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trubadur
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Vielen Dank Herr Seibt für die tollen Zeilen! Es hilft mir ein Problem zu fassen, an dem ich auch schon länger herum studiere.
Nach wie vor unschlüssig bin ich ganz am Anfang. Sie schreiben:

"Das bedeutete nicht nur, dass zwei Dokumente gefälscht sein mussten: Obamas Geburtsurkunde und die Geburtsanzeige einer Lokalzeitung von Hawaii. Sondern auch, dass der komplette Justizapparat plus das FBI, das Weisse Haus, der Kongress und beinahe alle Medien die Wahrheit unterdrückten. Kurz: eine Verschwörung von mindestens hundertausend Leuten. Ohne dass ein Einziger unter ihnen aufstand und sagte: Es ist anders."

Wenn ich mich in die Lage eines Trumpanhängers versetze, würde ich nun überlegen, dass es vielleicht reichen würde ein einziger Beamte an der richtigen Stelle manipulieren zu müssen, oder vielleicht sogar nur eine Arzt oder Krankenschwester. Ein Dokument an der richtigen Stelle gefälscht, eine einzige Person an der richtigen Stelle manipuliert und der ganze Apparat nimmt es auf. Ich glaube so würde ein Misstrauischer denken, welcher seinem Misstrauen vertraut. (Ohne dass ich einen Trumpanhänger kennen würde).

Ich persönlich finde es ein sehr schwieriges Problem, dass oft wegen solchen Details schlecht greifbar ist. Selber glaubte ich lange an die Fälschung der Mondlandung, da ich die Argumente der Verschwörung überzeugender fand (in den Youtube Geburtsstunden). Heute ist das anders. Neue Dokus und neue Infos/Interviews zeigen mir auf, das die Argumente keinen Halt haben. Wenn diese Dokus niemand macht, niemand den Argumenten klar auf den Grund geht, bin ich ausgeliefert: Wenn ich der Verschwörung nicht glaube bin ich wie ein Gläubiger in der Kirche, oder sonst einer der dem Misstrauen zu fest traut. Oder die Mondlandung hat wirklich nicht stattgefunden :)
Konkret zur Geburtskunde: Wenn mich mal jemand überzeugt hätte, dass dies Stimmen würde, bräuchte es wohl einige überzeugende Doku zum Leben von Obama, oder ein Einblick in das super-robuste Geburts-Registrierungssystem in der USA, um mich wieder davon abzubringen. Vielleicht sogar ein dokumentierter Fehlversuch, jemanden einzuschleusen. Ich kann mir vorstellen, dass solche Dokumentationen mehr Wähler bringen als die Wahlversprechen von Links.

Würde mich interessieren ob es anderen auch so geht wie mir. In einem tief-roten Staat in der USA aufgewachsen zu sein → Möglich, dass ich spenden würde.

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Die Erklärung für dieses seltsame Verhalten der leidenschaftlichen Betrugsopfer lautet: kognitive Dissonanz-Reduktion. Es lohnt sich, einen Nachmittag mit diesem Betriff zu verbringen, weil er die Hälfte unseres Verhaltens und die halbe Welt erklärt.

Vereinfacht bedeutet er, dass die Menschen sich bemühen, ihre Wahrnehmung der Wirklichkeit ihrem Verhalten anzupassen. Wenn ich jemanden beschenkt habe, so ist er mir nachher sympathischer (in Dutzenden Tests bewiesen), wenn ich jemanden schlecht behandle, so schwindet meine Meinung von diesem Menschen (Stanford Prison Experiment, Entwicklung der Folterer in Algerien, militärische US-Grundausbildung). Es funktioniert auch schon bei Kleinkindern: diejenigen, welche mit ihrem Lieblingsspielzeug nicht mehr spielen dürfen und mit schwereren Strafen sanktioniert werden, behalten die Freude; diejenigen, welche nur mit leichter Strafe bedroht werden und deren Übertretung des Verbots auch mal toleriert wird, verlieren die Freude eher u.s.w. (funktioniert auch bei Abhängigkeiten).

Beim Betrug wird der Betrogene so mit der Zeit zum Komplizen des Betrügers. Als Staatsanwalt hatte ich mit sehr vielen Betrogenen zu tun.

• Zunächst wollten die Betrogenen nicht zugeben, betrogen worden zu sein. (Einem pensionierten Unternehmer musste ich buchstäblich das Konto sperren und dann einen Check beschlagnahmen, um einen weitere Riesenzahlung an einen betrügerischen Anwalt zu verhindern. Später wurde der Geschädigte verbeiständet.)

• Wenn die Betrogenen dann doch begreifen, dass sie betrogen wurden, richten sie die ganzen negativen Energien gegen sich selbst: meine Frau hat doch gesagt, ich solle nicht investieren; wie dumm war ich nur. Manche Gerichte nützen das aus und werfen den Geschädigten vor, sie seien gierig gewesen und darob dumm geworden. Gerne wird das den Betrogenen auch dann vorgeworfen, wenn sie Anlagemöglichkeiten noch nicht einmal gesucht hatten und von den Betrügern mit Cold Calls gefunden worden waren. Im krassesten Fall benützte das Gericht diese nachträgliche Komplizenschaft als "rückwirkende Ursache" zur Verneinung des Betrugs auch bei den ersten Anlagen. (Täterschaft verkehrte in den besseren Kreisen.)

Mit den Betrogenen müssen immer auch Zeugenbefragungen durchgeführt werden. Als Staatsanwalt begreift man, dass die Betrogenen nicht vernünftig aussagen können, wenn sie nicht genau wissen, was eigentlich ablief. Die Verteidiger beanstanden dann Zeugenbeeinflussung, weil es zum in der Frage enthaltenen Sachverhalt kein Urteil gebe und die Fragen des Staatsanwaltes folglich rein hypothetisch und tendenziös seien. Wenn das überstanden ist, findet bei den Geschädigten eine richtige Metamorphose statt: Man kann sehen, wie ihre "Schuld" von ihnen abfällt. Ihre Selbstvorwürfe haben ein Ende. Und es entsteht eine heilende Wut.

Ergebnis: für den Geschädigten ist es viel leichter, wenn er überfallen, angeschossen und beraubt wurde etc., als wenn er betrogen wurde. Denn die genannten Gewaltopfer haben keinen oder kaum einen Beitrag zur Tat geleistet. Die Betrogenen aber waren vom Täter dazu gebracht worden, beim Betrug mitzuwirken, indem sie ihm die Stimme oder eben ihr Vermögen gaben. Ihre Situation unterscheidet sich gar nicht so sehr von jener einer geschlagenen Ehefrau, welche den "Fehler" machte, bei ihrem Mann zu bleiben, weil er wieder so lieb und reuig war.

Wie gesagt, es lohnt sich, einmal einen halben Tag mit dem Begriff der kognitiven Dissonanz Reduktion zu verbringen.

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Vielen Dank für den Tipp! (Ich werde den Nachmittag investieren.) Und überhaupt für den Kommentar, der - mindestens meiner Meinung nach - interessanter ist als der Artikel selbst.

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Nein! 'tschuldigung. Ihren Artikel habe ich mit grossem Interesse gelesen. Und er hat mir auch etwas gebracht.

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Timon Zielonka
Sales @ zukunft.com
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Danke für die interessanten Schilderungen zu dem wirklich guten Artikel. Ich frage mich, welche Vorbeugungsmassnahmen am wirksamsten wären. Transparenz, Übersichtlichkeit und Vermeidung von Gier könnten wichtige Eckpfeiler sein. Weiss jemand noch weitere?

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Den eigenen Überzeugungen immer wieder auch misstrauisch begegnen, Nüchternheit und Distanz üben, Vertrauensschulung.
Auch nicht ganz unwichtig: was zu schön ist, um wahr zu sein, ist halt meistens auch nicht wahr. Ernüchternd und unromantisch, spart aber viel Ärger und Geld... ;-)

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Die kognitive Dissonanz begleitet jeden Menschen durchs Leben. Kognitive Dissonanz entsteht immer da, wo wir eigentlich eine feste Meinung/Überzeugung haben, ihr aber nicht nachleben. Niemand wird seinem "Selbstbild" voll gerecht - zumal dieses nämlich noch stets erhöht ist, auch bei sogenannt "normalen Menschen". Ausser, man hat einen negativen Denkstil, wie Depressive. Männer haben höheres Selbstbewusstsein ansozialisiert, immer noch, und deshalb geraten sie weit häufiger in Selbstüberschätzung. Der narzisstische Selbstüberschätzer wird dann u.U. zum Hochstapler. Gibt ja auch da viel mehr Männer. Betrugsopfer kenne ich das Verhältnis der Zahlen bezüglich Geschlecht nicht. ZB Telefonbetrüger haben wohl mehr Erfolg bei Frauen... ?
Auch das internale/externale Attribuieren dient dem positiven Selbstbild. Man spricht auch von "Self Enhancement", wenn wir immer tendenziell die Geschehnisse so wahrnehmen, dass eigener Erfolg aus eigener Lesitung beruht und Misserfolg auf Einfluss von aussen. Wenn man also auf einen Betrug hereingefallen ist, kränkt das natürlich das Selbstgefühl viel mehr, als wenn man einen Unfall hatte. Bevor man es zugibt, erfolgen Versuche, die vorherige Wahrnehmung zu rechtfertigen, bzw. aufrechtzu erhalten. Es geht aber mehr um vermeiden von Statusverlust, Scham, Abwertung des Selbstbildes. Es kann nicht sein, was nicht sein darf.
Je nach Intelligenz und Bildung des Betrogenen können das die lächerlichsten Dinge sein, die sie wacker weiter behaupten und sogar tun. Sieht man ja nun bei den Trump-FanatikerInnen. Bei kognitiver Dissonanz weiss die Person bereits, dass ihr Handeln nicht mit ihren Überzeugungen übereinstimmt, sie sucht einfach Wege, "den Graben" zu verkleinern. Sie spürt die Spannung und die Unstimmigkeit. Meist rechtfertigt sie sich irgendwie, auch durch externes Attribuieren. "Der hat das so perfekt gekonnt, da wäre jeder überzeugt worden". Auch diese Aufzählung der psycholgischen Biases ist noch nicht vollständig...

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Simon Reber
Software Entwickler, Familienvater
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Das Stanford Prison Experiment war ein Fake.
Es lohnt sich auch, einen halben Tag mit Rutger Bregmans 'Im Grunde gut' zu verbringen, um zu erkennen, dass die Mehrzahl von anständigen Menschen von einer Minderheit von Unanständigen vor sich her getrieben wird, da diese den Anstand der anderen als Waffe gegen sie einsetzen.
Das ganz grosse Problem sind Leute, die sich selber als so schlecht ansehen, dass sie nur noch die Möglichkeit sehen alle anderen noch schlechter zu machen, um sich selber wieder in erträgliche Regionen des Selbstwertgefühls zu bringen. Eine negative Rückkoppelung mit Erfolgsgarantie...

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Ich kenne diese Einwände. Wer die ganze Diskussion liest und sich durch den Kopf gehen lässt, realisiert, dass die Einwände richtig sind, aber am Ergebnis nur wenig ändern. Warum? Das Ganze war eine Laborsituation, fand nicht im freien Felde statt. Ermutigungen zuerst hier dann dort, haben den Prozess nur beschleunigt. Ferner sei auf die vielen anderen Studien hingewiesen, die alle zu denselben Resultaten führten. Wolle Sie sagen, diese seien alle auch bloss Fake gewesen?

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Sehr interessante und wahrscheinlich aufschlussreiche Erklärung zur kognitiven (neurologischen) Konstruktion der Identifizierung des Opfers mit dem Täter, beide scheinen synaptisch miteinander verbunden zu sein, eine Verbundenheit, die je nach Intensität sogar noch wachsen kann, wenn sie als Bedrohung von Aussen erlebt wird.
Sie schreiben: "(funktioniert auch bei Abhängigkeiten)" Könnten Sie das näher beschreiben (medizin. Erfahrung mit Konsum-Aghängigkeiten wie Nikotin; Arzt-Medizin werden zurückgewiesen als Bedrohung der verinnerlichten Beziehung zw. Konsument und Verkäufer)?

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Wenn ich gezwungen werde, etwas nicht zu tun, das ich gerne tun möchte, ist der überwältigende Zwang der einzige Grund, es nicht zu zun. Wenn dieser Zwang aber nicht überwältigend ist, bekomme ich die Möglichkeit, mich anzupassen und das Interesse an der Sache abzubauen. Ich habe das bzw. das Beispiel mit den Kleinkindern auch unter kognitiver Dissonanz-Reduktion gefunden.

Als ich zu rauchen aufhörte, ging mein guter Vorsatz nur bis zur nächsten Zigarette und dann zur Nächsten und so fort. Und wenn ich einmal versagte, so war das nicht gut, aber auch keine Katastrophe und deshalb kein Grund für einen Absturz bzw. mit dem Aufhören aufzuhören.

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Simon Reber
Software Entwickler, Familienvater
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Beim letzten Satz habe ich tatsächlich kurz nachgedacht😁
Eine toll geschriebene Zusammenfassung bekannter Tatsachen, welche auf wundersame Weise die Zusammenhänge aufdeckt und die schon lange im Hintergrund schlummernde Erkenntnis aufweckt.

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Anscheinend neigen wir Menschen auch zum willigen Selbstbetrug.
In den letzten Jahren konnte ich xfach in den Kommentarspalten anderer Medien Aussagen des folgenden Musters bestaunen:
"Ja, Trump ist zwar ein Rüpel, ein Betrüger und ein Lügner. Aber er ist wenigstens ehrlich dabei. Er steht dazu."
Auch heute bleibt mir immer noch regelmässig die Spucke weg, wenn ich solches lese.
Entfernen wir uns dermassen rapide von Wissenschaftlichkeit, Rationalität, kritischer Distanz und Aufklärung? Oder war das alles gar nie so weit verbreitet und verinnerlicht in unserer postmodernen Gesellschaft?

Ach ja: danke, Constantin Seibt, für diesen glänzenden, auch erheiternden Artikel!

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Herzlichen Dank Constantin Seibt. Wirklich amüsant, leider aber treffend und wohl wahr.
John Bargh beschreibt in seinem Buch 'Vor dem Denken - Wie das Unbewusste uns steuert' wie fragil unsere Wahrnehmung der Wirklichkeit ist. Er beschreibt, basierend auf vielen Studien, wie simpel wir Täuschungen und Selbsttäuschungen unterliegen.
In seinem letzten Kapitel fasst er die vielen Beispiele zusammen und empfiehlt seinen Lesern wie es gelingt sich eine kritische Haltung zu bewahren, gegenüber Anderen und sich selbst. Er verweist im Speziellen darauf, dass sich Menschen leichter täuschen lassen die davon überzeugt sind, dass sie sich nicht täuschen lassen. Ein fataler Irrtum. Es ist die Sicherheit für Scharlatane, dass es funktioniert. Täuschungen werden darum oft nicht als solche wahrgenommen. Ich lasse mich ja nicht täuschen, ergo kann es keine sein. Wenn Irrtümer nahtlos an eigene Glaubenssätze anknüpfen wird es ein leichtes Täuschungen zum Opfer zu fallen.
Trump beherrscht es meisterhaft an die Unzufriedenheit der Menschen anzuknüpfen und ihre Früste für seine 'deep fakes' zu mobilisieren. Tragisch ist dabei der Fakt, dass viele Menschen, in seiner Partei und der Wirtschaft aus Machtkalkül und Eigennutz ihn unterstützen. Da bekommt die Politik selbst eine hässliche Fratze. Es scheint als ob gesellschaftliche Werte sich aufgelöst haben. Es gibt wenige Leute in seinen eigenen Reihen, die ein Standing haben und sich dagegen auflehnen.
Danke Republik dass wir mit breiter, reflektierter Information versorgt werden. Darum bin ich mit dabei. Ich hoffe, dass ich damit nicht einer Selbsttäuschung unterliege. ;-)

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danke für diese aufheiterung mit grossartigstem von allen grossartigen schlusssätzen aus Ihrer feder.

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56% der weissen US- Amerikanerinnen haben den bekennenden Pussy- Grabscher
Trump gewählt (2016 waren es „nur“ 53%) Wo bleibt da der Aufschrei der #MeToo
Aktivistinnen? Und: Wieviele Prozente hätte Weinstein eingefahren, wenn er
kandidiert hätte?

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Hoi Otti,
schön, dich hier zu lesen. 🙂
Ich finde es auch wenig verständlich, dass überhaupt irgendeine Frau für Trump gestimmt hat. Aber ich versteh auch nicht, dass irgendein Mann ihn gewählt hat.
Mit deinem Verweis auf Weinstein tönst du an, dass Trump gerade wegen seiner Frauenverachtung auch von Frauen gewählt wurde, was ich eine schwierige These finde. Obwohl ich leider auch immer wieder feststelle, dass es zu viele frauenfeindliche Frauen gibt.
Aber bei Trump denke ich eher, dass seine weiblichen Fans sein schreckliches Verhalten Frauen gegenüber nicht so hoch gewichten, weil sie es in ihrem sozialen Umfeld schlicht nicht anders gewohnt sind und eben als " normal" bei Männern erleben. Und dass Frauen, die sich dagegen wehren eben zu der politischen Gruppe gehören, die man ablehnt. Damit verstärkt sich dann leider eben sogar die Unterstützung für frauenverachtende Typen, da man als brave und "richtige" Frau nicht mit diesen feministischen, linken oder noch schlimmeren Frauen verwechselt werden will.
So sehe ich das zumindest.
Liebe Grüsse

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Tatsächlich ist es faszinierend, dass Herr Trump, obwohl in absoluten Zahlen vor allem von weissen Männern wiedergegewählt, vor allem in dieser Gruppe verloren hat. Vielleicht später eine Analyse dazu.

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Suchtleser
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Einfach genial! Bravo Herr Seibt. Ein Lesegenuss vom Feinsten!

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Entwickler Begriffsmoleküle und LD-Cards
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Der Schlusssatz ;-)

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Herrlich zu lesen! Endlich habe ich es durchschaut ;–)

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Sehr gut. Auf zu neuen Fehlern!

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Auch ich weiss jetzt endlich Bescheid und werde mich ganz und ganz gewiss nie mehr täuschen lassen!

"O, ich bin klug und weise, und mich betrügt man nicht!
o, ich bin klug und weise, und mich betrügt man nicht!
Nein, mich betrügt man sicher nicht,
nein, mich betrügt man sicher nicht!
Sicher nicht!"

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Die Republik – zu gut, um wahr zu sein. 🤗

(Dacht ich mir doch, dass ich noch träume...)

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Eine brillante und überzeugende Analyse eines offensichtlich weit verbreiteten individuell-psychologischen, aber auch gesellschaftlichen Phänomens, die einen zusätzlichen Blick auf die katastrophalen politischen Verwerfungen in den USA ermöglicht, aber auch aufzeigt, wie Menschen in allen Kulturen und zu allen Zeiten immer wieder auf solche Betrüger hereinfallen. Leider bestätigt diese Analyse auch, dass das verheerende Gift der Lügen sehr lange und sehr intensiv nachwirkt.

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Liebe Esther, herzlichen Dsnk für deine Stellungnahme. Also ein wenig
verkürzt ist deine These, dass dass frauenfeindliche Frauen wegen ihrer
frauenfeindlichen Männer einen wie Trump wählen. Ok, aber 56 %? Nun,
Michèle Binswanger hat nach der Abwahl von Hillary im Nov 2016 ein anderes
Motiv suggeriert: Die Unfähigkeit der Frauen zur Solidarität. Und in einem
Artikel in der NZZ einige Zeit später, wurde die Vermutung geäussert, dass
sich rassistische Motive hinter der Unterstützung der Frauen für Trump
verbergen könnten. Trump will die weisse Suprematie festigen und benutzt
dazu auch die Ängste der weissen Frauen vor der nichtweissen Bevölkerung.
Beide Argumente sind zu überdenken.
Gruss Otti

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Meiner Meinung nach, liegt es weder daran, dass Frauen unsolidarischer wären als Männer, noch daran, dass Frauen so einen wie Trump (oder Weinstein) wählen, weil sie daheim die gleiche Behandlung gewohnt sind und sie für normal halten. Es liegt daran, dass (auch) Frauen gesellschaftliche Normen verinnerlicht haben, die Männern frauenfeindliches Verhalten zugestehen.
Das sind gewöhnlich Gesellschaften, in denen auch ausserhalb der Beziehungen Mann - Frau soziale Hierarchien sehr ausgeprägt sind: Weisse sind wichtiger/mehr Wert als Farbige, Leute mit viel Geld sind mehr wert als solche ohne Geld, wer an Allah/Gott glaubt ist mehr wert/wichtiger, als jene die nicht oder an einen anderen Gott glauben etc. In den USA bezeichnen sich etwa 80 Mio EinwohnerInnen (26,3%) der Bevölkerung als evangelikal (Katholiken: 23,95; "Mainstream"-evangelisch 18,1%). Die meisten evanglikalen Glaubensgemeinschaften sind ausgeprägt hierarchisch aufgebaut und pflegen ein mild bis extrem konservatives Gesellschaftsbild - auch was die Stellung der Frauen angeht - und sie unterstützen Trump.

In solch stark hierarchisch geprägten Systemen profitieren (bzw. meinen zu profitieren) die nicht Privilegierten von einem Schulterschluss mit den Privilegierten. In diesem Fall, die Frauen von den Männern. Man kennt dieses Verhalten aber auch von Sklaven, die lieber bei ihren Besitzern blieben als befreit zu werden. Oder von Arbeitern, die Gewerkschaften vehement ablehnten und sich lieber den Interessen ihres Patrons anschlossen. Frauen, die Männer wie Trump wählen/gut finden, erhalten (oder meinen zu erhalten) dafür Anerkennung in ihrer "Gruppe" und die damit verbundenen Vorteile: Sicherheit durch Unterordnung, Anerkennung durch Einhalten der althergegrachten Regeln. Das Umstossen alter Regeln macht in in solchen Verhältnisse Angst, weil man zur Aussenseiterin wird und (noch) keine Strategien für das Fuss fassen in neuen Regeln hat.
Es gibt für solch ein verhalten in vielen Gesellschaften Beispiele: In der Schweiz gab es auch Frauen, die das Frauenstimmrecht ablehnten. Es gab zahlreiche Gegnerinnen des heute geltenden Eherechts (u.a. Silvia Blocher). In Gegenden, in denen Frauen beschnitten werden, sind es oft Frauen, die besonders streng an dieser "Sitte" festhalten etc. Alle wollen damit erreichen, innerhalb ihrer gesellschaftlichen Gruppierung weiterhin anerkannt zu sein und Privilegien zu erhalten.

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Stimmt! Vermutlich ist es wie meistens viel komplexer und gibt nicht eine einzige Erklärung!

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Und Esther, nur noch so viel: Was haben Trump und Weinstein gemeinsam?
Beide sind männlich, weiss, alt, reich, sind (Trump) mächtig und übergriffig.
Weinstein ist als Vergewaltiger verurteilt, gegen den mutmasslichen Vergewaltiger
Trump sind entsprechende Klagen hängig. Darf man da sagen, dass eine Frau,
die diese Männer mit ihrem Votum stärkt, eine Komplizin ist?

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Natürlich darf man das sagen! Spannend wäre es allerdings, wie sich eine solche Frau selber dazu äussert. Wie bewusst ist es ihr, wie wichtig? Ich denke, das können wir von aussen betrachtet einfach nicht letztgültig beurteilen.
Aber dass eine solche Haltung abzulehnen ist, egal, woher sie kommt, ist für mich natürlich völlig klar.

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Gut herausgearbeitet! Damit wird die Rolle der psychologischen Verfassung/Beeinflussung schön beschrieben. Nun müsste noch der Tatsache nachgegangen werden, dass diese Hochstapelei im 21. Jh. in den USA bei einer so grossen Bevölkerungsgruppe überhaupt greifen konnte/kann.

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Ein interessanter Vergleich, die Pariser Geschichte.
Ich würde allerdings noch gerne erklärt haben, weshalb Messieurs Lustig et Poisson ihr Geschäft in Dollars abwickelten. Merci!

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Der Betrüger setzte sich nach Amerika ab, da war es wohl besser, schon die richtigen Moneten zu haben. Denke ich.

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Sie haben das Geschäft nicht in Dollars abgewickelt. Aber da Herr Lustig danach in Amerika wirkte - als Graf Lustig –, unter anderem Al Capone ein paar tausend Dollar entriss und schliesslich in Alcatraz starb, wurde seine Biographie auf Englisch geschrieben. Und die Francs quasi in Dollar übersetzt.

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Wunderschöner Abschluss des Artikels, musste laut lachen!

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Honi soit qui mal y pense ;-)

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Raffael Behr vergass die Kilimajugend

"Mag sein, dass hier und da noch jemand Lust darauf hat, sich im Rahmen eines kollektiven politischen Projekts zu engagieren. Aber ich vermute, die Messlatte liegt heute weit höher als in den 1930ern, wenn es darum geht, wie viel Selbst­verwirklichung die Einzelne dafür aufgeben will“

Fast alles könnte ich unterschreiben, aber dieser Satz vergisst völlig die Klimajugend, bei der es künftig auf Leben und Tod gehen wird, wenn die Wirtschaft das ökologische Denken nicht rasant schnell einbauen kann.

Herzlich Danke - ihr betreibt den interessantesten Journalismus zur Zeit im Land
Roland Zoss

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Interessanter Beitrag, amüsant verpackt, auch wenn der Hintergrund alles andere als amüsant ist. Spannend auch die Kommentare. Danke.

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Konnte mich noch an einen schönen Artikel aus der SZ erinnern. Betrug gab es ja zu allen Zeiten. Hier die Erfinderin des Schneeballsystems: Adele Spitzeder
Vermutlich hat sich Damara Bertges dort ihr Handwerk abgeschaut... Die Dame ist übrigens nach ihrer Haftentlassung ins horizontale Gewerbe gewechselt, um nicht betteln gehen zu müssen. Ich kann hier nicht von Genugtuung sprechen. Eigentlich tut sie mir ein klein wenig leid.

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Trump hat aber seine Wähler nicht betrogen. Er hat ihnen nur gesagt, was sie hören wollten. Was sie "glauben" wollten.

Nach dem Chaos einfach sagen es sei betrogen worden, ist viel zu einfach. Es würde auch nicht erklären wieso Afro-Amerikanerinnen kaum Trump gewählt haben..

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