Welt nur dank den Mitteln der modernen Landwirtschaft ernähren können. Mit integrierter Produktion lassen sich viele Spritzmittel unterdessen vermeiden. Wir haben robustere Pflanzen, Fruchtfolge ist in der Schweiz Standard (in der EU nicht) etc., aber immer noch sind wir manchmal auf Herbizide angewiesen und mechanische Bodenbearbeitung ist auch nicht immer das Gelbe vom Ei (Erosion), Abflammen tötet Kleinlebewesen........Gleichzeitig wurde die Analysetechnik immer besser............Wir bleiben dran und es gibt nicht einfach nur einen einzigen Weg.

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T. F.
Meeresbiologe, Fotograf
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Das geht so: Der Hersteller eines Pestizids gibt mit seinem Zulassungsgesuch eine Selbstdeklaration ab, in der er bescheinigt, dass sein Produkt keine unerwünschten Nebeneffekte hat und gut ist.

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Sehr geehrter Herr Baumann, also es gibt durchaus ein wissenschaftsbasiertes Zulassungsverfahren, das sich laut Ökotoxikologinnen wohl mit dem bei Medikamenten vergleichen lässt. Die Auswirkungen auf Mensch und natürliche Umwelt werden da schon genau betrachtet. Es werden auch laufend Wirkstoffe aus dem Verkehr gezogen. Das Schweizer Zulassungsverfahren stand aber in der Tat in der Kritik, weil es zu wenig transparent ist und das Bundesamt für Landwirtschaft die entscheidende Behörde ist. Das Verfahren wurde / wird aber nun überarbeitet.

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T. F.
Meeresbiologe, Fotograf
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Lieber Herr B.
Dieses Zulassungsverfahren gibt es zwar, es kann aber aufgrund der vielen Zulassungsgesuche nicht konsequent angewendet werden. Meine Aussage, wonach man sich in der Praxis notgedrungen vor allem auf Selbstdeklarationen der Hersteller stützt, stammt aus einem von mir geführten Telefongespräch mit der Zulassungsbehörde.

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Lukas Langhart
Teilzeitkommunikator & Vater
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Müssen wir uns vor Früchten fürchten? Freudscher Verschreiber im viertletzten Abschnitt.

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Sehr geehrter Lukas Langhart, das war tatsächlich ein vielsagender Verschreiber... besten Dank für den Hinweis, jetzt hat die Furcht vor Früchten ein Ende.

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Leider ein weiterer Artikel, in dem die Grenzwerte des früheren Lebensmittelgesetztes mit den Höchstwerten des neuen durcheinandergebracht werden. Dies ist insofern relevant, als dass Grenzwerte frühere toxikologisch, die neuen Höchstwerte ein Mix Qualitätszielen und Toxikologie darstellen und individuell beurteilt werden müssen. Bei dieser Beurteilung ist nicht Chlorothalonil, sondern dessen Metaboliten neu beurteilt worden. Da bei einem davon Cancerogenität nicht ganz ausgeschlossen werden kann, hat man den für solche Fälle geltenden Höchstwert festgelegt, mit der Folge, dass plötzlich viele Wasserfassungen zu beanstanden sind. Gut möglich, dass die Höchstwerte viel höher sind, wenn weitere Kenntnisse über die betroffene Substanz vorliegen. In jedem Fall ist rationales Verhalten unter Wahrung des Verhältnismässigkeitsprinzips angesagt, alles andere führt zu hohen Kosten und möglicherweise neuen Risiken.

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Sehr geehrter Herr K., Danke, ich kann Ihre Beurteilung aber nicht ganz teilen. Die Metaboliten wurden doch problematisch, nachdem der Wirkstoff verboten wurde. Bei sog. trinkwasserrelevanten Metaboliten gilt derselbe Grenzwert wie bei Wirkstoffen, nämlich 0,1 Mikrogramm pro Liter. Sehe nicht, was da durcheinandergebracht worden wäre...

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Danke für die Rückmeldung. Es handelt sich eben, wie gesagt, nicht um Grenz- sondern um Höchstwerte, Grenzwerte gibt es im Lebensmittelrecht nicht mehr. Die 0.1 Mikrogramm lassen sich toxikologisch nicht begründen, sondern sind ein Qualitätsziel im Sinne des Vorsorgeprinzips. Dieses gilt beispielsweise auch für Fenpyrazamin im Grundwasser, auf Salat sind dagegen 8 mg/kg zugelassen,d.h. 80'000 mal mehr. Wenn Sie die Gesundheitsgefährdung beurteilen wollen, müssen Sie sich auf toxikologische Grundlagen und nicht auf Entscheide abstützen, die völlig andere Kriterien mit einschliessen. Das Durcheinander ist allerdings allgemein verbreitet, vielleicht wäre es sinnvoll, einmal darüber einen Beitrag zu verfassen.

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Nur eine kleine Frage: wie ist das mit den Bauernkindern und der besonders schlechten Spermaqualität?

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Lieber Herr B., das habe ich schon gelesen. Ich bin aber über die ...Kinder gestolpert. Mädchen und Spermaqualität?

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Ach so, ja, das ist natürlich eine falsche Formulierung, sorry.

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Dazu gibt es im Text an der betreffenden Stelle einen Link, unter dem Sie weitere Infos finden.

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M. R.
Ratsmitglied Project R Genossenschaft
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Zu empfehlen sind auch:

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Nur eine kleine orthographische Frage: Dieses Fungizid heisst ja auf deutsch Chlorthalonil, also ohne o zwischen r und t. Ich weiss das auch nur, weil ich den Begriff Chlorothalonil in der deutschsprachigen Wikipedia nicht gefunden habe. Schreibt ihr von Chlorothalonil, weil dies die anderen deutschsprachigen Medien (jedenfalls alle von mir konsumierten) auch tun, oder weil es auf englisch so heisst?

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Danke für die Frage: Diese Differenz kenne ich nicht. Auch die Behörden sprechen immer von ChlorOthalonil...
https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/h…asser.html

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A. S.
Agronom
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Danke für den differenzierten Artikel. Der Fokus ist nun etwas breiter, könnte noch Ausgedehnt werden. Doch dann wird das Umweltverschmutzungs-Problem effektiv sehr komplex und vielschichtig, bzw. betrifft dann nicht mehr nur die Landwirtschaft sondern unsere ganze Gesellschaft (Konsum, Freizeit, Komfort, Wohnraum, Medizin, Verhütung, Business,...). Und da wird es unangenehmer für alle.
Nur noch ein Punkt zu den Untersuchten 17 "repräsentative" Gewässer: ist die Auswahl nicht eher risiko-basiert? Sprich, man überwacht eher die Problemfälle (und die grossen Flüsse) da die Mittel zur Überwachung begrenzt sind (tönt fast wie bei der Polizei..). Bei der eine Studie in St-Gallen scheint es der Fall zu sein (habe den Link leider nicht)..
Dass dann 14/17 der Problemflüsse Probleme (Pestizide Spuren) aufweisen ist dann eher wenig überraschend. Rein statistisch. Dieser Sampling Biais wird oft vergessen...

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Jain. Es macht ja relativ wenig Sinn, Bergflüsse - in denen vergleichsweise wenig LW getätigt wird - zu untersuchen.

Aber sie haben schon Recht. Eine breitere Datenbasis würde sicherlich helfen, die Akzeptanz zu erhöhen. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit nicht gerade klein ist, dass in ähnlich "strukturierten" Gebieten die Schadstoffkonzentration auf einem vergleichbaren Niveau ist.
...zumindest wenn die Messwerte von Boden und Grundwasser zu ähnlichen Ergebnissen führen.

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A. S.
Agronom
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· editiert

Es geht halt um Statistik und den Aussagen die mann dazu als Wissenschaftler machen kann/darf. Ohne "Nuller" Variante oder balanciertes Sampling ist die Aussagekraft limitiert. Es ist keine Kritik an den Behörden, die die Wasserqualität überwachen, sondern an der Ausschlachtung der Ergebnisse:
14 belastete Flüsse von 17 ist ohne Zweifel ein schlechtes Ergebniss, doch das heisst nicht, dass 82% der Gewässer in der CH belastet sind! das heisst nur, dass der Verdacht bei diesen 14 Gewässer korrekt war.
Wenn man nur kranke Patienten untersucht könnte mann evtl. auch den Eindruck bekommen, dass alle Menschen krank sind.

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D. B.
· editiert

Es sieht so aus, dass die Gemuesebauern ihre Felder mit einer Wanne versehen, und den Boden als Sondermuell betrachten muessten. Ja, dann machen wir das doch so. Das scheint mir machbar.
Allenfalls waere interessant wie die Wuermer auf die Gifte reagieren. Denn die sind das wichtigste Nutztier ueberhaupt, ohne die laeuft viel weniger.

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Susanna Schürch
IP - Suisse - Bäuerin
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Hier nochmals eine Erklärung, warum bei Bio die Ernten kleiner ausfallen: An anderer Stelle habe ich hier beschrieben, wie IP Suisse im Getreideanbau auf Insektizide, Fungizide und Halmverkürzer verzichtet, und dass der Knackpunkt das Unkraut ist, wo letztlich oft (nicht immer) Herbizide eingesetzt werden müssen. Ohne diese geht der Ertrag massiv zurück. Darunter leiden auch Biobetriebe. Das viel grössere Problem ist übrigens Raps: Seit über 20 Jahren wird geforscht, was getan werden kann, damit Rapsglanzkäfer und Stengelrüssler die Ernte nicht kaputt machen. Viele Landwirte versuchen immer wieder IP Suisse Label Raps zu produzieren. Dort ist Herbizid zugelassen (aus dem gleichen Grund wie beim Getreide), aber nicht Insektizide. Die Landwirte schauen eine gewisse Zeit lang zu, wie sich die Käferchen über ihre Ernte hermachen und irgendwann müssen sie eingreifen und spritzen, um die Ernte zu retten. Sie haben dann weniger Raps, Kosten für das Spritzmittel und keinen Aufpreis mehr, weil sie den Raps nicht mehr als IP Suisse Labelraps verkaufen können. Aus diesem Grund gibt es nur sehr wenig Bio - oder IP Suisse Rapsöl. Es ist eine Illusion zu meinen, dass diese Käferchen Biobetriebe verschonen.

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@Susanna Schürch: Mit Ausnahme der Agrochemie, Düngemittel- und Saatguthersteller sind wir uns alle wahrscheinlich einig, dass wir in der Vergangenheit zu viel und in Zukunft so wenig wie möglich von diesem Dreckszeug verwenden sollten. Wir, die "Satten und Unzufriedenen" sind bereit, 20-30% höhere Preise und über 3 Mrd Direktzahlungen zu bezahlen. Aber ein Mitspracherecht wird uns abgesprochen und verweigert. Dafür sind wir aus Sicht der Bauernschaft zu blöd und zu unwissend. Ich bin überzeugt, dass es eine grosse Anzahl von Bauern gibt, die sich sehr gerne aus dieser Abhängigkeit der Agrochemie-, Saatgut- und Düngemittelkonzerne lösen würden. Leider aber liegt bei denen das grosse Geld, dass sie gezielt in Desinformation und Manipulation einsetzen können. Dass offensichtlich die Bauern sehr direkt unter dem Gifteinsatz leiden (Spermaqualität und Hirntumore) interessiert scheinbar nicht. Lesen sie doch einmal das Buch von Masanobu Fukuoka "der grosse Weg hat kein Tor". der hat schon vor Jahrzehnten auf seinem Bauernhof nachgewiesen, dass es ohne Gift, ohne überzüchtetes Saatgut, ohne Düngemittel und ohne industrielle Bewirtschaftung gleich hohe und qualitativ besser Erträge mit gesunden Böden, erzielen kann. Leider interessiert das kaum jemanden. Die Geschäftsmodelle des ganzen Agrobusiness würden in sich zusammen krachen. Da lohnt es sich alleweil ein paar Milliönchen in Falschinformationen und Lügen zu investieren.

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Susanna Schürch
IP - Suisse - Bäuerin
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· editiert

Jetzt möchte ich als Bäuerin mal Stellung nehmen gegenüber dem Chor der Satten, aber Unzufriedenen hier in der Republik: Das kleine Rädchen Landwirtschaft, an dem der Rest der Bevölkerung jetzt so gerne schrauben möchte, hat bis jetzt zuverlässig den Rest der Menschheit ernährt. Immer wurde alles geliefert, was man sich wünschte. Diese Riesenleistung, nämlich genug Nahrung für alle Menschen zu produzieren, wurde von einem sehr kleinen Teil der Menschheit erbracht. Der Rest brauchte sich nicht darum zu kümmern. Es war einfach eine Selbstverständlichkeit. Das haben wir Züchtung, Düngung und Pflanzenschutz zu verdanken. Mit dieser Aussage mache ich mich hier nicht beliebt, ich weiss. Sie ist aber eine Tatsache. Jetzt hat der urbane Mensch ein Problem entdeckt, das bei der Minderheit schon lange bekannt ist und woran seit Jahren gearbeitet wird. Die Umwelttoxikologie hat seit der DDT Geschichte riesige Fortschritte gemacht, ebenfalls die Züchtung von robusten Sorten. Die Probleme, die zu bewältigen sind, sind vielfältig. Deshalb wird der durchschnittliche Republikleser jetzt gar nicht gerne hören, was die Landwirtschaft zum Rückstandsproblem zu sagen hat: Sorry, aber gegenüber einer Gesamtschau, was die Probleme Biodiversität, Klima und das Bereitstellen von genügend Nahrung für alle Menschen betrifft, sind Rückstände nur ein kleiner Teil des Problems und können nicht isoliert betrachtet werden. Jetzt kommt aber der Stadtmensch mit erhobenem Zeigefinger und einem moralischen Anspruch gegenüber einer Minderheit, die er in der Regel gar nicht zu verstehen versucht. Und er wünscht sich eine Produktionsform, die den Ansprüchen unserer modernen Welt gar nicht genügen kann. Die Frage ist aber doch: Was kann ICH tun, um diese Welt etwas besser zu machen? Wir bemühen uns auf unserem Betrieb seit bald 30 Jahren darum, zusammen mit IP Suisse, aber auch mit viel Eigeninitiative, ganz konkret, Schritt für Schritt. Und ja, das geht, auch wenn man die Bedürfnisse des Marktes berücksichtig. Aber es geht nicht ohne Direktzahlungen, weil Ökologie uns alle angeht. Und diese Zahlungen müssen angemessen sein, damit die Landwirtschaft alle anstehenden Probleme angehen kann. Wir wissen um die Probleme. Die Medien sorgen auch dafür, dass wir sie nicht übersehen. Aber im Gegensatz zu diesem ganzen Chor an Satten und Unzufriedenen, in den auch die Republik einstimmt, versuchen wir sie zu lösen! Hier scheint man der Ansicht zu sein, dass sich Probleme, die man jetzt gerade wieder entdeckt hat, mit einem Fingerschnippen aus dem Weg schaffen liessen, wenn man nur diese dummen und unbelehrbaren Bauern an die Kandarre nimmt, ihnen einen Tritt in den Hintern verpasst und die ganze Produktionsform wieder auf frühere Verhältnisse zurückschraubt. Man meint, hier könne man drehen und alles werde besser. Falsch gedacht! Man versucht ein komplexes Problem auf simple Ursachen zurückzuführen, so wie Populisten es tun. Im Grunde genommen ist es doch einfach zu sagen, dass das Problem zunächst einmal bei der Minderheit liegt, weil man sich dann bequem zurücklehnen kann. Das Problem liegt ja beim anderen, denkt man, So geht das aber nicht. Eine Ernährungsinitiative, statt einer Trinkwasserinitiative, wie es Peter Fröhlich vorgeschlagen hat, würde hier für wesentlich mehr Gerechtigkeit sorgen und viel mehr Probleme lösen. Diese würde beinhalten:

  • Stärkung Kochunterricht an Schulen (Ich würde sogar noch mehr hauswirtschaftliche Fächer vorschlagen)

  • Fleischsteuer

  • Importsteuer auf Einkaufstourismus

  • Verbot von Fleisch jeden Freitag in Kantinen und Restaurants

  • Verbot von Fertigprodukten

Ausserdem plädiere ich dafür, dass alle Gebäude begrünt und Steingärten verboten werden, sowie Flugreisen pro Person und Lebenszeit limitiert werden müssen.

Alles übrigens Dinge, die für Bauernfamilien kein Problem darstellen.

Aber das hört man nicht so gerne, weil es plötzlich einen grossen Teil der Bevölkerung ganz konkret persönlich betreffen würde. Lieber sagt man: Irgendwo müssen wir ja mal anfangen! Und da bietet sich die Landwirtschaft an, weil man da persönlich nichts ändern muss und erst noch einen Sündenbock hat, dem man die eigene Schuld übergeben kann. Aber wahre Veränderung beginnt erst dann, wenn jeder in den eigenen Spiegel schaut.

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@Susanna Schürch: Unsere Verfassung ist ein erstaunlich dünnes Büchlein mit überraschend einfachen Sätzen, wenn wir bedenken, dass das Leben derart komplex ist. Nicht?

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Susanna Schürch
IP - Suisse - Bäuerin
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😊 Das Gute ist ja, das solche Initiativen, auch wenn sie nicht angenommen werden (was ich hoffe), viel bewirken. So bleibt das Büchlein dünn und in der Gesellschaft gibt es doch einen Wandel.

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U. H.
Interessierter Leser
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Kurz vor dem Tag der Entscheidung läuft Frau Schürch mit ihren Beiträgen zur Hochform auf.

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F. W. E.
Unter Anderem Bäuerin...
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Geschätzter Herr B.
Für mich lag der Fokus nicht in der Gewässerbelastung an sich, sondern in deren Auswirkung auf die Biodiversität (wie Sie schon in der Einleitung schreiben). Deshalb habe ich mich empört, denn wenn wir vom Rückgang der Biodiversität sprechen möchten, müssen meines Erachtens definitiv noch sehr viele andere sehr gewichtige Aspekte betrachtet werden. Ich verstehe, dass dies den Rahmen gesprengt hätte. Aber wäre es nicht angebracht, in z. B. weiteren Folgen andere negative Einflüsse zu analysieren (oder vielleicht gab es in der Vergangenheit schon Texte zum Rückgang der Biodiversität) und klar auf diese zu verweisen? Ich empfand den Beitrag, so "alleine" daherkommend, als tendenziös insbesondere bei der aktuell so hohen Brisanz des Themas. Es ist doch klar "woher der Wind weht", wenn man den Artikel liest, oder nicht? Müsste ein Artikel (bei der Republik) nicht neutraler sein?
Klar, ich bin gegen die Initiativen und vielleicht daher einfach übersensibel. Dann nehmen Sie es mir nicht übel...

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