Die Republik ist nur so stark wie ihre Community. Werden Sie ein Teil davon und lassen Sie uns miteinander reden. Kommen Sie jetzt an Bord!

DatenschutzFAQErste-Hilfe-Team: kontakt@republik.ch.



· editiert

Vielen Dank für diesen Bericht über den Fall Reality Winner, den ich wie jenen von Chelsea Manning zeitnah verfolgte. Beide wurden in bester Joe Hill-Manier vom Staat verfolgt und es zeigt sich "America is changing all the time but never changes", wie Eddie Glaude jr. in seinem Buch 'Begin again, James Baldwin's America and ....' zitiert.

Weitere aufwühlende Recherchen könnten die allgemeine Strafverfolgung in den USA betreffen. Von der Beschlagnahmung Ihres Eigentums bei einer widerrechtlichen Polizeikontrolle über das Wild West "Bail"-System und Willkür im Strafmass bis zu den Unschuldigen, die wegen einer sich sträubender Einzelperson über Jahrzehnte inhaftiert bleiben.

Willkür allüberall als Preis für die "unendliche amerikanische Freiheit".

34
/
1

Danke Adrienne Fichter für diesen Artikel über diese couragierte Frau.
Entsetzlich sich vorzustellen, was ihr angetan wurde, dafür, dass sie für die Wahrheit Einstand.

Was hätte eine solche Handlung für Konsequenzen für die Whistleblowerin, hier in der Schweiz? Wären diese nicht ähnlich, wie andere Fälle bei uns nahelegen würden?

Haben wir da nicht Bedarf unsere Gesetze für einen fairen Umgang anzupassen?

Ist die Deutungshoheit ferner, was verräterische Aktivitäten sind, tatsächlich neutral und würde berechtigte Interessen der Öffentlichkeit auch berücksichtigt?

Das wäre für mich und wohl auch andere interessant zu erfahren.

71
/
0
Adrienne Fichter
Redakteurin @ Republik
·
· editiert

Guten Tag Herr Besimo, vielen Dank für Ihren Kommentar! Meine Kollegin und Whistleblowerexpertin Sylke Gruhnwald hat dies hier einmal detailliert aufgeschrieben: https://www.republik.ch/2018/04/24/…stleblower

Es gibt keinen gesetzlichen Schutz in der Schweiz. Dafür regelt‘s der Bund via Personalreglement— und auch grosse Unternehmen, börsenkotiert haben eigene Prozedere selbst eingeführt, sprich: Whistleblower-Hotlines, Vorschriften zum Vorgehen. Aber für die breite Masse der KMU gibt es kaum Vorschriften oder eben gesetzlichen Schutz für WhistleblowerInnen.

Ich fragte sie soeben, wie nun ein ehemaliger Geheimdienstler in der Schweiz behandelt werden würde. Sie meinte, es sei kompliziert und stellte viele Gegenfragen: wird die Information intern oder extern weitergeben? Wie ist die Information zu bewerten: vertraulich, streng vertraulich? Hat er davor intern zumindest versucht, Gehör zu finden? Bei welchen Stellen? Hat er sein Vorgehen dokumentiert?

Mehr Informationen finden Sie im Text:)

17
/
1

Geheimdienste haben eine sehr verschobene Optik. Da war mal Einer ( Tinner ), welcher trivialen Gerümpel verkaufte. Auf keinen Fall weltbewegend, gefährlich oder speziell. Aber weil er in diesem Umfeld agierte wurde ein Fall zusammen gezimmert... bei welchem die Frage nach dem Sinn oder Wert des Geheimdienstes nicht mehr aufkommt. Im Fall Tinner haben sich Unsere offensichtlich mit den Amerikanern angebiedert. Mit absolut Null Fachwissen, einer schlechten Voraussetzung.

1
/
0

Sie käme wohl auch in der Schweiz vors Gericht wo dann entschieden wird ob es gerechtfertigt oder eine Verletzung der Geheimhaltung war.
Unsere lieben Politiker haben da grad im 2020 eine Vorlage versenkt:
https://www.srf.ch/news/schweiz/doc…-sympathie

12
/
0

Vielen Dank für diesen Artikel über Mut, Naivität, Fahrlässigkeit und Willkür.

Ich habe den Link zu "The Intercept" in meinem Browser gelöscht.

13
/
2
Adrienne Fichter
Redakteurin @ Republik
·
· editiert

Vielen Dank für Ihren Kommentar. Ich bin bis heute unschlüssig was ich von The Intercept halten soll. Fehler passieren, und die Redaktion hat ihre Lehren daraus gezogen. Winners Geschichte ist wirklich ein wichtiger Fall für die Journalismus-Lehrbücher. Dennoch sollte dieses Debakel die Leistung anderer hervorragender Investigativ-ReporterInnen des Hauses und ihres Security-Teams nicht schmälern. Sie leisten täglich hervorragende Arbeit. Aber ja, der Fall Reality Winner wirft ein schlechtes Licht auf das Magazin, insbesondere auf das Aushängeschild Glenn Greenwald. Gerne hätte ich noch mehr die Sicht von The Intercept erfahren und gewusst, was intern abgelaufen war (ich hätte die Geschichte dann noch mehr als "Medienstück geframed"). Aber niemand möchte mehr über den Fall sprechen.

18
/
1

Bitte vergessen Sie nicht, dass auch Wikileaks lange Zeit, wenn nicht auch jetzt noch, dem Grundsatz folgte, möglichst im Original und ungekürzt zu veröffentlichen.

4
/
0
ichfürchte...
·

Wenn ich mich recht erinnere hat Wikileaks dabei jeweils einen riesigen Aufwand getrieben, sämtliche Spuren zu tilgen, welche eine Quelle verraten könnten.

5
/
0

Die Liste der Drucker, die ein Fingerprinting inplementiert haben, wird leider von der EFF nicht mehr weiter gepflegt. Meiner Meinung nach müsste eine solche Funktionalität in den Druckerunterlagen deklariert sein, da sie die Vertraulichkeit tangiert (man denke zum Beispiel an Schreiben von Anwälten).
Interessant wäre auch zu wissen, ob Drucker, die ans W-Lan angeschlossen sind, Informationen über die ausgeführten Druckjobs irgendwo hin senden.

15
/
0
· editiert

Eine andere These vertritt die «New York Times»: Winner habe eine Podcast­folge von Glenn Greenwald gehört, die sie «getriggert» haben soll. Darin äusserte Greenwald Zweifel daran, dass Russland versucht habe, die Wahlen zu manipulieren. [...] Die «New York Times» hat die Recherche rekonstruiert. Glenn Greenwald weilte zu jenem Zeitpunkt in Brasilien. Er hörte vom eingetroffenen NSA-Dokument, zeigte aber keinerlei Interesse an der Geschichte. Die Chefredaktorin Betsy Reed entschied, das NSA-Dokument den beiden Reportern Matthew Cole und Richard Esposito zu übergeben. [...] Damit war Reality Winner geliefert.

Glenn Greenwald sagt, das sei so nicht wahr, und ich finde seine Darstellung plausibel.

2
/
5
Adrienne Fichter
Redakteurin @ Republik
·
· editiert

Hallo Herr G., ich hab das Rolling Stones-Interview natürlich auch im Vorfeld angeschaut. Doch: Haben wir dasselbe gesehen und gehört? Zuerst einmal muss man das Setting des Interviews betrachten. Der Rolling Stones-Interviewer fragte: "Was ist eigentlich neu im NYT-Artikel?" Greenwald kriegte daraufhin lange Redezeit ohne Nachfragen. Und sagte im Grundsätzlichen dies: "Der NYT-Artikel sagte nichts Neues." Sie hätten Fehler gemacht und sie wüssten dass sie diese gemacht hätten, Ende der Geschichte. Greenwald bestreitet NICHT den Inhalt, also das was in der NYT-Aufarbeitung recherchiert wurde. (er sagt nirgendwo dass es nicht wahr sei) Er seht den Artikel lediglich als eine Kampagne an gegen Intercept und gegen dessen Chefredakteurin Betsy Reed.
Das Einzige was Greenwald abstreitet war, dass er das Dokument als nicht genügend wichtig erachtet hätte. Doch Ben Smith sprach mit diversen Quellen, die bezeugen, dass Greenwald eigentlich die ganze Russland-Einflussnahe nicht interessiert hätte.

Ausserdem: Greenwald sagt erneut, dass die einzige Form der Verifikation der Echtheit des Dokuments nur durch die NSA geschehen könnte. Damit ignoriert er ja den Rat der hauseigenen hochkarätigen Security-Spezialisten im Medienhaus Intercept wie eben Erinn Clarke, die den Fall ganz anders angegangen hätte.

Ich wäre also vorsichtiger mit den Aussagen Greenwalds. Persönlich finde ich es schade dass ein derart hochangesehener und preisgekrönter Journalist so sehr "abdriftete".

12
/
2
· editiert

Hallo Herr G., ich hab das Rolling Stones-Interview natürlich auch im Vorfeld angeschaut.

Das glaube ich gerne. Im Beitrag kommt aber zum Thema Glenn Greenwald trotzdem nur die New York Times zu Wort. Ich finde das etwas problematisch.

Doch: Haben wir dasselbe gesehen und gehört?

Ich hoffe schon. Ich habe mit diesem Add-On die 720p-Version als WEBM heruntergeladen: https://addons.mozilla.org/en-US/fi…oadhelper/

$ crc32 Glenn\ Greenwald\ on\ Reality\ Winner\ Controversy\ and\ Asking\ Tr.webm
eb0cc22b
$ sha512sum Glenn\ Greenwald\ on\ Reality\ Winner\ Controversy\ and\ Asking\ Tr.webm
1d6affb708d974b97fed50bbb7f46a49875266ac346a377e211a045c95e8e2c93d8f262b5c3169239070a3279e7f59fb0ba39fc74f21473488fe645fb1be95c9 Glenn Greenwald on Reality Winner Controversy and Asking Tr.webm

Ich vermute aber, wir haben uns das Video einfach mit unterschiedlichen Vorurteilen angeschaut.

Greenwald bestreitet NICHT den Inhalt, also das was in der NYT-Aufarbeitung recherchiert wurde.

Meine Beobachtung war, dass Glenn Greenwald mehreren Darstellungen in Ihrem Beitrag widerspricht.

Das Einzige was Greenwald abstreitet war, dass er das Dokument als nicht genügend wichtig erachtet hätte.

  • Er bestätigt explizit, dass er das Dokument persönlich nicht für besonders wichtig hält und begründet auch gut, wieso. Er sagt auch, dass es auf jeden Fall publiziert werden sollte. https://youtu.be/elEInqRzLgk?t=3399

  • Der Beitrag suggeriert, dass das Dokument ankam, Glenn Greenwald davon unterrichtet wurde, die Story ablehnte und es dann deshalb in weniger kompetente Hände weitergegeben wurde, dass the Intercept dann die Fehler gemacht hat und Reality Winner deshalb hinter Gitter kam. Glenn Greenwald sagt, er habe erst vom Dokument erfahren, als Reality Winner bereits verhaftet war. Ausserdem sagt er, dass auch schon Quellen der New York Times verhaftet wurden und die Fehler beim Intercept zwar nicht entschuldbar sind, für die Verhaftung von Reality Winner aber auch nicht notwendig gewesen seien.
    https://youtu.be/elEInqRzLgk?t=3704
    https://youtu.be/elEInqRzLgk?t=3820
    https://www.youtube.com/watch?v=elE…gk&t=3104s

  • Glenn Greenwald bestreitet explizit die Geschichte mit dem Podcast. Er sagt Reality Winner habe ein Transkript angefragt, aber von einer anderen Folge, in welcher es gar nicht um Russiagate ging, ausserdem ist es vermutlich nicht ganz richtig, "Intercepted" als "Glenn Greenwalds Podcast" zu bezeichnen. https://youtu.be/elEInqRzLgk?t=4029

Ausserdem: Greenwald sagt erneut,

"Erneut"? Ist die Implikation, er habe beim Vorfall Anweisungen gegeben oder bezieht sich das einfach auf eine frühere Stellungnahme?

dass die einzige Form der Verifikation der Echtheit des Dokuments nur durch die NSA geschehen könnte.

https://www.youtube.com/watch?v=elE…gk&t=2900s

Eigentlich sagt er "das Dokument einer vertrauenswürdigen Person aus der Regierung zeigen", nicht "Verifikation durch die NSA", aber ok, vermutlich ist das wirklich nicht "die einzige Form". Greenwald sagt allerdings nicht, man solle in solchen Fällen die Security-Spezialistinnen ignorieren. Er beschreibt auch explizit einige Fehler.

Damit ignoriert er ja den Rat der hauseigenen hochkarätigen Security-Spezialisten im Medienhaus Intercept wie eben Erinn Clarke, die den Fall ganz anders angegangen hätte.

Hätte sie die Echtheit komplett ohne Einbezug von Leuten aus der Regierung bestätigt? Aus Ihrem Beitrag wird eigentlich nur klar, dass sie das physische Dokument selbst sicher nicht zur NSA gebracht hätte, was Greenwald auch als Fehler bezeichnet.

Dazu: Erinn Clark kommt im Beitrag zu Wort und darf sich selbst verteidigen und von Verantwortung freisprechen. Für Erinn Clark ist anscheinend die Verteidigung, nicht involviert worden zu sein, ausreichend. Wieso also nicht auch für Greenwald?

Ich wäre also vorsichtiger mit den Aussagen Greenwalds.

Ich bin hier vorsichtig mit den Aussagen, Spekulationen und Implikationen, die im Beitrag erschienen sind. Die Aussagen Greenwalds waren nicht im Beitrag. Das ist unfair, was ich hier korrigieren wollte. Wie kommt es, dass ausgerechnet Glenn Greenwald in der Republik als so sehr diskreditiert gilt, dass er nicht einmal zitiert wird, wenn es um seine eigene Person geht? Da stimmt vielleicht etwas nicht ganz mit dem Diskurs.

Persönlich finde ich es schade dass ein derart hochangesehener und preisgekrönter Journalist so sehr "abdriftete".

Ich bin nicht sicher, dass das so ist, oder dass er dafür besonders viel Verantwortung trägt. https://youtu.be/elEInqRzLgk?t=4169 Der Fall Reality Winner scheint das jedenfalls nicht zu bestätigen. Wieso wird hier Glenn Greenwald überhaupt so prominent mit hereingezogen? https://youtu.be/elEInqRzLgk?t=4283 Der Fehler liegt doch eindeutig hauptsächlich beim amerikanischen Staat. (Der übrigens auch ein Interesse daran hat, dass Greenwalds Ruf leidet.)

4
/
3
Im Archiv graben
·

Danke für den spannenden Artikel! Es erinnert mich an den Roman "Federball" von John Le Carré. Der Autor, vor einiger Zeit verstorben, verarbeitet solche Gewissenskonflikte in einer meisterhaften Erzählung.

9
/
0
Adrienne Fichter
Redakteurin @ Republik
·

Danke für den Lesetipp!

0
/
0

Danke für die Erwähnung. Ich habe gerade dieses Wochenende angefangen, diesen Roman zu lesen.

0
/
0
Adrienne Fichter
Redakteurin @ Republik
·

IT-Anwalt Martin Steiger hat eine interessante juristische Ordnung zum Fall Reality Winner gemacht und die Situation in der Schweiz aufgezeigt: https://steigerlegal.ch/2021/07/28/…schicksal/

7
/
0

Toller Artikel. Prima geschrieben! Erfrischend.

2
/
0
(durch User zurückgezogen)
seit 2018

Republik AG
Sihlhallenstrasse 1
8004 Zürich
Schweiz

kontakt@republik.ch
Medieninformationen

Der Republik Code ist Open Source