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Vor kurzem den Film auf arte über das Kunsthaus gesehen. Auf diesem Umweg habe ich erfahren, dass Rodins Höllentor für das Führermuseum vorgesehen war, 1947 von Bührle gekauft und am Eingang des Kunsthauses aufgestellt wurde. Der Beitrag vom ehemaligen Direktor Becker im arte Film: Zürich und die Schweiz würden Bührle ausserordentlich viel verdanken. Damit meinte er den Reichtum und sehr viele Arbeitsplätze.
Zum Glück hat E. K. recherchiert und Fürchterliches zu Tage gefördert: der alte Bührle jagte nach dem 1.Weltkrieg zusammen mit Freikorps-Kameraden linke Menschen, Gewerkschafter, Politiker in Deutschland. Seinen Kopf sehe ich nun jedes Mal, wenn ich die Treppe hochsteige zu einer interessanten Ausstellung. Ich habe dann nicht sehr zivilisierte Impulse. Emil Georg Bührle hat nie akzeptiert, den von Deutschland angefangenen Krieg verloren zu haben. Der Krieg ging für ihn weiter, der Kampf für ein Deutschland nach seinen und seiner Kameraden Vorstellung. Er wurde in die Schweiz geschickt, um in Umgehung des Verbotes nach dem verlorenen Krieg, in der neutralen Schweiz eine Waffenindustrie für Deutschland aufzubauen... die Schweiz profitierte... ob sich damals jemand die Frage nach Neutralität stellte? Die Schweiz profitiert gern. Ethik und Moral sind in Genf deponiert. Was ich mich aber jetzt, nach dem Statement von Becker im Film frage: war unseren regierenden Linken nie bewusst, dass sie und ihre Klientel von Vater Bührle gejagt und wenn möglich zu Tode gebracht worden wären? Unser zürcherisches Unwissen in bezug auf Geschichte: zeugt es von Dummheit?
In dieser Erzählung kommen auf dem Hintergrund von angezettelten Weltkriegen,
Bluträuschen und wie geschmiert laufender Menschenaussortierungs- und vernichtungsindustrie einige Aestheten wie Bührle vor. Ja, die Bilder sind schön. Ja, sie wurden nicht von Nazis gemalt. Was sagt aber der Umgang mit ihnen, der Umgang mit den Bührles aus über Zürich, über unsere Geschichte? Haben wir uns verführen und bestechen lassen?
Es gab in Zürich Bührlearbeiter in Bührlesiedlungen und es gab linke Arbeiter in von ihnen gegründeten Baugenossenschaften. Der 2.Weltkrieg ging nahtlos in den kalten Krieg über. Linke, Gewerk- und Genossenschafter wurden mit Hilfe von ehemaligen Nazis diffamiert, mit "Moskau einfach" traktiert, verloren Arbeit und Einkommen. Ueber Jahrzehnte. Links zu sein brauchte Mut. Und das nach zwei verlorenen Kriegen der Faschisten. Was sagt uns das, über uns?

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Waren (oder sind?) Sie nicht in der Kunstgesellschaft? Wie wurde dieses Thema in dieser Gesellschaft in der Vergangenheit und Gegenwart verhandelt? Gibt es da keine Bewegung, dieses unsägliche Gebaren des Vorstandes in gerechtere Bahnen zu lenken? Was sagt Ihnen das, über Sie?

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Mitglied der Kunstgesellschaft, naja. Ich habe ein Jahrsabo fürs Kunsthaus, wie wohl andere Kunstinteressierte auch. Gaby Belz weiter oben gibt weitere Erläuterungen zu den Möglichkeiten dieser Mitgliedschaft. Warum soll Kunstgenuss nur einer Elite vorbehalten sein? Die Oeffentlichkeit zahlt auch mit meinen Steuern an die Kulturinstitutionen und es wurden von diesen durchaus Anstrengungen unternommen, zugänglicher, weniger elitär zu sein. So habe ich das in Zürich wahrgenommen, auch der Anfang mit Ann Demeester weist auf mehr Zugänglichkeit.
Was das alles über mich sagt: Jahrzehntelang wollte ich mit elitären Kunst- und Kulturzirkeln nichts zu tun haben. Bührle war ein Feind der linken Schweiz. Wahrscheinlich war ich bei der Abstimmung gegen den Chipperfieldbau. Es sagt mir desweiteren, dass ich mich innerhalb der Linken in einer Aussenseiterposition befinde: ich bin in Seebach aufgewachsen, in einer Genossenschaftssiedlung mit Arbeiterbewusstsein und Abscheu vor den Kriegsgewinnlern. Aber irgendwann wurde die Linke bürgerlicher, mit einer gewissen Verachtung ihren unzivilisierten, vermeintlich ungebildeten Teilen der Arbeiterschaft gegenüber und mit zunehmender Vorliebe für Apero, Spitzendesign und Spitzenkultur... Gut gibt es E. K., der sich Fragen stellte und denen nachging und ein Buch über seine Erkenntnisse veröffentlichen konnte. Und jetzt auch in diesem Artikel den Finger auf die wunden Punkte legt. Die Diskussion hat erst angefangen. Was soll mit Steuergeldern finanziert werden? Und Sie, Anonym 1, wo stehen Sie?

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völlig von der Rolle
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Umfassender Artikel, der die ganze leidliche Geschichte auf einen positiven Punkt bringt. Nur: Wird man auf den Autor hören? Ich bin jedenfalls dafür, danke.

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Man möge mir verzeihen, wenn ich darauf zurückkomme, was ich dem Historiker Thomas Buomberger zu jenem Zeitpunkt erzählt hatte, an dem bekannt wurde, dass die Stadt Zürich einen Erweiterungsbau realisieren wollte. Mir schien es wichtig genug, Licht in die Geburtststunde der Stiftung Bührle zu bringen, bevor man über die nötigen Millionen eines Museumsprojektes abstimmt. Buomberger ging der Sache nach, fand im Staatsarchiv tatsächlich Belege, schrieb einen spannenden Artikel, für dessen Publikation aber keine der grossen Tageszeitungen Interesse zeigte. Der Artikel erschien im Juni 2010 im Beobachter.
Die Sache war die, dass ein frisch verheirateter, aber mittelloser Archäologe eine Anstellung bei E. G. Bührle fand. Als Privatsekretär sollte er etwas Ordnung in die wachsende Kunstsammlung bringen. Es entstand u. a. ein Karteikasten, den es vermutlich heute noch gibt – auch wenn die erste Auskunft der Bührle-Erben an die Bergier-Kommission sich in der dreisten Behauptung erschöpfte, es gebe keine Unterlagen mehr.

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Es geht mir aber nicht um solcherlei Unterlagen. Lange konnte sich der Archäologe und mittlerweile auch Familienvater nicht an seinem sicheren Halbtagsjob erfreuen, denn allzu bald segnete sein Arbeitgeber das Zeitliche. Jahre später hatte der Archäologe das Glück – welcher Beruf war brotloser zu jener Zeit –, eine staatliche Anstellung zu finden.

Jahrzehnte später, liess der inzwischen längst pensioniert, immer loyale Staatsbeamte gegenüber einem seiner Söhne gegenüber durchblicken, dass ihn das Ausmass an Dreistigkeit seines früheren Arbeitgebers nicht kalt liess. Und es war wohl auch mehr als nur eine zufällige Nebenbemerkung, wie er trotz seiner sonst grossen emotionalen Zurückhaltung betonte, dass Bührle viel Dreck am Stecken und dem Staat über Jahre hinweg Steuern in – damals! – Millionenhöhe hinterzogen hatte. Und dass die Bührles ihren Hals letztlich nur mit der Gründung einer Kunststiftung retten konnten sowie der Zusicherung, dass die Kunstwerke in Zürich bleiben und öffentlich zugänglich werden sollten. Also – wie auch schon beim ersten Erweiterungsbau 1956 – nichts von Mäzenatentum oder dergleichen.

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E. K. schreibt korrekt: «Die Bührle-Stiftung wird als gemein­nützig anerkannt, weil sie ihre Kunstwerke per Stiftungs­satzung der Öffentlichkeit zugänglich macht und dem Standort Zürich erhält (...)» Mich erstaunt seit mehr als 15 Jahren, wie wenig sich die Öffentlichkeit und selbst recherchierende Journalisten und Historiker aber für die Umstände der Geburt dieser Stiftung interessieren.

Immerhin endet der Artikel von K. mit «Und drittens sollte dies die letzte Ausstellung gewesen sein, die unter dem Eigentums­vorbehalt der Bührle-Stiftung stattgefunden hat. Entlasst die Kunstwerke aus der historischen Schuld. Übergebt sie einer neuen, der demokratischen Öffentlichkeit verpflichteten Stiftung. Einer Stiftung, die sich konsequent für all das einsetzt, wofür der Name Bührle niemals stehen wird.» Die Hoffnung stirbt zuletzt.

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Dass Buomberger erst beim Beobachter auf Interesse stiess, ist leider nicht sehr erstaunlich. Auch die skandalöse Tatsache, dass in Bührle-Fabriken bis 1968 Waisenhaus-Mädchen illegal Zwangsarbeit leisten mussten, und zwar mit Wissen und Kooperation der Behörden, ist ein Thema, das erst der Beobachter im Jahr 2021 enthüllt hat.

"Man spricht in Zürich von der Raubkunst des Emil Bührle, die nun bald im neuen Kunsthaus gezeigt wird. Aber das Kapitel mit uns Mädchen bleibt schön unter dem Deckel. Die Zusammenarbeit des sozialen Systems mit dem reichsten Schweizer wird verschwiegen" zitierte der Beobachter 2021 die heute über 80 jährige ehemalige Zwangsarbeiterin, Elfriede Steiger. "Das grosse Schweigen", sagt sie, "armselig".

Seitdem hat sich noch immer viel zu wenig getan, von dem wirklichen Ausmass dieses Grauens kennen wir erst die Spitze des Eisbergs. Trotz Teilerfolgen des vom Beobachter ausgeübten Drucks, z.B. erste Wiedergutmachungszahlungen des Kantons Zürich, gibt es keine nationale Aufarbeitung: Der Bund begnügt sich bislang mit dem 2019 verfassten Vergangenheitsaufarbeitungs-Schlussbericht der unabhängigen Expertenkommission Administrative Versorgung, der die skandalösen Zwangsarbeits-Verbrechen mit keinem Wort erwähnt.

Der Beobachter bleibt die einzige Zeitung, die mit echter Kontinuität an dem Thema dranbleibt, und auch Politiker, wie alt Ständerat Paul Rechsteiner, motiviert, mehr Druck auf den Bund auszuüben. In der Tagespolitik ist das Thema jedoch in Bundesbern noch nicht angekommen; wie sollte es auch, wenn nur eine einzige Zeitung wirklich Sturm läuft? Die Republik begnügt sich auf meinen Einwurf im Dialog zu einem früheren Bührle Artikel mit: "(...)Sie haben recht, auch die Schweizer Zwangsarbeit muss schleunigst aufgearbeitet werden. Vorderhand bin ich einigermassen zuversichtlich, dass das jetzt auch geschieht".

Das war's dann. Der Beobachter wird einsam weiterkämpfen, im Meer des grossen Schweigens. Wie sagte doch Elfriede Steiger? "Armselig".

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Danke für Ihre Stellungnahme Herr M.
Armselig auch, dass die Erben Bührles nicht von sich aus finanzielle Wiedergutmachung leisten.
„ Nicht weil die jetzt Lebenden eine Schuld an Verbrechen der Vergangenheit trügen- „
schreibt Herr K.
Die Erben profitieren von den Verbrechen der Vergangenheit ohne unaufgeforderte Wiedergutmachung zu leisten? Wo bleibt da die Unschuld?

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Vielen Dank für diesen ausführlichen und ausgewogenen Beitrag von Herrn K. mit den gut nachvollziehbaren und sinnvollen 3 Forderungen am Schluss!
Ich danke aber auch den Zuschriften von Herrn D. und Frau D. hier im Dialog. Sehr spannend!

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Gaby Belz
Jeden Morgen neu
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Danke für den erhellenden Beitrag E. K.. Was ich immer noch nicht verstehe: was ist die Begründung der Kommission für ihren kollektiven Rücktritt? War da nicht eine Verlautbarung angekündigt? Oder habe ich die übersehen? Was hier ausgeführt wird deutet zwar auf erhebliche Mängel der Schau, aber nicht auf Skandalöses, das einen solchen Paukenschlag rechtfertigen würde.
Und noch was zur „mächtigen Kunstgesellschaft“, also dem Trägerverein des Kunsthauses: der hat 26´000 Mitglieder. Das Quorum für Anträge von Mitgliederseite wurde an der letzten Mitgliederversammlung auf Antrag des Vorstandes von 50 auf 100 Unterschriften erhöht. Das Kunsthaus gewährt aber aus Datenschutzgründen keinen Zugang zum Mitglieder-Register. Fazit: es ist sozusagen unmöglich, vonMitgliederseite zu irgendeinem Thema aktiv zu werden. Die Macht des Vereins kann sich also ausschliesslich auf den Vorstand beziehen, mit Philipp Hildebrand (dem ehemaligen Nationalratspräsidenten mit Nähe zum kunstaffinen grossen Geld) als Präsident.

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Das Skandalöse ist die Diskrepanz zwischen Anspruch, ja Versprechen und Realität.

Wenn ein Kunstmuseum nach der (nicht) ersten vernichtenden Kritik einen zweite Chance erhält, und verspricht, es besser zu machen – das heisst, kritischer, klarer einordnend und vor allem einen anderen Fokus setzend, also nicht auf Bührle, den Kriegsprofiteur, sondern auf die vielen jüdischen Sammler, denen die Werke einst rechtmässig gehört hatten und die zu Opfern des nationalsozialistischen Regimes geworden waren – und dazu sogar einen wissenschaftlichen Beirat hinzuzieht, aber letztlich dieses Versprechen nicht einlöst, dann muss ein wissenschaftlicher Beirat, will er nicht zum Feigenblatt werden, zurücktreten.

Über die Gründe wurde man durch Schweizer (und Deutsche) Medien informiert. Laut NZZ:

Wieder blicke die Ausstellung vor allem auf Bührle statt auf die Opfer des NS-Regimes. Die Begleittexte zur Ausstellung sollen dem wissenschaftlichen Gremium erst in der zweiten Oktoberwoche zur Beurteilung vorgelegt worden sein. Die Kritik des Beirats, dass die Präsentation wieder an den verfolgten, enteigneten und ermordeten Sammlern vorbeischaue, scheint nun nicht mehr Eingang in die Ausstellung finden zu können.

Laut dem Deutschlandfunk soll bei der Diskussion zwischen dem Kunsthaus-Team und dem wissenschaftlichen Beirat zudem gesagt worden sein, dass es sich ja nicht um eine Ausstellung über den Holocaust handle, sondern um die Präsentation einer Kunstsammlung.

Und laut SRF=:

Die Schicksale der jüdischen Vorbesitzer und Vorbesitzerinnen von Bührles Bildern und die Opferperspektive würden zu wenig berücksichtigt, kritisierte der Beirat. Beiratssprecherin Angeli Sachs entgegnet: «Die jüdischen Sammlerinnen und Sammler werden wohl gewürdigt, aber abgeschlossen für sich. Wir hätten uns gewünscht, sie träten wirklich hervor.»

In einer Ausstellung über Bührles Kunstsammlung geht es immer auch darum, zu erzählen, wie er von der Entrechtung, Beraubung, Verfolgung jüdischer Sammlerinnen und Sammler profitiert hat – als Waffenproduzent, aber auch als Kunstsammler.

Um das Ausmass des Profitierens verstehen zu können, muss das Ausmass der Verfolgung vermittelt werden. Beides hängt zusammen. Zu diesem Gleichgewicht aber findet die Ausstellung nicht.

Und der Tagi schreibt:

Im Kunsthaus Zürich liest man bloss biografische Skizzen, wie sie ein Provenienzforscher im Dienste der Bührle-Sammlung schreiben würde. Wann wurde aus welchem Grund wo ein bestimmtes Bild in der Sammlung verkauft?
Die Texte entsprechen im Wesentlichen dem, was man schon in der grossen Bührle-Monografie von Lukas Gloor oder auf Wikipedia nachlesen kann. Das ist überaus dürftig und wohl dem beschränkten Zeitbudget der Ausstellung geschuldet.
Leider kümmern sich die Ausstellungsmacher in der Zeit zwischen 1945 und 1956 nicht mehr gross um Provenienzen, obwohl auch Bührles Ankäufe der Nachkriegsjahre nicht selten auf jüdische Familien zurückzuführen sind, die nach dem Untergang des Dritten Reichs oft mittellos dastanden und ihre Kunstwerke auf den Markt brachten, weil sie schlicht Geld brauchten.

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"Leider steht auch in dieser neu konzipierten Ausstellung Emil Bührle im Zentrum der Narration und Kontextualisierung." kritisiert der Beirat zu Recht in seiner Erklärung.

Nun, zum gegenwärtigen Zeitpunkt scheint es aus juristischen Gründen wohl nicht opportun zu sein, den einstigen Eigentümer:innen der präsentierten Kunstwerke mehr Sichtbarkeit zuzugestehen, wie der Beirat sich das gewünscht hätte und auch empfohlen hat.
Das letzte Kapitel der beschämenden Causa Bührle in Zürich kann das also bestimmt noch nicht gewesen sein.

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Mathematiker
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(Sie meinen den Ex-Nationalbankpräsidenten Hildebrand.)

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Gaby Belz
Jeden Morgen neu
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Ohh. Da habe ich ihm zu viel Ehre angetan, sorry!

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Gaby Belz
Jeden Morgen neu
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Vielen Dank! Ich meine gelesen zu haben dass der Beirat selber ein Communiqué dazu herausgegeben hat. Das habe ich nicht gefunden. Hat jemand dazu Zugang? Der O-Ton wäre mir wichtig.

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Schliesslich habe ich sie noch gefunden: Hier ist die Erklärung des Beirats. Etwas versteckt über einen Link in der neuesten Medienmitteilung des Kunsthauses.

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Der O-Ton fehlt leider auch hier, aber ganz daneben wird es in diesem tachles-Artikel nicht sein:
https://www.tachles.ch/artikel/schw…im-zentrum

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Mir scheint, dieser Anbau an das Kunsthaus Zürich sei mittlerweile zu einer richtigen "Eiterbeule" ausgewachsen.
Aber ebenso interessant scheint mir, dass die ganze bessere Zürcher Gesellschaft vom "Züriberg" sich bis jetzt schadlos halten konnte. Da ich ein einfaches Gemüt bin, schaue ich noch so gerne den "Borchert-Krimi" https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Z…rich-Krimi, wie sich da der Anwalt ohne Lizenz durch die feine Gesellschaft durchschlängelt. Oder auch ein "von Allmen"-Krimi (https://de.wikipedia.org/wiki/Allmen_(Filmreihe)) schaue ich mir auch gerne an. Ich habe ja keine Ahnung, in wiefern die Bilder der gehobenen Gesellschaft mit der Realität zu tun haben. Das kann vielleicht ein*e Verleger*in mir erklären? ;) (aus "Gründen"). Wie dem auch sei: Von der Pampa aus (konkreter; der Umgebung von Olten) machen diese Vorgänge den Eindruck eines Eiertanzes, welcher auf eine seltsame Art amüsant und erschreckend zugleich ist.
Und noch eine letzte Anmerkung: Vielleicht "durfte" auch "dank" Herrn Bührle mein Grossvater während des 2. Weltkriegs als einfacher Soldat ca. 1000 Diensttage im Rheintal verbringen (er wäre dann Kanonenfutter gewesen als Grenzwächter)? Wie viele Träume, wie viel Lebenstage, wie viel Glück wurden "dank" den Waffen von Herrn Bührle zerstört?
So, nach diesen dunklen Gedanken möchte ich trotzdem herzlich für den Bericht danken. Auch wenn er halb so lustig und spannend ist wie ein "Borchert-Krimi" oder "von Allmen"-Krimi", habe ich ihn trotzdem sehr gerne gelesen.

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Simon Reber
Software Entwickler, Familienvater
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Ich persönlich würde es vorziehen, der Fokus der Republik Berichterstattung würde sich auf die Zwangsarbeiterinnen und das schäbige Verhalten der Bührle Erben diesbezüglich richten.
Denn diese Sammlung ist das Ergebnis eines Raubes von Reichen an Reichen.
Nicht dass dies kein Unrecht wäre, aber die Aufmerksamkeit auf das Jammern der Reichen ist sowieso schon gegeben, verbreiten diese doch auf allen Kanälen, mit viel Geld, die Mär von den fleissigen, geschröpften Chrampfern, welche sich Privatjet, Luxusjacht und Villa mit privatem Seezugang redlich verdient hätten und nun widerrechtlich enteignet werden sollen.
Dass die Geschichte der Ausbeutung und des Missbrauchs von Mittellosen Menschen nur ein verkümmertes Nischendasein in den Medien fristet, ist wie das Nachtreten auf ein am Boden liegendes Opfer.
Während die Protzerei der Vermögenden eine ganze Sparte von Regenbogenpresse, mit Milliardenumsatz, befeuert, werden die Berichte über die brutale Ausbeutung, welche diese irre Verschwendungssucht erst ermöglicht, verschämt im Beobachter, Surprise oder auch mal in einem Online Beitrag des vielgescholtenen srf, ein paar tausend Interessierten vorgelegt.
Da bräuchte es entschiedenes Gegensteuern.

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Nein, Herr Reber - diese Sammlung ist nicht das Ergebnis eines «Raubes von Reichen an Reichen», sondern eines Raubes von Nazis an Verfolgten. Und was meinen Sie mit dem «Jammern der Reichen»?

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Simon Reber
Software Entwickler, Familienvater
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Ich würde mal behaupten, die überwältigende Mehrheit der verfolgten Juden im 2. WK hatte kein Gemälde in ihrem Besitz, welches für Emil Bührle interessant gewesen wäre. Wir reden hier in dutzenden von Berichten in den letzten beiden Jahren über eine winzige Minderheit.
Suchen sie mal im Internet Berichte über Bührle, Raubkunst oder eben Fluchtgut. Es wird über 2000 Treffer geben. Und nun suchen sie nach Zwangsarbeit 2. Weltkrieg in der Schweiz. Es gibt keine 50, bevor es mit der fränkischen Schweiz anfängt.
Das Gleiche lässt sich machen mit Steueroptimierung und Tieflöhne. Während es buchstäblich Millionen von Berichten, Tipps und Analysen zum Steuerzahlen gibt, ist die Liste zu den Tieflöhnen etwa gleich dürftig wie die Löhne für Reinigungskräfte.
Das meine ich mit dem Jammern der Reichen.

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Ganz interessant auch diese, sehr konkret begründete Ausstellungskritik von Ellinor Landmann: https://www.srf.ch/audio/kontext/ku…d=12477525

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Gaby Belz
Jeden Morgen neu
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Dieser umfassende Beitrag bringt viel Licht in die Sache. Danke!

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Danke für den Hinweis auf dieses aufschlussreiche Gespräch! Zum ersten Mal erwäge ich einen Besuch dieser Sammlung.

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Ein Gezerre welches mittlerweile gigantische Ausmasse annahm. Die Bilder waren frueher schon der Oeffentlichkeit zugaenglich. Halt nur Mittwochs 9 bis 12 oder so. Bis sich irgendwann zeigte, dass eine Villa mit Nichts sicherheitstechnisch etwas knapp dasteht. Und dass die Eintritte die Personalkosten nicht tragen. Ein neues Management wollte wahrscheinlich positive Zahlen. Sonst waere die aufgeruestete Villa ja gut gewesen. Jedes Jahr ein paar Millionen Verlust macht sich auch gut fuer ein Hobby.
Die mittlerweile aufgelaufenen Sonderkosten waeren nicht noetig gewesen, aber halt der Preis fuer ein breiteres Publikum. Wird wahrscheinlich unter Werbung abgebucht. Ein eher seltsames Konstrukt erscheint mir, dass das Kunsthaus ein Gebaeude hinstellt, und die Bilder nicht besitzt. Kassiert die Stiftung Leihgebühren ? Viele Museen stellen geliehene Bilder aus. Wichtig ist, dass Eintritte minus Infrastruktur, Löhne, Leihkosten, Sicherheit, usw noch positiv sind. Nun wollen hier Aufschaeumer auch noch teilhaben. Der Wert der Bilder ... nun sie haben's bis in unsere Zeit geschafft. Nicht alle Maler konnten als Minimalisten ein paar runde Formen auf einer Leinwand als Fraueninspiration zu Hoechstpreisen verkaufen. Vielleicht sahen sie kaum mehr etwas und konnten sich mit ein paar Farbflecken zu einer Bruecke grad ueber Wasser halten. Oder durften in der Klapse fuer den Bruder noch ein paar schrillfarbige An- und Aussichten festhalten.
Mich erstaunt die Gutmütigkeit der Stiftung. Ueber Christies liessen sich sicher ein paar neue Besitzer finden, welche ihr Penthouse in Dubai damit schmuecken moechten.

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Tanner und Picard zeigen im Tagi-Interview auf, dass

  1. E.G.Bührle völkerrechtswidrig die verbotene Waffenproduktion für Deutschland in der Schweiz aufbaute

  2. Dass die riesigen Gewinne, die die Bührles erzielten, und die sie laut ehemaligem Kunsthausdirektor Becker zu den reichsten Schweizern, grössten Arbeitgebern, und grössten Wohltätern in der Schweiz machten, mitnichten aus eigener Kraft erwirtschaftet waren, sondern durch vom Bund finanziell abgesicherte Geschäfte.

Es ist an der Zeit, dass die Mythen über die Bührles, ihre Grosszügigkeit, endlich ins rechte Licht gerückt werden.

Diese «Finanzierung der deutschen Kriegsführung» (so der katholisch-konservative Bundesrat Enrico Celio im Januar 1941) kam einer Eingliederung der schweizerischen Waffenproduktion in die deutsche Rüstungswirtschaft gleich. Der freisinnige Finanzminister und Bundesrat Ernst Wetter notierte Anfang 1943 verärgert in seinem Tagebuch: «Wir zahlen den Exporteur gratis und franko und tragen Zins und Risiko.»

Die Schweiz hat einfach nur Glück gehabt, dass ihre Beteiligung bei Bührles völkerrechtswidrigem Aufbau der deutschen Waffenindustrie nie so richtig wahrgenommen wurde, international. Verkürzt liesse sich ja sagen, dass Bührle (und die Schweiz) mit Schuld sind am Leid all der von Nazideutschland Verfolgten und Ermordeten, aber auch, dass Nazideutschland überhaupt den 2.Weltkrieg anfangen konnte. Sehr unangenehmer Gedanke. Die Nazis, der BöFei, die Landischweiz und die schweizerische Finanzierung deutscher Waffen...

(https://epaper.tagesanzeiger.ch/art…/132797839)

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